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Wer war Elisabeth von Thüringen?

Die Wartburg auf einem bewaldeten Berg über Eisenach

Die kurze Antwort

Elisabeth von Thüringen war eine ungarische Königstochter, die im Mittelalter lebte. Sie wurde 1207 geboren und kam mit vier Jahren auf die Wartburg nach Thüringen. Mit 14 Jahren heiratete sie den Landgrafen Ludwig von Thüringen. Obwohl sie reich war, kümmerte sie sich selbst um Arme und Kranke und gründete Krankenhäuser. Nach dem Tod ihres Mannes verließ sie die Wartburg, lebte arm in Marburg und pflegte dort Kranke, bis sie 1231 mit nur 24 Jahren starb. Vier Jahre später wurde sie heiliggesprochen. Ihr Gedenktag ist der 19. November. An diesem Tag gibt es jedes Jahr einen Gottesdienst auf der Wartburg.

Die Wartburg auf einem bewaldeten Berg über Eisenach
Die Wartburg über der Stadt Eisenach in Thüringen. Hier wuchs Elisabeth auf und lebte als Landgräfin. Foto: Moritz Grenke, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Elisabeth von Thüringen ist eine der bekanntesten Heiligen in Deutschland. Nach ihr sind Kirchen, Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten benannt. Sie lebte vor etwa 800 Jahren und wurde nur 24 Jahre alt. In diesem Artikel erfährst du ihre Lebensgeschichte von der Geburt bis zum Tod, was am Rosenwunder wahr ist und warum ihr Gedenktag der 19. November ist.

Wer war Elisabeth von Thüringen?

Elisabeth von Thüringen war eine Prinzessin aus Ungarn, die durch ihre Heirat Landgräfin von Thüringen wurde und ihr Leben den Armen und Kranken widmete. Sie lebte von 1207 bis 1231. Schon wenige Jahre nach ihrem Tod erklärte der Papst sie zur Heiligen.

Eine Heilige ist ein Mensch, von dem die katholische Kirche sagt, dass er besonders nach dem christlichen Glauben gelebt hat und jetzt bei Gott ist. Die Kirche feiert für jede Heilige einen eigenen Tag im Jahr. Viele Menschen beten zu Heiligen und bitten sie um Hilfe.

Das Besondere an Elisabeth war, dass sie als reiche Fürstin nicht nur Geld für die Armen gab. Sie half selbst mit. Sie verteilte Essen, wusch Kranke, pflegte Menschen, vor denen sich andere ekelten, und lebte am Ende selbst so arm wie die Menschen, denen sie half. Wie es dazu kam, erzählt ihre Lebensgeschichte, die in Ungarn beginnt.

Wo und wann wurde Elisabeth geboren?

Elisabeth wurde im Jahr 1207 in Ungarn geboren, wahrscheinlich am 7. Juli auf der Burg Sárospatak (ausgesprochen „SCHAA-rosch-po-tok“). Sárospatak ist eine kleine Stadt im Nordosten von Ungarn. Ganz sicher ist der Geburtsort nicht, weil darüber keine Urkunde erhalten ist.

Ihr Vater war König Andreas II. von Ungarn. Ihre Mutter hieß Gertrud und stammte aus einer mächtigen Adelsfamilie aus Bayern, den Grafen von Andechs. Elisabeth war also eine Königstochter. Weil sie aus Ungarn stammt, nennt man sie in vielen Ländern auch Elisabeth von Ungarn. In Deutschland sagt man Elisabeth von Thüringen, weil sie fast ihr ganzes Leben in Thüringen verbrachte. Dorthin kam sie schon als kleines Kind.

Warum kam Elisabeth schon mit vier Jahren nach Thüringen?

Elisabeth kam mit vier Jahren nach Thüringen, weil sie dort später einen Sohn des Landgrafen heiraten sollte. Im Jahr 1211 wurde sie mit Hermann verlobt, dem ältesten Sohn des Landgrafen Hermann I. von Thüringen. Danach reiste sie mit einem großen Gefolge und vielen Geschenken auf die Wartburg bei Eisenach.

Im Mittelalter war es unter Adligen üblich, dass Eltern ihre Kinder schon früh verlobten. Mit solchen Hochzeiten schlossen Königs- und Fürstenfamilien Bündnisse miteinander. Die Braut wuchs dann oft schon als Kind bei der Familie ihres späteren Mannes auf. So lernte sie die Sprache, die Bräuche und das Leben an diesem Hof kennen. Elisabeth wurde von Landgräfin Sophie erzogen, der Mutter ihres Verlobten.

Für das kleine Mädchen war die Zeit auf der Wartburg nicht leicht. Im Jahr 1213 wurde ihre Mutter in Ungarn ermordet. Danach war unsicher, ob der ungarische König die versprochene Mitgift bezahlen würde. Das war das Geld und der Besitz, den eine Braut mit in die Ehe brachte. Im Jahr 1216 starb dann auch noch Elisabeths Verlobter Hermann. Am Hof sagten manche, man solle das Mädchen nach Ungarn zurückschicken. Dass sie bleiben durfte, verdankte sie Hermanns jüngerem Bruder.

Wen hat Elisabeth geheiratet?

Elisabeth heiratete im Jahr 1221 Ludwig IV. von Thüringen, den jüngeren Bruder ihres verstorbenen Verlobten. Sie war damals 14 Jahre alt, Ludwig war 21. Die Hochzeit fand in der Georgenkirche in Eisenach statt.

Ludwig war Landgraf von Thüringen, seit sein Vater im Jahr 1217 gestorben war. Ein Landgraf war ein mächtiger Fürst, der im Auftrag des Kaisers über ein großes Gebiet herrschte. Ludwig gehörten Thüringen und Teile von Hessen. Seine Frau war die Landgräfin. Elisabeth war damit eine der wichtigsten Frauen im Reich.

Ihre Ehe war etwas Besonderes, denn Elisabeth und Ludwig liebten sich. Bei Adligen war das im Mittelalter selten, weil die Eltern die Ehen meistens aus politischen Gründen bestimmten. Ludwig hatte Elisabeth seit ihrer Kindheit gekannt und wollte sie heiraten, obwohl andere am Hof dagegen waren. In den folgenden Jahren bekamen die beiden drei Kinder.

Hatte Elisabeth von Thüringen Kinder?

Ja, Elisabeth hatte drei Kinder, einen Sohn und zwei Töchter. Ihr erstes Kind bekam sie mit 15 Jahren.

KindGeborenWas aus ihm wurde
Hermann1222Er wurde Landgraf von Thüringen, starb aber schon mit 18 Jahren.
Sophie1224Sie heiratete den Herzog von Brabant. Durch sie wurde Elisabeth die Stammmutter der Landgrafen von Hessen.
Gertrud1227Sie wurde erst nach dem Tod ihres Vaters geboren und leitete später fast 50 Jahre lang das Kloster Altenberg bei Wetzlar.

Neben ihrer Familie kümmerte sich Elisabeth schon als junge Landgräfin um etwas, das sie ihr ganzes Leben nicht mehr losließ, die Not der armen Menschen.

Warum half Elisabeth den Armen?

Elisabeth half den Armen, weil sie so leben wollte, wie Jesus es nach der Bibel gelehrt hatte. Jesus hat gesagt, dass man ihm selbst hilft, wenn man Hungrigen zu essen gibt, Kranke besucht und Fremde aufnimmt. Elisabeth nahm diesen Satz sehr ernst.

Bestärkt wurde sie darin von Franziskanern. Das waren Mönche, die nach dem Vorbild von Franz von Assisi (ausgesprochen „a-SII-si“) lebten. Franz war ein Mann aus Italien, der seinen ganzen Reichtum weggegeben hatte und wie die Armen lebte. Im Jahr 1225 kamen die ersten Franziskaner nach Eisenach, und Elisabeth half ihnen, dort ein Kloster zu gründen.

Für die Armen zu sorgen, gehörte im Mittelalter zu den Aufgaben einer Fürstin. Elisabeth wollte aber mehr tun. Sie verschenkte ihren Schmuck und ihre teuren Kleider. Sie ging barfuß zur Kirche, spann Wolle für die Armen, besuchte Kranke und wusch sogar Tote, damit sie anständig begraben werden konnten.

Viele am Hof fanden das unmöglich. Eine Landgräfin sollte sich prächtig kleiden und würdig auftreten, so wie es die anderen Fürstinnen taten. Dass Elisabeth sich mit Kranken und Bettlern abgab, galt als peinlich für die ganze Familie. Ludwig dagegen unterstützte seine Frau. Mit seiner Hilfe konnte sie sogar eigene Krankenhäuser bauen.

Welche Krankenhäuser hat Elisabeth gegründet?

Elisabeth hat drei Krankenhäuser gegründet, zwei davon in ihrer Zeit auf der Wartburg und das dritte später in Marburg. Im Mittelalter nannte man ein Krankenhaus Hospital oder Spital. Dort wurden Kranke gepflegt, aber auch Arme, Alte und Waisenkinder versorgt.

Das erste Hospital gründete Elisabeth im Jahr 1223 in der Stadt Gotha. Um 1225 ließ sie ein kleines Hospital direkt unterhalb der Wartburg bauen. So konnte sie die Kranken jeden Tag selbst besuchen. Den Platz nennt man heute Elisabethplan. Dort hat man bei Ausgrabungen die alten Grundmauern gefunden und sie für Besucher sichtbar gemacht. Eine Bronzefigur erinnert dort an Elisabeth. Wie das dritte Hospital in Marburg entstand, erfährst du weiter unten.

Bronzefigur der heiligen Elisabeth am Elisabethplan unterhalb der Wartburg
Eine Bronzefigur von Elisabeth am Elisabethplan unterhalb der Wartburg. Hier stand ihr Hospital. Foto: Agathas MissMarple, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Auf dem Weg von der Burg hinunter zu diesem Hospital und zu den Armen soll sich auch die bekannteste Geschichte über Elisabeth abgespielt haben, das Rosenwunder.

Was ist das Rosenwunder?

Das Rosenwunder ist die bekannteste Legende über Elisabeth. Eine Legende ist eine Geschichte über einen Heiligen, die nicht unbedingt so passiert ist, aber etwas über ihn zeigen soll.

Die Geschichte geht so. Elisabeth trug in einem Korb Brot von der Wartburg hinunter zu den Armen. Unterwegs traf sie ihren Mann Ludwig. Seine Begleiter hatten sich über Elisabeths Verschwendung beschwert. Ludwig fragte deshalb, was sie da trage, und hob das Tuch vom Korb. Doch statt Brot lagen darin lauter Rosen. Dabei war es mitten im Winter. Die Legende will zeigen, dass Gott selbst Elisabeth beschützte, wenn sie den Armen half.

Wandbild von Moritz von Schwind: Elisabeth öffnet vor Ludwig ihren Korb voller Rosen
Das Rosenwunder auf einem Wandbild, das Moritz von Schwind in den Jahren 1854 und 1855 in der Elisabethgalerie der Wartburg gemalt hat. Foto: Moritz von Schwind, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Das Rosenwunder ist wahrscheinlich nicht passiert. In den ältesten Berichten über Elisabeth kommt es nicht vor, auch nicht in den großen Sammlungen von Heiligenlegenden aus dem Mittelalter. Außerdem hat Ludwig die Hilfe seiner Frau für die Armen ja unterstützt und hätte sie nicht kontrollieren müssen. Eine sehr ähnliche Geschichte erzählt man von Elisabeth von Portugal, einer Großnichte von Elisabeth von Thüringen. Vermutlich wurde die Geschichte später auf Elisabeth von Thüringen übertragen. Weil Elisabeth seitdem auf Bildern mit Rosen gezeigt wird, kennen viele Menschen sie vor allem als die Heilige mit dem Rosenkorb.

Welche Legenden erzählt man noch aus Elisabeths Zeit auf der Wartburg?

Aus der Zeit auf der Wartburg gibt es noch zwei weitere Legenden. Auch sie handeln davon, dass Elisabeth wegen ihrer Hilfe für die Armen Ärger bekam und Gott ihr beistand.

In der ersten Legende legte Elisabeth einen Kranken mit Aussatz zur Pflege in ihr eigenes Ehebett. Aussatz ist eine ansteckende Krankheit, bei der Haut und Nerven zerstört werden. Heute nennt man sie Lepra. Ihre Schwiegermutter Sophie holte empört Ludwig herbei. Als Ludwig die Decke zurückzog, sah er dort aber nicht den Kranken, sondern ein Bild von Jesus am Kreuz. Die Legende will zeigen, dass Elisabeth in jedem Kranken Jesus selbst sah.

In der zweiten Legende kam ein Kaiser zu Besuch auf die Wartburg. Elisabeth hatte aber alle schönen Kleider an die Armen verschenkt und besaß nichts Passendes mehr. Da schickte Gott einen Engel, der ihr ein prächtiges Gewand brachte. So erschien sie schöner als alle anderen Gäste im Saal.

Belegt ist dagegen, was Elisabeth wenig später in einer echten Notlage tat.

Was tat Elisabeth während der Hungersnot?

Während einer großen Hungersnot im Jahr 1226 ließ Elisabeth die Kornspeicher der Landgrafen öffnen und das Getreide an die hungernden Menschen verteilen. Ludwig war in dieser Zeit in Italien beim Kaiser. Elisabeth regierte an seiner Stelle.

Eine Hungersnot entsteht, wenn eine Ernte schlecht ausfällt und die Menschen nicht genug zu essen haben. Im Mittelalter konnten dabei viele Menschen sterben, weil es keine Möglichkeit gab, schnell Lebensmittel aus anderen Ländern zu holen. Elisabeth gab nicht nur Korn aus. Sie ließ auch Geld aus der Kasse der Landgrafen an die Armen verteilen und gab jeden Tag selbst Essen an Hungernde aus.

Die Beamten am Hof waren empört und beschwerten sich bei Ludwig, als er zurückkam. Ludwig stellte sich aber hinter seine Frau und sagte, sie habe richtig gehandelt. Später erzählte man dazu eine Legende. Danach waren die leeren Speicher auf einmal wieder voller Korn, als die Beamten Elisabeth Vorwürfe machten.

Im selben Jahr 1226 kam ein Mann in Elisabeths Leben, der sie bis zu ihrem Tod begleiten sollte.

Wer war Konrad von Marburg?

Konrad von Marburg war ein Priester, der ab 1226 Elisabeths geistlicher Begleiter war. Er war ihr Beichtvater. Das ist ein Priester, dem man seine Fehler erzählt und der einem Ratschläge für ein Leben im Glauben gibt.

Konrad war ein sehr strenger Mann. Elisabeth versprach, ihm zu gehorchen. Konrad verlangte von ihr immer mehr Verzicht und bestrafte sie hart, wenn sie seine Regeln nicht befolgte. Dabei schlug er sie sogar. Er verbot ihr zum Beispiel, Essen anzunehmen, das den Bauern ungerecht abgenommen worden war. Deshalb aß Elisabeth am Hof oft nur Brot.

Viele Menschen fanden schon damals, dass Konrad zu viel Macht über Elisabeth hatte. Solange Ludwig lebte, hatte sie aber einen Mann an ihrer Seite, der sie schützte. Das änderte sich im Jahr darauf.

Was geschah, als Ludwig starb?

Als Ludwig im Jahr 1227 starb, verlor Elisabeth ihren wichtigsten Beschützer, und ihr Leben auf der Wartburg ging zu Ende. Ludwig starb am 11. September 1227 in Italien, als er auf dem Weg zu einem Kreuzzug war. Ein Kreuzzug war ein Kriegszug, bei dem christliche Ritter versuchten, die Stadt Jerusalem und andere heilige Orte zu erobern. Als Landgraf diente Ludwig dem Kaiser. Deshalb musste er mitziehen, als Kaiser Friedrich II. zu diesem Kreuzzug aufrief.

Im Juni 1227 verabschiedete sich Ludwig von Elisabeth. Sie war damals mit ihrem dritten Kind schwanger und begleitete ihn noch ein Stück. In Süditalien brach in dem Heer eine Seuche aus. Ludwig wurde krank und starb in der Hafenstadt Otranto (ausgesprochen „O-tran-to“). Die Nachricht von seinem Tod erreichte Elisabeth erst im Oktober, kurz nachdem ihre Tochter Gertrud geboren war. Nach einem alten Bericht sagte sie damals, mit Ludwig sei für sie die ganze Welt gestorben.

Ohne Ludwig hatte Elisabeth am Hof niemanden mehr, der sie und ihre Hilfe für die Armen verteidigte. Das bekam sie schon wenige Wochen später zu spüren.

Warum musste Elisabeth die Wartburg verlassen?

Elisabeth verließ die Wartburg im Winter 1227, weil sie mit Ludwigs Bruder Heinrich Raspe in Streit geraten war. Heinrich Raspe regierte nun an Stelle von Elisabeths Sohn Hermann, der noch ein kleines Kind war. Er nahm Elisabeth ihr Witwengut weg. Das waren Ländereien und Einnahmen, die einer Frau nach dem Tod ihres Mannes zustanden, damit sie davon leben konnte.

Heinrich Raspe wollte verhindern, dass Elisabeth alles an die Armen verschenkte. Er erlaubte ihr zwar, auf der Burg zu wohnen und dort zu essen. Weil Konrad ihr aber das Essen vom Hof verboten hatte, konnte sie dort fast nichts mehr essen. Elisabeth ging deshalb mit zwei Dienerinnen hinunter nach Eisenach. Ihre Kinder wurden ihr bald nachgebracht.

In Eisenach wollte niemand die Landgräfin aufnehmen. Viele hatten Angst vor Heinrich Raspe. Sogar Arme, denen sie früher geholfen hatte, verspotteten sie. Schließlich musste Elisabeth mit ihren Kindern in einem alten Schweinestall übernachten. Danach brachten Verwandte ihrer Mutter sie zu ihrem Onkel, dem Bischof von Bamberg. Er wollte, dass sie wieder heiratet, doch Elisabeth weigerte sich. Sie hatte versprochen, nach Ludwigs Tod nicht mehr zu heiraten. Im Jahr 1228 bekam sie schließlich doch noch Geld aus ihrem Witwengut ausgezahlt. Damit konnte sie ein neues Leben beginnen, so wie sie es sich schon lange wünschte.

Wie lebte Elisabeth in Marburg?

In Marburg lebte Elisabeth arm wie eine einfache Dienerin und pflegte in ihrem eigenen Hospital Kranke. Nach Marburg ging sie, weil Konrad dort lebte. Im Jahr 1228 legte sie in Eisenach ein Gelübde ab und zog ein einfaches graues Kleid an. Ein Gelübde ist ein feierliches Versprechen vor Gott. Elisabeth versprach, in Armut zu leben und Gott zu dienen. Damit gehörte sie zu den Menschen, die wie die Franziskaner leben wollten, ohne in ein Kloster zu gehen. Sie nennt man Tertiarinnen (ausgesprochen „ter-zi-AA-rin-nen“).

Was tat Elisabeth in ihrem Hospital?

Mit dem Geld aus ihrem Witwengut baute Elisabeth im Jahr 1228 in Marburg ihr drittes Hospital. Sie benannte es nach Franz von Assisi, der zwei Jahre vorher gestorben und gerade heiliggesprochen worden war. Es war das erste Haus nördlich der Alpen, das nach ihm benannt wurde. Dort arbeitete Elisabeth jeden Tag. Sie wusch die Kranken, verband ihre Wunden, fütterte sie und tröstete Sterbende. Besonders kümmerte sie sich um Menschen mit Aussatz. Sie mussten außerhalb der Städte leben, weil alle Angst vor ihnen hatten. Elisabeth hatte keine Angst. Ihr Geld für das tägliche Leben verdiente sie mit dem Spinnen von Wolle.

Wo waren Elisabeths Kinder in dieser Zeit?

Ihre Kinder lebten in dieser Zeit nicht bei ihr. Hermann und Sophie wuchsen bei Verwandten auf. Die kleine Gertrud brachte Elisabeth im Alter von etwa zwei Jahren zu den Frauen im Kloster Altenberg. Auch von ihren Freundinnen und Dienerinnen musste sie sich auf Konrads Befehl trennen.

War Elisabeth in Marburg unglücklich?

Nein, trotz ihres harten Lebens war Elisabeth fröhlich. Von ihr wird der Satz überliefert „Man soll die Menschen froh machen“. Ihre Dienerinnen erzählten später, dass sie oft lachte und auch die Kranken zum Lachen brachte. Dieses Leben hielt sie aber nur drei Jahre lang durch.

Wann und woran ist Elisabeth gestorben?

Elisabeth starb in der Nacht vom 16. auf den 17. November 1231 in Marburg. Sie war erst 24 Jahre alt. Woran sie genau gestorben ist, weiß man nicht. Sie war von der schweren Arbeit, dem vielen Fasten und den harten Strafen von Konrad völlig erschöpft und wurde im November krank.

In ihren letzten Tagen verschenkte sie ihre letzten Sachen und tröstete ihre Gefährtinnen. Am 19. November 1231 wurde sie in der Kapelle ihres Hospitals in Marburg begraben. Schon kurz danach kamen die ersten Menschen an ihr Grab, um dort zu beten.

Wann wurde Elisabeth heiliggesprochen?

Elisabeth wurde am 27. Mai 1235 heiliggesprochen, nur dreieinhalb Jahre nach ihrem Tod. Papst Gregor IX. verkündete es am Pfingstfest in der Stadt Perugia (ausgesprochen „pe-RUU-dscha“) in Italien. Bei einer Heiligsprechung erklärt der Papst feierlich, dass ein Mensch heilig ist und von allen Christen verehrt werden darf.

Dass es so schnell ging, lag an den vielen Menschen, die an ihrem Grab beteten. Manche erzählten, sie seien dort gesund geworden. Die Kirche ließ diese Berichte aufschreiben und Zeugen befragen. Insgesamt sind 106 solche Wunderberichte erhalten. Außerdem befragte man vier Dienerinnen, die mit Elisabeth gelebt hatten. Ihre Aussagen und ein Brief von Konrad an den Papst sind bis heute erhalten. Sie sind die wichtigsten Quellen über Elisabeths Leben. Was in diesem Artikel über ihr Leben steht, stammt vor allem aus diesen Berichten.

Wo ist Elisabeth begraben?

Elisabeth wurde in Marburg begraben, zuerst in der Kapelle ihres Hospitals. Nach ihrer Heiligsprechung kamen so viele Pilger an ihr Grab, dass man ab 1235 über dem Grab eine große Kirche baute, die Elisabethkirche. Pilger sind Menschen, die zu einem heiligen Ort reisen, um dort zu beten.

Die gotische Elisabethkirche in Marburg mit zwei hohen Türmen
Die Elisabethkirche in Marburg mit ihren beiden Türmen. Sie steht über dem Grab der heiligen Elisabeth. Foto: Hydro, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Im Jahr 1236 wurden Elisabeths Gebeine aus dem Grab genommen und feierlich auf den Altar gelegt. Dazu kam sogar Kaiser Friedrich II. nach Marburg. Später legte man die Gebeine in einen vergoldeten Schrein. Das ist ein großer Kasten in Form eines kleinen Hauses, in dem man die Überreste eines Heiligen aufbewahrt. Auf seinem Dach sind Szenen aus Elisabeths Leben zu sehen.

Heute liegen Elisabeths Gebeine nicht mehr darin. Im Jahr 1539 ließ Landgraf Philipp von Hessen sie herausholen. Er war evangelisch geworden und wollte nicht, dass die Menschen die Überreste von Heiligen verehren. Erinnert wird an Elisabeth aber bis heute, vor allem an ihrem Gedenktag.

Warum ist der Gedenktag von Elisabeth am 19. November?

Der Gedenktag von Elisabeth ist am 19. November, weil sie an diesem Tag im Jahr 1231 begraben wurde. Ein Gedenktag ist der Tag, an dem die Kirche jedes Jahr an eine Heilige erinnert. Meistens ist das ihr Todestag.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz feiern die katholische und die evangelische Kirche Elisabeth am 19. November. In vielen anderen Ländern feiern die Katholiken ihren Todestag, den 17. November. Alle Mädchen und Frauen, die Elisabeth heißen, können an diesem Tag Namenstag feiern. Das gilt auch für Namen, die von Elisabeth abstammen, zum Beispiel Elsa, Lisa, Liesel, Ilse, Betty oder Isabell.

Besonders gefeiert wird ihr Gedenktag auf der Wartburg, wo Elisabeth aufgewachsen ist und als Landgräfin gelebt hat.

Was passiert am 19. November auf der Wartburg?

Am 19. November gibt es jedes Jahr einen ökumenischen Gottesdienst in der Kapelle der Wartburg, in dem an Elisabeth erinnert wird. Ökumenisch bedeutet, dass katholische und evangelische Christen den Gottesdienst gemeinsam feiern. Im Jahr 2026 ist er am Donnerstag, dem 19. November, um 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

In Zukunft soll jeder dieser Gottesdienste eine Einrichtung in den Mittelpunkt stellen, die heute so arbeitet wie Elisabeth, zum Beispiel für arme oder kranke Menschen. Das haben die Stadt Eisenach, die Kirchen und die Wartburg im Jahr 2026 in einer gemeinsamen Erklärung beschlossen. Auch viele andere Menschen und Einrichtungen berufen sich bis heute auf Elisabeth.

Wofür ist Elisabeth Schutzpatronin?

Elisabeth ist die Schutzpatronin von Thüringen und Hessen und von allen, die Armen und Kranken helfen. Eine Schutzpatronin ist eine Heilige, von der Christen glauben, dass sie für bestimmte Menschen, Berufe oder Orte bei Gott besonders um Hilfe bittet. Thüringen und Hessen sind die beiden Länder, in denen Elisabeth gelebt hat.

Zu Elisabeths Schützlingen gehören Kranke, Arme, Bettler, Witwen, Waisen und Menschen, die unschuldig verfolgt werden. Das sind genau die Menschen, denen sie zu Lebzeiten geholfen hat oder deren Schicksal sie selbst erlebt hat. Sie ist auch die Patronin der Bäcker, weil sie den Hungernden Brot gab. Außerdem ist sie die Patronin der Caritas. So heißt der große Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche, der zum Beispiel Altenheime, Kindergärten und Beratungsstellen betreibt. Deshalb tragen auch viele Krankenhäuser und Pflegeheime ihren Namen.

Quellen: katholisch.de: Elisabeth von Thüringen, die Patronin der Nächstenliebe, Bistum Erfurt: Elisabeth von Thüringen 1207–1231, Bistum Augsburg: Elisabeth von Thüringen, Deutsches Ärzteblatt: Die Hospitalheilige Elisabeth von Thüringen, Elisabethkirche Marburg: Geschichte, Wartburg-Stiftung: Heilige Elisabeth von Thüringen, Wartburg-Stiftung: Gottesdienst zum Tag der Heiligen Elisabeth, Stadt Eisenach: Elisabeth-Charta, Stadt Eisenach: Heilige Elisabeth und Ökumenisches Heiligenlexikon: Elisabeth von Thüringen.

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