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Welche Rechte haben Kinder?

Kinder in Bangladesch laufen über ein Feld, auf dem bunte Stoffbahnen zum Trocknen ausgelegt sind

Die kurze Antwort

Kinder haben dieselben Menschenrechte wie Erwachsene und zusätzlich besondere Kinderrechte. Diese stehen in der UN-Kinderrechtskonvention, einem Vertrag, den fast alle Länder der Welt unterschrieben haben. Sie gilt für alle Menschen unter 18 Jahren. Kinder haben zum Beispiel ein Recht auf Leben und Gesundheit, auf Bildung, auf Spiel und Freizeit, auf eine Erziehung ohne Gewalt, auf Schutz vor Ausbeutung und das Recht, bei allem mitzureden, was sie betrifft. Die Vereinten Nationen haben die Konvention am 20. November 1989 beschlossen. Deshalb ist der 20. November der Internationale Tag der Kinderrechte.

Kinder in Bangladesch laufen über ein Feld, auf dem bunte Stoffbahnen zum Trocknen ausgelegt sind
Kinder in Bangladesch laufen über ein Feld, auf dem bunte Stoffe trocknen. Zu den Kinderrechten gehört auch das Recht auf Spiel und Freizeit. Foto: Jubair Ahmed Arnob, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Jedes Kind auf der Welt hat Rechte, ganz egal, wo es lebt, welche Sprache es spricht oder wie viel Geld seine Familie hat. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Rechte das genau sind, wo sie aufgeschrieben stehen, seit wann es sie gibt und was man tun kann, wenn sie verletzt werden.

Was sind Kinderrechte?

Kinderrechte sind die Rechte, die jedes Kind hat, nur weil es ein Mensch und ein Kind ist. Die wichtigsten Kinderrechte stehen in der UN-Kinderrechtskonvention.

Eine Konvention ist ein Vertrag zwischen vielen Ländern. Die Länder versprechen darin, sich an bestimmte Regeln zu halten. Die UN-Kinderrechtskonvention heißt mit vollem Namen Übereinkommen über die Rechte des Kindes. Die Abkürzung UN steht für die Vereinten Nationen, auf Englisch United Nations. Das ist eine Gemeinschaft, in der fast alle Staaten der Erde zusammenarbeiten. Die Länder, die die Konvention angenommen haben, heißen Vertragsstaaten.

Ein Kind ist nach der Konvention jeder Mensch, der noch nicht 18 Jahre alt ist. Nur wenn ein Land die Volljährigkeit früher festlegt, endet der Schutz dort früher. So steht es gleich im ersten Artikel. Ein Artikel ist ein nummerierter Abschnitt in einem Vertrag oder Gesetz.

Kinderrechte sind Menschenrechte. Menschenrechte sind Rechte, die jeder Mensch von Geburt an hat, zum Beispiel das Recht auf Leben oder das Recht, seine Meinung zu sagen. Die Kinderrechtskonvention hat diese Rechte für Kinder ausdrücklich aufgeschrieben und um Rechte ergänzt, die nur Kinder brauchen, etwa das Recht auf Spiel oder auf eine kindgerechte Erziehung.

Warum brauchen Kinder eigene Rechte?

Kinder brauchen eigene Rechte, weil sie besonders auf Schutz und Hilfe angewiesen sind und sich noch nicht allein gegen Ungerechtigkeit wehren können.

Ein Baby kann sich nicht selbst ernähren, ein Kleinkind kann nicht allein zum Arzt gehen, und ein Schulkind kann nicht selbst bestimmen, ob in seinem Ort eine Schule gebaut wird. Kinder sind deshalb darauf angewiesen, dass Erwachsene für sie sorgen und gute Entscheidungen treffen. Gleichzeitig können Kinder bei Wahlen nicht abstimmen. Ohne eigene Rechte würden ihre Wünsche und Bedürfnisse leicht übersehen.

Früher galten Kinder in vielen Ländern fast als Besitz ihrer Eltern. Sie mussten in Fabriken und Bergwerken arbeiten, durften geschlagen werden und hatten oft keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Die Kinderrechte legen fest, dass Kinder eigene Persönlichkeiten mit eigenen Rechten sind. Die Erwachsenen und der Staat müssen diese Rechte achten, schützen und dafür sorgen, dass sie wirklich gelten.

Welche Rechte haben Kinder?

Kinder haben Rechte auf Schutz, auf Förderung und auf Beteiligung. Fachleute nennen das die drei P, nach den englischen Wörtern protection, provision und participation.

  • Schutzrechte schützen Kinder vor Gewalt, Missbrauch, Ausbeutung, Krieg und Vernachlässigung.
  • Förderrechte sorgen dafür, dass Kinder alles bekommen, was sie zum Leben und Lernen brauchen, zum Beispiel Nahrung, Gesundheit und Bildung.
  • Beteiligungsrechte geben Kindern das Recht, ihre Meinung zu sagen, sich zu informieren und mitzubestimmen.

Die Tabelle zeigt wichtige Kinderrechte und in welchem Artikel der Konvention sie stehen.

KinderrechtWas es bedeutetArtikel
GleichbehandlungKein Kind darf benachteiligt werden, zum Beispiel wegen seiner Hautfarbe, seines Geschlechts, seiner Religion, einer Behinderung oder weil seine Familie arm ist.2
Leben und EntwicklungJedes Kind hat ein Recht auf Leben. Der Staat muss möglichst gut dafür sorgen, dass Kinder überleben und sich entwickeln können.6
Name und StaatsangehörigkeitJedes Kind wird nach der Geburt in ein Register eingetragen und bekommt einen Namen und eine Staatsangehörigkeit.7
FamilieKinder sollen, wenn möglich, bei ihren Eltern aufwachsen. Leben die Eltern getrennt, hat das Kind das Recht, beide regelmäßig zu sehen, wenn das seinem Wohl nicht schadet.9
MitbestimmungKinder dürfen bei allem, was sie betrifft, ihre Meinung sagen. Erwachsene müssen diese Meinung je nach Alter und Reife des Kindes berücksichtigen.12
Meinung und InformationKinder dürfen ihre Meinung frei äußern und sich Informationen beschaffen, zum Beispiel aus Büchern, Zeitungen oder dem Internet.13 und 17
Gedanken und ReligionKinder dürfen frei denken und haben ein Recht auf Glaubensfreiheit. Ihre Eltern dürfen sie dabei anleiten.14
PrivatsphäreNiemand darf ohne Grund in das Privatleben eines Kindes eingreifen oder seine Briefe und Nachrichten lesen.16
Schutz vor GewaltKinder müssen vor jeder Form von Gewalt, Misshandlung und Vernachlässigung geschützt werden, auch in der eigenen Familie.19
Schutz auf der FluchtKinder, die aus ihrem Land fliehen mussten, bekommen besonderen Schutz und Hilfe.22
Kinder mit BehinderungKinder mit Behinderung haben ein Recht auf besondere Förderung, damit sie selbstständig leben und überall mitmachen können.23
GesundheitKinder haben ein Recht auf die bestmögliche Gesundheit und auf ärztliche Behandlung.24
Angemessener LebensstandardKinder sollen so leben können, dass sie sich körperlich, geistig und seelisch gut entwickeln, also zum Beispiel mit genug Essen, Kleidung und einer Wohnung.27
BildungJedes Kind hat ein Recht auf Bildung. Die Grundschule muss für alle Pflicht und kostenlos sein.28
Spiel und FreizeitKinder haben ein Recht auf Ruhe, Freizeit, Spiel und darauf, bei Kunst und Kultur mitzumachen.31
Schutz vor AusbeutungKinder dürfen nicht zu Arbeit gezwungen werden, die gefährlich ist, ihrer Gesundheit schadet oder sie vom Lernen abhält.32
Schutz vor sexuellem MissbrauchDer Staat muss Kinder vor sexueller Gewalt und Ausbeutung schützen.34
Schutz im KriegKinder unter 15 Jahren dürfen nicht als Soldaten eingesetzt werden. Im Krieg müssen Kinder besonders geschützt werden.38
Kinderrechte kennenDie Länder müssen die Kinderrechte bei Kindern und Erwachsenen bekannt machen.42

Kein Recht ist wichtiger als ein anderes. Die Rechte gehören zusammen und hängen voneinander ab. Ein Kind, das hungert, kann zum Beispiel nicht gut lernen. Und ein Kind, das arbeiten muss, hat keine Zeit für die Schule und zum Spielen.

Was sind die zehn wichtigsten Kinderrechte?

Eine feste Liste der zehn wichtigsten Kinderrechte gibt es in der Konvention nicht. Das Kinderhilfswerk UNICEF hat die Rechte aber in zehn Punkten zusammengefasst, damit Kinder sie sich leichter merken können. UNICEF gehört zu den Vereinten Nationen und setzt sich weltweit für Kinder ein.

Nach UNICEF sind die zehn wichtigsten Kinderrechte:

  • Alle Kinder sollen gleich behandelt werden.
  • Jedes Kind soll die Kinderrechte kennen.
  • Kinder sollen bei ihren Eltern aufwachsen.
  • Kinder dürfen mitbestimmen.
  • Kinder sollen ohne Gewalt groß werden.
  • Geflüchtete Kinder brauchen besonderen Schutz.
  • Kinder haben ein Recht auf Gesundheit.
  • Kinder sollen lernen dürfen.
  • Kinder müssen spielen und Spaß haben dürfen.
  • Kinder sollen nicht hart arbeiten müssen.

Wie viele Kinderrechte gibt es?

Die UN-Kinderrechtskonvention hat 54 Artikel. In den ersten 41 Artikeln stehen die eigentlichen Rechte der Kinder.

Die Konvention ist in drei Teile gegliedert:

  • Teil I (Artikel 1 bis 41) enthält die Rechte der Kinder.
  • Teil II (Artikel 42 bis 45) regelt, wie die Rechte bekannt gemacht und kontrolliert werden.
  • Teil III (Artikel 46 bis 54) regelt, wie die Länder dem Vertrag beitreten und wann er gilt.

Viele Artikel enthalten mehrere Rechte auf einmal. Deshalb kann man nicht genau sagen, wie viele einzelne Kinderrechte es sind. Man spricht meist von den 41 Artikeln mit Rechten.

Außerdem gibt es drei Ergänzungen zur Konvention. Sie heißen Zusatzprotokolle oder Fakultativprotokolle. Ein Land kann selbst entscheiden, ob es sie zusätzlich annimmt. Das erste Zusatzprotokoll schützt Kinder in Kriegen, das zweite schützt sie vor Kinderhandel und sexueller Ausbeutung, und das dritte erlaubt Kindern, sich bei den Vereinten Nationen zu beschweren. Deutschland hat alle drei angenommen.

Was sind die vier Grundprinzipien der Kinderrechte?

Die vier Grundprinzipien sind das Recht auf Gleichbehandlung, der Vorrang des Kindeswohls, das Recht auf Leben und Entwicklung und das Recht auf Beteiligung.

Ein Grundprinzip ist eine Grundregel, die bei allen anderen Rechten mitgilt. Wer ein Kinderrecht anwendet, muss also immer auch diese vier Regeln beachten.

  • Gleichbehandlung (Artikel 2): Alle Rechte gelten für jedes Kind, ohne jede Diskriminierung. Diskriminierung bedeutet, dass jemand schlechter behandelt wird, zum Beispiel wegen seiner Herkunft, seiner Hautfarbe, seines Geschlechts, seiner Sprache, seiner Religion oder einer Behinderung.
  • Vorrang des Kindeswohls (Artikel 3): Bei allem, was Kinder betrifft, muss das Kindeswohl vorrangig beachtet werden. Kindeswohl heißt: Was ist das Beste für das Kind? Das gilt für Gerichte, Behörden, Schulen und Parlamente.
  • Leben und Entwicklung (Artikel 6): Jedes Kind hat ein angeborenes Recht auf Leben. Der Staat muss so gut wie möglich dafür sorgen, dass Kinder überleben und sich gut entwickeln.
  • Beteiligung (Artikel 12): Jedes Kind, das sich eine eigene Meinung bilden kann, darf sie in allen Dingen frei sagen, die es betreffen. Die Erwachsenen müssen diese Meinung ernst nehmen und je nach Alter und Reife des Kindes berücksichtigen.

Mitbestimmen heißt aber nicht, dass Kinder immer allein entscheiden. Bei kleinen Kindern entscheiden die Eltern mehr, bei älteren Kindern zählt deren Meinung immer mehr. Wenn zum Beispiel Eltern sich trennen und ein Familiengericht entscheiden muss, bei wem das Kind wohnt, muss das Gericht das Kind in Deutschland vorher persönlich anhören.

Welche Rechte haben Kinder gegenüber ihren Eltern?

Kinder haben gegenüber ihren Eltern vor allem das Recht auf Fürsorge, auf eine Erziehung ohne Gewalt, auf Mitsprache und auf Privatsphäre.

Nach der Konvention sind in erster Linie die Eltern dafür verantwortlich, ihr Kind zu erziehen und für es zu sorgen. Sie sollen ihr Kind so anleiten, wie es seinem Alter und seiner Entwicklung entspricht. Der Staat muss die Eltern dabei unterstützen. Er darf ein Kind nur dann von seinen Eltern trennen, wenn es dort nicht sicher ist, und nur nach einer genauen Prüfung.

In Deutschland steht das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung zusätzlich im Bürgerlichen Gesetzbuch, abgekürzt BGB. Das ist das Gesetzbuch, in dem die Regeln für das Zusammenleben in Familien stehen. In Paragraf 1631 heißt es: „Das Kind hat ein Recht auf Pflege und Erziehung unter Ausschluss von Gewalt, körperlichen Bestrafungen, seelischen Verletzungen und anderen entwürdigenden Maßnahmen.“. Das Recht auf gewaltfreie Erziehung steht seit dem 8. November 2000 im Gesetz. Vorher durften Eltern ihre Kinder in Deutschland zur Strafe schlagen.

Gewalt sind dabei nicht nur Schläge. Auch Anschreien, Beschimpfen, Auslachen, Einsperren oder Drohen können ein Kind seelisch verletzen. Eltern dürfen trotzdem Regeln aufstellen und Grenzen setzen, zum Beispiel wann ein Kind ins Bett geht. Sie müssen dabei aber respektvoll mit ihm umgehen.

Zur Privatsphäre gehört, dass auch Eltern nicht ohne Grund Tagebücher, Briefe oder Nachrichten auf dem Handy ihrer Kinder lesen sollen. Je älter ein Kind ist, desto mehr eigenen Raum braucht es. Wenn Eltern aber einen ernsten Grund zur Sorge haben, zum Beispiel weil das Kind in Gefahr sein könnte, dürfen sie zu seinem Schutz eingreifen.

Welche Rechte haben Kinder in der Schule?

In der Schule haben Kinder vor allem das Recht auf Bildung, auf eine respektvolle Behandlung ohne Gewalt und das Recht, ihre Meinung zu sagen.

Jugendliche sitzen an Tischen in einem Klassenzimmer in Kapstadt, vorne steht ein Lehrer
Schülerinnen und Schüler in einer Schule in Kapstadt in Südafrika. Nach Artikel 28 haben alle Kinder ein Recht auf Bildung. Foto: Vgrigas, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Nach Artikel 28 muss der Besuch der Grundschule für alle Kinder Pflicht und kostenlos sein. Weiterführende Schulen und Berufsausbildung sollen allen Kindern offenstehen. Die Länder sollen außerdem dafür sorgen, dass möglichst kein Kind die Schule abbricht. Auch die Regeln in der Schule müssen die Menschenwürde des Kindes achten. Menschenwürde bedeutet, dass jeder Mensch wertvoll ist und nicht gedemütigt werden darf. Eine Lehrerin oder ein Lehrer darf ein Kind deshalb weder schlagen noch vor der Klasse bloßstellen. Das Recht auf gewaltfreie Erziehung gilt nicht nur zu Hause, sondern auch in Schule, Kita und Freizeiteinrichtungen.

Artikel 29 beschreibt, was Kinder in der Schule lernen sollen. Die Bildung soll die Persönlichkeit, die Begabungen und die Fähigkeiten jedes Kindes voll entfalten. Kinder sollen außerdem lernen, die Menschenrechte, andere Kulturen und die Umwelt zu achten und friedlich mit anderen zusammenzuleben.

Welche Rechte haben Kinder im Internet?

Im Internet gelten dieselben Kinderrechte wie überall sonst. Kinder haben dort ein Recht auf Information, auf freie Meinungsäußerung, auf Schutz ihrer Privatsphäre und auf Schutz vor Gefahren.

Als die Konvention im Jahr 1989 geschrieben wurde, gab es das Internet für die meisten Menschen noch nicht. Deshalb hat der Kinderrechtsausschuss der Vereinten Nationen im Jahr 2021 genauer erklärt, wie die Kinderrechte in der digitalen Welt gelten. Diese Erklärung heißt Allgemeine Bemerkung Nummer 25.

Für das Internet bedeutet das zum Beispiel:

  • Information: Kinder dürfen sich im Internet über Dinge informieren, die sie interessieren, und Angebote für Kinder nutzen (Artikel 13 und 17).
  • Privatsphäre: Fotos, Namen und Daten von Kindern dürfen nicht einfach von anderen ins Netz gestellt oder gesammelt werden (Artikel 16).
  • Schutz: Kinder müssen vor Inhalten geschützt werden, die ihnen schaden, und vor Menschen, die sie im Netz bedrohen, beleidigen oder ausnutzen wollen (Artikel 17, 19 und 34).

Haben Kinder auch Pflichten?

Die UN-Kinderrechtskonvention nennt keine Pflichten für Kinder. Kinderrechte gelten für jedes Kind, ohne dass es sich diese Rechte erst verdienen muss.

Das bedeutet: Ein Kind verliert sein Recht auf Essen oder auf eine Erziehung ohne Gewalt nicht, wenn es sich schlecht benommen hat. Die Pflichten aus der Konvention haben die Erwachsenen und die Staaten. Sie müssen dafür sorgen, dass die Rechte der Kinder eingehalten werden.

Trotzdem leben Kinder nicht ohne Regeln. In Deutschland gibt es zum Beispiel die Schulpflicht. Und im Bürgerlichen Gesetzbuch steht, dass ein Kind, das bei seinen Eltern lebt, im Haushalt mithelfen soll, so wie es seinem Alter und seinen Kräften entspricht. Außerdem gelten die Rechte für alle Kinder gleichermaßen. Wer selbst nicht ausgelacht oder geschlagen werden will, muss deshalb auch die Rechte der anderen Kinder achten.

Wer hat die Kinderrechte erfunden?

Die Kinderrechte hat nicht eine einzelne Person erfunden. Als wichtige Wegbereiterin gilt aber die Britin Eglantyne Jebb. Sie schrieb die erste Erklärung über Kinderrechte, die im Jahr 1924 von vielen Ländern angenommen wurde.

Schwarz-Weiß-Porträt von Eglantyne Jebb, der Gründerin von Save the Children
Eglantyne Jebb gründete die Hilfsorganisation Save the Children und schrieb die erste Erklärung über die Rechte der Kinder. Foto: unbekannt, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Eglantyne Jebb gründete die Hilfsorganisation Save the Children, auf Deutsch Rettet die Kinder. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte sie erfahren, wie schlecht es den Flüchtlingskindern auf dem Balkan und in Russland ging. Viele hungerten, waren krank und hatten keine Eltern mehr. Deshalb schrieb sie eine Satzung für Kinder und schickte sie an den Völkerbund in Genf. Der Völkerbund war eine Vorgängerorganisation der Vereinten Nationen. Am 24. September 1924 nahm er die Erklärung an. Sie wurde als Genfer Erklärung bekannt.

Die Genfer Erklärung war aber nur ein Versprechen. Kein Land musste sich daran halten. So ging es weiter:

JahrWas geschah?
1924Der Völkerbund beschließt die Genfer Erklärung. Sie ist rechtlich nicht verbindlich.
1959Am 20. November beschließen die Vereinten Nationen die Erklärung der Rechte des Kindes. Auch sie ist nicht verbindlich.
1978Polen schlägt vor, einen verbindlichen Vertrag über Kinderrechte auszuarbeiten, und legt einen ersten Entwurf vor.
1979 bis 1989Eine Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen arbeitet zehn Jahre lang am Text.
1989Am 20. November beschließt die Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York die Kinderrechtskonvention.
1990Am 2. September tritt die Konvention in Kraft, nachdem 20 Länder sie angenommen haben.

Der Unterschied zwischen einer Erklärung und einer Konvention ist wichtig. Eine Erklärung beschreibt nur, was gut wäre. Eine Konvention ist ein Vertrag, an den sich die Länder halten müssen, wenn sie ihn angenommen haben. Erst seit 1989 sind die Kinderrechte deshalb für die Vertragsstaaten verbindlich.

Das Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York mit Fahnen davor
Das Gebäude der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York. Hier wurde die Kinderrechtskonvention am 20. November 1989 beschlossen. Foto: USAID U.S. Agency for International Development, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Seit wann gelten die Kinderrechte in Deutschland?

In Deutschland gilt die UN-Kinderrechtskonvention seit dem 5. April 1992.

Deutschland hatte die Konvention schon am 26. Januar 1990 unterschrieben, als einer der ersten Staaten. Damit ein Vertrag wirklich gilt, reicht die Unterschrift aber nicht. Das Land muss ihn auch ratifizieren. Ratifizieren bedeutet, dass das Parlament dem Vertrag zustimmt und das Land ihn danach offiziell annimmt. In Deutschland stimmten Bundestag und Bundesrat im Februar 1992 zu. Am 5. April 1992 trat die Konvention dann in Kraft.

Zuerst galt sie aber nicht ganz. Die damalige Bundesregierung hatte Vorbehalte erklärt. Ein Vorbehalt ist eine Ausnahme, mit der ein Land sagt, dass es einen Teil des Vertrags nicht oder nur eingeschränkt anwenden will. Der umstrittenste Vorbehalt betraf Kinder aus anderen Ländern, vor allem geflüchtete Kinder. Deutschland wollte sie anders behandeln dürfen als deutsche Kinder. Am 15. Juli 2010 nahm die Bundesregierung die Vorbehalte zurück. Seitdem gilt die Konvention in Deutschland vollständig und für alle Kinder.

Die Konvention hat in Deutschland den Rang eines einfachen Bundesgesetzes. Ein Bundesgesetz ist ein Gesetz, das der Bundestag beschlossen hat und das in ganz Deutschland gilt. Gerichte und Behörden müssen sie also beachten.

In welchen Ländern gelten die Kinderrechte?

Die Kinderrechtskonvention gilt in 196 Staaten. Das sind fast alle Länder der Welt. Nur die USA haben sie zwar unterschrieben, aber nie ratifiziert.

Keinen anderen Menschenrechtsvertrag haben so viele Länder angenommen wie die Kinderrechtskonvention. Es gibt sogar mehr Vertragsstaaten als Mitglieder der Vereinten Nationen, weil auch zum Beispiel der Vatikan dabei ist.

Warum haben die USA die Kinderrechte nicht unterschrieben?

Die USA haben die Konvention im Februar 1995 unterschrieben. Damit sie dort gilt, müssten aber zwei Drittel der Mitglieder des Senats zustimmen. Der Senat ist ein Teil des amerikanischen Parlaments. Bisher hat kein Präsident der USA den Vertrag dem Senat zur Abstimmung vorgelegt.

Gegner der Konvention in den USA befürchten, dass die Vereinten Nationen sich dann in die Erziehung der Kinder einmischen könnten und die Rechte der Eltern geschwächt würden. Außerdem bestimmen in den USA die einzelnen Bundesstaaten viele Gesetze selbst, zum Beispiel über Schulen und Strafen. Das heißt aber nicht, dass Kinder in den USA keine Rechte haben. Für sie gelten die amerikanischen Gesetze. Diese stimmen mit vielen Kinderrechten überein.

Stehen die Kinderrechte im Grundgesetz?

Nein. Im Grundgesetz werden Kinderrechte bis heute nicht ausdrücklich genannt. Das Grundgesetz ist die Verfassung von Deutschland, also das wichtigste Gesetz des Landes.

Trotzdem gelten die Grundrechte aus dem Grundgesetz auch für Kinder. Das Bundesverfassungsgericht hat anerkannt, dass Kinder eigene Träger von Grundrechten sind. Viele Organisationen, zum Beispiel UNICEF und das Deutsche Kinderhilfswerk, wollen die Kinderrechte trotzdem ausdrücklich ins Grundgesetz schreiben. Sie meinen, dass Gerichte und Behörden die Rechte der Kinder dann besser beachten würden.

Dafür muss das Grundgesetz geändert werden. Das geht nur, wenn zwei Drittel der Mitglieder im Bundestag und im Bundesrat zustimmen. Im Jahr 2021 legte die damalige Bundesregierung einen Vorschlag vor. Am 8. Juni 2021 scheiterte er, weil sich die Parteien nicht auf eine gemeinsame Formulierung einigen konnten. Strittig war vor allem, wie das Kindeswohl und das Recht der Kinder auf Beteiligung genau formuliert werden sollten. Manche Politiker befürchteten auch, dass dadurch die Rechte der Eltern geschwächt würden. Die Bundesregierung aus CDU, CSU und SPD, die seit 2025 regiert, plant laut ihrem Koalitionsvertrag keine neue Änderung.

In den Verfassungen vieler Bundesländer stehen Kinderrechte dagegen schon, zum Beispiel in Baden-Württemberg.

Wer kontrolliert, ob die Kinderrechte eingehalten werden?

Ob die Länder die Kinderrechte einhalten, überprüft der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes in Genf. Er besteht aus 18 unabhängigen Fachleuten aus verschiedenen Ländern.

Jeder Vertragsstaat muss dem Ausschuss regelmäßig einen Staatenbericht schicken. Darin schreibt die Regierung, was sie für die Kinderrechte getan hat und wo es noch Probleme gibt. Der erste Bericht ist zwei Jahre nach dem Beitritt fällig, danach alle fünf Jahre. Auch Kinderrechtsorganisationen können eigene Berichte schicken. Danach befragt der Ausschuss Vertreter der Regierung und schreibt Empfehlungen auf. Diese Empfehlungen heißen Abschließende Bemerkungen. Man kann sie sich vorstellen wie Hausaufgaben für das Land.

Deutschland wurde zuletzt im September 2022 in Genf geprüft. In Deutschland achtet außerdem die Monitoring-Stelle UN-Kinderrechtskonvention beim Deutschen Institut für Menschenrechte darauf, ob Bund, Länder und Gemeinden die Kinderrechte umsetzen.

Was passiert, wenn Kinderrechte verletzt werden?

Wenn Kinderrechte verletzt werden, kann man sich an Gerichte, Behörden und Beratungsstellen wenden. Die Vereinten Nationen selbst können ein Land aber nicht bestrafen. Sie können es nur öffentlich auffordern, etwas zu ändern.

Obwohl fast alle Länder die Konvention angenommen haben, werden Kinderrechte jeden Tag verletzt. Im Jahr 2024 waren weltweit fast 138 Millionen Kinder von Kinderarbeit betroffen. Kinderarbeit ist Arbeit, die für ein Kind zu schwer oder zu gefährlich ist oder es vom Schulbesuch abhält. Rund 54 Millionen von ihnen verrichteten gefährliche Arbeit, zum Beispiel in Steinbrüchen. Andere Kinder leiden unter Krieg, Hunger oder Gewalt.

In Deutschland muss das Jugendamt eingreifen, wenn ein Kind in seiner Familie in Gefahr ist. Das Jugendamt ist eine Behörde in jeder Stadt und jedem Landkreis, die Kindern und Familien hilft. Wenn nötig, entscheidet ein Familiengericht, was zum Schutz des Kindes geschehen muss.

Können sich Kinder bei den Vereinten Nationen beschweren?

Ja. Seit dem 14. April 2014 können sich Kinder beim UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes beschweren, wenn ihre Rechte verletzt wurden. Dieses Verfahren heißt Individualbeschwerdeverfahren.

Das geht aber nur unter zwei Bedingungen. Das Land muss das dritte Zusatzprotokoll angenommen haben. Deutschland hat das am 28. Februar 2013 getan, als erstes Land in Europa. Außerdem muss das Kind vorher alle Möglichkeiten im eigenen Land ausgeschöpft haben, also zum Beispiel bis zum höchsten Gericht gegangen sein. Die Beschwerde bei den Vereinten Nationen ist also das letzte Mittel. Der Ausschuss fragt dann beim betroffenen Land nach. Kommt er zu dem Ergebnis, dass die Rechte des Kindes verletzt wurden, teilt er das dem Land mit und empfiehlt, was es ändern soll.

Wo bekommen Kinder Hilfe, wenn ihre Rechte verletzt werden?

Kinder in Deutschland können jederzeit mit einem Erwachsenen sprechen, dem sie vertrauen, oder kostenlos bei der Nummer gegen Kummer anrufen. Die Telefonnummer lautet 116 111.

Das Kinder- und Jugendtelefon ist montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr erreichbar, vom Handy und vom Festnetz. Der Anruf ist kostenlos und erscheint nicht auf der Telefonrechnung der Eltern. Niemand muss seinen Namen sagen. Man kann dort über jede Sorge sprechen, zum Beispiel über Streit in der Familie, Gewalt oder Mobbing. Die Beratung gibt es auch per E-Mail und im Chat.

Weitere Ansprechpartner sind Lehrerinnen und Lehrer, Schulsozialarbeiter, das Jugendamt und der Kinderschutzbund. In einem Notfall, wenn ein Kind gerade in Gefahr ist, hilft die Polizei unter der Nummer 110.

Warum ist der 20. November der Tag der Kinderrechte?

Der 20. November ist der Tag der Kinderrechte, weil die Vereinten Nationen an diesem Tag im Jahr 1989 die Kinderrechtskonvention beschlossen haben.

Das Datum wurde bewusst gewählt. Schon am 20. November 1959 hatten die Vereinten Nationen die Erklärung der Rechte des Kindes beschlossen. Die Konvention kam genau 30 Jahre später am selben Tag. Am 20. November erinnern Schulen, Kinderrechtsorganisationen und Politiker weltweit an die Rechte der Kinder und darauf, wo sie noch nicht eingehalten werden.

Was ist der Unterschied zwischen Weltkindertag und Tag der Kinderrechte?

In Deutschland ist der Weltkindertag am 20. September, der Internationale Tag der Kinderrechte am 20. November.

Es gibt kein Datum, an dem die ganze Welt gleichzeitig einen Kindertag feiert. Deutschland und einige andere Länder haben sich für den 20. September als Weltkindertag entschieden. In vielen anderen Ländern heißt der 20. November auch Weltkindertag. Im Osten Deutschlands feiern viele Menschen außerdem den Internationalen Kindertag am 1. Juni. Das kommt daher, dass dieser Tag in der früheren DDR gefeiert wurde. An allen drei Tagen geht es darum, auf die Rechte und die Lage der Kinder aufmerksam zu machen.

Zum Weiterdenken

Fast alle Länder der Welt haben versprochen, die Kinderrechte einzuhalten. Trotzdem müssen Millionen Kinder arbeiten, statt zur Schule zu gehen. Was meinen Sie: Warum reicht ein Versprechen allein nicht aus, und was braucht es zusätzlich, damit Kinderrechte wirklich gelten?

Quellen: Übereinkommen über die Rechte des Kindes, Wortlaut (BMBFSFJ), Vereinte Nationen: Vertragsstatus der Kinderrechtskonvention, UNICEF: Kinderrechte einfach erklärt, UNICEF: Eine kurze Geschichte der Kinderrechte, Auswärtiges Amt: Schutz der Rechte von Kindern, Deutsches Institut für Menschenrechte: Kinderrechte ins Grundgesetz, Deutsches Kinderhilfswerk: Kinderrechte ins Grundgesetz, § 1631 BGB, Nummer gegen Kummer, UNICEF und ILO: Kinderarbeit 2025

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