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Seelenkuchen backen: das alte Rezept für Soul Cakes

Runde Seelenkuchen mit Korinthen, Haferflocken und eingeritztem Kreuz auf einem Kuchengitter

Seelenkuchen, auf Englisch „Soul Cakes“, sind kleine, runde und gewürzte Kuchen, die eher wie Kekse aussehen. In England wurden sie schon vor über 600 Jahren um Allerheiligen und Allerseelen an arme Menschen verschenkt. Ursprünglich wurden sie aus Hafer gebacken und mit Gewürzen wie Muskat, Zimt und Ingwer sowie mit Rosinen und Korinthen verfeinert. Wer einen bekam, versprach, für die Verstorbenen der Familie zu beten. Unser Seelenkuchen-Rezept stammt aus dem Backbuch von English Heritage, der Organisation, die in England viele Burgen und alte Gebäude pflegt. Es ist eine heutige Fassung mit Weizenmehl und ein paar Haferflocken.

Runde Seelenkuchen mit Korinthen, Haferflocken und eingeritztem Kreuz auf einem Kuchengitter
So können deine Seelenkuchen aussehen: rund, mit Korinthen und einem eingeritzten Kreuz. Bild: Kinder-Wiki

Nur gemeinsam mit einem Erwachsenen

Der Backofen und die Bleche werden sehr heiß. Ein Erwachsener übernimmt das Vorheizen, das Einschieben und das Herausholen der Bleche. Achte außerdem auf die Zutaten- und Allergenhinweise der verwendeten Produkte, denn im Teig stecken Weizenmehl, Butter, Eier und Milch.

Deine Zutatenliste

Menge: etwa 30 kleine SeelenkuchenZeit: etwa 45 Minuten, dazu AbkühlenDavon Backzeit: 15 bis 25 Minuten

Statt der englischen Gewürzmischung „Mixed Spice“ nehmen wir Lebkuchengewürz.

Das brauchst du außerdem

  • Küchenwaage, Esslöffel und Teelöffel
  • Eine große Schüssel, ein Sieb und eine Tasse
  • Nudelholz
  • Runden Ausstecher mit 6 bis 7 Zentimetern Durchmesser oder ein Glas
  • Zwei Backbleche und ein Kuchengitter

So geht’s

1. Ofen vorheizen

Ein Erwachsener heizt den Backofen auf 180 Grad Ober- und Unterhitze vor, bei Umluft auf 160 Grad. Fette zwei Backbleche ein oder lege sie mit Backpapier aus.

2. Butter ins Mehl reiben

Siebe Mehl, Lebkuchengewürz, Muskat und Salz in eine Schüssel. Schneide die kalte Butter in kleine Würfel, gib sie dazu und verreibe alles mit den Fingern, bis feine Krümel entstehen. Rühre dann Haferflocken, Korinthen und Zucker unter.

3. Den Teig mischen

Verquirle Eigelb, Milch und Apfelessig in einer Tasse. Rühre die Mischung unter die Krümel und knete alles zu einem weichen Teig. Ist er zu trocken, gib noch etwas Milch dazu.

4. Ausrollen und Kreuz einritzen

Rolle den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche etwa 5 Millimeter dick aus. Stich mit einem runden Ausstecher oder einem Glas Kreise von 6 bis 7 Zentimetern aus. Ritze mit dem Rücken eines Messers vorsichtig ein Kreuz in jeden Kuchen und lege die Kuchen auf die Bleche.

5. Backen und abkühlen lassen

Backe die Seelenkuchen 15 bis 25 Minuten, bis sie hell goldbraun sind. Ein Erwachsener holt die heißen Bleche aus dem Ofen. Lass die Kuchen auf einem Kuchengitter abkühlen.

Tipp: ein Kreuz aus Korinthen

Statt das Kreuz nur einzuritzen, kannst du auch Korinthen entlang des Kreuzes in den Teig drücken. So sieht man es nach dem Backen besonders gut. Leg dir dafür vorher eine kleine Handvoll Korinthen beiseite.

Was haben die Kuchen mit Allerseelen zu tun?

Seelenkuchen wurden an Allerseelen verschenkt. Wer einen bekam, betete dafür für die Seelen der Verstorbenen. Am 2. November ist Allerseelen. An diesem christlichen Feiertag denken die Menschen an ihre Verstorbenen. Den Feiertag gibt es seit ungefähr dem Jahr 1000. Im Mittelalter glaubten viele Christen an das Fegefeuer. So nannten sie einen Ort, an dem die Seelen der Toten von ihren Sünden gereinigt werden, bevor sie in den Himmel kommen. Gebete der Lebenden sollten ihnen dabei helfen. Für andere zu beten, galt deshalb als gute Tat.

Um das Jahr 1400 schrieb John Mirk, ein Geistlicher aus dem Kloster Lilleshall in England, dass gute Leute schon seit alter Zeit an Allerheiligen Brot backten und es für alle christlichen Seelen verschenkten. Sie hofften, mit jedem verschenkten Brot eine Seele aus dem Fegefeuer zu befreien.

Was ist Souling?

Rund um Halloween und Allerseelen klopften arme Leute an die Türen ihrer reicheren Nachbarn und baten um eine Gabe. Sie bekamen Seelenkuchen und beteten dafür für die verstorbenen Verwandten und Freunde der Familie. Diesen Brauch nennt man Souling, nach dem englischen Wort „soul“ für Seele. So halfen die Reichen den Armen, und die Armen bedankten sich mit etwas, das damals als sehr wertvoll galt: mit ihren Gebeten.

Dabei sangen oder sagten sie kleine Reime auf. Einen davon schrieb der Gelehrte John Aubrey vor über 300 Jahren auf: „A soule cake, a soule cake, have mercy on all Christian soules for a soule cake.“ Auf Deutsch heißt das ungefähr: „Einen Seelenkuchen, einen Seelenkuchen, hab Erbarmen mit allen christlichen Seelen, für einen Seelenkuchen“.

Warum haben die Seelenkuchen ein Kreuz?

Das Kreuz zeigte, dass der Kuchen ein Almosen war, also eine Gabe für arme Menschen. Dieser Brauch entstand irgendwann im Mittelalter. Geritzt wurde das Kreuz vor dem Backen in den Teig.

Wie lange gab es den Brauch?

Den Brauch gab es in England schon im Mittelalter, und in der Grafschaft Cheshire lebt er bis heute weiter. Im 16. Jahrhundert spaltete sich die Kirche in England, und die neuen protestantischen Kirchenführer verboten die Gebete für die Toten. Ein protestantischer Schriftsteller schimpfte 1593 sogar, die Seelenkuchen seien eigentlich „Narrenkuchen“.

Verschwunden ist der Brauch trotzdem nicht. Ende des 17. Jahrhunderts stellten die Menschen in Shropshire und den Nachbargegenden an Allerseelen einen hohen Stapel Seelenkuchen auf den Tisch, und jeder Besucher durfte sich einen nehmen. Im 19. Jahrhundert waren es vor allem Kinder, die an Allerheiligen und Allerseelen in Gruppen von Tür zu Tür zogen. In der Gegend um Sheffield sangen Kinder noch zu einer Zeit, an die sich heute lebende Menschen erinnern, einen „Caking“-Reim. In der englischen Grafschaft Cheshire gibt es bis heute Soul-Caking-Theaterstücke. Die Gruppe aus dem Dorf Antrobus spielt jedes Jahr ab dem 1. November an zwei Wochenenden in den Gasthäusern der Gegend.

Bekannt waren Seelenkuchen in vielen Teilen Englands, zum Beispiel in Derbyshire, Lancashire, Staffordshire und Yorkshire.

Gibt es so etwas auch bei uns?

Ja. Auch in Bayern backt man zu Allerheiligen und Allerseelen besonderes Gebäck. Fast jede Gegend hat ihr eigenes: in Franken Seelenzöpfe, in Schwaben Seelenbrezn und rund um München Seelenwecken. Auf manchen Bauernhöfen stellte man das Gebäck früher ans Fenster, als Gabe für die Verstorbenen. Später wurde daraus ein Geschenk der Paten.

Noch im 19. Jahrhundert klopften im Bayerischen Wald an Allerseelen Kinder und arme Leute bei wohlhabenden Bauern an und baten um einen Seelenwecken. Das erinnert stark an das englische Souling. In und um München schenken Tauf- und Firmpaten ihren Patenkindern nach altem Brauch an Allerheiligen einen geflochtenen Striezel oder eine Brezn.

Ist Souling der Vorläufer von „Süßes oder Saures“?

Wahrscheinlich ja, zumindest zum Teil. Das Verkleiden kommt aber aus einem anderen alten Brauch, dem Guising, bei dem sich Menschen verkleideten und Unfug trieben. Das heutige „Süßes oder Saures“ ist dagegen erst in neuerer Zeit aus den USA nach England gekommen. Wie aus all dem unser Halloween wurde, erklärt unser Wissensartikel Woher kommt Halloween?. Du kannst deine Seelenkuchen an Halloween an Kinder verteilen, die bei dir klingeln, und ihnen dabei die Geschichte vom Souling erzählen.

Rezept eigenständig formuliert nach English Heritage: What are soul cakes and what’s their link with Halloween? (Rezept aus dem English Heritage Baking Book). Weitere redaktionelle Quellen: Universität Portsmouth: A potted history of Hallowe’en, The History of Antrobus: But has Soul Caking a future?, Records of Early English Drama North-East: Soul Cake Bake, Universität Reading: The post-Reformation history of Hallowmass, Süddeutsche Zeitung: Gebäck-Bräuche zu Allerheiligen und Allerseelen, Kulturheimat: Seelenwecken und Brauchtum München: Allerheiligen und Allerseelen. Gesamtzeit nach dem fast gleichen Rezept im Sainsbury’s Magazine: Soul cakes.

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