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Peter Tschaikowsky: Wer war der Komponist von Schwanensee?

Schwarz-Weiß-Foto von Peter Tschaikowsky mit grauem Bart im Jahr 1888

Die kurze Antwort

Peter Tschaikowsky war ein russischer Komponist, also ein Mensch, der Musik erfindet und aufschreibt. Er lebte von 1840 bis 1893. Von ihm stammen die Ballette „Schwanensee“, „Dornröschen“ und „Der Nussknacker“, das Klavierkonzert Nr. 1 und die Ouvertüre „1812“. Er war schon zu Lebzeiten in Europa und Amerika berühmt, und seine Musik gehört bis heute zu den meistgespielten der Welt.

Schwarz-Weiß-Foto von Peter Tschaikowsky mit grauem Bart im Jahr 1888
Peter Tschaikowsky im Jahr 1888, fotografiert von Émile Reutlinger in Paris. In diesem Jahr reiste er zum ersten Mal als Dirigent durch Europa. Foto: Émile Reutlinger, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Wer war Peter Tschaikowsky?

Peter Tschaikowsky war einer der wichtigsten Komponisten des 19. Jahrhunderts. Er schrieb Musik für Orchester, für Klavier, für Sänger und für das Ballett. Er war der erste russische Komponist, der auch außerhalb von Russland sehr bekannt wurde. Am Ende seines Lebens galt er als Komponist von Weltrang.

Seine Musik gehört zur Romantik. So nennt man eine Zeit in der Musik, die ungefähr von 1820 bis 1900 dauerte. Komponisten der Romantik wollten mit ihrer Musik vor allem Gefühle ausdrücken, zum Beispiel Freude, Sehnsucht oder Trauer.

Tschaikowsky hatte in seinem Leben mehrere Berufe. Zuerst war er Beamter, dann Musiklehrer und Musikkritiker. Später lebte er ganz vom Komponieren und reiste als Dirigent um die Welt.

Wie heißt Tschaikowsky mit vollem Namen?

Sein voller Name ist Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Pjotr ist die russische Form von Peter. Deshalb sagt man im Deutschen meistens Peter Tschaikowsky.

Der zweite Name Iljitsch ist ein Vatersname. In Russland bekommt jedes Kind einen zweiten Namen, der vom Vornamen des Vaters abgeleitet ist. Tschaikowskys Vater hieß Ilja. Iljitsch bedeutet also „Sohn des Ilja“.

Russisch wird mit anderen Buchstaben geschrieben als Deutsch, nämlich mit der kyrillischen Schrift. Auf Russisch schreibt man den Namen Чайковский. Wenn man ihn in unsere Buchstaben überträgt, gibt es mehrere Möglichkeiten. Deshalb findet man im Deutschen die Schreibweisen Tschaikowsky und Tschaikowski. Im Englischen schreibt man Tchaikovsky. Alle meinen denselben Menschen.

Wann wurde Tschaikowsky geboren?

Tschaikowsky wurde am 7. Mai 1840 geboren. In russischen Büchern steht oft ein anderes Datum, nämlich der 25. April 1840.

Das liegt am Kalender. In Russland galt damals noch der julianische Kalender. In Deutschland und den meisten anderen Ländern rechnete man schon mit dem neueren gregorianischen Kalender, den wir heute noch benutzen. Im 19. Jahrhundert war der russische Kalender unserem Kalender um zwölf Tage hinterher. Der 25. April in Russland war also der 7. Mai bei uns. In diesem Artikel stehen alle Daten nach unserem heutigen Kalender.

Wo wurde Tschaikowsky geboren?

Tschaikowsky wurde in Wotkinsk geboren, einer kleinen Stadt am Rand des Uralgebirges. Der Ural ist ein Gebirge, das quer durch Russland verläuft. Wotkinsk liegt ungefähr 1.000 Kilometer östlich von Moskau.

Sein Vater Ilja Tschaikowski war Bergbauingenieur. Er leitete in Wotkinsk ein großes Eisenwerk, in dem aus Erz Eisen gewonnen wurde. Die Familie wohnte in einem großen Holzhaus, das zum Werk gehörte. Seine Mutter hieß Alexandra. Ihre Vorfahren waren aus Frankreich nach Russland gekommen.

Gelbes Geburtshaus von Tschaikowsky in Wotkinsk mit Garten
Das Geburtshaus von Tschaikowsky in Wotkinsk. Hier lebte die Familie bis 1848. Seit 1940 ist das Haus ein Museum. Foto: Wacher98, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Hatte Tschaikowsky Geschwister?

Ja, Tschaikowsky hatte fünf Geschwister und eine Halbschwester. Eine Halbschwester hat nur einen Elternteil mit einem gemeinsam. Sein Vater war vorher schon einmal verheiratet gewesen und hatte aus dieser Ehe die Tochter Sinaida.

Tschaikowskys älterer Bruder hieß Nikolai. Nach Peter kamen seine Schwester Alexandra, sein Bruder Ippolit und 1850 die Zwillinge Anatoli und Modest. Peter hing sehr an seiner Schwester Alexandra und an den beiden Zwillingen. Sein Bruder Modest schrieb später das erste Buch über sein Leben.

Altes Familienfoto der Familie Tschaikowski von 1848 mit Eltern und fünf Kindern
Die Familie Tschaikowski im Jahr 1848. Ganz links ist der achtjährige Peter, daneben sitzt seine Mutter. Rechts sitzt sein Vater. Dazwischen sind seine Geschwister Alexandra, Sinaida, Nikolai und Ippolit. Foto: unbekannter Fotograf, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Wie war Tschaikowskys Kindheit?

Tschaikowsky war ein sehr gefühlvolles Kind, das schnell zu begeistern, aber auch schnell zu verletzen war. Als er vier Jahre alt war, kam eine Gouvernante ins Haus. Eine Gouvernante war eine Erzieherin, die bei reichen Familien wohnte und die Kinder zu Hause unterrichtete. Sie hieß Fanny Dürbach und kam aus Frankreich.

Fanny Dürbach erinnerte sich später genau an den kleinen Peter. Er lernte schneller als die anderen Kinder, hörte beim Vorlesen am aufmerksamsten zu und konnte am besten Geschichten erfinden. Gleichzeitig war er so empfindlich, dass ihn schon eine Kleinigkeit tief traurig machte. Sie sagte, er sei „zerbrechlich wie Porzellan“ gewesen. Strafen kamen bei ihm deshalb nicht in Frage.

Wie kam Tschaikowsky als Kind zur Musik?

Seine ersten Musikerlebnisse hatte Tschaikowsky durch ein Orchestrion. Das ist ein großer mechanischer Musikautomat. Er spielt mit Pfeifen, ähnlich wie eine Orgel, Musikstücke von selbst ab, ohne dass jemand ein Instrument spielen muss. Sein Vater hatte das Orchestrion aus Sankt Petersburg mitgebracht.

In Wotkinsk gab es keine richtigen Musiker. Das Orchestrion war deshalb so etwas wie Peters erster Musiklehrer. Es spielte Stücke von Mozart, Rossini, Bellini und Donizetti. Tschaikowsky konnte davon nicht genug bekommen. Besonders liebte er die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart. Mozart blieb sein Leben lang sein liebster Komponist.

Mit vier Jahren schrieb Tschaikowsky zusammen mit seiner dreijährigen Schwester sein erstes Lied. Es hieß „Unsere Mama in Petersburg“. Ende 1845, mit fünf Jahren, bekam er die ersten Klavierstunden. Die Musik beschäftigte ihn manchmal so sehr, dass er nicht schlafen konnte. Nach einem Musikabend bei seinen Eltern fand Fanny Dürbach ihn weinend im Bett. Obwohl längst keine Musik mehr zu hören war, rief er: „Oh, diese Musik, diese Musik. Sie ist hier, hier“, und zeigte dabei auf seinen Kopf. „Sie lässt mir keine Ruhe.“

Warum musste Tschaikowsky mit zehn Jahren ins Internat?

Tschaikowsky kam ins Internat, weil seine Eltern wollten, dass er einen sicheren Beruf lernt. Vorher hatte die Familie Wotkinsk verlassen. Im Jahr 1848 gab sein Vater seine Stelle im Eisenwerk auf und suchte eine neue Arbeit. Die Familie zog zuerst nach Moskau und dann nach Sankt Petersburg. Die erhoffte Stelle bekam der Vater dort aber nicht. Deshalb zog die Familie 1849 zurück in den Ural, in die Stadt Alapajewsk. Dort leitete der Vater wieder ein Eisenwerk.

Peter blieb nicht lange im Ural. Im Herbst 1849 brachte seine Mutter ihn nach Sankt Petersburg zurück. Dort ging er zuerst in eine Vorbereitungsklasse und ab 1850, mit zehn Jahren, auf die Kaiserliche Rechtsschule. Dort wurden Jungen zu Beamten ausgebildet. Ein Beamter ist jemand, der fest beim Staat angestellt ist, zum Beispiel in einem Ministerium.

Die Rechtsschule war ein Internat. Die Schüler wohnten und schliefen dort und durften nur selten nach Hause. Erst 1852 zogen auch seine Eltern für immer nach Sankt Petersburg. Neun Jahre lang, bis 1859, besuchte Tschaikowsky die Rechtsschule. Er sang im Schulchor. Später erzählte er, dass er eine sehr schöne, hohe Stimme hatte, einen Sopran, und deshalb im Gottesdienst als Solist singen durfte.

Was geschah mit Tschaikowskys Mutter?

Während Peter auf der Rechtsschule war, starb seine Mutter. Sie starb am 25. Juni 1854 an Cholera. Peter war damals 14 Jahre alt. Cholera ist eine gefährliche Krankheit, die von Bakterien ausgelöst wird. Man steckt sich meistens mit verschmutztem Wasser an. Die Kranken bekommen starken Durchfall und verlieren so viel Wasser, dass sie daran sterben können.

Der plötzliche Tod seiner Mutter war für Tschaikowsky ein schwerer Schock. Seine Schwester Alexandra übernahm danach den Haushalt, und Peter wurde für seine kleinen Zwillingsbrüder so etwas wie eine Mutter.

Welchen Beruf hatte Tschaikowsky zuerst?

Nach der Rechtsschule wurde Tschaikowsky Beamter. Im Mai 1859 begann er als Schreiber im Justizministerium in Sankt Petersburg. Ein Ministerium ist eine große Behörde, die einen Bereich des Staates leitet. Das Justizministerium ist für Gesetze und Gerichte zuständig. Für diese Stelle war er ausgebildet worden, und sie brachte ein sicheres Einkommen.

Tschaikowsky merkte aber schnell, dass ihm die Arbeit dort nicht lag. Er ging lieber in die Oper, ins Theater und zu Konzerten. Die Musik wurde ihm immer wichtiger.

Der 19-jährige Tschaikowsky in Schuluniform der Kaiserlichen Rechtsschule
Tschaikowsky im Jahr 1859 in der Uniform der Kaiserlichen Rechtsschule. Kurz darauf begann er im Justizministerium zu arbeiten. Foto: unbekannter Fotograf, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Wie wurde aus dem Beamten ein Komponist?

Neben seiner Arbeit im Ministerium begann Tschaikowsky, Musik zu studieren. Im Herbst 1861 besuchte er abends Kurse in Harmonielehre. In der Harmonielehre lernt man, welche Töne gut zusammenklingen und wie man Akkorde aneinanderreiht.

Im September 1862 wurde in Sankt Petersburg das erste Konservatorium Russlands eröffnet. Ein Konservatorium ist eine Hochschule für Musik. Tschaikowsky gehörte zu den ersten Studenten. Er lernte dort Komponieren und Instrumentation, also wie man Musik auf die verschiedenen Instrumente eines Orchesters verteilt. Sein wichtigster Lehrer war der Pianist und Komponist Anton Rubinstein.

1863 ließ er sich im Ministerium beurlauben und entschied sich ganz für die Musik. Seine Familie war darüber nicht glücklich, denn nun hatte er kaum noch Geld. Er verdiente sich etwas mit Klavierstunden. Im August 1865 wurde zum ersten Mal ein Stück von ihm öffentlich gespielt. Der Wiener Walzerkönig Johann Strauss (Sohn) dirigierte seine „Charakteristischen Tänze“ bei einem Konzert in Pawlowsk bei Sankt Petersburg. Im Dezember 1865 schloss Tschaikowsky sein Studium mit einer Silbermedaille ab. Da hatte er schon ein Angebot für seine erste feste Stelle als Musiker in der Tasche.

Warum zog Tschaikowsky nach Moskau?

Tschaikowsky zog nach Moskau, weil man ihm dort eine Stelle als Musiklehrer anbot. Das Angebot kam im September 1865 von Nikolai Rubinstein, dem Bruder seines Lehrers Anton Rubinstein. Nikolai Rubinstein leitete in Moskau Musikkurse, aus denen kurz darauf das Moskauer Konservatorium wurde.

Im Januar 1866 zog Tschaikowsky nach Moskau. Zuerst wohnte er in Rubinsteins Wohnung. Am Konservatorium unterrichtete er zwölf Jahre lang Harmonielehre und wurde Professor. Seine Stelle im Justizministerium gab er 1867 endgültig auf. Weil sein Lohn knapp war, schrieb er außerdem Zeitungsartikel. Darin bewertete er als Musikkritiker Konzerte und Opern anderer Musiker.

Das Unterrichten strengte ihn sehr an. Trotzdem komponierte er neben der Arbeit viel. In Moskau entstanden seine ersten Sinfonien. Eine Sinfonie ist ein großes Musikstück für Orchester, das meistens aus vier Teilen besteht. Diese Teile heißen Sätze. 1869 schrieb er „Romeo und Julia“, ein Orchesterstück zu dem Theaterstück von William Shakespeare. Es war eines seiner ersten Werke, das viele Menschen begeisterte.

Denkmal von Tschaikowsky vor dem Moskauer Konservatorium
Das Moskauer Konservatorium heute, an dem Tschaikowsky zwölf Jahre lang unterrichtete. Davor steht ein Denkmal von ihm. Seit 1940 trägt die Musikhochschule seinen Namen. Foto: Perituss, CC0, via Wikimedia Commons

Warum hatte Tschaikowsky in Moskau Angst vor dem Dirigieren?

In Moskau sollte Tschaikowsky seine Werke auch selbst vor Publikum dirigieren, doch davor hatte er große Angst, weil er sehr schüchtern und unsicher war. Ein Dirigent steht vor dem Orchester und zeigt mit dem Taktstock und den Händen, wann und wie die Musiker spielen sollen.

1868 dirigierte Tschaikowsky bei einem Konzert in Moskau Tänze aus seiner ersten Oper. Später erzählte er Freunden, er habe am Dirigentenpult das Gefühl gehabt, sein Kopf würde ihm von den Schultern fallen. Deshalb hielt er mit der linken Hand sein Kinn fest und dirigierte nur mit der rechten Hand. Natürlich konnte sein Kopf nicht wirklich herunterfallen. Die Angst war aber so stark, dass es sich für ihn genau so anfühlte.

Er war so aufgeregt, dass er die Einsätze falsch gab. Die Musiker kannten das Stück aber so gut, dass sie einfach weiterspielten. Danach traute sich Tschaikowsky viele Jahre lang kaum noch, ein Orchester zu leiten. Seine Werke dirigierten meistens andere, zum Beispiel Nikolai Rubinstein.

Welches berühmte Klavierkonzert schrieb Tschaikowsky in Moskau?

In Moskau schrieb Tschaikowsky im Winter 1874 und 1875 sein Klavierkonzert Nr. 1, eines der berühmtesten Musikstücke für Klavier und Orchester. In einem Klavierkonzert spielt ein Pianist zusammen mit einem ganzen Orchester. Das Klavier ist dabei das wichtigste Instrument und spielt oft allein.

Zu Weihnachten 1874 spielte Tschaikowsky das Konzert Nikolai Rubinstein vor. Rubinstein war ein hervorragender Pianist, und Tschaikowsky hatte gehofft, dass er es aufführen würde. Doch Rubinstein kritisierte es scharf und wollte, dass Tschaikowsky vieles ändert. Tschaikowsky war tief gekränkt und änderte keine einzige Note.

Stattdessen spielte der deutsche Pianist Hans von Bülow das Konzert zum ersten Mal. Die Uraufführung fand am 25. Oktober 1875 in Boston in Amerika statt. Uraufführung nennt man die allererste Aufführung eines neuen Werks. Das Publikum war begeistert, und das Konzert wurde gleich mehrmals wiederholt. Tschaikowsky selbst mochte es von allen seinen Klavierwerken am liebsten.

Hörbeispiel: der Anfang des Klavierkonzerts Nr. 1. Die Hörner spielen eine kurze Melodie, dann setzt das Klavier mit mächtigen Akkorden ein. Aufnahme: Musopen, CC0, via Wikimedia Commons, gekürzt.

Wie kam Tschaikowsky zu seinem ersten Ballett Schwanensee?

Kurz nach dem Klavierkonzert, im Frühjahr 1875, bestellte das Bolschoi-Theater in Moskau bei Tschaikowsky ein Ballett. So entstand „Schwanensee“, sein erstes Ballett. Ein Ballett ist ein Theaterstück, in dem nicht gesprochen und nicht gesungen wird. Die Geschichte wird nur durch Tanz und Musik erzählt. In „Schwanensee“ verliebt sich ein Prinz in eine Prinzessin, die in einen Schwan verzaubert wurde.

Tschaikowsky schrieb die Musik von August 1875 bis April 1876. Am 4. März 1877 war die Uraufführung im Bolschoi-Theater. Das Ballett wurde zu seinen Lebzeiten kein großer Erfolg. Weltberühmt wurde „Schwanensee“ erst nach seinem Tod, als 1895 in Sankt Petersburg eine neue Fassung mit neuen Tänzen aufgeführt wurde.

Balletttänzerin im weißen Tutu als Schwan in Schwanensee
Eine Tänzerin als Schwan in „Schwanensee“ an der Königlichen Oper in Stockholm im Jahr 2008. Foto: Carl Thorborg/Kungliga Operan, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Hörbeispiel: die berühmte Melodie der Schwäne aus dem zweiten Akt von „Schwanensee“. Zuerst spielt die Oboe die Melodie, dann das ganze Orchester. Aufnahme: London Philharmonic Orchestra unter John Barbirolli, 1933, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Welche Klavierstücke schrieb Tschaikowsky für jeden Monat?

Während er an „Schwanensee“ arbeitete, schrieb Tschaikowsky „Die Jahreszeiten“, zwölf Klavierstücke, eines für jeden Monat des Jahres. Ende 1875 hatte sie der Verleger Nikolai Bernard für seine Musikzeitschrift bestellt. Ein Verleger ist jemand, der Noten oder Bücher druckt und verkauft. Die Zeitschrift erschien jeden Monat, und 1876 lag jedem Heft das passende Stück bei. Im Januarheft war das Stück „Januar“, im Februarheft das Stück „Februar“ und so weiter.

Jedes Stück hat einen Titel und ein kurzes Gedicht eines russischen Dichters. Das Stück für Oktober heißt „Herbstlied“ und klingt ruhig und ein wenig traurig. Das Stück für Dezember heißt „Weihnachten“ und ist ein fröhlicher Walzer.

Hörbeispiel: „Oktober – Herbstlied“ aus den „Jahreszeiten“, gespielt auf dem Klavier. Aufnahme: Bernd Krueger, piano-midi.de, CC BY-SA 2.0 DE, via Wikimedia Commons.

War Tschaikowsky verheiratet?

Ja, Tschaikowsky heiratete 1877, als er schon elf Jahre in Moskau lebte, aber die Ehe zerbrach schon nach wenigen Wochen. Im Frühjahr 1877 schrieb ihm eine junge Frau namens Antonina Miljukowa einen Brief und gestand ihm ihre Liebe. Sie hatte ein Jahr lang am Moskauer Konservatorium studiert.

Tschaikowsky arbeitete damals gerade an seiner Oper „Eugen Onegin“. Darin schreibt die junge Tatjana dem Onegin einen Liebesbrief, und Onegin weist sie kalt zurück. Tschaikowsky wollte nicht so herzlos sein wie Onegin. Er traf sich mit Antonina und machte ihr einen Heiratsantrag. Dabei sagte er ihr ehrlich, dass er sie nur wie ein Bruder lieben könne. Am 18. Juli 1877 heirateten die beiden in Moskau.

Schon in den ersten Wochen merkte Tschaikowsky, dass er einen großen Fehler gemacht hatte. Drei Wochen nach der Hochzeit fuhr er für eineinhalb Monate zu seiner Schwester Alexandra nach Kamenka, dem Landgut ihrer Familie in der heutigen Ukraine. Danach lebte er noch zwei Wochen mit Antonina in Moskau. Anfang Oktober 1877 verließ er sie für immer. Er ließ sich mit einem erfundenen Auftrag nach Sankt Petersburg rufen und reiste von dort ins Ausland. Geschieden wurden die beiden nie, weil Antonina nicht einverstanden war. Tschaikowsky zahlte ihr aber meistens Geld zum Leben.

Heute weiß man aus seinen Briefen, dass Tschaikowsky sich zu Männern hingezogen fühlte. Liebesbeziehungen zwischen Männern waren in Russland damals gesetzlich verboten. Seine Familie und die Gesellschaft erwarteten von ihm, dass er eine Frau heiratet. Tschaikowsky hatte gehofft, durch eine Ehe so leben zu können, wie es von ihm erwartet wurde. Nach der gescheiterten Ehe schrieb er seinem Bruder Anatoli, er habe verstanden, dass es nichts Sinnloseres gebe, als nicht der sein zu wollen, der man von Natur aus ist.

Tschaikowsky und seine Frau Antonina Miljukowa auf einem Foto von 1877
Peter Tschaikowsky und Antonina Miljukowa im Juli 1877, kurz nach ihrer Hochzeit. Wenige Wochen später trennte sich das Paar. Foto: Ivan Grigoryevich Dyagovchenko, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Wer half Tschaikowsky nach der gescheiterten Ehe?

Nach der gescheiterten Ehe half ihm Nadeschda von Meck, eine reiche Witwe, die seine Musik liebte. Sie hatte schon seit Ende 1876 bei ihm Musikstücke bestellt und gut bezahlt. Dabei hatten die beiden angefangen, sich Briefe zu schreiben.

Nun bat Tschaikowsky sie um Hilfe. Von da an schickte sie ihm jedes Jahr 6.000 Rubel. Das war damals viel Geld. So konnte er im Ausland bleiben, bis es ihm wieder besser ging. Dort beendete er die Oper „Eugen Onegin“ und seine vierte Sinfonie. Die vierte Sinfonie widmete er Nadeschda von Meck. Wenn ein Komponist ein Werk einem Menschen widmet, schreibt er dessen Namen in die Noten, um ihn zu ehren oder ihm zu danken. Im April 1878 kehrte Tschaikowsky nach Russland zurück.

Das Besondere an dieser Freundschaft war, dass die beiden sich nie trafen. Sie hatten vereinbart, sich nur Briefe zu schreiben. In fast 14 Jahren schrieben sie sich über 1.200 Briefe. Darin erzählte Tschaikowsky ihr viel über seine Musik und seine Gefühle.

Porträt von Nadeschda von Meck in dunklem Kleid
Nadeschda von Meck. Sie und Tschaikowsky schrieben sich fast 14 Jahre lang Briefe, haben aber nie miteinander gesprochen. Foto: unbekannter Fotograf, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Was schrieb Tschaikowsky nach seiner Rückkehr für Kinder?

Nach seiner Rückkehr schrieb Tschaikowsky im Frühjahr und Sommer 1878 das Kinderalbum, 24 kurze Klavierstücke extra für Kinder. Begonnen hat er bei seiner Schwester in Kamenka. Die Stücke sind so leicht, dass Kinder sie nach einigen Jahren Klavierunterricht selbst spielen können.

Tschaikowsky fand, dass es zu wenig gute Musik für Kinder gab. Als Vorbild nahm er das „Album für die Jugend“ des deutschen Komponisten Robert Schumann. Deshalb hat das Kinderalbum den Untertitel „24 leichte Stücke à la Schumann“. Das französische Wort à la bedeutet „nach Art von“. Gewidmet hat er das Album seinem Lieblingsneffen Wolodja Dawydow, dem Sohn seiner Schwester Alexandra.

Die Stücke erzählen vom Alltag eines Kindes. Sie heißen zum Beispiel „Morgengebet“, „Marsch der Holzsoldaten“, „Die kranke Puppe“ und „Die neue Puppe“. Andere Stücke sind Lieder und Tänze aus verschiedenen Ländern, etwa ein „Altfranzösisches Lied“ und ein „Deutsches Liedchen“.

Warum gab Tschaikowsky seine Stelle in Moskau auf?

Im Herbst 1878 gab Tschaikowsky seine Stelle am Konservatorium auf, weil ihn das Unterrichten sehr anstrengte und er durch das Geld von Nadeschda von Meck nicht mehr darauf angewiesen war. Von nun an war er freier Komponist. So nennt man einen Komponisten, der nicht angestellt ist, sondern nur von seiner Musik und seinen Aufträgen lebt.

In den nächsten Jahren hatte Tschaikowsky kein eigenes Zuhause. Er reiste viel, zum Beispiel in die Schweiz, nach Italien, nach Frankreich und nach Österreich. Die großen Städte Moskau und Sankt Petersburg mied er, so gut es ging. Oft wohnte er bei seiner Schwester Alexandra in Kamenka. Jetzt hatte er viel Zeit zum Komponieren.

Warum schrieb Tschaikowsky ein Musikstück mit Kanonen?

In diesen Reisejahren bekam Tschaikowsky 1880 einen Auftrag aus Moskau für ein festliches Musikstück. So entstand die Ouvertüre „1812“ mit Kanonenschüssen und Glocken. Nikolai Rubinstein hatte das Stück für eine große Ausstellung in Moskau bestellt. Eine Ouvertüre ist eigentlich das Musikstück, mit dem eine Oper beginnt. Die „1812“ ist aber ein eigenständiges Konzertstück.

Darin erinnert Tschaikowsky an den Sieg Russlands über den französischen Kaiser Napoleon im Jahr 1812. In der Musik kämpfen die französische Hymne, die „Marseillaise“, und russische Melodien gegeneinander. Am Ende siegt die russische Zarenhymne. Die Kanonenschüsse und Glocken sollen die Siegesfeier hörbar machen.

Mit der Kanone meinte Tschaikowsky in seinen Noten aber keine echte Waffe. Gemeint war eine große Trommel, mit der man im Theater Kanonenschüsse nachmacht. Weil die Ausstellung verschoben wurde, war die erste offizielle Aufführung erst am 20. August 1882.

Hörbeispiel: der Schluss der Ouvertüre „1812“ mit Glocken, Pauken und Kanonenschlägen. Aufnahme: Concertgebouw-Orchester Amsterdam unter Paul van Kempen, 1951, gemeinfrei, via Wikimedia Commons, gekürzt.

Wo fand Tschaikowsky nach den Reisejahren ein Zuhause?

Nach den vielen Reisejahren fand Tschaikowsky 1885 ein eigenes Zuhause auf dem Land in der Nähe der Stadt Klin. Klin liegt nordwestlich von Moskau. Im Februar 1885 mietete er ein Haus auf dem Gut Maidanowo. Dort fühlte er sich zum ersten Mal seit Langem zu Hause. Seinem Bruder schrieb er, er sei „zufrieden, fröhlich und ruhig“.

Hier hatte Tschaikowsky einen festen Tagesablauf. Morgens und nachmittags komponierte er, dazwischen machte er lange Spaziergänge im Wald. Abends las er oder spielte mit Freunden Karten oder Klavier. In der Gegend um Klin wohnte er von da an bis zu seinem Tod.

Wie wurde Tschaikowsky als Dirigent weltberühmt?

In seinen ruhigen Jahren bei Klin überwand Tschaikowsky seine alte Angst vor dem Dirigieren und reiste danach als Dirigent durch Europa. Im Januar 1887 dirigierte er in Moskau seine Oper „Die Pantöffelchen“. Zum ersten Mal hatte er als Dirigent Erfolg. Danach traute er sich, seine Werke auch im Ausland selbst zu dirigieren.

Ende 1887 begann seine erste große Konzertreise. Sie führte ihn nach Leipzig, Berlin, Hamburg, Prag, Paris und London. In Leipzig lernte er die Komponisten Johannes Brahms und Edvard Grieg kennen. 1889 folgte die nächste Reise, unter anderem nach Köln, Frankfurt, Dresden, Genf und noch einmal London. Überall dirigierte er seine eigenen Werke, und sein Name wurde in ganz Europa bekannt.

Auch in Russland war Tschaikowsky inzwischen sehr angesehen. Der Zar war der Kaiser von Russland. Zar Alexander III. hatte ihm schon 1884 einen Orden verliehen und gab ihm später eine Rente auf Lebenszeit. Eine Rente ist ein Geldbetrag, den man regelmäßig bekommt, ohne dafür arbeiten zu müssen.

Wie kam Tschaikowsky zu seinem zweiten Ballett Dornröschen?

Mitten in der Zeit seiner Konzertreisen, im Mai 1888, schlug ihm der Direktor der Kaiserlichen Theater in Sankt Petersburg ein neues Ballett vor: „Dornröschen“. Die Kaiserlichen Theater gehörten dem Zaren. Dazu gehörte auch das Mariinski-Theater in Sankt Petersburg. Tschaikowsky war von dem Vorschlag begeistert. Das Ballett erzählt das bekannte Märchen von der Prinzessin, die hundert Jahre schläft, bis ein Prinz sie wachküsst.

Tschaikowsky schrieb die Musik von Oktober 1888 bis August 1889. Viele Teile komponierte er unterwegs auf seinen Konzertreisen. Dabei arbeitete er eng mit dem Choreografen Marius Petipa zusammen. Ein Choreograf ist jemand, der die Schritte und Bewegungen der Tänzer festlegt. Petipa schrieb ihm für jede Szene genaue Pläne, welche Tänze es geben sollte. Die Uraufführung war am 15. Januar 1890 im Mariinski-Theater. Tschaikowsky fragte später, ob „Dornröschen“ nicht vielleicht das beste seiner Werke sei.

Warum hörte Nadeschda von Meck auf, Tschaikowsky zu unterstützen?

Im September 1890 schrieb Nadeschda von Meck ihm, sie habe fast ihr ganzes Geld verloren und könne ihn deshalb nicht mehr unterstützen. Auch Briefe wollte sie ihm keine mehr schreiben. Dass nach fast 14 Jahren der Briefwechsel aufhörte, kränkte Tschaikowsky sehr. Lange Zeit war er darüber traurig.

Warum reiste Tschaikowsky nach Amerika?

Tschaikowsky reiste 1891 nach Amerika, weil er eingeladen war, bei der Eröffnung eines neuen Konzertsaals in New York zu dirigieren, der Carnegie Hall. Beim Eröffnungskonzert am 5. Mai 1891 war er der Ehrengast und dirigierte eines seiner Werke.

Die Überfahrt mit dem Schiff von Frankreich nach New York dauerte acht Tage. In Amerika dirigierte Tschaikowsky insgesamt sechs Konzerte, vier in New York, eines in Baltimore und eines in Philadelphia. Außerdem besuchte er die Niagarafälle.

Wie kam Tschaikowsky zu seinem letzten Ballett, dem Nussknacker?

Ende 1890, ein knappes Jahr nach „Dornröschen“, bestellte derselbe Theaterdirektor bei Tschaikowsky noch ein Ballett, den „Nussknacker“. Es wurde sein drittes und letztes Ballett. Zusammen damit sollte er eine kurze Oper schreiben, „Jolanthe“. Beide sollten am selben Abend aufgeführt werden.

Tschaikowsky begann im Februar 1891 mit der Arbeit. Für die Reise nach Amerika musste er sie unterbrechen. Nach seiner Rückkehr schrieb er im Sommer 1891 den Rest. Die Uraufführung war am 18. Dezember 1892 im Mariinski-Theater in Sankt Petersburg. Tschaikowsky hatte das Gefühl, dass sich das Publikum gelangweilt hatte. Heute gehört „Der Nussknacker“ zu den bekanntesten Balletten der Welt. Alles über die Geschichte und die Musik steht in unserem Artikel Der Nussknacker.

Wo verbrachte Tschaikowsky seine letzten Lebensjahre?

Seine letzten eineinhalb Lebensjahre wohnte Tschaikowsky in einem Haus am Rand der Stadt Klin. Vorher hatte er in Maidanowo und in Frolowskoje gewohnt, zwei Orten in der Nähe. Im April 1892, noch vor der Uraufführung des „Nussknackers“, zog er in das größere Haus in Klin ein. Bei ihm wohnte sein Diener Alexei Sofronow mit seiner Familie.

Grünes Holzhaus von Tschaikowsky in Klin, heute ein Museum
Das Wohnhaus von Tschaikowsky in Klin. Seit Dezember 1894 ist es ein Museum. Seine Zimmer sehen noch so aus wie zu seinen Lebzeiten. Foto: Alexxx1979, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Warum bekam Tschaikowsky in England einen Doktortitel?

Als Auszeichnung für seine Musik ernannte ihn im Juni 1893 die Universität Cambridge in England zum Ehrendoktor der Musik. Einen Ehrendoktor bekommt man nicht für eine Prüfung, sondern als Auszeichnung für besondere Leistungen. Bei der Feier trug Tschaikowsky einen langen Talar, also ein festliches Gewand, und einen Doktorhut.

Tschaikowsky im weißen Doktorgewand der Universität Cambridge 1893
Tschaikowsky im Doktorgewand der Universität Cambridge im Juni 1893. Es ist das letzte bekannte Foto, das von ihm zu Lebzeiten gemacht wurde. Foto: Florence Henrietta Darwin, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Was war Tschaikowskys letztes großes Werk?

Sein letztes großes Werk war die Sinfonie Nr. 6, die man auch „Pathétique“ nennt. Das französische Wort pathétique bedeutet „ergreifend“, also etwas, das die Gefühle stark bewegt. Tschaikowsky begann die Sinfonie im Februar 1893. Nach seiner Reise nach England schrieb er im Sommer in Klin die Noten für alle Instrumente des Orchesters aus.

Die Sinfonie ist ungewöhnlich, denn sie endet nicht laut und feierlich wie die meisten Sinfonien. Der letzte Satz ist langsam und traurig und wird zum Schluss immer leiser. Am 28. Oktober 1893 dirigierte Tschaikowsky die Uraufführung selbst in Sankt Petersburg. Er hielt sie für sein bestes Werk. Neun Tage später war er tot.

Woran ist Tschaikowsky gestorben?

Tschaikowsky starb am 6. November 1893 in Sankt Petersburg an den Folgen der Cholera, also an derselben Krankheit wie seine Mutter. Er wurde 53 Jahre alt. In Sankt Petersburg war damals eine Epidemie ausgebrochen. Eine Epidemie ist eine Krankheit, an der in kurzer Zeit sehr viele Menschen in einer Gegend erkranken.

Wahrscheinlich hatte Tschaikowsky sich mit ungekochtem Wasser angesteckt. Nach verschiedenen Berichten trank er kurz vor seiner Krankheit in einem Restaurant und auch zu Hause Wasser, das nicht abgekocht war. In solchem Wasser können Cholera-Bakterien sein. Durch Abkochen werden die Bakterien getötet.

Am Morgen des 2. November fühlte Tschaikowsky sich krank. Zuerst hielt man es für eine harmlose Magenverstimmung. Am Abend erkannten die Ärzte, dass er Cholera hatte. Sie kämpften vier Tage lang um sein Leben. Die Cholera selbst überstand er, doch danach versagten seine Nieren. Am Ende wurden auch seine Lunge und sein Herz zu schwach. Als er starb, waren seine Brüder Modest und Nikolai, sein Neffe Wolodja und ein Arzt bei ihm.

Hat Tschaikowsky sich das Leben genommen?

Nach allem, was man heute weiß, nein. Schon bald nach seinem Tod erzählten sich Leute, er habe sich selbst das Leben genommen. Ende des 20. Jahrhunderts haben einige Biografen diese Gerüchte wieder aufgegriffen. Biografen sind Menschen, die Bücher über das Leben anderer Menschen schreiben. Es gibt aber keine Dokumente, die das beweisen. In der amtlichen Bescheinigung über seine Beerdigung ist die Cholera als Todesursache eingetragen. Ärzte und Forscher von heute haben die Berichte über seine Krankheit genau untersucht. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass alles zu einer Cholera passt und dass seine Ärzte nach dem Wissen ihrer Zeit richtig gehandelt haben.

Wo ist Tschaikowsky begraben?

Tschaikowsky ist in Sankt Petersburg auf dem Tichwiner Friedhof des Alexander-Newski-Klosters begraben. Der Zar ordnete an, dass die Beerdigung in Sankt Petersburg stattfindet, und bezahlte sie aus seinem eigenen Geld. Am 9. November 1893 gab es einen Trauergottesdienst in der Kasaner Kathedrale. Danach zog ein langer Trauerzug über die Hauptstraße der Stadt, den Newski-Prospekt, zum Friedhof.

Grabmal von Tschaikowsky mit Engelsfigur auf dem Tichwiner Friedhof
Das Grab von Tschaikowsky auf dem Tichwiner Friedhof in Sankt Petersburg. Auf dem Grabmal steht eine Büste des Komponisten. Hinter ihm hält ein Engel ein Kreuz, und vorne sitzt ein zweiter Engel mit einem Notenblatt. Foto: Horses In The Sky, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Wie viele Werke hat Tschaikowsky geschrieben?

Tschaikowsky hat mehrere Hundert Musikstücke geschrieben. Dazu gehören:

  • 7 Sinfonien, nämlich 6 mit Nummern und die „Manfred-Sinfonie“
  • 11 Opern
  • 3 Ballette
  • 3 Klavierkonzerte und 1 Violinkonzert
  • 11 Ouvertüren und andere einzelne Orchesterstücke
  • 5 Suiten für Orchester
  • 3 Streichquartette
  • mehr als 100 Lieder und Klavierstücke

Eine Oper ist ein Theaterstück, in dem die Darsteller ihre Rollen singen und ein Orchester sie begleitet. Eine Suite ist eine Folge von mehreren kurzen Musikstücken, die zusammengehören. In einem Streichquartett spielen vier Musiker zusammen, zwei Geigen, eine Bratsche und ein Cello.

Die bekanntesten Werke sind diese:

WerkJahr der UraufführungWas ist das?
Romeo und Julia1870Orchesterstück nach dem Theaterstück von Shakespeare
Klavierkonzert Nr. 11875Konzert für Klavier und Orchester
Schwanensee1877Ballett über eine verzauberte Prinzessin
Eugen Onegin1879Oper nach einer Geschichte von Alexander Puschkin
Violinkonzert1881Konzert für Geige und Orchester
Ouvertüre 18121882Orchesterstück über den Sieg über Napoleon
Dornröschen1890Ballett nach dem Märchen
Pique Dame1890Oper nach einer Geschichte von Puschkin
Der Nussknacker1892Weihnachtsballett nach E. T. A. Hoffmann
Sinfonie Nr. 6 „Pathétique“1893seine letzte Sinfonie

Warum ist Tschaikowskys Musik so beliebt?

Tschaikowskys Musik ist beliebt, weil sie viele Melodien hat, die man sich leicht merken kann. Eine Melodie ist eine Folge von Tönen, die man nachsingen kann. Viele Menschen kennen Melodien von Tschaikowsky, ohne zu wissen, von wem sie stammen.

Außerdem kann man in seiner Musik die Gefühle deutlich hören. Tschaikowsky war selbst ein Mensch mit starken Gefühlen. Er war oft traurig und ängstlich und fühlte sich manchmal einsam. Diese Gefühle drückte er in seiner Musik aus. Gleichzeitig konnte er sehr fröhliche und tänzerische Musik schreiben. In seiner Musik verband er russische Volkslieder mit der Musik, die er in Westeuropa kennengelernt hatte, etwa der von Mozart.

Auch das Ballett hat Tschaikowsky verändert. Vor ihm war Ballettmusik oft nur eine Begleitung für die Tänze. Er schrieb dagegen Musik, die die Geschichte selbst erzählt und die Gefühle der Figuren hörbar macht.

Was erinnert heute an Tschaikowsky?

An Tschaikowsky erinnern heute Museen, eine Musikhochschule und ein berühmter Wettbewerb. Sein letztes Wohnhaus in Klin wurde schon ein Jahr nach seinem Tod zum Museum. Sein Bruder Modest gründete es zusammen mit Wolodja Dawydow und dem Diener Alexei Sofronow. Am 21. Dezember 1894 kamen die ersten Besucher. Seine Zimmer, seine Bücher und sein Flügel sind bis heute so erhalten, wie er sie zurückgelassen hat.

Auch sein Geburtshaus in Wotkinsk ist ein Museum. Es wurde 1940 zu seinem 100. Geburtstag eröffnet. Im selben Jahr bekam das Moskauer Konservatorium, an dem er unterrichtet hatte, seinen Namen.

Seit 1958 gibt es in Moskau den Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb. Dort treten junge Musiker aus der ganzen Welt gegeneinander an. Den ersten Wettbewerb im Fach Klavier gewann der Amerikaner Van Cliburn mit Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1.

Tschaikowskys Leben auf einen Blick

JahrWas geschah?
1840Am 7. Mai wird Peter Tschaikowsky in Wotkinsk im Ural geboren.
1844Die Gouvernante Fanny Dürbach kommt in die Familie. Peter schreibt sein erstes Lied.
1848Die Familie verlässt Wotkinsk.
1850Peter kommt auf die Kaiserliche Rechtsschule in Sankt Petersburg.
1854Seine Mutter stirbt an Cholera.
1859Er wird Beamter im Justizministerium.
1862Er wird einer der ersten Studenten am Konservatorium in Sankt Petersburg.
1866Er zieht nach Moskau und wird Lehrer am Konservatorium.
1868Missglückter Versuch als Dirigent.
1875Das Klavierkonzert Nr. 1 wird in Boston uraufgeführt.
1877Uraufführung von „Schwanensee“. Er heiratet Antonina Miljukowa und verlässt sie nach wenigen Wochen. Nadeschda von Meck unterstützt ihn.
1878Er schreibt das Kinderalbum und gibt die Stelle am Konservatorium auf. Danach reist er viel.
1882Uraufführung der Ouvertüre „1812“.
1885Er zieht nach Maidanowo bei Klin und hat wieder ein Zuhause.
1887Erster Erfolg als Dirigent. Ende des Jahres beginnt seine erste große Konzertreise durch Europa.
1890Uraufführung von „Dornröschen“. Nadeschda von Meck beendet die Unterstützung und den Briefwechsel.
1891Reise nach Amerika, Konzert zur Eröffnung der Carnegie Hall.
1892Er zieht in das Haus in Klin. Am 18. Dezember Uraufführung von „Der Nussknacker“.
1893Ehrendoktor in Cambridge. Am 28. Oktober Uraufführung der „Pathétique“. Am 6. November stirbt er in Sankt Petersburg.

Zum Weiterdenken

Tschaikowsky wurde zuerst Beamter, weil seine Eltern sich für ihn einen sicheren Beruf wünschten. Erst mit über 20 Jahren entschied er sich ganz für die Musik. Was meinst du: Ist es wichtiger, einen sicheren Beruf zu haben, oder einen Beruf, der einem Freude macht?

Tschaikowsky hatte große Angst vor dem Dirigieren. Fast 20 Jahre später dirigierte er in den größten Konzertsälen der Welt. Gibt es etwas, vor dem du Angst hast und das du trotzdem gern können möchtest?

Quellen: Britannica: Pyotr Ilyich Tchaikovsky, Tchaikovsky Research: Tchaikovsky – A Life, Modest Tschaikowsky: The Life and Letters of Peter Ilich Tchaikovsky (1906), BR-KLASSIK: Tschaikowsky – der Wille zum Glück, Tchaikovsky Research: Swan Lake, Tchaikovsky Research: The Nutcracker, Tchaikovsky Research: The Year 1812, Carnegie Hall Archives: Opening Night 1891, Tschaikowsky-Museum Klin: Geschichte

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