Die kurze Antwort
Das Weihnachtsoratorium ist ein großes Musikwerk von Johann Sebastian Bach. Chor, Sängerinnen und Sänger und ein Orchester erzählen darin die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel. Bach schrieb es für die Weihnachtszeit 1734/35 in Leipzig. Es besteht aus sechs Teilen, und jeder Teil gehörte zu einem anderen Feiertag zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar. Viele Stücke daraus hatte Bach vorher schon für Geburtstagsfeiern am Hof der sächsischen Herrscher komponiert.

Das Weihnachtsoratorium ist eines der bekanntesten Werke der klassischen Musik. In Deutschland wird kein anderes klassisches Werk in der Advents- und Weihnachtszeit so oft aufgeführt. Komponiert hat es Johann Sebastian Bach vor fast 300 Jahren. Es beginnt mit Paukenschlägen und dem Chor, der „Jauchzet, frohlocket“ singt.
Was ist das Weihnachtsoratorium?
Das Weihnachtsoratorium ist ein Musikwerk, das die Geschichte von der Geburt Jesu erzählt. Es hat sechs Teile. Jeder Teil ist eine Kantate. Eine Kantate ist ein Musikstück für den Gottesdienst mit Chor, Solisten und Orchester, das etwa eine halbe Stunde dauert. Solisten sind Sängerinnen und Sänger, die allein singen.
Bach schrieb jede Kantate für einen bestimmten Feiertag. Damals feierte man Weihnachten an drei Tagen hintereinander, also am 25., 26. und 27. Dezember. Dazu kamen Neujahr, der Sonntag nach Neujahr und der Dreikönigstag am 6. Januar.
Im Verzeichnis von Bachs Werken hat das Weihnachtsoratorium die Nummer BWV 248. BWV ist die Abkürzung für Bach-Werke-Verzeichnis. Jedes Werk von Bach hat darin eine eigene Nummer, damit man es eindeutig benennen kann.
Was ist ein Oratorium?
Ein Oratorium ist ein großes Musikwerk für Solisten, Chor und Orchester, das meistens eine Geschichte aus der Bibel erzählt. Das Wort kommt aus der lateinischen Sprache und bedeutet Betsaal. In einem Betsaal las man früher gemeinsam in der Bibel und betete. Die ersten Oratorien entstanden um das Jahr 1600 in Italien.
Ein Oratorium ist mit der Oper verwandt. Beide erzählen eine Geschichte mit Musik. In der Oper spielen die Sängerinnen und Sänger aber auf einer Bühne, tragen Kostüme und bewegen sich wie Schauspieler. Bei einem Oratorium stehen sie still vor dem Publikum und singen nur. Deshalb wird ein Oratorium in der Kirche oder im Konzertsaal aufgeführt und nicht im Theater.
In einem Oratorium gibt es meistens einen Erzähler, der die Geschichte vorträgt. In Bachs Weihnachtsoratorium heißt der Erzähler Evangelist. Er singt den Text aus der Bibel. Ein Oratorium besteht aus verschiedenen Teilen.
| Teil | Was dabei passiert |
|---|---|
| Rezitativ | Ein Solist singt einen Text fast wie gesprochen. So erfährt man, was in der Geschichte passiert. |
| Arie | Ein Solist singt ein Lied mit schöner Melodie. Darin geht es um Gefühle und Gedanken zur Geschichte. |
| Chor | Viele Sängerinnen und Sänger singen zusammen. |
| Choral | Der Chor singt ein Kirchenlied, das die Leute damals aus dem Gottesdienst kannten. |
Wer war Johann Sebastian Bach?
Johann Sebastian Bach war ein deutscher Komponist und Organist. Er wurde am 21. März 1685 in Eisenach in Thüringen geboren und starb am 28. Juli 1750 in Leipzig. Ein Komponist ist jemand, der Musik erfindet und aufschreibt.

Ab dem 1. Juni 1723 war Bach in Leipzig Thomaskantor. Der Thomaskantor leitete die Musik in den wichtigsten Kirchen der Stadt und unterrichtete die Schüler der Thomasschule. Diese Schüler sangen im Chor, man nennt sie Thomaner. Jede Woche musste Bach für den Gottesdienst am Sonntag eine Kantate aufführen. Für ein Kirchenjahr brauchte er etwa 60 Kantaten.
Ab dem Jahr 1729 leitete Bach außerdem das Collegium musicum. Das war eine Gruppe von Musikern, vor allem Studenten, die jede Woche im Kaffeehaus von Gottfried Zimmermann in Leipzig Konzerte gaben. Für diese Konzerte schrieb Bach auch Musik, die nichts mit der Kirche zu tun hatte.
Wann hat Bach das Weihnachtsoratorium geschrieben?
Bach hat sein Weihnachtsoratorium im Herbst und Winter des Jahres 1734 geschrieben. Zum ersten Mal erklang es zwischen dem 25. Dezember 1734 und dem 6. Januar 1735. Jeden Feiertag wurde ein Teil gespielt, und jeder Teil erzählt ein anderes Stück der Weihnachtsgeschichte.
| Teil | Feiertag | Datum der ersten Aufführung | Worum es geht |
|---|---|---|---|
| I | 1. Weihnachtstag | 25. Dezember 1734 | Maria und Josef ziehen nach Bethlehem, Jesus wird geboren |
| II | 2. Weihnachtstag | 26. Dezember 1734 | Ein Engel verkündet den Hirten auf dem Feld die Geburt |
| III | 3. Weihnachtstag | 27. Dezember 1734 | Die Hirten gehen zum Stall und finden das Kind |
| IV | Neujahr | 1. Januar 1735 | Das Kind bekommt den Namen Jesus |
| V | Sonntag nach Neujahr | 2. Januar 1735 | Die Weisen aus dem Morgenland kommen nach Jerusalem |
| VI | Dreikönigstag | 6. Januar 1735 | Die Weisen finden Jesus und beschenken ihn |
Die Teile I bis IV erzählen die Geschichte nach dem Lukas-Evangelium, die Teile V und VI nach dem Matthäus-Evangelium. Ein Evangelium ist einer der vier Berichte über das Leben von Jesus in der Bibel.
Wo wurde Bachs Weihnachtsoratorium zum ersten Mal aufgeführt?
Bachs Weihnachtsoratorium wurde zum ersten Mal in den beiden Hauptkirchen von Leipzig aufgeführt, in der Nikolaikirche und in der Thomaskirche. An den großen Feiertagen spielte Bach denselben Teil zweimal am Tag. Am Morgen erklang er im Frühgottesdienst in der einen Kirche und am Nachmittag im Vespergottesdienst in der anderen Kirche. Die Vesper ist ein Gottesdienst am Nachmittag oder Abend. Den ersten Teil hörten die Leute am 25. Dezember 1734 also zuerst in der Nikolaikirche und danach in der Thomaskirche. Die Teile III und V erklangen nur in der Nikolaikirche.

Den Innenraum der Nikolaikirche hat man nach Bachs Tod verändert. Der Baumeister Johann Carl Friedrich Dauthe ließ die Säulen so gestalten, dass sie oben wie Palmen aussehen.
Für die Leute in der Kirche wurde der Text gedruckt. Das kleine Heft hatte den Titel „Oratorium, welches die heilige Weyhnacht über in beyden Haupt-Kirchen zu Leipzig musiciret wurde. Anno 1734“. Das heißt in heutiger Sprache, dass das Oratorium über Weihnachten in den beiden Hauptkirchen von Leipzig gespielt wurde. Ein Heft davon ist bis heute erhalten. Es liegt im Bach-Archiv in Leipzig. Gesungen haben bei der ersten Aufführung die Thomaner. Im Orchester spielten die Stadtmusiker von Leipzig und weitere Musiker, die Bach dazuholte.
Wer hat den Text zu Bachs Weihnachtsoratorium geschrieben?
Wer die Texte der Arien und Chöre in Bachs Weihnachtsoratorium gedichtet hat, weiß man nicht genau. Vermutlich war es der Dichter Christian Friedrich Henrici, der sich Picander nannte. Mit ihm hat Bach oft zusammengearbeitet.
Der Text des Evangelisten kommt dagegen direkt aus der Bibel, in der Übersetzung von Martin Luther. Die Texte der Choräle stammen aus Kirchenliedern. Sie wurden von verschiedenen Dichtern geschrieben, zum Beispiel von Martin Luther und Paul Gerhardt. Paul Gerhardt hat auch das Lied „Ich steh an deiner Krippen hier“ gedichtet, das im sechsten Teil gesungen wird.
Der Anfang des Eingangschors lautet so.
- Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage,
- rühmet, was heute der Höchste getan.
- Lasset das Zagen, verbannet die Klage,
- stimmet voll Jauchzen und Fröhlichkeit an.
Jauchzen bedeutet, vor Freude laut zu rufen. Frohlocken heißt jubeln. Mit dem Zagen ist die Angst gemeint. Der Chor fordert die Menschen also auf, sich über die Geburt von Jesus zu freuen und keine Angst und keinen Kummer mehr zu haben.
Warum beginnt Bachs Weihnachtsoratorium mit Pauken?
Bachs Weihnachtsoratorium beginnt mit Pauken, weil Bach den Eingangschor aus einem älteren Stück übernommen hat, das mit den Worten „Tönet, ihr Pauken, erschallet, Trompeten“ anfing. Dieses Stück hatte er für den Geburtstag von Maria Josepha geschrieben, der Kurfürstin von Sachsen und Königin von Polen. Es wurde am 8. Dezember 1733 vom Collegium musicum in Leipzig aufgeführt. Eine Kurfürstin war die Frau eines Kurfürsten. Ein Kurfürst war ein mächtiger Herrscher, der den deutschen Kaiser mitwählen durfte.

In dem Geburtstagsstück setzten die Instrumente genau in der Reihenfolge ein, in der der Text sie nennt. Zuerst spielen die Pauken allein. Danach setzen die Trompeten ein und später die Streicher, also die Saiteninstrumente. Für den neuen Text „Jauchzet, frohlocket“ hat Bach die Musik behalten. Deshalb hört man im Weihnachtsoratorium bis heute zuerst die Pauken, obwohl im neuen Text von Pauken keine Rede mehr ist.
In Bachs eigener Handschrift kann man sehen, wie er dabei vorging. Beim Aufschreiben hatte er offenbar noch den alten Text im Kopf und musste ihn danach verbessern.
Warum hat Bach im Weihnachtsoratorium alte Musik wiederverwendet?
Bach hat im Weihnachtsoratorium alte Musik wiederverwendet, weil seine Festmusiken für die Herrscher nur ein einziges Mal gespielt wurden. Danach hätte niemand diese Musik je wieder gehört. Es gab damals noch keine Möglichkeit, Musik aufzunehmen. Im Weihnachtsoratorium wurde sie jedes Jahr wieder gebraucht.
Wenn ein Komponist ein Musikstück behält und nur einen neuen Text darunterlegt, nennt man das Parodie oder Parodieverfahren. Das Wort bedeutet hier nicht, dass etwas lustig nachgemacht wird. Es bedeutet, dass ein Lied mit anderen Worten neu gesungen wird. Im 18. Jahrhundert war das ganz üblich. Die Musik passt trotzdem genau zur Weihnachtsgeschichte, so als wäre sie dafür geschrieben worden.
Aus welchen Festmusiken stammen die Stücke?
Die meisten Stücke stammen aus drei Festmusiken für das Herrscherhaus von Sachsen.
- „Lasst uns sorgen, lasst uns wachen“ spielte Bach am 5. September 1733 zum 11. Geburtstag des Kurprinzen Friedrich Christian. In dem Stück muss sich der Held Herkules zwischen der Wollust und der Tugend entscheiden. Die Wollust steht für ein bequemes Leben voller Vergnügen, die Tugend für ein anständiges Leben mit viel Mühe. Die Wollust singt ihm ein Schlaflied vor, um ihn einzulullen. Daraus wurde im Weihnachtsoratorium das Schlaflied „Schlafe, mein Liebster“ für das Jesuskind. Aus einer Arie, in der ein Echo antwortet, wurde die Echo-Arie im vierten Teil.
- „Tönet, ihr Pauken, erschallet, Trompeten“ spielte Bach am 8. Dezember 1733 zum Geburtstag der Kurfürstin. Daraus stammen der Eingangschor und weitere Stücke.
- „Preise dein Glücke, gesegnetes Sachsen“ erklang am 5. Oktober 1734 am Abend auf dem Markt in Leipzig. Der Kurfürst, der auch König von Polen war, besuchte mit seiner Familie die Stadt. 600 Studenten zogen mit Fackeln aus Wachs durch die Straßen, und der König hörte vom Fenster aus zu. Eine Arie aus diesem Stück kam in den fünften Teil.
Wer war Gottfried Reiche?

Bei der Abendmusik auf dem Markt spielte auch Gottfried Reiche die erste Trompete. Er war der wichtigste Trompeter in Leipzig. Am Tag nach dem Konzert, am 6. Oktober 1734, starb er plötzlich. Ein Leipziger Chronist schrieb, das Blasen sei für ihn eine große Anstrengung gewesen und der Rauch der Fackeln habe ihm sehr zu schaffen gemacht. Ein Chronist ist jemand, der wichtige Ereignisse in einer Stadt aufschreibt.
Woher stammt der sechste Teil?
Der sechste Teil stammt wahrscheinlich fast ganz aus einer Kirchenkantate, die heute verloren ist. Einige Stücke hat Bach aber ganz neu geschrieben, zum Beispiel die Sinfonia am Anfang des zweiten Teils. Auch die Rezitative und die Choräle musste er neu schreiben, denn sie erzählen ja die Weihnachtsgeschichte.
Welche Instrumente spielen in Bachs Weihnachtsoratorium?
In Bachs Weihnachtsoratorium spielt ein Barockorchester. So nennt man ein Orchester mit Instrumenten aus der Zeit von Bach. Bach hat für jeden Teil andere Instrumente ausgesucht, damit jeder Feiertag anders klingt.
| Instrumente | Wo man sie hört |
|---|---|
| drei Trompeten und Pauken | in den festlichen Teilen I, III und VI |
| zwei Hörner | nur im vierten Teil zu Neujahr |
| Querflöten | in mehreren Teilen |
| Oboen, Oboe d’amore und Oboe da caccia | in allen Teilen, besonders in der Hirtenmusik im zweiten Teil |
| Streicher | in allen Teilen |
| Orgel, Cello und Kontrabass | in allen Teilen als Begleitung |

Die Trompeten aus Bachs Zeit hatten keine Ventile. Ventile sind die Tasten, mit denen man auf einer heutigen Trompete die Töne verändert. Ohne Ventile musste der Trompeter die Töne allein mit den Lippen formen. Besonders die hohen Töne waren dadurch sehr schwer zu spielen.
Die Oboe d’amore und die Oboe da caccia sind Verwandte der Oboe. Sie klingen tiefer und weicher. Oboe da caccia ist italienisch und heißt Jagdoboe. Sie ist gebogen und hat am Ende einen Trichter wie ein Jagdhorn.

Den zweiten Teil beginnt Bach mit einer Sinfonia. Das ist ein Musikstück nur für das Orchester, ohne Gesang. Darin spielen die Oboen eine ruhige, wiegende Musik. Bach wollte damit die Hirten auf dem Feld darstellen.
Im vierten Teil spielen statt der Trompeten zwei Hörner. Sie klingen weicher als Trompeten. Das Horn war damals ein Instrument der Jäger.

Wer singt in Bachs Weihnachtsoratorium?
In Bachs Weihnachtsoratorium singen ein Chor und vier Solisten, nämlich Sopran, Alt, Tenor und Bass. Sopran ist die höchste Stimme, Bass die tiefste. Der Tenor ist die hohe Männerstimme und der Alt die tiefe Frauenstimme.
Der Tenor hat eine besondere Aufgabe. Er ist der Evangelist und erzählt die Weihnachtsgeschichte mit den Worten aus der Bibel. Gleich am Anfang singt er den bekannten Satz „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging“.
Manchmal singen auch Personen aus der Geschichte. Den Engel, der den Hirten die Geburt verkündet, singt eine Sopranstimme. Die Worte des Königs Herodes im sechsten Teil singt der Bass.
Wie lange dauert Bachs Weihnachtsoratorium?
Bachs ganzes Weihnachtsoratorium dauert ungefähr zweieinhalb Stunden. Jeder der sechs Teile dauert etwa eine halbe Stunde.
Bach hat es nie an einem Stück aufgeführt, sondern verteilt auf sechs Gottesdienste. Heute spielen viele Chöre das Weihnachtsoratorium in einem Konzert. Oft führen sie aber nur die ersten drei Teile auf, und das meistens schon in der Adventszeit vor Weihnachten.
Wie ging es mit Bachs Weihnachtsoratorium nach seinem Tod weiter?
Nach Bachs Tod im Jahr 1750 wurde sein Weihnachtsoratorium fast 100 Jahre lang kaum noch gespielt. Der Musikforscher Carl von Winterfeld fand im Jahr 1847, dass manche Stücke zu sehr nach weltlicher Festmusik klangen. Außerdem gab es kaum noch Trompeter, die die hohen Töne auf den Trompeten ohne Ventile spielen konnten.
Im Jahr 1844 führte ein Chor in Breslau die ersten beiden Teile wieder auf. Breslau ist eine Stadt, die heute in Polen liegt und Wrocław heißt. Am 17. Dezember 1857 erklang das ganze Weihnachtsoratorium in der Sing-Akademie in Berlin. Der Dirigent war Eduard Grell. Danach wurde das Werk immer beliebter.

Heute wird das Weihnachtsoratorium jedes Jahr in der Advents- und Weihnachtszeit an vielen Orten aufgeführt. Allein in Leipzig wird es jedes Jahr mehr als 40-mal aufgeführt. Der Thomanerchor singt es bis heute jedes Jahr im Dezember in der Thomaskirche, zusammen mit dem Gewandhausorchester.
Wo ist Bachs Handschrift des Weihnachtsoratoriums heute?
Bachs Handschrift des Weihnachtsoratoriums liegt heute in der Staatsbibliothek zu Berlin. Sie ist dort seit dem Jahr 1854. Vorher hatte sie mehrere Besitzer, unter ihnen Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel Bach. Die Noten, die Bach selbst mit der Hand geschrieben hat, nennt man Partitur. In einer Partitur stehen die Stimmen aller Instrumente und Sänger übereinander.

Bach schrieb meistens mit Eisengallustinte. Diese Tinte enthält Eisen und verändert sich mit der Zeit. Dabei entstehen Stoffe wie Schwefelsäure, die das Papier angreifen. Um die Buchstaben bilden sich braune Ränder, und an manchen Stellen entstehen sogar Löcher. Diesen Schaden nennt man Tintenfraß. Deshalb wurden im Jahr 2002 alle Blätter des Weihnachtsoratoriums gerettet. Dabei trennte man jedes Blatt vorsichtig in Vorderseite und Rückseite und legte ein festes Papier dazwischen. Das macht das Blatt von innen stabil. Heute liegen die Blätter in staubdichten Kästen bei 18 Grad. In den Jahren 2008 und 2009 wurde die Handschrift fotografiert. Seitdem kann sich jeder alle Seiten im Internet ansehen.
Gibt es noch andere Weihnachtsoratorien außer dem von Bach?
Ja, es gibt noch andere Weihnachtsoratorien, aber das von Bach ist das bekannteste. Schon im 17. Jahrhundert schrieb der Komponist Heinrich Schütz eine Weihnachtshistorie, die ebenfalls die Weihnachtsgeschichte erzählt. Auch die Komponisten Georg Philipp Telemann und Gottfried Heinrich Stölzel schrieben Weihnachtsoratorien.
Der französische Komponist Camille Saint-Saëns schrieb im Dezember 1858 ein Weihnachtsoratorium für die Kirche La Madeleine in Paris. Er war damals 23 Jahre alt und brauchte für die ersten sechs Stücke nur wenige Tage.
Georg Friedrich Händel hat kein Weihnachtsoratorium geschrieben. Sein berühmtes Oratorium „Der Messias“ wird aber oft in der Weihnachtszeit gespielt. Es wurde im Jahr 1742 in Dublin zum ersten Mal aufgeführt und erzählt von der Geburt, vom Leiden und von der Auferstehung von Jesus.
Zum Weiterdenken
Bach hat Musik, die er für die Geburtstage von Herrschern geschrieben hatte, für die Geburt von Jesus wiederverwendet. Was meinst du, warum hat die Musik trotzdem zur Weihnachtsgeschichte gepasst? Überlege auch, welche Musik du für ein großes Fest aussuchen würdest und welche Instrumente darin vorkommen sollten.
Quellen: Bach-Archiv Leipzig: Bach-Chronologie, Bach digital: Weihnachtsoratorium BWV 248, Bachipedia: Weihnachtsoratorium, Bachipedia: Tönet, ihr Pauken BWV 214, Bachipedia: Preise dein Glücke BWV 215, Staatsbibliothek zu Berlin: Bachs musikalisches Vermächtnis für die Weihnachtszeit, BR-KLASSIK: Stichwort Oratorium, SWR Kultur: Bachs Weihnachtsoratorium unter der Lupe, Planet Wissen: Das Weihnachtsoratorium

