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Blutschnee: Warum ist Schnee manchmal rot?

Rot gefärbter Schnee durch Schneealgen auf King George Island in der Antarktis

Die kurze Antwort

Blutschnee ist Schnee, der rot oder rosa aussieht. Meist färben ihn winzige Schneealgen. Sie leben im Schmelzwasser zwischen den Schneekörnern hoher Berge und der Polargebiete und bilden einen roten Farbstoff, der sie vor zu starkem Sonnenlicht schützt. Umgangssprachlich nennt man auch Schnee Blutschnee, auf dem sich rötlicher Staub aus der Sahara abgelagert hat. Beide Arten von Blutschnee sind für Menschen nicht giftig.

Rot gefärbter Schnee durch Schneealgen auf King George Island in der Antarktis
Roter Schnee auf King George Island in der Antarktis. Die Farbe stammt von Milliarden winziger Schneealgen. Foto: Tsy1980, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Blutschnee ist kein eigener Schnee, der so vom Himmel fällt. Er ist ganz normaler Schnee, der nachträglich rot gefärbt wird. Dafür gibt es zwei Ursachen: Schneealgen, die im Schnee leben, und Saharastaub, der mit dem Schnee aus der Luft fällt. Der Beitrag Wie entsteht Schnee? erklärt, wie Schnee selbst entsteht. Hier geht es nur um roten Schnee.

Was ist Blutschnee?

Blutschnee ist Schnee, der durch Schneealgen oder durch Saharastaub rot, rosa, orange oder rötlich-braun gefärbt ist.

Der Name kommt von der Farbe, die an Blut erinnert. Mit Blut hat der Schnee aber nichts zu tun. Fachleute sprechen meist von rotem Schnee. In Nordamerika heißt der von Algen gefärbte Schnee auch Wassermelonenschnee. Er ist nicht nur rosa wie das Fruchtfleisch einer Wassermelone, sondern riecht oft auch leicht süßlich und fruchtig.

Die meisten Menschen meinen mit Blutschnee den Schnee, den Algen gefärbt haben. Im Februar 2026 wurde das Wort aber vor allem für Saharastaub auf dem Schnee in Deutschland verwendet. Deshalb erklärt dieser Beitrag beide Arten.

Wie entsteht Blutschnee durch Algen?

Blutschnee entsteht, wenn sich im Frühsommer im nassen, schmelzenden Schnee sehr viele Schneealgen vermehren, die einen roten Farbstoff bilden.

Eine einzelne Alge ist etwas dünner als ein menschliches Haar. Mit bloßem Auge kann man sie gerade noch erkennen. Erst wenn sehr viele Algen dicht beieinander leben, färbt sich der Schnee. Fachleute nennen eine solche Massenvermehrung Algenblüte.

Was ist eine Schneealge?

Eine Schneealge ist ein winziges Lebewesen, das nur aus einer einzigen Zelle besteht. Man nennt solche Lebewesen Einzeller. Die rote Schneealge gehört zu den Grünalgen. Wie Pflanzen besitzt sie den grünen Farbstoff Chlorophyll. Mit ihm stellt sie aus Sonnenlicht, Wasser und dem Gas Kohlendioxid ihre Nahrung her. Diesen Vorgang nennt man Fotosynthese.

Die wichtigste Alge des roten Schnees heißt mit wissenschaftlichem Namen Sanguina nivaloides. Diesen Namen erhielt sie erst im Jahr 2019. Eine Forschergruppe um die Biologin Lenka Procházková hatte roten Schnee von 42 Orten auf der ganzen Welt untersucht, die zwischen 1999 und 2018 gesammelt worden waren. Dabei stellten sie fest, dass es sich um eine eigene Gattung handelt. Vorher nannte man die Alge Chlamydomonas nivalis. Eine verwandte Art, Sanguina aurantia, färbt den Schnee orange.

Im Jahr 2019 wurde die Blutschneealge zur Alge des Jahres gewählt. Damals war es genau 200 Jahre her, dass Forscher sie zum ersten Mal beschrieben hatten.

Warum ist die Alge rot?

Die Alge ist rot, weil sie einen roten Farbstoff namens Astaxanthin bildet. Er gehört zu den Carotinoiden. So heißt eine Gruppe von gelben, orangen und roten Farbstoffen, zu der auch der Farbstoff von Karotten gehört. Astaxanthin färbt auch Lachse und Garnelen rot. Diese Tiere bekommen den Farbstoff, indem sie rote Algen fressen oder Tiere, die solche Algen gefressen haben.

Auf dem Schnee ist das Sonnenlicht sehr stark, weil der weiße Schnee das Licht zurückwirft. Zu viel Licht schadet der Alge. In ihrer Zelle entstehen dann schädliche Stoffe, die die Zelle angreifen. Das rote Astaxanthin fängt einen Teil des Lichts ab und schützt so das Innere der Zelle. Früher dachten Forscher, dass der Farbstoff vor allem den Zellkern vor den unsichtbaren UV-Strahlen der Sonne schützt. Untersuchungen aus dem Jahr 2023 zeigten aber, dass er vor allem gegen zu viel sichtbares Licht hilft.

Wie lebt die Schneealge?

Forscher gehen davon aus, dass die Alge in einem Kreislauf lebt, der sich jedes Jahr wiederholt:

  • Im Winter ruhen die Algen im Boden unter dem Schnee.
  • Im Frühling beginnt der Schnee zu schmelzen. Zwischen den Schneekörnern fließt nun Schmelzwasser. Die Algen erwachen. Sie sind jetzt grün und haben zwei dünne, fadenförmige Anhänge, die Geißeln. Mit ihnen schwimmen sie im Schmelzwasser nach oben, zum Licht hin.
  • Nahe der Oberfläche teilen sich die Algen und vermehren sich stark.
  • Dann verlieren sie ihre Geißeln, werden kugelrund und bilden den roten Farbstoff. In dieser Form heißen sie Zysten. Eine Zyste ist eine Ruheform mit einer festen Hülle. Diese Hülle ist ähnlich widerstandsfähig wie die Hülle von Blütenpollen. Jetzt ist der Schnee rot.
  • Wenn der Schnee ganz geschmolzen ist, gelangen die Zysten mit dem Schmelzwasser in den Boden. Dort überdauern sie bis zum nächsten Jahr.

Bis heute ist es Forschern nicht gelungen, die Blutschneealge im Labor zu züchten. Deshalb sind viele Fragen zu ihrem Leben noch offen. Man vermutet zum Beispiel, dass sie an die Kälte gebunden ist und bei höheren Temperaturen abstirbt. Belegt ist das aber noch nicht.

Blutschnee mit roter Färbung in den Mulden eines Schneefelds bei Abisko in Schweden
Blutschnee bei Abisko im Norden Schwedens. Die rote Farbe sammelt sich vor allem in den Mulden der Schneeoberfläche. Foto: Ökologix, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Wo und wann gibt es Blutschnee durch Algen?

Blutschnee durch Algen gibt es in Hochgebirgen und in den Polargebieten der ganzen Welt, vor allem im Frühsommer, wenn der Schnee schmilzt.

Man findet ihn zum Beispiel in den Alpen, in den Rocky Mountains in Nordamerika, in der Arktis und in der Antarktis. Für die Alpen haben Forscher genau untersucht, wo der rote Schnee auftritt. Sie werteten dafür Bilder des Satelliten Sentinel-2 aus den Jahren 2018 bis 2022 aus, die eine Fläche von 94.200 Quadratkilometern zeigen. Das Ergebnis:

  • 94 von 100 Flächen mit rotem Schnee lagen zwischen 1.800 und 3.000 Metern Höhe.
  • Am häufigsten war der Schnee im Juni rot.
  • Der rote Schnee lag meist an flachen Hängen, die nach Süden oder Osten zeigen und deshalb viel Sonne bekommen.
  • Rot wurde nur Schnee, der lange schmilzt. In der Regel dauerte die Schneeschmelze dort mehr als 46 Tage, nie weniger als 25 Tage. Die Algen brauchen also lange genug nassen Schnee, um sich zu vermehren.

Auf dem Schnee ist die Farbe nicht überall gleich. Oft ist sie in kleinen Mulden besonders kräftig, wie auf dem Foto aus Schweden zu sehen ist.

Seit wann kennt man Blutschnee?

Roten Schnee beschrieb schon der griechische Gelehrte Aristoteles vor mehr als 2.300 Jahren.

Lange wusste aber niemand, woher die Farbe kommt. Im 18. Jahrhundert untersuchte der Schweizer Naturforscher Horace-Bénédict de Saussure roten Schnee in den Alpen. Er vermutete, dass die Farbe von Pflanzen stammt.

Im Jahr 1818 entdeckte der britische Polarforscher John Ross an der Küste Grönlands an der Baffin Bay rot gefärbte Felshänge voller Schnee. Er nannte sie Crimson Cliffs, also karminrote Klippen. Ross brachte Proben nach England mit. Dort erkannte der Botaniker Robert Brown im Jahr 1819, dass winzige Algen den Schnee färben. Eine Probe von den Crimson Cliffs aus dem Jahr 1851 ist bis heute erhalten. Die Forscher, die der Alge 2019 ihren neuen Namen gaben, haben auch diese alte Probe untersucht.

Auch Charles Darwin sah roten Schnee. Im Jahr 1835 überquerte er in Südamerika den Portillo-Pass in den Anden. In seinem Reisebericht schrieb er, dass die Hufspuren der Maultiere im Schnee blassrot waren.

Was bewirkt Blutschnee durch Algen?

Roter Schnee schmilzt schneller als weißer Schnee, weil er mehr Sonnenlicht aufnimmt.

Weißer Schnee wirft den größten Teil des Sonnenlichts zurück. Wie stark eine Fläche das Licht zurückwirft, nennt man Albedo. Roter Schnee ist dunkler als weißer Schnee. Er wirft weniger Licht zurück und nimmt mehr Wärme auf. Forscher des Deutschen GeoForschungsZentrums in Potsdam haben gemessen, dass die Algen die Albedo von Schnee in der Arktis über die Schmelzzeit um 13 Prozent verringern können.

Daraus entsteht ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt: Der rote Schnee schmilzt schneller. Dadurch entsteht mehr Schmelzwasser. Im Schmelzwasser vermehren sich die Algen noch stärker, und der Schnee wird noch röter. Wenn es durch den Klimawandel wärmer wird, schmilzt der Schnee früher. Forscher befürchten, dass der rote Schnee dann die Schneeschmelze und das Abschmelzen der Gletscher zusätzlich beschleunigt. Gleichzeitig ist auch der Lebensraum der Algen bedroht, wenn es in den Bergen weniger Schnee gibt.

Kann man Blutschnee essen?

Man sollte Blutschnee nicht essen. In kleinen Mengen schaden die Algen zwar nicht, aber sie wirken abführend und können Bauchbeschwerden und Durchfall auslösen.

Was ist Blutschnee durch Saharastaub?

Blutschnee durch Saharastaub ist Schnee, auf dem bräunlich-roter Staub aus der Wüste Sahara liegt. Der Deutsche Wetterdienst nennt ihn ein seltenes Ereignis.

Die Sahara ist die größte heiße Wüste der Erde und liegt im Norden Afrikas. Starke Winde wirbeln dort feinen Staub hoch in die Luft. Strömt die Luft dann nach Norden, kann der Staub bis nach Europa gelangen. Der Staub aus dem Westen der Sahara ist meist rot bis braun. Die Farbe kommt von Eisenoxid, also von Rost, der im Staub enthalten ist. Schneit es, während der Staub in der Luft ist, fallen die Staubkörnchen mit den Schneeflocken zu Boden. Der Schnee sieht dann rötlich, orange oder bräunlich aus. Der Staub ist nicht giftig.

Am 5. und 6. Februar 2026 gab es so einen Blutschnee in Deutschland. Rötlicher Schnee fiel unter anderem in Berlin, Brandenburg und Sachsen.

Schnitt durch die Schneedecke am Simplonpass mit einer deutlichen orange-braunen Schicht aus Saharastaub
Ein Schnitt durch die Schneedecke am Simplonpass in der Schweiz. Die orange-braune Linie ist Saharastaub. Er fiel zusammen mit Schnee und wurde danach von frischem, weißem Schnee zugedeckt. Foto: Hp.Baumeler, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wie erkennt man, ob Algen oder Staub den Schnee färben?

Man erkennt es vor allem an der Jahreszeit und an der Verteilung der Farbe:

Blutschnee durch AlgenBlutschnee durch Saharastaub
Farberot, rosa oder orangebräunlich-rot, orange oder gelblich
wannim Frühsommer, wenn der Schnee schmilztmeist im Winter oder Frühling, während es schneit
woin Hochgebirgen und Polargebietenüberall, wo es schneit, auch im Flachland
Verteilungfleckig, besonders in Muldengleichmäßig auf großen Flächen
UrsacheLebewesen im SchneeStaub aus der Luft

Algen färben also Schnee, der schon lange liegt und schmilzt. Saharastaub färbt dagegen frischen Schnee, der gerade gefallen ist.

Zum Weiterdenken

Im Juni wandern Sie in den Alpen in 2.500 Metern Höhe und sehen rote Flecken in einem Schneefeld. Kommt die Farbe eher von Algen oder von Saharastaub? Und warum schmilzt der rote Fleck schneller als der weiße Schnee daneben?

Quellen: Procházková und andere, 2019, Roussel und andere, 2024, CNRS: Blood glaciers, DBG Sektion Phykologie: Alge des Jahres 2019, GFZ: Schneealgen beschleunigen die Gletscherschmelze, Universität Innsbruck: Naturphänomen Blutschnee, DWD: Saharastaub, Charles Darwin: Reise der Beagle, Kapitel 15

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