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Wie entsteht Schnee? Neuschnee, Altschnee, Harsch, Firn und alle Schneearten erklärt

Verschneiter Nadelwald im Schwarzwald mit dicken Schneeschichten auf den Ästen

Die kurze Antwort

Schnee entsteht in Wolken, in denen es kälter als null Grad ist. Dort lagert sich Wasserdampf an winzigen Staubkörnchen oder anderen Teilchen an und wird direkt zu Eis. So wachsen kleine Eiskristalle. Wenn sie schwer genug sind, fallen sie nach unten und verhaken sich oft zu Schneeflocken. Ist die Luft bis zum Boden kalt genug, kommen sie als Schnee an. Liegt der Schnee am Boden, verändert er sich ständig. So wird aus Neuschnee Altschnee, aus Altschnee Firn und nach vielen Jahren sogar Gletschereis.

Verschneiter Nadelwald im Schwarzwald mit dicken Schneeschichten auf den Ästen
Frisch verschneiter Wald im Schwarzwald. Neuschnee liegt locker auf den Ästen, weil er zum größten Teil aus Luft besteht. Foto: Faldrian, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Schnee ist Niederschlag, der in fester Form auf die Erde fällt. Er besteht aus vielen kleinen Eiskristallen. Niederschlag nennt man alles Wasser, das aus der Luft auf den Boden kommt, zum Beispiel Regen, Schnee, Graupel oder Hagel. Schnee ist also kein gefrorener Regen. Er wächst in der Wolke aus Wasserdampf. Wie ein einzelner Eiskristall aussieht und warum er sechs Zacken hat, erfährst du im Beitrag Schneeflocken: Wie entstehen sie und warum hat jede eine andere Form?. In diesem Beitrag geht es darum, wie Schnee in der Wolke entsteht, wann er bis zum Boden kommt und was danach mit ihm passiert.

Wie entsteht Schnee?

Schnee entsteht, wenn in einer Wolke unter null Grad Wasserdampf an winzigen Teilchen zu Eis wird und die Eiskristalle so groß werden, dass sie aus der Wolke fallen.

Eine Wolke besteht aus sehr vielen winzigen Wassertröpfchen. Sie sind so klein und leicht, dass sie in der Luft schweben. Steigt die Wolke höher, wird es in ihr kälter. Man könnte denken, dass die Tröpfchen bei null Grad sofort gefrieren. Das stimmt aber nicht. Wassertröpfchen in der Luft können bis etwa minus 38 Grad flüssig bleiben, ohne zu gefrieren. Solche Tröpfchen nennt man unterkühlt. Sie sind kälter als null Grad und trotzdem noch flüssig.

Damit Eis entsteht, braucht das Wasser einen Ansatzpunkt. Das sind winzige Teilchen in der Luft, zum Beispiel Staub aus der Wüste, Ruß oder Pollen. Fachleute nennen sie Eiskeime. An einem Eiskeim ordnen sich die Wassermoleküle zu Eis an. Ohne Eiskeim gefrieren Tröpfchen erst nahe minus 40 Grad. In unseren Breiten bildet sich Niederschlag meist in Wolkenbereichen, die kälter als minus 10 Grad sind.

Ist der erste winzige Eiskristall entstanden, wächst er schnell weiter. Das hat folgenden Grund: Über Eis kann die Luft weniger Wasserdampf halten als über flüssigem Wasser. Deshalb verdunsten die unterkühlten Tröpfchen um den Kristall herum, und der Wasserdampf lagert sich am Eiskristall an. Der Kristall wächst also, während die Tröpfchen kleiner werden. Dass Wasserdampf direkt zu Eis wird, ohne vorher flüssig zu sein, nennt man Resublimation.

Nach einiger Zeit ist der Kristall so schwer, dass die Luft in der Wolke ihn nicht mehr tragen kann. Er fällt nach unten. Auf dem Weg stößt er mit anderen Kristallen zusammen. Viele bleiben aneinander hängen und bilden eine Schneeflocke. Ist die Luft unter der Wolke bis zum Boden kalt genug, kommt der Niederschlag als Schnee an. Ist es unten zu warm, schmilzt der Schnee unterwegs und wird zu Regen. Auch ein großer Teil des Regens in Deutschland beginnt deshalb als Schnee in der Wolke.

Wer hat herausgefunden, wie Schnee in der Wolke entsteht?

Den Vorgang haben drei Forscher nacheinander beschrieben. Deshalb heißt er nach ihnen Wegener-Bergeron-Findeisen-Prozess.

  • 1911 erklärte der deutsche Forscher Alfred Wegener, dass Eis und unterkühltes Wasser in einer Wolke nicht lange nebeneinander bestehen können. Das Eis wächst auf Kosten des Wassers. Wegener ist heute vor allem dafür bekannt, dass er die Wanderung der Kontinente entdeckt hat.
  • 1935 zeigte der schwedische Meteorologe Tor Bergeron, dass auf diese Weise in Wolken Niederschlag entsteht.
  • 1938 berechnete der deutsche Physiker Walter Findeisen, wie schnell die Eiskristalle dabei wachsen.

Können Bakterien Schnee machen?

Ja, auch manche Bakterien wirken als Eiskeime. Sie können Wasser sogar schon bei wenigen Grad unter null zu Eis werden lassen.

Das hat eine Forschergruppe um den Mikrobiologen Brent Christner im Jahr 2008 untersucht. Die Forscher sammelten frisch gefallenen Schnee an 19 Tagen an verschiedenen Orten, zum Beispiel in Montana in den USA, in Frankreich und in der Antarktis. Sie schmolzen den Schnee, filterten das Schmelzwasser und prüften, bei welcher Temperatur die herausgefilterten Teilchen Wasser gefrieren ließen. Danach behandelten sie die Teilchen mit Hitze. Hitze zerstört Lebewesen, aber keinen Staub. Ergebnis: Von den Eiskeimen, die schon wärmer als minus 7 Grad wirkten, waren 69 bis 100 Prozent Lebewesen oder Teile von Lebewesen, viele davon Bakterien. Staub wirkt dagegen meist erst bei tieferen Temperaturen.

Wie kalt muss es sein, damit es schneit?

In der Wolke muss es deutlich kälter als null Grad sein. Am Boden kann es dagegen auch bei leichten Plusgraden noch schneien, meist bis etwa plus 2 Grad.

Die Schneeflocken brauchen eine Weile, bis sie schmelzen. Fallen sie durch eine dünne Schicht mit Plusgraden, kommen sie noch als Schnee unten an. Meist schneit es am Boden bis etwa plus 2 Grad. Im Einzelfall wurden aber noch bei plus 7 Grad Schneeflocken beobachtet. Liegen bleiben kann Schnee auf Straßen meist nur bis etwa plus 4 Grad.

Warum kann es bei Plusgraden schneien?

Bei Plusgraden kann es vor allem dann schneien, wenn die Luft trocken ist. Wenn Schnee in trockene Luft fällt, verdunstet ein Teil davon. Beim Verdunsten wird der Luft Wärme entzogen. Die Luft kühlt sich ab, und der Schnee schmilzt langsamer.

Meteorologen achten deshalb nicht nur auf die normale Temperatur, sondern auch auf die Feuchttemperatur. Das ist die Temperatur, die Luft erreicht, wenn so viel Wasser in ihr verdunstet, bis sie ganz feucht ist. Liegt die Feuchttemperatur unter etwa 1 Grad, fällt meist Schnee.

Kann es auch bei minus 20 Grad schneien?

Ja, es kann auch bei minus 20 Grad und noch kälter schneien. Dann fällt aber meist nur wenig Schnee. Sehr kalte Luft kann nur wenig Wasserdampf enthalten. Deshalb bilden sich weniger und kleinere Eiskristalle. Große, dicke Flocken gibt es fast nur bei Temperaturen nahe null Grad.

Was ist die Schneefallgrenze?

Die Schneefallgrenze ist die Höhe, ab der der Niederschlag als Schnee fällt. Darunter fällt Regen oder ein Gemisch aus Regen und Schnee.

Die Schneefallgrenze hängt mit der Nullgradgrenze zusammen. So nennt man die Höhe, in der die Luft genau null Grad hat. Oberhalb ist es kälter, unterhalb wärmer. Die Schneeflocken beginnen an der Nullgradgrenze zu schmelzen. Weil sie dafür Zeit brauchen, fallen sie noch ein Stück tiefer als Schnee. Die Schneefallgrenze liegt deshalb meist 200 bis 400 Meter unter der Nullgradgrenze. Bei sehr trockener Luft kann sie sogar bis zu 1.000 Meter tiefer liegen.

Die Schneefallgrenze ist nicht dasselbe wie die Schneegrenze. Die Schneegrenze ist die Höhe, ab der Schnee liegen bleibt. Sie liegt etwas höher, weil Schnee auf warmem Boden zuerst schmilzt. In Bergen sieht man deshalb oft, dass die Wiesen unten grün sind und weiter oben weiß.

Was ist der Unterschied zwischen Schnee, Graupel, Griesel, Eiskörnern und Hagel?

Alle fünf sind fester Niederschlag aus Eis. Sie unterscheiden sich darin, wie sie entstehen und wie groß sie sind.

NiederschlagWie sieht er aus?Wie entsteht er?
SchneeEiskristalle mit Ästen oder Flocken aus vielen KristallenWasserdampf wird in der Wolke direkt zu Eis
Graupelweiße, undurchsichtige Kügelchen, 2 bis 5 Millimeter großUnterkühlte Tröpfchen frieren an einem Schneekristall fest
Schneegrieselsehr kleine weiße Körnchen, kleiner als 1 Millimeterfällt aus tiefen grauen Schichtwolken oder Nebel
Eiskörnerdurchsichtige, harte KügelchenRegentropfen gefrieren beim Fallen durch eine kalte Luftschicht
HagelEisklumpen größer als 5 Millimeter, manchmal viel größerwächst in Gewitterwolken durch starke Aufwinde

Graupel entsteht, wenn ein Schneekristall durch eine Wolke voller unterkühlter Tröpfchen fällt. Die Tröpfchen frieren beim Berühren sofort am Kristall fest. Das nennt man Bereifen. Wird der Kristall ganz zugedeckt, entsteht ein weißes Kügelchen. Graupel fällt meist aus großen Schauerwolken, den Cumulonimbus-Wolken, oft im Frühling. Er springt beim Aufprall auf dem Boden hoch.

Schneegriesel ist so fein wie Grieß. Er fällt nicht aus Schauerwolken, sondern aus tiefen, gleichmäßig grauen Wolken, den Stratus-Wolken, oder aus Nebel. Die Körnchen springen nicht.

Eiskörner entstehen anders als Schnee. Hier fallen zuerst Regentropfen. Sie geraten unterwegs in eine kalte Luftschicht und gefrieren zu kleinen, klaren Eiskugeln.

Schneeregen ist ein Gemisch aus Regen und nassem Schnee. Er fällt, wenn die Schneeflocken auf dem Weg nach unten zum Teil geschmolzen sind. Bei sehr großer Kälte gibt es noch eine Besonderheit. Dann fallen winzige Eisnadeln aus fast klarem Himmel und glitzern in der Sonne. Sie heißen Diamantstaub. Mehr dazu steht im Beitrag über Schneeflocken.

Runde weiße Graupelkörner liegen auf Gras und Boden
Graupel am Sandplacken im Taunus im April 2021. Die runden Körnchen sind kleine Schneekristalle, an denen gefrorene Wassertröpfchen kleben. Foto: Leonhard Lenz, CC0, via Wikimedia Commons

Welche Schneearten gibt es?

Es gibt mehr als 30 Schneearten. Man unterscheidet sie danach, wie der Schnee vom Himmel fällt, wie alt er ist, wie viel Wasser er enthält, wie seine Körner aussehen und was Wind, Sonne und Regen mit ihm gemacht haben.

In der folgenden Übersicht stehen alle Schneearten, die in diesem Beitrag erklärt werden. Die Namen stammen von Wetterdiensten, Lawinenwarndiensten und Schneeforschern.

GruppeSchneearten
Schnee, der vom Himmel fälltSchneeflocken, Graupel, Schneegriesel, Diamantstaub, Schneeregen
nach dem AlterNeuschnee, Altschnee, Firn, Gletschereis
trocken oder nassWildschnee, Pulverschnee, Pappschnee, Nassschnee, Faulschnee, Schneematsch, Sulzschnee, Firnschnee
Körner im Inneren der Schneedeckefilziger Schnee, gesetzter Schnee, kantige Körner, Becherkristalle, Schwimmschnee
an der OberflächeHarsch, Schmelzharsch, Bruchharsch, Windharsch, Eislamelle, Sastrugi, Triebschnee, Oberflächenreif, Büßerschnee
besondere ArtenKunstschnee, Blutschnee, Schnee mit Saharastaub

Graupel, Schneegriesel, Diamantstaub und Schneeregen sind weiter oben im Abschnitt über Graupel erklärt. Alle anderen Schneearten erklären die folgenden Abschnitte.

Wie teilen Schneeforscher den Schnee ein?

Schneeforscher teilen den Schnee am Boden nach der Form seiner Körner in neun Klassen ein. Diese Einteilung haben Fachleute aus vielen Ländern 2009 im Auftrag der UNESCO veröffentlicht. So benutzen Forscher auf der ganzen Welt dieselben Wörter.

  • frisch gefallener Schnee: Sterne, Plättchen, Nadeln, Säulen und Graupel, so wie sie aus der Wolke kommen
  • Kunstschnee: kleine runde Eiskörner aus der Schneekanone
  • filziger Schnee: abgebrochene und schon etwas abgerundete Stücke von Schneekristallen
  • runde Körner: kleine, rundliche Körner in älterem Schnee
  • kantige Körner: Körner mit glatten Flächen und scharfen Kanten
  • Becherkristalle: große, hohle Kristalle tief in der Schneedecke
  • Oberflächenreif: Eisplättchen, die nachts auf dem Schnee entstehen
  • Schmelzformen: Körner, die angetaut und wieder gefroren sind
  • Eisformen: feste Eisschichten und Eiskrusten im Schnee

Was ist Neuschnee?

Neuschnee ist Schnee, der vor höchstens etwa drei Tagen gefallen ist. Seine Kristalle haben noch ihre ursprüngliche Form.

In Neuschnee kann man mit einer Lupe oft noch Sterne, Plättchen oder Nadeln erkennen. Die Kristalle liegen locker übereinander und haken mit ihren Ästen ineinander. Dazwischen ist viel Luft. Neuschnee ist deshalb sehr leicht und weich. Ein Kubikmeter Neuschnee wiegt nur etwa 50 bis 150 Kilogramm. Ein Kubikmeter Wasser wiegt dagegen 1.000 Kilogramm. Wenn Meteorologen von Neuschneehöhe sprechen, meinen sie, wie viel Schnee an einem Tag neu dazugekommen ist.

Was ist Wildschnee?

Wildschnee ist der leichteste und lockerste Neuschnee, den es gibt. Er fällt nur bei großer Kälte und völliger Windstille.

Wildschnee entsteht, wenn es zum Beispiel minus 15 Grad hat und sich kein Lüftchen regt. Dann fallen einzelne, feine Kristalle, die sich kaum berühren. Sie liegen so locker, dass der Schnee von einer Schaufel herunterrinnt und sich wegpusten lässt. Der Name kommt aus der Schweiz. Ein Kubikmeter Wildschnee wiegt manchmal nur 10 bis 40 Kilogramm. Schon ein schwacher Wind oder ein Tritt wirbelt ihn auf.

Was ist Pulverschnee?

Pulverschnee ist trockener, lockerer Schnee, in dem kein flüssiges Wasser steckt. Es gibt ihn, wenn es deutlich kälter als null Grad ist.

Wenn du Pulverschnee in die Hand nimmst und drückst, zerfällt er wieder. Er klebt nicht zusammen. Das ist auch der Test, den Schneeforscher machen: Lässt sich aus dem Schnee kein Schneeball formen, ist er trocken. Beim Skifahren ist Pulverschnee beliebt, weil man weich durch ihn gleitet. Für Schneemänner eignet er sich nicht.

Skifahrer fährt durch tiefen Pulverschnee, der hoch aufstiebt
Skifahrer im tiefen Pulverschnee bei Chamonix in Frankreich. Der trockene Schnee stiebt hoch, weil seine Kristalle nicht aneinander kleben. Foto: Webwizzard, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Was ist Pappschnee und was ist Nassschnee?

Pappschnee ist Schnee, der ein wenig flüssiges Wasser enthält und deshalb gut zusammenklebt. Bei noch mehr Wasser spricht man von Nassschnee.

Die internationale Einteilung unterscheidet fünf Stufen, je nachdem, wie viel Prozent des Schnees flüssiges Wasser sind:

  • trocken: kein flüssiges Wasser, der Schnee klebt nicht
  • feucht: bis 3 Prozent Wasser, der Schnee klebt zusammen, aber man sieht kein Wasser
  • nass: 3 bis 8 Prozent, drückt man ihn, sieht man Wasser zwischen den Körnern
  • sehr nass: 8 bis 15 Prozent, beim Drücken läuft etwas Wasser heraus
  • durchtränkt: mehr als 15 Prozent, der Schnee ist voller Wasser, fast ein Brei

Pappschnee ist feuchter Schnee. Das wenige Wasser wirkt zwischen den Körnern wie Kleber. Deshalb kann man mit ihm am besten Schneebälle formen und Schneemänner bauen. Pappschnee entsteht, wenn es um null Grad hat. Nassschnee ist sehr schwer. Er bleibt an Bäumen und Stromleitungen hängen und kann Äste abbrechen lassen.

Was ist Faulschnee und was ist Schneematsch?

Faulschnee und Schneematsch sind Schnee, der ganz mit Wasser vollgesogen ist. Seine Körner halten nicht mehr zusammen.

Bei Faulschnee und Schneematsch ist mehr als 15 Prozent des Schnees flüssiges Wasser. Das ist die letzte Stufe aus der Liste oben, der durchtränkte Schnee. Die runden Körner schwimmen im Wasser und sind nicht mehr miteinander verbunden. Wer auf eine Schneedecke aus Faulschnee tritt, sackt bis zum Boden ein. In den Bergen heißt dieser Schnee Faulschnee, auf Straßen und Gehwegen sagt man Schneematsch. In Österreich nennt man ihn auch Gatsch. Faulschnee entsteht vor allem im Frühling, wenn es auch nachts nicht mehr friert, und nach starkem Regen auf Schnee.

Was ist Altschnee?

Altschnee ist Schnee, der schon länger als etwa drei Tage liegt. Seine Kristalle haben ihre Äste verloren und sind zu runden Körnern geworden.

Schnee bleibt am Boden nicht so, wie er gefallen ist. Er verändert sich jeden Tag ein wenig, auch wenn es gar nicht taut. An den feinen Spitzen der Äste wird ständig ein klein wenig Eis zu Wasserdampf. Dieser Wasserdampf setzt sich in den Lücken zwischen den Ästen wieder als Eis fest. So werden die Äste immer kürzer, und aus jedem Stern wird nach einigen Tagen ein kleines, rundes Korn. Wo sich zwei Körner berühren, frieren sie aneinander fest.

Gleichzeitig drückt der Schnee mit seinem Gewicht von oben. Die Schneedecke sackt zusammen. Sie wird niedriger, aber fester. Fachleute sagen, der Schnee setzt sich. Ein Kubikmeter Altschnee wiegt deshalb meist zwischen 150 und 600 Kilogramm, also ein Vielfaches von Neuschnee. Auf Altschnee sinkst du weniger tief ein als auf Neuschnee.

Wie verändert sich Schnee in der Schneedecke?

Schnee in der Schneedecke verändert sich auf drei Arten. Seine Körner werden rund, sie werden kantig, oder sie tauen an und frieren wieder zusammen. Diese Verwandlung nennen Fachleute Schneemetamorphose. Metamorphose bedeutet Verwandlung.

Welche der drei Arten passiert, hängt vor allem davon ab, wie kalt es oben und unten im Schnee ist. Am Erdboden unter dem Schnee ist es im Winter meist ungefähr null Grad. An der Oberfläche kann es in einer klaren Nacht dagegen minus 20 Grad haben.

Wie werden die Körner rund?

Ist es unten und oben im Schnee fast gleich kalt, werden die Kristalle rund, so wie im Abschnitt über Altschnee beschrieben. Bei minus 5 Grad dauert das ein bis zwei Wochen. Zuerst brechen die Äste ab und werden kürzer. Diesen Schnee aus kurzen, ineinander verhakten Bruchstücken nennt man filzigen Schnee. Später besteht er aus kleinen runden Körnern, die fest aneinanderhängen. Das ist gesetzter Schnee. Eine Schneedecke aus gesetztem Schnee ist fest und hält gut zusammen.

Wie entsteht Schwimmschnee?

Schwimmschnee entsteht, wenn es unten im Schnee viel wärmer ist als oben. Dann steigt aus dem wärmeren Schnee unten Wasserdampf nach oben in den kälteren Schnee. Dort setzt er sich als Eis an den Körnern fest. Die Körner werden größer und bekommen glatte Flächen und scharfe Kanten. Man nennt sie kantige Körner.

Nach zwei bis vier Wochen werden daraus hohle Kristalle mit Rippen und Stufen, die 2 bis 5 Millimeter groß sind. Weil sie wie kleine Becher aussehen, heißen sie Becherkristalle. Eine ganze Schicht aus Becherkristallen nennt man Schwimmschnee oder Tiefenreif. Die Kristalle sind kaum miteinander verbunden. Nimmst du sie in die Hand, rieseln sie auseinander.

Eine Hand hält grobkörnigen Schwimmschnee, der zwischen den Fingern herausrieselt
Schwimmschnee rieselt aus der Hand, weil seine Becherkristalle kaum zusammenhalten. Foto: Longstag, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Wie schnell Schnee sich verändert, haben Forscher des SLF untersucht. Sie haben Schneeproben in ein Gerät gelegt, das wie im Krankenhaus Bilder vom Inneren macht. So konnten sie zuschauen, wie sich die Körner verändern, ohne den Schnee zu zerstören. Wenn es abwechselnd unten und oben wärmer war, so wie zwischen Tag und Nacht, war nach 12 Stunden schon mehr als die Hälfte des Eises an eine andere Stelle gewandert.

Schwimmschnee ist gefährlich. Weil er nicht zusammenhält, kann der Schnee darüber auf ihm abrutschen. Eine solche lockere Schicht nennt man Schwachschicht. Viele Lawinen brechen in Schwachschichten los.

Was passiert, wenn Schnee antaut und wieder gefriert?

Scheint die Sonne oder regnet es, taut der Schnee an. Das Wasser sickert zwischen die Körner. Friert es in der Nacht wieder, kleben die Körner zu großen, runden Klumpen zusammen. Das geht viel schneller als die anderen beiden Arten. An der Oberfläche entsteht dabei oft eine harte Kruste. Sie heißt Harsch und ist weiter unten erklärt.

Was ist Sulzschnee?

Sulzschnee ist Schnee, der tagsüber in der Sonne aufweicht und nachts wieder gefriert. Er besteht aus großen, runden Körnern.

Sulzschnee gibt es vor allem im Frühling. Nachts gefriert die Oberfläche hart. Am Vormittag taut die Sonne die oberste Schicht ein paar Zentimeter tief auf. Dann ist der Schnee weich und körnig, und man kann gut auf ihm Ski fahren. Am Nachmittag wird er immer nasser und schwerer. Durch das ständige Auftauen und Gefrieren werden die Körner immer größer. In der Umgangssprache und bei Skifahrern heißt dieser Frühjahrsschnee auch Firnschnee oder einfach Firn. Für Schneeforscher ist Firn aber etwas anderes, wie du weiter unten liest.

Was ist Harsch?

Harsch ist eine harte Kruste an der Oberfläche der Schneedecke. Sie entsteht durch Schmelzen und Wiedergefrieren oder durch starken Wind.

  • Schmelzharsch entsteht, wenn die Oberfläche durch Sonne oder Regen antaut und danach wieder gefriert. Es bildet sich eine Eisschicht, auf der man manchmal laufen kann, ohne einzusinken.
  • Bruchharsch ist eine dünne Harschkruste über weichem Schnee. Sie hält nicht. Bei jedem Schritt bricht man ein. Für Skifahrer und Wanderer ist Bruchharsch sehr anstrengend.
  • Eine Eislamelle ist eine dünne, glasige Eisschicht mitten in der Schneedecke. Sie entsteht, wenn Regen auf den Schnee fällt oder die Oberfläche antaut und danach neuer Schnee darauf fällt.
  • Windharsch entsteht, wenn starker Wind Schneekristalle über die Oberfläche treibt. Die Kristalle zerbrechen in kleine Stücke und werden dicht zusammengepresst. Der Wind formt dabei oft Rillen und Kanten in den Schnee, die wie kleine Dünen aussehen. Sie heißen Sastrugi.
Vom Wind geformte harte Rillen und Kanten in einer Schneedecke im Gebirge
Sastrugi im Höllengebirge in Oberösterreich. Der Wind hat den Schnee zu harten Rillen und Kanten geformt. Foto: Tigerente, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Was ist Triebschnee?

Triebschnee ist Schnee, den der Wind von einer Stelle wegbläst und an einer anderen Stelle wieder ablagert.

Der Wind nimmt Schnee auf der Seite eines Berges auf, die ihm zugewandt ist. Hinter Kämmen, Felsen oder in Mulden wird die Luft langsamer und lässt den Schnee fallen. Dort entstehen hohe Schneewehen. Beim Verwehen zerbrechen die Kristalle in kleine Stücke, die dicht aneinanderliegen. Triebschnee bildet deshalb feste Platten. Liegen solche Platten auf einer Schwachschicht, können sie als Ganzes abbrechen. Das nennt man ein Schneebrett. Schneebretter sind eine häufige Lawinenart.

Was ist Oberflächenreif?

Oberflächenreif sind federartige Eiskristalle, die in klaren, kalten Nächten auf der Schneeoberfläche wachsen.

In klaren Nächten gibt die Schneeoberfläche viel Wärme an den Himmel ab und kühlt stark aus. Der Wasserdampf in der Luft darüber lagert sich dann direkt als Eis auf dem Schnee an. So entstehen glitzernde Plättchen und Federn, die mehrere Zentimeter groß werden können. Am Morgen funkelt die Schneedecke dann besonders stark. Fällt später neuer Schnee darauf, wird der Oberflächenreif begraben. Er hält nur schlecht und wird zu einer gefährlichen Schwachschicht in der Schneedecke.

Feine plättchenförmige Reifkristalle auf einer Schneeoberfläche
Oberflächenreif in Schottland. Die feinen Eisfedern sind über Nacht aus dem Wasserdampf der Luft entstanden. Foto: Jim Barton, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Was ist Firn?

Firn ist Schnee, der mindestens einen ganzen Sommer überstanden hat, ohne zu schmelzen.

Firn gibt es nur dort, wo im Sommer nicht der ganze Schnee schmilzt, also hoch in den Bergen und in den Polargebieten. Durch Schmelzen, Wiedergefrieren und das Gewicht des neuen Schnees sind seine Körner groß und rund geworden und fest miteinander verbunden. Ein Kubikmeter Firn wiegt 400 bis 830 Kilogramm, also vier- bis achtmal so viel wie Neuschnee. Zwischen den Körnern gibt es noch Hohlräume, die miteinander verbunden sind. Durch sie kann Luft strömen. Die Höhe in den Bergen, oberhalb derer der Schnee auch im Sommer liegen bleibt, heißt Firnlinie.

Runde, miteinander verbundene Firnkörner unter dem Elektronenmikroskop
Firnkörner von einem Gletscher in den USA, stark vergrößert unter dem Elektronenmikroskop. Die Körner sind rund und an den Rändern miteinander verbunden. Der weiße Strich unten ist 1 Millimeter lang. Foto: Erbe, Pooley (USDA, ARS, EMU), gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Wie wird aus Schnee Gletschereis?

Aus Schnee wird Gletschereis, wenn sich Jahr für Jahr neuer Schnee auf den Firn legt und ihn so stark zusammendrückt, dass keine Luft mehr zwischen den Körnern strömen kann.

Auf einem Gletscher liegt oben Neuschnee, darunter Altschnee, darunter Firn aus vielen Jahren. Je tiefer der Firn liegt, desto mehr Gewicht drückt auf ihn. Die Körner werden immer dichter zusammengepresst. Bei einer Dichte von etwa 830 Kilogramm pro Kubikmeter schließen sich die Hohlräume. Die Luft ist jetzt in kleinen Bläschen eingesperrt. Ab hier spricht man von Gletschereis. Wird es noch weiter zusammengedrückt, erreicht es fast die Dichte von reinem Eis, 917 Kilogramm pro Kubikmeter. Je nach Ort liegt diese Grenze in 50 bis 120 Metern Tiefe.

Wie lange das dauert, hängt davon ab, wie viel Schnee fällt und wie warm es ist. In den Alpen schmilzt im Sommer Wasser und gefriert im Firn wieder. Das beschleunigt die Umwandlung. In der Antarktis fällt sehr wenig Schnee, und es taut fast nie. Dort ist der Firn an der Grenze zum Eis 100 bis 300 Jahre alt, wie eine Masterarbeit am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung berechnet hat.

Die eingesperrten Luftbläschen sind für die Forschung sehr wertvoll. In ihnen steckt Luft aus der Zeit, als sich die Hohlräume geschlossen haben. Forscher bohren deshalb tiefe Eisbohrkerne aus dem Eis der Antarktis und Grönlands. In den Bläschen können sie messen, wie die Luft vor Tausenden von Jahren zusammengesetzt war.

Was ist Büßerschnee?

Büßerschnee sind spitze Zacken aus Schnee oder Eis, die in hohen Gebirgen in langen Reihen nebeneinanderstehen. Sie entstehen durch die Sonne.

Von Weitem sehen die Zacken aus wie betende Mönche mit weißen Kapuzen. Daher kommt der Name. Ein Büßer ist ein Mensch, der für seine Fehler betet und um Vergebung bittet. Beschrieben hat den Büßerschnee als einer der Ersten der Naturforscher Charles Darwin im Jahr 1835 auf einer Reise durch die Anden.

Büßerschnee braucht drei Dinge: sehr starke Sonne, sehr trockene Luft und Temperaturen um null Grad. Diese Bedingungen gibt es vor allem hoch in den Bergen in der Nähe des Äquators und in den Anden in Chile und Argentinien. Hat die Schneeoberfläche eine kleine Mulde, wird das Sonnenlicht darin mehrmals hin und her geworfen. Die Mulde wird wärmer, und der Schnee darin schmilzt. Auf den Spitzen schmilzt der Schnee dagegen nicht. Weil die Luft so trocken ist, wird das Eis dort direkt zu Wasserdampf. Dafür braucht es viel mehr Wärme als zum Schmelzen. Die Spitzen bleiben deshalb kalt und verlieren nur wenig Schnee, während die Mulden immer tiefer werden. In den Anden wachsen auf diese Weise zwischen 4.000 und 5.200 Metern Höhe Zacken, die mehrere Meter hoch werden können.

Viele spitze Zacken aus Schnee und Eis stehen in Reihen auf einer Hochebene in den Anden
Büßerschnee auf der Chajnantor-Hochebene in Chile, auf über 5.000 Metern Höhe. Foto: ESO/B. Tafreshi, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Was ist Kunstschnee?

Kunstschnee ist Schnee, den Maschinen aus Wasser und kalter Luft herstellen. Fachleute nennen ihn technischen Schnee.

Eine Schneekanone oder eine Schneelanze sprüht feine Wassertröpfchen in die kalte Luft. Die Tröpfchen kühlen sich im Flug ab und gefrieren. Dabei gefrieren sie von außen nach innen. Es entstehen also keine Kristalle mit Ästen wie in der Wolke, sondern kleine runde Eiskörner. Kunstschnee ist deshalb von Anfang an dichter und härter als Naturschnee. Eine Piste aus Kunstschnee hält länger, ist aber auch eisiger. Damit die Maschinen funktionieren, muss die Luft kalt und trocken genug sein. Kunstschnee braucht außerdem viel Wasser und Strom. In der internationalen Einteilung hat er eine eigene Klasse, den Maschinenschnee.

Beleuchtete Schneekanone sprüht nachts künstlichen Schnee auf eine Skipiste
Eine Schneekanone im Skigebiet Sölden in Österreich sprüht nachts Wasser in die kalte Luft. Foto: Matti Blume, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Was ist Blutschnee?

Blutschnee ist roter oder rosa Schnee. Seine Farbe kommt von winzigen Algen, die auf dem Schnee leben.

Im Frühling und Sommer, wenn der Schnee in den Bergen nass wird, vermehren sich manche Algenarten auf ihm. Die häufigste heißt Sanguina nivaloides. Sie besteht aus nur einer Zelle. Damit die starke Sonne in den Bergen die Zelle nicht schädigt, bildet die Alge einen roten Farbstoff. Er wirkt wie ein Sonnenschutz. Wenn sehr viele Algen zusammenkommen, färbt sich der Schnee rot. Eine Forschergruppe um die tschechische Biologin Lenka Procházková hat diese Alge 2019 genau beschrieben. Sie hatte dafür Proben von rotem Schnee aus Gebirgen und Polargebieten verschiedener Erdteile gesammelt und das Erbgut der Algen untersucht. Das Ergebnis: Dieselbe Art kommt fast auf der ganzen Welt vor.

Der rote Schnee hat eine Folge: Er wirft weniger Sonnenlicht zurück als weißer Schnee. Er wird also wärmer und schmilzt schneller.

Rosa Streifen von Schneealgen auf einem Schneefeld
Blutschnee in den Bergen. Die rosa Streifen färben winzige Schneealgen. Foto: Will Beback at en.wikipedia, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Warum ist Schnee manchmal gelb oder orange?

Gelber, oranger oder brauner Schnee hat seine Farbe von Saharastaub. Das ist feiner Sand aus der Wüste Sahara in Afrika. Starke Winde wirbeln ihn auf und tragen ihn in zwei bis vier Kilometern Höhe bis nach Europa. Dort sinkt er zu Boden oder wird von Schnee und Regen aus der Luft gewaschen. Im Winter färbt er dann den Schnee in den Alpen ockerfarben. So geschah es zum Beispiel im März 2022 auf der Zugspitze. Auch diesen Schnee nennen manche Menschen Blutschnee, obwohl er mit den Algen nichts zu tun hat.

Zum Weiterdenken

Morgens ist es minus 2 Grad, und es schneit dicke Flocken. Am nächsten Morgen ist es minus 15 Grad, und es fällt nur feiner Schnee. Warum sind die Flocken am zweiten Tag so viel kleiner? Und welche Schneeart liegt nach dem zweiten Tag ganz oben auf der Schneedecke?

Jetzt selbst ausprobieren

Einen Schneesturm kannst du auch zu Hause in einem Glas machen. Dafür brauchst du nur Öl, Wasser, weiße Farbe und eine Brausetablette. Wie es geht und warum die weißen Flocken auf- und absteigen, steht in der Anleitung Schneesturm im Glas.

Quellen: DWD: Wie entstehen Schneekristalle?, DWD: Ab wann schneit es?, DWD: Schnee oder Regen?, DWD: Lawinenkunde Teil 2, MeteoSchweiz: Schneefallgrenze, MeteoSchweiz: Schneearten, SLF: Schneemetamorphose, SLF: Technischer Schnee, Fierz u. a. 2009: The International Classification for Seasonal Snow on the Ground (PDF), Christner u. a. 2008, Science, Procházková u. a. 2019, FEMS Microbiology Ecology, Journal of Glaciology: Verdichtung von Firn, EAWS: Glossar der Europäischen Lawinenwarndienste, DWD: Büßerschnee und DWD: Saharastaub

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