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Woher kommen Christbaumkugeln und Lametta?

Zwei matt glänzende, kupferfarbene Christbaumkugeln aus Glas vor grünem Hintergrund mit Lichtpunkten

Die kurze Antwort

Christbaumkugeln aus Glas kommen aus Lauscha, einer kleinen Stadt im Thüringer Wald. Dort bliesen Glasbläser ab den 1830er Jahren die ersten Kugeln aus Glas und um 1847 die ersten Früchte und Nüsse aus Glas für den Weihnachtsbaum. Sie ersetzten die echten Äpfel und Nüsse, die man vorher an den Baum hängte. Lametta kommt aus Roth bei Nürnberg in Bayern. Es kam etwa 30 Jahre nach den Glaskugeln in die Geschäfte und sollte wie Eiszapfen glitzern. Früher bestand Lametta aus Metallfolie mit Blei, heute besteht es aus Kunststoff.

Zwei matt glänzende, kupferfarbene Christbaumkugeln aus Glas vor grünem Hintergrund mit Lichtpunkten
Zwei Christbaumkugeln aus Glas. Die ersten Glaskugeln für den Weihnachtsbaum wurden in Lauscha in Thüringen geblasen. Foto: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Christbaumkugeln sind hohle Kugeln aus Glas oder Kunststoff, die man an die Zweige des Weihnachtsbaums hängt. Lametta sind lange, sehr dünne, glänzende Streifen, die über die Zweige gelegt werden. Beides gibt es noch nicht sehr lange. Bevor es Christbaumkugeln gab, hingen Äpfel, Nüsse und Gebäck am Baum. Warum aus den Äpfeln Kugeln aus Glas wurden, wer sie zuerst gemacht hat und warum heute kaum noch jemand Lametta aufhängt, erfährst du hier. Wie der Brauch mit dem Weihnachtsbaum selbst entstanden ist, erklärt der Beitrag Weihnachtsbaum: Woher kommt der Brauch mit dem Christbaum?.

Was hing am Weihnachtsbaum, bevor es Christbaumkugeln gab?

Bevor es Christbaumkugeln gab, hingen vor allem Äpfel, Nüsse und Gebäck am Weihnachtsbaum. Die Kinder durften diesen Schmuck nach dem Fest aufessen.

Die roten Äpfel waren dabei besonders wichtig. Sie erinnerten an den Baum im Paradies aus der Bibel, an dem nach der Geschichte von Adam und Eva Äpfel hingen. Die ersten Früchte und Nüsse aus Glas ahmten diesen essbaren Schmuck nach. Anders als echte Äpfel verdarben sie nicht und konnten jedes Jahr wieder aufgehängt werden.

Wo wurde die Christbaumkugel erfunden?

Die Christbaumkugel aus Glas wurde in Lauscha erfunden. Lauscha ist eine kleine Stadt im Thüringer Wald, in der heute etwa 3.900 Menschen leben.

Lauscha gibt es wegen des Glases. Am 10. Januar 1597 erlaubte Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg den beiden Glasmachern Hans Greiner und Christoph Müller, dort eine Glashütte zu bauen. Eine Glashütte ist eine Werkstatt mit einem großen Ofen, in dem Glas geschmolzen wird. Rund um die Hütte entstand der Ort.

Etwa ab der Mitte des 18. Jahrhunderts stellten viele Familien in Lauscha Glasperlen her. Das waren kleine, hohle Kugeln aus Glas, die man zu Ketten auffädelte. Im Jahr 1789 gab es in Lauscha schon 21 Werkstätten für solche Perlen. Händler verkauften sie bis nach England, Amerika und China. Die Glasbläser konnten also längst kleine, hohle Kugeln blasen. Ab den 1830er Jahren bliesen sie auch einfache, größere Kugeln aus Glas. Bald kamen bunt bemalte Früchte und Nüsse aus Glas dazu, die man an den Weihnachtsbaum hängen konnte. So wurde aus den Perlen der gläserne Christbaumschmuck.

Wer hat die Christbaumkugel erfunden?

Wer die allererste Christbaumkugel gemacht hat, weiß niemand genau. Wer in welcher Nacht den ersten gläsernen Baumschmuck geblasen hat, wird sich wohl nie klären lassen.

In Lauscha erzählt man sich aber eine Legende. Eine Legende ist eine Geschichte, die von Generation zu Generation weitererzählt wird, von der man aber nicht weiß, ob sie genau so passiert ist. Nach dieser Legende war im Jahr 1847 ein Glasbläser in Lauscha so arm, dass er sich keine Äpfel und Nüsse für seinen Weihnachtsbaum leisten konnte. Deshalb blies er sich Äpfel und Nüsse aus Glas. Die Stadt Lauscha schreibt, dass ein Lauschaer Glasbläser 1847 die ersten Früchte und Nüsse aus Glas schuf und dass sie vermutlich die Vorläufer der heutigen Christbaumkugeln waren.

Sicher belegt ist das Jahr 1848. Aus diesem Jahr gibt es das Auftragsbuch eines Glasbläsers aus Lauscha. In einem Auftragsbuch schreibt ein Handwerker auf, was seine Kunden bei ihm bestellen. Darin steht eine Bestellung über sechs Dutzend Weihnachtskugeln in verschiedenen Größen, also 72 Kugeln. Ab 1848 wurden Kugeln also nicht mehr nur für den eigenen Baum gemacht, sondern auch verkauft.

Gibt es noch eine zweite Geschichte?

Ja, auch in Frankreich erzählt man von der Erfindung der Christbaumkugel. Dort spielt die Geschichte in Goetzenbruck, einem Dorf mit einer Glashütte in den Nordvogesen in Lothringen.

Nach dieser Legende war der Sommer 1858 in den Nordvogesen so trocken, dass an den Bäumen fast keine Äpfel wuchsen. Ein Glasbläser aus Goetzenbruck blies deshalb Kugeln aus Glas, damit die Familien trotzdem etwas Rundes und Glänzendes an den Baum hängen konnten. Die Glashütte in Goetzenbruck stellte danach jedes Jahr bis zu 250.000 Christbaumkugeln her, bis sie 1964 damit aufhörte. Heute bläst man im Nachbarort Meisenthal wieder Kugeln nach alter Art. Die Geschichte aus Lauscha ist allerdings zehn Jahre älter.

Seit wann gibt es Christbaumkugeln?

Christbaumkugeln aus Glas gibt es seit den 1830er Jahren, also seit fast 200 Jahren. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Jahre.

JahrWas geschah
1597In Lauscha wird die erste Glashütte gegründet.
1789In Lauscha gibt es 21 Werkstätten für Glasperlen.
ab den 1830er JahrenGlasbläser in Lauscha blasen die ersten einfachen Kugeln aus Glas.
um 1847Ein Glasbläser in Lauscha bläst die ersten Früchte und Nüsse aus Glas.
1848Ein Glasbläser in Lauscha erhält eine Bestellung über 72 Weihnachtskugeln.
1858In Goetzenbruck in Frankreich soll ein Glasbläser Kugeln statt Äpfeln geblasen haben.
1867Lauscha bekommt eine Gasanstalt. Mit der Gasflamme werden die Kugeln dünner.
1870Die Kugeln werden ab jetzt innen mit Silber verspiegelt.
um 1878Lametta kommt in die Geschäfte.
um 1880Der Amerikaner Woolworth kauft Christbaumschmuck aus Lauscha für seine Kaufhäuser.
bis 1939In Lauscha entstehen rund 5.000 verschiedene Formen.
2015In Deutschland wird kein Lametta mehr hergestellt.
2021Der Christbaumschmuck aus Lauscha wird Immaterielles Kulturerbe in Deutschland.

Wie wird eine Christbaumkugel aus Glas gemacht?

Eine Christbaumkugel aus Glas wird aus einer Röhre aus Glas geblasen, innen mit Silber verspiegelt und außen gefärbt und bemalt. In Lauscha machen die Glasbläser das bis heute mit der Hand.

Das Glas wird geblasen

Zuerst braucht der Glasbläser eine Glasröhre. Das ist ein langes, dünnes Rohr aus Glas. Solche Röhren stellt die Farbglashütte in Lauscha her. Der Glasbläser hält die Röhre in die heiße Flamme eines Gasbrenners und dreht sie dabei ständig, damit das Glas rundherum gleichmäßig heiß wird. Wenn das Glas weich ist, bläst er durch das andere Ende der Röhre Luft hinein. In wenigen Sekunden wird aus dem weichen Glas eine Kugel. Wenn der Glasbläser die Kugel frei in der Luft bläst, nennt man das vor der Lampe blasen. Die Lampe ist der Brenner. Für Figuren wie Tannenzapfen oder Vögel legt er das heiße Glas in eine Form und bläst es hinein. Dann drückt die Luft das weiche Glas an die Wände der Form.

Im Jahr 1867 bekam Lauscha eine Gasanstalt. Das ist eine Anlage, die Gas herstellt und durch Leitungen in die Häuser schickt. Mit der Gasflamme konnten die Glasbläser das Glas dünnwandiger blasen und mehr verschiedene Formen herstellen. Die Kugeln wurden dadurch leichter.

Glasbläserei in Lauscha: Ein Glasrohr wird über einer Flamme erhitzt, um eine Christbaumkugel zu formen
Ein Glasbläser in Lauscha erhitzt eine Glasröhre über der Gasflamme, bevor er eine Kugel daraus bläst. Foto: Krebs Glas Lauscha, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Die Kugel wird innen verspiegelt

Eine frisch geblasene Kugel ist durchsichtig wie ein Trinkglas. Ihren Glanz bekommt sie erst, wenn sie innen verspiegelt wird. Dabei wird die Innenseite mit einer hauchdünnen Schicht aus Metall überzogen, die wie ein Spiegel glänzt.

In den ersten Jahren nahmen die Glasbläser dafür eine Mischung aus Zinn und Blei. Ab 1870 verspiegelte man die Kugeln mit Silbernitrat. Silbernitrat ist ein Stoff, in dem Silber steckt und der sich in Wasser auflöst. Die Glasbläser füllen eine Flüssigkeit mit Silbernitrat durch den dünnen Hals in die Kugel. Dann schwenken sie die Kugel in warmem Wasser hin und her. Die Flüssigkeit fließt dabei über die ganze Innenwand, und die Wärme sorgt dafür, dass sich das Silber schneller als glänzende Schicht an das Glas setzt.

Christbaumkugeln glänzen also, weil innen eine echte Silberschicht sitzt. Sie wirft das Licht zurück wie ein Spiegel. Früher brannten am Baum echte Kerzen, und in jeder Kugel spiegelten sich die kleinen Flammen.

Verspiegelte Christbaumschmuck-Figuren aus Glas werden in einer Werkstatt in Lauscha in warmem Wasser geschwenkt
Frisch verspiegelter Christbaumschmuck wird in warmem Wasser geschwenkt. Danach glänzt er innen silbern. Foto: Krebs Glas Lauscha, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Die Kugel wird gefärbt und bemalt

Damit eine Kugel rot, grün oder blau wird, tauchen die Glasbläser sie außen in Lack. Das ist eine Farbe, die beim Trocknen eine harte, glänzende Schicht bildet. Danach werden viele Kugeln mit dem Pinsel bemalt oder mit Glitzer bestreut.

Frauen bemalen in einer Werkstatt in Lauscha Christbaumschmuck aus Glas mit dem Pinsel
In einer Werkstatt in Lauscha werden Figuren aus Glas von Hand bemalt. Foto: Krebs Glas Lauscha, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Wie kamen die Kugeln aus Lauscha in die ganze Welt?

Die Kugeln kamen über Händler aus der Nachbarstadt Sonneberg in die ganze Welt. Ab etwa 1880 kaufte auch der Amerikaner Woolworth große Mengen davon.

Die Glasbläser in Lauscha arbeiteten nicht in Fabriken, sondern zu Hause. Das nennt man Heimarbeit. Oft half die ganze Familie mit. Der Vater saß am Brenner und blies die Kugeln, die Frauen verspiegelten sie, und Kinder und Großeltern bemalten und verpackten sie. Auch Kinder mussten also mitarbeiten, damit die Familie genug Geld verdiente.

Verkaufen konnten die Familien ihre Kugeln nicht selbst in alle Länder. Das übernahmen Verleger in Sonneberg. Ein Verleger war ein Händler, der den Familien die Ware abkaufte und sie weiterverkaufte. Um 1875 schickten diese Händler den Christbaumschmuck schon ins Ausland. Um 1880 entdeckte der Amerikaner Woolworth die Kugeln aus Lauscha. Woolworth besaß Kaufhäuser in den USA. Er bestellte große Mengen Christbaumschmuck. Bald war der Schmuck aus Lauscha in Amerika sehr beliebt. Zwischen 1870 und 1939 entwarfen die Glasbläser rund 5.000 verschiedene Formen, zum Beispiel Äpfel, Birnen, Tannenzapfen, Eiszapfen, Vögel, Glocken und Engel.

Warum gibt es heute so viele Christbaumkugeln aus Kunststoff?

Heute gibt es so viele Christbaumkugeln aus Kunststoff, weil Glas leicht zerbricht und weil Kugeln aus Kunststoff in Fabriken sehr billig hergestellt werden können.

Eine Kugel aus Glas zerspringt in viele scharfe Scherben, wenn sie auf den Boden fällt. Eine Kugel aus Kunststoff springt nur ein Stück weit weg. Kunststoff ist ein Material, das in Fabriken vor allem aus Erdöl hergestellt wird. Die meisten Kugeln werden heute von Maschinen gemacht. Viel Christbaumschmuck kommt heute aus China. In Lauscha gibt es trotzdem noch fast 20 Betriebe, die Christbaumschmuck aus Glas blasen. An der Berufsfachschule in Lauscha lernen junge Menschen das Glasblasen.

Im Jahr 2021 wurde die „Herstellung von mundgeblasenem gläsernen Lauschaer Christbaumschmuck“ in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Immaterielles Kulturerbe ist kein Gebäude und kein Gegenstand, sondern ein Wissen oder Können, das Menschen weitergeben. Das Verzeichnis soll helfen, dass dieses Handwerk nicht verloren geht.

Woher kommt Lametta?

Lametta kommt aus der Stadt Roth bei Nürnberg in Bayern. Dort wurde es ab dem Ende des 19. Jahrhunderts in großen Mengen hergestellt.

In Roth gab es schon lange Werkstätten, die feinen Draht aus Metall herstellten. Im Jahr 1621 gründeten dort die Söhne von Anthoni Fournier eine Werkstatt für leonische Waren. So nennt man Drähte, Fäden und Bänder aus Gold, Silber oder versilbertem Kupfer. Das Wort leonisch kommt von der französischen Stadt Lyon, wo dieses Handwerk herkommt. Mit leonischen Fäden bestickte man Stoffe und machte Bänder und Borten. Die Werkstätten in Roth konnten also schon lange Metall sehr dünn machen. Deshalb begannen sie, auch Christbaumschmuck herzustellen. Zeitweise gab es in Roth sieben Fabriken, die Lametta machten.

Das Lametta kam etwa 30 Jahre nach den ersten Glaskugeln in die Geschäfte, also um 1878. Es trat an die Stelle des Flittergolds. Flittergold sind hauchdünn geschlagene Blättchen aus Messing, die golden glänzen und beim Anfassen knistern.

Warum hängt man Lametta an den Baum?

Man hängt Lametta an den Baum, weil die glänzenden Streifen wie Eiszapfen aussehen sollten. So nennt es das Bayerische Wirtschaftsarchiv, das die Geschichte des Lamettas aus Roth erforscht hat. Die Leiterin des Archivs sagt, dass Lametta vermutlich für Eiszapfen und Schnee stehen sollte.

Lametta hatte außerdem eine praktische Aufgabe. Früher gab es am Weihnachtsbaum keine elektrischen Lichterketten, sondern nur Kerzen. Die vielen dünnen Streifen warfen das Kerzenlicht zurück und ließen den Baum heller funkeln.

Warum heißt Lametta so?

Lametta heißt so, weil das Wort aus dem Italienischen kommt. Lametta bedeutet dort kleines Metallblatt.

Das italienische Wort lama bedeutet Metallblatt oder Klinge. Lametta ist die Verkleinerungsform, so wie im Deutschen aus Blatt das Blättchen wird. Das Wort lama stammt aus dem Lateinischen, der Sprache der alten Römer. Dort heißt lamina dünnes Blatt. Ins Deutsche kam das Wort Lametta am Ende des 19. Jahrhunderts, also ungefähr zur selben Zeit wie das Lametta selbst. Anfangs nannte man so auch Metallfäden in feinen Kleidern. Im Spaß sagt man auch heute noch Lametta zu vielen Orden an einer Uniform.

Woraus besteht Lametta?

Früher bestand Lametta aus Stanniol, heute besteht es fast immer aus Kunststoff.

Stanniol ist eine sehr dünne, glänzende Folie aus Metall. Sie besteht vor allem aus Zinn, einem weichen, silbrig glänzenden Metall. Im Stanniol-Lametta steckte außerdem Blei. Blei ist ein schweres, giftiges Metall. Die Hersteller nahmen absichtlich schwere Folie. Schweres Lametta hängt nämlich glatt und gerade nach unten, so wie ein Eiszapfen. Leichtes Lametta flattert dagegen und verdreht sich. Eine Fabrik in Roth verarbeitete früher bis zu 50 Tonnen Material in einem Jahr. Das ist so schwer wie etwa 35 Autos.

Heutiges Lametta besteht aus glänzender Folie aus Kunststoff. Es ist viel leichter als Stanniol und wird meistens in China hergestellt.

Schwarz-Weiß-Foto um 1920: Eine Frau arbeitet an einer Maschine zur Herstellung von Lametta
Eine Arbeiterin an einer Maschine, die Lametta herstellt. Das Foto ist etwa 100 Jahre alt. Foto: Lewis W. Hine, George Eastman House, keine bekannten Einschränkungen, via Wikimedia Commons

Ist Lametta verboten oder giftig?

Lametta ist nicht verboten. Altes Lametta aus Stanniol enthält aber giftiges Blei, deshalb rät das Umweltbundesamt, nur Lametta ohne Blei zu kaufen.

Bleihaltiges Lametta gibt es heute nur noch selten. Man erkennt es daran, dass es schwerer ist als Lametta aus Kunststoff und dass auf der Packung das Wort Stanniol steht. Beim Anfassen geht das Blei nicht auf die Haut über, weil es von einer Schutzschicht umhüllt ist. Gefährlich wird das Blei erst, wenn das Lametta am Baum bleibt und der Baum nach Weihnachten auf den Kompost oder ins Feuer kommt. Im Kompost gelangt das Blei in die Erde. Beim Verbrennen entsteht das giftige Gas Bleioxid. Wer noch altes Stanniol-Lametta hat, gibt es deshalb als Sondermüll ab. Sondermüll ist Abfall, der giftige Stoffe enthält und deshalb getrennt gesammelt wird.

Alte Packung Stanniol-Lametta mit silbernen Lamettafäden
Eine alte Packung Stanniol-Lametta. Solches Lametta kann Blei enthalten und gehört nach dem Gebrauch in den Sondermüll. Foto: Jüppsche, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Warum hängt heute kaum noch jemand Lametta auf?

Heute hängt kaum noch jemand Lametta auf, weil es aus der Mode gekommen ist und weil viele Menschen weniger Müll machen möchten. Seit 2015 wird in Deutschland kein Lametta mehr hergestellt.

Am beliebtesten war Lametta bis in die 1950er und 1960er Jahre. Damals war es so wertvoll, dass man es nach Weihnachten Streifen für Streifen vom Baum nahm. Man strich es glatt, legte es in Papier und hob es für das nächste Jahr auf. Ab den 1950er Jahren kam Christbaumschmuck aus Kunststoff auf und verdrängte den Schmuck aus Metall. Als die Menschen später mehr an die Umwelt dachten, wollten immer weniger Familien so viel Glitzer am Baum haben.

Im Jahr 1978 zeigte das Fernsehen den lustigen Film „Weihnachten bei Hoppenstedts“ des Künstlers Loriot. Darin feiert eine Familie Weihnachten, und der Großvater beschwert sich mit dem Satz „Früher war mehr Lametta!“. Der Satz wurde so bekannt, dass ihn viele Menschen noch heute sagen, wenn sie meinen, dass früher alles schöner war. Schon 1978 hing in vielen Wohnzimmern gar kein Lametta mehr. Im Herbst 2015 lieferte die Firma Riffelmacher & Weinberger in Roth als letzter Hersteller in Deutschland ihr letztes Lametta aus.

Wo kann man sehen, wie Christbaumkugeln gemacht werden?

In Lauscha kann man Glasbläsern bei der Arbeit zuschauen und im Museum alten Christbaumschmuck ansehen.

Im Museum für Glaskunst in Lauscha zeigt eine eigene Ausstellung, wie sich der gläserne Christbaumschmuck entwickelt hat. In der Farbglashütte Lauscha kann man vom Rand aus zusehen, wie Glas geschmolzen und zu Röhren gezogen wird. Wer mindestens sieben Jahre alt ist, darf dort mit Hilfe eines Glasbläsers selbst eine Kugel an der Flamme blasen. An zwei Wochenenden im Advent findet in Lauscha außerdem ein Markt für Christbaumschmuck statt, der Kugelmarkt. Im Jahr 2026 ist er am 28. und 29. November und am 5. und 6. Dezember. Wie Lametta und leonische Fäden gemacht wurden, zeigt das Fabrikmuseum in Roth mit alten Maschinen.

Zum Weiterdenken

Die ersten Christbaumkugeln sahen aus wie Äpfel und Nüsse. Warum haben die Menschen wohl weiter runde Kugeln aufgehängt, obwohl sie längst Glas in jeder Form blasen konnten? Und warum glänzt eine Kugel, die innen verspiegelt ist, noch Jahre später, während ein Löffel aus Silber dunkel anläuft?

Jetzt selbst ausprobieren

Die Glasbläser in Lauscha schwenken die Silberflüssigkeit in der Kugel hin und her, bis die ganze Innenwand bedeckt ist. Genauso kannst du eine Christbaumkugel von innen färben, nur mit Farbe und einer Murmel statt mit Silber. Wie das geht, steht in der Anleitung Christbaumkugel von innen bemalen: mit Murmel und Farbe.

Quellen: Stadt Lauscha: Geschichte, Museum für Glaskunst Lauscha: Christbaumschmuck, Deutsche UNESCO-Kommission: Lauschaer Christbaumschmuck, Historisches Museum Bamberg: Wie Lauscha die Weihnachtskugel erfand, CIAV Meisenthal: Geschichte der Weihnachtskugel, Bayerisches Wirtschaftsarchiv: Alles Lametta, Süddeutsche Zeitung: Früher war mehr Lametta, Umweltbundesamt: Grüne Weihnachten, DWDS: Lametta

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