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Weihnachtsbaum: Woher kommt der Brauch mit dem Christbaum?

Holzstich von 1848: Königin Victoria, Prinz Albert und ihre Kinder an einem geschmückten Weihnachtsbaum im Schloss Windsor

Die kurze Antwort

Der Weihnachtsbaum kommt aus dem Elsass und vom Oberrhein, also aus der Gegend um Straßburg, Schlettstadt und Freiburg. Die älteste sichere Nachricht stammt aus dem Jahr 1521 aus der Stadt Schlettstadt, die heute Sélestat heißt und in Frankreich liegt. Damals stellten Zünfte und Vereine Tannen in ihren Versammlungshäusern auf und schmückten sie mit Äpfeln, Oblaten und Gebäck. Die Äpfel erinnerten an den Baum im Paradies aus der Geschichte von Adam und Eva. In die Wohnzimmer der Familien kam der Baum erst im 18. und 19. Jahrhundert. Martin Luther hat ihn nicht erfunden, und ein Brauch der Germanen ist er nach heutigem Wissen auch nicht. Von Deutschland aus kam der Weihnachtsbaum nach England, Amerika, Russland und in viele andere Länder. Heute steht er fast überall, wo Menschen Weihnachten feiern, aber nicht überall ist er der wichtigste Schmuck.

Holzstich von 1848: Königin Victoria, Prinz Albert und ihre Kinder an einem geschmückten Weihnachtsbaum im Schloss Windsor
Königin Victoria, Prinz Albert und ihre Kinder stehen im Jahr 1848 um einen Weihnachtsbaum im Schloss Windsor. Dieses Bild machte den Baum in England und Amerika bekannt. Foto: Joseph Lionel Williams, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Es ist der Nachmittag des 24. Dezember. Im Wohnzimmer steht eine Tanne, die noch vor ein paar Wochen in einem Wald oder auf einem Feld wuchs. Jetzt hängen Kugeln, Sterne und Lichter an ihren Zweigen, und darunter liegen Geschenke. Für die meisten Familien in Deutschland gehört das zu Weihnachten einfach dazu. Aber warum holt man sich mitten im Winter einen Baum ins Haus? Seit wann macht man das? Wer hat damit angefangen? Und stellen Kinder in Spanien, Russland oder Japan auch einen Baum auf? Die Antworten führen zu Bäckern und Handwerkern im Elsass, zu einem Theaterstück über Adam und Eva, zu einer Königin in England und zu einem Zaren in Russland.

Warum stellen wir an Weihnachten einen Baum auf?

Wir stellen an Weihnachten einen Baum auf, weil das ein Brauch ist, den es in Deutschland seit etwa 500 Jahren gibt. Ein Brauch ist etwas, das Menschen zu einem bestimmten Anlass immer wieder auf die gleiche Weise tun, weil es schon ihre Eltern und Großeltern so gemacht haben.

Für den Weihnachtsbaum gibt es mehrere Gründe, die zusammenkommen. Der erste Grund ist, dass Nadelbäume wie Tanne und Fichte im Winter grün bleiben. Solche Pflanzen nennt man immergrün. Wenn alle anderen Bäume kahl sind, zeigen sie, dass das Leben weitergeht. Schon die alten Römer schmückten zum Jahreswechsel ihre Häuser mit Lorbeerzweigen, die ebenfalls immer grün sind.

Der zweite Grund ist der Paradiesbaum. Am 24. Dezember erinnerte die Kirche früher an Adam und Eva, die nach der Bibel die ersten Menschen waren. Ihre Geschichte spielte man an diesem Tag als Theaterstück nach, und dabei stand ein Baum mit Äpfeln auf der Bühne. Davon erzählt ein eigener Abschnitt weiter unten.

Der dritte Grund ist das Licht. Für Christen ist Jesus das Licht der Welt. Die Kerzen am Baum, und heute die Lichterketten, erinnern daran. Weil Weihnachten in Europa in die dunkelste Zeit des Jahres fällt, freuen sich die Menschen außerdem einfach über ein helles, warmes Licht im Zimmer.

Die meisten Menschen in Deutschland denken über diese Gründe gar nicht mehr nach. Sie stellen einen Baum auf, weil er für sie zu Weihnachten gehört. Laut der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt stellen etwa neun von zehn Familien einen Baum auf.

Woher kommt der Weihnachtsbaum?

Der Weihnachtsbaum kommt aus dem Elsass und vom Oberrhein. Das ist die Gegend links und rechts des Rheins zwischen Basel und Straßburg. Heute gehört das Elsass zu Frankreich, damals gehörte es wie Freiburg und Basel zum Heiligen Römischen Reich, zu dem auch die deutschen Länder gehörten.

Im 16. Jahrhundert holten sich die Menschen dort im Dezember grüne Tannen in ihre Häuser. Sie nannten sie Weihnachtsmeien. Das Wort Meien bedeutet so viel wie grüner Baum oder grüner Zweig, den man zu einem Fest aufstellt. Man kennt es heute noch vom Maibaum. Aufgestellt wurden die Meien vor allem in den Häusern der Zünfte. Eine Zunft war ein Zusammenschluss von Handwerkern, zum Beispiel von Bäckern, Schneidern oder Schmieden. Jede Zunft hatte ein Haus, in dem sich die Mitglieder trafen und feierten.

Weißtannen waren damals am Oberrhein selten und teuer. Weil so viele Menschen einen Baum wollten, wurden die Wälder geplündert. Viele Städte erließen deshalb Verbote. In Freiburg war es schon 1554 verboten, Weihnachtsmeien zu schlagen, und wer es trotzdem tat, musste eine Strafe zahlen. Im Oberelsass durfte 1561 jeder Bürger nur noch eine Tanne von höchstens acht Schuh Länge haben, das sind etwa zweieinhalb Meter.

Wo stand der erste Weihnachtsbaum?

Wo genau der allererste Weihnachtsbaum stand, weiß niemand. Man kann nur sagen, wo ein Weihnachtsbaum zum ersten Mal aufgeschrieben wurde. Ein solches altes Schriftstück nennt man Quelle.

Die älteste sichere Quelle stammt aus Schlettstadt im Elsass, das heute Sélestat heißt. Im Rechnungsbuch der Stadt steht am 21. Dezember 1521 ein Eintrag. Ein Rechnungsbuch ist ein Heft, in das eine Stadt ihre Ausgaben einträgt. Darin heißt es, dass die Stadt den Förstern vier Schilling zahlte, damit sie ab dem Thomastag die Meien bewachen. Der Thomastag ist der 21. Dezember. Die Förster sollten also aufpassen, dass niemand zu viele Tannen aus dem Stadtwald holt. Daraus schließen die Forscher, dass schon damals viele Menschen in Schlettstadt zu Weihnachten eine Tanne aufstellten. Das Rechnungsbuch liegt heute im Stadtarchiv von Sélestat, und eine Nachbildung kann man jedes Jahr im Dezember in der Humanistischen Bibliothek der Stadt ansehen.

Aus Straßburg gibt es zwei weitere frühe Quellen. Im Jahr 1539 wurde im Straßburger Münster ein Weihnachtsbaum aufgestellt. Im Jahr 1605 schrieb ein Unbekannter in Straßburg auf, wie die Menschen ihre Stuben schmückten. Sie stellten Tannenbäume auf und hängten Rosen aus buntem Papier, Äpfel, Oblaten, Zuckerwerk und Flittergold daran. Flittergold sind dünne, glänzende Blättchen aus Metall. Das ist die älteste Beschreibung eines geschmückten Weihnachtsbaums in einer Wohnung.

In manchen Büchern und auf manchen Internetseiten steht, der erste Weihnachtsbaum habe schon 1419 in Freiburg gestanden. Die Bäckerknechte hätten ihn im Heiliggeistspital aufgestellt. Das stimmt aber nicht. Das Stadtarchiv Freiburg hat die alten Akten geprüft. Für 1419 ist nur die Gemeinschaft der Bäckerknechte belegt, ein Baum wird erst im Jahr 1625 erwähnt. Der Fehler entstand, weil ein Forscher die alten Akten falsch gelesen hat, und andere haben ihn seitdem immer wieder abgeschrieben.

Auch die Städte Riga in Lettland und Tallinn in Estland sagen von sich, dass dort der erste Weihnachtsbaum stand, in Tallinn 1441 und in Riga 1510. In beiden Städten feierten unverheiratete deutsche Kaufleute, die Schwarzhäupter, mit einem Baum, den sie am Ende verbrannten. Die Historiker sind aber unsicher. Die alten Quellen sind sehr kurz und sagen nicht, dass der Baum etwas mit Weihnachten zu tun hatte. Das alte Wort für Baum konnte auch eine Holzstange oder einen Mast bedeuten.

Was hat der Weihnachtsbaum mit Adam und Eva zu tun?

Der Weihnachtsbaum erinnert an den Baum im Paradies, von dem Adam und Eva nach der Bibel nicht essen durften. Daher kommen die Äpfel, die man früher an den Baum hängte.

Im Mittelalter feierte die Kirche am 24. Dezember den Gedenktag von Adam und Eva. An diesem Tag führten die Menschen in Kirchen und auf Marktplätzen ein Theaterstück auf, das Paradiesspiel. Es erzählte, wie Adam und Eva im Paradies lebten, wie sie vom verbotenen Baum aßen und deshalb das Paradies verlassen mussten. Auf der Bühne stand dafür ein Baum, an den man Äpfel hängte.

Weil es im Winter keinen Apfelbaum mit Blättern gibt, nahm man einen immergrünen Baum, meist eine Tanne. Die Äpfel standen für den Sündenfall. So nennen Christen die Geschichte, in der Adam und Eva vom verbotenen Baum essen. Die Oblaten standen für das Brot, das Christen beim Abendmahl essen. Mit diesem Brot erinnern sie sich an Jesus, der nach ihrem Glauben die Menschen erlöst hat. Zusammen erzählte der Baum also die ganze Geschichte, vom Verlust des Paradieses bis zur Geburt von Jesus an Weihnachten.

Um 1600 stellten evangelische Familien im Elsass zu Weihnachten manchmal einen kleinen Paradiesgarten auf. Das war ein Gärtchen aus Moos mit einem Zaun, in dem ein geschmückter Baum stand.

Hat der Weihnachtsbaum etwas mit den Germanen zu tun?

Nach heutigem Wissen hat der Weihnachtsbaum nichts mit den Germanen oder den Kelten zu tun. Man liest das zwar oft, aber es gibt keine alte Quelle, die es belegt.

Die Germanen waren Volksstämme, die vor etwa 2.000 Jahren im heutigen Deutschland und in Nordeuropa lebten. Über ihre Feste im Winter weiß man sehr wenig, weil sie selbst kaum etwas aufgeschrieben haben. Manche Bücher erzählen, die Germanen hätten zur Wintersonnenwende grüne Zweige ins Haus geholt, um böse Geister fernzuhalten. Eine alte Quelle, die einen Baum der Germanen zu Weihnachten oder zur Wintersonnenwende beschreibt, gibt es aber nicht. Der Geschichtsforscher Georg Seiderer von der Universität Erlangen-Nürnberg sagt, dass alle, die den Ursprung des Weihnachtsbaums bei den Kelten suchen, damit ganz danebenliegen. Viele Deutungen des Baums stammen erst aus der Volkskunde des späten 19. Jahrhunderts. Die Volkskunde ist eine Wissenschaft, die Bräuche und das Leben der einfachen Leute untersucht. Damals erfanden Forscher für junge Bräuche oft nachträglich eine sehr alte Geschichte.

Richtig ist aber, dass Menschen schon lange vor dem Weihnachtsbaum grüne Zweige zu Festen aufgestellt haben. Die Römer schmückten ihre Häuser zum neuen Jahr mit Lorbeer, und im Frühjahr stellte man Maibäume auf. Der Weihnachtsbaum knüpft also an eine alte Gewohnheit an, grüne Pflanzen zu Festen ins Haus zu holen. Er ist aber ein christlicher Brauch, der im 16. Jahrhundert begann.

Hat Martin Luther den Weihnachtsbaum erfunden?

Nein, Martin Luther hat den Weihnachtsbaum nicht erfunden. In den vielen Schriften von Luther und über Luther kommt kein Weihnachtsbaum vor.

Martin Luther lebte von 1483 bis 1546. Er war ein Mönch und Professor, der die Kirche verändern wollte. Seine Anhänger gründeten die evangelische Kirche. Dass viele Menschen glauben, Luther habe den Weihnachtsbaum erfunden, liegt an einem Bild. Im Jahr 1843 erschien ein Buch für Kinder über Weihnachten bei Luther. Der Maler Carl August Schwerdgeburth zeichnete dafür Luther mit seiner Familie an Heiligabend vor einem Baum voller Kerzen. Das Bild war erfunden. Es wurde aber so oft gedruckt, dass viele Menschen es für eine echte Szene hielten.

Richtig ist, dass der Weihnachtsbaum lange Zeit vor allem ein Brauch evangelischer Familien war. Die katholischen Familien stellten an Weihnachten lieber eine Krippe auf. Eine Krippe zeigt mit kleinen Figuren den Stall von Betlehem, in dem Jesus nach der Bibel geboren wurde.

Stahlstich um 1860: Martin Luther mit seiner Familie an Heiligabend vor einem Baum mit Kerzen
Dieser Stich aus einer amerikanischen Zeitschrift von etwa 1860 zeigt Martin Luther an Heiligabend mit seiner Familie unter einem Baum voller Kerzen. Solche Bilder sind erfunden, denn zu Luthers Zeit gab es in den Familien noch keine Weihnachtsbäume mit Kerzen. Foto: J. Bannister, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Wie kam der Weihnachtsbaum in die Wohnzimmer?

Der Weihnachtsbaum kam erst im 18. und 19. Jahrhundert in die Wohnzimmer der Familien. Davor stand er vor allem in den Häusern der Zünfte, in Kirchen und bei reichen Leuten.

In der Mitte des 17. Jahrhunderts stand im Elsass zum ersten Mal ein geschmückter Baum im Mittelpunkt einer Weihnachtsfeier in der Familie. Danach stellte man ihn an den Höfen von Königen und Fürsten auf, und später übernahmen ihn die reicheren Familien in den Städten. Nicht allen gefiel das. Der Straßburger Prediger Johann Conrad Dannhauer schimpfte zwischen 1642 und 1646 über den Brauch und nannte ihn ein Kinderspiel. Viele Pfarrer fanden, dass ein Baum nichts mit der Geburt von Jesus zu tun hat.

Der Baum musste übrigens nicht auf dem Boden stehen. Manche Familien hängten ihn mit der Spitze nach unten an die Zimmerdecke.

Richtig beliebt wurde der Baum durch die Bücher von berühmten Dichtern. Im Jahr 1774 erschien das Buch „Die Leiden des jungen Werther“ von Johann Wolfgang von Goethe. Darin kommt ein „aufgeputzter Baum“ mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln vor. Das Buch lasen damals sehr viele Menschen. Wer als gebildet und modern gelten wollte, stellte nun auch einen Baum auf.

Im 19. Jahrhundert machte das Bürgertum den Weihnachtsbaum zum Mittelpunkt des Familienfestes. Zum Bürgertum gehörten zum Beispiel Kaufleute, Ärzte, Lehrer und Beamte in den Städten. Diese Familien schmückten den Baum prächtig mit Kerzen, Bändern und glänzender Folie und zeigten damit auch, dass sie wohlhabend waren. Dazu kam, dass Fabriken nun Christbaumschmuck aus Papier, Pappe und Metall in großen Mengen herstellen konnten. Im Jahr 1824 erschien auch das Lied „O Tannenbaum“ in der Fassung als Weihnachtslied, die wir heute singen. Der Leipziger Lehrer Ernst Anschütz hatte dafür ein Liebeslied umgeschrieben. Es ist wohl das erste Lied, das den Tannenbaum und Weihnachten zusammenbringt.

Auf dem Land und in katholischen Gegenden setzte sich der Baum später durch. Im Krieg zwischen Deutschland und Frankreich in den Jahren 1870 und 1871 ließen die Heerführer an Heiligabend Weihnachtsbäume in den Unterständen der Soldaten und in den Lazaretten aufstellen. Lazarette sind Krankenhäuser für verwundete Soldaten. Die Soldaten brachten den Brauch danach mit in ihre Dörfer. In manchen katholischen Dörfern dauerte es noch länger. Im Münsterland lernten manche Männer den Weihnachtsbaum erst im Ersten Weltkrieg kennen, als in den Schützengräben Lichterbäume für die Soldaten standen. Um das Jahr 1900 stand der Baum in Westfalen noch längst nicht in jeder Familie. Heute ist er in Deutschland bei Evangelischen und Katholiken gleich verbreitet.

Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Stationen.

ZeitWas passierte
1521Im Rechnungsbuch von Schlettstadt im Elsass werden zum ersten Mal sicher Weihnachtsbäume erwähnt.
1539Im Straßburger Münster steht ein Weihnachtsbaum.
1554Freiburg verbietet, im Wald Weihnachtsmeien zu schlagen.
1570In Bremen schmückt eine Zunft einen Baum mit Äpfeln, Nüssen, Datteln, Brezeln und Blumen aus Papier.
1605In Straßburg wird zum ersten Mal ein geschmückter Baum in einer Wohnstube beschrieben.
1611Eine Herzogin in Schlesien schmückt einen Baum zum ersten Mal mit Kerzen.
1774Goethe beschreibt in einem Buch einen geschmückten Baum mit Lichtern. Der Baum wird Mode.
1814In Wien steht der erste bekannte Weihnachtsbaum der Stadt.
1824Das Lied „O Tannenbaum“ erscheint als Weihnachtslied.
1847In Lauscha in Thüringen entsteht der erste Christbaumschmuck aus Glas.
1848Eine Zeitung in London zeigt die englische Königsfamilie an ihrem Weihnachtsbaum.
1870/71Soldaten feiern im Krieg mit Weihnachtsbäumen und bringen den Brauch in ihre Dörfer.
1903In den USA kann man die ersten fertigen elektrischen Lichterketten kaufen.
1914 bis 1918Im Ersten Weltkrieg lernen auch viele Soldaten aus katholischen Dörfern den Baum kennen.
1982Zum ersten Mal steht ein Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz im Vatikan in Rom.

Warum heißt er Christbaum, Weihnachtsbaum oder Tannenbaum?

Christbaum, Weihnachtsbaum und Tannenbaum meinen dasselbe. Welches Wort man benutzt, hängt vor allem davon ab, wo man wohnt.

Forscher der Universitäten Salzburg und Lüttich haben Menschen im ganzen deutschen Sprachgebiet gefragt, wie sie den Baum nennen. Dabei kam heraus, dass man südlich des Mains vor allem Christbaum sagt, also in Bayern, in großen Teilen Baden-Württembergs und in Österreich. Nördlich davon sagt man Weihnachtsbaum oder Tannenbaum. Den Tannenbaum hört man eher im Westen Deutschlands, den Weihnachtsbaum eher im Osten. Der Weihnachtsbaum breitet sich dabei immer weiter aus.

Das Wort Christbaum erinnert daran, dass der Baum zum Geburtsfest von Christus gehört. Das Wort Tannenbaum sagt, aus welcher Baumart er meistens ist.

Warum schmückt man den Weihnachtsbaum und womit?

Man schmückt den Weihnachtsbaum, weil der Schmuck an die Weihnachtsgeschichte erinnert und weil der Baum festlich aussehen soll. Früher hängte man vor allem Dinge daran, die man essen konnte, später kamen Kerzen, Kugeln, Lametta und ein Stern dazu.

Die ersten Weihnachtsbäume schmückte man mit Dingen, die man essen konnte. Dazu gehörten Äpfel, Nüsse, Datteln, Brezeln, Lebkuchen und Oblaten. Oblaten sind dünne, runde Scheiben aus Mehl und Wasser. Am Ende des Festes durften die Kinder den Baum schütteln oder abernten und alles aufessen, was daran hing. Dieses Abernten nannte man Plündern. Die Äpfel und Oblaten hatten außerdem eine Bedeutung, denn sie erinnerten an den Paradiesbaum, von dem weiter oben erzählt wird. Damit der Baum auch glänzte, hängte man Rosen aus buntem Papier und Flittergold dazu.

Kerzen gibt es am Weihnachtsbaum seit etwa 400 Jahren. Die älteste Nachricht über einen Baum mit Kerzen stammt aus dem Jahr 1611. Damals schmückte die Herzogin Dorothea Sibylla von Schlesien einen Baum mit brennenden Kerzen. Um 1660 standen Bäume mit Lichtern auch am Hof des Herzogs von Hannover. Im 19. Jahrhundert gehörten Kerzen dann auch in den Familien des Bürgertums an den Baum. Weil die trockenen Nadeln leicht Feuer fangen, stand neben dem Baum oft ein Eimer mit Wasser. Seit etwa 120 Jahren gibt es elektrische Lichterketten zu kaufen, und heute haben die meisten Bäume Lichter mit LEDs. LEDs sind kleine Lampen, die sehr wenig Strom brauchen und kaum warm werden.

Brennende Wachskerzen und eine rote Glaskugel an den Zweigen eines Weihnachtsbaums
Echte Kerzen und eine rote Glaskugel an einem Weihnachtsbaum. Weil die Flammen die Nadeln anzünden können, darf man einen solchen Baum nie allein lassen. Foto: indeedous, Attribution, via Wikimedia Commons

Die Christbaumkugeln stehen für die Äpfel, die früher am Baum hingen. Ab den 1830er Jahren bliesen Glasbläser in Lauscha in Thüringen einfache Kugeln aus Glas, die man statt der echten Äpfel aufhängen konnte. Heute gibt es Kugeln aus Glas und aus Kunststoff in allen Farben.

Lametta sind lange, dünne, glänzende Streifen aus Metall, die man über die Zweige hängt. Das Wort kommt aus dem Italienischen und bedeutet kleines Blech. Lametta trat im 19. Jahrhundert an die Stelle des Flittergolds und wurde aus dünner Zinnfolie gemacht. Zinn ist ein weiches, silbrig glänzendes Metall. Wo die Glaskugeln erfunden wurden und woraus Lametta heute besteht, erklärt der Beitrag Woher kommen Christbaumkugeln und Lametta?

Der Stern an der Spitze erinnert an den Stern von Betlehem. Nach der Bibel zeigte dieser Stern den drei Weisen aus dem Morgenland den Weg zu dem Stall, in dem Jesus geboren wurde. Statt eines Sterns setzen manche Familien einen Engel oder eine Spitze aus Glas auf den Baum.

Was früher am Baum hing und was heute an seine Stelle getreten ist, zeigt die folgende Übersicht.

FrüherHeute
Äpfel als Zeichen für den ParadiesbaumChristbaumkugeln aus Glas oder Kunststoff
Oblaten, Lebkuchen und BrezelnAnhänger aus Holz, Stroh, Glas oder Gebäck
Nüsse in Goldpapiergoldene und silberne Kugeln
Flittergold und ZinnfolieLametta und Glitzerketten
WachskerzenLichterketten mit LEDs
Rosen aus buntem PapierSterne und Figuren aus Papier und Stroh

Wie kam der Weihnachtsbaum in andere Länder?

Der Weihnachtsbaum kam vor allem durch Fürstenfamilien und durch Auswanderer aus Deutschland in andere Länder. Deutsche Prinzessinnen heirateten Könige und Fürsten in ganz Europa und nahmen den Brauch mit in ihre neue Heimat.

In Österreich steht der erste bekannte Weihnachtsbaum im Jahr 1814 in Wien. Damals feierte die Bankiersfrau Fanny von Arnstein, die aus Berlin stammte, ein Christbaumfest „nach Berliner Sitte“. Das weiß man so genau, weil gerade der Wiener Kongress stattfand, ein großes Treffen von Kaisern, Königen und Ministern aus ganz Europa. Die Polizei ließ heimlich aufschreiben, was bei den Festen in der Stadt passierte, und so steht der Baum in einem Polizeibericht.

In England kannten reiche Familien den geschmückten Baum schon seit dem 18. Jahrhundert. Damals brachte ihn Königin Charlotte, die aus Mecklenburg in Deutschland stammte, an den englischen Hof. Berühmt wurde der Weihnachtsbaum in England aber erst durch Königin Victoria und ihren deutschen Mann, Prinz Albert. Im Dezember 1848 druckte die Zeitung „Illustrated London News“ ein Bild der Königsfamilie an ihrem Baum im Schloss Windsor. Danach wollten viele englische Familien auch einen Weihnachtsbaum.

In die USA brachten deutsche Auswanderer den Weihnachtsbaum mit. Den ersten sicher belegten Weihnachtsbaum im Weißen Haus, dem Sitz des amerikanischen Präsidenten, stellte im Jahr 1889 Präsident Benjamin Harrison für seine Enkelkinder auf.

In Russland befahl Zar Peter der Große im Jahr 1699, dass die Menschen zum neuen Jahr ihre Häuser und Straßen mit Zweigen von Fichten, Tannen und Wacholder schmücken sollten. Er hatte diesen Schmuck auf einer Reise durch Europa gesehen. Richtig verbreitet war der Weihnachtsbaum in Russland aber erst im 19. Jahrhundert. Nach der Revolution von 1917 schafften die neuen kommunistischen Herrscher Weihnachten in den 1920er Jahren ab, und damit war auch der Baum verboten. Ende 1935 erlaubte die Regierung den Baum wieder, aber nicht mehr zu Weihnachten, sondern zu Neujahr. Deshalb heißt er in Russland bis heute Jolka, das bedeutet kleine Tanne, und viele Familien schmücken ihn für die Silvesternacht.

Gibt es den Weihnachtsbaum in allen Ländern, die Weihnachten feiern?

Heute gibt es den Weihnachtsbaum in fast allen Ländern, in denen Weihnachten gefeiert wird. Er ist aber nicht überall gleich wichtig, und in manchen Ländern ist er erst seit wenigen Jahrzehnten üblich.

In katholischen Ländern wie Italien, Spanien und Portugal war lange die Krippe der wichtigste Schmuck an Weihnachten. Der Weihnachtsbaum galt dort als Brauch der Evangelischen aus dem Norden. Wie lange das so war, zeigt der Vatikan in Rom, wo der Papst wohnt. Dort steht erst seit 1982 ein Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz, eingeführt von Papst Johannes Paul II.. Jedes Jahr schenkt eine andere Gegend Europas dem Papst den Baum. Heute stehen in Italien und Spanien in vielen Wohnungen Baum und Krippe nebeneinander.

In Japan sind nur etwa ein Prozent der Menschen Christen. Trotzdem sieht man dort im Dezember in Kaufhäusern, auf Plätzen und in vielen Wohnungen Weihnachtsbäume und Lichter. Für die meisten Japaner ist Weihnachten kein religiöses Fest, sondern ein fröhliches Fest mit Lichtern und Geschenken. Ähnlich ist es in vielen Ländern in Asien.

So bleibt der Weihnachtsbaum ein Brauch, der aus Deutschland und dem Elsass kommt. Er wurde aber in jedem Land ein bisschen anders weitergeführt, mit Kugeln oder Krippe, zu Weihnachten oder zu Neujahr, als echte Tanne oder als Baum aus Kunststoff.

Wann stellt man den Weihnachtsbaum auf und wann wieder ab?

Traditionell stellt man den Weihnachtsbaum in Deutschland an Heiligabend, also am 24. Dezember, auf und schmückt ihn. Abgebaut wird er nach alter Tradition frühestens am 6. Januar, in manchen Familien erst am 2. Februar.

Früher sahen die Kinder den geschmückten Baum zum ersten Mal am Abend des 24. Dezember, wenn die Tür zum Weihnachtszimmer aufging. Heute stellen viele Familien den Baum schon einige Tage oder Wochen vorher auf. Dass er spätestens am 24. Dezember geschmückt im Zimmer steht, darüber sind sich in Deutschland fast alle einig.

Die Weihnachtszeit der Kirche dauert vom 24. Dezember bis zum Dreikönigstag am 6. Januar. An diesem Tag erinnern Christen an die drei Weisen, die das Jesuskind besuchten. Für viele Familien ist das der Tag, an dem der Baum aus dem Haus kommt. Nach einer alten Tradition dauert der Weihnachtsfestkreis aber bis zum Fest Mariä Lichtmess am 2. Februar. An diesem Tag erinnern Christen daran, dass Maria und Josef das Jesuskind zum ersten Mal in den Tempel in Jerusalem brachten. Besonders viele katholische Familien lassen Baum und Krippe bis dahin stehen. Ein echter Baum hat dann aber meistens schon viele Nadeln verloren.

Zum Weiterdenken

Vor 500 Jahren hingen an der Tanne Äpfel, Oblaten und Brezeln, und am Ende durften die Kinder alles aufessen. Heute hängen Kugeln aus Glas und Lichter aus Strom am Baum. Was hängt an eurem Baum, das an die alten Äpfel erinnert? Frag deine Großeltern, wie ihr Weihnachtsbaum aussah, als sie Kinder waren, ob er echte Kerzen hatte und wann er wieder aus dem Haus kam.

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Ein Weihnachtsbaum kann auch ganz von allein glitzern. Bastle aus Pappe einen kleinen Baum, stell ihn in Salzwasser und schau zu, wie an seinen Zweigen in ein paar Tagen weiße Salzkristalle entstehen. Wie das geht und warum die Kristalle an den Spitzen zuerst erscheinen, erfährst du in der Anleitung Kristallbaum selber machen.

Quellen: Stadt Sélestat: Ausstellung 1521, waldwissen.net: Geschichte des Weihnachtsbaumes, FAU Erlangen-Nürnberg: Mythos Christbaum, KU Eichstätt-Ingolstadt: Der Weihnachtsbaum, Deutsche Digitale Bibliothek: Die Geschichte des Weihnachtsbaums, Archivalia: Der Freiburger Weihnachtsbaum von 1419, Staatsbibliothek zu Berlin: Luther als Erfinder des Weihnachtsbaums, Royal Museums Greenwich: Victorian Christmas, dekoder: Neujahr in Russland, Stadt Lauscha: Geschichte, Atlas zur deutschen Alltagssprache: Weihnachtsbaum

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