Die kurze Antwort
Für einen Drachen aus Ästen brauchst du zwei gerade Äste, einen Müllbeutel und Schnur. Du bindest die Äste zu einem Kreuz, spannst eine Schnur um ihre Enden und klebst die Folie des Müllbeutels darüber. Mit einer Waage, einem Schwanz und einer langen Flugschnur fliegt der Drachen bei leichtem Wind.
Ein Drachen ist ein Fluggerät ohne Motor, das an einer Schnur festgehalten und vom Wind in die Luft gehoben wird. Er besteht aus einem Gerüst aus Stäben, einer Bespannung und einer Schnur. Die Bespannung ist die dünne Fläche, die über das Gerüst gespannt wird und den Wind auffängt. Bei diesem Drachen ist das Gerüst ein Kreuz aus zwei Ästen, und die Bespannung ist die Folie eines Müllbeutels. Der fertige Drachen ist etwa 60 Zentimeter hoch und 40 Zentimeter breit.

Vor dem Start
- Ein Erwachsener schneidet mit dem Taschenmesser die Kerben und sticht die Löcher in die Folie.
- Lass den Drachen nur auf einer großen, freien Wiese steigen. Halte Abstand zu Straßen, Bahngleisen und Bäumen.
- Halte mindestens 600 Meter Abstand zu Strommasten und Stromleitungen. Der Strom kann auf die Schnur überspringen. Verfängt sich der Drachen trotzdem in einer Stromleitung, lässt du die Schnur sofort los und versuchst nie, ihn herunterzuholen. Ein Erwachsener ruft dann den Stromnetzbetreiber an oder, wenn Gefahr droht, die Feuerwehr unter 112.
- Zum nächsten Flughafen hältst du mindestens 5 Kilometer Abstand.
- Die Flugschnur darf höchstens 100 Meter lang sein. Für eine längere Schnur braucht man in Deutschland eine Erlaubnis.
- Zieht ein Gewitter auf oder fängt es an zu regnen, holst du den Drachen sofort ein und gehst nach Hause. Eine nasse Schnur aus Kunststoff kann einen Blitz bis zu deiner Hand leiten.
- Wickle die Schnur nie um deine Finger oder deine Hand. Bei einem kräftigen Windstoß zieht der Drachen die Schnur schnell nach.
Was brauchst du für einen Drachen aus Ästen?
- 2 gerade Äste, die so dick sind wie ein Bleistift: einer etwa 60 Zentimeter lang, einer etwa 40 Zentimeter lang
- 1 großer Müllbeutel, zum Beispiel mit 60 Litern
- 1 Rolle Drachenschnur aus Kunststoff, mindestens 25 Meter lang
- 1 Rolle Klebeband
- 1 Tube Alleskleber
- 1 Schere
- 1 Zollstock oder Maßband
- 1 Filzstift
- 1 Taschenmesser, nur für Erwachsene
- 1 kurzer, dicker Stock oder ein Stück feste Pappe zum Aufwickeln der Schnur

Die Schnur soll aus Kunststoff sein, weil trockener Kunststoff keinen Strom leitet. Von der Schnur brauchst du etwa 2 Meter für den Rahmen und etwa 20 Meter als Flugschnur. Dazu kommen je 1 Meter für die Waage und für den Schwanz.
Wie baust du einen Drachen aus Ästen?
Du baust den Drachen in elf Schritten: Zuerst entsteht aus den Ästen ein Gerüst, dann kommt die Folie darüber, und zum Schluss bekommt der Drachen eine Waage, einen Schwanz und eine Flugschnur.
1. Äste suchen und abmessen
Such im Wald, im Park oder im Garten zwei möglichst gerade Äste, die etwa so dick sind wie ein Bleistift. Biege jeden Ast vorsichtig ein kleines Stück. Ein guter Ast federt zurück. Ein morscher Ast bricht, er trägt den Drachen nicht. Zweige von wild wachsenden Pflanzen darfst du in kleinen Mengen für dich mitnehmen. Miss die Äste mit dem Zollstock ab. Ein Erwachsener kürzt den einen auf 60 Zentimeter und den anderen auf 40 Zentimeter.

2. Kerben in die Enden schneiden
Ein Erwachsener schneidet mit dem Taschenmesser in jedes Ende der beiden Äste eine kleine Kerbe. Eine Kerbe ist ein kleiner Einschnitt. In den Kerben hält später die Schnur des Rahmens, ohne abzurutschen.

3. Die Äste zu einem Kreuz binden
Leg den langen Ast senkrecht vor dich hin. Miss vom oberen Ende 20 Zentimeter ab, das ist ein Drittel seiner Länge, und mach dort einen Strich mit dem Filzstift. Mach auch auf dem kurzen Ast genau in der Mitte, also bei 20 Zentimetern, einen Strich. Leg den kurzen Ast quer über den langen, so dass sich die beiden Striche treffen. Gib an dieser Stelle etwas Alleskleber zwischen die Äste. Wickle dann Klebeband mehrmals schräg über Kreuz fest um die Stelle, an der sich die Äste kreuzen. Beide Seiten des kurzen Asts müssen gleich lang sein, denn der Drachen muss auf beiden Seiten gleich gebaut sein.

4. Den Rahmen spannen
Leg die Schnur in die Kerbe am oberen Ende und wickle sie zweimal um den Ast. Führ sie dann zum rechten Ende, zum unteren Ende, zum linken Ende und wieder zurück nach oben. Leg sie an jedem Ende in die Kerbe und wickle sie zweimal herum, bevor du zum nächsten Ende gehst. Zieh die Schnur straff, aber nur so fest, dass sich die Äste nicht verbiegen. Knote sie oben fest. Die Schnur bildet jetzt den Rahmen, also die äußere Kante des Drachens.

5. Die Folie zuschneiden
Schneide den Müllbeutel an einer Seite und am Boden auf. So bekommst du eine große, flache Folie. Leg die Folie glatt auf den Boden und das Gerüst darauf. Zeichne mit dem Filzstift etwa 2 Zentimeter außerhalb der Rahmenschnur eine Linie rund um den Drachen. Schneide die Folie an dieser Linie aus. Heb den Rest der Folie auf, du brauchst ihn später für den Schwanz.

6. Die Folie festkleben
Schneide die Folie an den vier Ecken ein paar Millimeter ein, damit sie sich gut umklappen lässt. Klapp dann den Rand über die Rahmenschnur nach innen und kleb ihn mit Klebeband fest. Zieh die Folie dabei glatt und straff, aber nicht so fest, dass sie reißt. Eine straff gespannte Bespannung sorgt dafür, dass der Drachen stabil fliegt.

7. Die Waage anbringen
Dreh den Drachen um, so dass die glatte Seite der Folie oben liegt und die Äste unten. Kleb neben das obere und neben das untere Ende des langen Asts je ein Stück Klebeband auf die Folie. Ein Erwachsener sticht dort mit der Spitze des Taschenmessers je ein kleines Loch hinein. Das Klebeband sorgt dafür, dass die Folie am Loch nicht einreißt. Schneide ein etwa 1 Meter langes Stück Schnur ab. Fädle ein Ende durch das obere Loch und knote es am langen Ast fest. Das andere Ende fädelst du durch das untere Loch und knotest es ebenfalls am langen Ast fest. Die Schnur soll locker durchhängen. Diese Schnur heißt Waage. Sie bestimmt, wie schräg der Drachen später im Wind steht.

8. Den Punkt für die Flugschnur suchen
Nimm die Waage zwischen Daumen und Zeigefinger und heb den Drachen daran hoch. Schieb die Finger an der Waage langsam hin und her, bis der Drachen waagerecht in der Luft hängt. Knote an dieser Stelle das Ende der Rolle Drachenschnur an die Waage. Das ist deine Flugschnur.

9. Den Schwanz anbinden
Schneide ein 1 Meter langes Stück Schnur ab und knote es am unteren Ende des langen Asts fest. Schneide aus dem Rest der Folie schmale Streifen und binde sie im Abstand von einer Handbreite als Schleifen an diese Schnur. Das ist der Schwanz des Drachens.

10. Die Flugschnur aufwickeln
Wickle die Flugschnur ordentlich um den kurzen, dicken Stock oder um die Pappe, bis du etwa 20 Meter aufgewickelt hast. Schneide die Schnur dann von der Rolle ab und knote das Ende am Stock fest. Am Stock kannst du die Schnur beim Fliegen langsam abwickeln und wieder aufwickeln, ohne dass sie sich verheddert.

11. Den Drachen steigen lassen
Für den Start braucht ihr zwei Leute, zum Beispiel dich und deine Freundin, deinen Bruder oder deinen Papa. Stell dich mit dem Rücken zum Wind und wickle etwa 10 Meter Schnur ab. Wer dir hilft, geht mit dem Drachen so weit von dir weg, bis die Schnur fast gespannt ist. Dort hält deine Hilfe den Drachen mit der Spitze nach oben hoch, die Waage zeigt zu dir. Kommt ein Windstoß, lässt deine Hilfe den Drachen los, und du ziehst die Schnur gleichmäßig zu dir. Steigt der Drachen, wickelst du langsam mehr Schnur ab.

Warum fliegt ein Drachen?
Ein Drachen fliegt, weil der Wind schräg von unten gegen die Bespannung drückt und den Drachen dadurch nach oben hebt.
Die Flugschnur hält den Drachen fest, so dass der Wind ihn nicht einfach mitnimmt. Deshalb steht der Drachen schräg im Wind. Der Wind trifft auf die schräge Folie und wird von ihr nach unten abgelenkt. Wenn die Folie die Luft nach unten drückt, drückt die Luft umgekehrt genauso stark gegen die Folie, und zwar nach oben. Das nennt man Kraft und Gegenkraft. Die Kraft, die den Drachen nach oben drückt, heißt Auftrieb.
Wie schräg der Drachen im Wind steht, heißt Anstellwinkel. Ihn bestimmt die Waage. Je nachdem, an welcher Stelle die Flugschnur an der Waage festgeknotet ist, steht der Drachen steiler oder flacher und fliegt anders.
Damit der Drachen steigt, muss der Auftrieb größer sein als das Gewicht des Drachens. Darum eignen sich dünne Äste und die leichte Folie eines Müllbeutels. Je schneller die Luft an der Folie vorbeiströmt, desto größer wird der Auftrieb. Deshalb steigt ein Drachen höher, wenn du an der Schnur ziehst: Er bewegt sich dann schneller gegen den Wind.
Der Schwanz hängt am unteren Ende und hält es nach unten. So bleibt der Drachen auch dann ruhig in der Luft, wenn der Wind seine Richtung oder seine Stärke ändert. Ein langer Schwanz macht den Drachen stabiler.
Was tun, wenn der Drachen nicht fliegt?
Fliegt der Drachen nicht, liegt es meist am Wind, am Schwanz oder an der Waage.
- Der Drachen hebt nicht ab oder fällt gleich wieder herunter: Wahrscheinlich weht zu wenig Wind. Die meisten Drachen starten ab Windstärke 2. Daran erkennst du sie: Du spürst den Wind im Gesicht, und die Blätter an den Bäumen bewegen sich. Versuch es an einem windigeren Tag noch einmal.
- Der Drachen dreht sich im Kreis oder kippt zur Seite: Mach den Schwanz länger. Prüfe außerdem, ob der kurze Ast genau mit seiner Mitte auf dem langen Ast sitzt.
- Der Drachen schießt hin und her oder stürzt immer wieder ab: Knote die Flugschnur ein kleines Stück weiter oben oder weiter unten an die Waage und probiere es noch einmal.
- Die Folie reißt an den Ecken oder an den Löchern ein: Kleb dort noch ein Stück Klebeband darüber.
- Die Bäume biegen sich ganz im Wind: Dann ist der Wind zu stark für deinen Drachen. Hol ihn ein und probiere es an einem ruhigeren Tag.
Zum Weiterdenken
Ein Flugzeug hat keine Schnur, die es festhält, und es fliegt trotzdem. Beim Drachen sorgt die Schnur dafür, dass die Luft schnell an der Folie vorbeiströmt. Was übernimmt diese Aufgabe beim Flugzeug?
Jetzt selbst ausprobieren
Werde Wind-Detektiv. Lass deinen Drachen an drei verschiedenen Tagen steigen. Schau dir vorher jedes Mal die Bäume an: Bewegen sich nur die Blätter, die dünnen Zweige oder schon dickere Äste? Schreib auf, an welchem Tag dein Drachen am besten geflogen ist. Wie Wind entsteht und wann aus Wind ein Sturm wird, erklärt unser Beitrag Herbststurm: Wie entsteht ein Sturm?.
Quellen: Familienportal NRW: Drachen bauen, PH Thurgau, Fachstelle NaTech: explore-it Drachen, Kinderoutdoor: Drachen basteln mit Kindern, NASA Glenn Research Center: Kite Flying, öbv: Impuls Physik 2, öbv: Physik verstehen 2, Westnetz: Drachensteigen mit Köpfchen, WEMAG: Vorsicht beim Drachensteigen, Netze BW: Sicherheitsregeln an Stromleitungen, Luftverkehrs-Ordnung § 20, Bundesnaturschutzgesetz § 39, Deutscher Wetterdienst: Beaufort-Skala

