Die kurze Antwort
Graupel sind kleine weiße Eiskügelchen, die 2 bis 5 Millimeter groß sind. Sie entstehen in Schauerwolken. Dort fällt ein Schneekristall durch viele winzige Wassertröpfchen, die kälter als null Grad und trotzdem noch flüssig sind. Die Tröpfchen frieren sofort am Kristall fest, bis aus ihm ein rundes Körnchen geworden ist. Graupel fällt meist in kurzen Schauern, vor allem im Winter und im Frühling. Er ist kleiner und weicher als Hagel und richtet deshalb normalerweise keine Schäden an.

Graupel ist eine Form von Niederschlag. So nennt man alles Wasser, das aus der Luft auf den Boden fällt, zum Beispiel Regen, Schnee, Graupel oder Hagel. Graupel gehört zum festen Niederschlag, denn er besteht aus Eis. Wenn es graupelt, prasseln die Körnchen oft hörbar auf Autos, Fensterbretter und Regenschirme und hüpfen über den Boden. Der Beitrag Wie entsteht Schnee? erklärt, wie Schnee in der Wolke entsteht und welche anderen Schneearten es gibt. In diesem Beitrag geht es nur um Graupel.
Was ist Graupel?
Graupel sind runde oder kegelförmige Körner aus Eis mit einem Durchmesser von etwa 1 bis 5 Millimetern.
Der Deutsche Wetterdienst rechnet Körner von 2 bis 5 Millimetern zum Graupel. Ein Graupelkorn ist also ungefähr so groß wie ein Stecknadelkopf oder eine kleine Perle. Die meisten Körner sind weiß und undurchsichtig. Sie sehen ein bisschen aus wie winzige Schneebälle.
Graupel ist ein Schauerniederschlag. Das bedeutet: Er fällt nicht stundenlang gleichmäßig wie Landregen, sondern plötzlich und meist nur für einige Minuten. Danach kann schon wieder die Sonne scheinen. Einen solchen kurzen Niederschlag nennt man Graupelschauer.
Woher hat Graupel seinen Namen?
Der Name kommt von Graupen. So heißen geschälte und rund geschliffene Körner von Gerste oder Weizen. Graupen kennt man zum Beispiel aus Suppen. Graupelkörner sehen ähnlich aus: klein, rund und hell.

Wie entsteht Graupel?
Graupel entsteht, wenn ein Schnee- oder Eiskristall im Aufwind einer Schauerwolke winzige unterkühlte Wassertröpfchen einsammelt, die sofort an ihm festfrieren.
Damit Graupel entstehen kann, braucht es eine besondere Wolke. Graupel fällt nur aus großen Quellwolken oder aus Gewitterwolken. Solche hoch aufgetürmten Wolken heißen Cumulonimbus. Sie entstehen, wenn warme Luft vom Boden schnell nach oben steigt. Diese aufsteigende Luft nennt man Aufwind.
In einer solchen Wolke gibt es Wasser in drei Formen: als Wasserdampf, als Eiskristalle und als winzige Wassertröpfchen. Viele dieser Tröpfchen sind unterkühlt. Das heißt, sie sind kälter als null Grad und trotzdem noch flüssig. Sie gefrieren erst, wenn sie etwas berühren, an dem sie festfrieren können.
Die Entstehung läuft in vier Schritten ab:
- In der Wolke wächst ein Schneekristall oder ein kleines Eiskristall.
- Der Aufwind trägt den Kristall durch einen Teil der Wolke, in dem viele unterkühlte Tröpfchen schweben.
- Jedes Tröpfchen, das den Kristall berührt, gefriert sofort an ihm fest. Dieses Anfrieren nennt man Bereifen.
- Irgendwann ist der Kristall unter den vielen gefrorenen Tröpfchen nicht mehr zu erkennen. Aus ihm ist ein rundliches Korn geworden. Wenn es zu schwer ist, um in der Wolke zu schweben, fällt es als Graupel nach unten.
Die Tröpfchen sind viel kleiner als der Schneekristall. Deshalb braucht es sehr viele von ihnen, bis ein ganzes Graupelkorn entstanden ist.

Ist Graupel gefrorener Regen?
Nein, Graupel ist kein gefrorener Regen. Ein Graupelkorn beginnt als Schnee- oder Eiskristall. Erst die vielen angefrorenen Tröpfchen machen es zu einem Korn. Gefrorene Regentropfen gibt es zwar auch, aber sie heißen Eiskörner. Sie sind meist klar oder halb durchsichtig und fallen nicht aus Schauerwolken, sondern aus gleichmäßigen Schichtwolken.
Welche Arten von Graupel gibt es?
Es gibt zwei Arten von Graupel: Reifgraupel und Frostgraupel.
Reifgraupel sind weiße, undurchsichtige Körner. Sie sehen aus wie Schnee und lassen sich leicht zwischen zwei Fingern zerdrücken. Wenn sie auf eine harte Fläche fallen, zerbrechen sie oft. Reifgraupel fällt im Winter, wenn es am Boden kälter als null Grad ist.
Frostgraupel hat innen einen trüben Kern. Um ihn herum liegt eine Schicht aus klarem Eis. Deshalb ist ein Frostgraupelkorn halb durchsichtig. Es lässt sich nur schwer zusammendrücken und springt beim Aufprall gern in die Höhe. Frostgraupel fällt meist bei Plusgraden und ist deshalb oft nass. Man sieht ihn am häufigsten im Frühling.
| Reifgraupel | Frostgraupel | |
|---|---|---|
| Aussehen | weiß, undurchsichtig, wie Schnee | trüber Kern mit klarer Eisschicht, halb durchsichtig |
| Härte | weich, leicht zu zerdrücken | hart, schwer zu zerdrücken |
| beim Aufprall | zerbricht oft | springt hoch |
| Temperatur am Boden | unter null Grad | meist über null Grad |
| wann am häufigsten | im Winter | im Frühling |
Was ist Schneegriesel?
Schneegriesel ist noch feiner als Graupel. Seine Körner sind meist kleiner als 1 Millimeter, also so fein wie Grieß. Sie bestehen aus winzigen Eisnadeln oder Schneesternchen, an denen ebenfalls Tröpfchen festgefroren sind. Anders als Graupel fällt Schneegriesel aber nicht aus Schauerwolken, sondern aus tiefen, gleichmäßig grauen Schichtwolken, den Stratus-Wolken, oder aus Nebel. Er fällt nur kurz und in kleinen Mengen. Die Körnchen sind so klein, dass sie beim Aufprall weder hochspringen noch zerfallen.
Was ist der Unterschied zwischen Graupel und Hagel?
Graupel und Hagel unterscheiden sich vor allem in der Größe: Graupelkörner sind höchstens 5 Millimeter groß, Hagelkörner sind größer.
Graupel und Hagel sind eng verwandt. Beide entstehen in Schauer- oder Gewitterwolken, wenn unterkühlte Tröpfchen an einem Eiskorn festfrieren. Bleibt ein Graupelkorn lange genug im Aufwind, wächst es immer weiter. Ab einem Durchmesser von 5 Millimetern nennt man es Hagel. Der Übergang zwischen großem Frostgraupel und kleinem Hagel ist fließend.
Wie groß die Körner werden, hängt davon ab, wie stark der Aufwind in der Wolke ist. Ein starker Aufwind hält die Körner lange in der Wolke. In dieser Zeit frieren immer mehr Tröpfchen an ihnen fest. Im Sommer erwärmt die Sonne den Boden stärker, und die warme Luft enthält mehr Wasser. Deshalb sind die Aufwinde in Sommergewittern viel stärker als in den Schauerwolken im Winter. Im Winter reicht der Aufwind meist nur für kleine Graupelkörner.
| Graupel | Hagel | |
|---|---|---|
| Größe | 1 bis 5 Millimeter | mindestens 5 Millimeter, manchmal mehrere Zentimeter |
| Farbe | milchig weiß, matt | klar und glasig |
| Oberfläche | rau | glatt |
| Härte | weich | hart |
| wann am häufigsten | im Winter und Frühling | bei Gewittern im Sommer |
| Schäden | normalerweise keine | oft, zum Beispiel an Autos, Dächern und Feldern |
Graupelkörner sind rund. Hagelkörner sind dagegen manchmal kugelförmig, oft aber auch oval oder unregelmäßig mit Zacken.
Ist Graupel kleiner Hagel?
Nicht ganz. Graupel ist eine eigene Niederschlagsart. Ein Graupelkorn kann aber zum Ausgangspunkt für ein Hagelkorn werden, wenn es lange genug in einer Gewitterwolke wächst.
Ist Graupel Schnee?
Graupel ist kein Schnee, sondern eine eigene Form von Niederschlag. Er beginnt aber als Schneekristall.
Vor allem Reifgraupel wird oft mit Schnee verwechselt. Er sieht weiß aus wie Schnee und fällt oft zusammen mit Schneeflocken. Der Unterschied liegt in der Form: Reifgraupel sind rundliche Körner. Schnee fällt dagegen als Eiskristalle mit Ästen oder als unregelmäßig geformte Flocken. Außerdem entsteht Graupel nur in Schauerwolken, während Schnee aus vielen verschiedenen Wolkenarten fallen kann. Es gibt auch Schneeflocken, die zum Teil aus Eiskristallen und zum Teil aus Reifgraupel bestehen.
Wann fällt Graupel?
Graupel fällt in Deutschland vor allem im kühleren Halbjahr, also von Herbst bis Frühling.
Reifgraupel fällt vor allem im Winter, wenn es am Boden friert. Frostgraupel sieht man am häufigsten im Frühling. Dann wechseln sich oft Sonne und kurze Schauer ab. Dieses wechselhafte Wetter nennt man Aprilwetter. Aus einer einzelnen Schauerwolke fällt für einige Minuten Graupel, danach scheint wieder die Sonne.
Auch im Winter kann es Graupelschauer geben. In der ersten Januarwoche 2026 fielen zum Beispiel in Norddeutschland mehrfach Graupelschauer, teils mit Gewitter. Damals strömte aus dem Norden sehr kalte Luft heran. In etwa 5 Kilometern Höhe war sie kälter als minus 40 Grad.
Gibt es Graupel auch im Sommer?
Auch in Sommergewittern entsteht Graupel. Am Boden kommt er aber meist nicht als Graupel an. Entweder er wächst im starken Aufwind zu Hagel, oder er schmilzt auf dem Weg nach unten durch die warme Luft und kommt als Regen an. Graupel am Boden ist deshalb typisch für die kühlere Jahreszeit.
Was ist ein Graupelgewitter?
Ein Graupelgewitter ist ein Gewitter, bei dem statt Regen oder Hagel vor allem Graupel fällt. Es tritt meist im Winter oder Frühling auf.
Graupel spielt bei jedem Gewitter eine wichtige Rolle, denn er hilft dabei, den Blitz zu erzeugen. In der Gewitterwolke stoßen Graupelkörner ständig mit kleinen Eiskristallen zusammen. Bei jedem Zusammenstoß gehen winzige elektrische Ladungen von einem Teilchen auf das andere über. Die leichten Eiskristalle werden vom Aufwind nach oben getragen, die schwereren Graupelkörner bleiben weiter unten oder fallen. So sammelt sich oben in der Wolke eine andere elektrische Ladung als unten. Wird der Unterschied zu groß, entlädt er sich in einem Blitz. Fachleute vermuten, dass diese Trennung der Ladungen mit Graupel beginnt.
Im Winter sind die Gewitterwolken weniger mächtig als im Sommer. Trotzdem kann es darin genug Graupel und Eiskristalle geben, damit es blitzt und donnert.
Ist Graupel gefährlich?
Graupel richtet normalerweise keine Schäden an, weil die Körner klein und weich sind.
Anders als Hagel zerschlägt Graupel keine Autoscheiben und keine Pflanzen. In den Bergen kann Graupel aber eine Gefahr sein, nämlich für Lawinen. Eine Lawine ist eine große Menge Schnee, die einen Hang hinunterrutscht. Fällt Graupel auf die Schneedecke und schneit es danach weiter, liegt eine Schicht aus runden Körnern zwischen dem alten und dem neuen Schnee. Die runden Körner verbinden sich zunächst schlecht miteinander. Sie wirken wie die Kugeln in einem Kugellager, auf denen der neue Schnee leicht abrutschen kann. Fachleute nennen eine solche lockere Schicht Schwachschicht.
Graupel rollt außerdem von steilen Hängen herunter und sammelt sich am Fuß von Felsen und in flacheren Bereichen. Meist verbinden sich die Körner nach ein bis zwei Tagen mit dem Schnee um sie herum. Danach ist die Schicht in der Regel nicht mehr so gefährlich.
Zum Weiterdenken
Im April ist es draußen plus 6 Grad. Plötzlich fallen halb durchsichtige, nasse Körnchen vom Himmel, die auf dem Gehweg hochspringen. Ist das Reifgraupel oder Frostgraupel? Und warum werden diese Körner im April nicht so groß wie Hagelkörner im Juli?
Quellen: DWD: Graupel, DWD: Vollkorn oder Graupel?, DWD: Schneegriesel, WetterOnline: Hagel, MeteoSchweiz: Was ist Graupel?, SRF Meteo: Graupel im Winter, Hagel im Sommer, NSSL: Lightning Basics, avalanche.report: Lawinenprobleme, avalanche.org: Graupel

