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Karel Svoboda: Wer schrieb die Musik zu Aschenbrödel und Biene Maja?

Der Komponist Karel Svoboda und der Liedtexter Jiří Štaidl im Jahr 1969 in Athen

Die kurze Antwort

Karel Svoboda war ein tschechischer Komponist. Er wurde am 19. Dezember 1938 in Prag geboren und starb am 28. Januar 2007 in der Nähe von Prag. Er schrieb die Musik zu dem Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und zu vielen Zeichentrickserien, die Kinder in Deutschland seit den 1970er-Jahren kennen, zum Beispiel „Die Biene Maja“, „Wickie und die starken Männer“, „Pinocchio“ und „Nils Holgersson“. Eigentlich wollte er Zahnarzt werden. In Tschechien war er außerdem einer der erfolgreichsten Schlagerkomponisten und schrieb über 80 Lieder für den Sänger Karel Gott. Seine Musik ist bis heute durch das Urheberrecht geschützt.

Der Komponist Karel Svoboda und der Liedtexter Jiří Štaidl im Jahr 1969 in Athen
Karel Svoboda, ganz links, im Juni 1969 in Athen bei einem Liederwettbewerb. Ganz rechts steht der Liedtexter Jiří Štaidl, mit dem er viele Lieder schrieb. Foto: Josefoes, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Vielleicht kennst du die Melodie, die erklingt, wenn Aschenbrödel auf ihrem Pferd durch den Schnee reitet. Vielleicht kannst du auch das Lied von der Biene Maja mitsingen oder hast schon einmal die Titelmusik von „Wickie und die starken Männer“ gehört. Alle diese Melodien stammen von demselben Mann. Er hieß Karel Svoboda und kam aus Prag. Viele Erwachsene in Deutschland kennen seine Musik seit ihrer Kindheit, aber nicht seinen Namen. Wer war dieser Komponist, wie kam ein Tscheche zu den deutschen Kinderserien, und warum wurde gerade er für Aschenbrödel ausgewählt?

Alles über den Film selbst, über die Dreharbeiten im Schnee und die Drehorte steht in unserem Artikel Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Hier geht es um den Menschen, der die Musik dazu geschrieben hat.

Wer war Karel Svoboda?

Karel Svoboda war ein Komponist aus Tschechien, der vor allem Musik für Filme, Fernsehserien, Schlager und Musicals geschrieben hat. Er lebte von 1938 bis 2007 und gehört zu den erfolgreichsten Komponisten seines Landes.

Ein Komponist ist jemand, der Musik erfindet und so aufschreibt, dass andere sie spielen können. Manche Komponisten schreiben Sinfonien für große Orchester oder Opern. Karel Svoboda schrieb vor allem Unterhaltungsmusik. So nennt man Musik, die viele Menschen im Alltag hören, zum Beispiel im Radio, im Fernsehen oder im Kino. Dazu gehören Schlager, Popmusik und Filmmusik. Filmmusik ist Musik, die eigens für einen Film komponiert wird. Sie soll zeigen, was die Figuren fühlen, und Szenen spannend, lustig oder traurig machen.

Svoboda schrieb Musik für fast 100 Filme und Fernsehserien und dazu Hunderte Lieder. In Tschechien wurden seine Schlager zu Evergreens. Das sind Lieder, die über viele Jahrzehnte bekannt bleiben und immer wieder gespielt werden. Zu seiner Zeit hieß sein Land noch Tschechoslowakei. Das war ein Staat, zu dem das heutige Tschechien und die heutige Slowakei gehörten. Er bestand bis 1992.

Wie wurde Karel Svoboda Musiker?

Karel Svoboda spielte schon als Kind Klavier, studierte dann aber zuerst Zahnmedizin. Erst als Student entschied er sich ganz für die Musik.

Seine Mutter förderte seine Begabung. Als er 14 Jahre alt war, kaufte sie ihm ein eigenes Klavier. Nach der Schule begann er an der Karls-Universität in Prag ein Studium der Zahnmedizin, also der Wissenschaft von den Zähnen. Schon in dieser Zeit spielte er in einer Band aus Medizinstudenten, die Dixieland spielte. Dixieland ist eine fröhliche, frühe Form des Jazz, die um das Jahr 1900 in New Orleans in den USA entstand.

Die Musik wurde ihm wichtiger als die Zähne. Svoboda brach das Studium ab, ohne Zahnarzt zu werden. Später sagte er oft im Scherz, er sei eigentlich nur ein „verhinderter Zahnarzt“, der durch Zufall beim Klavierspielen gelandet sei.

Die Karlsbrücke in Prag mit Türmen und Statuen
Die Karlsbrücke in Prag. In dieser Stadt wurde Karel Svoboda geboren, studierte und arbeitete fast sein ganzes Leben. Foto: Fred Romero from Paris, France, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Die Band Mefisto

Anfang der 1960er-Jahre gründete Karel Svoboda die Band Mefisto und spielte dort Klavier. Mefisto war eine Beatband. Beatmusik ist eine Art von Rockmusik mit Gitarren und Schlagzeug, die durch englische Bands wie die Beatles berühmt wurde. In der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre trat Mefisto auch in Westdeutschland auf. Den größten Erfolg der Band schrieb Svoboda selbst, das Lied „Stín katedrál“, auf Deutsch „Der Schatten der Kathedralen“. Gesungen haben es Václav Neckář und Helena Vondráčková.

Für wen schrieb Karel Svoboda Lieder?

Karel Svoboda schrieb Lieder für fast alle bekannten Sängerinnen und Sänger der Tschechoslowakei. Am engsten arbeitete er mit Karel Gott zusammen.

Mit seiner Band bekam Svoboda Mitte der 1960er-Jahre eine feste Stelle am Theater Rokoko in Prag. Dort traten viele junge Sänger auf, für die er Lieder schrieb. So begann seine Arbeit als Schlagerkomponist. Ein Schlager ist ein Lied mit einer eingängigen Melodie und einem leicht verständlichen Text, das viele Menschen mitsingen können. Zu den Sängern, für die Svoboda schrieb, gehörten Helena Vondráčková, Václav Neckář, Marta Kubišová, Hana Zagorová, Lucie Bílá und Jiří Korn. Mit Jiří Korn hatte er auch in Deutschland Erfolg. Zu seinen bekanntesten Liedern in Tschechien gehören „Jsi můj pán“, auf Deutsch „Du bist mein Herr“, und „Lady Carneval“.

Eingang des Theaters Rokoko in Prag
Der Saal des Theaters Rokoko in Prag. Hier spielte Svoboda mit seiner Band und schrieb Lieder für junge Sängerinnen und Sänger. Foto: Qasinka, CC0, via Wikimedia Commons

Die Texte zu seinen Liedern schrieb Svoboda nicht selbst. Dafür arbeitete er mit Liedtextern zusammen, die die Worte zu seinen Melodien erfanden. Einer der wichtigsten war Jiří Štaidl. Mit ihm fuhr Svoboda 1969 nach Athen zu einem internationalen Liederwettbewerb, der „Olympiade der Lieder“. Dort trug die Sängerin Eva Pilarová ihr gemeinsames Lied „Jdou domů vojáci“ vor, auf Deutsch „Die Soldaten gehen nach Hause“. Für seine Lieder bekam Svoboda Preise auf Wettbewerben in vielen Ländern, von Tokio bis Cannes.

Karel Svoboda und Karel Gott

Für den Sänger Karel Gott schrieb Svoboda mehr als 80 Lieder. In Tschechien nannte man ihn deshalb auch den „Hofkomponisten“ von Karel Gott.

Ein Hofkomponist war früher ein Komponist, der für einen König oder Fürsten arbeitete und nur für dessen Hof Musik schrieb. Svoboda arbeitete natürlich für keinen König. Der Spitzname sollte zeigen, wie viele Lieder er für Karel Gott geschrieben hat. Karel Gott war der berühmteste Sänger der Tschechoslowakei und hatte auch in Deutschland und Österreich viele Fans. Weil er so schön sang, nannte man ihn die „Goldene Stimme aus Prag“. Er sang auch das tschechische Lied im Aschenbrödel-Film und auf Deutsch das Titellied der Biene Maja.

Der Sänger Karel Gott gibt in Kiel Autogramme
Karel Gott gibt im August 1969 in Kiel Autogramme. Für ihn schrieb Karel Svoboda mehr als 80 Lieder. Foto: Friedrich Magnussen, Stadtarchiv Kiel, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons

Warum schrieb Karel Svoboda die Musik zu Aschenbrödel?

Karel Svoboda schrieb die Musik zu Aschenbrödel, weil der Regisseur Václav Vorlíček eine romantische Musik suchte, die nicht nach Kindermusik klingt. Svoboda war Anfang der 1970er-Jahre schon ein bekannter Komponist für Schlager und Filme.

Vorlíček sagte später, er habe sich für den Film eine schöne Musik gewünscht, „keine infantile Musik, sondern Musik für Erwachsene“. Infantil bedeutet kindisch. Svoboda konnte genau das, denn er schrieb Melodien, die man sich leicht merkt und die trotzdem gefühlvoll und ernst klingen. Im selben Jahr wie Aschenbrödel, 1973, kam auch der Film „Noc na Karlštejně“ heraus, auf Deutsch „Eine Nacht auf Karlstein“. Auch dafür schrieb Svoboda die Musik. Später arbeitete er wieder mit Vorlíček zusammen, zum Beispiel 1977 für den Märchenfilm „Jak se budí princezny“, auf Deutsch „Wie man Dornröschen wachküsst“.

Was macht die Aschenbrödel-Musik so besonders?

Das Besondere an der Aschenbrödel-Musik ist ihr Motiv. Ein Motiv ist eine kurze, gut erkennbare Folge von Tönen, die in einem Musikstück immer wiederkehrt. Svoboda verwendete das Hauptmotiv in vielen Szenen, mal fröhlich, mal traurig, mal langsam, mal schnell. So erkennt man die Melodie immer wieder, auch wenn sie anders klingt. Dabei wechselt die Musik oft zwischen Dur und Moll, also zwischen hell und fröhlich klingenden und eher traurig klingenden Tönen.

Für den Klang wählte Svoboda Streichinstrumente wie Geigen und Celli und ein Cembalo. Das Cembalo ist ein Tasteninstrument, das schon vor mehr als 500 Jahren gespielt wurde. Wenn man eine Taste drückt, zupft ein kleiner Kiel die Saite an. Deshalb klingt ein Cembalo heller und klirrender als ein Klavier, bei dem ein Hammer die Saite anschlägt. Weil das Instrument so alt ist, lässt es die Musik nach früheren Zeiten klingen und passt zu einem Märchen mit Schlössern und Rittern.

Ein Cembalo mit zwei Tastenreihen
Ein Cembalo in einem Museum. Sein heller, gezupfter Klang ist in der Aschenbrödel-Musik zu hören. Foto: Roman Mishchuk, MK&G, CC0, via Wikimedia Commons
Hörbeispiel: So klingt ein Cembalo. Das Stück ist nicht von Karel Svoboda, sondern von Georg Friedrich Händel, der vor fast 300 Jahren lebte. Es heißt „Der harmonische Grobschmied“. Aufnahme: Musopen, gemeinfrei (CC0).

In Tschechien gilt das Lied aus dem Film als zweiterfolgreichste Filmmelodie in der Geschichte des tschechischen Films. In Deutschland suchen jedes Jahr im Dezember Hunderte Menschen nach Klaviernoten der Aschenbrödel-Melodie, um sie selbst zu spielen. Im Jahr 2009 bekam die Melodie einen deutschen Text. Die Sängerin Ella Endlich machte daraus den Schlager „Küss mich, halt mich, lieb mich“.

Wie kam Karel Svoboda zu Biene Maja und Wickie?

Karel Svoboda kam durch den Aschenbrödel-Film zu den deutschen Zeichentrickserien. Das westdeutsche Fernsehen lernte seine Musik bei der Bearbeitung des Films kennen und gab ihm danach viele Aufträge.

Für das westdeutsche Fernsehen bearbeitete der Redakteur Gert Müntefering vom Westdeutschen Rundfunk den Aschenbrödel-Film. Ein Redakteur ist jemand, der beim Fernsehen oder bei einer Zeitung Beiträge auswählt und bearbeitet. Müntefering gefiel die Musik, nicht aber das gesungene Lied von Karel Gott. Er verglich es mit einer Torte mit zu viel Buttercreme und Sahne und ließ den Gesang herausnehmen. Svobodas Melodien aber fanden beim deutschen Fernsehen großen Anklang. Danach arbeitete Svoboda viel für das ZDF, das Zweite Deutsche Fernsehen, und reiste dafür oft zwischen Prag und Deutschland hin und her.

Zu dieser Zeit ließ das ZDF in Japan Zeichentrickserien herstellen, die auf europäischen Kinderbüchern beruhten. Die Idee dazu hatte Josef Göhlen, der beim ZDF für das Kinderprogramm zuständig war. Er brachte unter anderem „Wickie“ und „Die Biene Maja“ ins Fernsehen. Die Bilder kamen aus Japan, die Musik für die deutsche Fassung schrieb Karel Svoboda. Er komponierte für fast alle japanisch-deutschen Zeichentrickserien der 1970er-Jahre.

SerieWorum es geht
Wickie und die starken Männerein kleiner, schlauer Wikingerjunge, der Probleme mit Köpfchen statt mit Kraft löst
Die Biene Majaeine neugierige junge Biene, die die Welt der Insekten entdeckt
Pinocchioeine Holzpuppe, die ein richtiger Junge werden möchte
Nils Holgerssonein Junge, der auf einer Gans mit den Wildgänsen durch Schweden fliegt
Die Besuchereine tschechische Science-Fiction-Serie über Besucher aus der Zukunft
Der fliegende Ferdinandein tschechischer Junge, der fliegen kann

„Wickie“ kam 1974 ins deutsche Fernsehen, „Die Biene Maja“ 1976. „Die Besucher“ und „Der fliegende Ferdinand“ waren keine Zeichentrickserien, sondern Serien mit Schauspielern aus den Barrandov-Studios in Prag, die auch in Deutschland liefen.

Die Musik zu Wickie

Für „Wickie und die starken Männer“ nahm Svoboda auch Musik aus dem Aschenbrödel-Film. Ein Musikstück, das im Film zu einer Verfolgungsjagd erklingt, taucht in Wickie wieder auf. Komponisten machen so etwas öfter, wenn eine Melodie gut zu einer neuen Szene passt. Für die Serien schrieb Svoboda außerdem einen Vorrat an Musikstücken für verschiedene Stimmungen, zum Beispiel für Spannung, Freude, Gefahr oder Trauer. Die Fernsehleute konnten dann für jede Szene das passende Stück auswählen.

Das Lied von der Biene Maja

Das Titellied der Biene Maja wurde Svobodas größter Erfolg in Deutschland. Die Serie lief zum ersten Mal am 9. September 1976 im ZDF. Den deutschen Text schrieb Florian Cusano, gesungen hat das Lied Karel Gott. Gott erzählte später, er habe Svoboda zufällig in München getroffen. Der habe ihn gefragt, was er am Nachmittag vorhabe, und ihn dann mit ins Tonstudio genommen. Nach einer halben Stunde sei das Lied fertig aufgenommen gewesen. Ob alles genau so passiert ist, weiß man nicht.

Niemand hatte erwartet, wie erfolgreich das Lied werden würde. Die Schallplatte verkaufte sich millionenfach. Svoboda bekam für seine Musik von der deutschen Plattenfirma Polydor fünf Goldene Schallplatten. Eine Goldene Schallplatte ist eine Auszeichnung, die Musiker bekommen, wenn sie von einer Aufnahme besonders viele Exemplare verkauft haben.

Das Lied von Pinocchio

Auch das Titellied der Serie „Pinocchio“ stammt von Karel Svoboda. In der deutschen Fassung singt es die Sängerin Mary Roos. Es beginnt mit den Worten „Kleines Püppchen, freches Bübchen“.

Warum klingt Svobodas Kindermusik nicht kindisch?

Svobodas Musik für Kinder klingt nicht kindisch, weil er sie genauso sorgfältig schrieb wie seine Musik für Erwachsene. Seine Melodien sind fröhlich und liebevoll, aber nicht albern.

Viele Musikstücke für Kinder bestehen nur aus wenigen, einfachen Tönen, damit man sie leicht nachsingen kann. Svoboda dagegen verwendete Melodien mit überraschenden Wendungen und ließ sie von einem großen Orchester spielen. So konnten auch Eltern die Musik gern mit anhören. Diesen Weg hatte er schon bei Aschenbrödel eingeschlagen, wo der Regisseur ausdrücklich keine Kindermusik wollte. Bis heute erkennen viele Erwachsene die Titellieder von Biene Maja, Wickie oder Nils Holgersson schon nach den ersten Tönen.

Welche Musicals schrieb Karel Svoboda?

Karel Svoboda schrieb ab den 1990er-Jahren mehrere große Musicals, darunter „Dracula“, „Monte Christo“ und „Golem“. „Dracula“ wurde das erfolgreichste davon.

Ein Musical ist ein Theaterstück, in dem gesungen, gesprochen und getanzt wird. Die Lieder erzählen die Geschichte weiter. Im Jahr 1989 endete in der Tschechoslowakei die Herrschaft der kommunistischen Partei durch friedliche Proteste. Diese Zeit nennt man die Samtene Revolution, weil sie ohne Gewalt ablief. Danach begann Svoboda, Musicals zu schreiben.

MusicalJahrWorum es geht
Dracula1995der Vampir Graf Dracula aus einem berühmten Schauerroman
Monte Christo2000ein unschuldig eingesperrter Mann, der nach seiner Flucht Rache nimmt
Golem2006eine Figur aus Lehm, die nach einer alten Prager Sage zum Leben erweckt wird

„Dracula“ sahen mehr als 1,5 Millionen Zuschauer, und es wurden 250.000 Tonträger mit der Musik verkauft. „Golem“ aus dem Jahr 2006 war sein letztes großes Werk.

Außerdem schrieb Svoboda Musik für die Laterna magika in Prag. Die Laterna magika ist ein Theater, in dem Schauspieler und Tänzer zusammen mit Filmen auftreten, die auf eine Leinwand hinter der Bühne projiziert werden. Die Menschen auf der Bühne und die Menschen im Film spielen dabei miteinander.

Das gläserne Gebäude der Laterna magika in Prag bei Nacht
Das Gebäude der Laterna magika in Prag bei Nacht. Für dieses Theater schrieb Svoboda ebenfalls Musik. Foto: Aktron, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Welche Preise bekam Karel Svoboda?

Karel Svoboda bekam viele Preise im In- und Ausland, darunter Goldene Schallplatten, eine Diamantene Schallplatte und drei tschechische Musikpreise.

Neben den fünf Goldenen Schallplatten aus Deutschland erhielt er von der tschechischen Plattenfirma Supraphon eine Diamantene Schallplatte. Diese Auszeichnung bekam er, weil insgesamt mehr als 10 Millionen Tonträger mit seiner Musik verkauft worden waren. Ein Tonträger ist etwas, auf dem Musik gespeichert ist, zum Beispiel eine Schallplatte, eine Kassette oder eine CD. Die Akademie der tschechischen Popmusik zeichnete ihn außerdem dreimal mit dem Preis „Česká hudební cena“ aus, dem Tschechischen Musikpreis.

Wie ist Karel Svoboda gestorben?

Karel Svoboda nahm sich am 28. Januar 2007 im Alter von 68 Jahren das Leben. Er war vorher lange sehr unglücklich und krank.

In seinem Leben gab es mehrere schwere Schicksalsschläge. 1993 starb seine erste Frau Hana an Krebs. Im Jahr 2000 starb seine Tochter aus seiner zweiten Ehe mit nur vier Jahren an Leukämie. Leukämie ist eine Krebserkrankung des Blutes. Mit zunehmendem Alter litt Svoboda an Depressionen. Eine Depression ist eine Krankheit, bei der ein Mensch über lange Zeit tief traurig, erschöpft und hoffnungslos ist. Sie ist nicht das Gleiche wie eine schlechte Laune, die schnell wieder vorbeigeht. Depressionen kann man behandeln, zum Beispiel mit Gesprächen bei Ärzten oder Psychotherapeuten und manchmal mit Medikamenten. Ein Psychotherapeut ist ein Fachmann, der Menschen mit seelischen Krankheiten hilft.

Svoboda starb im Garten seines Hauses in der Nähe von Prag. Einen Abschiedsbrief hinterließ er nicht, deshalb weiß niemand genau, warum er sich das Leben nahm. Sein Freund Karel Gott sagte nach seinem Tod, Svoboda sei ein Genie gewesen.

Wenn du selbst manchmal sehr traurig bist oder dir Sorgen machst, ist es wichtig, mit jemandem darüber zu sprechen. Das kann eine Person in deiner Familie sein, eine Lehrerin oder ein Lehrer oder die Nummer gegen Kummer. Dort kannst du kostenlos und ohne deinen Namen zu sagen unter der Telefonnummer 116 111 anrufen.

Hatte Karel Svoboda Kinder?

Ja, Karel Svoboda hatte Kinder. Aus seiner ersten Ehe hatte er zwei Kinder. In seiner zweiten Ehe bekam er eine Tochter, die im Jahr 2000 starb, und einen Sohn. Als der Sohn geboren wurde, war Svoboda 66 Jahre alt. Bei Svobodas Tod war der Junge zwei Jahre alt.

Darf man die Musik von Karel Svoboda einfach abspielen?

Nein, die Musik von Karel Svoboda ist durch das Urheberrecht geschützt. Wer sie öffentlich abspielen oder ins Internet stellen möchte, braucht dafür eine Erlaubnis und muss meist dafür bezahlen.

Das Urheberrecht ist ein Gesetz, das Menschen schützt, die etwas Eigenes geschaffen haben, zum Beispiel Musik, Bücher oder Bilder. Diese Menschen nennt man Urheber. Nur der Urheber darf entscheiden, wer sein Werk benutzen darf. Nach seinem Tod geht dieses Recht an seine Erben über, also an die Menschen, die nach dem Tod etwas von ihm bekommen, meist seine Familie. In Deutschland und den anderen Ländern der Europäischen Union endet der Schutz erst 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers, und zwar am Ende des Jahres. Weil Karel Svoboda 2007 gestorben ist, ist seine Musik bis zum 31. Dezember 2077 geschützt.

Damit Komponisten nicht selbst kontrollieren müssen, wo überall ihre Musik läuft, gibt es Verwertungsgesellschaften. In Deutschland ist das für Musik die GEMA. Das ist die Abkürzung für Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte. Radiosender, Fernsehsender, Konzertveranstalter und Internetseiten bezahlen an die GEMA, wenn sie geschützte Musik verwenden. Die GEMA gibt das Geld an die Komponisten und Liedtexter oder an ihre Erben weiter. Dieses Geld nennt man Tantiemen. Auch Sänger wie Karel Gott bekommen Geld, wenn ihre Aufnahmen gespielt werden.

Gemafrei nennt man Musik, für die man nichts an die GEMA bezahlen muss. Das ist zum Beispiel Musik, deren Komponist schon vor mehr als 70 Jahren gestorben ist, wie die von Mozart oder Bach. Aber auch dann ist nicht jede Aufnahme frei. Wer ein Musikstück spielt und aufnimmt, hat ebenfalls Rechte an seiner Aufnahme. Deshalb können wir auf dieser Seite keine Musik von Karel Svoboda zum Anhören einbinden. Das Hörbeispiel mit dem Cembalo weiter oben dürfen wir dagegen zeigen. Händel starb im Jahr 1759, und die Musiker der Aufnahme haben sie für alle freigegeben. Hören kannst du sie in den Filmen und Serien selbst, im Radio oder auf Aufnahmen, die du kaufst oder ausleihst.

Wo kann man Svobodas Musik heute hören?

Svobodas Musik hört man heute vor allem im Fernsehen. Jedes Jahr zu Weihnachten läuft „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ viele Male, und die Zeichentrickserien mit seiner Musik werden immer wieder gezeigt.

Außerdem gibt es Noten seiner bekanntesten Melodien zu kaufen, zum Beispiel für Klavier. Damit kannst du die Aschenbrödel-Melodie oder ein Wickie-Medley selbst spielen. Ein Medley ist ein Musikstück, in dem mehrere bekannte Melodien hintereinander gespielt werden. Auch Orchester spielen bei Konzerten mit Filmmusik oft seine Melodien. In Tschechien werden seine Musicals bis heute aufgeführt, und viele seiner Schlager laufen im Radio. Zu seinem 85. Geburtstag im Dezember 2023 gab es in Tschechien viele Veranstaltungen zu seinen Ehren.

Zum Weiterdenken

Viele Menschen kennen die Melodien von Karel Svoboda, aber nicht seinen Namen. Woran könnte das liegen? Überlege, ob du weißt, wer die Musik zu deinem Lieblingsfilm oder deiner Lieblingsserie geschrieben hat. Und warum ist es gerecht, dass Komponisten für ihre Musik Geld bekommen, auch wenn sie schon gestorben sind?

Quellen: Radio Prag: Tschechien erinnert an Karel Svoboda, Radio Prague International: Karel Svoboda dies at 68, Supraphon: Karel Svoboda, BR-Klassik: Die Musik zu Aschenbrödel, ORF: Svobodas Werk und Gotts Beitrag, SRF Musikwelle: Die Tränen hinter Pinocchio, fernsehserien.de: 50 Jahre Biene Maja, iROZHLAS: Zemřel Karel Svoboda, OÖ Nachrichten: Gott und die Biene und Gesetz über Urheberrecht, § 64.

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