Die kurze Antwort
„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist ein Märchenfilm aus dem Jahr 1973. Er wurde gemeinsam von einem Filmstudio aus der damaligen Tschechoslowakei und einem Filmstudio aus der DDR gedreht. Regie führte der Tscheche Václav Vorlíček. Aschenbrödel spielt Libuše Šafránková, den Prinzen spielt Pavel Trávníček. Gedreht wurde im Winter 1972 auf 1973 am Schloss Moritzburg bei Dresden, an der Wasserburg Švihov in Tschechien, im Böhmerwald und in Filmstudios in Prag und Potsdam-Babelsberg. Die Musik schrieb Karel Svoboda. Der Film war als Kinderfilm geplant, wurde aber so gemacht, dass auch Erwachsene Freude daran haben. Heute läuft er im deutschen Fernsehen jeden Winter mehr als zehnmal und ist für viele Familien ein fester Teil der Weihnachtszeit.

Draußen liegt Schnee, im Wohnzimmer brennt eine Kerze, und im Fernsehen reitet ein Mädchen auf einem weißen Pferd durch den Winterwald. Es trägt ein Jägerkostüm und schießt mit einer Armbrust besser als der Prinz. Viele Familien in Deutschland, Tschechien, der Slowakei und Norwegen schauen diesen Film jedes Jahr wieder an, oft am Heiligabend oder an den Feiertagen. Viele Eltern und Großeltern haben ihn schon als Kinder gesehen. Dabei ist der Film über 50 Jahre alt. Wie ist er entstanden, warum spielt er im Schnee, was hat Fischmehl damit zu tun, und warum lieben ihn so viele Menschen bis heute?
Worum geht es in „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“?
Der Film erzählt von einem jungen Mädchen, das auf einem Gutshof wie eine Magd arbeiten muss und am Ende einen Prinzen heiratet. Er beruht auf dem bekannten Märchen vom Aschenputtel, erzählt die Geschichte aber anders.
Aschenbrödel lebt nach dem Tod ihrer Eltern bei ihrer Stiefmutter. Eine Stiefmutter ist die neue Frau des Vaters, aber nicht die leibliche Mutter. Die Stiefmutter hat eine eigene Tochter, Dora, und behandelt Aschenbrödel wie eine Dienerin. Aschenbrödel muss putzen, kochen, Holz tragen und im Stall arbeiten. Trost findet sie bei den Tieren auf dem Hof, beim Pferd Nikolaus, bei der Eule Rosalie, beim Hund Kasperle und bei den Tauben. Auch der Knecht Vinzek und die anderen Angestellten des Hofes halten zu ihr.
Im Winter kommen der König, die Königin und ihr Sohn in die Gegend. Der Prinz hat keine Lust, ans Heiraten zu denken. Er geht lieber mit seinen Freunden auf die Jagd. Im Wald trifft er Aschenbrödel zum ersten Mal. Als er gerade ein Reh schießen will, wirft sie einen Schneeball nach ihm, damit er nicht trifft. Später begegnen sich die beiden noch zweimal, jedes Mal in einer anderen Verkleidung.
Die drei Begegnungen werden durch drei Haselnüsse möglich. Vinzek fährt in die Stadt und fragt Aschenbrödel, was er ihr mitbringen soll. Sie sagt, er soll ihr mitbringen, was ihm gegen die Nase stößt. Unterwegs schießt der Prinz aus Übermut eine Haselnuss vom Baum, die Vinzek ins Gesicht fliegt. So bringt der Knecht drei Haselnüsse mit nach Hause. Jede Nuss enthält ein Kleid, mit dem Aschenbrödel unerkannt zum Prinzen gehen kann.
Am Ende reitet der Prinz mit Aschenbrödels verlorenem Schuh zum Hof der Stiefmutter. Die Stiefmutter versucht, ihm ihre Tochter Dora unterzuschieben, doch der Schuh passt nur Aschenbrödel. Der Prinz und Aschenbrödel reiten zusammen durch den Schnee davon.
Was ist in den drei Haselnüssen?
In den drei Haselnüssen stecken drei Kleider, die Aschenbrödel jeweils für eine Begegnung mit dem Prinzen braucht. Sobald sie eine Nuss öffnet, liegt darin ein vollständiges Gewand mit allem, was dazugehört.
| Haselnuss | Was darin ist | Wofür Aschenbrödel es braucht |
|---|---|---|
| erste Nuss | ein Jägerkostüm mit Armbrust | Sie nimmt verkleidet als junger Jäger an einem Wettschießen teil und gewinnt einen Ring des Prinzen. |
| zweite Nuss | ein Ballkleid mit Schleier | Sie tanzt auf dem Ball mit dem Prinzen, gibt ihm ein Rätsel auf und verliert auf der Flucht ihren Schuh. |
| dritte Nuss | ein Brautkleid | Sie zieht es an, als der Prinz sie gefunden hat, und reitet mit ihm davon. |
Die Nüsse sind das einzige Wunder im ganzen Film. Es gibt keine Fee, keine Kutsche aus einem Kürbis und keine Mäuse, die sich in Pferde verwandeln. Auch die Eule Rosalie wirkt so, als würde sie alles verstehen, und hütet die Nüsse in einem Kästchen. Sonst geht im Film alles mit natürlichen Dingen zu.

Wie heißen die Tiere und Figuren im Film?
Das Pferd heißt Nikolaus, die Eule Rosalie und der Hund Kasperle. Diese Namen gelten für die deutsche Fassung, in der tschechischen Fassung heißt das Pferd Jurášek.
| Figur | Wer oder was sie ist | Gespielt von |
|---|---|---|
| Aschenbrödel | Waise auf dem Gutshof der Stiefmutter | Libuše Šafránková |
| Prinz | Sohn des Königs, lieber auf der Jagd als beim Unterricht | Pavel Trávníček |
| König | Vater des Prinzen | Rolf Hoppe |
| Königin | Mutter des Prinzen | Karin Lesch |
| Stiefmutter | Herrin des Gutshofs | Carola Braunbock |
| Dora | Tochter der Stiefmutter | Daniela Hlaváčová |
| Vinzek | Knecht auf dem Hof, bringt die Nüsse | Vladimír Menšík |
| Lehrer des Prinzen | soll den Prinzen erziehen, wird aber oft ausgetrickst | Jan Libíček |
| Kamil und Vítek | Freunde des Prinzen | Vítězslav Jandák und Jaroslav Drbohlav |
| Nikolaus | weißes Pferd von Aschenbrödel | ein Schimmel |
| Rosalie | Eule, die die Nüsse bewacht | eine Eule aus einem Zirkus |
| Kasperle | Hund auf dem Hof | ein Hund |
Das tschechische Pferd hieß in Wirklichkeit Ibrahim und gehörte einer Reitschule. Die Eule kam aus einem deutschen Zirkus. Warum es nicht nur ein einziges Pferd für die Rolle gab, liest du weiter unten bei der Frage, ob Libuše Šafránková selbst geritten ist.
Heißt der Film „Drei Nüsse“ oder „Drei Haselnüsse“?
Der richtige deutsche Titel lautet „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Weil der Name lang ist, sagen viele Menschen kurz „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ oder einfach „Aschenbrödel“.
Im Tschechischen heißt der Film „Tři oříšky pro Popelku“. Ein oříšek ist eine kleine Nuss, meist eine Haselnuss. In Norwegen heißt er „Tre nøtter til Askepott“, also „Drei Nüsse für Aschenputtel“. Dort läuft er seit 1975 jedes Jahr an Weihnachten im Fernsehen.

Was bedeutet das Wort Aschenbrödel?
Ein Aschenbrödel ist jemand, der die schmutzigste Arbeit im Haus machen muss und deshalb voller Asche ist. Das Wort ist sehr alt und war früher auch für Jungen gebräuchlich.
Im „Deutschen Wörterbuch“ der Brüder Grimm steht, dass ein Aschenbrödel ursprünglich ein Küchenjunge war. Das war ein junger Diener, der in der Küche das Feuer schüren, die Asche wegräumen und Töpfe schrubben musste. Der zweite Teil des Wortes kommt von brodeln. So nannte man das Geräusch von kochendem Wasser, aber auch das Herumwühlen im Schmutz. Ein Aschenbrödel war also jemand, der in der Asche herumwühlte. Schon Martin Luther hat das Wort vor rund 500 Jahren benutzt.
Auch in anderen Sprachen steckt die Asche im Namen. Im Tschechischen heißt Aschenbrödel Popelka, das kommt von „popel“, dem tschechischen Wort für Asche. Auf Französisch heißt sie Cendrillon, von „cendre“ für Asche, auf Englisch Cinderella, von „cinder“ für Asche oder Glut.
Ist Aschenbrödel dasselbe wie Aschenputtel oder Cinderella?
Ja, Aschenbrödel, Aschenputtel und Cinderella sind verschiedene Namen für dieselbe Märchenfigur. Die Geschichte von dem armen Mädchen, das durch einen verlorenen Schuh einen Prinzen findet, wird in vielen Ländern erzählt.
Am bekanntesten sind drei Fassungen.
| Fassung | Wer hat sie aufgeschrieben | Was darin besonders ist |
|---|---|---|
| Cendrillon | Charles Perrault, Frankreich, 1697 | Eine Fee hilft, ein Kürbis wird zur Kutsche, Aschenputtel verliert einen gläsernen Schuh. |
| Aschenputtel | Brüder Grimm, Deutschland, 1812 | Ein Baum auf dem Grab der Mutter und Vögel helfen, die Stiefschwestern schneiden sich Zehe und Ferse ab. |
| O Popelce | Božena Němcová, Böhmen, um 1845 | Aschenbrödel bekommt drei Nüsse, in denen Kleider stecken. |
Der Film folgt der tschechischen Fassung. Er hat also nichts mit der Fee aus dem Zeichentrickfilm „Cinderella“ zu tun und auch nichts mit den blutigen Füßen aus dem Grimm-Märchen. Warum die Brüder Grimm „Aschenputtel“ geschrieben haben und der Film „Aschenbrödel“ heißt, hat einen einfachen Grund. Beide Wörter waren früher in Deutschland gebräuchlich und bedeuten dasselbe.
Auf welches Märchen geht der Film zurück?
Der Film geht auf ein Märchen der tschechischen Schriftstellerin Božena Němcová zurück. Sie hat im 19. Jahrhundert Volksmärchen aus Böhmen gesammelt und aufgeschrieben.

Böhmen ist eine Landschaft im Westen des heutigen Tschechiens, zu der auch Prag gehört. Božena Němcová lebte von 1820 bis 1862 und gilt in Tschechien als eine der wichtigsten Schriftstellerinnen. Ihr Gesicht ist dort sogar auf einem Geldschein zu sehen. Der Drehbuchautor des Films, František Pavlíček, nahm ihr Märchen „O Popelce“, also „Vom Aschenbrödel“, und verband es mit einem zweiten Märchen von ihr, „O třech sestrách“, „Von den drei Schwestern“.
Pavlíček veränderte die Hauptfigur aber stark. In den alten Märchen wartet Aschenbrödel geduldig darauf, dass ihr jemand hilft. Im Film reitet sie, klettert auf Bäume, wirft Schneebälle, schießt mit der Armbrust und gibt dem Prinzen Rätsel auf, die er nicht lösen kann. Der Prinz muss sich ihre Liebe erst verdienen. Er ist am Anfang ein verwöhnter junger Mann, der lieber jagt als lernt, und wird im Lauf des Films erwachsener.
Wer hat den Film gemacht?
Den Film haben der tschechische Regisseur Václav Vorlíček und der Drehbuchautor František Pavlíček gemacht. Hergestellt wurde er von zwei staatlichen Filmstudios, den Barrandov-Studios in Prag und der DEFA in der DDR.

Ein Regisseur leitet die Dreharbeiten. Er entscheidet, wie eine Szene gespielt und gefilmt wird. Václav Vorlíček lebte von 1930 bis 2019 und drehte viele Märchenfilme und lustige Filme für Kinder, zum Beispiel die Serie „Die Märchenbraut“. Ein Drehbuch ist der Text, in dem alles steht, was im Film passiert und was die Schauspieler sagen. František Pavlíček lebte von 1923 bis 2004.
Die DEFA war das staatliche Filmunternehmen der DDR. DDR ist die Abkürzung für Deutsche Demokratische Republik. So hieß der östliche Teil Deutschlands von 1949 bis 1990. Die DEFA hatte ihre großen Filmstudios in Potsdam-Babelsberg. Die Barrandov-Studios sind das große Filmstudio in Prag. Damals gehörten beide Studios dem Staat.
Weitere wichtige Leute am Film waren der Kameramann Josef Illík, der Kostümbildner Theodor Pištěk und der Komponist Karel Svoboda. Ein Kostümbildner entwirft die Kleider, die die Schauspieler im Film tragen.
Warum stand im Vorspann ein falscher Name?
Im Vorspann steht als Autorin des Drehbuchs eine Frau namens Bohumila Zelenková, obwohl František Pavlíček das Drehbuch geschrieben hat. Pavlíček durfte damals keine Texte unter seinem eigenen Namen veröffentlichen.
Der Vorspann ist der Teil am Anfang eines Films, in dem die Namen der Beteiligten gezeigt werden. Die Tschechoslowakei wurde damals von einer kommunistischen Partei regiert, die keine Kritik erlaubte. Pavlíček hatte 1968 Reformen unterstützt, die mehr Freiheit bringen sollten. Nach dem Ende dieser Reformen musste er als Lagerarbeiter arbeiten und bekam ein Publikationsverbot. Das bedeutet, dass er nichts mehr unter seinem Namen veröffentlichen durfte. Damit der Film trotzdem entstehen konnte, lieh ihm eine Kollegin ihren Namen. Bohumila Zelenková arbeitete als Dramaturgin beim tschechoslowakischen Fernsehen. Nur sie, der Regisseur und der Produzent wussten damals davon. Später setzte sich Pavlíček in der Gruppe „Charta 77“ für Menschenrechte ein.
Ist „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ein deutscher oder ein tschechischer Film?
Der Film ist beides, er ist eine Koproduktion. Das bedeutet, dass zwei Filmstudios aus zwei Ländern ihn gemeinsam bezahlt und hergestellt haben.
Die Idee und der Regisseur kamen aus der Tschechoslowakei. Vorlíček wollte ein prächtiges Märchen mit Schlössern und Kostümen aus der Zeit der Renaissance drehen. Die Renaissance ist die Zeit ungefähr von 1400 bis 1600, in der in Europa viele Schlösser und Kunstwerke entstanden. Für so einen aufwendigen Film reichte das Geld der Barrandov-Studios aber nicht. Es standen nur etwa drei Millionen Kronen zur Verfügung. Deshalb holte man die DEFA dazu, die ungefähr die Hälfte der Kosten übernahm.
Die DEFA stellte dafür Bedingungen. Ein Teil des Films sollte in der DDR gedreht werden, am Schloss Moritzburg und in den Studios in Babelsberg. Außerdem sollten deutsche Schauspieler mitspielen. So kamen Rolf Hoppe als König, Karin Lesch als Königin und Carola Braunbock als Stiefmutter zum Film.
In welcher Sprache wurde der Film gedreht?
Beim Drehen sprach jeder Schauspieler seine eigene Sprache. Die Tschechen sprachen Tschechisch, die Deutschen sprachen Deutsch.
Danach wurde der Film synchronisiert. Das bedeutet, dass Sprecher im Tonstudio die Sätze in der anderen Sprache neu aufnehmen, passend zu den Lippenbewegungen. In der deutschen Fassung leiht zum Beispiel Dorothea Meißner Aschenbrödel ihre Stimme, und Peter Reusse spricht den Prinzen. In der tschechischen Fassung wurden die deutschen Schauspieler von tschechischen Sprechern gesprochen.
Sogar der tschechische Prinz bekam in der tschechischen Fassung eine fremde Stimme. Pavel Trávníček stammt aus Mähren und hatte einen starken mährischen Akzent. Ein Akzent ist eine bestimmte Art, Wörter auszusprechen, an der man hört, aus welcher Gegend jemand kommt. Damit der Prinz nicht nach einer bestimmten Gegend klang, sprach der Schauspieler Petr Svojtka seine Rolle neu ein.
In Norwegen läuft der Film bis heute auf Tschechisch. Ein einziger Sprecher, Knut Risan, liest dort alle Rollen auf Norwegisch darüber.
Warum wurde der Film im Winter gedreht?
Der Film wurde im Winter gedreht, weil die Studios der DEFA im Sommer schon mit anderen Filmen belegt waren. Ursprünglich sollte die Geschichte im Sommer spielen.
Die DEFA verlangte, dass ihre Studiomitarbeiter in Babelsberg schon im November beschäftigt werden. Damit wäre der Dreh in die kalte Jahreszeit gefallen. Vorlíček soll daraufhin gesagt haben, er könne den ganzen Film auch im Winter drehen. Innerhalb weniger Tage wurde das Drehbuch umgeschrieben. Aus Kutschen wurden Schlitten, aus Sommerwiesen wurden verschneite Felder, und das Wettschießen findet nun im Schnee statt.
Als Vorbild für die Winterbilder nahm sich das Filmteam ein berühmtes Gemälde. Es heißt „Die Jäger im Schnee“ und wurde im Jahr 1565 von dem flämischen Maler Pieter Bruegel dem Älteren gemalt. Auf dem Bild kehren Jäger mit ihren Hunden durch den Schnee in ein Dorf zurück. Die weiße Landschaft mit den dunklen Bäumen und Menschen zeigt, wie das Filmteam sich den Winter im Film vorstellte.

Die Entscheidung für den Winter hat den Film stark verändert. Weil fast jede Szene draußen im Schnee spielt, verbinden viele Menschen ihn heute mit der Weihnachtszeit. Dazu mehr bei der Frage, ob Aschenbrödel ein Weihnachtsfilm ist.
Wann wurde Aschenbrödel gedreht?
Gedreht wurde vom Dezember 1972 bis zum Februar 1973. Die Vorbereitungen begannen schon Mitte Oktober 1972.
Zuerst entstanden im Dezember die Innenaufnahmen in den Filmstudios. Im Januar 1973 drehte das Team ein paar Tage am Schloss Moritzburg. Danach folgten die Aufnahmen an der Wasserburg Švihov und im Böhmerwald. Das ganze Drehen dauerte also nur etwa drei Monate. Im Oktober 1973 war der fertige Film zum ersten Mal zu sehen.
Wo wurde Aschenbrödel gedreht?
Aschenbrödel wurde an fünf Orten in zwei Ländern gedreht, in Deutschland und in Tschechien. Die Filmleute nennen solche Orte Drehorte.
| Drehort | Land | Was dort gedreht wurde |
|---|---|---|
| Schloss Moritzburg bei Dresden | Deutschland | das Schloss des Königs von außen, die Ankunft der Gäste und die Treppe, auf der Aschenbrödel ihren Schuh verliert |
| DEFA-Studio in Potsdam-Babelsberg | Deutschland | der Ballsaal, die Dachkammer von Aschenbrödel und weitere Räume im Inneren |
| Barrandov-Studios in Prag | Tschechien | weitere Szenen im Inneren |
| Wasserburg Švihov bei Pilsen | Tschechien | der Gutshof der Stiefmutter |
| Böhmerwald um Železná Ruda | Tschechien | die Szenen im verschneiten Wald, die Jagd und die Ritte mit dem Pferd |
Schloss Moritzburg
Das Schloss Moritzburg liegt nördlich von Dresden auf einer Insel in einem See. Im Film ist es das Schloss des Königs. Die DEFA-Mitarbeiter hatten es als Drehort vorgeschlagen. Auf der großen Treppe vor dem Schloss flieht Aschenbrödel nach dem Ball und verliert ihren Schuh. Weil im Schloss damals auch Menschen wohnten, bat das Filmteam sie, Lampen in ihre Fenster zu stellen. So sah das Schloss am Abend des Balls festlich beleuchtet aus. Die Pferde für die Szenen am Schloss kamen aus dem Hengstdepot in Moritzburg. Ein Hengstdepot ist ein Ort, an dem Zuchthengste gehalten werden.

Seit 2009 zeigt Schloss Moritzburg jeden Winter eine große Ausstellung zum Film. Zu sehen sind echte Kostüme, Requisiten und Fotos von den Dreharbeiten. Requisiten sind Gegenstände, die im Film benutzt werden, zum Beispiel die Armbrust oder das Kästchen mit den Nüssen. Im Winter 2026 auf 2027 ist die Ausstellung vom 20. November bis zum 28. Februar geöffnet. Karten gibt es nur im Internet, und weil die Ausstellung sehr beliebt ist, solltest du sie früh kaufen.
Auf der achten Stufe der Schlosstreppe, von unten gezählt, steht ein Schuh aus Messing. Messing ist ein goldfarbenes Metall, das aus Kupfer und Zink gemischt wird. Manchmal wird der Schuh auch Bronzeschuh genannt. Bronze sieht ähnlich aus, besteht aber aus Kupfer und Zinn. Angefertigt wurde der Schuh, als die Terrassen am Schloss erneuert wurden. Die Bauleute formten dafür einen Damenschuh in Gips ab und gossen die Form mit Messing aus. Die Kuratorin des Schlosses hatte vorher genau herausgefunden, auf welcher Stufe Aschenbrödel im Film ihren Schuh verliert. Eine Kuratorin ist eine Fachfrau, die sich um die Sammlung und die Ausstellungen eines Museums kümmert. Der Schuh ist auf einer Messingplatte festgeschraubt und steht aufrecht, damit man hineinschlüpfen kann. Vorne in der Spitze hat er ein kleines Loch, durch das Regenwasser abläuft. Viele Besucher probieren ihn an und lassen sich dabei fotografieren.

Im Jahr 2014 wurde aus der Ausstellung in Moritzburg das rosa-blaue Ballkleid von Aschenbrödel gestohlen. Die Polizei bat öffentlich um Hilfe. Danach schickte der Dieb das Kleid in einem Paket zurück.
Wasserburg Švihov
Die Wasserburg Švihov steht in Westböhmen, etwa 30 Kilometer südlich von Pilsen. Eine Wasserburg ist eine Burg, die von Wassergräben umgeben ist, damit Feinde nicht leicht herankommen. Im Film ist Švihov der Hof der Stiefmutter, auf dem Aschenbrödel arbeiten muss.
Heute kannst du die Burg besichtigen. Es gibt dort eine Führung zum Film und einen Aschenbrödel-Weg mit Stationen, und auch hier wurden schon Kostüme aus dem Film ausgestellt.

Böhmerwald
Der Böhmerwald ist ein großes Waldgebirge an der Grenze zwischen Tschechien, Bayern und Österreich. Eigentlich sollten die Waldszenen bei der Stadt Klatovy gedreht werden. Dort lag aber zu wenig Schnee. Deshalb zog das Team weiter ins Gebirge bei Železná Ruda, wo der Schnee den Schauspielern bis an die Hüften reichte. Dort entstanden die Szenen, in denen Aschenbrödel durch den Winterwald reitet und der Prinz auf die Jagd geht.
Die Filmstudios
Viele Szenen im Inneren wurden nicht in echten Schlössern gedreht, sondern in Filmkulissen. Eine Filmkulisse ist ein nachgebauter Raum, der vor der Kamera echt aussieht. Der Ballsaal und Aschenbrödels Dachkammer standen im DEFA-Studio in Potsdam-Babelsberg. Im Film wirkt es so, als würde Aschenbrödel in Moritzburg die Treppe hinauf und direkt in den Ballsaal gehen. In Wirklichkeit liegen zwischen diesen beiden Orten fast 200 Kilometer.

War der Schnee im Film echt?
Der Schnee im Film war zum Teil echt und zum Teil künstlich. Im Böhmerwald lag sehr viel echter Schnee, am Schloss Moritzburg und an der Burg Švihov dagegen fast keiner.
Für die Schlösser musste das Filmteam selbst für Schnee sorgen. Zuerst brachte man Schnee mit Lastwagen heran. Wo das nicht reichte, half Kunstschnee. Kunstschnee ist ein Material, das im Film wie Schnee aussieht, aber kein gefrorenes Wasser ist. Am Schloss Moritzburg kam ein chemischer Kunstschnee nicht in Frage. Der Denkmalschutz erlaubte ihn nicht. Der Denkmalschutz ist eine Behörde, die darauf achtet, dass alte Gebäude nicht beschädigt werden. Man fürchtete, dass die Chemikalien den Stein des Schlosses angreifen.
Deshalb nahm das Team ganz andere Dinge. Auf der Treppe und vor dem Schloss lag eine Mischung aus Fischmehl, Sägemehl und Styropor. Fischmehl ist ein helles Pulver aus getrockneten und gemahlenen Fischen. Es wird zum Beispiel als Tierfutter verwendet. Auf dem zugefrorenen Wassergraben wurde das Eis aufgeraut, damit es weiß aussah. Das Fischmehl hatte einen großen Nachteil. Es roch sehr stark nach Fisch. Die Schauspieler mussten also in eisiger Kälte auf einer Treppe stehen, die nach Fisch stank, und dabei so tun, als würden sie einen festlichen Abend erleben.
Wie kalt war es bei den Dreharbeiten?
Bei den Dreharbeiten war es sehr kalt, an manchen Tagen sank die Temperatur auf weniger als minus 15 Grad. Laut einem Bericht des Bayerischen Rundfunks waren es an einzelnen Tagen sogar minus 21 Grad.
Die Kälte war ein großes Problem, weil die Kostüme eigentlich für einen Film im Sommer gedacht waren. Die Kleider bestanden aus dünnen Stoffen. Wenn die Kamera lief, mussten die Schauspieler ihre warmen Mäntel ablegen.
Besonders hart traf es die Darstellerinnen der Stiefmutter und von Dora. Im Film kippt ihr Schlitten um, und beide landen in einem Teich. Diese Szene wurde wirklich im kalten Wasser gedreht. Dana Hlaváčová, die Dora spielte, war während der Dreharbeiten schwanger.
Ist Libuše Šafránková selbst geritten?
Ja, Libuše Šafránková ist fast alle Reitszenen selbst geritten. Nur für einen schnellen Galopp über die Brücke am Schloss Moritzburg nahm man ein Double, also eine andere Reiterin, die ihr ähnlich sah und für sie einsprang.
Das Reiten wurde durch eine Tierkrankheit kompliziert. Im Winter 1972 auf 1973 gab es die Maul- und Klauenseuche. Das ist eine ansteckende Krankheit von Rindern, Schweinen und anderen Tieren mit Hufen. Damit sich die Krankheit nicht ausbreitete, durften Tiere nicht über die Grenze gebracht werden. Deshalb konnte das tschechische Pferd nicht mit nach Deutschland. In Moritzburg spielte ein anderer Schimmel aus dem Hengstdepot die Rolle von Nikolaus. Wer genau hinschaut, kann im Film also verschiedene Pferde entdecken.
Wer spielt in Aschenbrödel mit?
Die wichtigsten Rollen spielen Libuše Šafránková als Aschenbrödel und Pavel Trávníček als Prinz. Beide waren damals noch ganz am Anfang ihrer Laufbahn.
| Schauspieler | Rolle | Woher |
|---|---|---|
| Libuše Šafránková | Aschenbrödel | Tschechoslowakei |
| Pavel Trávníček | Prinz | Tschechoslowakei |
| Rolf Hoppe | König | DDR |
| Karin Lesch | Königin | Schweiz, spielte in der DDR |
| Carola Braunbock | Stiefmutter | DDR |
| Daniela Hlaváčová | Dora | Tschechoslowakei |
| Vladimír Menšík | Knecht Vinzek | Tschechoslowakei |
| Jan Libíček | Lehrer des Prinzen | Tschechoslowakei |
Beim Dreh war Libuše Šafránková 19 Jahre alt, Pavel Trávníček 22 Jahre und Rolf Hoppe 42 Jahre. Rolf Hoppe durfte sich seine Filmfrau selbst aussuchen und wählte Karin Lesch. Die deutschen Schauspieler waren damals schon bekannt. Die tschechischen Darsteller waren in Deutschland noch unbekannt und wurden erst durch diesen Film berühmt.
Wie wurde Aschenbrödel gefunden?
Für die Rolle des Aschenbrödels stellten sich mehr als 2.000 junge Frauen vor. Zuerst sollte die Schauspielerin Jana Preissová die Rolle spielen. Sie bekam aber ein Kind und konnte nicht mitmachen. Am Ende wählte Vorlíček Libuše Šafránková. Sie wurde 1953 in Brünn geboren, wuchs im nahen Städtchen Šlapanice auf und begann dort in einer Laienspielgruppe mit dem Theaterspielen. Für Pavel Trávníček war der Prinz erst seine zweite Filmrolle.

Was wurde aus den Schauspielern?
Libuše Šafránková wurde eine der bekanntesten Schauspielerinnen Tschechiens. Sie starb im Juni 2021 im Alter von 68 Jahren. Pavel Trávníček lebt noch und ist 2026 76 Jahre alt.
Šafránková spielte nach Aschenbrödel viele Jahre am Nationaltheater in Prag und in vielen Filmen. In Deutschland kennt man sie auch aus dem Märchenfilm „Der Prinz und der Abendstern“ und aus dem Film „Kolya“, der 1997 einen Oscar gewann. Ein Oscar ist der wichtigste Filmpreis der Welt. 1982 spielten Šafránková und Trávníček noch einmal zusammen ein Liebespaar, in dem Märchenfilm „Der dritte Prinz“. Im Jahr 2008 wählten die Zuschauer des tschechischen Fernsehens sie zum größten Filmstar des Landes. Šafránková war seit 2014 an Lungenkrebs erkrankt und starb am 9. Juni 2021.
Pavel Trávníček wurde am 26. Oktober 1950 in Konice in Mähren geboren. Er spielte später viele Rollen am Theater und im Fernsehen. Im Frühjahr 2026 stand er für ein Projekt zum Film noch einmal in Moritzburg vor der Kamera.
Rolf Hoppe, der König, war einer der bekanntesten Schauspieler der DDR. Er starb im November 2018 mit 87 Jahren. Carola Braunbock, die strenge Stiefmutter, starb schon 1978 mit 54 Jahren. Vladimír Menšík, der Knecht Vinzek, war in Tschechien ein sehr bekannter Schauspieler. Er starb 1988. Auch der Regisseur Václav Vorlíček lebt nicht mehr, er starb 2019 mit 88 Jahren.

Wer hat die Musik zu Aschenbrödel komponiert?
Die Musik zu Aschenbrödel hat der tschechische Komponist Karel Svoboda geschrieben. Er lebte von 1938 bis 2007 und komponierte später auch die Musik zu „Biene Maja“, „Wickie und die starken Männer“ und „Pinocchio“.
Ein Komponist ist jemand, der Musik erfindet und aufschreibt. Vorlíček wünschte sich für den Film ausdrücklich keine Musik nur für Kinder. Er wollte eine schöne, romantische Musik, die auch Erwachsenen gefällt. Svoboda schrieb eine Melodie, die zwischen fröhlich und traurig wechselt. In der Musik nennt man das den Wechsel zwischen Dur und Moll. Dur klingt meist hell und fröhlich, Moll eher traurig oder nachdenklich. Zu hören sind vor allem Streichinstrumente und ein Cembalo. Das ist ein altes Tasteninstrument, bei dem die Saiten gezupft werden und das deshalb heller klingt als ein Klavier. Zur Jagd erklingen Hörner, und für den Ball schrieb Svoboda Tänze, die an Musik aus alter Zeit erinnern. Gespielt wurde die Musik vom Film-Sinfonieorchester Prag unter dem Dirigenten Štěpán Koníček.
Warum singt in der deutschen Fassung niemand?
In der tschechischen Fassung singt Karel Gott ein Lied, in der deutschen Fassung hört man an dieser Stelle nur Musik ohne Gesang. Ein Redakteur des Westdeutschen Rundfunks fand das Lied zu süßlich.
Das tschechische Lied heißt „Kdepak ty ptáčku hnízdo máš“, auf Deutsch ungefähr „Wo hast du, Vöglein, dein Nest“. Den Text schrieb Jiří Štaidl, gesungen hat es der tschechische Sänger Karel Gott. Für das westdeutsche Fernsehen sollte ein Redakteur des WDR, des Westdeutschen Rundfunks, den Film bearbeiten. Er ließ den Gesang herausnehmen. So blieb in der deutschen Fassung nur die Melodie. Gerade diese Melodie ohne Worte ist heute eine der bekanntesten Filmmelodien in Deutschland. 2009 bekam sie einen deutschen Text, die Sängerin Ella Endlich sang daraus den Titel „Küss mich, halt mich, lieb mich“.
Wann kam der Film ins Kino und ins Fernsehen?
Zum ersten Mal gezeigt wurde der Film am 26. Oktober 1973 in Prag. In Deutschland kam er 1974 ins Kino, zuerst in der DDR und im Dezember auch im Westen.
Deutschland war damals in zwei Staaten geteilt, die DDR im Osten und die Bundesrepublik Deutschland, abgekürzt BRD, im Westen. Deshalb gab es auch zwei verschiedene Kinostarts.
| Datum | Was geschah |
|---|---|
| 26. Oktober 1973 | festliche Erstaufführung in Prag |
| 16. November 1973 | Kinostart in der Tschechoslowakei |
| März 1974 | Kinostart in der DDR |
| 19. Dezember 1974 | Kinostart in der Bundesrepublik Deutschland |
| 1975 | erste Ausstrahlung im norwegischen Fernsehen |
| 26. Dezember 1975 | erste Ausstrahlung im westdeutschen Fernsehen in der ARD |
Allein in der Tschechoslowakei sahen über 2,5 Millionen Menschen den Film im Kino. Inzwischen wurde er in mindestens 28 Ländern gezeigt.
Wie oft läuft Aschenbrödel im Fernsehen?
Aschenbrödel läuft im deutschen Fernsehen jeden Winter mehr als zehnmal, oft sogar mehrmals am selben Tag. Im Winter 2024 waren es 15 Ausstrahlungen auf verschiedenen Sendern.
Den Film zeigen vor allem die öffentlich-rechtlichen Sender wie ARD, die dritten Programme und KiKA. Öffentlich-rechtliche Sender sind Fernsehsender, die von den Rundfunkbeiträgen aller Haushalte bezahlt werden. Am Heiligabend läuft der Film in manchen Jahren gleich auf mehreren Sendern hintereinander. In manchen Jahren wurde er bis zu 18-mal gesendet. Die genauen Sendetermine ändern sich jedes Jahr. Du findest sie in der Fernsehzeitung oder auf den Internetseiten der Sender. Außerdem kann man den Film in der Mediathek der ARD ansehen. Eine Mediathek ist eine Internetseite, auf der man Sendungen anschauen kann, auch wenn sie gerade nicht im Fernsehen laufen.
Ist Aschenbrödel ein Weihnachtsfilm?
Aschenbrödel ist eigentlich kein Weihnachtsfilm, denn in der Geschichte kommt Weihnachten gar nicht vor. Es gibt keinen Weihnachtsbaum, keine Geschenke und kein Fest zu Christi Geburt.
Zum Weihnachtsfilm wurde er durch zwei Dinge. Der erste Grund ist der Schnee. Weil fast der ganze Film in einer Winterlandschaft spielt, passt er gut in die Zeit um Weihnachten. Der zweite Grund ist das Fernsehen. In Norwegen läuft der Film seit 1975 jedes Jahr an Weihnachten, in Deutschland und Tschechien seit vielen Jahren ebenfalls. Wer ihn jedes Jahr am selben Tag sieht, verbindet ihn mit diesem Tag. Für viele Familien gehört der Film deshalb so selbstverständlich zu Weihnachten wie Plätzchen oder der Adventskranz. Eine solche Gewohnheit, die jedes Jahr gleich abläuft, nennt man ein Ritual.
Ist Aschenbrödel ein Kinderfilm?
Aschenbrödel wurde als Kinderfilm geplant, ist aber so gemacht, dass Erwachsene genauso viel Freude daran haben. Deshalb nennt man ihn heute meist einen Familienfilm, also einen Film, den Kinder und Erwachsene gemeinsam ansehen können.
Für einen Kinderfilm spricht, wie er entstanden ist. Bei der DEFA betreute ihn ein Dramaturg, der für Kinderfilme zuständig war. Ein Dramaturg liest Drehbücher und hilft, die Geschichte gut zu erzählen. Vorlíček sagte 1973, er habe den Film ausschließlich für Kinder gemacht, aber die Erwachsenen sollten sich dabei nicht langweilen. Der Film hat keine Altersbeschränkung, er ist also ab 0 Jahren freigegeben.
Andere Dinge im Film sind aber ausdrücklich auch für Erwachsene gedacht. Auch die Musik sollte ausdrücklich Erwachsenen gefallen. Im Mittelpunkt steht eine Liebesgeschichte, und die Rätsel, die Aschenbrödel dem Prinzen aufgibt, sind schwer. Viele Witze, zum Beispiel über den eitlen Lehrer des Prinzen oder über die Stiefmutter, verstehen Erwachsene besser. Schon die Filmverleiher schrieben 1973, der Film werde nicht nur bei Kindern Erfolg haben. Eine Berliner Zeitung fragte später sogar, ob er nicht mehr ein Film für Erwachsene als für Kinder sei.
Kinder mögen ihn trotzdem sehr. Das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen, kurz IZI, befragte im Herbst 2015 in Deutschland 1.210 Kinder zwischen 3 und 13 Jahren nach ihren Lieblingsmärchen. Bei den Märchenfilmen lag „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ deutlich vorn. In einer zweiten Untersuchung mit 130 Kindern zeigte sich, was Kindern besonders gefällt. Es sind die Szenen mit Tieren. Mädchen mochten vor allem Aschenbrödel und ihr Pferd, viele Jungen die Eule Rosalie. Langweilig fanden manche Kinder nur die langen Gespräche der Erwachsenen.
Warum hat Aschenbrödel Kultstatus?
Aschenbrödel hat Kultstatus, weil Millionen Menschen ihn seit Jahrzehnten immer wieder anschauen und ihn zu einem festen Teil ihres Lebens gemacht haben. Kultstatus bedeutet, dass ein Film von vielen Fans verehrt wird, die jedes Detail kennen und Sätze daraus mitsprechen können.
Dafür gibt es mehrere Gründe.
- Die Heldin ist mutig und selbstbewusst. Sie reitet, schießt und klettert, wartet nicht auf Hilfe und hat Humor. Das war 1973 für eine Märchenprinzessin sehr neu und wirkt bis heute modern.
- Der Prinz ist kein perfekter Held. Er macht Fehler, ist frech und muss lernen, Aschenbrödel ernst zu nehmen.
- Die Winterbilder mit dem Schnee, dem weißen Pferd und dem Schloss im Eis passen genau in die Weihnachtszeit.
- Die Musik von Karel Svoboda bleibt im Ohr. Viele erkennen den Film schon an den ersten Tönen.
- Der Film ist witzig, ohne albern zu sein, und spannend, ohne Angst zu machen.
- Er läuft jedes Jahr zur gleichen Zeit. So schauen ihn Großeltern, Eltern und Kinder zusammen und erinnern sich dabei an frühere Jahre.
- Er verbindet zwei Länder. Für viele Deutsche und Tschechen ist er ein gemeinsamer Film, der in Ost und West gleich beliebt war.
Ein richtiger Kultfilm wurde Aschenbrödel in Deutschland erst in den 1990er-Jahren, als ihn immer mehr Sender rund um Weihnachten zeigten. Bei einer Umfrage des Instituts YouGov im Jahr 2022 nannten 12 Prozent der Befragten Aschenbrödel ihren liebsten Weihnachtsfilm. Damit lag er auf dem ersten Platz, noch vor bekannten Filmen aus Amerika. In Tschechien kauften Fans in der ersten Woche nach Erscheinen der DVD 21.000 Stück. Manche Bräute lassen sich dort sogar ein Hochzeitskleid nach dem Vorbild von Aschenbrödels Ballkleid nähen. Am Schloss Moritzburg haben schon Männer ihrer Freundin auf der Aschenbrödel-Treppe einen Heiratsantrag gemacht.
Gibt es eine Neuverfilmung von Aschenbrödel?
Ja, im Jahr 2021 kam eine Neuverfilmung aus Norwegen heraus. Sie heißt „Tre nøtter til Askepott“, auf Deutsch „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“.
Eine Neuverfilmung ist ein neuer Film, der die gleiche Geschichte noch einmal erzählt. Im norwegischen Film spielt die Sängerin Astrid Smeplass das Aschenbrödel, den Prinzen spielt Cengiz Al. Eigentlich wollte das Team auch in Tschechien drehen. Wegen der Corona-Krankheit durfte es aber nicht reisen und filmte deshalb in den norwegischen Bergen im Gebirge Jotunheimen und in Lillehammer. Die Neuverfilmung ist ab 6 Jahren freigegeben.
Václav Vorlíček wurde gefragt, ob er bei einer Neuverfilmung Regie führen möchte, lehnte aber ab. Im deutschen Fernsehen läuft zu Weihnachten bis heute der Film von 1973.
Zum Weiterdenken
Aschenbrödel wurde im Winter gedreht, weil im Sommer die Filmstudios belegt waren. Hätte der Film im Sommer gespielt, wäre er dann heute auch ein Weihnachtsfilm? Und warum mögen Menschen es, jedes Jahr denselben Film zu sehen, obwohl sie das Ende schon kennen? Überlege, welche Rituale es in deiner Familie in der Weihnachtszeit gibt.
Quellen: DEFA-Stiftung: Film des Monats, DEFA-Stiftung: Filmdatenbank, Národní filmový archiv: Tři oříšky pro Popelku, Bundesarchiv: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, MDR: Zehn Fakten zum Film, Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement: Schloss Moritzburg, Baumaßnahmen 2003–2021, BR-Klassik: Die Musik zum Film, BR Kalenderblatt, Radio Prag: Aschenbrödel ist 50, kinofenster.de, IZI: Märchen bei Kindern, WDR, Deutsches Wörterbuch der Brüder Grimm und Radio Prag: Norwegische Neuverfilmung.

