Die kurze Antwort
Für ein Kratzbild malst du festen Karton dick mit bunten Wachsmalstiften aus und malst mit einem dunklen Wachsmalstift eine deckende Schicht darüber. Dann ritzt du ein Bild hinein. Überall dort, wo du kratzt, kommt die bunte Schicht wieder zum Vorschein. Bei unserem Herbstblatt-Kratzbild liegt unten Gelb und Orange und oben Dunkelgrün, genau wie bei einem echten Blatt.
Ein Kratzbild ist ein Bild, das man in eine dunkle Deckschicht hineinkratzt. Unter der Deckschicht liegt eine bunte Schicht aus Wachsmalstift. Überall dort, wo man kratzt, kommt sie zum Vorschein. Mit dieser Anleitung entsteht ein Herbstblatt. Es zeigt dir nebenbei, wie ein echtes Blatt im Herbst seine Farben bekommt.

Vor dem Start
Holzspieß und Büroklammer sind spitz. Jüngere Kinder basteln deshalb am besten zusammen mit einem Erwachsenen. Kratze immer vom Körper weg und nie in Richtung deiner Hand.
Was brauchst du für ein Kratzbild?

Wie macht man ein Kratzbild?
1. Den Platz vorbereiten
Breite Zeitungspapier auf dem Tisch aus und zieh einen Malkittel oder ein altes T-Shirt an. Beim Kratzen entstehen viele kleine Wachskrümel. Sie können Flecken auf Kleidung und Tisch machen.
2. Gelb und Orange aufmalen
Male den ganzen Karton mit Gelb und Orange aus, am besten in großen Feldern nebeneinander. Halte den Stift schräg und drück richtig fest auf. So kommt eine dicke Wachsschicht aufs Papier, und es geht schneller. Lass keine weiße Stelle frei, denn Stellen ohne Wachs lassen sich später nicht freikratzen.

3. Mit Dunkelgrün übermalen
Male mit dem dunkelgrünen Wachsmalstift über die ganze gelbe und orange Schicht. Drück fest auf und setze die Striche dicht nebeneinander. Male lieber zwei oder drei Schichten übereinander, bis kein Gelb und kein Orange mehr durchschimmert. Der Karton ist jetzt ganz dunkelgrün, so wie ein Blatt im Sommer.

4. Den Blattumriss einritzen
Leg dein echtes Blatt auf den grünen Karton. Fahre mit der Spitze des Holzspießes ganz vorsichtig um den Rand des Blattes herum. Drück dabei nur leicht. Nimm das Blatt weg. Jetzt siehst du eine feine gelb-orange Linie in der Form des Blattes. Du kannst den Umriss natürlich auch frei Hand kratzen.

5. Adern kratzen und Flächen freilegen
Kratze zuerst die dicke Mittelader und dann die feinen Seitenadern ein. Danach legst du innerhalb des Blattes einzelne Flächen frei. Dafür hältst du den Spieß oder die aufgebogene Büroklammer flach und schabst die grüne Wachsschicht ab. Je mehr du wegkratzt, desto mehr Gelb und Orange siehst du. Klopfe die Krümel zwischendurch auf die Zeitung ab, statt sie mit der Hand wegzuwischen. Sonst verschmierst du sie.

6. Das Rot dazumalen
Zum Schluss nimmst du den roten Wachsmalstift und malst damit ein paar der freigekratzten Stellen an, zum Beispiel die Spitzen der Blattzacken. Fertig ist dein Herbstblatt.
7. Aufräumen
Falte die Zeitung mit allen Krümeln vorsichtig zusammen und wirf sie weg.
Warum funktioniert ein Kratzbild?
Ein Kratzbild funktioniert, weil zwei Farbschichten übereinanderliegen. Die obere, dunkle Schicht verdeckt die bunte Schicht darunter. Kratzt du die obere Schicht an einer Stelle weg, wird dort die bunte Schicht sichtbar. Damit das klappt, muss die bunte Schicht dick und ohne Lücken aufgemalt sein. Wo keine bunte Farbe liegt, kommt beim Kratzen nur das weiße Papier zum Vorschein. Wachsmalstifte eignen sich für beide Schichten, weil sie eine kräftige Farbe abgeben.
Was hat das Kratzbild mit dem Herbst zu tun?
Dein Bild funktioniert ähnlich wie ein echtes Blatt. In jedem Blatt stecken gelbe und orange Farbstoffe, die Carotinoide. Sie sind schon im Sommer da, so wie deine gelbe und orange Wachsschicht. Darüber liegt so viel grüner Farbstoff, das Chlorophyll, dass du von Gelb und Orange nichts siehst. Das ist deine dunkelgrüne Deckschicht. Im Herbst baut der Baum das Chlorophyll ab, und die versteckten Farben kommen zum Vorschein. Beim Kratzbild entspricht das dem Freikratzen.
Und warum malst du das Rot erst zum Schluss dazu? Weil auch manche Bäume die roten Farbstoffe, die Anthocyane, erst im Herbst neu herstellen. Wie das alles genau abläuft, erklärt unser Beitrag Warum werden die Blätter im Herbst bunt?
Was tun, wenn das Kratzbild nicht klappt?
- Gelb und Orange schimmern noch durch: Male mit dem dunkelgrünen Wachsmalstift noch eine Schicht darüber und drück dabei fester auf.
- Beim Kratzen kommt an einzelnen Stellen weißes Papier zum Vorschein: Dort war zu wenig Gelb oder Orange. Male beim nächsten Mal dicker und ohne Lücken.
- Beim Kratzen reißt das Papier: Nimm festeren Karton.
- Die grüne Schicht lässt sich kaum abkratzen: Halte den Spieß oder die Büroklammer flacher und schabe, statt mit der Spitze zu stechen.
Welche Farben eignen sich für die Deckschicht?
Für die Deckschicht eignen sich dunkle Wachsmalstifte, zum Beispiel in Dunkelgrün, Dunkelblau oder Schwarz. Die Deckschicht muss dunkel sein, damit sich die bunten Farben darunter beim Kratzen deutlich von ihr abheben. Für das Herbstblatt nimmst du Dunkelgrün, weil auch ein echtes Blatt im Sommer grün ist. So schlägt es auch der Waldverband Österreich in seiner Materialsammlung für Kinder vor.
Statt mit Wachsmalstift kannst du die Deckschicht auch mit Plakafarbe malen. Das ist eine Malfarbe, die besonders gut deckt. Streiche dunkle Plakafarbe mit einem breiten, weichen Pinsel über die ganze bunte Wachsschicht, bis kein Pünktchen Gelb oder Orange mehr zu sehen ist. Danach muss die Plakafarbe sehr gut trocknen, bevor du kratzt.
Woher kommt die Kratztechnik?
Die Kratztechnik kommt von einer alten Kunst, mit der man Hauswände verziert. Sie heißt Sgraffito. Das Wort kommt vom italienischen „sgraffiare“, und das bedeutet kratzen oder ritzen. Sgraffito entstand in Italien, in den Städten Florenz und Rom, in der Zeit der Renaissance. So nennt man die Zeit vom 14. bis zum 16. Jahrhundert, in der Künstler die Kunst der alten Griechen und Römer wieder aufleben ließen. Das französische Wort bedeutet Wiedergeburt.
Für ein Sgraffito trugen die Handwerker zuerst einen dunkel gefärbten Putz auf die Wand auf. Darüber strichen sie eine helle Schicht aus Kalk. Solange alles noch feucht war, kratzten sie mit Messern, Nägeln und Drahtschlingen Muster und Bilder hinein. Dort kam der dunkle Putz wieder zum Vorschein. Im 16. Jahrhundert brachten vermutlich italienische Baumeister die Technik in die Schweiz, in den heutigen Kanton Graubünden. Dort kann man viele so verzierte Häuser bis heute anschauen.
Zum Weiterdenken
Male die untere Schicht einmal nur gelb und lass das Rot ganz weg. Dann passt dein Kratzbild zu Bäumen wie der Birke, deren Blätter im Herbst gelb werden. Für ein Blatt der Roteiche nimmst du dagegen viel Rot, denn ihre Blätter färben sich im Herbst leuchtend rot.
Jetzt selbst ausprobieren
Mach ein Baum-Rätsel. Sammle Blätter von drei verschiedenen Bäumen, zum Beispiel von Ahorn, Eiche und Buche. Bastle für jedes Blatt ein kleines Kratzbild und ritze nur den Umriss hinein, ohne Adern. Zeig die drei Bilder deiner Familie oder deinen Freunden: Wer erkennt allein an der Form, von welchem Baum welches Blatt stammt? Leg die echten Blätter zur Auflösung daneben. Wie du Blätter für später aufbewahrst, zeigt unsere Anleitung Herbstblätter pressen.
Quellen: The Art School: Maltechnik Kratzbild, famillesuisse: Leuchtende Kratzbilder, Labbé: Kratzbilder selber machen, Waldverband Österreich: Materialsammlung Das Blatt, Pflanzenforschung.de: Geheimnisse der herbstlichen Blattfärbung, DWDS: Sgraffito und Lebendige Traditionen (Schweiz): Sgraffito.

