Die kurze Antwort
Um Herbstblätter zu pressen, legst du trockene Blätter zwischen Zeitungspapier in ein dickes Buch und beschwerst es mit weiteren Büchern. Das Papier saugt das Wasser aus den Blättern, und das Gewicht hält sie flach. Nach etwa 2 bis 6 Wochen sind die Blätter trocken und behalten lange ihre Form und einen Teil ihrer Farbe.
Pressen bedeutet, dass man Blätter oder Blüten flach drückt und dabei trocknet. Getrocknete Pflanzen halten viele Jahre. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler pressen Pflanzen schon seit mehr als 450 Jahren, um sie zu sammeln und zu erforschen. Warum die Blätter im Herbst überhaupt bunt werden, erklärt unser Beitrag Warum werden die Blätter im Herbst bunt?
Vor dem Start
Sammle die Blätter gemeinsam mit einem Erwachsenen. Bunte Blätter, die auf dem Boden liegen, darfst du für dich mitnehmen. In Naturschutzgebieten darfst du gar nichts sammeln. Auch geschützte Pflanzen wie die Stechpalme sind tabu.
Was brauchst du zum Blätterpressen?
- Bunte Herbstblätter, möglichst frisch gefallen und trocken
- Alte Zeitungen oder Küchenpapier
- 1 dickes, altes Buch, das ein bisschen wellig werden darf
- Mehrere schwere Bücher zum Beschweren
- 1 Bleistift und kleine Zettel für die Beschriftung
- Für später: fester Karton und gummierte Papierstreifen zum Aufkleben
Welche Blätter eignen sich zum Pressen?
Zum Pressen eignen sich flache, dünne Blätter, die noch nicht braun oder brüchig sind. Gut klappt es zum Beispiel mit den Blättern von Ahorn, Buche, Birke, Linde und Eiche. Sehr dicke oder fleischige Blätter trocknen langsam und schimmeln leichter.
Sammle die Blätter am besten an einem trockenen Tag. Dann trocknen sie schneller und behalten ihre Farben besser. Nasse Blätter musst du erst ein paar Stunden auf einem Tuch liegen lassen, bis die Oberfläche trocken ist. Sonst können sie in der Presse schimmeln. Schimmel ist ein Pilz, der auf feuchten Pflanzenteilen wächst und sie zerstört.
Wie presst man Herbstblätter?
1. Die Blätter vorbereiten
Breite die gesammelten Blätter auf dem Tisch aus. Tupfe feuchte Blätter vorsichtig mit Küchenpapier ab. Sortiere Blätter mit Löchern oder braunen Stellen aus, wenn du besonders schöne Stücke haben möchtest.

2. Das Buch auslegen
Schlag das dicke Buch in der Mitte auf. Lege auf jede Seite zwei Lagen Zeitungspapier. Das Papier saugt das Wasser auf und schützt die Buchseiten.

3. Die Blätter einlegen
Lege die Blätter nebeneinander auf das Papier. Sie dürfen sich nicht überlappen, sonst kleben sie zusammen. Leg einen Zettel daneben. Schreib darauf, wie der Baum heißt, wo du das Blatt gefunden hast und an welchem Tag. So machen es auch die Fachleute im Museum.

4. Zudecken und beschweren
Leg zwei weitere Lagen Zeitungspapier auf die Blätter und klapp das Buch vorsichtig zu. Möchtest du mehr Blätter pressen, kannst du einige Seiten weiter eine neue Lage anlegen. Stell das Buch an einen warmen, trockenen Platz und leg mehrere schwere Bücher darauf.

5. Das Papier wechseln
Schau in den ersten Tagen jeden Tag nach. Ist das Zeitungspapier feucht, tausche es gegen trockenes aus. Je schneller die Blätter trocknen, desto besser bleiben ihre Farben erhalten.

6. Abwarten
Nach etwa 2 bis 6 Wochen sind die Blätter fertig. Du erkennst das daran, dass sie sich trocken und etwas steif anfühlen und nicht mehr kühl sind. Nimm sie vorsichtig heraus, denn getrocknete Blätter brechen leicht.

Warum werden gepresste Blätter haltbar?
Gepresste Blätter werden haltbar, weil ihnen das Wasser entzogen wird. Das Zeitungspapier saugt das Wasser aus dem Blatt auf. In einem trockenen Blatt kann sich kein Schimmel mehr bilden, denn Schimmel braucht Feuchtigkeit. Das Gewicht der Bücher sorgt dafür, dass sich das Blatt beim Trocknen nicht wellt oder zusammenrollt.
Wie bewahrt man gepresste Blätter auf?
Gepresste Blätter bewahrt man trocken, kühl, dunkel und geschützt vor Insekten auf, zum Beispiel in einer gut schließenden Mappe oder einem Karton. So können getrocknete Pflanzen sogar nach Jahrhunderten noch wie frisch gepresst aussehen. Gefährlich für eine Sammlung sind vor allem winzige Brotkäfer und ihre Larven. Sie fressen getrocknete Pflanzenteile an. Schau deshalb ab und zu nach, ob du kleine Löcher oder Krümel entdeckst.
Zum Aufkleben nimmst du am besten schmale gummierte Papierstreifen. Durchsichtiges Klebeband wie Tesafilm ist ungeeignet, weil es vergilbt, das Blatt angreift und sich schnell wieder ablöst.
Was kann man mit gepressten Blättern machen?
Mit gepressten Blättern kannst du zum Beispiel:
- ein eigenes Herbarium anlegen, also eine Sammlung gepresster Pflanzen mit Namen, Fundort und Datum
- Karten, Lesezeichen oder Fensterbilder gestalten
- Blätter verschiedener Bäume vergleichen und mit einem Bestimmungsbuch benennen
- ein Herbstbild kleben
Was ist ein Herbarium?
Ein Herbarium ist eine Sammlung von gepressten und getrockneten Pflanzen. Jede Pflanze klebt auf einem eigenen Bogen aus festem Papier. Auf einem Etikett stehen der Name der Pflanze, der Fundort und das Datum. Forscherinnen und Forscher können so auch nach vielen Jahren noch nachsehen, welche Pflanzen wann und wo gewachsen sind.
Das Naturkundemuseum Stuttgart besitzt mehr als 800.000 solcher Pflanzenbelege. Das größte Herbarium in Deutschland gehört zum Botanischen Garten Berlin. Es wurde 1819 gegründet und enthält rund 3,8 Millionen Belege.
Jetzt selbst ausprobieren
Lege mit deinen gepressten Blättern ein kleines Herbarium an. Klebe jedes Blatt auf ein eigenes Papier und schreib Baumart, Fundort und Datum darunter. Mit unserem Blattnarben-Detektiv kannst du die Bäume, von denen deine Blätter stammen, auch im Winter wiederfinden. Aus einem großen Ahornblatt kannst du außerdem ein Kratzbild gestalten.
Quellen: Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart: Wie lege ich ein Herbar an?, Utopia: Blätter pressen und trocknen, Botanischer Garten Berlin: Herbarium Berolinense und WDR: Was und wieviel ihr in der Natur sammeln dürft.

