Die kurze Antwort
Der Plumpudding kommt aus England. Seine Vorfahren waren im Mittelalter ein dicker Brei aus Fleisch, Trockenfrüchten und Gewürzen und ein Feigenpudding aus der Küche des Königs. Im 17. Jahrhundert begann man, den Teig in einem Tuch zu kochen. So wurde aus dem Brei ein fester, runder Pudding. Im 18. Jahrhundert wurde er süß, weil Zucker und Trockenfrüchte billig wurden, und das Fleisch fiel weg. Im 19. Jahrhundert machten ihn ein Buch von Charles Dickens und die Kochbücher der Zeit zum wichtigsten Weihnachtsessen in Großbritannien. Seitdem heißt er dort meistens Christmas Pudding.

Der Plumpudding ist für viele Familien in Großbritannien und Irland der Höhepunkt des Weihnachtsessens. Seine Geschichte beginnt vor mehr als 600 Jahren. Damals war er weder süß noch ein Nachtisch und hatte auch nichts mit Weihnachten zu tun. Hier erfährst du, wie aus einem Fleischbrei der berühmte englische Weihnachtspudding wurde und warum jede Veränderung einen Grund hatte.
Was ist ein Plumpudding?
Ein Plumpudding ist eine schwere, kuchenartige Süßspeise aus England, die man viele Stunden im Wasserbad kocht. Ein Wasserbad ist ein Topf mit kochendem Wasser, in den man eine geschlossene Form stellt. Das heiße Wasser gart den Teig in der Form langsam. Gegart bedeutet, dass etwas durch Hitze essbar wird.
In einem Plumpudding stecken vor allem Rosinen und andere Trockenfrüchte. Dazu kommen Brotkrumen, Mehl, Eier, brauner Zucker, Gewürze wie Zimt und Muskatnuss und Fett. Das klassische Fett ist Rindernierenfett. Das ist das feste, weiße Fett, das bei einem Rind um die Nieren herum liegt. Heute nehmen viele Familien stattdessen Butter oder Pflanzenfett. In England kommt meistens auch Brandy, Rum oder dunkles Bier in den Teig.
Weil der Pudding in einer runden Schüssel kocht, hat er die Form einer Halbkugel. Er ist fast schwarz, fest und feucht und schmeckt süß, fruchtig und würzig. Man isst ihn warm am Ende des Weihnachtsessens, meistens mit Vanillesoße. In Großbritannien sagen die meisten Menschen heute Christmas Pudding, also Weihnachtspudding. Plum Pudding ist der ältere Name. Man spricht ihn [plampudding] aus, also mit einem a am Anfang.
Warum heißt er Plumpudding, obwohl keine Pflaumen drin sind?
Er heißt Plumpudding, weil das englische Wort plum früher für Rosinen und alle anderen Trockenfrüchte stand. Heute bedeutet plum Pflaume. Im 16. Jahrhundert kamen getrocknete Pflaumen nach England, und man nannte sie plums. Schon bald benutzten die Engländer das Wort aber für jede getrocknete Frucht, auch für Rosinen und Korinthen. So blieb es bis ins 18. Jahrhundert. Ein Plumpudding ist also eigentlich ein Rosinenpudding.
Rosinen sind getrocknete Weintrauben. Korinthen sind kleine, dunkle getrocknete Weintrauben ohne Kerne. Sultaninen sind helle getrocknete Weintrauben.
Auch der zweite Teil des Namens verrät etwas über die Herkunft. Das englische Wort pudding kommt wahrscheinlich vom französischen Wort boudin, und das bedeutet Wurst. Ein englischer Pudding war ursprünglich also etwas, das man wie eine Wurst in eine Hülle füllte und kochte. Mit der weichen Creme aus Milch, die man in Deutschland Pudding nennt, hat er deshalb nichts zu tun. Diese Creme wurde bei uns erst durch das Puddingpulver bekannt, das die Firma Dr. Oetker im Jahr 1894 auf den Markt brachte.
Der Name erzählt also schon die Geschichte des Plumpuddings. Er begann als eine Art Wurst und bekam später Trockenfrüchte.
Wo und wann ist der Plumpudding entstanden?
Der Plumpudding ist in England entstanden, und seine Vorfahren stammen aus dem Mittelalter. Fachleute nennen zwei Gerichte, aus denen er später zusammengesetzt wurde.
Der erste Vorfahr hieß plum pottage. Pottage war ein dicker Brei oder Eintopf. Für den plum pottage kochte man klein geschnittenes Rindfleisch oder Hammelfleisch mit Zwiebeln, Trockenfrüchten, Wein und Gewürzen. Mit Brotkrumen wurde er dick. Rezepte für diesen Brei gibt es seit dem frühen 15. Jahrhundert. Er war noch flüssig, weil man große Puddings damals noch nicht in einem Tuch kochte.
Der zweite Vorfahr war der Feigenpudding, auf Englisch figgy pudding. Er ist seit dem 14. Jahrhundert in Schriften belegt. In einem der ältesten englischen Kochbücher, der Forme of Cury, steht ein Rezept mit dem Namen Fygey. Der oberste Koch von König Richard II. schrieb es im Jahr 1390 auf. Für Fygey kochte man gemahlene Mandeln mit Wasser und Wein, dann kamen Feigen, Rosinen, Ingwer und Honig dazu. Den Namen Feigenpudding kennt man heute noch aus dem englischen Weihnachtslied „We Wish You a Merry Christmas“. Darin singen die Sänger „Now bring us some figgy pudding“, also: Jetzt bringt uns etwas Feigenpudding.
Im 18. Jahrhundert verbanden die Köche die beiden Gerichte miteinander. Aus dem Fleischbrei und dem Feigenpudding wurde der Plumpudding.
Warum steckten Fleisch und Trockenfrüchte im ersten Plumpudding?
Fleisch und Trockenfrüchte steckten im ersten Plumpudding, weil man so Lebensmittel für den Winter haltbar machte. Im Mittelalter gab es keinen Kühlschrank. Deshalb mischte man Fett, Gewürze und Früchte mit Fleisch, Getreide und Gemüse. Diese Mischung füllte man in die Mägen und Därme der geschlachteten Tiere und kochte sie. So hielt sich das Essen möglichst lange. Trockenfrüchte halten sich ohnehin sehr lange, weil ihnen das Wasser fehlt. Bakterien und Schimmelpilze sind winzige Lebewesen, die Essen verderben lassen. Sie brauchen Wasser zum Leben. Wo wenig Wasser ist, verdirbt das Essen langsamer.
Weil sich diese Speisen bis zum Winter hielten, konnte man sie auch zu den Festen im Winter essen. Man aß sie damals aber nicht als Nachtisch, sondern am Anfang einer Mahlzeit.
Diese alten Puddings hatten einen Nachteil. Mägen und Därme gab es nur, wenn gerade ein Tier geschlachtet worden war, und man musste sie lange reinigen. Deshalb konnte man einen solchen Pudding nicht an jedem beliebigen Tag kochen.
Wie wurde aus dem Brei ein fester, runder Pudding?
Aus dem Brei wurde ein fester Pudding, weil die Köche im 17. Jahrhundert anfingen, den Teig in ein Puddingtuch zu wickeln. Das ist ein Tuch aus Stoff, das man vorher mit Butter einstreicht und mit Mehl bestäubt. Dann gibt man den Teig in die Mitte, dreht die vier Ecken zusammen und bindet sie mit einer Schnur zu. Das Tuch hält den Teig zusammen, während er im Wasser kocht. So brauchte man keinen Tiermagen mehr. Das Tuch konnte man immer wieder waschen und benutzen. Deshalb konnte man einen Pudding nun an jedem Tag kochen, und er durfte auch groß sein.
Das Tuch passte gut zu den Küchen von damals, weil viele Familien keinen Backofen hatten. Fast jede Küche hatte aber ein offenes Feuer und einen großen Kessel mit Wasser. Den Pudding hängte man an der Schnur in den Kessel, damit er nicht am Boden lag. Dort kochte er viele Stunden lang und wurde dabei rund wie eine Kugel.
Später kochte man den Pudding vor allem in reicheren Familien in einer Schüssel aus Ton oder Porzellan, über die man ein Tuch band. Daher kommt die Form einer Halbkugel, die der Plumpudding bis heute hat.
Mit dem Tuch war der Pudding fest geworden. Gegessen wurde er aber immer noch zum Hauptgericht oder als Vorspeise. Ungefähr ab der Mitte des 17. Jahrhunderts aß man ihn besonders gern an Weihnachten, vorher gab es ihn das ganze Jahr. Zum süßen Nachtisch machten ihn erst neue Zutaten.
Wann und warum wurde der Plumpudding süß?
Der Plumpudding wurde vor allem im 18. Jahrhundert süß, weil Zucker und Trockenfrüchte in England billig wurden. Schon am Ende des 16. Jahrhunderts kamen mehr Trockenfrüchte ins Land, und der Pudding wurde süßer. Richtig süß wurde er aber erst durch den Zucker.
Der Zucker kam aus den Kolonien in der Karibik. Kolonien waren Gebiete in anderen Teilen der Welt, die England erobert hatte und beherrschte. Dort wuchs Zuckerrohr auf großen Feldern, den Plantagen. Auf den Plantagen mussten Menschen aus Afrika als Sklaven arbeiten. Sklaven waren Menschen, die anderen Menschen gehörten und ohne Lohn arbeiten mussten. Weil die Plantagenbesitzer ihnen keinen Lohn zahlten, war der Zucker billig. Am Anfang des 18. Jahrhunderts konnten sich auch arme Familien in England Zucker kaufen oder zumindest Melasse. Das ist der dunkle, süße Sirup, der übrig bleibt, wenn man Zucker herstellt.
Mit den Schiffen kamen noch mehr Zutaten nach England, die früher sehr teuer waren. Rosinen kamen aus den Ländern am Mittelmeer, Zitrusfrüchte aus der Karibik und Brandy aus Frankreich. Brandy ist ein starker Schnaps aus Wein, auf Deutsch Weinbrand.
Weil der Pudding nun süß genug war, ließen die Köche das Fleisch weg. Nur das Rindernierenfett blieb im Rezept. Es ist bis heute der letzte Rest des Fleisches, das früher im Pudding steckte. Ein frühes gedrucktes Rezept für einen einfachen Plumpudding steht im Kochbuch von John Nott aus dem Jahr 1723. Es enthält nur sechs Zutaten, nämlich Rindernierenfett, Rosinen, Mehl, braunen Zucker, Eier und Salz.
Warum gilt der Plumpudding als typisch englisch?
Der Plumpudding gilt als typisch englisch, weil er im 18. und 19. Jahrhundert zusammen mit dem Rinderbraten als Nationalgericht der Engländer galt. Ein Nationalgericht ist ein Essen, das als typisch für ein ganzes Land gilt. Den süßen Plumpudding gab es damals in England bei jedem großen Festessen, Weihnachten war aber noch nicht der einzige Anlass.
Dabei kamen fast alle seine Zutaten von weit her. Nur wenige Zutaten wie Mehl, Brotkrumen und Rindernierenfett stammten aus England selbst. Eine Historikerin nannte den Plumpudding deshalb das englischste aller Gerichte aus den unenglischsten aller Zutaten. Gerade das machte ihn aber zum Zeichen für England. Er zeigte, dass England Handel mit der ganzen Welt trieb und über viele Länder herrschte.
Wie bekannt der Plumpudding um das Jahr 1800 war, zeigt eine Zeichnung des englischen Zeichners James Gillray. Sie erschien am 26. Februar 1805 in London und heißt „The Plumb-pudding in danger“, also Der Plumpudding in Gefahr. Eine Zeichnung, die sich über Politiker lustig macht, nennt man Karikatur.

Großbritannien und Frankreich führten damals Krieg gegeneinander. Links sitzt William Pitt, der Premierminister von Großbritannien, also der Chef der Regierung. Rechts sitzt Napoleon, der Kaiser von Frankreich. Zwischen ihnen dampft ein Plumpudding in der Form der Weltkugel. Pitt schneidet sich das Meer ab, Napoleon schneidet sich Europa ab. Gillray wollte damit zeigen, dass die beiden die Welt unter sich aufteilen wollten. Er wählte dafür einen Plumpudding, weil jeder in England ihn kannte und jeder davon das größte Stück haben wollte.
Wie wurde der Plumpudding zum Weihnachtspudding?
Der Plumpudding wurde in der Zeit von Königin Victoria zum Weihnachtspudding. Victoria regierte von 1837 bis 1901. In dieser Zeit kamen in Großbritannien viele Weihnachtsbräuche auf, die bis heute gelten, zum Beispiel der Weihnachtsbaum. Der Plumpudding, den man schon seit dem 17. Jahrhundert gern an Weihnachten aß, wurde nun zum festen Teil des Festes. Ab den 1830er Jahren verband man ihn immer stärker mit Weihnachten. Dafür gab es drei Gründe.
Charles Dickens beschrieb den Weihnachtspudding
Der erste Grund war ein Buch. Im Dezember 1843 erschien „Eine Weihnachtsgeschichte“ des englischen Schriftstellers Charles Dickens. Das Buch wurde sofort von sehr vielen Menschen gelesen. Darin erzählt Dickens von der armen Familie Cratchit, die sich ein Weihnachtsessen kaum leisten kann.
Am Ende des Essens trägt Mrs. Cratchit den Pudding herein. Dickens beschreibt ihn wie eine gesprenkelte Kanonenkugel, hart und fest. Er brennt in angezündetem Brandy, und oben steckt ein Zweig Stechpalme. Die Stechpalme ist ein Strauch mit stacheligen, dunkelgrünen Blättern und roten Beeren. Gekocht hat die Familie den Pudding im Waschkessel. Das war ein großer Kessel, in dem man früher die Wäsche mit heißem Wasser wusch. Deshalb roch die Küche nach dem nassen Puddingtuch wie an einem Waschtag. Die ganze Familie ist stolz auf den Pudding, obwohl er für so viele Menschen eigentlich zu klein ist.
Dickens stellte den Pudding damit als Mittelpunkt des Weihnachtsessens jeder Familie dar, auch einer armen. Der brennende Pudding mit dem Zweig Stechpalme wurde zum Bild für das englische Weihnachtsfest.
Die Kochbücher nannten ihn Christmas Pudding
Der zweite Grund waren die Kochbücher. Im Jahr 1845 veröffentlichte die Köchin Eliza Acton ein Kochbuch, in dem zwei Rezepte ausdrücklich Christmas Pudding hießen. Eines davon war besonders sparsam und enthielt Kartoffeln und Karotten. Im Jahr 1846 druckte Charles Elmé Francatelli, der Koch von Königin Victoria, in seinem Kochbuch ein Rezept für einen Plumpudding, wie man ihn am Königshof aß. Was die Königin an Weihnachten aß, wollten nun viele Familien in ganz Großbritannien auch essen. So wurde aus dem Plum Pudding der Christmas Pudding.

Der Pudding wurde für viele Familien bezahlbar
Der dritte Grund war der Preis. Die Zutaten aus dem Rezept der Königin, also Rosinen, Korinthen, Zitronat, Orangeat, Zimt, Muskatnuss, Nelken und Brandy, konnten sich im 19. Jahrhundert auch Familien aus der Mittelschicht leisten. Zur Mittelschicht gehörten Familien, die nicht reich, aber auch nicht arm waren, zum Beispiel Familien von Handwerkern, Kaufleuten oder Lehrern. Zitronat und Orangeat sind in Zucker eingelegte Schalen von Zitronen und Orangen. Ärmere Familien nahmen weniger Früchte oder ersetzten den Brandy durch Bier. So erwartete in der Zeit von Königin Victoria schließlich fast jeder Mensch in Großbritannien, ob reich oder arm, einen Plumpudding zum Weihnachtsessen. Auch das Königspaar Victoria und Albert machte ihn noch beliebter.
Woher kommen die Bräuche rund um den Plumpudding?
Die meisten Bräuche rund um den Plumpudding stammen aus der Zeit von Königin Victoria, als er zum Weihnachtspudding wurde. Jeder dieser Bräuche hat mit der Art zu tun, wie man den Pudding macht.
Warum rührt man den Pudding am Stir-up Sunday an?
Man rührt den Pudding am Stir-up Sunday an, weil er mehrere Wochen braucht, bis er richtig gut schmeckt. Der Stir-up Sunday ist der letzte Sonntag vor dem ersten Advent, also ungefähr fünf Wochen vor Weihnachten. Im Jahr 2026 ist es der 22. November.
Ein Plumpudding hält lange, weil er viel Zucker und oft Alkohol enthält und stundenlang gekocht wird. Der Zucker bindet das Wasser im Teig, sodass für Bakterien und Schimmelpilze kaum Wasser übrig bleibt. Der Alkohol tötet viele dieser Lebewesen ab, und das lange Kochen tötet die Keime, die vorher im Teig waren. Ein Pudding mit Alkohol hält deshalb ein Jahr oder länger. In den Wochen bis Weihnachten verbinden sich die Gewürze und die Früchte, und der Pudding schmeckt kräftiger. Diesen Vorgang nennt man reifen. Ein Pudding ohne Alkohol hält nicht so lange und gehört in den Kühlschrank.
Der Name Stir-up Sunday kommt aus der Kirche. Stir up heißt aufwecken, aber auch umrühren. Im Gebetbuch der englischen Kirche steht schon seit dem Jahr 1549 für diesen Sonntag ein Gebet, das mit den Worten „Stir up, we beseech thee, O Lord“ beginnt. Das bedeutet: Wecke auf, so bitten wir dich, Herr. Gemeint war, dass Gott die Menschen aufwecken soll, damit sie Gutes tun. Mit dem Pudding hatte das Gebet nichts zu tun. Weil die Worte aber gut zum Umrühren passten und der Sonntag zur richtigen Zeit lag, wurde er in der Zeit von Königin Victoria zum Tag für den Weihnachtspudding.

An diesem Tag rührt jedes Familienmitglied einmal im Teig und wünscht sich dabei etwas. Der Wunsch muss geheim bleiben. Manche Familien rühren von Osten nach Westen, weil auch die Heiligen Drei Könige aus dem Osten gekommen sein sollen. Richtig bekannt wurde das gemeinsame Rühren am Ende des 19. Jahrhunderts und in den 1920er Jahren.
Warum steckt im Plumpudding eine Münze?
Im Plumpudding steckt oft eine Münze, weil sie dem Finder Glück bringen soll. Wer sie in seinem Stück findet, soll im nächsten Jahr reich werden. Früher war es meistens ein Sixpence, eine kleine Silbermünze, die sechs Pennys wert war. Manche Familien versteckten auch andere kleine Dinge aus Silber im Teig. Jedes davon hatte eine Bedeutung:
| Gegenstand im Pudding | Was er bedeuten sollte |
|---|---|
| Silbermünze | Reichtum im nächsten Jahr |
| Ring | baldige Hochzeit |
| Fingerhut | man bleibt unverheiratet und lebt sparsam |
| Gabelbein von einem Huhn | Glück |
| kleiner Anker | sichere Heimkehr |
Die Idee mit dem versteckten Glücksbringer ist älter als der Weihnachtspudding. In England backte man früher zum Dreikönigstag am 6. Januar einen Früchtekuchen, den Twelfth Night Cake. Darin versteckte man eine getrocknete Bohne oder eine Erbse. Wer sie fand, war für den Rest des Abends König oder Königin des Festes. Später ersetzte man Bohne und Erbse durch kleine Dinge aus Silber. Als der Plumpudding zum wichtigsten Weihnachtsessen wurde, ging der Brauch auf ihn über. Weil man sich an einer Münze verschlucken kann, stecken viele Familien sie heute erst nach dem Kochen in Alufolie gewickelt hinein oder lassen sie weg.
Warum wird der Plumpudding angezündet?
Der Plumpudding wird angezündet, damit er festlich aussieht, wenn er an den Tisch kommt. Diesen Brauch gab es schon im Jahr 1843, denn bei Charles Dickens trägt Mrs. Cratchit den Pudding brennend herein. Durch das Buch wurde die Flamme für viele Menschen zu einem festen Teil des Weihnachtspuddings. Ein Erwachsener erwärmt dafür ein wenig Brandy oder Rum, gießt ihn über den Pudding und zündet ihn an. Dann macht man das Licht im Zimmer aus und trägt den Pudding herein. Es brennt nur der Alkohol, nicht der Pudding. Nach kurzer Zeit geht die Flamme von selbst aus. Weil die blaue Flamme im hellen Licht kaum zu sehen ist, ist das Anzünden immer eine Aufgabe für Erwachsene.
Warum bekamen Soldaten und Seeleute einen Plumpudding?
Soldaten und Seeleute bekamen einen Plumpudding, weil er so lange hält, dass man ihn sehr weit verschicken konnte. Schon früh aßen die Seeleute auf den Schiffen der britischen Marine Puddings. Die Marine lieferte sogar eigenen Stoff für die Puddingtücher. In der Zeit von Königin Victoria schickte man Plumpuddings bis zu den britischen Soldaten in Afghanistan. Im Krimkrieg feierten britische Soldaten Weihnachten 1855 mit einem Christmas Pudding.
Im Ersten Weltkrieg sammelten Menschen in Großbritannien Geld, um den Soldaten an der Front Weihnachtspuddings zu schicken. Am 24. Dezember 1915 wurde berichtet, dass drei Millionen Pfund Christmas Pudding an die Soldaten geliefert werden sollten. Ein Pfund sind ungefähr 450 Gramm. Für die Soldaten war der Pudding ein Stück Zuhause. Zu Hause in Großbritannien wurden Trockenfrüchte und Gewürze in dieser Zeit knapp, deshalb waren die Puddings dort kleiner und einfacher.

Wie wurde der Plumpudding zum Pudding des Weltreichs?
Der Plumpudding wurde zum Pudding des Weltreichs, weil Großbritannien mit ihm in den 1920er Jahren für Waren aus seinen Kolonien warb. Großbritannien beherrschte damals Länder auf allen Kontinenten. Dieses große Reich nannte man Britisches Weltreich oder British Empire. Die Zutaten des Plumpuddings kamen ohnehin aus fernen Ländern. Deshalb eignete er sich gut, um die Menschen dazu zu bringen, Waren aus dem eigenen Weltreich zu kaufen statt aus anderen Ländern.
Eine Frauenvereinigung, die British Women’s Patriotic League, nannte den Pudding Empire Pudding, also Pudding des Weltreichs. Am Empire Day 1926, einem Feiertag für das Weltreich, schütteten Vertreter der Kolonien in London die Zutaten in eine große Schüssel und rührten gemeinsam um. Im Jahr darauf erlaubte König Georg V. einer Behörde, dem Empire Marketing Board, mit dem Weihnachtspudding der königlichen Familie zu werben. Am Weihnachtstag 1927 aß der König selbst diesen Empire Christmas Pudding. Gekocht hatte ihn der königliche Koch Cédard.

Auf dem Plakat mit dem Rezept stand neben jeder der 17 Zutaten, aus welchem Teil des Weltreichs sie kommen sollte. Die Korinthen kamen aus Australien, die Sultaninen und Rosinen aus Australien oder Südafrika und das Zitronat und Orangeat aus Südafrika. Der Zucker kam aus der Karibik, der Zimt aus Indien oder Sri Lanka, die Nelken aus Sansibar in Ostafrika und der Rum aus Jamaika. Statt Brandy aus Frankreich nahm man also Rum aus einer britischen Kolonie. Nur Brotkrumen, Rindernierenfett und Mehl kamen aus Großbritannien selbst.
In denselben Jahren änderte sich auch, woher die Familien ihren Pudding bekamen. Die Supermarktkette Sainsbury’s verkaufte schon Anfang der 1920er Jahre fertige Christmas Puddings. Vorher hatten die Familien ihren Pudding selbst gemacht. Einen fertigen Pudding muss man nur noch erwärmen. Bis heute sind fertige Christmas Puddings in Großbritannien sehr beliebt. Im Jahr 2021 wurden dort allein im September eine halbe Million Stück verkauft, also drei Monate vor Weihnachten.
Wie kochte man den Plumpudding im Zweiten Weltkrieg?
Im Zweiten Weltkrieg kochte man den Plumpudding mit Karotten und fast ohne Zucker, weil in Großbritannien Lebensmittel knapp waren. Zucker, Fett und Eier gab es nur auf Lebensmittelkarten. Mit diesen Karten bekam jeder Mensch nur eine bestimmte Menge eines Lebensmittels. Ein bekanntes Rezept aus dieser Zeit kam mit einem großen Löffel Zucker und ganz ohne Eier aus. Stattdessen kamen zerdrückte Karotten in den Teig, damit der Pudding trotzdem süß und saftig wurde. Noch im Jahr 1946 standen in Rezepten Eier aus Pulver, sogenanntes Trockenei.

In welchen Ländern isst man Plumpudding und wie kam er dorthin?
Plumpudding isst man heute vor allem in Großbritannien und Irland und in Ländern, die früher zum Britischen Weltreich gehörten, zum Beispiel in Australien, Kanada und Indien. Dorthin kam er im 19. Jahrhundert mit den Menschen, die aus Großbritannien auswanderten. Sie wollten in ihrer neuen Heimat Weihnachten so feiern wie zu Hause. Weil der Pudding so lange hält, konnte man ihn bis in die entferntesten Teile des Weltreichs schicken. In Australien aßen ihn schon um das Jahr 1850 die Goldsucher an Weihnachten.
In Australien ist Weihnachten im Sommer, und am 25. Dezember ist es oft sehr heiß. Ein schwerer, heißer Pudding passt dann nicht so gut. Deshalb essen viele Familien dort genauso gern kalte Nachspeisen wie ein Trifle oder eine Pavlova. Ein Trifle ist eine Schichtspeise aus Biskuit, Früchten, Vanillesoße und Sahne. Eine Pavlova ist eine Torte aus Baiser mit Sahne und Früchten. Baiser ist ein Gebäck aus geschlagenem Eiweiß und Zucker.

In Kanada ist der Christmas Pudding bis heute ein Weihnachtsessen geblieben. In Teilen von Indien heißt er pudim und gehört dort ebenfalls zum Weihnachtsfest. In Irland gehört der Pudding so selbstverständlich zu Weihnachten wie in Großbritannien. Eine Irin erzählte, dass ihre Familie in den 1920er Jahren den Pudding sechs Wochen vor Weihnachten machte. Jedes Familienmitglied rührte einmal um, damit im nächsten Jahr niemand aus der Familie sterben sollte.
Welche Geschichten über die Herkunft des Plumpuddings stimmen nicht?
Über die Herkunft des Plumpuddings werden einige Geschichten erzählt, die nicht stimmen. Man liest sie in Zeitschriften, auf Internetseiten und sogar in Reiseführern. Vier davon sind besonders bekannt.
Hat Oliver Cromwell den Plumpudding verboten?
Nein, Oliver Cromwell hat den Plumpudding nicht verboten. Man erzählt, er habe ihn als sündhaft verbieten lassen und das Verbot gelte bis heute. Wahr ist, dass in England von 1644 bis 1660 das ganze Weihnachtsfest verboten war. Das beschloss das Parlament, also die Versammlung, die in einem Land die Gesetze macht. Viele Mitglieder waren Puritaner. Das waren strenge Christen, die Feste mit viel Essen und Trinken für unchristlich hielten. Cromwell regierte erst ab 1653. Ein eigenes Gesetz gegen den Plumpudding gab es nie. Nur im Jahr 1644 fiel der 25. Dezember auf einen Fastentag, an dem man nichts essen sollte. An diesem einen Tag war jedes Festessen verboten, auch der Pudding.
War König Georg I. der Pudding-König?
Nein, dafür gibt es keinen Beweis. Man erzählt, dass König Georg I., der aus Hannover kam und 1714 König von Großbritannien wurde, bei seinem ersten Weihnachtsfest in England einen Plumpudding bestellte und deshalb Pudding-König hieß. In den Schriften aus dem 18. und 19. Jahrhundert steht davon aber nichts. Der Lebensmittelhistoriker Ivan Day fand die älteste Spur in einer Zeitschrift aus dem Jahr 1911. Dort steht nur, dass die königliche Familie ein Puddingrezept aus der Zeit von Georg I. aufbewahrt. Den Spitznamen Pudding-König erzählte man erst nach dem Zweiten Weltkrieg.
Muss ein Plumpudding 13 Zutaten haben?
Nein, für diese Regel gibt es keinen Beleg. Oft liest man, ein echter Plumpudding müsse 13 Zutaten haben, für Jesus und seine zwölf Apostel. Die Apostel waren die zwölf Männer, die Jesus begleiteten. Die Leute sind sich aber nicht einmal einig, welche 13 Zutaten es sein sollen. Das Rezept von John Nott aus dem Jahr 1723 hatte nur sechs Zutaten, der Empire Christmas Pudding von 1927 hatte 17.
Hat Prinz Albert den Plumpudding nach England gebracht?
Nein, denn den Plumpudding gab es in England schon lange vor ihm. Prinz Albert kam aus Deutschland und heiratete im Jahr 1840 Königin Victoria. Da aß man den Plumpudding in England schon fast 200 Jahre lang an Weihnachten, und Gillray hatte ihn bereits im Jahr 1805 gezeichnet. Wahr ist nur, dass Albert den Pudding gern mochte und dass das Königspaar ihn noch beliebter machte.
Zum Weiterdenken
Im Plumpudding stecken Zucker aus der Karibik, Rosinen vom Mittelmeer und Gewürze aus Asien. Trotzdem gilt er als typisch englisch. Überlege, warum das so ist. Welche Zutaten in deinem Lieblingsessen kommen eigentlich aus einem anderen Land?
Jetzt selbst ausprobieren
Du kannst einen Plumpudding auch selbst kochen, so wie die Familien in England. In unserem Rezept für einen Plumpudding ohne Alkohol erfährst du Schritt für Schritt, wie das geht. Wenn du ihn am Stir-up Sunday anrührst, darfst du dir beim Umrühren etwas wünschen. Hier geht es zum Rezept für Plumpudding.
Quellen: The Conversation: How the Christmas pudding became an iconic British food, Oxford Companion to Food: Christmas pudding, SOAS University of London: A history of Christmas pudding, Old Royal Naval College: George I, Pudding King?, Royal Museums Greenwich: The proof is in the pudding, London Museum: A Sainsbury’s history of Christmas pudding, The Field: Traditional British puds, Country Life: The origin of Stir-up Sunday, Historic England: Did Oliver Cromwell really ban Christmas?, Irish Examiner: Plum pudding myths, Ivan Day: The Pudding King, National Portrait Gallery: The plumb-pudding in danger, Royal Mint: Stir up a new tradition, Historic UK: Twelfth Night Cake, Charles Dickens: A Christmas Carol, Projekt Gutenberg, Duden: Plumpudding, Duden: Pudding

