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Polarlichter: Wie entstehen sie und wo kann man sie sehen?

Grünes Polarlicht über einem verschneiten Hügel mit Birken in Nordschweden

Die kurze Antwort

Polarlichter sind farbige Lichter am Nachthimmel. Sie entstehen, wenn winzige, elektrisch geladene Teilchen von der Sonne in die Lufthülle der Erde gelangen. Dort stoßen die Teilchen in 100 bis über 200 Kilometern Höhe mit Sauerstoff und Stickstoff zusammen. Die Luft bekommt dabei Energie und gibt sie als Licht wieder ab. Weil das Magnetfeld der Erde die Teilchen zu den Polen lenkt, sieht man Polarlichter vor allem im hohen Norden und im hohen Süden. Bei starken Sonnenstürmen sind sie auch in Deutschland zu sehen.

Grünes Polarlicht über einem verschneiten Hügel mit Birken in Nordschweden
Grünes Polarlicht über dem Abisko-Nationalpark in Nordschweden. Foto: Pavel.shyshkouski, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Polarlichter sind Lichter, die nachts am Himmel leuchten. Meist sind sie grün, manchmal auch rot, pink, lila oder blau. Sie erscheinen als Bänder, Bögen oder Strahlen. Am Abend ziehen sich die Bögen oft über den ganzen Himmel. Um Mitternacht beginnen sie häufig, sich zu bewegen und zu verbiegen. Manchmal füllen sie dann für kurze Zeit den ganzen Himmel aus und werden sehr hell. Gegen Morgen werden aus den Bögen oft verschwommene Flecken, die immer wieder an- und ausgehen, bis es hell wird. Ein Polarlicht kann also einige Stunden lang zu sehen sein, die hellsten Momente dauern aber oft nur Minuten.

Wie entstehen Polarlichter?

Polarlichter entstehen, weil die Sonne ständig winzige, elektrisch geladene Teilchen ins All schickt und einige davon in die Lufthülle der Erde gelangen.

Diesen Strom aus Teilchen nennt man Sonnenwind. Die Teilchen sind viel zu klein, um sie zu sehen. Es sind vor allem Elektronen und Protonen. Das sind die Bausteine, aus denen Atome bestehen. Weil sie elektrisch geladen sind, kann ein Magnet sie ablenken. Der Sonnenwind fliegt mit etwa 400 Kilometern pro Sekunde durchs All.

Die Erde ist von einem Magnetfeld umgeben. Ein Magnetfeld ist der Bereich um einen Magneten, in dem er wirkt. Die Erde wirkt selbst wie ein großer Magnet. Ihr Magnetfeld hält den größten Teil der Teilchen von der Erde fern. Ein Teil der Teilchen sammelt sich aber auf der Nachtseite der Erde, wo das Magnetfeld weit ins All hinausreicht. Dort werden die Teilchen schneller. Dann folgen sie dem Magnetfeld bis hinunter in die Lufthülle über den Polargebieten.

In der Lufthülle stoßen die schnellen Teilchen mit Atomen und Molekülen von Sauerstoff und Stickstoff zusammen. Atome sind die kleinsten Teilchen eines Stoffes, Moleküle sind mehrere fest verbundene Atome. Bei jedem Zusammenstoß bekommt ein Atom oder Molekül Energie. Fachleute sagen, es wird angeregt. Das Atom behält diese Energie nicht, sondern gibt sie nach kurzer Zeit als Licht wieder ab. Weil das unzählige Atome gleichzeitig tun, leuchtet ein großer Teil des Himmels. Das Leuchten entsteht in 80 bis 500 Kilometern Höhe, also weit über den Wolken und weit über den Flugzeugen.

Was ist ein Sonnensturm?

Ein Sonnensturm entsteht, wenn die Sonne für kurze Zeit viel mehr Strahlung und Teilchen ins All schleudert als sonst und diese die Erde erreichen.

Normalerweise schickt die Sonne mit dem Sonnenwind gleichmäßig Teilchen ins All. Bei einem Ausbruch ist dieser Strom an einer Stelle der Sonne für kurze Zeit viel stärker. Fachleute nennen einen solchen Ausbruch Sonneneruption. Eruption ist ein anderes Wort für Ausbruch.

Eine Sonneneruption beginnt an Stellen, an denen die Sonne besonders starke Magnetfelder hat. Dort hält das Magnetfeld das heiße Gas der Sonne in riesigen Bögen fest. Dieses Gas besteht aus elektrisch geladenen Teilchen, vor allem aus Elektronen und Protonen. Manchmal brechen die Bögen auf und ordnen sich neu. Dabei werden auf einen Schlag gewaltige Mengen Energie, Strahlung und Teilchen frei.

Zuerst erreicht ein Blitz aus Röntgenstrahlung die Erde. Röntgenstrahlung ist eine Art Licht, das unsere Augen nicht sehen können. Fachleute nennen diesen Blitz Flare. Er ist schon nach etwa acht Minuten bei uns. Danach kommen sehr schnelle Teilchen, vor allem Protonen. Sie brauchen ungefähr eine Stunde bis zur Erde.

Am wichtigsten für Polarlichter ist aber etwas Drittes. Bei dem Ausbruch fliegt eine riesige Wolke aus geladenen Teilchen ins All. Diese Wolke nennt man koronalen Massenauswurf. Sie kann so viel wiegen wie ein ganzer Berg, zum Beispiel wie der Brocken im Harz. Trotzdem ist sie so dünn verteilt, dass man sie nicht bemerken würde, wenn man mitten darin stünde. Die Wolke ist meist etwa 1.000 Kilometer pro Sekunde schnell und braucht ungefähr ein bis zwei Tage bis zur Erde. Die schnellsten Wolken schaffen fast 3.000 Kilometer pro Sekunde und kommen schon nach 15 bis 18 Stunden an.

Die Sonne mit einem Ausbruch am linken Rand, aus dem Material ins All fliegt
Am 31. August 2012 schleuderte die Sonne eine riesige Wolke aus Teilchen ins All. Das Bild hat ein Satellit der NASA aufgenommen. Foto: NASA Goddard Space Flight Center, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Trifft die Wolke auf die Erde, drückt sie das Magnetfeld der Erde zusammen und bringt es durcheinander. Dadurch gelangen viel mehr Teilchen als sonst in die Lufthülle, auch weiter entfernt von den Polen. Deshalb sind Polarlichter bei einem Sonnensturm besonders hell und weit im Süden zu sehen.

Die meisten Ausbrüche treffen die Erde aber nicht. Die Sonne ist etwa 150 Millionen Kilometer entfernt, und die Erde ist im Vergleich zu diesem Abstand sehr klein. Ein Ausbruch muss also genau in Richtung Erde fliegen.

Wie stark ein Sonnensturm das Magnetfeld der Erde stört, geben Fachleute mit der G-Skala an. Sie reicht von G1 für einen schwachen bis G5 für einen extremen Sturm. Ein G5-Sturm ist sehr selten. In elf Jahren kommt er im Durchschnitt nur an etwa vier Tagen vor.

Warum gibt es Polarlichter vor allem an den Polen?

Polarlichter gibt es vor allem in den Polargebieten, weil das Magnetfeld der Erde die Teilchen der Sonne nur dort bis hinunter in die Lufthülle führt.

Das Magnetfeld der Erde ist ähnlich aufgebaut wie das Magnetfeld eines Stabmagneten. Das ist ein länglicher Magnet mit einem Nordpol an einem Ende und einem Südpol am anderen Ende. Wie ein Magnetfeld verläuft, zeichnen Fachleute mit gedachten Linien. Diese Linien heißen Magnetfeldlinien. Bei der Erde führen sie in großen Bögen von der Gegend um den einen Pol durchs All bis zur Gegend um den anderen Pol.

Der Äquator ist die gedachte Linie, die genau in der Mitte zwischen Nordpol und Südpol um die Erde läuft. Über dem Äquator verlaufen die Magnetfeldlinien flach, also waagerecht zum Boden. In Deutschland zeigen sie schräg in den Boden. An den Polen führen sie fast senkrecht in den Boden hinein.

Die elektrisch geladenen Teilchen der Sonne können sich nicht einfach quer durch das Magnetfeld bewegen. Sie fliegen in engen Spiralen an den Magnetfeldlinien entlang. Über dem Äquator führen die flachen Feldlinien hoch über der Erde vorbei. Die Teilchen kommen dort deshalb nicht bis in die Lufthülle hinunter. Erst in der Nähe der Pole zeigen die Feldlinien nach unten. Dort folgen die Teilchen ihnen bis in die Lufthülle und bringen die Luft zum Leuchten.

Polarlichter leuchten aber nicht direkt über dem Nordpol oder dem Südpol. Sie erscheinen in einem Ring um die magnetischen Pole der Erde. Das sind die Stellen, an denen das Magnetfeld senkrecht in den Boden führt. Sie liegen nicht genau an den geografischen Polen. Der magnetische Nordpol liegt zurzeit bei der kanadischen Insel Ellesmere Island. Den Ring nennt man Polarlichtoval. Breitengrade sind gedachte Linien rund um die Erde. Sie geben an, wie weit ein Ort vom Äquator entfernt ist. Der Äquator liegt bei 0 Grad, der Nordpol bei 90 Grad. Normalerweise liegt das Polarlichtoval über Europa ungefähr beim 70. Breitengrad, also über Nordnorwegen, Nordschweden und Nordfinnland. Weil der magnetische Nordpol näher an Amerika liegt, reicht das Oval in Kanada und Alaska weiter nach Süden.

Unter dem Polarlichtoval kann man in mehr als der Hälfte aller Nächte eines Jahres Polarlichter sehen. Die norwegische Stadt Tromsø liegt in diesem Gebiet und wird deshalb oft die Polarlicht-Hauptstadt Europas genannt. Bei einem Sonnensturm wird das Polarlichtoval größer und reicht weiter nach Süden.

Grünes Polarlicht über der Erde, fotografiert von der Raumstation ISS
So sieht ein Polarlicht von oben aus. Das Foto haben Astronauten auf der Internationalen Raumstation ISS aufgenommen. Foto: ISS Expedition 23 crew, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Gibt es Polarlichter auch am Südpol?

Ja, Polarlichter gibt es auch rund um den Südpol. Dort heißen sie Südlicht. Polarlichter im Norden heißen Nordlicht.

Nordlicht und Südlicht entstehen auf die gleiche Weise. Das Magnetfeld der Erde lenkt die Teilchen der Sonne zu beiden magnetischen Polen. Deshalb gibt es zwei Polarlichtovale, eins um den magnetischen Nordpol und eins um den magnetischen Südpol. Das Südlicht leuchtet vor allem über der Antarktis.

Polarlicht ist also der Oberbegriff. Nordlicht und Südlicht sind Polarlichter, die man an unterschiedlichen Orten sieht.

Grünes Südlicht über den Gebäuden der Südpolstation in der Antarktis
Südlicht über der Amundsen-Scott-Südpolstation in der Antarktis. Dort ist es im Winter monatelang dunkel. Foto: Chris Danals, National Science Foundation, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Warum sind Polarlichter grün, rot oder lila?

Die Farbe eines Polarlichts hängt davon ab, welches Gas leuchtet und in welcher Höhe das passiert.

FarbeWelches Gas leuchtetIn welcher HöheWie lange das Atom bis zum Leuchten wartet
GrünSauerstoffetwa 100 bis 120 Kilometeretwa eine dreiviertel Sekunde
RotSauerstoffüber 200 Kilometeretwa 110 Sekunden, also fast zwei Minuten
Blau und LilaStickstoffunterschiedlich

Viele Menschen glauben, Grün und Rot kämen von zwei verschiedenen Gasen. Tatsächlich stammen beide Farben vom Sauerstoff. Ein angeregtes Sauerstoffatom kann sein Licht nämlich auf zwei Arten abgeben. Für rotes Licht muss es etwa 110 Sekunden warten, für grünes Licht nur etwa eine dreiviertel Sekunde. Stößt in der Wartezeit ein anderes Teilchen gegen das Atom, verliert es seine Energie, ohne zu leuchten.

In über 200 Kilometern Höhe ist die Luft sehr dünn. Dort stoßen die Teilchen selten zusammen. Das Sauerstoffatom kann die lange Wartezeit überstehen und rot leuchten. Weiter unten ist die Luft dichter. Dort stoßen die Teilchen so oft zusammen, dass das rote Leuchten fast immer verhindert wird. Übrig bleibt das grüne Licht, weil es so schnell entsteht.

Grün sieht man am häufigsten. Das hat zwei Gründe. In 100 bis 120 Kilometern Höhe gibt es besonders viele Sauerstoffatome, die angeregt werden. Außerdem sind unsere Augen für grünes Licht besonders empfindlich.

Blaue und lila Polarlichter kommen vom Stickstoff. Um Stickstoff zum Leuchten zu bringen, brauchen die Teilchen der Sonne besonders viel Energie. Deshalb sind diese Farben seltener. Pink entsteht, wenn sich grünes und rotes Licht am Himmel mischen. So war es zum Beispiel im Mai 2024 über Deutschland.

Rotes und lilafarbenes Polarlicht über Bäumen in Schweden
Rotes und lilafarbenes Polarlicht über Schweden während des starken Sonnensturms im Mai 2024. Foto: W.carter, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Kann man Polarlichter in Deutschland sehen?

Ja, in Deutschland kann man Polarlichter sehen, aber nur bei starken Sonnenstürmen.

Deutschland liegt weit südlich des Polarlichtovals. Nur ein starker Sonnensturm dehnt das Oval so weit nach Süden aus, dass man das Leuchten bei uns sieht. Direkt über Deutschland liegt das Oval nur sehr selten. Deshalb sieht man hier meist keine klaren Bögen, sondern einen schwachen Schleier tief am Nordhimmel. In Jahren, in denen die Sonne besonders aktiv ist, sieht man über Norddeutschland an ungefähr zehn Nächten im Jahr Polarlichter.

In den letzten Jahren gab es mehrere starke Polarlicht-Nächte in Deutschland:

  • Am 10. und 11. Mai 2024 traf der stärkste Sonnensturm seit über 20 Jahren auf die Erde. Er erreichte die höchste Stufe G5. Menschen auf allen sieben Kontinenten meldeten Polarlichter, auch in Deutschland.
  • Am 10. und 11. Oktober 2024 gab es einen Sturm der Stufe G4. Polarlichter leuchteten zum Beispiel über Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern.
  • In der Nacht vom 11. auf den 12. November 2025 erreichte ein Sonnensturm die Stufe G4. Polarlichter waren von der Küste bis zu den Alpen zu sehen, über Hamburg sogar mit bloßem Auge.
  • In der Nacht zum 20. Januar 2026 leuchteten nach einem Ausbruch auf der Sonne erneut Polarlichter über Deutschland.

Im Norden Deutschlands stehen die Chancen besser als im Süden, weil der Norden näher am Polarlichtoval liegt.

Rosafarbenes Polarlicht über einer Landschaft in Baden-Württemberg
Polarlicht über Baden-Württemberg während eines Sonnensturms. Foto: Milindaziegler, CC0, via Wikimedia Commons

Warum sind Polarlichter in Deutschland meist rot?

In Deutschland sind Polarlichter meist rot, weil die Teilchen der Sonne bei uns nur selten tief in die Lufthülle eindringen.

Weiter südlich des Polarlichtovals kommen die Teilchen oft nur bis in über 300 Kilometer Höhe. Dort ist die Luft so dünn, dass der Sauerstoff rot statt grün leuchtet. Dazu kommt ein zweiter Grund. Was sehr hoch leuchtet, kann man von weit her sehen. Von einem Hügel mit freiem Blick nach Norden sieht man ein Polarlicht, das bis zu 1.000 Kilometer weiter nördlich am Himmel steht. Von einem weit entfernten Polarlicht sieht man vor allem den oberen, roten Teil, denn der grüne Teil liegt tiefer und bleibt hinter dem Horizont verborgen. Der Horizont ist die Linie, an der Himmel und Erde sich zu berühren scheinen.

Menschen in Europa, die weit weg vom hohen Norden lebten, kannten Polarlichter deshalb meist als schwaches rotes Leuchten im Norden.

Warum gibt es plötzlich so viele Polarlichter in Deutschland?

In den letzten Jahren gab es viele Polarlichter in Deutschland, weil die Sonne gerade besonders aktiv war.

Die Sonne ist nicht immer gleich unruhig. Das erkennt man an den Sonnenflecken. Das sind dunklere Stellen auf der Sonne mit sehr starken Magnetfeldern. Je mehr Sonnenflecken es gibt, desto häufiger kommt es zu Ausbrüchen und Sonnenstürmen. Die Zahl der Flecken steigt und sinkt in einem Rhythmus von ungefähr elf Jahren. Diesen Rhythmus nennt man Sonnenzyklus. Astronomen zählen die Zyklen seit dem Jahr 1755. Zurzeit läuft Zyklus Nummer 25. Er erreichte im Oktober 2024 seinen Höhepunkt, das Sonnenmaximum. Elf Jahre sind dabei nur ein Durchschnitt. Ein Zyklus kann auch 9 oder 13 Jahre dauern.

Nach dem Maximum nimmt die Zahl der Sonnenflecken über mehrere Jahre wieder ab. Polarlichter in Deutschland werden dann seltener. Ein starker Ausbruch kann aber auch in einer ruhigen Zeit der Sonne passieren.

Dass man heute mehr Polarlichter bemerkt, liegt außerdem an den Handys. Ihre Kameras zeigen ein Polarlicht oft auch dann, wenn man es mit bloßem Auge kaum erkennt. Mit dem Klima haben die Polarlichter nichts zu tun. Ihre Ursache ist allein die Sonne.

Wann sieht man Polarlichter am besten?

Polarlichter sieht man am besten in klaren, dunklen Nächten etwa zwischen 22 Uhr und 2 Uhr. Im hohen Norden sind die Monate von September bis April am besten geeignet.

Für eine gute Sicht müssen drei Dinge zusammenkommen:

  • Dunkelheit: Polarlichter sind schwach. Man sieht sie nur, wenn der Himmel dunkel ist. Auch ein heller Vollmond lässt sie blasser wirken.
  • Klarer Himmel: Polarlichter leuchten weit über den Wolken. Ist der Himmel bewölkt, sieht man sie nicht.
  • Wenig künstliches Licht: Straßenlaternen und beleuchtete Häuser hellen den Himmel auf. Das nennt man Lichtverschmutzung. In Städten sind Polarlichter deshalb schlechter zu sehen als auf dem Land.

Polarlichter gibt es auch im Sommer. Im hohen Norden geht die Sonne im Sommer aber wochenlang nicht unter. Diese Zeit heißt Mitternachtssonne. Der Himmel ist dann auch nachts zu hell, und man kann die Polarlichter nicht sehen. In Norwegen sind Polarlichter im Frühling, im März und April, und im Herbst, im September und Oktober, am häufigsten.

Bei einem starken Sonnensturm kann man Polarlichter auch am Abend oder am frühen Morgen sehen. Im November 2025 zeichneten Kameras in den Alpen die Polarlichter zum Beispiel erst zwischen 4 und 5 Uhr morgens auf.

Was ist der Kp-Index?

Der Kp-Index ist eine Zahl von 0 bis 9. Sie gibt an, wie stark das Magnetfeld der Erde gerade gestört ist.

Bei 0 ist das Magnetfeld ruhig. Bei 9 herrscht ein extremer Sonnensturm. Den Kp-Index hat der deutsche Forscher Julius Bartels im Jahr 1949 entwickelt. Heute berechnet ihn das GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam. Es verwendet dafür Messungen von 13 Observatorien auf der ganzen Welt. Das sind Messstationen, die das Magnetfeld der Erde rund um die Uhr messen. Zwei davon stehen in Deutschland, in Wingst in Niedersachsen und in Niemegk in Brandenburg. Für jeden Zeitraum von drei Stunden gibt es einen neuen Kp-Wert.

Je höher der Kp-Wert ist, desto weiter im Süden liegt das Polarlichtoval. Mit jeder Stufe rückt es ungefähr zwei Breitengrade nach Süden. Ab Kp 7 halten Fachleute Polarlichter in Norddeutschland für möglich. Das entspricht einem Sonnensturm der Stufe G3. Im Oktober 2024 stieg der Kp-Wert auf 8, und viele Menschen fotografierten Polarlichter über Deutschland. Ein hoher Kp-Wert ist aber keine Garantie. Wolken, Nebel oder helles Licht können die Sicht trotzdem verhindern.

Kann man Polarlichter vorhersagen?

Polarlichter kann man nur kurzfristig vorhersagen, meist ein bis zwei Tage vorher grob und eine halbe Stunde vorher genauer.

Wann es auf der Sonne einen Ausbruch gibt, kann niemand berechnen. Satelliten und Raumsonden beobachten die Sonne aber ständig. Raumsonden sind Flugkörper ohne Menschen an Bord, die durchs All fliegen und Messungen machen. Sehen sie einen Ausbruch, können Fachleute berechnen, in welche Richtung und wie schnell die Teilchenwolke fliegt. Weil die Wolke meist ein bis zwei Tage bis zur Erde braucht, bleibt Zeit für eine Warnung.

Wie stark der Sturm wirklich wird, zeigt sich erst kurz vorher. Zwischen Sonne und Erde misst ein Satellit in 1,5 Millionen Kilometern Entfernung den Sonnenwind. Seine Daten empfängt unter anderem das DLR in Neustrelitz. Kommt die Wolke an diesem Satelliten vorbei, dauert es nur noch 15 bis 60 Minuten, bis sie die Erde erreicht.

Warum sieht man Polarlichter auf Handyfotos besser als mit den Augen?

Auf Fotos sieht man Polarlichter besser, weil eine Kamera mehrere Sekunden lang Licht sammeln kann und unsere Augen im Dunkeln kaum Farben erkennen.

Im Auge gibt es zwei Arten von Sehzellen. Das sind Zellen, die Licht aufnehmen. Die Zapfen erkennen Farben, brauchen aber viel Licht. Die Stäbchen arbeiten auch im Dunkeln, können aber keine Farben unterscheiden. Nachts sehen wir vor allem mit den Stäbchen. Ein schwaches Polarlicht wirkt deshalb oft weiß oder hellgrau, auch wenn es rot leuchtet.

Ein Handy im Nachtmodus belichtet mehrere Sekunden lang. Es sammelt in dieser Zeit so viel Licht, dass auf dem Foto die Farben zu sehen sind. Die Farben auf dem Foto sind deshalb kräftiger, als ein Mensch sie wahrnimmt. Ist ein Polarlicht sehr hell, erkennen auch die Augen seine Farben. So war es im November 2025 sogar über Hamburg.

Kann man Polarlichter hören?

Das Polarlicht selbst kann man nicht hören. Bei starken Polarlichtern berichten Menschen aber von einem Knistern und Knacken, das in der Nähe des Bodens entsteht.

Polarlichter leuchten in 80 bis 500 Kilometern Höhe. Dort ist die Luft so dünn, dass sich Schall nicht ausbreiten kann. Ein Geräusch von dort oben würde den Boden nie erreichen.

Der finnische Forscher Unto K. Laine von der Aalto-Universität wollte wissen, woher das Knistern kommt. Im März 2013 stellte er bei minus 20 Grad mehrere Mikrofone in dem Ort Fiskars in Südfinnland auf. Er nahm Hunderte Geräusche auf und suchte die 60 lautesten aus, die genau über seinen Mikrofonen entstanden. Gleichzeitig wurden Pulse im Magnetfeld gemessen, die kurz vor jedem Geräusch auftraten. Aus dem zeitlichen Abstand zwischen Puls und Geräusch ergab sich, dass die Geräusche nur etwa 70 bis 75 Meter über dem Boden entstehen.

Laine erklärt das so. In ruhigen, kalten Nächten liegt in dieser Höhe oft eine Schicht aus wärmerer Luft über der kalten Luft am Boden. Diese Schicht heißt Inversionsschicht. An ihr sammelt sich elektrische Ladung. Bringt ein Sonnensturm das Magnetfeld durcheinander, entlädt sich die Ladung mit kleinen Funken, und es knistert. Schon ein leichter Wind verhindert, dass sich die Schicht bildet. Später zeigte Laine, dass das Knistern auch auftritt, wenn gar kein Polarlicht zu sehen ist. Er verglich seine Aufnahmen mit Messungen des Magnetfelds durch das Finnische Meteorologische Institut und konnte so in 9 von 10 Fällen vorhersagen, wann ein Geräusch auf seinen Aufnahmen zu hören sein würde. Laine sagt selbst, dass es auch noch andere Erklärungen geben kann. Andere Forscher müssen seine Ergebnisse noch bestätigen.

Sind Polarlichter gefährlich?

Für Menschen am Boden sind Polarlichter nicht gefährlich. Die Lufthülle und das Magnetfeld der Erde schützen uns vor den Teilchen der Sonne.

Das Polarlicht ist nur Licht, und zwar sehr schwaches. Man kann es ohne Schutz anschauen, so lange man möchte. Es ist auch nicht radioaktiv. Die Teilchen der Sonne geben ihre Energie weit oben in der Lufthülle ab und kommen nicht bis zum Boden.

Auch im Flugzeug sind Reisende in etwa elf Kilometern Höhe durch das Magnetfeld der Erde weitgehend geschützt. Über den Polargebieten ist dieser Schutz schwächer. Bei starken Sonnenstürmen fliegen manche Flugzeuge deshalb vorsichtshalber nicht über die Pole. Für Menschen, die nur ab und zu fliegen, ist die zusätzliche Strahlung im Flugzeug sehr gering und für die Gesundheit unbedenklich. Das gilt auch für kleine Kinder. Gefährlich kann ein starker Sonnensturm für Astronauten werden, die außerhalb der Raumstation arbeiten.

Starke Sonnenstürme können außerdem Technik stören:

  • Satelliten: Beim Sonnensturm im Mai 2024 wurden Tausende Satelliten gebremst und verloren an Höhe.
  • GPS und Funk: GPS ist das System, mit dem ein Handy oder ein Navigationsgerät seinen Standort bestimmt. Bei einem Sonnensturm kann es ungenau werden oder ausfallen. Im Mai 2024 fuhren in den USA deshalb Traktoren, die von GPS gesteuert werden, von ihrer Spur ab.
  • Stromnetze: Ein Sonnensturm kann in langen Stromleitungen zusätzliche Ströme erzeugen. Diese können Teile des Stromnetzes beschädigen. Im Jahr 1989 legte ein Sonnensturm das Stromnetz in der Provinz Québec in Kanada lahm. Millionen Menschen hatten keinen Strom.

Damit Betreiber von Satelliten und Stromnetzen sich schützen können, geben Fachleute bei starken Ausbrüchen auf der Sonne Warnungen heraus.

Gibt es Polarlichter auf anderen Planeten?

Ja, Polarlichter gibt es auch auf anderen Planeten, zum Beispiel auf Jupiter, Saturn, Mars und Venus. Auch auf einigen Monden haben Forscher Anzeichen dafür gefunden.

Die Raumsonde Voyager 1 entdeckte im Jahr 1979 Polarlichter auf dem Jupiter, dem größten Planeten unseres Sonnensystems. Jupiters Polarlichter sind größer als die ganze Erde und haben Hunderte Male mehr Energie als die Polarlichter auf der Erde. Anders als auf der Erde hören sie nie auf. Jupiter hat ein sehr starkes Magnetfeld. Es fängt nicht nur Teilchen der Sonne ein, sondern auch Teilchen von Jupiters Mond Io. Auf Io gibt es viele große Vulkane, die Teilchen ins All schleudern.

Jupiters Polarlichter leuchten vor allem in ultraviolettem Licht. Das ist Licht, das unsere Augen nicht sehen können. Das Weltraumteleskop Hubble kann es aufnehmen.

Der Planet Jupiter mit blau leuchtendem Polarlicht am Nordpol
Polarlicht am Nordpol des Jupiters, aufgenommen vom Weltraumteleskop Hubble. Das blaue Leuchten ist ultraviolettes Licht, das für das Foto sichtbar gemacht wurde. Foto: NASA, ESA, and J. Nichols (University of Leicester), gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Woher hat das Polarlicht seinen Namen?

Das Polarlicht heißt so, weil es vor allem in den Gebieten rund um die Pole leuchtet. Der Fachname Aurora stammt von dem italienischen Forscher Galileo Galilei. Er nannte das Nordlicht im Jahr 1619 „Aurora borealis“.

Aurora ist das lateinische Wort für Morgenröte. Bei den alten Römern hieß so auch die Göttin der Morgenröte. Borealis bedeutet nördlich. Aurora borealis heißt also ungefähr „Morgenröte im Norden“. Der Name passt zu dem, was die Menschen in Europa meist sahen, nämlich ein rotes Leuchten am Nordhimmel, das an die Morgenröte erinnert. Das Südlicht heißt Aurora australis. Australis bedeutet südlich.

Seit wann kennen Menschen Polarlichter?

Menschen beobachten Polarlichter seit Tausenden Jahren. Die älteste Beschreibung mit genauem Datum ist über 2.500 Jahre alt.

Sie steht auf einer Tontafel aus Babylon im heutigen Irak. Die Sterndeuter des Königs Nebukadnezar II. drückten ihre Beobachtungen in Keilschrift in den weichen Ton. Keilschrift ist eine sehr alte Schrift aus keilförmigen Zeichen. Für die Nacht vom 12. auf den 13. März im Jahr 567 vor Christus schrieben sie, dass im Westen ein „rotes Leuchten“ aufflammte. Das Leuchten dauerte etwa vier Stunden. Ein Sonnenuntergang kann es deshalb nicht gewesen sein. Forscher halten es für ein Polarlicht.

Auf noch älteren Tontafeln aus Assyrien aus der Zeit um 679 bis 655 vor Christus fanden Forscher Berichte über ein „rotes Leuchten“, eine „rote Wolke“ und einen „roten Himmel“. Auch das könnten Polarlichter gewesen sein. Die Sterndeuter deuteten solche Erscheinungen als Zeichen für kommende Ereignisse und berichteten sie ihrem König.

Was glaubten die Menschen früher über Polarlichter?

Früher wusste niemand, wie Polarlichter entstehen. Deshalb erklärten die Menschen sie mit Geschichten. In vielen Gegenden galten sie als Zeichen dafür, dass bald etwas Schlimmes passiert.

Die Wikinger glaubten, das Licht sei das Schimmern des Mondlichts auf den Rüstungen der Walküren. Walküren waren in ihrem Glauben Kriegerinnen, die über den Himmel ritten und gefallene Krieger ins Jenseits brachten.

In Finnland heißen Polarlichter bis heute „revontulet“. Das bedeutet „Fuchsfeuer“. Eine alte Sage erzählt von einem Zauberfuchs, der nachts über die verschneiten Berge Lapplands rannte. Dabei fegte er mit seinem Schwanz durch den Schnee. Die Funken, die dabei aufstoben, flogen in den Himmel und wurden zu den Polarlichtern. In einer anderen Fassung jagte ein Schamane den Fuchs viele Jahre lang durch ganz Lappland, fing ihn aber nie. Jedes Mal, wenn der Fuchs über Felsen sprang, streifte sein Schwanz die Steine, und die Funken ließen den Himmel leuchten.

Die Samen, das Volk der Ureinwohner im Norden Skandinaviens, hielten das Polarlicht für die Seelen der Verstorbenen. Diese Seelen durfte man nicht stören. Wer das Licht ansah, mit ihm sprach, ihm zuwinkte, pfiff oder sang, konnte nach ihrem Glauben vom Licht gepackt und in den Himmel geholt werden.

Heute wissen wir, dass Polarlichter von der Sonne kommen. Die Geschichten erzählen aber, wie sehr die Lichter die Menschen schon immer beschäftigt haben.

Zum Weiterdenken

Eine Teilchenwolke von der Sonne fliegt mit etwa 1.000 Kilometern pro Sekunde. Die Sonne ist etwa 150 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Wie viele Stunden braucht die Wolke ungefähr bis zur Erde? Eine Stunde hat 3.600 Sekunden. Vergleiche dein Ergebnis mit der Zeit, die du oben im Text findest.

Jetzt selbst ausprobieren

Du kannst ein Windlicht basteln, das in den Farben eines Polarlichts leuchtet. Dafür klebst du Transparentpapier in Pink, Grün und Rot auf ein Glas und setzt Tannen aus schwarzem Tonpapier davor. Wie das geht, zeigen wir dir Schritt für Schritt in unserer Anleitung Windlicht basteln. Wie Forscher herausgefunden haben, dass das grüne Licht vom Sauerstoff kommt, kannst du mit einem Spektroskop aus einer alten CD nachvollziehen, das du nach unserer Anleitung Spektroskop basteln baust.

Quellen: GFZ: Häufig gestellte Fragen zum Erdmagnetismus, DLR: Polarlichter, die Besonderheit der Polregionen, DLR: Polarlichter, warum brennt manchmal der Himmel?, DLR-Magazin: Rasende Feuerfüchse am Firmament, Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung: Sonnenstürme, Max-Planck-Gesellschaft: Polarlichter in Süddeutschland, DWD: Polarlichter, GFZ: Über den Kp-Index, NOAA: Aurora, NOAA: Tipps zur Polarlicht-Beobachtung, NASA: Auroras, NASA: Der stärkste Sonnensturm seit 20 Jahren, Aalto-Universität: Erklärung für Polarlicht-Geräusche, Stephenson u. a.: Die älteste datierte Polarlicht-Beobachtung

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