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Rauhnächte: Was ist das und welche Bräuche gibt es?

Perchten mit Fellen, Hörnern und Holzmasken ziehen beim Perchtenumzug durch eine verschneite Dorfstraße im Gasteinertal

Die kurze Antwort

Die Rauhnächte sind die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag am 6. Januar. Früher glaubten die Menschen, dass in dieser dunklen Zeit Geister und Dämonen unterwegs sind. Deshalb hielten sie sich an viele Regeln. Sie räucherten Haus und Stall mit Weihrauch und Kräutern aus, hängten keine Wäsche auf und blieben nachts zu Hause. Außerdem versuchten sie, in diesen Tagen die Zukunft vorherzusagen. Jede der zwölf Nächte sollte für einen Monat des neuen Jahres stehen. In den Alpen ziehen bis heute Perchten mit Fellen und Masken durch die Dörfer. Woher die Rauhnächte genau kommen, wissen die Forscher nicht sicher.

Perchten mit Fellen, Hörnern und Holzmasken ziehen beim Perchtenumzug durch eine verschneite Dorfstraße im Gasteinertal
Gestalten mit Fellen, Hörnern und Masken beim Perchtenumzug im Gasteinertal in Österreich. Foto: Naturpuur, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Draußen ist es schon um halb fünf dunkel. Der Wind pfeift um das Haus, und irgendwo klappert ein Fensterladen. Vor vielen hundert Jahren hätte eine Bauernfamilie in so einer Nacht gesagt, dass jetzt die Wilde Jagd über den Himmel braust. Der Bauer ging mit einer Pfanne voll glühender Kohlen und Weihrauch durch alle Zimmer und in den Stall. Die Bäuerin achtete darauf, dass keine Wäsche mehr auf der Leine hing. Und die Kinder durften nicht mehr vor die Tür, sobald am Abend die Kirchenglocke geläutet hatte. Es waren die Rauhnächte. Was steckt hinter diesen geheimnisvollen Nächten, und warum sind sie heute wieder so bekannt?

Was sind die Rauhnächte?

Die Rauhnächte sind zwölf besondere Nächte rund um den Jahreswechsel, um die sich viel alter Volksglaube dreht. Volksglaube nennt man Vorstellungen, die nicht aus der Kirche oder der Wissenschaft kommen, sondern die sich die Menschen auf dem Land selbst erzählt und von Generation zu Generation weitergegeben haben.

Die Rauhnächte fallen in die dunkelste Zeit des Jahres. Kurz vor Weihnachten sind die Nächte am längsten, und die Sonne scheint nur wenige Stunden am Tag. Früher gab es kein elektrisches Licht. Die Menschen saßen abends bei Kerzen oder einer Öllampe in der Stube. Draußen war es stockfinster. In dieser Zeit stellten sie sich vor, dass die Welt der Lebenden und die Welt der Geister besonders nah beieinander liegen. Deshalb galten die Rauhnächte als gefährlich, aber auch als günstige Zeit, um etwas über das kommende Jahr zu erfahren.

Die Rauhnächte gibt es vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz, also im deutschsprachigen Raum. Am stärksten verbreitet waren die Bräuche in Bayern, in den Alpen und im Erzgebirge. In anderen Ländern gibt es zwar ebenfalls Bräuche um die Jahreswende, aber die zwölf Rauhnächte mit ihren Regeln sind eine deutschsprachige Besonderheit.

Wann sind die Rauhnächte 2026 und 2027?

Nach der häufigsten Zählung beginnen die Rauhnächte 2026 an Weihnachten und enden am 6. Januar 2027. Wer die zwölf Nächte genau zählt, beginnt mit der Nacht vom 25. auf den 26. Dezember und hört mit der Nacht vom 5. auf den 6. Januar auf. Viele zählen auch die Christnacht vom 24. auf den 25. Dezember schon dazu. Dann sind es eigentlich 13 Nächte.

Früher war das nicht überall gleich. In Bayern und Österreich begannen die Rauhnächte oft schon in der Thomasnacht vom 20. auf den 21. Dezember. Der 21. Dezember ist der Tag des heiligen Thomas und meistens der Tag der Wintersonnenwende. An diesem Tag ist die Nacht am längsten. In manchen Gegenden zählte man die zwölf Nächte deshalb von der Thomasnacht bis Neujahr. Im früheren Schlesien lagen sie sogar vor Weihnachten.

In Österreich nennt man oft nur vier Nächte die echten Raunächte. Das sind die Thomasnacht, die Christnacht, die Silvesternacht und die Nacht vor dem Dreikönigstag. Die Christnacht und die Dreikönigsnacht heißen dort die „foasten“ Raunächte, also die fetten oder großen. In ihnen sollte am meisten geschehen. Wie der Dreikönigstag am Ende der Rauhnächte gefeiert wird, erklärt unser Artikel Heilige Drei Könige.

Warum sind es gerade zwölf Nächte?

Warum es zwölf Nächte sind, ist nicht sicher geklärt. Die bekannteste Erklärung hat mit zwei verschiedenen Kalendern zu tun.

Ein Mondjahr besteht aus zwölf Monaten von Neumond zu Neumond und dauert etwa 354 Tage. Ein Sonnenjahr dauert dagegen etwa 365 Tage, so lange braucht die Erde für eine Runde um die Sonne. Zwischen beiden fehlen also elf Tage. Elf Tage haben zwölf Nächte. Nach dieser Erklärung waren die Rauhnächte die Zeit, die übrig blieb, wenn das Mondjahr schon vorbei war und das Sonnenjahr noch nicht. Diese Tage gehörten weder zum alten noch zum neuen Jahr. Daher kommt vielleicht auch die Redewendung „zwischen den Jahren“. Man sagt sie bis heute für die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr.

Oft liest man, dass die Germanen so gerechnet hätten. Dafür gibt es aber keine alten Schriften. Die Volkskundler, also die Forscher, die Bräuche und Volksglauben untersuchen, halten die Mondjahr-Erklärung deshalb nur für eine Vermutung.

Sicherer ist eine zweite Erklärung. Lange Zeit begann das neue Jahr nicht überall am 1. Januar. In vielen Gegenden fing es an Weihnachten an, in anderen am 6. Januar. Die Zeit zwischen diesen beiden Jahresanfängen sind genau die zwölf Tage von Weihnachten bis zum Dreikönigstag. Auch das passt zu dem Gefühl, dass man sich in dieser Zeit „zwischen den Jahren“ befindet.

Warum heißen sie Rauhnächte?

Woher der Name kommt, weiß man nicht genau. Es gibt zwei Erklärungen.

Die erste Erklärung führt zum mittelhochdeutschen Wort „rûch“. Mittelhochdeutsch ist die Sprache, die man in Deutschland vor etwa 800 Jahren sprach. „Rûch“ bedeutete haarig oder rau. Gemeint wären damit die haarigen, struppigen Dämonen, die man sich in diesen Nächten vorstellte, und die Masken aus Fell, die Menschen bei Umzügen trugen. Das alte Wort steckt noch in dem Begriff Rauchwaren. So nennen Kürschner, also Handwerker, die Pelze verarbeiten, bis heute Pelze und Felle. Mit Rauch haben Rauchwaren nichts zu tun.

Die zweite Erklärung führt zum Räuchern. In diesen Nächten wurden Häuser und Ställe mit Weihrauch und Kräutern ausgeräuchert. Deshalb heißen die Nächte in Bayern und Österreich oft auch Rauchnächte.

Eine Volkskundlerin aus dem Rheinland vermutet außerdem, dass das Wort Rauhnächte selbst gar nicht so alt ist. Sie hält es für möglich, dass es erst im 19. Jahrhundert aufkam. Damals sammelten Gelehrte begeistert alte Sagen und Bräuche und suchten darin Spuren der Germanen. Die Bräuche selbst sind aber älter als der Name.

Schreibt man Rauhnächte oder Raunächte?

Nach der heutigen Rechtschreibung schreibt man Raunächte oder Rauchnächte. Die Schreibweise mit h, also Rauhnächte, war vor der Rechtschreibreform von 1996 richtig. Bei dieser Reform wurde unter anderem „rauh“ zu „rau“, weil das h nicht gesprochen wird. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache führt „Rauhnacht“ deshalb als nicht mehr gültige Schreibung.

Trotzdem ist Rauhnächte mit h noch sehr verbreitet. In Büchern, Zeitungen und im Internet findet man beide Formen. Weil die Schreibweise mit h so bekannt ist, verwenden wir sie in diesem Artikel. In einem Diktat oder Schulaufsatz schreibt man aber Raunächte.

Welche anderen Namen haben die Rauhnächte?

Die Rauhnächte haben je nach Gegend viele andere Namen. In vielen Gegenden hießen sie einfach die Zwölften oder die Zwölfnächte, weil es zwölf sind. Im Erzgebirge sagt man Innernächte oder Unternächte. In Bayern und Österreich kennt man auch den Namen Glöckelnächte.

Ein weiterer Name ist Losnächte. Das Wort „losen“ bedeutete früher, das Schicksal zu befragen. Das steckt auch noch im Wort Los, das man zum Beispiel auf dem Jahrmarkt zieht. In den Losnächten versuchte man, die Zukunft herauszufinden. Die Tage, die zu den Losnächten gehören, heißen Lostage.

Was glaubten die Menschen früher über die Rauhnächte?

Die Menschen glaubten, dass in den Rauhnächten das Geisterreich offen steht. Geister, die Seelen von Verstorbenen, Hexen und Dämonen konnten dann in die Welt der Lebenden kommen. Wer nachts allein draußen war, konnte ihnen begegnen.

Am meisten fürchtete man die Wilde Jagd. Das war nach dem Volksglauben ein Zug aus Geistern, Toten, wilden Jägern und heulenden Hunden, der in stürmischen Nächten über den Himmel jagte. Wer der Wilden Jagd begegnete, wurde mitgerissen oder erkrankte schwer. Die Menschen erklärten sich so das Heulen und Tosen der Winterstürme. Angeführt wurde der Zug in vielen Gegenden von Wotan, auch Wode oder Odin genannt. Wotan war ein Gott der Germanen, also der Völker, die vor dem Christentum in Mittel- und Nordeuropa lebten. Er galt als Herr über die Toten. In anderen Gegenden ritt Frau Holle oder Frau Percht an der Spitze. Den Namen Wilde Jagd machte der Sprachforscher Jacob Grimm bekannt. Er sammelte zusammen mit seinem Bruder Wilhelm Märchen und schrieb 1835 ein großes Buch über die alten Götter und Sagen der Germanen.

Gemälde der Wilden Jagd, ein Zug aus Reitern und Geistern fliegt mit dem Gott Odin an der Spitze durch einen dunklen Nachthimmel
Die Wilde Jagd mit dem Gott Odin an der Spitze, wie sie sich der Maler Peter Nicolai Arbo im Jahr 1872 vorstellte. Gemälde: Peter Nicolai Arbo, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Eine wichtige Gestalt der Rauhnächte ist Frau Percht, auch Perchta oder Berchta genannt. Ihr Name kommt wohl vom mittelhochdeutschen Wort „bercht“, das glänzend oder leuchtend bedeutete. In Mitteldeutschland heißt eine ähnliche Gestalt Frau Holle. Man kennt sie auch aus dem Märchen der Brüder Grimm. Frau Percht und Frau Holle zogen in den Rauhnächten durch das Land und prüften, ob die Menschen fleißig und ordentlich waren. Fleißigen brachten sie Glück, Faule und Unordentliche bestraften sie. Besonders achteten sie darauf, dass in diesen Nächten niemand am Spinnrad saß. Viele Familien stellten Frau Percht Speisen vor die Tür, damit sie gut gelaunt blieb.

Doppelmaske der Frau Percht mit einer hässlichen Teufelsfratze auf der einen und einem schönen Gesicht auf der anderen Seite
Eine Doppelmaske der Frau Percht aus Kirchseeon in Bayern. Eine Seite sieht hässlich aus, die andere schön. Foto: Ernst Weissdorn, CC0, via Wikimedia Commons

Außerdem glaubte man, dass in der Christnacht die Tiere im Stall sprechen können. Wer sie belauschte, hörte, was im kommenden Jahr geschehen würde. Doch das war gefährlich. Eine Sage aus dem Hinterbergertal in der Steiermark erzählt, was einem Bauern passierte, der es nicht glauben wollte.

Der Bauer versteckte sich in der Heiligen Nacht im Stall, sodass die Tiere ihn nicht sehen konnten. Plötzlich fingen die Ochsen und Kühe an zu reden, und er verstand jedes Wort. Ein Ochse sagte zu seinem Nachbarn, dass der Bauer sie schinde. Sie müssten sich plagen, und trotzdem sei es ihm immer zu wenig, und er schlage sie, bis sie Striemen bekämen. Der andere Ochse gab ihm recht. Die beiden beschlossen, den Bauern schon am nächsten Tag mit ihren Hörnern zu töten. Der Bauer lachte heimlich und dachte, dass er das natürlich nicht zulassen werde. Am nächsten Tag trieb die Magd das Vieh zum Brunnen. Da begannen die beiden Ochsen so wild zu stoßen und zu raufen, dass sie sich nicht mehr zu helfen wusste. Sie rief den Bauern. Als er herbeikam, stürzten die Ochsen auf ihn los und töteten ihn mit ihren Hörnern.

Solche Sagen sollten zeigen, dass man die Geheimnisse der Rauhnächte besser in Ruhe lässt. Sie zeigen aber auch, dass man seine Tiere gut behandeln soll.

Warum darf man in den Rauhnächten keine Wäsche waschen?

Man sollte in den Rauhnächten keine Wäsche waschen und vor allem keine aufhängen, weil man glaubte, dass sie sonst Unglück bringt. Dafür gab es mehrere Begründungen.

Nach der ersten Begründung konnte sich die Wilde Jagd in der Wäsche auf der Leine verfangen. Die Geister wären darüber so wütend geworden, dass sie die Familie im neuen Jahr bestraft hätten. Nach der zweiten Begründung nahmen die Geister ein weißes Laken mit. Im neuen Jahr würde es dann als Leichentuch für jemanden aus dem Haus gebraucht. Ein Leichentuch ist ein Tuch, in das man früher Verstorbene hüllte. Ein weißes Laken auf der Leine bedeutete also, dass im nächsten Jahr jemand sterben könnte. Deshalb galt das Verbot besonders für weiße Bettwäsche und Tischdecken.

Eine dritte Begründung hat mit Frau Holle und Frau Percht zu tun. Sie achteten darauf, dass in den Rauhnächten niemand spann. Spinnen bedeutet, aus Wolle oder Flachs mit einem Spinnrad einen Faden zu drehen. Eine Volkskundlerin vermutet, dass das mit dem Jahreswechsel zusammenhängt. Das Jahr sollte sich erst neu zu drehen beginnen, wenn die Rauhnächte vorbei waren. Ein Spinnrad, das sich dreht, hätte das gestört.

Es gibt auch eine ganz praktische Erklärung. Früher wusch man die Wäsche in kaltem Wasser, oft draußen am Brunnen oder am Bach. Im Winter war das mühsam, und wer dabei nass und kalt wurde, erkältete sich leicht. Ob dieser Gedanke wirklich hinter dem Verbot steckt, lässt sich aber nicht beweisen.

Welche Regeln galten noch in den Rauhnächten?

In den Rauhnächten galten noch viele weitere Regeln, die vor Unglück schützen sollten. Welche es gab, war von Dorf zu Dorf verschieden. Diese Regeln waren besonders häufig.

  • Frauen und Kinder sollten nachts zu Hause bleiben und nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr aus dem Haus gehen. Türen und Fenster blieben geschlossen.
  • Man sollte Ordnung halten. Haus, Küche und Werkstatt mussten aufgeräumt sein. Man glaubte, dass Geister Unordnung lieben und sich in einem unordentlichen Haus leichter einnisten.
  • Man sollte keine Haare und Nägel schneiden. Wer sich in den Rauhnächten Haare oder Fingernägel schnitt, sollte im neuen Jahr Kopfschmerzen, Gicht oder Krankheiten an den Fingern bekommen. Gicht ist eine schmerzhafte Krankheit der Gelenke.
  • Man sollte keine Türen zuschlagen. Wer eine Tür knallen ließ, musste im neuen Jahr mit Blitz und Donner rechnen.
  • In vielen Gegenden machte man keine schwere Arbeit. Die Knechte und Mägde mussten nicht draußen arbeiten. Gesponnen wurde nicht.
  • Man sollte Betten nicht draußen lüften. Bettzeug sollte aus demselben Grund wie die Wäsche nicht im Freien hängen.

Für Bauernfamilien hatten diese Regeln einen Vorteil. Mitten im Winter gab es auf dem Feld ohnehin nichts zu tun. Die Rauhnächte waren deshalb auch eine Zeit, in der die Familie zusammen in der warmen Stube saß, sich Geschichten erzählte und ausruhte.

Warum räucherte man in den Rauhnächten?

Man räucherte in den Rauhnächten, um Haus, Hof und Tiere vor bösen Geistern und Krankheit zu schützen. Das Räuchern ist der wichtigste Brauch der Rauhnächte.

Beim Räuchern legt man Weihrauch oder getrocknete Pflanzen auf glühende Kohle. Dabei steigt duftender Rauch auf. Weihrauch ist das getrocknete Harz eines Baumes, der auf der Arabischen Halbinsel, in Ostafrika und in Indien wächst. In der katholischen Kirche verwendet man ihn in Gottesdiensten. Die Menschen glaubten, dass böse Geister den Duft des Weihrauchs nicht ertragen und davor fliehen.

So lief das Räuchern auf einem Bauernhof meistens ab. Der Bauer legte glühende Kohlen aus dem Herd in eine Räucherpfanne. Darauf streute er Weihrauch und Kräuter. Dann ging er mit der Pfanne durch jeden Raum des Hauses, von der Stube über die Küche bis in die Schlafkammern. Danach räucherte er den Stall aus, damit das Vieh gesund blieb. Oft ging jemand mit Weihwasser hinterher und besprengte die Räume, und die Familie betete dabei. Das war also ein christlicher Segen und alter Volksglaube zugleich.

Schwarze Räucherpfanne aus Eisen mit durchbrochenem Deckel und langem Holzgriff
Eine Räucherpfanne aus Eisen mit Holzgriff. Darin trägt man glühende Kohle und Weihrauch durch das Haus. Foto: WikiLuxi14, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Neben Weihrauch nahm man Wacholder, Beifuß und andere Kräuter. Besonders wichtig waren die Kräuter, die man im Sommer gesammelt und am 15. August, dem Fest Mariä Himmelfahrt, in der Kirche hatte segnen lassen. An diesem Tag bringen viele Familien in Bayern und Österreich bis heute Kräuterbuschen in die Kirche. Die getrockneten Kräuter hob man auf und verbrannte sie in den Rauhnächten.

Am meisten geräuchert wurde in den vier wichtigsten Nächten, also in der Thomasnacht, der Christnacht, der Silvesternacht und der Nacht vor dem Dreikönigstag. In vielen Gegenden Bayerns und Österreichs räuchern Familien bis heute mindestens in einer dieser Nächte.

Wie wollte man in den Rauhnächten die Zukunft vorhersagen?

Die Menschen glaubten, dass man in den Rauhnächten sehen kann, was das neue Jahr bringt. Deshalb gab es viele Orakel. Ein Orakel ist ein Brauch, mit dem man versucht, die Zukunft vorherzusagen.

Am bekanntesten ist die Regel, dass jeder der zwölf Tage für einen Monat des neuen Jahres steht. Wie das Wetter am ersten Tag war, so sollte das Wetter im Januar werden. Der zweite Tag zeigte den Februar und so weiter. Nach einer verbreiteten Zählung passen Tage und Monate so zusammen.

  • 25. Dezember – Januar
  • 26. Dezember – Februar
  • 27. Dezember – März
  • 28. Dezember – April
  • 29. Dezember – Mai
  • 30. Dezember – Juni
  • 31. Dezember – Juli
  • 1. Januar – August
  • 2. Januar – September
  • 3. Januar – Oktober
  • 4. Januar – November
  • 5. Januar – Dezember

In manchen Gegenden begann man auch erst am 26. Dezember zu zählen. Die Bauern achteten außerdem auf ihre Träume. Was man in einer Rauhnacht träumte, sollte im passenden Monat in Erfüllung gehen. Wissenschaftlich gibt es zwischen dem Wetter an diesen zwölf Tagen und dem Wetter im ganzen Jahr keinen Zusammenhang. Wie das Wetter wird, hängt davon ab, wie sich Luftmassen über Europa bewegen, und das lässt sich nicht Monate im Voraus erkennen.

Im Erzgebirge gibt es das Zwiebelorakel. Dabei schneidet man eine Zwiebel auf und legt zwölf Zwiebelschalen nebeneinander, eine für jeden Monat. Auf jede Schale streut man etwas Salz. Am nächsten Morgen schaut man nach. Je mehr Wasser sich in einer Schale gesammelt hat, desto regnerischer soll der Monat werden. In Wirklichkeit zieht das Salz einfach Wasser aus der Zwiebel. Wie viel Wasser austritt, hängt von der Schale ab und nicht vom Wetter.

Junge Frauen versuchten, ihren zukünftigen Ehemann zu sehen. Sie blieben in der Thomasnacht bis Mitternacht auf und schauten in einen Spiegel oder auf eine Wasserfläche. Dort sollte das Gesicht des Zukünftigen erscheinen. Im 19. Jahrhundert gingen manche Mädchen um Mitternacht an eine Wegkreuzung. Dort sollte die Gestalt des künftigen Bräutigams schweigend vorbeigehen. Ansprechen oder ihm nachschauen durften sie ihn nicht, sonst drohte nach dem Volksglauben der Tod.

Beim Bibelstechen schlug man mit einem dünnen Holzspan eine beliebige Seite in der Bibel auf. Der Vers, auf den man zeigte, sollte etwas über das neue Jahr verraten. Das Bleigießen an Silvester, das viele Familien heute noch machen, ist ebenfalls ein Orakel, das aus der Zeit der Rauhnächte stammt.

Was haben die Perchten mit den Rauhnächten zu tun?

Perchten sind verkleidete Gestalten, die in den Rauhnächten durch die Dörfer ziehen. Sie haben ihren Namen von Frau Percht. Vor allem im Alpenraum, also in Bayern, Österreich und Südtirol, gibt es diese Umzüge. Man nennt sie Perchtenläufe.

Es gibt zwei Arten von Perchten. Die Schiachperchten tragen Fell, Hörner und furchterregende Masken aus Holz. „Schiach“ ist bairisch und bedeutet hässlich. Die Schiachperchten stellen die Dämonen und Geister der Rauhnächte dar. Mit Glocken, Schellen und lautem Geschrei sollten sie die bösen Mächte und den Winter vertreiben. Die Schönperchten tragen prächtige Kleider und hohen Kopfschmuck. Sie bringen den Menschen Glück und Segen für das neue Jahr.

Perchtenläufe sind erstmals im Jahr 1582 in alten Schriften erwähnt. Einer der bekanntesten ist der Perchtenlauf im Gasteinertal im Salzburger Land. Er findet alle vier Jahre zwischen Neujahr und dem Dreikönigstag statt, mit rund 140 Figuren. Die Gasteiner Perchten stehen seit 2011 im österreichischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Dazu gehören Bräuche, Feste und Fertigkeiten, die nicht aus Stein gebaut sind, sondern von Menschen weitergegeben werden. Viele andere Perchtengruppen sind dagegen ziemlich jung. Sie wurden erst in den 1990er-Jahren oder später gegründet.

Woher kommen die Bräuche der Rauhnächte?

Woher die Bräuche der Rauhnächte genau kommen, kann niemand sicher sagen. Die Forscher haben dafür zu wenige alte Schriften.

Oft liest man, dass die Rauhnächte von den Germanen oder Kelten stammen. Beweise dafür gibt es kaum, denn die Germanen haben fast nichts aufgeschrieben. Sicher ist, dass es Bräuche in dieser Zeit mindestens seit dem Mittelalter gibt. Damals mischten sich alte Vorstellungen von Geistern und Dämonen mit dem christlichen Glauben. Das sieht man gut am Räuchern. Der Weihrauch und das Weihwasser kommen aus der Kirche, die Angst vor den Geistern der dunklen Nächte kommt aus dem Volksglauben.

Viele Gelehrte im 19. Jahrhundert, darunter Jacob Grimm, suchten in den Bräuchen auf dem Land nach Resten der alten germanischen Religion. Sie schrieben die Sagen auf und verbreiteten die Vorstellung, dass alles uralt und germanisch sei. Dabei deuteten sie manches als germanisch, was in Wahrheit jünger oder christlich war. Heute sind die Forscher vorsichtiger. Sie sagen, dass die Bräuche der Rauhnächte eine Mischung aus Christentum, altem Volksglauben und späteren Erfindungen sind.

Warum sind die Rauhnächte heute wieder so beliebt?

Die Rauhnächte sind heute wieder beliebt, weil viele Menschen die ruhigen Tage zwischen den Jahren nutzen wollen, um über ihr Leben nachzudenken. Mit dem alten Geisterglauben hat das meist nur noch wenig zu tun.

In Buchhandlungen gibt es inzwischen viele Ratgeber zu den Rauhnächten. Besonders viele erschienen während der Corona-Pandemie ab 2020 und danach. In dieser Zeit waren viele Menschen verunsichert und mussten wegen der Krankheit oft zu Hause bleiben. Manche suchten nach Ritualen, die ihnen Halt geben. In den sozialen Medien zeigen viele Menschen, wie sie in den Rauhnächten räuchern, Tagebuch schreiben oder ihre Wünsche für das neue Jahr sammeln.

Sehr bekannt ist das Ritual der 13 Wünsche. Dabei schreibt man vor den Rauhnächten 13 Wünsche auf 13 Zettel und faltet sie zusammen. In jeder der zwölf Rauhnächte zieht man einen Zettel, ohne ihn zu lesen, und verbrennt ihn. Am 6. Januar bleibt ein Zettel übrig. Diesen Wunsch muss man sich selbst erfüllen. Das Ritual klingt alt, ist aber eine neue Erfindung. In alten Beschreibungen der Rauhnächte kommt es nicht vor.

Zum Weiterdenken

Früher hatten die Menschen in den langen, dunklen Winternächten Angst vor Geistern, Stürmen und Krankheit. Mit dem Räuchern, den Regeln und den Orakeln versuchten sie, sich zu schützen und etwas Sicherheit für das neue Jahr zu bekommen. Heute haben wir elektrisches Licht, Wettervorhersagen und Ärzte. Trotzdem erzählen sich viele Familien immer noch die alten Geschichten. Warum, glaubst du, interessieren sich Menschen bis heute dafür, was ihnen das neue Jahr bringt?

Quellen: Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen – Raunächte, Quarks – Bräuche der Rauhnächte, Bayern 2 radioWissen – Rauhnächte, die wilde Nacht, Austria-Forum – Raunächte, DWDS – Raunacht, Österreichische UNESCO-Kommission – Gasteiner Perchten, MDR – Rauhnächte im Erzgebirge, sagen.at – Tiere reden in der Christnacht

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