Die kurze Antwort
Der finnische Weihnachtsreisbrei heißt Riisipuuro (ausgesprochen „RII-si-puu-ro“). Er wird aus Rundkornreis, wenig Wasser, viel Milch und einer Prise Salz gekocht. Zuerst kocht der Reis ein paar Minuten im Wasser, bis er es aufgesogen hat. Dann kommt die Milch dazu, und der Brei zieht 40 bis 45 Minuten bei ganz kleiner Hitze, bis er dick und cremig ist. Zucker kommt nicht in den Topf. Jeder streut sich am Tisch selbst Zimt und Zucker auf seine Portion und legt ein Stück Butter in die Mitte. In Finnland essen viele Familien den Brei am Morgen des Heiligabends. Im Topf ist eine Mandel versteckt, und wer sie findet, soll im neuen Jahr Glück haben.
In Finnland heißt der Reisbrei an Weihnachten Joulupuuro (ausgesprochen „JOU-lu-puu-ro“), das bedeutet Weihnachtsbrei. Er ist für viele Finnen der Anfang des Heiligabends. Am Morgen sitzt die Familie zusammen und sucht im Brei nach der Mandel. Am Abend klopft dann Joulupukki an die Tür, der finnische Weihnachtsmann. Die Wichtel, die für ihn arbeiten, heißen auf Finnisch Tontut (ausgesprochen „TON-tut“). Schon früher stellten die Finnen ihren Hauswichteln in der Weihnachtsnacht einen Teller Brei hin. Mit diesem Rezept kochst du Riisipuuro für vier Personen. Du brauchst etwa eine Stunde, davon stehst du aber nur eine Viertelstunde am Herd.

Vor dem Start
Der Herd und der Topf werden sehr heiß, und kochende Milch kann spritzen. Das Einschalten des Herds und das Abgießen übernimmt jemand, der dir hilft, zum Beispiel deine Mama, dein Opa oder deine große Schwester. Wasch dir vor dem Kochen die Hände. Im Riisipuuro stecken Milch und Butter. Wenn du eine Mandel hineingibst, sag allen am Tisch Bescheid, denn kleine Kinder können sich an einer ganzen Mandel verschlucken, und manche Menschen vertragen keine Nüsse.
Was brauchst du für finnischen Reisbrei?

Wie kocht man finnischen Reisbrei?
1. Den Reis im Wasser kochen
Gieß das Wasser in den großen Topf. Wer dir hilft, schaltet den Herd auf mittlere Hitze und bringt das Wasser zum Kochen. Gib dann den Reis hinein und rühr um. Lass den Reis etwa fünf Minuten kochen und rühr dabei ab und zu um. Der Schritt ist fertig, wenn kein Wasser mehr im Topf steht und die Reiskörner es ganz aufgesogen haben.

2. Die Milch dazugießen
Gieß die ganze Milch zum Reis und rühr gut um, damit kein Reis am Boden klebt. Bleib jetzt am Topf und rühr weiter, bis die Milch zu kochen beginnt. Milch kocht schnell über. Sobald die ersten Blasen aufsteigen, dreht die Person, die dir hilft, die Hitze auf die kleinste Stufe herunter.

3. Den Brei langsam ziehen lassen
Lass den Brei 40 bis 45 Minuten bei der kleinsten Hitze ziehen. Er soll nur leise köcheln. Köcheln bedeutet, dass ab und zu eine kleine Blase aufsteigt, aber nichts sprudelt. Rühr etwa alle fünf Minuten einmal bis zum Boden um. Der Brei brennt leicht am Topfboden an, deshalb ist das Umrühren wichtig. Gegen Ende wird er dicker, dann rührst du öfter.

4. Prüfen, ob der Brei fertig ist
Nimm mit einem Teelöffel ein paar Körner heraus, lass sie kurz abkühlen und probier sie. Der Brei ist fertig, wenn die Körner ganz weich sind und keinen harten Kern mehr haben. Er ist dann so dick, dass der Holzlöffel kurz eine Spur hinterlässt. Wenn die Körner noch hart sind, der Brei aber schon dick ist, gieß noch etwas Milch dazu und lass ihn ein paar Minuten weiterziehen.

5. Salzen und die Mandel verstecken
Nimm den Topf vom Herd. Rühr das Salz unter. In Finnland kommt das Salz erst zum Schluss in den Brei, dann kann man am besten abschmecken. Jetzt rührt einer von euch die geschälte Mandel in den Brei, ohne dass die anderen sehen, wo sie landet.

6. Mit Butterauge servieren
Füll den Brei mit der Kelle in Schälchen. Drück mit dem Löffel eine kleine Mulde in die Mitte jeder Portion und leg ein Stück Butter hinein. Die Butter schmilzt im heißen Brei zu einem gelben Fleck. In Finnland heißt er Voisilmä (ausgesprochen „WOI-sil-mä“), das bedeutet Butterauge. Streu Zimt und Zucker darüber und gieß nach Wunsch etwas kalte Milch dazu. Wer die Mandel in seinem Schälchen findet, zeigt sie allen am Tisch.

7. Den Tontut einen Teller hinstellen
Füll zum Schluss einen kleinen Teller für die Tontut. Früher glaubten die Menschen in Finnland, dass auf jedem Hof Hauswichtel wohnen, die auf das Haus aufpassen. In der Weihnachtsnacht brachten sie ihnen einen Teller Brei dorthin, wo die Wichtel wohnten, zum Beispiel in die Sauna, in den Stall, in die Scheune oder auf den Dachboden. Stell deinen Teller am Abend des Heiligabends an einen ruhigen Ort, zum Beispiel vor die Tür, auf den Dachboden oder neben den Weihnachtsbaum.

Warum wird der Riisipuuro so dick und cremig?
Der Riisipuuro wird dick und cremig, weil Rundkornreis beim Kochen viel Stärke an die Milch abgibt. Stärke ist ein Vorrat, den die Reispflanze in ihren Körnern speichert. Sie besteht aus winzigen Körnchen. Werden sie in einer heißen Flüssigkeit warm, saugen sie die Flüssigkeit auf und werden größer. Das nennt man Quellen. Ein Teil der Stärke löst sich dabei aus dem Korn und macht die Milch dick. So wird aus Reis und Milch ein Brei und keine Suppe mit Körnern.
Für Riisipuuro nimmt man Rundkornreis. Er hat kurze, dicke Körner, die besonders viel Stärke abgeben und beim Kochen aneinanderkleben. In Finnland heißt er Puuroriisi, das bedeutet Breireis. Langkornreis wie Basmatireis gibt viel weniger Stärke ab. Mit ihm bleiben die Körner einzeln, und der Brei wird nicht cremig.
Die Milch ist ein Liter, das Wasser nur ein Glas. Der Reis braucht so viel Flüssigkeit, weil er sehr lange zieht und dabei immer mehr aufsaugt. Ein Teil der Milch verdampft außerdem. Der Brei wird beim Abkühlen noch fester, weil die Stärke weiter Flüssigkeit bindet. Darum ist er am nächsten Tag so fest, dass man ihn fast schneiden kann.
Warum steckt eine Mandel im Riisipuuro?
Eine Mandel steckt im Riisipuuro, weil sie nach einem alten Brauch Glück bringt. Wer die Mandel in seinem Schälchen findet, soll im kommenden Jahr Glück haben. Früher hieß es in manchen Gegenden auch, dass der Finder als Nächster heiraten wird.
Den Brauch mit der Mandel haben die Finnen aus Schweden übernommen. Früher kochten sie ihren Festbrei aus Hafer, Roggen oder Gerste. Reis musste aus fernen Ländern gekauft werden und war teuer. Erst im 19. Jahrhundert wurde er in Finnland nach und nach üblich. Den Weihnachtsbrei aus Reis gibt es in Finnland seit gut 100 Jahren. Eine Forscherin der Universität Turku hat herausgefunden, dass die Mandel zuerst im Neujahrsbrei steckte. Mit ihrer Hilfe sagte man voraus, wer im neuen Jahr Glück hat. Als der Weihnachtsbrei aus Reis gekocht wurde, wanderte die Mandel in den Weihnachtsbrei.
Warum es ausgerechnet eine Mandel ist, weiß niemand genau. Eine Forscherin der Universität Helsinki hat zwei Vermutungen. Mandeln und Reis waren Mitte des 19. Jahrhunderts teure Lebensmittel, die sich vor allem reiche Familien leisten konnten. Außerdem sieht man eine geschälte Mandel im weißen Brei viel schlechter als eine glänzende Münze. So bleibt bis zum Schluss spannend, wer sie bekommt.
Wie kocht man Riisipuuro im Backofen?
Im Backofen gart der Riisipuuro fast von allein, und er brennt nicht so leicht an. Auch dieser Ofenbrei ist in Finnland ein altes Rezept, er heißt Uuniriisipuuro (ausgesprochen „UU-ni-rii-si-puu-ro“). Du brauchst dafür 1,5 Liter Vollmilch, 275 ml Rundkornreis und 1 Teelöffel Salz. Fette eine ofenfeste Form, in die zwei Liter passen, mit etwas Butter ein. Gib Reis, Milch und Salz hinein und rühr um. Wer dir hilft, schiebt die Form in den Ofen und stellt ihn auf 175 Grad Ober- und Unterhitze. Der Brei gart 1 Stunde und 20 Minuten. In der ersten Stunde rührt deine Hilfe ihn zwei- bis dreimal um. Danach muss der Brei zehn Minuten außerhalb des Ofens ruhen, bevor ihr ihn esst. Die Mandel rührst du ganz am Ende hinein.
Was tun, wenn der Riisipuuro nicht klappt?
- Wenn der Brei am Boden ansetzt, war die Hitze zu groß. Füll ihn sofort in einen sauberen Topf um und kratz den angebrannten Rest nicht mit hinein. Koch auf kleinerer Hitze weiter und rühr öfter um. Ein Topf mit dickem Boden brennt viel seltener an.
- Wenn die Milch überkocht, nimm den Topf kurz vom Herd und dreh die Hitze herunter. Bleib beim Aufkochen der Milch immer am Topf.
- Wenn der Brei zu dick ist, rühr nach und nach etwas Milch unter, bis er dir gefällt.
- Wenn der Brei nach 45 Minuten noch flüssig ist, lass ihn zehn Minuten weiterköcheln und rühr dabei öfter um. Dann verdampft ein Teil der Milch.
- Wenn die Körner einzeln und körnig bleiben, hast du wahrscheinlich Langkornreis genommen. Nimm beim nächsten Mal Rundkornreis, im Laden heißt er Milchreis.
- Wenn jemand bei euch keine Milch verträgt, nimm laktosefreie Milch oder Haferdrink. Auch der finnische Milchhersteller Valio kocht Riisipuuro für Menschen, die keine Milch essen, mit Haferdrink.
- Wenn du für mehr oder weniger Leute kochst, rechne mit 50 ml Reis für jede Person, das sind etwa 40 g. Wasser und Milch nimmst du im gleichen Verhältnis mehr oder weniger.
- Wenn Brei übrig bleibt, füll ihn in eine Dose mit Deckel und stell ihn in den Kühlschrank. Am nächsten Tag ist er fest. Zum Aufwärmen gibst du ihn mit einem Schuss Milch in einen Topf und rührst, bis er wieder heiß und weich ist.
Zum Weiterdenken
Viele Finnen essen den Riisipuuro nicht nur mit Zimt und Zucker, sondern mit einer süßen Suppe aus getrockneten Früchten wie Pflaumen, Aprikosen und Äpfeln. Sie heißt Sekahedelmäkeitto (ausgesprochen „SE-ka-he-del-mä-keit-to“). Früher gingen die Bauernfamilien am frühen Weihnachtsmorgen in die Sauna. Danach ließen sie die Tür einen Spalt offen, damit auch die Wichtel baden konnten. Was meinst du, warum haben die Menschen den Wichteln ausgerechnet Brei hingestellt und kein anderes Essen?
Jetzt selbst ausprobieren
Mit deinem Riisipuuro beginnt der Heiligabend wie in Finnland. Wer am Abend an die Tür klopft und wo er mit seinen Wichteln wohnt, erfährst du im Beitrag Joulupukki: Wer bringt in Finnland die Geschenke?
Rezept eigenständig formuliert nach Valio: Riisipuuro und Martat: Riisipuuro, Backofen nach Valio: Uuniriisipuuro. Weitere Quellen: Finnisches Nationalmuseum: Tontut, Universität Turku: Die Mandel wanderte vom Neujahrsbrei in den Weihnachtsbrei, Universität Helsinki: Warum ist eine Mandel im Reisbrei?, Valio: Joulupuuro, Aineeton kulttuuriperintö: Puurot ja vellit

