Die kurze Antwort
Joulupukki (ausgesprochen „JOU-lu-puk-ki“) ist der finnische Weihnachtsmann. Der Name bedeutet „Weihnachtsbock“. Früher zogen in Finnland in der Weihnachtszeit Männer als Ziegenböcke verkleidet von Haus zu Haus, und von ihnen hat Joulupukki seinen Namen. Im 19. Jahrhundert wurde aus dem Bock ein Gabenbringer, zuerst ein grauer alter Mann im Pelz, seit den 1930er-Jahren ein Weihnachtsmann im roten Mantel. Joulupukki kommt am Heiligabend persönlich an die Haustür und fragt, ob hier brave Kinder wohnen. Nach der finnischen Sage wohnt er mit seiner Frau, seinen Wichteln und seinen Rentieren auf dem Berg Korvatunturi in Lappland. Besuchen kann man ihn das ganze Jahr im Weihnachtsmanndorf am Polarkreis bei der Stadt Rovaniemi.

Am Heiligabend ist es in Finnland schon am frühen Nachmittag dunkel. Draußen liegt tiefer Schnee. Plötzlich klopft es laut an der Tür. Die Kinder rennen hin. Draußen steht ein Mann mit weißem Bart, rotem Mantel und einem Sack über der Schulter. „Gibt es hier brave Kinder?“, fragt er. Das ist Joulupukki. Er kommt nicht heimlich durch den Kamin, sondern durch die Haustür, und er bleibt eine Weile zu Besuch. Aber warum heißt er „Bock“? Und warum wohnt er ausgerechnet auf einem Berg, der wie ein Ohr aussieht?
Welche anderen Gabenbringer es auf der Welt gibt, zeigt unser Überblick Christkind oder Weihnachtsmann: Wer bringt in welchem Land die Geschenke?. Wie der Weihnachtsmann in anderen Ländern entstanden ist, erklärt unser Artikel Weihnachtsmann: Woher kommt er und wo wohnt er?.
Wer ist Joulupukki?
Joulupukki ist der Gabenbringer in Finnland. Er bringt den Kindern am Heiligabend, dem 24. Dezember, die Geschenke. In Finnland ist Joulupukki aber nicht nur ein Gast, der einmal im Jahr kommt. Viele Finnen sagen, dass der Weihnachtsmann der ganzen Welt in Finnland zu Hause ist. Deshalb heißt der Weihnachtsmann auf Finnisch immer Joulupukki, ganz gleich, ob er in einem finnischen Wohnzimmer, in einem Film aus Amerika oder auf einem Plakat zu sehen ist.
Nach der Vorstellung der Finnen lebt er nicht allein. Er hat eine Frau, die Joulumuori (ausgesprochen „JOU-lu-muo-ri“). Der Name bedeutet „Weihnachtsmutter“. Sie hilft ihm, Weihnachten vorzubereiten. Außerdem arbeiten für ihn viele Wichtel, auf Finnisch Tontut (ausgesprochen „TON-tut“). Ein einzelner Wichtel heißt Tonttu (ausgesprochen „TONT-tu“). Die Wichtel lesen die Wunschzettel, bauen Spielzeug und passen das ganze Jahr auf, ob die Kinder brav sind. Seinen Schlitten ziehen Rentiere.
Warum heißt Joulupukki Weihnachtsbock?
Joulupukki heißt Weihnachtsbock, weil sein Name von alten Bräuchen mit verkleideten Ziegenböcken kommt. „Joulu“ (ausgesprochen „JOU-lu“) ist das finnische Wort für Weihnachten, „Pukki“ (ausgesprochen „PUK-ki“) bedeutet Bock.
Früher zogen in Finnland bei den Festen im Herbst und im Winter junge Männer verkleidet von Haus zu Haus. Sie hatten sich Ziegenfelle oder umgedrehte Pelzjacken umgehängt, trugen Masken aus Birkenrinde und oft Hörner auf dem Kopf. Sie klopften an die Türen und verlangten Bier, Schnaps und die Reste vom Weihnachtsessen. Wer ihnen etwas gab, sollte nach dem alten Glauben ein gutes Jahr und eine gute Ernte haben. Die Böcke sollten die Kinder eher erschrecken als beschenken. Manchmal verteilten sie aber auch kleine Geschenke.
Der Forscher Juha Nirkko (ausgesprochen „JU-ha NIRK-ko“) von der Finnischen Literaturgesellschaft erklärt, dass dieser Brauch sehr alt ist. Eine furchterregende Gestalt geht von Tür zu Tür und will etwas haben, damit das neue Jahr gut wird. Daraus ist der Name Joulupukki entstanden, auch nachdem der Bock längst ein freundlicher alter Mann geworden war.
Wie wurde aus dem Bock der freundliche Joulupukki?
Aus dem Bock wurde im 19. Jahrhundert ein freundlicher Gabenbringer, weil der Brauch, Kindern zu Weihnachten Geschenke zu bringen, aus Mitteleuropa über Schweden nach Finnland kam. In Mitteleuropa brachte der heilige Nikolaus den Kindern Geschenke. Als diese Sitte in Finnland bekannt wurde, gaben die Finnen dem Gabenbringer den Namen, den sie schon kannten, nämlich Bock.
Der frühe Joulupukki sah noch ganz anders aus als heute. Im 19. Jahrhundert und am Anfang des 20. Jahrhunderts war er ein grauer, bescheidener alter Mann, der meistens einen Pelz trug. In seiner grauen und braunen Kleidung sah er aus wie ein Waldarbeiter. Er kam auf Skiern zu den Häusern und rief laut. Dann kamen die Kinder heraus, sangen ihm ein Lied vor und bekamen ein Geschenk. Das war oft ein Spielzeug aus Holz, das jemand selbst geschnitzt hatte, oder ein Stück Obst, zum Beispiel ein Apfel oder eine Orange. Obst war damals im Winter in Finnland sehr selten und deshalb etwas Kostbares.
Den roten Mantel mit weißem Pelz bekam Joulupukki erst in den 1930er-Jahren. Damals verbreitete sich das Bild des roten Weihnachtsmanns aus Amerika durch Zeitschriften, Werbung und Filme auf der ganzen Welt, auch in Finnland. Seitdem sieht Joulupukki so aus, wie man ihn heute kennt, mit weißem Bart, roter Mütze, rotem Mantel und Gürtel.
Wie kommt Joulupukki zu den Kindern?
Joulupukki kommt am Heiligabend persönlich zu den Kindern und klopft an die Haustür. Das ist anders als in vielen anderen Ländern, in denen die Geschenke heimlich in der Nacht kommen und die Kinder sie erst am Morgen finden.
Wenn die Tür aufgeht, fragt Joulupukki: „Onko täällä kilttejä lapsia?“ (ausgesprochen „ON-ko TÄÄL-lä KILT-te-jä LAP-si-a“). Das heißt „Gibt es hier brave Kinder?“ Dann kommt Joulupukki herein, und die Familie lacht und unterhält sich mit ihm. Oft singen die Kinder ihm ein Weihnachtslied vor. Erst danach holt er die Geschenke aus seinem Sack und gibt sie den Kindern.
Dieser Besuch an der Tür ist ein Rest aus der alten Zeit. Auch die verkleideten Böcke kamen früher persönlich an die Tür und klopften. Wer heute am Heiligabend als Joulupukki kommt, ist meistens ein Verwandter, ein Nachbar oder ein Mann, den die Familie für den Abend bestellt hat.
Wo wohnt Joulupukki?
Joulupukki wohnt nach der finnischen Sage auf dem Korvatunturi (ausgesprochen „KOR-wa-tun-tu-ri“) in Lappland. Das ist ein Berg ganz im Osten von Finnisch-Lappland, direkt an der Grenze zu Russland. „Korva“ (ausgesprochen „KOR-wa“) bedeutet Ohr. „Tunturi“ (ausgesprochen „TUN-tu-ri“) ist ein kahler, runder Berg im hohen Norden, auf dem keine Bäume mehr wachsen. Auf Deutsch nennt man so einen Berg Fjell. Korvatunturi heißt also „Ohrenberg“.
Der Berg ist 486 Meter hoch. Seine Gipfel sind spitzer als die der anderen Berge in der Gegend und sehen von weitem aus wie die Ohren eines Fuchses oder eines Wolfs. Deshalb sagt man, Joulupukki könne dort mit diesen Ohren alle Wünsche hören, die Kinder auf der ganzen Welt flüstern.
Auf dem Korvatunturi wohnt Joulupukki zusammen mit Joulumuori, den Tontut und seinen Rentieren. Dort liegt auch seine Werkstatt, in der die Wichtel Spielzeug bauen. Nach der Sage dürfen keine fremden Besucher an die geheimsten Stellen des Berges, damit die Wichtel in Ruhe arbeiten können.
Warum wohnt Joulupukki auf dem Korvatunturi?
Joulupukki wohnt auf dem Korvatunturi, weil ein beliebter Radiomoderator das im Jahr 1927 den Kindern in Finnland erzählt hat. Er hieß Markus Rautio (ausgesprochen „MAR-kus RAU-ti-o“) und lebte von 1891 bis 1973. Für die Kinder war er „Onkel Markus“, auf Finnisch Markus-setä (ausgesprochen „MAR-kus-SE-tä“). Von 1926 bis 1956 hatte er im finnischen Rundfunk eine Kindersendung.
Ein Kind wollte in einem Brief an die Sendung wissen, wo der Weihnachtsmann wohnt, und Onkel Markus musste etwas antworten. Am 15. Dezember 1927 sprach er in seiner Sendung mit dem Weihnachtsmann. Dabei erzählte er, dass die Werkstatt des Weihnachtsmanns auf dem Korvatunturi liegt. Die Finnen glaubten diese Geschichte sofort, und seitdem gilt der Ohrenberg als Joulupukkis Zuhause.
Markus Rautio hat nie selbst gesagt, dass er sich das ausgedacht hat. Sein Biograf Paavo Oinonen (ausgesprochen „PAA-wo OI-no-nen“) vermutet, dass Rautio die Geschichte auf seinen Reisen von Leuten gehört und dann im Radio für das ganze Land bekannt gemacht hat. Schon im 18. Jahrhundert gab es Sagen, nach denen der Weihnachtsmann in Lappland wohnt. Erst durch das Radio wurden sie aber überall bekannt.
Für Finnland passte es gut, dass der Weihnachtsmann im eigenen Land wohnt. Das Land war erst seit 1917 unabhängig, und die Menschen waren stolz auf ihren eigenen Staat. Auch für die Rentiere passt Lappland besser als der Nordpol. Am Nordpol gibt es nur Eis und für Rentiere nichts zu fressen. In Lappland dagegen leben Rentiere frei in der Natur und fressen Flechten.

Kann man Joulupukki auf dem Korvatunturi besuchen?
Den Korvatunturi selbst darf man nur mit einer besonderen Erlaubnis besuchen. Der Berg liegt im Nationalpark Urho Kekkonen (ausgesprochen „UR-ho KEK-ko-nen“) in der Gemeinde Savukoski (ausgesprochen „SA-wu-kos-ki“) und genau an der Grenze zu Russland. Entlang dieser Grenze gibt es einen Streifen von bis zu drei Kilometern Breite, die Grenzzone. In die Grenzzone darf nur, wer vorher eine Erlaubnis vom finnischen Grenzschutz bekommen hat. Die Erlaubnis ist kostenlos und gilt nur für einen kurzen Besuch.
Der Weg ist außerdem sehr weit. Vom nächsten Dorf sind es 135 Kilometer. Mit dem Auto kommt man nur bis zum Eingang des Nationalparks. Danach muss man noch 20 Kilometer zu Fuß oder auf Skiern durch die Wildnis gehen. Jedes Jahr gibt der Grenzschutz nur etwa 150 bis 200 Erlaubnisse für den Korvatunturi aus, und ungefähr 500 Menschen wandern hinauf. Oben steht eine kleine Hütte der Grenzschützer. Dort liegt ein Gästebuch, in das die Wanderer Grüße an Joulupukki und Joulumuori schreiben können. Weil kaum jemand zum Korvatunturi kommt, gibt es einen anderen Ort, an dem man Joulupukki treffen kann.
Was ist das Weihnachtsmanndorf in Rovaniemi?
Das Weihnachtsmanndorf, auf Englisch Santa Claus Village (ausgesprochen „SÄN-ta KLOOS WIL-lidsch“), ist ein Ort, an dem man Joulupukki an jedem Tag im Jahr besuchen kann. Es liegt etwa acht Kilometer nördlich der Stadt Rovaniemi (ausgesprochen „RO-wa-nie-mi“) direkt am nördlichen Polarkreis. Der Polarkreis ist eine gedachte Linie auf der Erde. Nördlich davon geht die Sonne im Winter an mindestens einem Tag gar nicht auf und im Sommer an mindestens einem Tag nicht unter. Im Dorf ist der Polarkreis mit einer Linie auf dem Boden markiert, und viele Besucher springen darüber.

Angefangen hat alles mit einer berühmten Besucherin. Im Juni 1950 kam Eleanor Roosevelt (ausgesprochen „EL-li-nor ROO-se-welt“), die Witwe des früheren amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, nach Lappland. Für ihren Besuch baute man am Polarkreis eine kleine Holzhütte. Aus dieser Hütte wurde mit der Zeit ein Ausflugsziel. Im Jahr 1985 eröffnete Joulupukki dort sein Büro, und seit 1992 ist es jeden Tag im Jahr geöffnet. Heute kommen jedes Jahr rund eine halbe Million Besucher aus der ganzen Welt.

In seinem Büro sitzt Joulupukki in einem großen Stuhl. Die Besucher können ihn begrüßen, mit ihm sprechen und sich mit ihm fotografieren lassen. Dass Joulupukki in Rovaniemi und nicht auf dem Korvatunturi seine Besucher empfängt, hat auch mit Geld zu tun. Die Besucher aus aller Welt übernachten in Rovaniemi, essen in Restaurants und kaufen Andenken. Davon leben viele Menschen in der Stadt.
Kann man Joulupukki einen Brief schreiben?
Ja, man kann Joulupukki einen Brief schreiben, und er kommt im Weihnachtsmanndorf an. Dort gibt es das Hauptpostamt des Weihnachtsmanns. Es gehört zur finnischen Post. Bisher hat Joulupukki fast 25 Millionen Briefe aus ungefähr 200 Ländern bekommen. In der Weihnachtszeit kommen an einem einzigen Tag fast 30.000 Briefe an.

Die Adresse lautet „Santa Claus‘ Main Post Office, Tähtikuja 1, 96930 Arctic Circle, Finnland“. „Tähtikuja“ (ausgesprochen „TÄH-ti-ku-ja“) heißt auf Deutsch „Sternengasse“. Wer im Postamt selbst eine Karte abschickt, bekommt einen besonderen Poststempel. Diesen Stempel vom Polarkreis gibt es nur dort.
Gibt es Joulupukki wirklich?
Joulupukki als Weihnachtsmann, der mit seinen Wichteln auf dem Korvatunturi wohnt, gibt es nicht wirklich. Er ist eine Gestalt aus Sagen und Bräuchen. Die Männer, die am Heiligabend als Joulupukki an die Tür klopfen, sind verkleidete Menschen. Auch der Joulupukki im Weihnachtsmanndorf ist ein Mann im Kostüm.
Trotzdem ist Joulupukki für Finnland sehr wichtig geworden. In Rovaniemi und in ganz Lappland arbeiten viele Menschen dafür, dass Besucher aus aller Welt Joulupukki treffen, Briefe an ihn schicken und mit Rentierschlitten fahren können. Für viele Familien in Finnland gehört der Besuch von Joulupukki an der Haustür bis heute zum wichtigsten Moment des Heiligabends.
Zum Weiterdenken
Aus einem verkleideten Bock, der an den Türen Bier verlangte, ist ein freundlicher alter Mann geworden, der Geschenke bringt. Seinen alten Namen hat er trotzdem behalten. Und ein Zuhause auf dem Ohrenberg hat er bekommen, weil ein Kind im Radio wissen wollte, wo er wohnt. Warum, glaubst du, haben die Finnen den Namen Bock nicht einfach geändert? Und was würdest du Joulupukki fragen, wenn er an deiner Tür klopft?
Jetzt selbst ausprobieren
Bevor Joulupukki am Abend kommt, essen viele finnische Familien am Morgen des Heiligabends einen Reisbrei mit einer versteckten Mandel. Wie du diesen Riisipuuro selbst kochst und warum die Wichtel früher auch einen Teller davon bekamen, steht in unserem Rezept Reisbrei.
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