Die kurze Antwort
Schloss Thurn und Taxis ist ein Schloss in Regensburg in Bayern. Sein richtiger Name ist Schloss St. Emmeram. Es hat weit über 500 Räume und ist das größte Schloss in Deutschland, in dem heute noch eine Familie wohnt. Früher war das Gebäude ein Kloster. Im Jahr 1812 bekam es die Familie Thurn und Taxis. Diese Familie hatte über 300 Jahre lang die Post in Europa betrieben und war damit reich geworden. Heute kann man Teile des Schlosses bei einer Führung besichtigen. Im Advent findet im Schlosshof der Romantische Weihnachtsmarkt statt. Dort erscheint jeden Abend das Christkind auf einem Balkon.

Was ist Schloss Thurn und Taxis?
Schloss Thurn und Taxis ist der Wohnsitz der Fürstenfamilie Thurn und Taxis in Regensburg. Die meisten Menschen nennen es nach der Familie. Sein offizieller Name ist aber Schloss St. Emmeram. So hieß das Kloster, aus dem das Schloss entstanden ist.
Das Schloss ist riesig. Es hat weit über 500 Räume. Damit ist es das größte Schloss in Deutschland, das heute noch privat bewohnt wird. Privat bedeutet hier, dass es einer Familie gehört und nicht dem Staat. Die meisten anderen großen Schlösser in Deutschland sind heute Museen und gehören einem Bundesland.
Das Schloss besteht aus Gebäuden aus vielen Jahrhunderten. Die ältesten Teile stammen aus dem frühen Mittelalter, als hier noch Mönche lebten. Die jüngsten Teile wurden am Ende des 19. Jahrhunderts gebaut. Direkt neben dem Schloss steht die Kirche des alten Klosters, die Basilika St. Emmeram. Sie ist eine der ältesten und wichtigsten Barockkirchen in Bayern.
Warum heißt das Schloss St. Emmeram?
Das Schloss heißt St. Emmeram, weil es früher das Kloster St. Emmeram war. Das Kloster hatte seinen Namen vom heiligen Emmeram. Er war ein Bischof, der im 7. Jahrhundert nach Bayern kam, um dort vom christlichen Glauben zu erzählen. Emmeram wurde ermordet und in Regensburg begraben. Viele Menschen verehrten ihn danach als Heiligen. Ein Heiliger ist in der katholischen Kirche ein Mensch, der besonders vorbildlich nach seinem Glauben gelebt hat.
Im 8. Jahrhundert ließen sich an seinem Grab Mönche nieder und gründeten ein Kloster. Es waren Benediktiner, also Mönche, die nach den Regeln des heiligen Benedikt leben. Ihr Leitspruch lautet „Bete und arbeite“.
Wie wurde aus dem Kloster ein Schloss?
Aus dem Kloster wurde ein Schloss, weil die Mönche das Kloster verlassen mussten und die Familie Thurn und Taxis es geschenkt bekam.
Über 1.000 Jahre lang war St. Emmeram eines der wichtigsten Klöster in Bayern. Die Äbte, also die Leiter des Klosters, waren von 739 bis 975 zugleich Bischöfe von Regensburg. Später war das Kloster eine Reichsabtei. Das bedeutet, dass es keinem Fürsten unterstand, sondern direkt dem Kaiser. Um das Jahr 780 ließen die Mönche in der Kirche einen gewölbten Gang rund um das Grab von Emmeram anlegen. So einen Raum unter oder in einer Kirche, in dem Heilige begraben sind, nennt man Krypta. Im Mittelalter bauten die Mönche auch einen großen Kreuzgang. Das ist ein überdachter Gang rund um einen Innenhof, in dem die Mönche beteten und nachdachten.

Am Anfang des 19. Jahrhunderts löste der Staat in Bayern fast alle Klöster auf. Er nahm ihnen ihr Land und ihre Gebäude weg. Diesen Vorgang nennt man Säkularisation. Auch das Kloster St. Emmeram wurde aufgelöst, und die Mönche mussten gehen.
Im Jahr 1812 bekam die Familie Thurn und Taxis die Klostergebäude vom bayerischen König. Das war eine Entschädigung. Die Familie hatte nämlich kurz vorher ihre Post in Bayern an den Staat abgeben müssen. Wie es dazu kam, erfährst du weiter unten. Ab 1816 baute die Familie das Kloster zu einem Schloss um. Viele Möbel, Wandverkleidungen und Kunstwerke brachte sie aus ihrem alten Palast in Frankfurt mit.
Wer ist die Familie Thurn und Taxis?
Die Familie Thurn und Taxis ist eine Adelsfamilie, die über 300 Jahre lang die Post im Heiligen Römischen Reich betrieben hat. Das Heilige Römische Reich war ein großes Reich in der Mitte Europas, zu dem auch das heutige Deutschland gehörte. Es bestand bis 1806.
Ursprünglich hieß die Familie Tasso oder Tassis. Sie kam aus Cornello, einem kleinen Dorf in den Bergen bei Bergamo in Norditalien. Schon im Mittelalter arbeiteten Männer aus der Familie als Boten. Sie brachten Briefe für die Stadt Venedig und für den Papst in Rom.
Im Jahr 1490 bekamen Janetto und Franz von Taxis einen wichtigen Auftrag von König Maximilian I., dem späteren Kaiser. Sie sollten eine schnelle Verbindung zwischen Innsbruck und Brüssel aufbauen. Maximilian herrschte über weit auseinanderliegende Länder und wollte schnell Nachrichten schicken können.
Die Taxis erfanden dafür ein neues System. An der Strecke bauten sie in regelmäßigen Abständen Stationen. Dort warteten frische Reiter und Pferde. Ein Reiter ritt mit der Post bis zur nächsten Station und gab sie dort an den nächsten Reiter weiter. So musste niemand eine Pause machen, und die Post kam Tag und Nacht voran. Um das Jahr 1500 brauchte ein Brief von Innsbruck nach Brüssel etwa fünfeinhalb Tage.
Wie wurde die Familie Thurn und Taxis so reich und berühmt?
Die Familie wurde reich und berühmt, weil sie die Post immer weiter ausbaute und der Kaiser ihr dafür Titel und Rechte gab. Zuerst brachte die Post nur Briefe für den Kaiser. Später durften auch andere Menschen gegen Bezahlung Briefe verschicken. So entstand die Reichspost.
Im Jahr 1512 wurde die Familie in den Adelsstand erhoben. Auf ihrem Wappen ist bis heute ein Posthorn zu sehen. Mit einem Posthorn kündigten die Postreiter früher ihre Ankunft an. Außerdem zeigt das Wappen einen Dachs. Das italienische Wort für Dachs ist nämlich „tasso“, so wie der alte Name der Familie.
Im Jahr 1615 machte der Kaiser das Amt des Generalpostmeisters in der Familie erblich. Das heißt, es ging immer vom Vater an den Sohn über. Weil das Amt auch an Frauen vererbt werden durfte, konnte nach dem Tod eines Generalpostmeisters auch seine Frau die Post leiten. So war es bei Alexandrine von Taxis. Nach dem Tod ihres Mannes leitete sie ab 1628 die Reichspost. Sie gilt als eine der ersten Unternehmerinnen in Deutschland.
Im Jahr 1650 durfte sich die Familie „Thurn und Taxis“ nennen. Sie behauptete damals, dass sie von einer alten Mailänder Adelsfamilie namens della Torre abstamme. „Torre“ bedeutet Turm, auf Deutsch auch „Thurn“. Diese Abstammung war aber wohl ausgedacht. Im Jahr 1695 wurde die Familie in den Fürstenstand erhoben.
Warum zog die Familie Thurn und Taxis nach Regensburg?
Die Familie zog nach Regensburg, weil der Fürst dort im Auftrag des Kaisers arbeitete. Seit 1663 trafen sich in Regensburg ständig die Vertreter der Fürsten und Städte des Reiches. Diese Versammlung hieß Immerwährender Reichstag, weil sie nicht mehr auseinanderging.
Im Jahr 1748 machte der Kaiser Fürst Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis zu seinem Stellvertreter beim Reichstag. Dieses Amt hieß Prinzipalkommissar. Deshalb zog die Familie aus Frankfurt nach Regensburg. Bis zum Ende des Reiches im Jahr 1806 hatten drei Fürsten von Thurn und Taxis dieses Amt.
Die Fürsten machten viel für die Stadt. Fürst Carl Anselm öffnete im Jahr 1786 seine Bibliothek für alle Bürger. Er unterstützte auch das Theater und ließ rund um die Altstadt Wege mit Bäumen anlegen. Diese Alleen gibt es bis heute.
Was geschah mit der Post von Thurn und Taxis?
Die Post von Thurn und Taxis gibt es heute nicht mehr, weil die Staaten sie im 19. Jahrhundert übernommen haben. Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches im Jahr 1806 wollten die einzelnen Länder ihre Post selbst betreiben. Bayern übernahm die Post in seinem Gebiet im Jahr 1808. Als Entschädigung bekam die Familie unter anderem das Kloster St. Emmeram.
In anderen Ländern betrieb die Familie die Post noch länger. Im Jahr 1867 zwang Preußen sie aber, auch diese Post abzugeben. Die Familie bekam dafür fünf Millionen Gulden. Ein Gulden war eine Münze, mit der man damals bezahlte. Damit endete die Geschichte der Post von Thurn und Taxis nach fast 400 Jahren.
Was gibt es im Schloss Thurn und Taxis zu sehen?
Im Schloss Thurn und Taxis gibt es prächtige Säle, den alten Kreuzgang, eine Schatzkammer und eine Sammlung von Kutschen zu sehen.
Die Prunkräume sind die Säle, in denen die Fürsten früher Gäste empfingen und Feste feierten. Viele von ihnen sind im Stil des Rokoko eingerichtet. Das ist ein verspielter Stil aus dem 18. Jahrhundert mit vielen goldenen Verzierungen, Spiegeln und geschwungenen Formen. Ein großer Teil davon wurde für den Südflügel des Schlosses gebaut. Er entstand von 1883 bis 1888 und ist 150 Meter lang. Er ist der letzte große Schlossbau in Bayern. Der Baumeister war Max Schultze. Damals ahmte man den Rokoko-Stil nach. Man nennt das Neurokoko.
Bei der Führung siehst du auch den mittelalterlichen Kreuzgang des Klosters und die Gruftkapelle. Das ist die Grabkapelle der Fürstenfamilie.
Im Marstall stehen viele Kutschen der Familie. Ein Marstall ist das Gebäude, in dem ein Fürst seine Pferde und Kutschen hatte. In der Schatzkammer sind wertvolle Kunstschätze der Familie ausgestellt.
Zum Schloss gehört auch ein großer Park, der Schlosspark St. Emmeram. Er ist ein Englischer Landschaftspark. So nennt man einen Park, der nicht streng geordnet ist, sondern wie eine natürliche Landschaft mit Wiesen, Bäumen und Wegen aussieht. Gestaltet hat ihn der Gartenkünstler Carl von Effner. Im Sommer finden am Schloss die Schlossfestspiele mit Konzerten statt.
Wer wohnt heute im Schloss Thurn und Taxis?
Im Schloss wohnt heute die Fürstenfamilie Thurn und Taxis. Das Oberhaupt ist Fürst Albert II. von Thurn und Taxis. Er ist der zwölfte Fürst der Familie. Die Familie bewohnt einen Teil des Schlosses. Die anderen Räume werden für Führungen, Büros und Veranstaltungen genutzt.
Seit über 100 Jahren gibt es im Schloss eine besondere Küche. Fürst Albert I. hatte sie nach dem Ersten Weltkrieg eingerichtet, als viele Menschen in Regensburg hungerten. Bis heute bekommen dort jeden Tag bis zu 250 Menschen, die wenig Geld haben, ein kostenloses Essen.
Wie kannst du Schloss Thurn und Taxis mit Kindern besuchen?
Die Prunkräume und den Kreuzgang kannst du nur mit einer Führung besuchen. Die Führung dauert etwa 90 Minuten. Bis zum 19. November gibt es jeden Tag Führungen um 10:30, 12:30, 14:30 und 16:30 Uhr. Kinder bis 10 Jahre kommen umsonst mit. Erwachsene zahlen 17 Euro, mit Ermäßigung 14 Euro. Weil es viele Treppen gibt, ist die Führung für Kinderwagen und Rollstühle nicht geeignet.
Den Marstall mit den Kutschen und die Schatzkammer kannst du ohne Führung besuchen, von Donnerstag bis Sonntag zwischen 11 und 16 Uhr. Auch hier kommen Kinder bis 10 Jahre umsonst hinein. Erwachsene zahlen 6 Euro, mit Ermäßigung 4 Euro. Fotografieren ist in den Räumen nicht erlaubt.
Die aktuellen Öffnungszeiten und Preise findest du auf der Website von Schloss Thurn und Taxis.
Was ist der Romantische Weihnachtsmarkt auf Schloss Thurn und Taxis?
Der Romantische Weihnachtsmarkt ist ein Weihnachtsmarkt im Innenhof des Schlosses. Er findet vom 20. November bis zum 23. Dezember 2026 statt. Am 22. November ist er geschlossen, weil dann Totensonntag ist. An diesem Tag denken evangelische Christen an die Verstorbenen.
An den Ständen verkaufen Kunsthandwerker ihre Waren. Das sind Handwerker, die schöne Dinge meist von Hand herstellen. Im Hof brennen offene Feuer, an denen du dich wärmen kannst. Für Kinder gibt es ein eigenes Programm.
Jeden Tag um 17, 18 und 19 Uhr tritt das Fürstliche Christkind auf. Es erscheint auf dem großen Balkon über dem Innenhof, dem Prunkbalkon. Von dort sagt es ein Gedicht auf und begrüßt die Kinder. Mehr über das Christkind erfährst du im Beitrag Christkind: Wer ist es und woher kommt es?.
Der Weihnachtsmarkt hat von Montag bis Donnerstag von 15 bis 21 Uhr geöffnet, am Freitag von 15 bis 22 Uhr, am Samstag von 14 bis 22 Uhr und am Sonntag von 14 bis 21 Uhr. Anders als auf den meisten Weihnachtsmärkten musst du hier Eintritt bezahlen. Kinder von 6 bis 16 Jahren zahlen von Montag bis Samstag 3,50 Euro. Am Sonntag ist Familientag. Dann kommen Kinder umsonst hinein. Kinder unter 6 Jahren zahlen nie etwas. Erwachsene zahlen 9,50 Euro, am Montag 6,50 Euro und am Samstag 13,50 Euro.
Die aktuellen Öffnungszeiten und Preise findest du auf der Website des Romantischen Weihnachtsmarkts.

Zum Weiterdenken
Vor 500 Jahren brauchte ein Brief von Innsbruck nach Brüssel fünfeinhalb Tage, und viele Reiter mussten ihn dafür weitergeben. Heute kommt eine Nachricht auf dem Handy in einer Sekunde an. Was glaubst du, wie die Menschen damals gewartet haben, wenn sie auf einen wichtigen Brief hofften? Und welche Nachrichten würdest du lieber mit der Hand schreiben als mit dem Handy?
Quellen: Thurn und Taxis: Schloss St. Emmeram, Thurn und Taxis: Geschichte der Familie, Thurn und Taxis: Besuch Schloss St. Emmeram, Stadt Regensburg: Schloss St. Emmeram, Haus der Bayerischen Geschichte: Kloster St. Emmeram, Deutsche Biographie: Thurn und Taxis und Romantischer Weihnachtsmarkt Schloss Thurn und Taxis.

