Die kurze Antwort
Für einen Schwibbogen aus Papier faltest du schwarzen Fotokarton in der Mitte, zeichnest einen halben Bogen auf und schneidest ihn doppelt aus. Aufgeklappt hast du einen gleichmäßigen Bogen mit einer Standleiste. Hinten klebst du gelbes Transparentpapier auf, vorne schwarze Figuren wie Tannen, Häuser und eine Kirche. Oben kommen sieben Kerzen aus Papier dazu. Stellst du LED-Teelichter hinter den Bogen, leuchtet das Papier gelb und die Figuren erscheinen als schwarze Umrisse.
Ein Schwibbogen ist ein Lichterbogen aus dem Erzgebirge, auf dem in der Adventszeit Kerzen leuchten. Die ersten Schwibbögen waren aus Eisen geschmiedet, heute sind sie meist aus Holz und haben elektrische Kerzen. Mit dieser Anleitung bastelst du einen Schwibbogen aus Papier, den du ins Fenster stellen kannst. Du brauchst dafür nur eine Schere und keine Vorlage zum Ausdrucken. Nebenbei erfährst du, warum das Papier leuchtet und warum der Bogen nicht umfällt.

Vor dem Start
Hinter und neben deinen Schwibbogen gehören nur LED-Teelichter und keine echten Kerzen. Papier fängt an einer Flamme schnell Feuer. Der Deutsche Feuerwehrverband rät, Kerzen nie in die Nähe von Dingen zu stellen, die brennen können, und in Familien mit Kindern elektrische Kerzen zu nehmen. Beim Ausschneiden des Bogens kann dir jemand helfen, zum Beispiel deine Freundin, dein großer Bruder oder dein Papa. Wer dir hilft, hält das gefaltete Papier fest, während du schneidest. Für den ganzen Schwibbogen brauchst du etwa eine Stunde.
Was brauchst du für einen Schwibbogen aus Papier?

Wie bastelt man einen Schwibbogen aus Papier?
1. Den Karton falten
Leg einen Bogen schwarzen Fotokarton quer vor dich. Klapp die linke kurze Kante genau auf die rechte kurze Kante und streich die Falte mit dem Daumen fest. Die Falte heißt Knick. Weil du beide Hälften auf einmal ausschneidest, wird der Bogen links und rechts genau gleich. Diese Gleichheit auf beiden Seiten nennt man Symmetrie. Zum Zeichnen nimmst du den weißen Buntstift, denn ein Bleistiftstrich ist auf schwarzem Karton kaum zu sehen.

2. Den halben Bogen aufzeichnen
Leg den gefalteten Karton so hin, dass der Knick rechts liegt. Zieh mit dem Lineal eine Linie, die 3 Zentimeter über der unteren Kante quer über den Karton läuft. Der Streifen darunter wird die Standleiste, auf der der Bogen später steht. Mach dort, wo diese Linie den Knick trifft, einen Punkt. Miss von diesem Punkt aus 13 Zentimeter am Knick nach oben und 13 Zentimeter auf der Linie nach links und mach dort je einen Strich.
Leg den Teller so auf den Karton, dass sein Rand beide Striche berührt. Zeichne am Tellerrand entlang von einem Strich zum anderen. So entsteht ein Viertelkreis, der äußere Rand deines Bogens. Miss danach an mehreren Stellen 2,5 Zentimeter vom Rand nach innen und setz jedes Mal einen Punkt. Verbinde die Punkte zu einer zweiten Linie. Der Streifen zwischen den beiden Linien wird der Bogen. Zeichne zuletzt am äußeren Ende des Viertelkreises eine senkrechte Linie bis zur unteren Kante. Sie zeigt dir, wo die Standleiste aufhört.

3. Den Bogen ausschneiden
Schneide zuerst am äußeren Rand entlang, vom Knick bis zur Linie der Standleiste. Schneide dann an der senkrechten Linie nach unten bis zur unteren Kante. Der Knick bleibt dabei überall ganz, nur so hängen die beiden Hälften zusammen. Für das Fenster in der Mitte schneidest du vom Knick aus auf der Linie der Standleiste bis zur inneren Linie. Schneide dann die innere Linie entlang zurück bis zum Knick. Klapp den Karton auf. Jetzt hast du einen Bogen mit einer Standleiste und einem halbrunden Fenster, das etwa 21 Zentimeter breit ist. Das halbrunde Stück aus der Mitte hebst du auf, daraus kannst du später Figuren schneiden.

4. Das Transparentpapier aufkleben
Dreh den Bogen um, sodass die Rückseite oben liegt. Bestreich den Bogen rund um das Fenster mit dem Klebestift. Leg das Transparentpapier darauf, sodass es das ganze Fenster bedeckt, und drück es fest. Schneide das Papier ab, das außen über den Bogen hinausragt. Dreh den Bogen wieder um. Durch das Fenster siehst du jetzt das gelbe Papier.

5. Die Figuren ausschneiden
Schneide aus dem zweiten Bogen schwarzem Karton und aus dem halbrunden Reststück kleine Figuren aus. Passend zum Erzgebirge sind Tannen, Häuser, eine Kirche, ein Bergmann, der Mond und Sterne. Eine Tanne wird gleichmäßig, wenn du ein Stück Karton faltest und nur eine halbe Tanne am Knick entlang schneidest. Bei einem Haus kannst du in den Knick kleine Ecken schneiden. Aufgeklappt sind das die Fenster. Die Figuren am Boden sollten zwischen 5 und 9 Zentimeter hoch sein, die Kirche in der Mitte darf am höchsten sein.

6. Die Figuren aufkleben
Leg alle Figuren zuerst lose auf das gelbe Papier und probier aus, wo sie am besten stehen. Die Häuser, die Kirche und die Tannen stellst du mit der unteren Kante genau auf die Standleiste. Mond und Sterne kommen nach oben in den Bogen. Lass zwischen den Figuren Lücken, denn nur dort leuchtet später das gelbe Papier. Dann klebst du jede Figur mit dem Klebestift fest.

7. Die Kerzen basteln und ankleben
Schneide aus dem weißen Karton sieben Streifen, die 1 Zentimeter breit und 5 Zentimeter lang sind. Das sind die Kerzen. Schneide aus einem Rest Transparentpapier sieben kleine Flammen und kleb sie oben an die Kerzen. Ein echter Schwibbogen hat fast immer eine ungerade Zahl an Kerzen, damit eine Kerze genau in der Mitte steht.
Dreh den Bogen um. Miss auf der Standleiste vom Knick aus 4, 8 und 12 Zentimeter nach links und nach rechts und mach jeweils einen kleinen Strich. Über jedem Strich und über dem Knick klebst du eine Kerze hinten an den Bogen. Jede Kerze steht genau senkrecht, also so wie der Knick. Klebe sie so an, dass 3 Zentimeter über den Bogen hinausragen. Die mittlere Kerze steht dann ganz oben, die beiden äußeren Kerzen stehen an den Enden des Bogens.

8. Die Stützen ankleben
Ein Bogen aus dünnem Karton kippt leicht um. Deshalb bekommt er hinten zwei Stützen. Schneide aus dem schwarzen Reststück zwei Dreiecke mit einem rechten Winkel. Die senkrechte Seite ist 10 Zentimeter lang, die untere Seite 6 Zentimeter. Gib an der senkrechten Seite einen 1,5 Zentimeter breiten Streifen dazu und knick ihn um. Das ist die Klebelasche. Klebe die Laschen hinten an die beiden Enden des Bogens, sodass die Dreiecke nach hinten zeigen und mit der unteren Seite auf dem Tisch stehen.
9. Den Schwibbogen zum Leuchten bringen
Stell den Schwibbogen auf die Fensterbank oder auf einen Tisch. Stell zwei oder drei LED-Teelichter etwa 5 bis 10 Zentimeter hinter den Bogen und schalte sie ein. Am schönsten sieht er in einem dunklen Zimmer aus.

Warum leuchtet das Papier und die Figuren bleiben schwarz?
Das Papier leuchtet, weil Transparentpapier Licht hindurchlässt, und die Figuren bleiben schwarz, weil Fotokarton kein Licht hindurchlässt. Stoffe, durch die kein Licht kommt, heißen lichtundurchlässig. Der schwarze Karton ist so ein Stoff. Hinter jeder Figur kommt deshalb kein Licht bei dir an, und du siehst nur ihren dunklen Umriss. Einen solchen Umriss nennt man Silhouette.
Transparentpapier ist durchscheinend. Durchscheinende Stoffe lassen einen Teil des Lichts hindurch, lenken es dabei aber in viele Richtungen ab. Diese Ablenkung heißt Streuung. Deshalb kannst du durch das Papier nicht klar erkennen, was dahinter steht. Für den Schwibbogen ist das gut. Du siehst die LED-Teelichter nicht als helle Punkte, sondern das ganze Fenster leuchtet gleichmäßig.
Dass Transparentpapier so viel Licht durchlässt, liegt an seiner Herstellung. Papier besteht aus winzigen Fasern aus Holz. Für Transparentpapier werden die Fasern nicht klein geschnitten, sondern gequetscht. Dann liegen sie ganz flach aufeinander, und zwischen ihnen gibt es fast keine Löcher mit Luft. Bei normalem Papier wird das Licht an diesen vielen kleinen Zwischenräumen zurückgeworfen, deshalb sieht es weiß aus und lässt wenig Licht durch.
Auch echte Schwibbögen aus Holz arbeiten mit diesem Trick. Im Jahr 1935 entwarf Max Schanz, damals Direktor der Spielwarenschule in Seiffen, einen Schwibbogen mit einer Rückwand, die hinter farbigem Pergament beleuchtet wird. Pergament war früher eine dünne, durchscheinende Haut, heute heißt auch durchscheinendes Papier so. Vor der Rückwand erscheinen die Holzfiguren genauso als dunkle Umrisse wie deine Figuren aus Karton.
Warum fällt der Bogen mit den Stützen nicht um?
Der Bogen fällt nicht um, weil die Stützen seine Standfläche größer machen. Die Standfläche ist die Fläche, mit der ein Gegenstand auf dem Tisch steht. Jeder Gegenstand hat einen Schwerpunkt. Das ist der Punkt, an dem man ihn sich so vorstellen kann, als wäre sein ganzes Gewicht dort gesammelt. Ein Gegenstand bleibt stehen, solange die Linie vom Schwerpunkt senkrecht nach unten durch seine Standfläche geht. Geht diese Linie am Rand der Standfläche vorbei, kippt er um.
Ohne Stützen steht der Bogen nur auf der schmalen Kante der Standleiste. Schon ein kleiner Stoß schiebt den Schwerpunkt so weit nach vorn oder hinten, dass die Linie neben der Kante landet. Die Stützen reichen 6 Zentimeter nach hinten. Jetzt muss sich der Bogen viel weiter neigen, bevor er kippt.
Was tun, wenn der Schwibbogen nicht klappt?
- Wenn die beiden Seiten des Bogens verschieden aussehen, ist der Karton beim Schneiden verrutscht. Lass ihn beim nächsten Mal von der Person festhalten, die dir hilft, und schneide langsam.
- Wenn der Bogen beim Aufklappen in zwei Teile zerfällt, hast du den Knick an einer Stelle durchgeschnitten. Kleb die Hälften hinten mit einem Streifen Transparentpapier wieder zusammen.
- Wenn der Bogen an einer Stelle sehr dünn ist, lagen die Punkte der inneren Linie zu weit auseinander. Setz die Punkte enger, dann wird die Linie gleichmäßiger.
- Wenn sich das Transparentpapier wellt, war zu viel Kleber darauf. Streiche den Klebestift dünn auf und drück das Papier mit einem Buch flach, bis es trocken ist.
- Wenn das Fenster dunkel bleibt, stehen die Figuren zu dicht. Lass mehr gelbe Lücken zwischen ihnen oder stell die LED-Teelichter etwas näher an den Bogen.
- Wenn die Kerzen schief stehen, halte beim Ankleben das Lineal am Knick an und richte jede Kerze danach aus.
- Wenn der Bogen trotz Stützen wackelt, stehen die Dreiecke nicht flach auf dem Tisch. Kleb sie so nach, dass ihre untere Seite genau mit der Standleiste abschließt.
Zum Weiterdenken
Stell die LED-Teelichter einmal ganz nah hinter das Papier und einmal weit weg. Wann siehst du helle Flecken, und wann leuchtet das Fenster gleichmäßig? Tipp: Das Transparentpapier streut das Licht. Je weiter weg die Lampe ist, desto gleichmäßiger trifft ihr Licht auf das ganze Fenster.
Jetzt selbst ausprobieren
Dein Schwibbogen aus Papier hat sieben Kerzen und Figuren aus dem Erzgebirge. Warum Bergleute die ersten Schwibbögen gebaut haben, woher der seltsame Name kommt und was die Form des Bogens bedeutet, erklären wir dir in unserem Beitrag Was ist ein Schwibbogen?
Quellen: Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg: Museum kreativ, Förderverein Pferdegöpel Johanngeorgenstadt: Gestaltung des Schwibbogens, MDR: Schwibbogen-Tradition im Erzgebirge, Deutscher Feuerwehrverband: Sicherheit in der Adventszeit, Lernhelfer: Lichtdurchlässigkeit von Stoffen, FMP Papierlexikon: Transparentpapier und Lernhelfer: Standfestigkeit von Körpern.

