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Was ist ein Schwibbogen? Geschichte und Bedeutung

Erzgebirgischer Schwibbogen aus Holz mit fünf brennenden Kerzen, zwei Bergleuten, einem Schnitzer und einer Klöpplerin

Die kurze Antwort

Ein Schwibbogen ist ein Kerzenhalter in Form eines Bogens. Oben auf dem Bogen stehen Kerzen, darunter zeigt er ausgesägte Figuren wie Bergleute, Häuser oder Tannen. Er kommt aus dem Erzgebirge in Sachsen und wird in der Advents- und Weihnachtszeit ins Fenster gestellt. Den ältesten bekannten Schwibbogen hat im Jahr 1740 ein Schmied in der Bergstadt Johanngeorgenstadt aus Eisen gebaut. Er war ein Geschenk für die Bergleute, die vor Weihnachten ihre letzte Schicht feierten.

Erzgebirgischer Schwibbogen aus Holz mit fünf brennenden Kerzen, zwei Bergleuten, einem Schnitzer und einer Klöpplerin
Ein Schwibbogen aus Holz mit brennenden Kerzen. Unter dem Bogen stehen zwei Bergleute, ein Schnitzer und eine Klöpplerin. Foto: Gerbil, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Schwibbogen gehört zu den bekanntesten Weihnachtsdekorationen in Deutschland. In der Adventszeit leuchten in vielen Fenstern solche Lichterbögen. Sie stammen aus dem Erzgebirge. Das ist ein Gebirge an der Grenze zwischen Sachsen und Tschechien, in dem Menschen jahrhundertelang Silber, Zinn und andere Metalle aus der Erde geholt haben. Die Geschichte des Schwibbogens hängt eng mit diesen Bergleuten zusammen. Einige Geschichten, die man über ihn hört, sind allerdings nicht belegt.

Was ist ein Schwibbogen?

Ein Schwibbogen ist ein bogenförmiger Kerzenhalter aus Metall oder Holz, der als Weihnachtsschmuck dient. Auf dem Bogen sitzen die Kerzen in einer Reihe. Innerhalb des Bogens ist ein Bild zu sehen, das aus Holz oder Metall ausgesägt ist. Weil das Bild durchbrochen ist, sieht man die Figuren als dunkle Umrisse vor dem hellen Fenster. So ein Umrissbild heißt Silhouette.

Früher steckten auf dem Bogen echte Kerzen aus Wachs. Heute haben die meisten Schwibbögen elektrische Kerzen. Es gibt kleine Bögen für die Fensterbank, die etwa so breit sind wie ein Schulheft, und riesige Bögen, die größer sind als ein Haus.

Woher kommt der Name Schwibbogen?

Der Name kommt aus der Baukunst und bedeutet Schwebebogen. Im Mittelhochdeutschen hieß das Wort swiboge, im Althochdeutschen swibogo. Es gehört zum Wort schweben. Mit dem Mittelhochdeutschen und dem Althochdeutschen meint man frühere Formen der deutschen Sprache, die vor vielen hundert Jahren gesprochen wurden.

Ein Schwibbogen ist in der Architektur ein gemauerter Bogen, der zwischen zwei Wänden gespannt ist. Er stützt die beiden Wände gegeneinander ab, damit sie nicht umkippen. Über ihm liegt keine Mauer. Deshalb wirkt es so, als würde er zwischen den Häusern schweben. Solche Bögen gibt es zum Beispiel in alten Gassen oder an Kirchen. Weil der Lichterbogen eine ähnliche Form hat, bekam er denselben Namen.

Gemauerter Bogen zwischen zwei Häusern über einer schmalen Gasse in Schwarzenberg
Ein Schwibbogen in der Baukunst. Der Bogen in Schwarzenberg ist zwischen zwei Mauern gespannt und überspannt eine Gasse. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons

Was hat der Schwibbogen mit dem Bergbau zu tun?

Der Schwibbogen wurde von Bergleuten und für Bergleute gemacht. Im Erzgebirge gab es viele Gruben. So heißen die Bergwerke, in denen Erz abgebaut wird. Erz ist Gestein, in dem Metall steckt. Die Bergleute arbeiteten tief unter der Erde in langen Gängen. Im Winter gingen sie im Dunkeln zur Arbeit und kamen im Dunkeln wieder heraus. Licht war für sie deshalb besonders wichtig.

Zu jeder Grube gehörte ein Huthaus. Das war das wichtigste Gebäude eines Bergwerks. Darin lagen die Werkzeuge und Grubenlampen, es gab eine Werkstatt, oft eine Schmiede und eine Betstube, in der die Bergleute gemeinsam beteten. Der Name kommt vom Hutmann. Das war der Aufseher der Grube, der im Huthaus seinen Arbeitsplatz hatte. Hut kommt hier von hüten.

Der älteste bekannte Schwibbogen stammt aus Johanngeorgenstadt. Diese Bergstadt liegt im Erzgebirge direkt an der Grenze zu Tschechien. Dort gab es viele Gruben, und zu jeder gehörte ein Huthaus. In einem solchen Huthaus stand der erste Schwibbogen.

Was hat der Schwibbogen mit der Mettenschicht zu tun?

Der erste Schwibbogen war ein Geschenk zur Mettenschicht, der Weihnachtsfeier der Bergleute. Die Mettenschicht ist die letzte Arbeitsschicht vor Weihnachten, die feierlich beendet wird. Eine Schicht ist die Zeit, in der jemand arbeitet. Der Name kommt von der Christmette, dem Gottesdienst in der Weihnachtsnacht.

In Johanngeorgenstadt feierten die Bergleute ihre Mettenschicht am 24. Dezember in der Zechenstube. Das war der geheizte Aufenthaltsraum im Huthaus der Grube. Zu dieser Feier luden sie auch den Schmied ein, der ihre Werkzeuge herstellte. Bei einer solchen Feier brachte der Schmied einen Leuchter in Form eines Bogens mit. Er schenkte ihn dem Steiger, dem Vorgesetzten der Bergleute, für die ganze Grube. So kam der erste Schwibbogen in die Zechenstube.

Auf dem ältesten erhaltenen Bogen steht deshalb nicht der Name eines Menschen, sondern der Name einer Grube, der Gnade Gottes Fundgrube. Ihr war der Bogen gewidmet. Von da an leuchtete der Schwibbogen jedes Jahr bei der Weihnachtsfeier der Bergleute.

Wer hat den ersten Schwibbogen gebaut?

Den ältesten bekannten Schwibbogen hat ein Bergschmied aus der Familie Teller in Johanngeorgenstadt gebaut. Er trägt die Jahreszahl 1740. Ein Bergschmied arbeitete für ein Bergwerk. Er schmiedete Werkzeuge für die Bergleute und machte sie wieder scharf, wenn sie stumpf geworden waren. Die Werkzeuge der Bergleute nennt man Gezähe.

Der Bogen war aus Eisen geschmiedet und bemalt. Welchen Vornamen der Schmied hatte, ist nicht sicher. In den Quellen steht er mit unterschiedlichen Anfangsbuchstaben.

Lange Zeit hielten Fachleute einen anderen Bogen für den ältesten. Er stammt aus dem Jahr 1778 und steht heute im Stadt- und Bergbaumuseum in Freiberg. Erst im Jahr 2003 untersuchte der Restaurator Helmut Georgi einen Bogen aus Johanngeorgenstadt genauer. Ein Restaurator ist ein Fachmann, der alte Kunstwerke untersucht, reinigt und repariert. Der Bogen war im Jahr 1829 neu bemalt worden. Unter dieser Farbe entdeckte Georgi die ältere Jahreszahl 1740. Deshalb gilt seitdem dieser Bogen als der älteste. Eine genaue Nachbildung entstand im selben Jahr für ein Museum in Dresden.

Was zeigten die ersten Schwibbögen?

Die ersten Schwibbögen zeigten vor allem Adam und Eva aus der Bibel. Man sieht sie in den Bögen von 1740, 1778 und 1796 und in einem Bogen von etwa 1810. In der Bibel sind Adam und Eva die ersten Menschen. Sie lebten im Paradies, einem Garten, den Gott für sie angelegt hatte. Eine Schlange überredete sie, von einem verbotenen Baum zu essen. Deshalb mussten sie das Paradies verlassen. Auf dem Bogen von 1778 sind Adam und Eva mit der Schlange zu sehen, daneben zwei Engel und zwei Bergleute mit einem Wappen.

Dass gerade Adam und Eva auf den Bögen standen, hat mit dem Datum der Weihnachtsfeier zu tun. Der 24. Dezember war früher der Gedenktag von Adam und Eva. An diesem Tag feierten die Bergleute auch ihre Mettenschicht. Auf den alten Bögen sind außerdem Sonne, Mond und Sterne zu sehen. Erst ab dem 19. Jahrhundert stellten die Schmiede immer häufiger Bergleute in die Mitte.

Warum hat ein Schwibbogen die Form eines Bogens?

Warum die Schmiede einen Bogen gewählt haben, weiß niemand genau. Weil auf den ältesten Bögen Sonne, Mond und Sterne zu sehen sind, halten Fachleute einen Himmelsbogen für wahrscheinlich. Gemeint ist der Himmel, der sich wie ein Gewölbe über die Erde spannt.

Oft liest man, der Bogen solle das Stollenmundloch darstellen. Das ist der gemauerte Eingang in einen waagrechten Gang des Bergwerks. Für diese Erklärung gibt es aber keine Belege aus der Zeit, in der die ersten Bögen entstanden. Ein Bogen mit Felsen, der wie ein Stolleneingang aussieht, kommt erst ab etwa 1905 vor. Man erzählt sich auch, ein Steiger habe zur Mettenschicht die Grubenlampen der Bergleute in einem Bogen über den Eingang des Bergwerks gehängt. So habe er gesehen, ob alle Männer wieder heil aus der Grube gekommen waren. Auch diese Geschichte ist nicht belegt.

Eine weitere Vermutung führt zu einem Fest in Dresden. Im Jahr 1719 feierte der sächsische Kurprinz Friedrich August seine Hochzeit mit Maria Josepha von Österreich. Dazu gab es ein großes Fest, das Saturnfest. Es war dem römischen Gott Saturn gewidmet, den man damals mit dem Bergbau verband. Etwa 1.400 Bergleute aus dem Erzgebirge zogen bei dieser Feier vor einem Tempel vorbei, dessen Bögen mit vielen Lichtern beleuchtet waren. Einige meinen, diese Lichterbögen seien das Vorbild für den Schwibbogen gewesen. Andere Fachleute halten das für unwahrscheinlich.

Warum hat ein Schwibbogen eine ungerade Zahl an Kerzen?

Ein Schwibbogen hat eine ungerade Zahl an Kerzen, damit eine Kerze genau in der Mitte auf dem höchsten Punkt des Bogens steht. Wie viele Kerzen es sind, ist dabei nicht festgelegt. Jeder Bogen kann eine andere Zahl haben, sie ist nur immer ungerade. Viele Bögen für die Fensterbank haben sieben Kerzen. Es gibt aber auch Bögen mit fünf, neun oder elf Kerzen. Bei einer geraden Zahl stünde in der Mitte keine Kerze, sondern eine Lücke.

Wie kam der Schwibbogen ins Fenster?

In die Fenster der Wohnhäuser kam der Schwibbogen erst Anfang des 20. Jahrhunderts. Bis dahin stand er nur in den Huthäusern und Zechenstuben der Bergwerke. Ab etwa 1905 bauten die Schmiede Fedor Teller und später Curt Teller in Johanngeorgenstadt auch Schwibbögen für die Wohnstuben.

Lichter ins Fenster zu stellen, war im Erzgebirge schon lange vorher üblich. Wenn die Abende dunkler wurden, stellten die Familien der Bergleute Kerzen in die Fenster. Man erklärt das damit, dass die Lichter den Bergleuten nach der Arbeit den Weg nach Hause zeigen sollten. Diesen Brauch übernahm später der Schwibbogen. Heute stehen Schwibbögen in ganz Deutschland in den Fenstern. Viele Häuser im Erzgebirge haben dafür sogar Steckdosen direkt am Fenster.

Leuchtende Schwibbögen in drei Fenstern eines Fachwerkhauses in Rittersgrün
Schwibbögen in den Fenstern eines Fachwerkhauses in Rittersgrün im Erzgebirge. Foto: Devilsanddust, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Seit wann gibt es Schwibbögen aus Holz?

Schwibbögen aus Holz gibt es seit etwa 1935. Damals entwarf Max Schanz, der Leiter der Spielwarenschule in Seiffen, einen Bogen aus Holz. Er zeigt die runde Kirche von Seiffen in einer verschneiten Winterlandschaft. Hinter dem Bild war eine Rückwand aus farbigem Pergament, durch die das Licht schien. Pergament ist hier ein dünnes, durchscheinendes Papier. Seiffen ist ein Dorf im Erzgebirge, das für sein Holzspielzeug bekannt ist.

Holz lässt sich leichter bearbeiten als Eisen. Mit einer Laubsäge kann man feine Figuren aussägen. Das ist eine Säge mit einem sehr dünnen Sägeblatt, mit der man auch Kurven schneiden kann. Deshalb konnten bald viele Menschen Schwibbögen herstellen, auch zu Hause als Hobby. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Holz zum üblichen Material. Heute gibt es Schwibbögen auch aus Sperrholz, Kunststoff, Aluminium oder geklöppeltem Garn.

Was bedeutet das Schwarzenberger Motiv?

Das Schwarzenberger Motiv ist das bekannteste Bild auf Schwibbögen und zeigt die Menschen, von deren Arbeit das Erzgebirge lange lebte. In der Mitte stehen zwei Bergleute, links ein Schnitzer und rechts eine Klöpplerin. Die Bergleute halten ein Wappen mit zwei gekreuzten Schwertern. Entworfen hat das Bild 1937 die Leipziger Grafikerin Paula Jordan. Seinen Namen hat es von der Stadt Schwarzenberg im Erzgebirge, wo es durch eine große Ausstellung bekannt wurde.

Was die Figuren bedeuten, erklärt die Stadt Johanngeorgenstadt an ihrem großen Schwibbogen, auf dem dieselben Figuren zu sehen sind.

FigurWas sie bedeutet
BergleuteSie stehen für den Bergbau, von dem die Menschen im Erzgebirge lange lebten. Die ersten Schwibbögen gehörten zu ihren Mettenfeiern.
SchnitzerEr steht für die Holzkunst des Erzgebirges, also für geschnitzte und gedrechselte Figuren und Spielzeug. Früher verdienten viele Familien damit ihr Geld, heute ist das Schnitzen oft ein Hobby.
KlöpplerinSie steht für das Klöppeln. Dabei werden Fäden, die auf kleine Holzspulen gewickelt sind, zu feiner Spitze verflochten. In den Familien der Bergleute brachte das Klöppeln zusätzliches Geld ein.
Gekreuzte SchwerterSie stehen für das Land Sachsen. Man nennt sie die Kurschwerter, weil sie das Zeichen der sächsischen Kurfürsten waren. Ein Kurfürst war ein Herrscher, der den deutschen König mitwählen durfte.

Das Bild entstand für einen großen Schwibbogen in Johanngeorgenstadt. Im Jahr 1936 schlug der Schwarzenberger Fabrikbesitzer Friedrich Emil Krauss der Stadt vor, sich einen riesigen Schwibbogen als Wahrzeichen zu bauen. Ein Wahrzeichen ist ein Bauwerk, an dem man eine Stadt erkennt. Für das Bild im Bogen sollte kein altes Motiv genommen werden, sondern ein neues. Aus mehreren Entwürfen wählte die Stadt den von Paula Jordan aus.

Krauss plante damals in Schwarzenberg eine große Ausstellung erzgebirgischer Volkskunst. So nennt man Dinge wie Schnitzfiguren, Pyramiden oder Spitzen, die Menschen einer Gegend nach alten Vorbildern selbst herstellen. Die Ausstellung hieß Feierohmdschau. Feierohmd ist erzgebirgisch und bedeutet Feierabend. Krauss bat die Stadt Johanngeorgenstadt, den großen Bogen dort zeigen zu dürfen. Sein Bild wurde zum Zeichen der Ausstellung und stand auf ihrer Werbung. Die Feierohmdschau lief vom 28. November 1937 bis zum 19. Januar 1938 und hatte mehr als 330.000 Besucher. Durch sie wurde der Schwibbogen überall bekannt. Danach verbreitete er sich schnell im ganzen Erzgebirge und weit darüber hinaus.

Damals regierten in Deutschland die Nationalsozialisten. Seit 1933 versuchten sie, auch die Volkskunst für ihre Ziele zu nutzen. Veranstaltet wurde die Feierohmdschau deshalb zusammen mit dem Heimatwerk Sachsen. Das Heimatwerk verlangte 1937, dass Schnitzarbeiten aus dem Erzgebirge weniger an das Morgenland erinnern, in dem die Weihnachtsgeschichte spielt. Morgenland ist ein altes Wort für die Länder östlich von Europa, zum Beispiel die Gegend um Bethlehem, in der Jesus geboren wurde. Stattdessen sollte die Volkskunst die Heimat Erzgebirge zeigen.

Paula Jordan wählte für ihr Bild Berufe, die es im Erzgebirge schon lange gab. Gleichzeitig passte es genau zu dem, was die Nationalsozialisten von der Volkskunst verlangten. Heute ist das Schwarzenberger Motiv eines der häufigsten Bilder auf Schwibbögen. Viele Menschen halten es für eine Tradition, die viele hundert Jahre alt ist. Tatsächlich ist es erst 1937 entstanden.

Schwibbogen aus Metall mit vier Bergleuten und einem Wappen in Johanngeorgenstadt im Schnee
Ein Schwibbogen aus Metall in Johanngeorgenstadt mit dem Schwarzenberger Motiv. Zwischen den Bergleuten sieht man das Wappen mit den gekreuzten Schwertern. Foto: Kora27, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wann stellt man einen Schwibbogen auf?

Im Erzgebirge stellt man den Schwibbogen nach dem Totensonntag auf, also kurz vor dem ersten Advent. Der Totensonntag ist der letzte Sonntag vor dem ersten Advent, an dem evangelische Christen an die Verstorbenen denken. Danach holen die Familien ihre Schwibbögen, Räuchermännchen, Nussknacker und Pyramiden aus den Kisten. Diesen Brauch nennt man das Aufwecken der Männl.

Viele lassen den Schwibbogen bis Lichtmess am 2. Februar stehen. An diesem Tag endet im Erzgebirge traditionell die Weihnachtszeit. Die Bögen werden ein letztes Mal angeschaltet und dann verpackt. An manchen Orten gibt der Bürgermeister an diesem Abend das Zeichen „Licht aus“.

Wo steht der größte Schwibbogen der Welt?

Der größte freistehende Schwibbogen der Welt steht in Johanngeorgenstadt. Er ist 25 Meter breit und mit den Kerzen 14,5 Meter hoch. Gebaut wurde er aus 700 Tonnen Stahlbeton und 15 Tonnen Edelstahl. Eingeweiht wurde er am 15. Dezember 2012. Freistehend heißt, dass er auf eigenen Füßen steht und an keinem Gebäude befestigt ist.

Sehr großer Schwibbogen aus Metall mit Bergleuten, Schnitzer und Klöpplerin auf einer Wiese vor Fichten
Der größte freistehende Schwibbogen der Welt in Johanngeorgenstadt. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Noch größer ist ein Schwibbogen aus Holz in Gelenau im Erzgebirge. Er hängt an der Wand einer ehemaligen Fabrik und ist 36,90 Meter breit und 19,98 Meter hoch. Weil er nicht frei steht, zählt er als eigener Rekord. Lange wurde darüber gestritten, ob so ein Bau überhaupt als Schwibbogen gilt.

Welche Feste und Wettbewerbe gibt es für Schwibbögen?

Im Erzgebirge gibt es ein eigenes Schwibbogenfest und eine Ausstellung, bei der die Besucher den schönsten Schwibbogen wählen. Das Schwibbogenfest feiert Johanngeorgenstadt, das sich Stadt des Schwibbogens nennt. Es ist der Weihnachtsmarkt der Stadt und findet jedes Jahr am dritten Adventswochenende statt. Beim 20. Schwibbogenfest im Jahr 2012 wurde der größte freistehende Schwibbogen der Welt eingeweiht.

In Stollberg im Erzgebirge gibt es seit 2001 jedes Jahr eine Schwibbogenausstellung. Menschen aus ganz Sachsen bringen dafür Schwibbögen mit, die sie selbst gebaut haben. Jeden Bogen gibt es nur einmal. Etwa 3.000 Besucher wählen jedes Jahr ihren Lieblingsbogen. Wer gewinnt, wird zum Schwibbogenkönig oder zur Schwibbogenkönigin gekrönt. Außerdem gibt es den Titel Schwibbogenprinz oder Schwibbogenprinzessin. Zuletzt war die Ausstellung in der Kirche St. Jakobi zu sehen. Auch Kinder machen mit und haben schon Schwibbögen aus Legosteinen gebaut. Andere Bögen waren geklöppelt, gestickt, aus Stein oder sogar gebacken.

Warum leuchten Schwibbögen heute meistens elektrisch?

Schwibbögen leuchten heute meistens elektrisch, weil echte Kerzen leicht einen Brand auslösen können. Ein Schwibbogen aus Holz steht oft direkt neben einem Vorhang. Beides kann Feuer fangen. Die Feuerwehr rät, Kerzen nie unbeaufsichtigt brennen zu lassen und in Familien mit Kindern oder Haustieren elektrische Kerzen zu nehmen. Elektrische Kerzen sollten ein Prüfzeichen tragen, zum Beispiel das VDE-Zeichen. Damit wurde geprüft, dass sie sicher sind.

Viele Schwibbögen haben heute kleine Lampen, die LEDs heißen. Eine LED ist ein winziges Bauteil, das leuchtet, wenn Strom hindurchfließt. Sie wird kaum warm und braucht wenig Strom. Oft hängt der Schwibbogen an einer Zeitschaltuhr. Sie schaltet das Licht abends von allein ein und nachts wieder aus.

Zum Weiterdenken

Die ersten Schwibbögen zeigten Adam und Eva, später Bergleute und heute oft Häuser, Kirchen oder Tiere. Was würdest du auf deinen eigenen Schwibbogen setzen, wenn er zeigen soll, wie die Menschen in deinem Ort leben und arbeiten? Überlege auch, warum es heute kaum noch Schwibbögen mit echten Kerzen gibt, obwohl die Bergleute nur Kerzen kannten.

Jetzt selbst ausprobieren

Einen kleinen Schwibbogen kannst du selbst aus schwarzem Fotokarton und Transparentpapier basteln. Die Figuren schneidest du mit der Schere aus, und ein LED-Teelicht lässt den Bogen von hinten leuchten. Wie das geht und warum die Figuren dabei ganz dunkel aussehen, erklären wir dir in unserer Anleitung Schwibbogen basteln.

Quellen: Förderverein Pferdegöpel Johanngeorgenstadt: Geschichte(n) um den Schwibbogen, Stadt Johanngeorgenstadt: Sehenswürdigkeiten, Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg: Museum kreativ, ISGV: Fundstück Dezember 2020, MDR: Mehr als Deko – Schwibbögen und ihre Bedeutung, Duden: Schwibbogen, Denkmalnetz Sachsen: Was ist ein Huthaus?, Erzgebirge Tourismus: Weihnachtstraditionen, Rekord-Institut für Deutschland: Größter Lichterbogen, Deutscher Feuerwehrverband: Sicherheit in der Adventszeit

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