Wer war Bonifatius?
Die kurze Antwort
Bonifatius war ein Mönch aus England, der vor rund 1.300 Jahren auf das Festland zog, um den Menschen vom christlichen Glauben zu erzählen. Er hieß eigentlich Winfried und wurde um das Jahr 673 geboren. Bonifatius zog durch Hessen, Thüringen, Bayern und Friesland, fällte bei Geismar die Donareiche und gründete Kirchen, Klöster und Bistümer, zum Beispiel das Kloster Fulda. Im Jahr 754 wurde er in Friesland bei Dokkum von Räubern erschlagen. Sein Grab liegt in der Bonifatiusgruft im Fuldaer Dom. Weil er für die Kirche in Deutschland so wichtig war, nennt man ihn den „Apostel der Deutschen“.

Wer war Bonifatius?
Bonifatius war ein Mönch, Missionar und Bischof, der im 8. Jahrhundert die Kirche im heutigen Deutschland aufgebaut hat. Ein Missionar ist ein Mensch, der in ein fremdes Land reist, um dort seinen Glauben zu verbreiten. Bonifatius kam aus England. Mit etwa 40 Jahren verließ er seine Heimat und kehrte nie mehr dorthin zurück. Fast 40 Jahre lang reiste er durch das Frankenreich, das große Reich der Franken, zu dem damals Teile der heutigen Länder Frankreich, Deutschland, Belgien, Niederlande und Schweiz gehörten.
Bonifatius predigte, taufte Menschen, baute Kirchen und gründete Klöster. Er sorgte dafür, dass es Bistümer mit festen Bischofssitzen gab. Ein Bistum ist ein Gebiet, für das ein Bischof zuständig ist. Viele Bistümer, die er gegründet oder neu geordnet hat, gibt es heute noch, zum Beispiel Würzburg, Regensburg und Passau. Am Ende war er Erzbischof und einer der wichtigsten Männer der Kirche nördlich der Alpen.
Bonifatius starb im Jahr 754 als Märtyrer. So nennt man einen Menschen, der wegen seines Glaubens getötet wird. Die katholische Kirche verehrt ihn als Heiligen. Sein Gedenktag ist der 5. Juni, sein Todestag. Ein Heiliger ist ein Mensch, von dem die Kirche glaubt, dass er besonders vorbildlich gelebt hat und nun bei Gott ist.
Warum heißt Bonifatius „Apostel der Deutschen“?
Bonifatius heißt „Apostel der Deutschen“, weil er im Gebiet des heutigen Deutschlands die Kirche aufgebaut hat. Das Wort Apostel kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Gesandter“. So hießen zuerst die zwölf Jünger, die Jesus aussandte, um von ihm zu erzählen. Später nannte man auch Missionare so, die ein ganzes Volk zum Christentum geführt haben.
Ein Land Deutschland gab es zu Lebzeiten von Bonifatius allerdings noch nicht. Es lebten dort verschiedene Völker, zum Beispiel Hessen, Thüringer, Bayern, Alemannen und Sachsen. Der Ehrenname wurde Bonifatius erst viel später gegeben, als man auf seine Zeit zurückblickte. Er war auch nicht der erste Christ in diesem Gebiet. In den alten Römerstädten am Rhein und an der Donau, etwa in Mainz, Köln oder Trier, gab es schon seit Jahrhunderten Christen und Kirchen. Bonifatius brachte den Glauben aber in Gegenden, in denen es kaum Kirchen gab, und er ordnete die Kirche so, dass sie lange Bestand hatte.
Woher kam Bonifatius?
Bonifatius kam aus dem Königreich Wessex (ausgesprochen „WESS-ex“) im Süden Englands. Dort lebten die Angelsachsen. Das waren Nachfahren germanischer Völker, die einige Hundert Jahre zuvor vom Festland nach Britannien gezogen waren. Ihre Sprache war mit der Sprache der Sachsen und Friesen auf dem Festland verwandt. Bonifatius konnte sich deshalb später mit vielen Menschen dort verständigen.
Seine Familie gehörte zu den Grundherren. Das waren Leute, denen Land gehörte und für die Bauern arbeiteten. Seine Eltern nannten ihn Winfried. Auf Altenglisch schrieb man den Namen Wynfreth, ausgesprochen „WÜN-freth“. Der Name bedeutet ungefähr „Freund des Friedens“.
Wann genau Winfried geboren wurde, weiß niemand. Fachleute schätzen das Jahr 672 oder 673, manche auch bis 675. Damals schrieb man Geburtstage von Kindern nicht auf. Man rechnet das Geburtsjahr deshalb aus späteren Angaben zurück, zum Beispiel aus seinem Alter bei der Priesterweihe.
Wurde Bonifatius in Crediton geboren?
Ob Bonifatius in Crediton (ausgesprochen „KRED-i-ten“) geboren wurde, ist nicht sicher. Crediton ist eine kleine Stadt in der Grafschaft Devon, nicht weit von Exeter. Die älteste Lebensbeschreibung von Bonifatius nennt keinen Geburtsort. Sie wurde einige Jahre nach seinem Tod von dem Priester Willibald in Mainz geschrieben. Erst Schreiber, die viele Jahrhunderte später lebten, haben Crediton genannt. Weil Crediton nahe an dem Kloster liegt, in dem Winfried aufwuchs, halten viele das für möglich. Die Kirche in Crediton erinnert heute an Bonifatius. Ein Beweis ist das aber nicht. Geschichtsforscher schreiben deshalb oft „geboren an einem unbekannten Ort in Wessex“.
Wie wuchs Winfried im Kloster auf?
Winfried wuchs in zwei Benediktinerklöstern auf, zuerst in Exeter, dann in Nursling. Ein Kloster ist ein Ort, an dem Mönche oder Nonnen gemeinsam leben, beten und arbeiten. Benediktiner leben nach der Regel des heiligen Benedikt von Nursia. Diese Regel schreibt vor, dass sich Gebet, Arbeit und Lernen über den Tag abwechseln. Die Mönche besitzen nichts für sich allein und gehorchen ihrem Abt. Der Abt ist der Vorsteher eines Klosters.
Willibald erzählt, dass Winfried schon mit vier oder fünf Jahren Mönch werden wollte. Wenn Mönche auf Besuch in sein Elternhaus kamen, fragte er sie nach ihrem Leben aus. Sein Vater war dagegen. Er wollte, dass sein Sohn das Land der Familie übernimmt. Erst als der Vater schwer krank wurde, gab er nach. So kam Winfried als Kind in das Kloster von Exeter (ausgesprochen „EK-se-ter“) zu Abt Wulfhard.
Als Jugendlicher wechselte Winfried in das Kloster Nursling (ausgesprochen „NÖRS-ling“) bei Winchester, das damals ein wichtiger Ort der Gelehrsamkeit war. Abt Winbert leitete es. Dort lernte Winfried Latein, las die Bibel und die Schriften berühmter Kirchenlehrer und beschäftigte sich mit Dichtkunst. Bald wurde er selbst Lehrer und leitete die Klosterschule. Mit etwa 30 Jahren wurde er zum Priester geweiht. Seine Mitbrüder schickten ihn sogar als Boten zu einer Versammlung der Bischöfe und zum Erzbischof von Canterbury. Winfried hätte in England eine große Laufbahn in der Kirche machen können.
Warum schrieb Winfried eine lateinische Grammatik?
Winfried schrieb eine lateinische Grammatik, damit seine Schüler die Sprache der Kirche richtig lernen. Gottesdienste, Gebete und die Bibel waren damals auf Latein. Die Angelsachsen sprachen aber Altenglisch. Wer Priester oder Mönch werden wollte, musste Latein deshalb wie eine Fremdsprache lernen. Bücher dafür gab es nur wenige.
Das Lehrbuch heißt Ars grammatica (ausgesprochen „ars gram-MA-ti-ka“). Das bedeutet „Kunst der Grammatik“. Es erklärt zum Beispiel die Wortarten, also Nomen, Verben und andere. Winfried widmete es einem Schüler namens Dudd. Er schrieb ihm dazu ein Gedicht mit 38 Versen, das in Form eines Bildes angeordnet ist. Vollständig erhalten ist die Grammatik nur in zwei Handschriften aus dem 9. Jahrhundert. Winfried schrieb außerdem ein Lehrbuch über die Metrik, also darüber, nach welchen Regeln lateinische Verse gebaut werden, und Rätselgedichte. Er war also ein Gelehrter, bevor er Missionar wurde.
Warum wollte Winfried Missionar werden?
Winfried wollte Missionar werden, weil er den Menschen auf dem Festland vom christlichen Glauben erzählen wollte. Viele Angelsachsen wussten, dass ihre Verwandten auf dem Festland, die Friesen und die Sachsen, noch an die alten germanischen Götter glaubten. Für einen frommen Mönch war das ein wichtiger Grund, sich auf den Weg zu machen.
Dazu kam eine Sitte, die in England und Irland verbreitet war. Mönche verließen ihre Heimat für immer und lebten als Fremde in einem anderen Land. Sie wollten damit alles aufgeben, was ihnen vertraut war, und nur noch für Gott da sein. Winfried hatte ein Vorbild. Der Angelsachse Willibrord (ausgesprochen „WIL-li-brort“) war schon um das Jahr 690 zu den Friesen gezogen. Er wirkte in Utrecht im Gebiet der heutigen Niederlande.
Abt Winbert wollte Winfried zuerst nicht gehen lassen. Er brauchte ihn als Lehrer. Schließlich gab er nach. Im Jahr 716 brach Winfried mit zwei oder drei Begleitern auf.
Die Sachsen ließen Bonifatius sein Leben lang nicht los. Im Jahr 738 schrieb er an alle Christen in England. Sie sollten beten, dass die Sachsen Christen werden. Er erinnerte sie daran, dass die Sachsen selbst sagten: „Wir sind von einem Blut und einem Gebein.“ Damit meinte er, dass Angelsachsen und Sachsen ein Volk mit gemeinsamen Vorfahren seien. Selbst konnte Bonifatius zu den Sachsen aber nie richtig vordringen.
Warum scheiterte die erste Mission bei den Friesen?
Die erste Mission bei den Friesen im Jahr 716 scheiterte, weil dort gerade Krieg herrschte. Winfried fuhr mit dem Schiff von London über das Meer nach Dorestad (ausgesprochen „DO-re-stat“), einem großen Handelsort am Rhein in den heutigen Niederlanden. Er wollte zu Radbod, dem König der Friesen.
Radbod kämpfte zu dieser Zeit gegen die Franken unter Karl Martell. Die Franken hatten zuvor einen Teil Frieslands erobert und dort Kirchen bauen lassen. Für Radbod war das Christentum deshalb der Glaube seiner Feinde. Er ließ viele Kirchen zerstören, und Willibrord musste aus Utrecht fliehen. Winfried durfte zwar zu Radbod nach Utrecht, konnte aber niemanden taufen. Für einen fremden Missionar war es im Krieg unmöglich, frei durch das Land zu ziehen und zu predigen.
Im Herbst 716 fuhr Winfried enttäuscht nach Nursling zurück. Bald darauf starb Abt Winbert. Die Mönche wählten Winfried zu seinem Nachfolger. Er lehnte aber ab. Er wollte unbedingt noch einmal auf das Festland, diesmal besser vorbereitet. Im Jahr 718 verließ er England für immer.
Warum ging Winfried zum Papst nach Rom?
Winfried ging zum Papst nach Rom, weil er einen offiziellen Auftrag für seine Mission haben wollte. Der Papst ist das Oberhaupt der Kirche. Mit einem Brief des Papstes konnte Winfried überall zeigen, dass er im Namen der Kirche handelt und kein Schwindler ist. Er reiste im Herbst 718 über die Alpen nach Rom und blieb dort den Winter über.
Am 15. Mai 719 schrieb Papst Gregor II. ihm einen Brief. Darin gab er ihm den Auftrag, bei den Völkern Germaniens zu predigen, die noch nicht getauft waren. In diesem Brief nannte der Papst ihn zum ersten Mal Bonifatius. Am Tag davor feierte die Kirche das Fest eines Märtyrers namens Bonifatius. Der Name ist lateinisch und wird meist mit „Wohltäter“ übersetzt. Für den Mönch aus England war der neue Name ein Zeichen, dass er nun ganz im Dienst der Kirche in Rom stand.
Bonifatius reiste zuerst nach Thüringen. Als er hörte, dass König Radbod im Jahr 719 gestorben war, ging er nach Friesland zu Willibrord. Drei Jahre lang half er ihm dort. Willibrord wollte ihn zu seinem Nachfolger als Bischof machen. Bonifatius lehnte ab. Er sagte, er sei noch nicht 50 Jahre alt, wie es die Regeln der Kirche damals für einen Bischof verlangten. Er wollte lieber in Gegenden gehen, in denen noch niemand gepredigt hatte. Im Jahr 721 zog er nach Hessen.
Was bedeutete Missionieren zu Lebzeiten von Bonifatius?
Missionieren bedeutete zu Lebzeiten von Bonifatius, jahrelang durch ein fremdes, dünn besiedeltes Land zu ziehen, um Menschen von einem neuen Glauben zu überzeugen. Missionieren heißt, anderen Menschen den eigenen Glauben zu erklären und sie dafür zu gewinnen. Wer sich taufen ließ, sollte danach auch christlich leben, den Sonntag feiern, die Gebote halten und den alten Göttern keine Opfer mehr bringen. Dafür brauchte es Kirchen, Priester und Klöster vor Ort. Missionieren war deshalb eine schwere Arbeit, die viel Kraft, Ausdauer und Mut verlangte.
Wie sah das Land aus, durch das Bonifatius zog?
Das Land in Hessen und Thüringen war vor 1.300 Jahren zum großen Teil von Wald bedeckt. Es gab keine Städte, nur kleine Dörfer, Bauernhöfe und einige Burgen auf Bergen. Straßen im heutigen Sinn gab es kaum. Man folgte alten Wegen, die bei Regen zu Schlamm wurden. Flüsse musste man an Furten durchqueren, also an flachen Stellen.
Die Menschen glaubten an viele Götter. Sie verehrten heilige Bäume, Quellen und Steine. Manche waren schon getauft, mischten aber Christliches mit den alten Bräuchen. Willibald berichtet, dass einige Hessen heimlich oder sogar öffentlich Bäumen und Quellen Opfer brachten. Andere lasen aus den Eingeweiden von Opfertieren die Zukunft oder sprachen Zaubersprüche. Für Bonifatius war das schlimm. Er wollte, dass die Menschen nur noch an den einen Gott der Christen glauben.
Wie reiste ein Missionar damals?
Ein Missionar reiste damals meistens zu Fuß, manchmal auf einem Pferd oder mit dem Boot auf einem Fluss. Zu Fuß schafft ein Mensch an einem Tag etwa 20 bis 30 Kilometer. Bonifatius war nie allein unterwegs. Er hatte Begleiter dabei, Priester, Mönche und Diener, die Bücher, Messgewänder, Kelche und Vorräte trugen.
Bonifatius reiste dreimal nach Rom. Allein die Strecke von Hessen bis Rom ist in der Luftlinie fast 1.000 Kilometer lang. Dazwischen liegen die Alpen. Über die Pässe ging man zu Fuß oder mit Saumtieren, auch bei Schnee und Kälte. Unterwegs drohten Räuber, Krankheiten und wilde Tiere. Schutz boten nur Klöster und Höfe, in denen man übernachten durfte. Eine Reise nach Rom und zurück dauerte deshalb viele Monate.
Wovon lebten die Missionare?
Die Missionare lebten von dem, was sie selbst anbauten, und von Geschenken. Am Anfang hatten sie oft zu wenig. Willibald schreibt, dass Bonifatius in Thüringen große Not litt und ihm sogar das Nötigste zum Leben fehlte. Trotzdem predigte er weiter. In dem Kloster Ohrdruf in Thüringen besorgten sich die Mönche Nahrung und Kleidung mit der Arbeit ihrer eigenen Hände.
Bonifatius schrieb viele Briefe nach England. Viele dieser Briefe und der Antworten darauf sind bis heute erhalten. Darin bat er Freunde, Äbte und Äbtissinnen um Gebete, um Bücher und um Helfer. Bücher waren damals sehr kostbar. Jede Seite wurde von Hand auf Pergament geschrieben, also auf bearbeitete Tierhaut. In einem Brief bat Bonifatius eine Äbtissin um die Briefe des Apostels Petrus in goldener Schrift. Die Menschen sollten Achtung vor der Heiligen Schrift bekommen, wenn sie das glänzende Buch sahen.
Wie gewann Bonifatius die Menschen für den Glauben?
Bonifatius gewann die Menschen vor allem durch Predigten, durch Taufen und durch Kirchen und Klöster, die in ihrer Nähe entstanden. Er predigte in den Dörfern und auf dem Land. Wer glauben wollte, lernte zuerst die wichtigsten Gebete und Lehren. Danach wurde er getauft. Die Taufe ist das Zeichen dafür, dass ein Mensch zur Gemeinschaft der Christen gehört.
Besonders wichtig war es, die Anführer zu gewinnen. In Amöneburg in Hessen ließen sich im Jahr 721 zwei Brüder taufen, Dettic und Deorulf, die dort eine Burg besaßen. Sie hatten bisher Götzen verehrt, obwohl sie sich Christen nannten. Auf ihrem Land gründete Bonifatius sein erstes Kloster. Wenn die Mächtigen eines Ortes Christen wurden, folgten oft auch die Menschen, die von ihnen abhängig waren.
Sein Freund Bischof Daniel von Winchester gab ihm in einem Brief einen Rat. Bonifatius solle mit den Menschen nicht streiten und ihre Götter nicht beschimpfen. Er solle ihnen geduldig Fragen stellen, zum Beispiel, wer die Welt erschaffen hat, wenn ihre Götter selbst einmal geboren wurden. So sollten sie selbst merken, dass ihr alter Glaube nicht stimmt.
Was änderte sich für die Menschen nach der Taufe?
Nach der Taufe sollten die Menschen ihr ganzes Leben nach den Regeln der Kirche ausrichten. Das betraf auch ganz alltägliche Dinge. Wenn Bonifatius nicht wusste, was richtig war, fragte er in Briefen den Papst. Im Jahr 732 schrieb er Papst Gregor III., dass manche Menschen wilde und viele auch zahme Pferde essen. Der Papst antwortete, er solle das verbieten und den Leuten eine Buße auferlegen. Eine Buße ist eine Strafe, mit der ein Mensch zeigt, dass ihm sein Fehler leidtut. Pferdefleisch wurde bei manchen heidnischen Festen gegessen. Wer es aß, schien deshalb noch an den alten Göttern festzuhalten.
Bonifatius fragte auch, was mit Menschen geschehen soll, die von Heiden oder von Priestern ohne richtige Weihe getauft worden waren. Der Papst schrieb, sie müssten noch einmal richtig getauft werden. Für die Menschen bedeutete das, dass sie ihre alten Bräuche, Speisen und Feste aufgeben mussten. Das fiel vielen schwer. Deshalb kehrten manche nach der Taufe heimlich zu den alten Göttern zurück.
Warum brauchte Bonifatius den Schutz von Karl Martell?
Bonifatius brauchte den Schutz von Karl Martell, weil ein Missionar ohne einen mächtigen Herrn in einem fremden Land rechtlos war. Karl Martell war damals der mächtigste Mann im Frankenreich. Er war aber nicht König, sondern Hausmeier. So hieß der oberste Verwalter am Hof des fränkischen Königs. Eigentlich war ein Hausmeier dafür zuständig, das Haus und die Güter des Königs zu verwalten. Im 8. Jahrhundert hatten die Könige aber kaum noch Macht. Die Hausmeier führten die Kriege, setzten Grafen ein und bestimmten die Politik. Ein Hausmeister, der ein Gebäude in Ordnung hält, ist etwas ganz anderes.
Im Jahr 722 rief Papst Gregor II. Bonifatius noch einmal nach Rom. Am 30. November 722 weihte er ihn zum Bischof. Bonifatius hatte jetzt kein festes Bistum, sondern war Missionsbischof. Er durfte überall dort, wo er missionierte, Priester weihen und Kirchen gründen. Der Papst gab ihm Briefe an Karl Martell mit.
Im Jahr 723 stellte Karl Martell Bonifatius einen Schutzbrief aus. Darin stand, dass alle Grafen und Amtsleute ihn in Ruhe lassen und schützen müssen. Wer Bonifatius etwas antat, bekam es mit Karl Martell zu tun. Bonifatius schrieb später an Bischof Daniel, dass er ohne den Schutz des fränkischen Fürsten weder die Christen leiten noch die Priester, Mönche und Nonnen beschützen könne. Ohne ihn könne er auch die heidnischen Opfer nicht verbieten. Kurz nachdem Bonifatius den Schutzbrief bekommen hatte, wagte er seine berühmteste Tat.
Was geschah an der Donareiche bei Geismar?
An der Donareiche bei Geismar fällte Bonifatius um das Jahr 723 einen riesigen Baum, den viele Hessen als heilig verehrten. Geismar ist heute ein Ortsteil der Stadt Fritzlar in Nordhessen. In Hessen hatte Bonifatius schon seit dem Jahr 721 gepredigt. Erst mit dem Schutzbrief von Karl Martell konnte er es aber wagen, ein Heiligtum der alten Götter anzugreifen. Denn nun mussten die Grafen und Amtsleute ihn schützen, wenn die Anhänger der alten Götter sich gegen ihn wehrten. Willibald hat die Geschichte in seiner Lebensbeschreibung aufgeschrieben.
Wer war Donar?
Donar war bei den Germanen der Gott des Donners. Die Menschen glaubten, dass er mit einem Hammer Blitze schleudert und Gewitter macht. Er sollte die Menschen und ihre Felder schützen. Im Norden hieß er Thor. Nach ihm ist bis heute der Donnerstag benannt. Willibald schrieb auf Latein und nannte den Baum „Eiche des Jupiter“. Jupiter war der höchste Gott der Römer und schleuderte ebenfalls Blitze. Gelehrte Christen setzten fremde Götter gern mit römischen Göttern gleich. Mit der Eiche des Jupiter ist deshalb eine Eiche gemeint, die dem Donar geweiht war. Eichen waren besonders heilige Bäume, weil Blitze oft in diese hohen Bäume einschlagen.
Wie erzählt Willibald die Geschichte von der Donareiche?
Bonifatius war nach Hessen zurückgekehrt. Viele Hessen hatten sich taufen lassen. Trotzdem brachten einige von ihnen weiter den alten Göttern Opfer. Mit dem Rat der Christen unter den Hessen beschloss Bonifatius, die Eiche bei Geismar zu fällen. Sie war ein uralter, gewaltiger Baum.
Eine große Menge Menschen versammelte sich. Viele Heiden waren dabei. Sie verfluchten Bonifatius im Stillen. Sie waren sicher, dass Donar den Mann, der seinen Baum angreift, mit einem Blitz bestrafen würde.
Bonifatius nahm eine Axt und schlug in den Stamm. Er hatte erst eine kleine Kerbe hineingehauen, da erfasste ein starker Wind die Krone. Der riesige Baum stürzte um. Beim Aufprall zerbarst er in vier Teile. Jedes Teil war gleich lang. Niemand hatte Bonifatius beim Fällen geholfen.
Die Heiden sahen, dass nichts geschah. Es kam kein Blitz, und Bonifatius blieb unverletzt. Da hörten sie auf zu fluchen. Sie lobten nun den Gott der Christen und glaubten an ihn. Aus dem Holz der Eiche baute Bonifatius eine kleine Kirche. Er weihte sie dem Apostel Petrus. Danach zog er weiter nach Thüringen.
Ist die Geschichte von der Donareiche wahr?
Dass Bonifatius bei Geismar einen heiligen Baum gefällt hat, halten Geschichtsforscher für sehr wahrscheinlich. Willibald schrieb die Geschichte einige Jahre nach dem Tod von Bonifatius auf. Er hat noch mit Menschen gesprochen, die Bonifatius gekannt hatten. Die Einzelheiten, etwa der Wind und die vier gleich langen Teile, sind aber typisch für eine Heiligenlegende. So nennt man eine Erzählung über einen Heiligen, die zeigen soll, dass Gott ihm hilft. Ein genaues Jahr nennt Willibald nicht. Die Jahreszahl 723 haben Forscher erschlossen, weil die Geschichte direkt nach dem Schutzbrief von Karl Martell erzählt wird. Soldaten, die Bonifatius bewachten, erwähnt Willibald nicht.
Wichtig an der Geschichte ist ihr Sinn. Bonifatius wollte beweisen, dass Donar keine Macht hat. Wenn der Gott seinen Baum nicht schützen konnte, konnte er auch die Menschen nicht schützen. Aus der Kirche aus Eichenholz entstand später das Kloster Fritzlar. Vor dem Fritzlarer Dom steht seit 1999 ein Denkmal von Bonifatius, das der Bildhauer Ubbo Enninga geschaffen hat.

Welche Bistümer und Klöster gründete Bonifatius?
Bonifatius gründete Klöster in Hessen und Thüringen und ordnete die Bistümer in Bayern und Mitteldeutschland. Im Jahr 732 machte ihn Papst Gregor III. zum Erzbischof. Ein Erzbischof steht über mehreren Bischöfen. Als Zeichen dafür schickte der Papst ihm das Pallium, ein Band aus weißer Wolle, das man über den Schultern trägt. Nun durfte Bonifatius selbst Bischöfe weihen.
Seine dritte Reise nach Rom machte Bonifatius 737 und 738. Danach ging er nach Bayern. Der Herzog der Bayern, Odilo, hatte ihn gerufen. Im Jahr 739 teilte Bonifatius Bayern in vier Bistümer ein. In Hessen und Thüringen gründete er im Jahr 742 drei neue Bistümer.
| Bistum | Jahr | Was daraus wurde |
|---|---|---|
| Regensburg | 739 | heute Bistum Regensburg |
| Freising | 739 | heute Erzbistum München und Freising |
| Salzburg | 739 | heute Erzbistum Salzburg in Österreich |
| Passau | 739 | heute Bistum Passau |
| Würzburg | 742 | heute Bistum Würzburg |
| Büraburg bei Fritzlar | 742 | bald in Mainz aufgegangen |
| Erfurt | 742 | bald in Mainz aufgegangen, seit 1994 wieder Bistum |
Die Bistümer Büraburg und Erfurt waren zu klein, um sich zu halten. Ihre Gebiete kamen später zum Bistum Mainz. In Erfurt gibt es seit 1994 wieder ein eigenes Bistum. Zu den Klöstern, die Bonifatius gründete, gehören Amöneburg, Fritzlar, Ohrdruf und Fulda.
Wer half Bonifatius bei seiner Arbeit?
Bonifatius halfen vor allem Mönche und Nonnen aus England. Auf seine Briefe hin kamen viele Gelehrte, Lehrer und Schreiber auf das Festland. Einige von ihnen machte er zu Bischöfen, zum Beispiel Burchard in Würzburg. Sein Schüler Lul wurde später sein Nachfolger. Auch Frauen kamen. Seine Verwandte Lioba (ausgesprochen „li-O-ba“) aus dem Kloster Wimborne leitete das Frauenkloster in Tauberbischofsheim. Sturmi stammte aus Bayern. Er wurde der erste Abt von Fulda. Ohne diese Helfer hätte Bonifatius nie so viele Orte erreicht.
Wie ordnete Bonifatius die Kirche im Frankenreich?
Bonifatius ordnete die Kirche im Frankenreich durch Versammlungen, auf denen feste Regeln beschlossen wurden. Nach dem Tod von Karl Martell im Jahr 741 regierten seine Söhne Karlmann und Pippin. Beide arbeiteten eng mit Bonifatius zusammen. Bonifatius hatte bemerkt, dass vieles in der fränkischen Kirche nicht so war, wie es sein sollte. Manche Bischöfe führten Kriege, gingen auf die Jagd oder kümmerten sich nicht um ihre Gemeinden. Manche Priester konnten kaum Latein und machten Fehler bei der Taufe.
Im Jahr 742 oder 743 rief Karlmann die Bischöfe in seinem Reichsteil zu einer Versammlung. Man nennt sie Concilium Germanicum (ausgesprochen „kon-ZI-li-um ger-MA-ni-kum“), also „deutsches Konzil“. Ein Konzil oder eine Synode ist eine Versammlung, auf der die Bischöfe gemeinsam Regeln beschließen. Es wurde zum Beispiel beschlossen, dass sich jedes Jahr alle Bischöfe treffen. Priester durften keine Waffen tragen und nicht auf die Jagd gehen. Jeder Bischof sollte in seinem Bistum die Gemeinden besuchen und dafür sorgen, dass heidnische Bräuche aufhören. Es folgten weitere Versammlungen, auch im Westen des Frankenreichs bei Pippin. Im Auftrag von Pippin weihte Bonifatius im Jahr 744 Erzbischöfe für Rouen, Reims und Sens im heutigen Frankreich. So reichte sein Einfluss bis weit in den Westen des Frankenreichs. Um das Jahr 746 wurde Bonifatius Bischof von Mainz. Mainz blieb danach für viele Jahrhunderte das wichtigste Erzbistum in Deutschland.
Mit wem stritt Bonifatius?
Bonifatius stritt vor allem mit Priestern, die nach seiner Meinung Falsches lehrten. Zwei von ihnen waren Aldebert und Clemens. Aldebert zog als Wanderprediger durch das Frankenreich und behauptete, er sei ein Heiliger. Er stellte auf Feldern und an Quellen Kreuze und kleine Kapellen auf. Viele Menschen gingen lieber dorthin als in ihre Kirchen. Aldebert verteilte sogar seine eigenen Haare und Fingernägel, damit die Menschen sie wie Reliquien verehrten. Wer bei ihm beichten wollte, dem sagte er, er kenne seine Sünden schon. Clemens wollte die Lehren der alten Kirchenlehrer nicht anerkennen.
Für Bonifatius war das gefährlich. Die Menschen sollten den Bischöfen und den Regeln der Kirche folgen, nicht einem selbst ernannten Heiligen. Auf einer Synode im Jahr 743 erreichte er, dass beide eingesperrt wurden. Sie kamen aber bald wieder frei. Am 25. Oktober 745 verurteilte eine Synode in Rom Aldebert und Clemens. Bonifatius hatte dafür einen Bericht geschickt.
Warum gründete Bonifatius das Kloster Fulda?
Bonifatius gründete das Kloster Fulda, weil er ein Kloster wollte, das streng nach der Benediktsregel lebt und nur dem Papst untersteht. Im Jahr 744 schickte er seinen Schüler Sturmi los, um einen passenden Ort zu suchen. Sturmi fand ihn an dem Fluss Fulda, mitten in einem großen Wald. Dort begannen die Mönche im März 744 mit dem Bau des Klosters.
Fulda wurde der Lieblingsort von Bonifatius. Er kam immer wieder dorthin, um sich auszuruhen und zu beten. Er wollte auch dort begraben werden. Im Jahr 751 erreichte er, dass der Papst das Kloster unter seinen eigenen Schutz stellte. Damit durfte kein Bischof in der Umgebung dem Kloster Befehle geben. Das nennt man Exemtion. Fulda wurde später eines der größten und reichsten Klöster in Europa. Seine Mönche schrieben dort viele Bücher ab. Im Jahr 753 bestimmte Bonifatius seinen Schüler Lul zu seinem Nachfolger in Mainz. Er selbst war nun etwa 80 Jahre alt.

Wie starb Bonifatius?
Bonifatius wurde am 5. Juni 754 mit rund 50 Begleitern in Friesland von Räubern erschlagen. Trotz seines hohen Alters wollte er noch einmal zu den Friesen, bei denen seine Mission einst begonnen hatte. Viele von ihnen waren immer noch nicht getauft.
Wie verlief die letzte Reise von Bonifatius?
Willibald erzählt, dass Bonifatius ahnte, dass er nicht zurückkehren würde. Er bat Lul, ihm in die Kiste mit seinen Büchern ein Leinentuch zu legen, in das man seinen alten Körper einwickeln sollte. Dann fuhr er mit einigen Begleitern mit dem Schiff den Rhein hinunter nach Friesland.
Friesland war ein feuchtes, flaches Land an der Nordsee, das von vielen Wasserläufen durchzogen war. Bonifatius zog dort mit Bischof Eoban, Priestern, Diakonen und Mönchen umher. Sie tauften viele Tausend Menschen, Männer, Frauen und Kinder. Für den Pfingsttag hatte Bonifatius die Neugetauften an den Fluss Borne in der Nähe von Dokkum (ausgesprochen „DOK-kömm“) bestellt. Dort wollte er sie firmen. Bei der Firmung legt ein Bischof den Getauften die Hand auf und bittet um den Heiligen Geist. Die Gruppe schlug ihre Zelte auf und wartete.
Was geschah am Morgen des 5. Juni 754?
Am Morgen kam statt der Neugetauften eine Schar bewaffneter Männer. Sie stürmten mit Lanzen und Schilden auf das Lager zu. Die Diener von Bonifatius griffen zu den Waffen. Bonifatius verbot ihnen aber zu kämpfen. Er rief: „Hört auf zu kämpfen, legt die Waffen nieder.“ Die Heilige Schrift lehre, Böses nicht mit Bösem zu vergelten, sondern das Böse durch das Gute zu besiegen. Den Priestern und Mönchen sagte er, sie sollten keine Angst vor denen haben, die nur den Körper töten können. Die Seele lebe weiter. So berichtet es Willibald. Bonifatius nahm die Reliquien, die er immer bei sich trug, und ging den Angreifern entgegen. Reliquien sind Überreste von Heiligen, zum Beispiel kleine Knochenstücke, die Christen verehren. Die Angreifer erschlugen Bonifatius und alle, die bei ihm waren.
Was geschah nach dem Überfall?
Nach dem Überfall plünderten die Angreifer das Lager und stritten sich um die Beute. Sie schleppten die verschlossenen Kisten zu den Schiffen, weil sie glaubten, darin seien Gold und Silber. Auf den Schiffen fanden sie die Vorräte der Reisenden, darunter viel Wein, und betranken sich. Beim Streit darüber, wie sie die Schätze teilen sollten, gingen sie mit ihren Waffen aufeinander los. Viele kamen dabei um. Als die Übrigen die Kisten aufbrachen, fanden sie keine Schätze, sondern nur Bücher. Enttäuscht warfen sie die Bücher auf die Felder und in das Schilf der Sümpfe. Lange Zeit später fand man einige davon wieder und brachte sie in ein Kloster.
Willibald erzählt auch, was danach geschah. Als die Nachricht vom Tod des Bischofs sich verbreitete, sammelten die Christen in Friesland ein Heer. Sie überfielen die Gegend, aus der die Mörder kamen, töteten viele Menschen und nahmen Frauen und Kinder gefangen. Aus Angst ließen sich danach viele Friesen taufen. Den Glauben, den sie bei Bonifatius abgelehnt hatten, nahmen sie nach seinem Tod an.
War der Tod von Bonifatius ein Anschlag?
Ob der Tod von Bonifatius ein geplanter Anschlag war, ist nicht sicher. Wahrscheinlicher ist ein Raubüberfall. Willibald nennt die Angreifer Heiden. Er schreibt aber auch, dass sie auf Beute aus waren. Ein großes Lager mit Kisten, Zelten und Kirchengeräten sah nach Reichtum aus. Heutige Geschichtsforscher halten die Angreifer deshalb meist für eine Räuberbande. Möglich ist auch, dass manche Friesen die Mission ablehnten und die Fremden loswerden wollten. Augenzeugen, die alles genau aufgeschrieben haben, gibt es nicht.
Willibald schreibt, Bonifatius sei im Jahr 755 gestorben. Diese Angabe passt aber nicht zu anderen Nachrichten, zum Beispiel zu Briefen und dem Datum, an dem Lul sein Amt übernahm. Die meisten Forscher halten deshalb 754 für das richtige Todesjahr.
Was ist der Ragyndrudis-Codex?
Der Ragyndrudis-Codex (ausgesprochen „ra-gün-DRU-dis“) ist ein Buch aus dem 8. Jahrhundert, das Bonifatius nach einer Legende bei dem Überfall in Friesland bei sich hatte. Ein Codex ist ein altes, von Hand geschriebenes Buch. Der Ragyndrudis-Codex wird heute im Dommuseum in Fulda aufbewahrt. Seine Seiten haben tiefe Schnitte, als hätte jemand mit einer scharfen Waffe darauf eingeschlagen.
Eine Legende erzählt, dass Bonifatius sich bei dem Überfall ein Evangelienbuch über den Kopf hielt. Er wollte im Tod unter dem Schutz des Wortes Gottes stehen. Diese Geschichte steht nicht bei Willibald. Sie stammt aus einer zweiten Lebensbeschreibung, die ein Priester in Utrecht vor dem Jahr 840 schrieb. Er berief sich auf eine sehr alte Frau, die als junges Mädchen dabei gewesen sein soll. Erst im 11. Jahrhundert brachte man diese Erzählung mit dem Buch in Fulda in Verbindung. Der Ragyndrudis-Codex enthält aber gar keine Evangelien, sondern andere Texte über den christlichen Glauben. Ob Bonifatius dieses Buch wirklich bei sich hatte, weiß niemand. Seit dieser Legende wird Bonifatius oft mit einem Buch dargestellt, das von einem Schwert durchbohrt ist.

Wie kam der tote Bonifatius von Friesland nach Fulda?
Der tote Bonifatius wurde mit dem Schiff über Utrecht und Mainz nach Fulda gebracht, weil sein Schüler Lul seinen Wunsch erfüllte, im Kloster Fulda begraben zu werden. Christen aus Utrecht holten die Leichen der Ermordeten in Friesland ab. Den Körper von Bonifatius brachten sie zuerst nach Utrecht. Von dort fuhr man ihn den Rhein hinauf nach Mainz. In Mainz wurden seine Eingeweide bestattet. In Utrecht und in Mainz wollten die Menschen den berühmten Märtyrer gern bei sich behalten. Es gab heftigen Streit darum. Lul setzte aber den Willen von Bonifatius durch.
Mitte Juli 754 brachte man den Leichnam in einer großen Prozession von Mainz nach Fulda. Eine Prozession ist ein feierlicher Zug von betenden Menschen. Heute erinnert die Bonifatiusroute an diesen Zug. Der Pilger- und Wanderweg ist rund 180 Kilometer lang und führt vom Mainzer Dom bis zum Dom in Fulda.
Wo liegt das Grab von Bonifatius?
Das Grab von Bonifatius liegt in der Bonifatiusgruft in der Krypta des Doms in Fulda. Eine Krypta ist ein Raum unter dem Altar einer Kirche, oft halb unter der Erde. Eine Gruft ist ein gemauertes Grab. Bonifatius wurde zuerst in der Kirche des Klosters beigesetzt. Im Jahr 819 brachten die Mönche seine Gebeine in den neuen Westchor der großen Klosterkirche.
Diese Kirche wurde Anfang des 18. Jahrhunderts abgerissen. An ihrer Stelle baute der Baumeister Johann Dientzenhofer den heutigen Dom. Der Bau begann 1704, und 1712 wurde die Kirche geweiht. Das Grab von Bonifatius blieb an seinem Platz, unter dem Hochaltar an der Ostwand der Krypta.
Über dem Grab steht der Bonifatiusaltar. Der Bildhauer Johann Neudecker der Ältere schuf ihn in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das Relief aus weißem Alabaster zeigt, wie Bonifatius erschlagen wird. Ein Relief ist ein Bild, das aus einer Fläche herausgearbeitet ist. Unten am Altar sieht man, wie Bonifatius aus seinem Grab aufersteht. Das Dommuseum in Fulda zeigt Schätze, die mit Bonifatius verbunden sind, darunter den Ragyndrudis-Codex.

Wie wird Bonifatius heute verehrt?
Bonifatius wird heute vor allem in Fulda, Mainz, Fritzlar und Dokkum verehrt. Jedes Jahr im Frühsommer, rund um seinen Gedenktag am 5. Juni, pilgern viele Menschen zu seinem Grab in Fulda. Pfarreien aus dem Bistum Fulda kommen zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Bonifatius ist der Schutzpatron des Bistums Fulda. Ein Schutzpatron ist ein Heiliger, von dem man glaubt, dass er einen Ort, eine Gruppe oder einen Beruf besonders beschützt.
Seit dem Jahr 1867 versammeln sich die katholischen Bischöfe Deutschlands regelmäßig in Fulda, am Grab von Bonifatius. Bis heute trifft sich die Deutsche Bischofskonferenz jedes Jahr im Herbst dort. Beim Abschlussgottesdienst im Dom werden die Bischöfe mit einer Reliquie von Bonifatius gesegnet. In Dokkum in den Niederlanden steht seit 1934 eine Bonifatiuskapelle in einem kleinen Park. Sie wurde an der Stelle gebaut, an der Bonifatius nach der Überlieferung starb. Davor steht der Bonifatiusbrunnen mit einem Denkmal.
Auf Bildern und Figuren erkennt man Bonifatius an seinen Attributen. So nennt man Gegenstände, die zu einem Heiligen gehören. Bonifatius trägt meist die Kleidung eines Bischofs. Er hat eine Axt bei sich, die an die Donareiche erinnert, oder ein Buch, das von einem Schwert durchbohrt ist. Manchmal liegt eine gefällte Eiche zu seinen Füßen. In Fulda steht seit 1842 ein großes Denkmal von Bonifatius auf dem Bonifatiusplatz gegenüber dem Stadtschloss. Der Bildhauer Werner Henschel hat es geschaffen.

Gibt es ein Musical über Bonifatius?
Ja, über Bonifatius gibt es ein Musical. Es heißt „Bonifatius – Das Musical“ und wurde am 3. Juni 2004 im Schlosstheater in Fulda zum ersten Mal aufgeführt. Ein Musical ist ein Theaterstück, in dem die Darsteller singen, sprechen und tanzen. Anlass war der 1250. Todestag von Bonifatius. Die Musik und die Liedtexte schrieb Dennis Martin. Die Handlung schrieb Zeno Diegelmann. In den Jahren 2019 und 2024 wurde das Musical unter freiem Himmel auf dem Domplatz in Fulda gespielt, nur wenige Meter vom Grab von Bonifatius entfernt. Im Jahr 2019 waren alle acht Vorstellungen mit jeweils rund 4.000 Zuschauern ausverkauft.
Das Musical erzählt das Leben von Bonifatius nicht so, wie es in den alten Quellen steht. Darin fällt Bonifatius die Donareiche mit einem einzigen Schlag. Bei Willibald stürzt der Baum dagegen erst um, als ein Wind in die Krone fährt. Im Musical tötet der Friesenkönig Radbod Bonifatius in Friesland. Radbod war aber schon im Jahr 719 gestorben, 35 Jahre vor dem Tod von Bonifatius. Auch die Liebesgeschichte zwischen Sturmi und einer jungen Frau namens Alrun kommt bei Willibald nicht vor.
Gibt es auch ein Oratorium über Bonifatius?
Ja, zum 1250. Todestag wurde am 6. Juni 2004 im Mainzer Dom das Oratorium „Bonifatius“ von Thomas Gabriel zum ersten Mal aufgeführt. Ein Oratorium ist ein großes Musikwerk für Chor, Sänger und Orchester, das eine Geschichte erzählt. Anders als ein Musical oder eine Oper wird es ohne Bühnenbild und Kostüme aufgeführt. Die Texte stellte Barbara Nichtweiß zusammen. Sie stammen aus alten Schriften über Bonifatius und aus seinen Briefen. Ein Teil wird auf Latein oder Althochdeutsch gesungen. So nennt man die älteste Form der deutschen Sprache.
Quellen: Willibald: Leben des heiligen Bonifatius (Fordham University, englisch), Briefe des Bonifatius (Fordham University, englisch), Neue Deutsche Biographie: Bonifatius, Hessische Biografie (LAGIS), Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters: Ars grammatica, Geschichtsquellen: Vita Bonifatii altera, Deutschlandfunk: Bonifatius, Märtyrer und Heiliger, Bistum Mainz: Brief zum 1250. Todestag, Dehio: Fulda, Domkirche, Bonifatiusaltar, Ökumenisches Heiligenlexikon: Bonifatius, Bistum Mainz: Bonifatiusroute, Stadt Fritzlar: Der heilige Bonifatius, Musicallexikon der Universität Freiburg: Bonifatius und Bistum Mainz: Oratorium Bonifatius.

