Die kurze Antwort
Einen Caganer (ausgesprochen „ka-ga-NE“) bastelst du aus lufttrocknender Modelliermasse. Du formst einen runden Sockel, zwei geknickte Beine, einen Körper, zwei Arme und einen Kopf mit roter Mütze. Unter die Figur setzt du ein kleines Häufchen. Nach dem Trocknen malst du sie mit Acrylfarbe an. Die fertige Figur ist etwa 7 Zentimeter hoch und passt in jede Weihnachtskrippe.
Der Caganer ist eine kleine Figur aus der Weihnachtskrippe in Katalonien, einer Region im Nordosten Spaniens. Er ist ein Bauer, der in der Hocke sitzt, die Hose heruntergelassen hat und sein Geschäft macht. Auf Katalanisch heißt die Krippe Pessebre (ausgesprochen „pe-SE-bre“). Dort steht der Caganer zwischen Hirten, Schafen und Häusern, meist ein wenig versteckt, und die Kinder suchen ihn. Seit dem Ende des 17. oder dem Anfang des 18. Jahrhunderts gehört er zur katalanischen Krippe.

Vor dem Start
Für den Caganer brauchst du etwa eine Stunde zum Formen und eine halbe Stunde zum Anmalen. Dazwischen muss die Figur zwei Tage lang trocknen. Deck den Tisch vorher mit Backpapier oder einer alten Zeitung ab, denn die Modelliermasse und die Farbe machen Flecken. Acrylfarbe geht aus Kleidung nicht mehr heraus, wenn sie trocken ist. Zieh deshalb ein altes T-Shirt an.
Was brauchst du für einen Caganer?
Lufttrocknende Modelliermasse ist eine weiche, weiße Masse, die sich wie Knete formen lässt. Anders als Knete wird sie an der Luft hart. Man muss sie dafür nicht im Ofen brennen. Acrylfarbe ist eine Farbe, die man mit Wasser verdünnen kann, solange sie nass ist. Wenn sie getrocknet ist, ist sie wasserfest.

Wie bastelt man einen Caganer?
1. Den Sockel formen
Nimm ein Stück Modelliermasse, so groß wie eine Walnuss, und knete es weich. Roll es zu einer Kugel und drück sie auf dem Backpapier flach, bis eine runde Scheibe entsteht. Sie soll etwa 4 Zentimeter breit und einen knappen Zentimeter dick sein. Streich den Rand mit einem nassen Finger glatt. Auf diesem Sockel, also einem flachen Fuß, steht später die ganze Figur.

2. Die Beine in der Hocke formen
Roll zwei Würstchen, jedes etwa 5 Zentimeter lang und so dick wie dein kleiner Finger. Knick jedes Würstchen in der Mitte, sodass es wie ein umgedrehtes V aussieht. Der Knick ist das Knie. Drück das untere Ende jedes Beins ein wenig flach und bieg es nach vorne, das sind die Füße. Setz beide Beine nebeneinander auf den Sockel, die Knie zeigen nach vorne. Drück die Füße fest an den Sockel und verstreich die Ränder mit dem nassen Finger, damit sie gut halten.

3. Den Körper aufsetzen
Form aus einem Stück Masse, so groß wie eine Kirsche, ein Ei. Setz das Ei mit dem dicken Ende nach unten auf die hinteren Enden der Beine. Das dicke Ende ist der Po, das schmale Ende oben die Schultern. Der Körper sitzt tief und ist leicht nach vorne geneigt, so wie bei einem Menschen in der Hocke. Der Po berührt den Sockel nicht, darunter bleibt eine kleine Lücke. Verstreich die Stellen, an denen Körper und Beine sich berühren, mit dem nassen Finger.

4. Die Arme und die Schärpe anbringen
Roll zwei dünne Würstchen, jedes etwa 3 Zentimeter lang. Drück das obere Ende an die Schulter und leg die Hand auf das Knie. Der Caganer stützt sich so auf, wie es Menschen in der Hocke tun. Roll dann ein ganz dünnes Würstchen und leg es wie einen Gürtel um die Mitte des Körpers. Das ist die Schärpe, ein breites Tuch, das katalanische Bauern früher um den Bauch gebunden trugen.

5. Den Kopf mit der Barretina formen
Steck einen halben Zahnstocher oben senkrecht in den Körper, sodass etwa ein Zentimeter herausschaut. Roll eine Kugel, so groß wie eine Haselnuss, und drück sie auf den Zahnstocher. Der Zahnstocher hält den Kopf wie ein kleiner Dübel fest. Ein Dübel ist ein Stift, der zwei Teile von innen verbindet. Für die Mütze formst du einen Kegel, etwa 2 Zentimeter lang. Drück mit dem Finger eine Mulde in das dicke Ende und setz ihn auf den Kopf. Knick die Spitze zur Seite oder nach vorne um. Diese Mütze heißt Barretina (ausgesprochen „ba-re-TI-na“). Das ist eine Wollmütze, die früher Bauern und Fischer in Katalonien trugen.
Mit der Spitze des zweiten Zahnstochers drückst du zwei kleine Löcher als Augen in das Gesicht. Wenn du magst, rollst du ein winziges Stäbchen und steckst es als Pfeife an den Mund. Viele Caganer rauchen eine Pfeife.

6. Das Häufchen setzen
Roll ein kleines Würstchen, etwa so dick wie ein Bleistift und 4 Zentimeter lang. Dreh es auf dem Sockel unter dem Po zu einer kleinen Spirale auf, so wie ein Schneckenhaus. Das ist das Häufchen, ohne das ein Caganer kein Caganer wäre. Drück es leicht an den Sockel, damit es beim Trocknen nicht abfällt.

7. Die Figur trocknen lassen
Stell den Caganer auf dem Backpapier an einen Ort, an dem ihn niemand umstößt. Er soll nicht direkt auf der Heizung stehen. Lass ihn zwei Tage lang trocknen. Zwischendurch drehst du ihn einmal um, damit auch die Unterseite des Sockels Luft bekommt. Die Masse ist trocken, wenn sie überall gleich hell ist und sich nicht mehr kühl anfühlt.
8. Den Caganer anmalen
Mal zuerst die großen Flächen mit dem mittleren Pinsel an. Die Hose wird schwarz, das Hemd bleibt weiß oder du malst es noch einmal mit weißer Farbe über. Die Barretina wird rot, die Schärpe ebenfalls. Gesicht und Hände malst du im Hautton an, das Häufchen braun. Der Sockel kann grün wie Gras oder braun wie Erde werden. Lass jede Farbe kurz antrocknen, bevor du die nächste daneben malst. Zum Schluss malst du mit dem feinen Pinsel die Augen, die Pfeife und vielleicht einen dunklen Streifen an die Mütze.

9. Den Caganer in der Krippe verstecken
Wenn die Farbe trocken ist, stellst du deinen Caganer in eure Weihnachtskrippe. In Katalonien steht er nicht vorne bei Maria und Josef, sondern ein wenig abseits, hinter einem Busch, einem Stein oder einem Häuschen. Wer zu Besuch kommt, darf ihn suchen. Du kannst ihn auch jeden Tag an eine andere Stelle stellen, dann wird die Suche jedes Mal neu spannend.

Warum hält der Caganer?
Der Caganer hält, weil die Modelliermasse beim Trocknen hart wird und weil die Figur fest auf einem breiten Sockel steht. Damit das klappt, kommt es auf das Trocknen, die Verbindungen und den Schwerpunkt an.
Warum wird die Modelliermasse hart?
Lufttrocknende Modelliermasse besteht aus sehr feinen Körnchen, einem Klebstoff und Wasser. Solange Wasser darin ist, können die Körnchen aneinander vorbeigleiten, und die Masse ist weich. An der Luft verdunstet das Wasser. Verdunsten heißt, dass es langsam als unsichtbarer Wasserdampf in die Luft entweicht. Dann rücken die Körnchen eng zusammen, und der Klebstoff hält sie fest. Die Masse wird hart. Die Hersteller rechnen mit etwa 24 Stunden für jeden Zentimeter Dicke. Dein Sockel ist fast einen Zentimeter dick, deshalb braucht die Figur zwei Tage.
Warum verstreicht man die Nähte mit einem nassen Finger?
Zwei Teile, die man nur aneinanderdrückt, berühren sich bloß an der Oberfläche. Wenn du die Ränder mit einem nassen Finger verstreichst, wird die Masse dort wieder weich und vermischt sich. Aus zwei Teilen wird ein einziges Stück. Nach dem Trocknen gibt es an dieser Stelle keine Fuge mehr, an der ein Bein oder ein Arm abbrechen kann.
Warum fällt der Caganer nicht um?
Jeder Gegenstand hat einen Schwerpunkt. Das ist der Punkt, an dem man sich sein ganzes Gewicht vereint vorstellen kann. Ein Gegenstand bleibt stehen, solange sein Schwerpunkt über der Fläche liegt, auf der er steht. Ein Mensch in der Hocke lehnt sich nach vorne, sonst kippt er nach hinten. Bei deinem Caganer liegt der schwere Körper hinten über den Fersen. Allein auf seinen kleinen Füßen würde er leicht umfallen. Der runde Sockel macht die Standfläche viel größer. Der Schwerpunkt liegt jetzt sicher über dem Sockel, und die Figur bleibt stehen.
Was tun, wenn der Caganer nicht klappt?
- Wenn die Masse an den Fingern klebt, ist sie zu nass. Leg sie ein paar Minuten offen auf das Backpapier und knete dann weiter.
- Wenn die Masse beim Formen Risse bekommt, ist sie zu trocken. Mach die Finger nass und knete sie noch einmal gut durch.
- Wenn die Figur beim Formen nach hinten kippt, schieb den Körper ein Stück weiter nach vorne über die Füße.
- Wenn beim Trocknen ein feiner Riss entsteht, verstreichst du ein wenig frische Masse mit nassem Finger darin und lässt die Stelle noch einmal trocknen.
- Wenn nach dem Trocknen ein Teil abgefallen ist, klebst du es mit Bastelkleber oder Holzleim wieder an.
- Wenn zwei Farben ineinanderlaufen, war die erste Farbe noch nass. Lass sie trocknen und mal die Stelle dann noch einmal über.
Zum Weiterdenken
Der Caganer steht in einer Krippe, in der es um die Geburt von Jesus geht. Trotzdem macht er dort in aller Ruhe sein Geschäft. Ein Fachmann für katalanische Bräuche, Joan Amades (ausgesprochen „schu-AN a-MA-des“), hat erklärt, dass er damit den Boden düngt, sodass im nächsten Jahr wieder etwas wächst. Warum war eine gute Ernte für die Menschen früher wohl so wichtig, dass sie sogar an Weihnachten daran dachten?
Jetzt selbst ausprobieren
In Katalonien gibt es zu Weihnachten noch eine zweite Figur, bei der es ums Kacken geht. Das ist ein Holzklotz mit Gesicht, der den Kindern Geschenke bringt. Was es mit ihm auf sich hat, erfährst du im Artikel Caga Tió: Warum bringt in Katalonien ein Holzklotz die Geschenke?, und wie du ihn selbst baust, zeigt die Anleitung Tió basteln.
Quellen: Ajuntament de Barcelona, Cultura Popular: Caganer, Der Spiegel: Das Scheißerchen an der Krippe, Die Zeit: Katalonien und sein Krippenspiel, Pen Store: DAS Modelliermasse

