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Santa-san: Wer bringt in Japan die Geschenke?

Altes Schwarz-Weiß-Foto mit vielen japanischen Kindern in Kimonos, die mit einigen Erwachsenen in Reihen sitzen und stehen

Die kurze Antwort

In Japan bringt Santa-san (ausgesprochen „SAN-ta-san“) den Kindern die Geschenke. So nennen japanische Kinder den Weihnachtsmann. Die Silbe „san“ hängen Japaner aus Höflichkeit an den Namen eines Menschen. Santa-san kommt in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember und legt die Geschenke neben das Kopfkissen. Die Kinder finden sie am Morgen beim Aufwachen. Bekannt wurde der Weihnachtsmann in Japan vor rund 150 Jahren durch Christen. Bei der ersten Weihnachtsfeier in Tokio im Jahr 1874 trat er als japanischer Fürst mit zwei Schwertern auf, und in einem Kinderbuch von 1900 hieß er Santa Kurō und ging mit einem Esel zu Fuß.

Altes Schwarz-Weiß-Foto mit vielen japanischen Kindern in Kimonos, die mit einigen Erwachsenen in Reihen sitzen und stehen
Japanische Kinder bei einer Weihnachtsfeier von Missionaren in Tokio. Das Foto erschien im Jahr 1917 in einer Zeitschrift. Foto: unbekannt, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Am Morgen des 25. Dezember wacht ein Mädchen in Tokio auf und greift sofort neben ihr Kopfkissen. Dort liegt ein Päckchen mit einer Schleife. In der Nacht war Santa-san da. Ihr Wunschzettel ist weg, und neben dem Päckchen liegt ein kleiner Brief. Das Mädchen weckt seine Eltern. Doch wie ist Santa-san in die Wohnung gekommen, die gar keinen Kamin hat? Und warum hat der Weihnachtsmann in Japan einen höflichen Namen?

Welche anderen Gabenbringer es auf der Welt gibt, zeigt unser Überblick Christkind oder Weihnachtsmann: Wer bringt in welchem Land die Geschenke?. Woher der Weihnachtsmann ursprünglich kommt, erklärt unser Artikel Weihnachtsmann: Woher kommt er und wo wohnt er?.

Wer ist Santa-san?

Santa-san ist der Weihnachtsmann, so wie ihn Kinder in Japan nennen. Er sieht aus wie der Weihnachtsmann in Amerika und Europa, mit weißem Bart, roter Mütze und rotem Mantel. Er fliegt mit einem Schlitten, den Rentiere ziehen, und bringt den Kindern in der Weihnachtsnacht ein Geschenk.

Sein vollständiger Name ist auf Japanisch Santa Kurōsu (ausgesprochen „SAN-ta KU-roo-su“). So sprechen Japaner den englischen Namen Santa Claus aus. Kinder kürzen den Namen ab und hängen die Silbe san an. Diese Silbe ist eine Höflichkeitsform. Japaner sagen sie hinter dem Namen eines Menschen, wenn sie freundlich und respektvoll über ihn sprechen, ähnlich wie „Herr“ oder „Frau“ im Deutschen. Santa-san heißt also ungefähr „Herr Santa“.

In Japan sind nur etwa ein Prozent der Menschen Christen. Der 24. und der 25. Dezember sind keine Feiertage, Erwachsene gehen zur Arbeit. Trotzdem kennt fast jedes Kind in Japan Santa-san, und in vielen Familien bringt er ein Geschenk. Für die meisten Familien hat er nichts mit der Kirche zu tun. Er ist einfach der freundliche alte Mann, der zu Weihnachten den Kindern eine Freude macht.

Wann bringt Santa-san die Geschenke?

Santa-san bringt die Geschenke in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember, während die Kinder schlafen. Die Kinder entdecken sie dann am Morgen des 25. Dezember.

Die meisten Familien legen das Geschenk an das Kopfende des Bettes, also neben das Kopfkissen. Auf Japanisch heißt dieser Platz makuramoto (ausgesprochen „ma-ku-RA-mo-to“). Das Wort bedeutet „am Kissen“. Viele Kinder in Japan schlafen auf einem Futon (ausgesprochen „FU-ton“), einer weichen Matratze, die abends auf den Boden gelegt wird. Neben diesem Futon liegt am Weihnachtsmorgen das Päckchen. Als Eltern gefragt wurden, wie sie das Geschenk von Santa-san überreichen, war das die häufigste Antwort. Ungefähr jede dritte Familie legt es heimlich so hin, dass das Kind es beim Aufwachen neben dem Kissen findet.

Manche Familien feiern schon am Abend des 24. Dezember. Dann gibt es oft einen Kuchen und ein kleines Fest für die Kinder. Das Geschenk von Santa-san kommt aber erst in der Nacht. Viele Kinder bekommen zusätzlich noch ein Geschenk von ihren Eltern.

Wie kommt Santa-san ohne Kamin ins Haus?

Wie Santa-san ohne Kamin ins Haus kommt, wissen viele Eltern in Japan selbst nicht so genau. In Japan haben fast keine Häuser und Wohnungen einen Kamin. Deshalb fragen viele Kinder, wie Santa-san überhaupt hereinkommt.

Die Internetseite Iko-yo (ausgesprochen „i-KOO-jo“), auf der Familien Ausflugsziele finden, hat im Jahr 2019 mehr als 700 Eltern gefragt, was sie dann antworten. Mehr als die Hälfte tut so, als wüsste sie es selbst nicht, und sagt etwa „Wo er wohl hereinkommt?“. Ungefähr jede vierte Familie erzählt, dass Santa-san durch das Fenster kommt. Etwa jede zehnte Familie sagt, dass er durch die Haustür kommt. Nur sehr wenige Eltern erzählen, dass er durch die Wand geht oder durch die Lüftung kommt.

Wie erfährt Santa-san, was sich die Kinder wünschen?

Santa-san erfährt die Wünsche der Kinder meistens über ihre Eltern. Die Eltern fragen in den Wochen vor Weihnachten nach, was sich ihr Kind von Santa-san wünscht, oft ganz nebenbei im Gespräch. In einer Umfrage von Iko-yo aus dem Jahr 2014 machten es fast zwei Drittel der Eltern so. Ungefähr jedes fünfte Kind schreibt Santa-san einen Brief mit seinem Wunsch.

Am häufigsten wünschen sich Kinder in Japan Spielzeug. Bei der Umfrage von Bandai unter 600 Eltern von Kindern zwischen 3 und 12 Jahren lag Spielzeug im Jahr 2025 auf Platz eins. Gemeint waren zum Beispiel Verkleidungen von Helden aus dem Fernsehen, Kartenspiele, Kuscheltiere, Spielzeugzüge und Bausteine. Auf Platz zwei lagen Spiele für die Spielkonsole, auf Platz drei Kleidung und Dinge für den Alltag. Im Durchschnitt planten die Eltern für ein Geschenk von Santa-san 8.378 Yen (ausgesprochen „JEN“) ein. Der Yen ist das Geld in Japan. Der Betrag entsprach damals ungefähr 50 Euro.

Seit wann gibt es Santa-san in Japan?

Den Weihnachtsmann gibt es in Japan seit dem 19. Jahrhundert. Damals kamen Händler, Lehrer und Missionare aus Amerika und Europa nach Japan. Missionare sind Menschen, die in fremden Ländern vom christlichen Glauben erzählen. Mit ihnen kam auch das Weihnachtsfest mit dem Weihnachtsmann.

Die älteste Weihnachtsfeier von Japanern, über die es Aufzeichnungen gibt, fand 1874 in Tokio statt. Ein junger Mann namens Hara Taneaki (ausgesprochen „HA-ra TA-ne-a-ki“) hatte sie geplant. Er war 22 Jahre alt, hatte früher für die Regierung des Shoguns (ausgesprochen „SCHOO-gun“) gearbeitet und war gerade Christ geworden. Der Shogun war bis 1868 der mächtigste Herrscher Japans. Die Feier fand in einer Mädchenschule im Stadtteil Tsukiji (ausgesprochen „TSU-ki-dschi“) statt, wo damals viele Ausländer wohnten. Es gab einen Weihnachtsbaum, der hinter einem Bühnenvorhang aus einem Theater versteckt war, und die Schülerinnen sagten Gedichte auf und sangen Lieder.

Bei dieser Feier trat auch ein Weihnachtsmann auf. Er sah aber ganz anders aus als heute. Er trug einen Kamishimo (ausgesprochen „ka-mi-SCHI-mo“). Das ist ein festliches Gewand, das früher die Samurai trugen, die Krieger und Beamten im alten Japan. Dazu trug er eine Perücke und an der Seite ein langes und ein kurzes Schwert. Er sah also aus wie ein japanischer Fürst. Hara Taneaki erzählte später, er habe die Feier so fröhlich gestaltet wie ein Fest an einem japanischen Schrein in Tokio.

Wer war Santa Kurō?

Santa Kurō (ausgesprochen „SAN-ta KU-roo“) ist der japanische Weihnachtsmann aus einem Kinderbuch, das im Jahr 1900 erschien. Das Buch heißt „Santakurō“ und wurde von Shindō Nobuyoshi (ausgesprochen „SCHIN-doo NO-bu-jo-schi“) für die Kinder in den Sonntagsschulen der Kirchen geschrieben. In der Sonntagsschule lernten Kinder biblische Geschichten. Die Nationalbibliothek von Japan bewahrt das Buch auf. Es gehört zu den ersten Büchern, in denen der Weihnachtsmann in Japan abgebildet ist.

Für den Namen wählte der Autor drei japanische Schriftzeichen, die zusammen „Santakurō“ ausgesprochen werden. Kurō ist in Japan ein ganz normaler Jungenname. So klang der fremde Santa Claus wie ein Japaner. Im Buch heißt er außerdem „der alte Mann aus dem Norden“.

Was erzählt das Buch über Santa Kurō?

Die Geschichte handelt von einem achtjährigen Jungen namens Mineichi (ausgesprochen „MI-ne-i-tschi“), der mit seinen Eltern in einem schneereichen Dorf im Norden lebt. An einem Winterabend finden Mineichi und sein Vater einen Wanderer, der im Schnee zusammengebrochen ist, und retten ihn. Im nächsten Frühling wird der Vater krank. Er wird zwar wieder gesund, aber weil er lange nicht arbeiten konnte, hat die Familie kein Geld für ein Weihnachtsfest und für Geschenke. Am Weihnachtsmorgen liegen neben Mineichis Kopfkissen trotzdem ein Geschenk und ein Brief von Santa Kurō. Sie kommen von dem Wanderer, der sich für seine Rettung bedanken will.

Auf dem Bild im Buch fährt Santa Kurō nicht mit einem Rentierschlitten durch die Luft. Er geht zu Fuß neben einem Esel her. Auf dem Kopf trägt er ein Tuch, und in der Hand hält er einen kleinen Weihnachtsbaum.

Wie wurde Santa-san in ganz Japan bekannt?

Santa-san wurde in ganz Japan bekannt, weil ihn Bücher, Zeitschriften und Kaufhäuser zu den Kindern brachten. Schon im Jahr 1907 stand in einem Buch des Kinderbuchautors Iwaya Sazanami (ausgesprochen „I-wa-ja SA-sa-na-mi“), dass sich die Kinder auf die Mitbringsel von Santa Claus freuen.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts holten große Kaufhäuser den Weihnachtsmann in ihre Geschäfte. Kaufhäuser sind große Geschäfte mit vielen Abteilungen, in denen man fast alles kaufen kann. Sie stellten Weihnachtsbäume auf und schmückten ihre Schaufenster mit Bildern von Santa Claus, damit die Eltern dort Geschenke für ihre Kinder kauften. Damit wurde er auch in Familien bekannt, die keine Christen waren. Die Botschaft von Japan in Deutschland schreibt, dass der Weihnachtsmann über den Handel in die japanischen Kaufhäuser gekommen ist.

So wurde der Weihnachtsmann in Japan zu einem Gabenbringer für alle Kinder, nicht nur für Kinder aus christlichen Familien. Seine Kleidung ist heute dieselbe wie in Amerika und Europa. Von dem Fürsten mit den Schwertern und dem alten Mann mit dem Esel ist nur der Name mit der höflichen Silbe geblieben.

Wo wohnt Santa-san in Japan?

Santa-san wohnt wie überall auf der Welt weit im Norden. In Japan hat er aber einen besonderen Ort, das Santa-Land im Ort Hiroo (ausgesprochen „hi-ROO“) auf der Insel Hokkaido (ausgesprochen „hok-KAI-do“). Hokkaido ist die nördlichste große Insel Japans. Dort liegt im Winter viel Schnee.

Hiroo hatte seit 1980 eine Freundschaft mit der norwegischen Stadt Bergen. Im Jahr 1984 erkannte die norwegische Hauptstadt Oslo Hiroo als erstes Santa-Land außerhalb Norwegens an. In Hiroo gibt es ein Haus des Weihnachtsmanns und eine Post für Santa-san. Seit 1985 können Kinder von dort Briefe von Santa-san bekommen. Die Eltern bestellen sie im Herbst, und die Briefe kommen im Dezember mit der Post. Bis heute wurden mehr als 2,2 Millionen solcher Briefe verschickt. Seit 2014 bringt das Santa-Land außerdem Geschenke zu Kindern, die in Kinderheimen leben.

Bis zu welchem Alter glauben Kinder in Japan an Santa-san?

Viele Kinder in Japan glauben bis zum Ende der Grundschule an Santa-san. Die Grundschule dauert in Japan sechs Jahre, bis die Kinder etwa zwölf Jahre alt sind. Iko-yo hat im Jahr 2025 mehr als 400 Eltern gefragt, ob ihr Kind an Santa-san glaubt. Bei den Kindern zwischen 9 und 11 Jahren sagten noch fast drei Viertel der Eltern ja. Bei den Kindern zwischen 12 und 14 Jahren war es nur noch ungefähr die Hälfte.

Zum Weiterdenken

In Japan sind nur sehr wenige Menschen Christen, und trotzdem wartet fast jedes Kind in der Weihnachtsnacht auf Santa-san. Als er nach Japan kam, trat er erst als Fürst mit Schwertern auf und dann als alter Mann mit einem Esel. Heute trägt er einen roten Mantel wie überall auf der Welt. Warum, glaubst du, haben die Japaner ihm den höflichen Namen Santa-san gegeben? Und wie würdest du ein Geschenk verstecken, wenn du Santa-san wärst und keinen Kamin hättest?

Quellen: Botschaft von Japan: Weihnachten in Japan, Japan National Tourism Organization: Weihnachten mit Santa-san, Nationalbibliothek Japan: Santakurō (1900), Gendai Business: Die erste Weihnachtsfeier von Japanern 1874, Komazawa-Frauenuniversität: Weihnachten in der Meiji-Zeit, Bandai Namco: Umfrage zu Weihnachten 2025, Iko-yo: Umfrage zu Weihnachtsgeschenken 2019, ReseMom: Iko-yo-Umfrage 2014, Kazoiro: Bis wann glauben Kinder an den Weihnachtsmann, Kazoiro: Wie Eltern das Geschenk überreichen, Mynavi: Santa Kurō aus dem Jahr 1900, Santa-Land Hiroo: 40 Jahre, Gemeinde Hiroo: Santa-Land

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