Die kurze Antwort
Wer die Geschenke bringt, hängt davon ab, in welchem Land ein Kind lebt. In Süd- und Westdeutschland, Österreich und der Schweiz kommt das Christkind, im Norden und Osten Deutschlands und in vielen Ländern der Welt der Weihnachtsmann. In Russland bringt Väterchen Frost die Geschenke an Neujahr, in Italien die Hexe Befana (ausgesprochen „be-FAA-na“) am 6. Januar und in Spanien die Heiligen Drei Könige. In den Niederlanden kommt Sinterklaas (ausgesprochen „SIN-ter-klaas“) schon am 5. Dezember, in Griechenland der heilige Basilius an Neujahr, und in Island kommen sogar 13 Weihnachtsgesellen. Dass es so viele verschiedene Gabenbringer gibt, liegt an der Religion, an der Geschichte und an alten Bräuchen, die es in jedem Land gibt. Auch der Tag der Bescherung ist deshalb nicht überall gleich.

Stell dir vor, an einem Abend im Dezember würden sich alle Gabenbringer der Welt treffen. Es kämen ein Kind mit goldenen Locken, ein dicker Mann im roten Mantel, ein alter Bischof auf einem weißen Pferd und eine Hexe auf einem Besen. Drei Könige würden auf Kamelen reiten, ein Großvater mit langem blauem Mantel hätte seine Enkelin aus Schnee dabei, und 13 Trolle aus Island würden sich um die besten Plätze streiten. Ein Köhler aus dem Baskenland mit rußigem Gesicht wäre auch dabei und ein Holzklotz aus Katalonien. Sie alle bringen in ihren Ländern den Kindern Geschenke, aber nicht alle am gleichen Tag. Wer kommt wohin? Und warum gibt es überhaupt so viele von ihnen?
Wer bringt in welchem Land die Geschenke?
In jedem Land bringt eine andere Gestalt die Geschenke, und in vielen Ländern kommen sogar mehrere. Die beiden Tabellen zeigen die wichtigsten Gabenbringer, sortiert nach Ländern in Europa und außerhalb Europas. Der Tag nennt den Morgen oder Abend, an dem die Kinder ihre Geschenke finden.
Wer bringt in Europa die Geschenke?
| Land | Wer bringt die Geschenke? | Wann? |
|---|---|---|
| Belarus | Dzied Maroz (Väterchen Frost) | Neujahr |
| Belgien | Sinterklaas, Saint-Nicolas | 6. Dezember am Morgen |
| Bosnien, Kroatien, Serbien, Slowenien | Djed Mraz, Weihnachtsmann, Nikolaus | Neujahr, 25. Dezember oder 6. Dezember, je nach Familie |
| Dänemark | Julemanden | 24. Dezember am Abend |
| Deutschland | Christkind oder Weihnachtsmann, vorher der Nikolaus | 24. Dezember am Abend, Nikolaus am 6. Dezember |
| Finnland | Joulupukki | 24. Dezember am Abend |
| Frankreich | Père Noël | 24. Dezember in der Nacht |
| Griechenland | Agios Vasilis (heiliger Basilius) | 1. Januar, heute oft schon 25. Dezember |
| Großbritannien | Father Christmas | 25. Dezember am Morgen |
| Island | 13 Jólasveinar | 13 Nächte vor Heiligabend |
| Italien | Babbo Natale, Befana, in Südtirol das Christkind | 25. Dezember, 6. Januar |
| Niederlande | Sinterklaas, Kerstman | 5. Dezember am Abend, 25. Dezember |
| Norwegen | Julenissen | 24. Dezember am Abend |
| Österreich | Christkind, vorher der Nikolaus | 24. Dezember am Abend, Nikolaus am 6. Dezember |
| Polen | je nach Gegend Mikołaj, Gwiazdor, Aniołek oder Dzieciątko | 24. Dezember am Abend, Mikołaj auch am 6. Dezember |
| Portugal | Pai Natal, früher das Menino Jesus | 24. Dezember am Abend oder 25. Dezember am Morgen |
| Russland | Ded Moroz (Väterchen Frost) und Snegurotschka | Neujahr |
| Schweden | Jultomten | 24. Dezember am Abend |
| Schweiz | Christkind, vorher der Samichlaus | 24. Dezember am Abend, Samichlaus am 6. Dezember |
| Spanien | Heilige Drei Könige, Papá Noel, in Katalonien der Tió, im Baskenland Olentzero | 6. Januar, 24. oder 25. Dezember |
| Tschechien, Slowakei | Ježíšek, Ježiško (Christkind) | 24. Dezember am Abend |
| Ukraine | Mykolaj (Nikolaus), früher Did Moroz | 6. Dezember, Weihnachten, Neujahr |
| Ungarn | Jézuska (Christkind), vorher Mikulás | 24. Dezember am Abend, Mikulás am 6. Dezember |
Wer bringt außerhalb Europas die Geschenke?
| Land | Wer bringt die Geschenke? | Wann? |
|---|---|---|
| Argentinien | Papá Noel, Heilige Drei Könige | 24. Dezember um Mitternacht, 6. Januar |
| Australien | Santa Claus | 25. Dezember am Morgen |
| Brasilien | Papai Noel | 24. Dezember um Mitternacht |
| Chile | Viejito Pascuero | 24. Dezember um Mitternacht |
| China | Shèngdàn Lǎorén (Weihnachtsmann), vor allem in großen Städten | 24. oder 25. Dezember |
| Japan | Santa-san | 24. oder 25. Dezember |
| Kasachstan | Ajas Ata (Väterchen Frost) | Neujahr |
| Kolumbien | Niño Dios (Jesuskind) | 24. Dezember in der Nacht |
| Mexiko | Niño Dios, Santa Claus, Heilige Drei Könige | 24. und 25. Dezember, 6. Januar |
| Puerto Rico | Heilige Drei Könige | 6. Januar |
| Syrien | das Kamel der Heiligen Drei Könige | 6. Januar |
| USA, Kanada | Santa Claus | 25. Dezember am Morgen |
Warum bringen in verschiedenen Ländern verschiedene Gestalten die Geschenke?
In verschiedenen Ländern bringen verschiedene Gestalten die Geschenke, weil jedes Land eine eigene Religion, eine eigene Geschichte und eigene alte Bräuche hat. Diese drei Dinge haben bestimmt, wer bei den Kindern ankommt.
Wie bestimmt die Religion den Gabenbringer?
Der erste Grund ist die Religion. In vielen katholischen Ländern bringen bis heute Heilige oder das Jesuskind die Geschenke. Das liegt daran, dass die katholische Kirche die Heiligen besonders verehrt. In evangelischen Gegenden wollte der Reformator Martin Luther im 16. Jahrhundert nicht, dass Heilige wie der Nikolaus die Geschenke bringen. Deshalb kam dort das Christkind, und daraus wurde später in vielen evangelischen Gegenden der Weihnachtsmann. In orthodoxen Ländern wie Griechenland bringt ein Heiliger der orthodoxen Kirche die Geschenke, der heilige Basilius.
Wie bestimmt die Geschichte den Gabenbringer?
Der zweite Grund ist die Geschichte eines Landes. In der Sowjetunion war die Religion nicht erwünscht. Deshalb machte die Regierung aus dem russischen Märchenwesen Väterchen Frost einen Neujahrsgast, der mit Weihnachten nichts zu tun hatte. Weil die Sowjetunion damals über viele andere Länder bestimmte, kam Väterchen Frost auch dorthin. In Amerika dagegen brachten Auswanderer aus den Niederlanden und Deutschland ihre Bräuche mit, und daraus entstand Santa Claus (ausgesprochen „SÄN-ta KLOOS“).
Welche Rolle spielen alte Bräuche und Werbung?
Der dritte Grund sind Bräuche aus der Zeit vor dem Christentum. In vielen Gegenden gab es schon lange Wesen, die in der dunklen Winterzeit eine Rolle spielten, zum Beispiel Hausgeister, Trolle, Böcke oder Holzklötze für das Feuer. Als das Christentum kam, verschwanden sie nicht, sondern wurden in das Weihnachtsfest eingebaut. So wurden aus ihnen Gabenbringer wie der Tomte (ausgesprochen „TOM-te“) in Schweden, Joulupukki (ausgesprochen „JOU-lu-puk-ki“) in Finnland, die Jólasveinar (ausgesprochen „JOU-la-swei-nar“) in Island, der Tió (ausgesprochen „ti-O“) in Katalonien und Olentzero (ausgesprochen „o-len-TSE-ro“) im Baskenland.
In den letzten 100 Jahren ist noch ein vierter Grund dazugekommen. Durch Filme, Werbung und Geschäfte ist der amerikanische Santa Claus in der ganzen Welt bekannt geworden. Deshalb kommt er heute in vielen Ländern zusätzlich zu den alten Gabenbringern.
Wer bringt in Deutschland die Geschenke?
In Deutschland bringt im Süden und Westen eher das Christkind und im Norden und Osten eher der Weihnachtsmann die Geschenke. Diese Grenze kommt aus der Zeit, als der Weihnachtsmann im 19. Jahrhundert in den evangelischen Gegenden das Christkind ablöste, während die katholischen Gegenden beim Christkind blieben. Heute machen es viele Familien so, wie sie es selbst als Kinder erlebt haben, egal wo sie wohnen. Warum das Christkind aus der evangelischen Kirche stammt und trotzdem vor allem in katholischen Gegenden kommt, erklärt unser Artikel Christkind: Wer ist es und woher kommt es?. Woher der Weihnachtsmann kommt, steht im Artikel Weihnachtsmann: Woher kommt er und wo wohnt er?.
Schon vorher, in der Nacht zum 6. Dezember, füllt der Nikolaus in ganz Deutschland die Stiefel der Kinder. Mehr darüber erzählen unsere Artikel Nikolaus: Warum feiern wir den Nikolaustag? und Nikolausstiefel: Warum stellt man an Nikolaus Stiefel vor die Tür?. Was Nikolaus und Weihnachtsmann unterscheidet, steht im Artikel Nikolaus und Weihnachtsmann: Was ist der Unterschied?. In Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen-Anhalt ist außerdem der 6. Januar ein Feiertag. An diesem Tag ziehen die Sternsinger als Heilige Drei Könige von Haus zu Haus, bringen aber keine Geschenke, sondern sammeln Spenden.
Warum gibt es die Geschenke an unterschiedlichen Tagen?
Die Geschenke kommen an unterschiedlichen Tagen, weil jeder Gabenbringer zu einem bestimmten Fest gehört. Wer am Gedenktag eines Heiligen kommt, bringt die Geschenke an diesem Tag. Wer zu Weihnachten gehört, kommt an Weihnachten. Und wer nur zum neuen Jahr gehört, kommt an Neujahr. So ergeben sich in der Welt fünf große Termine.
Wann kommen die Gabenbringer im Dezember?
– 5. und 6. Dezember. Der Gedenktag des heiligen Nikolaus ist der 6. Dezember. Deshalb kommen an diesem Tag der Nikolaus in Deutschland, Österreich, Ungarn und Polen, der Samichlaus (ausgesprochen „SAA-mi-chlaus“) in der Schweiz und Saint-Nicolas (ausgesprochen „sä ni-ko-LA“) in Belgien. In den Niederlanden feiert man schon am Abend davor, am 5. Dezember. – 24. Dezember am Abend. In Deutschland, Österreich, der Schweiz, Skandinavien, Tschechien, Ungarn und Polen gibt es die Geschenke an Heiligabend. Das liegt daran, dass ein großes Fest in der Kirche schon am Abend vorher beginnt. Diesen Vorabend nennt man Vigil. Martin Luther machte daraus einen Tag für die Bescherung, und das hat sich in vielen Ländern Mitteleuropas und Nordeuropas gehalten. – 25. Dezember am Morgen. In den USA, Kanada, Großbritannien und Australien kommt Santa Claus in der Nacht, während die Kinder schlafen. Die Geschenke packen sie am Morgen des 25. Dezember aus. ### Wann kommen die Gabenbringer im Januar?
- 31. Dezember und 1. Januar. In Russland und anderen Ländern der früheren Sowjetunion bringt Väterchen Frost die Geschenke an Neujahr, weil Weihnachten dort lange Zeit nicht gefeiert werden durfte. In Griechenland kommt der heilige Basilius in der Neujahrsnacht, weil der 1. Januar sein Gedenktag ist.
- 6. Januar. An diesem Tag feiert die Kirche, dass die Sterndeuter aus dem Osten zum Jesuskind kamen und ihm Geschenke brachten. Deshalb bringen in Spanien und Lateinamerika die Heiligen Drei Könige und in Italien die Befana an diesem Tag die Geschenke.
Viele Kinder in Russland, Serbien und anderen Ländern mit orthodoxen Kirchen feiern Weihnachten erst am 7. Januar. Ihre Kirchen richten sich nach einem älteren Kalender. Mehr dazu erzählt unser Artikel Väterchen Frost: Wer bringt in Russland die Geschenke?.
Welche Heiligen bringen Geschenke?
Zwei Heilige und die Heiligen Drei Könige bringen in verschiedenen Ländern die Geschenke. Alle haben gemeinsam, dass sie in alten Geschichten anderen Menschen etwas geschenkt haben.
Der wichtigste von ihnen ist der heilige Nikolaus. Er war Bischof von Myra in der heutigen Türkei. Nach der Legende warf er drei armen Mädchen heimlich Gold ins Haus. Aus ihm wurden der Nikolaus in Deutschland, der Sinterklaas in den Niederlanden und schließlich der amerikanische Santa Claus. Wie Sinterklaas aus Spanien mit dem Dampfschiff kommt, erklärt unser Artikel Sinterklaas: Wer ist der Nikolaus der Niederlande?.
Der heilige Basilius war ein Bischof in Kleinasien, der sich um Arme und Kranke kümmerte. In Griechenland bringt er als Agios Vasilis (ausgesprochen „A-jos wa-SI-lis“) die Geschenke. Seine Geschichte und die Sage vom Neujahrskuchen mit der Münze stehen im Artikel Agios Vasilis: Wer bringt in Griechenland die Geschenke?.
Die Heiligen Drei Könige waren nach der Bibel Sterndeuter, die dem neugeborenen Jesus Gold, Weihrauch und Myrrhe brachten. Weil sie die ersten waren, die Jesus beschenkten, bringen sie in Spanien und Lateinamerika den Kindern Geschenke. Davon erzählt unser Artikel Heilige Drei Könige: Wer waren sie und warum bringen sie Geschenke?.
Das Christkind ist kein Heiliger, sondern steht für das neugeborene Jesuskind selbst. Heute stellen sich viele Kinder darunter aber eine engelhafte Gestalt mit Locken und weißem Kleid vor.
Welche Gabenbringer kommen aus alten Sagen?
Viele Gabenbringer im Norden Europas und in Spanien kommen aus alten Sagen, die älter sind als das Weihnachtsfest. Ihre Geschichten erzählen von Wesen aus dem Wald, aus den Bergen oder vom Bauernhof.
- Väterchen Frost war in Russland ursprünglich ein strenger Geist des Winters, den die Menschen fürchteten. Erst später wurde er zum freundlichen Großvater, der mit seiner Enkelin Snegurotschka (ausgesprochen „sne-GU-rot-schka“) an Neujahr kommt.
- Der Tomte war in Schweden ein kleiner Hausgeist, der auf dem Bauernhof lebte und auf Tiere und Menschen aufpasste. Aus ihm wurde der schwedische Weihnachtsmann, der Jultomte (ausgesprochen „JÜÜL-tom-te“). Mehr dazu steht in Tomte: Wer bringt in Schweden die Geschenke?.
- Joulupukki heißt auf Deutsch „Weihnachtsbock“. In Finnland zogen früher junge Männer als Ziegenbock verkleidet durch die Häuser. Aus diesem Bock wurde der finnische Weihnachtsmann. Wer er ist und warum er in Lappland wohnt, erklärt Joulupukki: Wer ist der finnische Weihnachtsmann?.
- Die Jólasveinar sind 13 Trollbrüder aus Island, die früher Essen stahlen und Unsinn machten. Heute legt jeder von ihnen den Kindern in einer der 13 Nächte vor Weihnachten eine Kleinigkeit in einen Schuh. Ihre Namen und ihre Mutter Grýla (ausgesprochen „GRII-la“) stellt unser Artikel Die 13 Weihnachtsmänner aus Island vor.
- Olentzero ist nach einer baskischen Sage der letzte Riese aus den Bergen, der als Köhler im Wald lebt. Wie er zum Geschenkebringer wurde, erzählt Olentzero: Wer ist der Köhler aus dem Baskenland?.
Wer bringt in Norwegen und Dänemark die Geschenke?
In Norwegen bringt der Julenisse (ausgesprochen „JUU-le-nis-se“) die Geschenke, in Dänemark der Julemanden (ausgesprochen „JUU-le-man-en“), beide am Heiligabend. Heute sehen beide aus wie der Weihnachtsmann, mit langem weißem Bart und rotem Anzug.
Wer waren die Nisser?
Früher brachten in beiden Ländern kleine Hausgeister die Geschenke, die Nisser (ausgesprochen „NIS-ser“). Ein Nisse ist nach altem Volksglauben ein kleiner, alter Mann mit grauem Bart, grauer Wollkleidung und roter Zipfelmütze. Er wohnt in der Scheune oder im Stall und hilft auf dem Hof, wenn man ihn gut behandelt. Am Heiligabend bekommt er eine Schüssel Weihnachtsgrütze mit Butter. In vielen Gegenden Norwegens legte dieser Hofnisse den Kindern die Geschenke in Strümpfe, die sie am Abend vor Heiligabend aufgehängt hatten. Der Name Nisse ist eine Kurzform von Nils, und Nils ist eine Kurzform von Nikolaus.
Der Julenisse von heute ist eine Mischung aus dem Hofnisse und dem heiligen Nikolaus. Ende des 19. Jahrhunderts kamen immer mehr Bilder, Buchillustrationen und Weihnachtskarten aus dem Ausland nach Norwegen. Sie zeigten den Gabenbringer nach dem Vorbild des heiligen Nikolaus. Dazu passte, dass der Nisse schon den Namen des Nikolaus trug. So wurden die beiden Gestalten zu einer, dem Julenisse.
Wie kam der Weihnachtsmann nach Dänemark?
In Dänemark kam der Weihnachtsmann um das Jahr 1900 dazu. Sein dänischer Name Julemanden ist die Übersetzung des deutschen Wortes Weihnachtsmann. Seit der Zeit um den Ersten Weltkrieg verkleiden sich in Dänemark Väter, Onkel oder Großväter am Heiligabend als Weihnachtsmann und bringen den Kindern die Geschenke. Wie der Hausgeist in Schweden zum Gabenbringer wurde, erklärt Tomte: Wer bringt in Schweden die Geschenke?.
Gibt es auch Frauen, die Geschenke bringen?
Ja, die bekannteste Frau unter den Gabenbringern ist die Befana aus Italien. Sie ist eine alte Frau, die auf einem Besen fliegt und in der Nacht zum 6. Januar durch den Kamin kommt. Brave Kinder bekommen Süßigkeiten, unartige ein Stück Kohle. Nach der Legende hat sie die Heiligen Drei Könige auf dem Weg nach Bethlehem verpasst und sucht seitdem in jedem Haus nach dem Jesuskind. Die ganze Geschichte steht in Befana: Wer ist die Hexe, die in Italien Geschenke bringt?.
Auch andere Gabenbringer haben weibliche Begleiterinnen. In Russland kommt Väterchen Frost mit seiner Enkelin Snegurotschka, dem Schneemädchen. Im Baskenland begleitet Mari Domingi (ausgesprochen „MA-ri do-MIN-gi“) den Köhler Olentzero. Und das Christkind wird in Deutschland heute meistens als Mädchen dargestellt, zum Beispiel beim Nürnberger Christkindlesmarkt, wo jedes Jahr eine junge Frau das Christkind spielt.
Bringt die Hexe Baba Jaga (ausgesprochen „BA-ba JA-ga“) Geschenke?
Nein, die Hexe Baba Jaga bringt keine Geschenke. Sie ist eine böse oder zumindest unheimliche Hexe aus russischen und anderen slawischen Märchen und lebt in einer Hütte auf Hühnerbeinen. Viele Menschen in Deutschland bringen sie trotzdem mit Weihnachten in Verbindung. Der Grund ist ein sowjetischer Märchenfilm, in dem Baba Jaga und Väterchen Frost gemeinsam vorkommen und der jedes Jahr zur Weihnachtszeit im Fernsehen läuft. Was es mit diesem Film auf sich hat, erklärt unser Artikel Väterchen Frost: Wer bringt in Russland die Geschenke?. Eine Hexe, die wirklich Geschenke bringt, ist die italienische Befana.
Bringen auch Tiere oder Gegenstände Geschenke?
Ja, in einigen Ländern bringen auch Tiere oder sogar ein Holzklotz die Geschenke. In Katalonien im Nordosten Spaniens ist das der Tió de Nadal (ausgesprochen „ti-O de na-DAL“), ein Holzstamm mit Gesicht und roter Mütze. Die Kinder füttern ihn ab dem 8. Dezember, und an Weihnachten schlagen sie mit Stöcken auf ihn, damit er Süßigkeiten „kackt“. Warum das so ist, erzählt Caga Tió: Warum bringt in Katalonien ein Holzklotz die Geschenke?.
In Syrien erzählen christliche Familien, dass das jüngste Kamel der Heiligen Drei Könige am 6. Januar die Geschenke bringt. In Schweden und Finnland brachte früher ein Bock die Geschenke. Daran erinnern heute noch die Strohböcke, die dort zu Weihnachten aufgestellt werden. Der größte steht seit 1966 jedes Jahr ab dem ersten Advent in der schwedischen Stadt Gävle (ausgesprochen „JÄW-le“). Dieser Gävlebock (ausgesprochen „JÄW-le-bock“) ist zehn Meter hoch und drei Tonnen schwer. Und in Australien wird der Schlitten des Weihnachtsmanns nach einem bekannten Lied von sechs weißen Kängurus gezogen statt von Rentieren.
In welchen Ländern kommen mehrere Gabenbringer?
In vielen Ländern kommen mehrere Gabenbringer, weil zu den alten Gestalten neue dazugekommen sind. Ein Grund ist, dass der Weihnachtsmann sich in den letzten Jahrzehnten in der ganzen Welt verbreitet hat. Die Familien wollten die alten Bräuche aber nicht aufgeben.
In Spanien bringen die Heiligen Drei Könige die wichtigsten Geschenke am 6. Januar. In vielen Familien kommt außerdem Papá Noel (ausgesprochen „pa-PA no-EL“) an Weihnachten. In Katalonien bringt dazu der Tió Süßigkeiten und im Baskenland Olentzero Geschenke. In Mexiko können Kinder sogar an drei Tagen Geschenke bekommen, am 24. Dezember vom Jesuskind, am 25. Dezember von Santa Claus und am 6. Januar von den Heiligen Drei Königen. In Italien kommen Babbo Natale (ausgesprochen „BAB-bo na-TAA-le“) an Weihnachten und die Befana am 6. Januar. In den Niederlanden kommt Sinterklaas am 5. Dezember, und viele Familien feiern inzwischen auch mit dem Kerstman (ausgesprochen „KERST-man“), dem Weihnachtsmann, am 25. Dezember.
In Polen hängt es von der Gegend ab, wer kommt. Im Westen bringt meist der Gwiazdor (ausgesprochen „GWJAS-dor“), der Sternenmann, die Geschenke, in Schlesien das Dzieciątko (ausgesprochen „dsche-TSCHONT-ko“), das Christkind, im Süden und Osten das Aniołek (ausgesprochen „a-NJO-wek“), das Engelchen, oder der heilige Mikołaj (ausgesprochen „mi-KO-wai“), also der Nikolaus. Warum es in einem einzigen Land so viele Gabenbringer gibt, erklärt Wer bringt in Polen die Geschenke?.
Gibt es Länder, in denen kein Gabenbringer kommt?
Ja, in Ländern, in denen nur wenige Christen leben, gehört Weihnachten nicht zu den wichtigen Festen, und dort gibt es oft keinen eigenen Gabenbringer. In Japan zum Beispiel ist Weihnachten kein Feiertag. Trotzdem kennen fast alle Kinder Santa-san (ausgesprochen „SAN-ta-san“), den Weihnachtsmann, und viele bekommen von ihm ein Geschenk. Wie er ohne Kamin in die japanischen Wohnungen kommt, erzählt Santa-san: Wer bringt in Japan die Geschenke?. Eine japanische Besonderheit ist, dass viele Familien an Weihnachten Brathähnchen von einer amerikanischen Imbisskette essen. Das geht auf eine Werbung aus den 1970er-Jahren zurück.
Auch in China ist Weihnachten kein Feiertag, außer in Hongkong. Trotzdem bringt in vielen großen Städten der Weihnachtsmann den Kindern im Kindergarten oder zu Hause eine Kleinigkeit. Er heißt dort Shèngdàn Lǎorén (ausgesprochen „SCHENG-dan LAU-rönn“), das bedeutet „alter Mann von Weihnachten“. Am Heiligabend schenken sich Kinder und Jugendliche außerdem gern Äpfel. Mehr dazu steht in Shèngdàn Lǎorén: Wer bringt in China die Geschenke?.
Manchmal liest man, dass in Japan ein buddhistischer Mönch namens Hotei (ausgesprochen „HO-tee“) Geschenke bringt. Das stimmt nicht. Hotei ist einer der sieben Glücksgötter Japans. Er gehört zum Neujahrsfest und nicht zu Weihnachten, und er bringt den Kindern auch keine Weihnachtsgeschenke.
In Kasachstan in Zentralasien sind die meisten Menschen Muslime. Dort feiern die Familien aber Neujahr wie in der früheren Sowjetunion, und deshalb bringt Ajas Ata (ausgesprochen „a-JAS a-TA“), der kasachische Väterchen Frost, die Geschenke.
Wer kommt mit den Gabenbringern mit?
Viele Gabenbringer kommen nicht allein, sondern haben Begleiter, die ihnen helfen oder die unartigen Kinder erschrecken. Der Nikolaus kommt in Deutschland oft mit Knecht Ruprecht, in Österreich und Bayern mit dem Krampus, einer Teufelsgestalt mit Hörnern. Sinterklaas hat seine Pieten (ausgesprochen „PII-ten“), die die Geschenke verteilen und durch den Schornstein klettern. Der Weihnachtsmann hat seine Rentiere und, wie es in amerikanischen Geschichten heißt, Elfen, die am Nordpol die Geschenke bauen.
Dass ein Gabenbringer einen strengen Begleiter hat, hat einen alten Grund. Früher sollte die Bescherung den Kindern auch zeigen, dass sie brav sein müssen. Der freundliche Gabenbringer belohnte, der wilde Begleiter drohte mit der Rute. Heute sind die meisten Begleiter freundlich geworden.
Zum Weiterdenken
So verschieden die Gabenbringer auch sind, sie haben vieles gemeinsam. Fast alle kommen in der dunkelsten Zeit des Jahres, fast alle kommen heimlich in der Nacht, und fast alle belohnen Kinder, die brav waren. Warum glaubst du, kommen sie gerade im Winter? Und wenn du einen neuen Gabenbringer für deine Familie erfinden dürftest, wie würde er aussehen, und wann würde er kommen?
Quellen: SWR: Warum gibt es Weihnachtsgeschenke an unterschiedlichen Terminen, Sonntagsblatt: Warum das Christkind die Geschenke bringt, Gość Niedzielny: Wer bringt in Polen die Geschenke, Eurotext: Weihnachten in Portugal und Brasilien, Marca País Colombia: Weihnachten in Kolumbien, KFC: Weihnachten in Japan, Hungary Unlocked: Mikulás und Jézuska, DGB: Feiertage in Deutschland, House of Kringle: Hotei ist kein Weihnachtsmann

