Die kurze Antwort
Standvögel sind Vögel, die das ganze Jahr in ihrer Heimat bleiben und im Winter nicht in den Süden fliegen. Bei uns gehören dazu zum Beispiel Meisen, Spechte, Baumläufer und Spatzen. Sie bleiben, weil sie auch im Winter genug Futter finden. Gegen die Kälte schützen sie sich mit ihrem Gefieder.
Ein Standvogel ist ein Vogel, der das ganze Jahr in der Gegend bleibt, in der er brütet. Von den etwa 250 Vogelarten, die in Deutschland brüten, fliegt ungefähr die Hälfte im Winter weg. Die andere Hälfte bleibt als Standvögel hier.

Was ist der Unterschied zwischen Standvögeln und Zugvögeln?
Standvögel bleiben im Winter hier, Zugvögel fliegen im Herbst in wärmere Länder und kommen im Frühling zurück. Zwischen diesen beiden Gruppen gibt es noch zwei weitere. Strichvögel sind keine echten Zugvögel. Erst bei sehr großer Kälte weichen sie in etwas wärmere Gegenden aus, und sobald es wärmer wird, kommen sie schnell zurück. Dazu gehören manche Arten der Enten, Meisen und Finken. Bei den Teilziehern fliegt nur ein Teil der Vögel einer Art weg, der andere Teil bleibt hier. Zu den Teilziehern zählen die meisten Vogelarten in Deutschland, zum Beispiel Amsel, Rotkehlchen, Buchfink, Zaunkönig und Ringeltaube.
Auch Standvögel bleiben im Winter nicht immer am selben Ort. Kohlmeisen oder Grünspechte zum Beispiel fliegen in Deutschland und in den Nachbarländern umher, immer dorthin, wo es gerade wärmer ist oder mehr Futter gibt. Welche Vögel in den Süden fliegen und welche Vögel als Teilzieher nur zum Teil wegfliegen, steht in unserer Zugvögel-Liste.
Warum fliegen Standvögel im Winter nicht weg?
Standvögel fliegen nicht weg, weil sie auch im Winter genug zu fressen finden. Ob ein Vogel wegfliegt, hängt vor allem von seiner Nahrung ab. Mauersegler und Schwalben fressen fliegende Insekten, und die gibt es im Winter bei uns nicht. Deshalb müssen sie wegfliegen. Meisen und Kleiber dagegen stellen ihre Nahrung um. Im Winter fressen sie vor allem fettreiche Körner, Nüsse und Früchte. Warum Zugvögel wegfliegen und wie sie den Weg finden, erklärt unser Beitrag Warum fliegen Zugvögel in den Süden?
Welche Vögel bleiben im Winter in Deutschland?
Im Winter bleiben bei uns vor allem Meisen, Spechte, Kleiber, Baumläufer, Spatzen, einige Finken, Rabenvögel und Eulen. Die Tabelle zeigt 28 Vogelarten, die du auch im Winter in Deutschland sehen kannst, und wo du sie findest.
| Vogel | Vogelgruppe | Wo du ihn im Winter findest |
|---|---|---|
| Kohlmeise | Meise | in lockeren Wäldern, Gärten und Alleen |
| Blaumeise | Meise | in Laubwäldern, Parks und Gärten, oft zusammen mit anderen Meisen |
| Tannenmeise | Meise | in Nadelwäldern und Parks mit Nadelbäumen, oft am Futterhaus |
| Sumpfmeise | Meise | in feuchten Laubwäldern und Parks mit alten Laubbäumen |
| Haubenmeise | Meise | in dichten Fichtenwäldern |
| Schwanzmeise | Meise | in Laub- und Mischwäldern und im Gebüsch an Flüssen, in Gruppen von bis zu 30 Vögeln |
| Buntspecht | Specht | in Wäldern, Parks und großen Gärten, auch an Futterstellen |
| Grünspecht | Specht | in offenen Laub- und Mischwäldern, Parks und Gärten |
| Schwarzspecht | Specht | in großen Wäldern mit alten Bäumen |
| Mittelspecht | Specht | in alten Laubwäldern mit Eichen und Buchen |
| Kleinspecht | Specht | in alten Laub- und Mischwäldern, im Winter oft zusammen mit Meisen |
| Grauspecht | Specht | in Auwäldern und Laubwäldern, er ist selten |
| Kleiber | Kleiber | in Wäldern und Parks mit alten Bäumen |
| Gartenbaumläufer | Baumläufer | in Parks, Laubwäldern, Gärten und Streuobstwiesen |
| Waldbaumläufer | Baumläufer | in Nadel- und Mischwäldern |
| Haussperling | Sperling | in der Nähe von Gebäuden, in denen er brütet |
| Feldsperling | Sperling | in der Nähe seines Brutplatzes, meist in Gruppen |
| Grünfink | Fink | in parkähnlichen Landschaften, im Winter in großen Schwärmen |
| Gimpel | Fink | an Futterstellen, im Winter kommen Gimpel aus dem Norden dazu |
| Goldammer | Ammer | an Hecken, Sträuchern und Waldrändern, bei sehr großer Kälte weicht sie aus |
| Elster | Rabenvogel | in lichten Wäldern, Parks und Gärten |
| Rabenkrähe | Rabenvogel | fast überall, von Feldern und Wäldern bis zu Parks und Gärten |
| Eichelhäher | Rabenvogel | in Wäldern, Parks und großen Gärten |
| Türkentaube | Taube | in Dörfern und Städten |
| Waldkauz | Eule | das ganze Jahr im selben Revier |
| Uhu | Eule | meist das ganze Jahr am selben Ort |
| Fasan | Hühnervogel | auf Feldern und Wiesen und in Parks |
| Rebhuhn | Hühnervogel | auf Äckern, Weiden, Wiesen und Brachflächen |
Die Angaben stammen aus den Artenporträts des LBV und des NABU, zum Beispiel zum Feldsperling, zum Mittelspecht und zum Grünspecht. Auch die Amsel, das Rotkehlchen, der Buchfink und der Zaunkönig sind im Winter bei uns zu sehen. Sie sind aber keine echten Standvögel, sondern Teilzieher.
Im Winter kommen außerdem ungefähr 60 Vogelarten aus Skandinavien, dem Baltikum und Russland zu uns. Sie heißen Wintergäste. Welche das sind, steht ebenfalls in unserer Zugvögel-Liste.
Welche Vögel im Winter am häufigsten in Gärten zu sehen sind, zählen jedes Jahr viele Menschen bei der Stunde der Wintervögel. Im Januar 2026 machten 144.252 Menschen mit. In 101.318 Gärten zählten sie zusammen 3.246.172 Vögel. Am häufigsten sahen sie den Haussperling, danach folgten Kohlmeise, Blaumeise, Amsel und Feldsperling.

Frieren Vögel im Winter?
Vögel sind durch ihr Gefieder gut gegen die Kälte geschützt. Das ist wichtig, denn ihr Körper muss auch bei Frost eine Temperatur von 38 bis 42 Grad Celsius behalten. Das Gefieder besteht aus zwei Schichten. Außen liegen die Deckfedern. Sie halten Wind und Nässe ab. Darunter liegen die Daunen. Das sind kleine, weiche Federn direkt am Körper, die die Wärme festhalten.
Wird es sehr kalt, plustern sich Vögel auf. Das bedeutet, sie stellen ihre Federn auf. Dadurch entsteht zwischen den Federn eine dicke Schicht aus Luft, und diese Luft hält die Körperwärme fest. Außerdem wird der Vogel dabei fast kugelrund. Eine Kugel hat im Verhältnis zu ihrem Inhalt die kleinste Oberfläche, deshalb gibt der Vogel über seine Haut weniger Wärme ab. Aus diesem Grund sehen viele Vögel im Winter dicker aus als im Sommer.

Warum frieren Enten auf dem Eis nicht fest?
Enten frieren nicht fest, weil ihre Füße kalt bleiben und das Eis darunter deshalb nicht schmilzt. Dafür sorgt ein Wärmetauscher in den Beinen. So nennt man eine Einrichtung, in der Wärme von etwas Warmem auf etwas Kaltes übergeht. Enten und Schwäne besitzen so einen Wärmetauscher. In ihren Beinen liegen die feinen Blutgefäße sehr dicht beieinander. Das warme Blut, das vom Körper in die Füße fließt, gibt dabei seine Wärme an das kalte Blut ab, das von den Füßen zurück in den Körper fließt. Dadurch kommt in den Füßen nur wenig Wärme an, und der Körper verliert kaum Wärme über die Füße.
Wo schlafen Vögel im Winter?
Vögel schlafen im Winter meist an geschützten Plätzen und plustern sich dort auf. Kohlmeisen und Kleiber übernachten gern in Nistkästen, weil sie darin vor Wind und Kälte geschützt sind. Zaunkönige bilden bei Kälte Schlafgemeinschaften. Mehrere Vögel sitzen dann eng nebeneinander und wärmen sich gegenseitig.
Eine lange Winternacht ist für kleine Vögel die schwierigste Zeit. Um sich warm zu halten, verbrauchen sie so viel Energie, dass sie bis zum Morgen bis zu 10 Prozent ihres Körpergewichts verlieren. Deshalb müssen sie an den kurzen Wintertagen fast ununterbrochen fressen. Besonders schwer hat es das Wintergoldhähnchen. Mit 9 Zentimetern Länge und 5 Gramm Gewicht ist es der kleinste Singvogel Europas. Die Wintergoldhähnchen aus Deutschland finden auch im Winter Nahrung und bleiben deshalb hier. Trotzdem sterben im späten Herbst und in harten Wintern viele von ihnen an Nahrungsmangel oder Kälte.
Wie überstehen Rotkehlchen den Winter?
Rotkehlchen überstehen den Winter, indem sie ihre Nahrung umstellen und ihr Revier verteidigen. Im Sommer fressen sie vor allem Insekten. Im Winter gehören sie zu den Weichfutterfressern. Das sind Vögel, die keine harten Körner fressen, sondern weiche Nahrung wie Haferflocken, Rosinen oder Obst. Sie suchen ihr Futter am liebsten am Boden. Deshalb wird es für sie schwierig, wenn Schnee liegt. Dann kommen sie an das Futter am Boden kaum heran. Das gilt auch für Zaunkönig und Amsel.
Rotkehlchen singen fast das ganze Jahr über, also auch im Winter. Bei ihnen verteidigen Männchen und Weibchen das ganze Jahr ein eigenes Revier, also ein Gebiet, aus dem sie andere Rotkehlchen vertreiben. Unter den Singvögeln kommt das selten vor. Ob ein Rotkehlchen im Winter wegfliegt oder hierbleibt, erklärt unsere Zugvögel-Liste.

Was fressen Vögel im Winter?
Vögel fressen im Winter vor allem Samen, Nüsse, Beeren und Früchte. Manche suchen auch Insekten und Spinnen in Rinde und Zweigen. Viele Vögel fressen die Samen von verblühten Wildpflanzen und die Früchte von Weißdorn, Schlehe und Liguster. Deshalb hilft es den Vögeln, wenn im Garten im Herbst nicht alle verblühten Pflanzen abgeschnitten werden. Auch Larven im Kompost- oder Laubhaufen sind im Winter Futter für Vögel. Larven sind die jungen Tiere von Insekten, bevor sie sich verwandeln.
Manche Vögel legen sich schon im Herbst einen Vorrat an. Ein Beispiel ist der Eichelhäher. In seinem Kehlsack, einer dehnbaren Tasche in seinem Hals, kann er bis zu 10 Eicheln auf einmal transportieren. In einem Herbst versteckt ein Eichelhäher bis zu 3.000 Eicheln. Zusammen wiegen sie ungefähr 15 Kilogramm. Er legt mehrere Tausend Verstecke an, nutzt aber nur ungefähr ein Fünftel davon. Aus den Eicheln, die er nicht wieder ausgräbt, wachsen neue Eichen. Deshalb ist der Eichelhäher wichtig dafür, dass in den Wäldern junge Eichen nachwachsen.

Ab wann soll man Vögel füttern?
Meist füttert man Vögel im Winter von Anfang November bis Ende März. Bei Frost oder Schnee kommen besonders viele Vögel an die Futterstelle. Man kann Vögel auch das ganze Jahr über füttern. Das schadet ihnen nicht, wenn die Futterstelle sauber ist und das Futter passt.
Wer mit dem Füttern angefangen hat, sollte bei Schnee und Kälte nicht damit aufhören. Die Vögel suchen die Gegend dann nämlich nicht mehr nach anderem Futter ab.
Was darf man Vögeln im Winter füttern?
Für die meisten Vögel eignen sich Sonnenblumenkerne. Fast alle Arten fressen sie. Je nach Vogelart passt aber unterschiedliches Futter:
- Körnerfresser wie Finken, Ammern und Spatzen fressen harte Samen, zum Beispiel Sonnenblumenkerne, Hanf und Futtermischungen.
- Weichfutterfresser wie Amsel, Rotkehlchen, Heckenbraunelle, Zaunkönig und Star mögen Haferflocken, Rosinen, Kleie und Obst. Besonders gern fressen sie Haferflocken, die in heißem Öl getränkt sind. Ihr Futter streut man am besten in Bodennähe.
- Meisen, Spechte und Kleiber fressen im Winter auch Körner und mögen außerdem Fettfutter wie Meisenknödel.
Brot und salzige Lebensmittel wie Speck oder Salzkartoffeln gehören nicht ins Vogelfutter. Brot quillt im Magen der Vögel auf. Außerdem schimmelt es schnell, enthält kaum Nährstoffe, und das Salz darin schadet dem Nervensystem der Vögel. Meisenknödel sollten nicht in einem Plastiknetz stecken. Die Vögel können sich mit den Beinen darin verfangen und schwer verletzen.
Wie hält man ein Vogelhaus sauber?
Ein Vogelhaus hält man sauber, indem man es regelmäßig mit heißem Wasser reinigt und jeden Tag nur wenig Futter hineinstreut. So verdirbt das Futter nicht. Sauberkeit ist wichtig, weil Vögel sich an einer schmutzigen Futterstelle mit Krankheitserregern anstecken können. Das sind winzige Lebewesen wie Bakterien, die krank machen. Beispiele sind Salmonellen und Trichomonaden. Bei Kälte ist diese Gefahr geringer als im Sommer.
Besser als ein offenes Vogelhaus ist ein Futtersilo. Das ist ein geschlossener Futterbehälter, aus dem die Vögel das Futter durch kleine Öffnungen herauspicken. Darin bleibt das Futter vor Nässe geschützt, und die Vögel können es nicht mit ihrem Kot verschmutzen.
Kann ich bei der Wintervogelzählung mitmachen?
Ja. Die nächste Stunde der Wintervögel findet vom 8. bis 10. Januar 2027 statt. Du beobachtest eine Stunde lang die Vögel im Garten, auf dem Balkon oder im Park. Von jeder Vogelart schreibst du die höchste Zahl auf, die du in dieser Stunde gleichzeitig gesehen hast. So zählst du keinen Vogel doppelt. Deine Beobachtungen meldest du dem NABU im Internet oder mit der NABU-App „Vogelwelt“. Für Schulklassen gibt es vom 11. bis 15. Januar 2027 die Schulstunde der Wintervögel.
Zum Weiterdenken
Ein Eichelhäher findet nur einen kleinen Teil seiner versteckten Eicheln wieder. Was würde mit dem Wald passieren, wenn er sich jedes einzelne Versteck merken könnte?
Quellen: BMUKN Kids: Zugvögel in Deutschland, LBV: Die wichtigsten Zugvögel, LBV: Vögel und die Kälte, NABU Baden-Württemberg: Drei Vogeltricks gegen tierische Kälte, NABU Thüringen: Vögel richtig füttern, NABU: Vogelfütterung im Winter, LBV: Häufige Fragen zur Vogelfütterung, NABU Berlin: Wintergoldhähnchen, Vogelwarte Sempach: Rotkehlchen, Deutsche Wildtier Stiftung: Eichelhäher, Wildtierportal Bayern: Eichelhäher, MDR Wissen: Ergebnisse der Stunde der Wintervögel 2026 und NABU NRW: Stunde der Wintervögel.

