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Welche Vögel fliegen in den Süden? Die Zugvögel-Liste

Riesiger Starenschwarm formt eine dunkle Wolke über einer Wiese

Die kurze Antwort

Von den rund 250 Vogelarten, die in Deutschland brüten, fliegt ungefähr die Hälfte im Herbst weg. Zwei Drittel davon sind Langstreckenzieher, die bis nach Afrika reisen. Ein Drittel sind Kurzstreckenzieher, die meist in Südeuropa oder am Mittelmeer bleiben. Bekannte Zugvögel sind Mauersegler, Kuckuck, Nachtigall, Weißstorch, Rauchschwalbe, Kranich und Star. Insgesamt verlassen im Herbst über 100 Millionen Zugvögel Deutschland.

Zugvögel sind Vögel, die jedes Jahr zur gleichen Zeit zwischen zwei Gebieten hin- und herfliegen. Im Frühling und Sommer brüten sie bei uns und ziehen ihre Jungen groß. Im Herbst fliegen sie in wärmere Gegenden, weil sie dort im Winter genug Nahrung finden. Vögel, die das ganze Jahr bei uns bleiben, heißen Standvögel. In dieser Liste erfährst du, welche Vögel wegfliegen, wohin sie fliegen und wann sie zurückkommen.

Riesiger Starenschwarm formt eine dunkle Wolke über einer Wiese
Ein großer Starenschwarm. Stare sammeln sich im Herbst zu großen Gruppen, bevor sie nach Süden ziehen. Foto: James Wainscoat via Unsplash (Unsplash-Lizenz)

Welche Vögel fliegen in den Süden?

In den Süden fliegen zum Beispiel Mauersegler, Kuckuck, Nachtigall, Gartenrotschwanz, Weißstorch, Rauchschwalbe, Kranich und viele Stare. Die Tabelle zeigt, wann diese Zugvögel bei uns wegfliegen, wo sie den Winter verbringen und wann sie zurückkommen. Die Zeiten können sich je nach Wetter und Gegend um einige Tage oder Wochen verschieben.

VogelZugtypWegflugWinterquartierRückkehr
MauerseglerLangstreckeum den 1. AugustAfrika südlich der SaharaEnde April bis Anfang Mai
KuckuckLangstreckeab Anfang AugustAfrika, meist südlich des Äquatorszweite Aprilhälfte
NachtigallLangstreckeAugusttropisches Afrikafrühestens Mitte April
GartenrotschwanzLangstreckeAugustAfrika südlich der Saharafrühestens Ende März
WeißstorchLangstreckeMitte bis Ende AugustSpanien, Westafrika oder Ost- und SüdafrikaFebruar bis April
RauchschwalbeLangstreckeMitte September bis Anfang OktoberAfrika südlich der Saharaab der zweiten Märzhälfte
KranichKurz- oder MittelstreckeEnde September bis NovemberFrankreich, Spanien und NordafrikaMitte Februar bis Ende März
StarKurzstrecke, Teilzieherab September, spätestens beim ersten WintereinbruchMittelmeerraum und Nordafrikateils ab Januar, meist Ende Februar

Was ist der Unterschied zwischen Langstreckenziehern und Kurzstreckenziehern?

Langstreckenzieher fliegen bis nach Afrika südlich der Sahara, Kurzstreckenzieher überwintern im Mittelmeerraum oder in Westeuropa. Die Sahara ist die größte Trockenwüste der Erde und liegt im Norden Afrikas. Langstreckenzieher legen mehrere tausend Kilometer zurück, Kurzstreckenzieher mehrere hundert Kilometer.

Ob ein Vogel wegfliegt, hängt vor allem von seiner Nahrung ab. Vögel, die Insekten fressen, finden bei uns in den kalten Monaten nicht genug Futter. Mauersegler und Mehlschwalben fliegen deshalb als Langstreckenzieher bis weit in den Süden und überqueren dabei sogar die Sahara. Mönchsgrasmücke, Singdrossel und Zilpzalp fressen ebenfalls Insekten, fliegen aber als Kurzstreckenzieher nur bis an das Mittelmeer oder in den Norden Afrikas. Vögel, die Körner und Samen fressen, finden dagegen auch im Winter genug Futter. Deshalb bleiben zum Beispiel Sperlinge, Kohlmeisen und Blaumeisen das ganze Jahr bei uns. Warum Zugvögel überhaupt wegfliegen und wie sie den Weg finden, erklären wir ausführlich im Beitrag Warum fliegen Zugvögel in den Süden?.

Manche Fachleute unterscheiden noch eine dritte Gruppe, die Mittelstreckenzieher. Sie fliegen nach Südeuropa oder in den Norden Afrikas. Ein Beispiel ist der Kranich. Andere Fachleute zählen den Kranich zu den Kurzstreckenziehern. Deshalb steht in der Tabelle beim Kranich „Kurz- oder Mittelstrecke“.

Wann fliegen die Zugvögel weg?

Die Zugvögel fliegen zwischen Anfang August und November weg, aber nicht alle gleichzeitig. Als Erste fliegen die Mauersegler los, ungefähr am 1. August. Noch im selben Monat brechen auch die Störche auf, außerdem Kuckuck, Nachtigall, Gartenrotschwanz, Wespenbussard und die Grasmücken. Im September starten Rauchschwalben, Fischadler und die Weibchen der Buchfinken. Kraniche ziehen von Ende September bis November über Deutschland. Anfang Oktober ist der Vogelzug am stärksten. Dann verlassen mehr als 50 Millionen Zugvögel Deutschland.

Mauersegler mit sichelförmigen Flügeln im Flug vor blauem Himmel
Ein Mauersegler im Flug. Er verlässt uns schon Anfang August und verbringt den Winter in Afrika. Foto: Walter Brunner via Unsplash (Unsplash-Lizenz)

Die Vögel, die schon im Sommer losfliegen, haben meist einen weiten Weg bis nach Afrika vor sich. Bei den Langstreckenziehern ist der Zeitpunkt für den Abflug angeboren. Sie haben eine innere Uhr: Der Körper misst, wie lang die Tage sind. Werden die Tage kürzer und erreichen eine bestimmte Länge, bildet der Körper Botenstoffe, die Hormone. Diese Hormone lösen den Aufbruch aus. Kurzstreckenzieher richten sich dagegen zum Teil nach dem aktuellen Wetter. Deshalb fliegen manche Stare erst spät im Herbst, spätestens beim ersten Wintereinbruch.

Der Kuckuck ist übrigens nur kurz bei uns. Er kommt in der zweiten Aprilhälfte an und fliegt ab Anfang August wieder weg. Er ist also nur etwa vier Monate in Deutschland und rund acht Monate unterwegs oder in Afrika.

Sind Stare Zugvögel?

Ja, die meisten Stare sind Zugvögel, aber nicht alle. Der Star ist ein Kurzstreckenzieher: Seine Reise endet nach höchstens rund 2.000 Kilometern im Süden Europas am Mittelmeer oder in Nordafrika. Ein Teil der Stare bleibt aber hier und überwintert im Südwesten Deutschlands. Vogelarten, bei denen ein Teil wegfliegt und ein Teil bleibt, heißen Teilzieher.

Ab Anfang September sammeln sich die Stare zu Schwärmen. In Bayern sind diese Schwärme oft mehrere Hundert und bis zu 1.000 Vögel groß. Die größten Schwärme gibt es bis Mitte Oktober. Am Abend fliegen sie gemeinsam über den Himmel, und der Schwarm ändert dabei ständig seine Form. Jeder Star achtet auf bis zu sieben Nachbarn und hält zu ihnen immer den gleichen Abstand. Ändert ein Vogel die Richtung, folgen ihm deshalb die Nachbarn.

Der Schwarm schützt die Stare vor dem Wanderfalken. Das ist ein Greifvogel, der im Sturzflug mehr als 300 Kilometer pro Stunde schnell wird. In einem Schwarm aus Tausenden Vögeln kann sich der Wanderfalke nur schwer auf einen einzelnen Star konzentrieren. Ende Februar kommen die Stare zurück, manche sind schon im Januar wieder da.

Sind Kraniche Zugvögel?

Ja, Kraniche sind Zugvögel. Die Kraniche, die über Deutschland ziehen, kommen aus Skandinavien und Osteuropa. Sie verbringen den Winter in Frankreich, Spanien und Nordafrika. Von Ende September bis November ziehen sie über Deutschland nach Südwesten. Im Frühling kommen sie von Mitte Februar bis Ende März zurück. Dabei fliegen sie in langen Ketten und rufen laut. Warum Kraniche in Keilform fliegen, liest du im Beitrag über Zugvögel.

Wann fliegen die Störche in den Süden?

Die Störche fliegen meist Mitte bis Ende August in den Süden. Oft machen sich die Jungvögel zuerst auf den Weg, ein bis zwei Wochen früher als die älteren Störche. Den Weg müssen sie nicht von ihren Eltern lernen, er ist ihnen angeboren. Sie fliegen in Gruppen und schauen sich dabei auch etwas von anderen Störchen ab. Bis nach Südafrika sind es bis zu 10.000 Kilometer. Für diese Strecke brauchen die Störche im Schnitt vier bis sechs Wochen.

Wohin fliegen die Störche?

Die Störche aus Deutschland fliegen nach Afrika oder nur bis nach Spanien und Portugal. Wohin ein Weißstorch fliegt, hängt davon ab, wo er in Deutschland brütet. Durch Deutschland verläuft eine gedachte Grenze, die Zugscheide. Sie führt vom Allgäu nach Norden bis zum Harz und von dort nach Nordwesten bis ins Emsland.

Die Störche westlich dieser Grenze heißen Westzieher. Sie fliegen über Frankreich, Spanien und die Straße von Gibraltar nach Westafrika, vor allem in die Gegenden um den Senegal und den Tschadsee. Die Straße von Gibraltar ist die schmalste Stelle zwischen Europa und Afrika. Die Störche östlich der Grenze heißen Ostzieher. Sie fliegen über den Bosporus in der Türkei und durch das Jordantal im Nahen Osten nach Afrika. Viele bleiben im Winter im Sudan, einige fliegen weiter bis nach Südafrika. Beide Gruppen fliegen nicht über das offene Mittelmeer, sondern machen einen Umweg über Land. Das liegt daran, dass Störche Segelflieger sind. Sie lassen sich von warmen Aufwinden nach oben tragen, die Fachleute Thermik nennen, und gleiten dann ohne viel Flügelschlag weiter. Über offenem Wasser entstehen kaum Aufwinde. Deshalb sind die längeren Wege über Land für Störche sicherer.

Weißstorch fliegt mit ausgebreiteten Flügeln von einer Laterne los
Ein Weißstorch in Portugal. Viele Westzieher verbringen den Winter heute auf der Iberischen Halbinsel. Foto: Bob Brewer via Unsplash (Unsplash-Lizenz)

Viele Westzieher fliegen heute gar nicht mehr bis nach Afrika. Sie bleiben im Winter in Spanien, Portugal oder Frankreich. Dort finden sie genug Nahrung in Feuchtgebieten, Reisfeldern und vor allem auf Mülldeponien, also großen offenen Abfallplätzen. Weil ihr Weg kürzer ist, kommen sie im Frühling früher zurück, die meisten schon Ende Februar. Die Ostzieher kommen erst ab Mitte März und vor allem im April. Die früh zurückgekehrten Westzieher sind deshalb im Vorteil, wenn es um die Nester geht. Heute gehören die meisten Störche in Deutschland zu den Westziehern. Seit den 1980er Jahren hat sich die Zugscheide deshalb nach Osten verschoben.

Wohin fliegen die Schwalben im Winter?

Die Rauchschwalben fliegen im Winter nach Afrika südlich der Sahara. Manche fliegen dabei mehr als 12.000 Kilometer weit und schaffen bis zu 300 Kilometer am Tag. Im September sitzen oft viele Schwalben nebeneinander auf Stromleitungen. Dann stehen sie kurz vor dem Abflug. Mitte September bis Anfang Oktober fliegen die meisten Rauchschwalben weg.

Rauchschwalbe mit roter Kehle sitzt auf einer Leitung
Eine Rauchschwalbe auf einer Leitung. Im Herbst sitzen oft viele Schwalben nebeneinander, bevor sie losfliegen. Foto: Jim Summerson via Unsplash (Unsplash-Lizenz)

Im Frühling kommen zuerst die Männchen zurück, die Weibchen folgen einige Tage später. In Süddeutschland siehst du die ersten Rauchschwalben ab der zweiten Märzhälfte, in Norddeutschland erst im April. Die Mehlschwalben kommen noch später, ab Ende April.

Sind Gänse Zugvögel?

Ja, die meisten Wildgänse sind Zugvögel. Die Graugans brütet auch bei uns. Viele Graugänse aus Mitteleuropa verbringen den Winter in Westeuropa und am Mittelmeer, in milden Wintern bleiben manche in Deutschland. In Bayern wurden in den 1950er Jahren Graugänse ausgesetzt. Ihre Nachkommen fliegen im Winter meist nicht mehr weg.

Andere Gänse kommen im Herbst zu uns. Die Blässgans brütet in der Arktis, zum Beispiel im Norden Russlands. Im Winter fliegt sie in mildere Gegenden, zum Beispiel nach Polen, Ungarn, in die Niederlande und nach Deutschland. Allein in Nordrhein-Westfalen überwintern jedes Jahr etwa 150.000 bis 200.000 Blässgänse. Bei Gänsen ist der Weg nicht angeboren wie beim Storch. Junge Gänse lernen die Strecke, die Rastplätze und das Winterquartier auf ihrer ersten Reise von den Eltern.

Wann kommen die Zugvögel zurück?

Die Zugvögel kommen zwischen Februar und Mai zurück. Sie kommen ungefähr in umgekehrter Reihenfolge zurück: Wer am nächsten überwintert hat, ist zuerst da. Als Erste singen die Singdrosseln wieder bei uns, je nach Jahr ab Anfang Februar, spätestens Anfang März. Ihr Winterquartier lag in Nordafrika oder im Süden und Westen Europas. Ab Anfang März ist der Hausrotschwanz zurück, er hat in Nordafrika oder im Nahen Osten überwintert. Vor Ende März brauchst du nach dem Gartenrotschwanz nicht zu suchen, und die Nachtigall hörst du nicht vor Mitte April. Zum Schluss kommen die Mauersegler, Ende April bis Anfang Mai. Die Kraniche kommen von Mitte Februar bis Ende März zurück.

Ist die Amsel ein Zugvogel?

Die Amsel ist zum Teil ein Zugvogel: Manche Amseln fliegen im Herbst weg, andere bleiben den ganzen Winter hier. Die Amsel ist also ein Teilzieher. Genauso ist es bei Rotkehlchen, Zaunkönig, Ringeltaube und Buchfink. Bei der Amsel findet außerdem eine Art Schichtwechsel statt: Einige Amseln aus Deutschland fliegen nach Süden, und Amseln aus dem Norden kommen zu uns. Deshalb sieht es so aus, als ob alle Amseln das ganze Jahr hierbleiben.

Ist das Rotkehlchen ein Zugvogel?

Das Rotkehlchen ist ein Teilzieher: Ein Teil fliegt weg, ein Teil bleibt hier. Vor allem die Weibchen fliegen im Winter nach Italien, Spanien oder Portugal. Dafür kommen Rotkehlchen aus Nord- und Osteuropa zu uns und verbringen hier den Winter. Das Rotkehlchen, das du im Winter im Garten siehst, kann also aus Nord- oder Osteuropa stammen. Weil es im Winter kaum Insekten gibt, frisst das Rotkehlchen dann vor allem Früchte und Samen.

Sind Elstern und Spatzen Zugvögel?

Nein, Elstern und Spatzen sind keine Zugvögel, sondern Standvögel. Die Elster ist das ganze Jahr bei uns. Im Winter frisst sie vor allem Samen, Beeren und Früchte. Auch der Sperling, den viele Spatz nennen, findet im Winter genug Körner und bleibt deshalb im Brutgebiet. Das Gleiche gilt für Kohlmeise und Blaumeise. Spechte und Baumläufer sind ebenfalls Standvögel. Wie diese Vögel den kalten Winter überstehen, erfährst du im Beitrag über Standvögel.

Welche Vögel kommen im Winter zu uns?

Ungefähr 60 Vogelarten kommen im Herbst zu uns und verbringen hier den Winter. Fachleute nennen sie Wintergäste. Sie stammen aus Skandinavien, dem Baltikum und Russland. Sie kommen aus Gegenden, in denen der Winter noch kälter ist als bei uns. Der Bergfink zum Beispiel kommt aus Norwegen, Schweden und Finnland. Er frisst im Winter vor allem Bucheckern. Weil es in Deutschland viele Buchenwälder gibt, kommt er manchmal in sehr großen Schwärmen. Auch der Seidenschwanz ist bei uns nur Wintergast. Dazu kommen die Blässgänse aus der Arktis und die Rotkehlchen aus dem Norden.

Zum Weiterdenken

Der Kuckuck lebt nur etwa vier Monate im Jahr in Deutschland und den Rest der Zeit unterwegs oder in Afrika. Ist er dann eigentlich ein deutscher oder ein afrikanischer Vogel?

Quellen: LBV: Die wichtigsten Zugvögel, LBV: Millionen Zugvögel fliegen über Bayern, LBV: Naturschauspiel Starenschwärme, NABU NRW: Vogelzug, BfN: Weißstorch, NABU Niedersachsen: Weißstorch, NABU Sachsen-Anhalt: Der Zug der Weißstörche, NABU: Kranich, NABU-naturgucker: Kranichzug, Deutschlandfunk: Wann die Zugvögel zurückkehren, BMUKN Kids: Zugvögel in Deutschland und NABU NRW: Blässgans.

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