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Väterchen Frost: Wer bringt in Russland die Geschenke?

Snegurotschka in blauem Mantel mit hoher Krone spricht vor einer Gruppe von Kindern

Die kurze Antwort

Väterchen Frost heißt auf Russisch Ded Moroz (ausgesprochen „DJED ma-ROS“), das bedeutet „Großvater Frost“. Er bringt in Russland, Belarus und mehreren anderen Ländern Osteuropas und Zentralasiens den Kindern Geschenke, aber nicht an Weihnachten, sondern in der Neujahrsnacht. Er ist ein großer alter Mann mit langem weißem Bart, einem langen blauen, weißen oder roten Pelzmantel, Filzstiefeln und einem Zauberstab. Er fährt mit einem Schlitten, den drei Pferde ziehen. Begleitet wird er von seiner Enkelin Snegurotschka (ausgesprochen „sne-GU-rot-schka“), dem Schneemädchen. Seine Wurzeln liegen in alten slawischen Vorstellungen von einem Geist des Frostes und in russischen Märchen. Zum Gabenbringer wurde er im 19. Jahrhundert, und zum wichtigsten Gabenbringer machte ihn die Regierung der Sowjetunion im Jahr 1935.

Snegurotschka in blauem Mantel mit hoher Krone spricht vor einer Gruppe von Kindern
Snegurotschka begrüßt Kinder bei einem Winterfest in Moskau. Foto: PereslavlFoto, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

In der Neujahrsnacht schlagen in Moskau die Glocken der Kremluhr zwölf. Familien stoßen an, Kinder schauen unter den geschmückten Tannenbaum. Dort liegen die Geschenke, die Väterchen Frost gebracht hat. In Russland ist dieser Abend wichtiger als Weihnachten. Warum feiert man dort Geschenke an Neujahr und nicht am 24. Dezember? Wer ist das Mädchen aus Schnee an seiner Seite? Und was hat die Hexe Baba Jaga (ausgesprochen „BA-ba JA-ga“) mit Väterchen Frost zu tun?

Welche anderen Gabenbringer es auf der Welt gibt, zeigt unser Überblick Christkind oder Weihnachtsmann: Wer bringt in welchem Land die Geschenke?.

Wer ist Väterchen Frost?

Väterchen Frost ist der Gabenbringer in Russland und in mehreren Nachbarländern. Er bringt den Kindern in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar Geschenke und legt sie unter den Neujahrsbaum. Auf Russisch heißt er Ded Moroz. „Ded“ bedeutet Großvater, „Moroz“ bedeutet Frost. Im Deutschen sagt man „Väterchen Frost“, weil das freundlicher klingt.

Mit seinem Zauberstab kann Väterchen Frost nach den Geschichten Eisblumen an die Fenster malen, Wünsche erfüllen und die Lichter am Tannenbaum zum Leuchten bringen. Er belohnt fleißige und freundliche Kinder. Anders als der Weihnachtsmann kommt er oft nicht heimlich, sondern besucht Kinderfeste, Schulen und Familien und überreicht die Geschenke persönlich.

Väterchen Frost kommt nicht allein. Ihn begleitet seine Enkelin Snegurotschka. Ihr Name bedeutet „Schneeflöckchen“ oder „Schneemädchen“. Sie trägt ein langes weißes oder hellblaues Kleid mit Pelzbesatz und eine Krone oder Mütze, unter der ein langer blonder Zopf hervorschaut. Bei Neujahrsfeiern ist sie meist zuerst da, spielt mit den Kindern, singt mit ihnen und ruft dann zusammen mit ihnen nach Väterchen Frost. Als seine Begleiterin trat Snegurotschka zum ersten Mal im Jahr 1937 bei einem großen Neujahrsfest für Kinder in Moskau auf. Seitdem gehören die beiden zusammen.

Wie sieht Väterchen Frost aus?

Väterchen Frost ist groß und schlank, hat einen langen weißen oder grauen Bart und trägt einen bodenlangen Pelzmantel. Der Mantel ist oft blau oder weiß mit silbernen Mustern, manchmal auch rot. Dazu trägt er eine runde Pelzmütze, Fäustlinge und Walenki (ausgesprochen „WA-len-ki“). Das sind dicke Filzstiefel, die man in Russland im Winter trägt.

In der Hand hält er einen langen Stab, oft mit einem Stern oder einer Kugel an der Spitze. Er reist in einer Troika (ausgesprochen „TROI-ka“). So nennt man in Russland einen Schlitten, den drei Pferde nebeneinander ziehen. Rentiere hat Väterchen Frost nicht.

Im Unterschied zum Weihnachtsmann ist Väterchen Frost also nicht dick und lustig, sondern eher ein würdevoller alter Herr. Er sieht so aus, wie man sich in Russland einen weisen Großvater aus dem Wald vorstellt.

Woher kommt Väterchen Frost?

Väterchen Frost kommt aus alten slawischen Vorstellungen über den Winter. Die Slawen sind eine große Gruppe von Völkern in Osteuropa, zu der zum Beispiel Russen, Ukrainer, Polen und Tschechen gehören. Lange bevor sie Christen wurden, glaubten viele von ihnen an Geister der Natur. Einer davon war ein Geist der Kälte und des Frostes. Er galt als jähzornig und gefährlich, denn ein harter Winter konnte Menschen und Tiere töten und die Ernte vernichten. Um ihn gnädig zu stimmen, legten die Menschen ihm Gaben vor die Tür. Es war also früher umgekehrt als heute. Man beschenkte den Frost, statt von ihm beschenkt zu werden.

Nach der Christianisierung verschwand dieser Glaube, aber der Frostgeist lebte in Märchen weiter. Dort hieß er Morosko (ausgesprochen „ma-ROS-ko“) oder „Schneegroßvater“. Russische Bauern sahen strengen Frost übrigens auch als gutes Zeichen. Sie glaubten, nach einem kalten Winter komme eine gute Ernte.

Wie geht das Märchen von Morosko?

Das bekannteste Märchen über Väterchen Frost heißt „Morosko“. Der Volkskundler Alexander Afanasjew (ausgesprochen „a-lek-SAN-der a-fa-NA-sjef“) hat es zwischen 1855 und 1863 in einer großen Sammlung russischer Märchen aufgeschrieben, so wie die Brüder Grimm in Deutschland.

Ein alter Mann lebt mit seiner zweiten Frau, seiner eigenen Tochter und der Tochter seiner Frau zusammen. Die Stiefmutter liebt nur ihr eigenes Kind. Die Stieftochter muss die ganze Arbeit machen und wird trotzdem ständig beschimpft. Eines Tages befiehlt die Stiefmutter dem Alten, seine Tochter in den Winterwald zu fahren und dort unter einer Tanne zurückzulassen. Der Vater ist traurig, aber er gehorcht.

Wie prüft Morosko das Mädchen?

Das Mädchen sitzt im Schnee und friert. Da kommt Morosko, der Frost, durch die Bäume gesprungen. Er fragt: „Ist dir warm, Mädchen?“ Obwohl es vor Kälte zittert, antwortet es freundlich: „Mir ist warm, Väterchen Frost.“ Morosko kommt näher, es wird noch kälter, und er fragt noch zweimal. Jedes Mal antwortet das Mädchen höflich und klagt nicht. Da hat Morosko Mitleid. Er wickelt es in warme Pelze und schenkt ihm eine Truhe voller kostbarer Kleider und Schmuck.

Als der Vater am nächsten Tag kommt, sitzt seine Tochter lebendig und reich beschenkt unter der Tanne. Die Stiefmutter wird neidisch und schickt nun ihre eigene Tochter in den Wald. Als Morosko fragt, ob ihr warm sei, schimpft sie, dass sie friert und dass er sich davonmachen soll. Sie bekommt keine Geschenke. Im Märchen erfriert sie, und der Vater bringt am nächsten Tag nur noch ihren Körper nach Hause.

Was zeigt das Märchen über Väterchen Frost?

Das Märchen zeigt, wofür Väterchen Frost bis heute steht. Er ist streng, aber gerecht. Wer fleißig, geduldig und freundlich ist, wird von ihm belohnt.

Wie wurde der Frostgeist zum Gabenbringer?

Der Frostgeist wurde im 19. Jahrhundert durch Bücher, Theaterstücke und den Tannenbaum zum Gabenbringer. Im Jahr 1840 veröffentlichte der Schriftsteller Wladimir Odojewski (ausgesprochen „wla-DI-mir a-da-JEF-ski“) ein Märchen mit dem Titel „Moroz Iwanowitsch“ (ausgesprochen „ma-ROS i-WA-no-witsch“), also „Frost Iwanowitsch“. Darin belohnt ein strenger alter Mann aus dem Eis ein fleißiges Mädchen und bestraft ein faules. Diese Gestalt gilt als ein frühes Vorbild für den heutigen Väterchen Frost.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es in den Städten Russlands Mode, an Weihnachten einen Tannenbaum zu schmücken. Diesen Brauch hatten Familien aus Deutschland mitgebracht. Zum Baum gehörte bald eine Gestalt, die Geschenke bringt. In Russland übernahm Väterchen Frost diese Rolle. Russische Dichter machten aus dem gefährlichen Frost einen gütigen Herrn des Waldes, der auf Kinder aufpasst. Um das Jahr 1910 war Väterchen Frost auf Weihnachts- und Neujahrskarten in ganz Russland zu sehen.

Warum bringt Väterchen Frost die Geschenke an Neujahr?

Väterchen Frost bringt die Geschenke an Neujahr, weil die Regierung der Sowjetunion Weihnachten verboten hatte. Die Sowjetunion war ein großer Staat, der von 1922 bis 1991 bestand und zu dem Russland, die Ukraine, Belarus, Kasachstan und viele andere Länder gehörten. Ihre Regierung war kommunistisch. Sie wollte, dass die Menschen nicht mehr an Gott glauben. Kirchen wurden geschlossen oder zerstört, Priester verhaftet.

Ab 1929 war Weihnachten in der Sowjetunion kein Feiertag mehr. Auch Weihnachtsbäume und Väterchen Frost galten als Überbleibsel aus der alten Zeit und waren unerwünscht. Manchmal kontrollierten Leute sogar, ob hinter den Fenstern ein Baum stand.

Am 28. Dezember 1935 änderte sich das. Der Politiker Pawel Postyschew (ausgesprochen „PA-wel pas-TI-schef“) schrieb einen Brief in der Zeitung „Prawda“ (ausgesprochen „PRAW-da“), der wichtigsten Zeitung des Landes. Darin forderte er, dass Kinder wieder einen geschmückten Tannenbaum bekommen sollen, aber nicht zu Weihnachten, sondern zu Neujahr. Aus dem Weihnachtsbaum wurde so der Neujahrsbaum, auf Russisch „Jolka“ (ausgesprochen „JOL-ka“). Väterchen Frost durfte wiederkommen und brachte die Geschenke nun in der Neujahrsnacht. Auf die Spitze des Baums setzte man statt des Sterns von Bethlehem einen roten Stern, das Zeichen der Sowjetunion.

So ist es bis heute geblieben. In Russland ist Neujahr das größte Familienfest des Jahres. Das christliche Weihnachtsfest feiern gläubige Menschen dort zusätzlich am 7. Januar.

Warum feiert man in Russland Weihnachten am 7. Januar?

In Russland feiert man Weihnachten am 7. Januar, weil die russisch-orthodoxe Kirche noch nach einem alten Kalender rechnet. Dieser Julianische Kalender geht auf den römischen Herrscher Julius Caesar zurück. Er ist heute 13 Tage hinter dem Kalender, den die meisten Länder benutzen. Der 25. Dezember im alten Kalender fällt deshalb auf unseren 7. Januar. Väterchen Frost hat mit diesem kirchlichen Fest aber nichts zu tun. Seine Nacht ist die Neujahrsnacht.

Wo wohnt Väterchen Frost?

Väterchen Frost wohnt nach heutiger Vorstellung in Weliki Ustjug (ausgesprochen „we-LI-ki UST-juk“), einer alten Stadt im Norden Russlands. Seit 1998 wirbt die Stadt damit, die Heimat von Väterchen Frost zu sein. Die Idee hatte damals der Bürgermeister von Moskau, Juri Luschkow (ausgesprochen „JU-ri lusch-KOF“). Es gibt dort ein Holzhaus mit Türmchen, das wie ein Märchenschloss aussieht, eine Poststelle für Briefe an Väterchen Frost und viele Besucher aus ganz Russland.

Seit 2005 feiert man in Weliki Ustjug am 18. November seinen Geburtstag. Um diese Zeit beginnt im Norden Russlands meist der richtige Frost.

Was hat die Hexe Baba Jaga mit Väterchen Frost zu tun?

Die Hexe Baba Jaga hat in den alten Märchen nichts mit Väterchen Frost zu tun, und sie bringt auch keine Geschenke. In Deutschland denken aber viele Menschen an beide zusammen, weil sie in einem berühmten Märchenfilm gemeinsam vorkommen.

Baba Jaga ist eine Hexe aus slawischen Märchen. Sie lebt tief im Wald in einer Hütte, die auf Hühnerbeinen steht und sich drehen kann. Sie fliegt in einem Mörser durch die Luft und verwischt ihre Spuren mit einem Besen. In manchen Märchen will sie Kinder fangen und fressen, in anderen hilft sie Helden, wenn sie höflich zu ihr sind.

Der Film heißt auf Deutsch „Abenteuer im Zauberwald“ oder „Väterchen Frost“. Er wurde 1964 in der Sowjetunion von dem Regisseur Alexander Rou (ausgesprochen „a-lek-SAN-der ROU“) gedreht und kam 1965 in die Kinos der DDR. Der Film erzählt das Märchen von Morosko und mischt es mit anderen Märchen. Darin versucht Baba Jaga, das gute Mädchen Nastjenka (ausgesprochen „NAST-jen-ka“) und ihren Freund Iwan auseinanderzubringen. Sie schickt ihren schwarzen Kater und Räuber gegen die beiden. Die Hexe spielte ein Mann, der Schauspieler Georgi Milljar (ausgesprochen „ge-OR-gi mil-JAR“). Der Film läuft bis heute fast jedes Jahr in der Weihnachtszeit im Fernsehen. Deshalb gehören Väterchen Frost und Baba Jaga für viele Familien in Deutschland zur Weihnachtszeit.

Eine Hexe, die wirklich Geschenke bringt, gibt es übrigens in Italien. Sie heißt Befana.

In welchen Ländern kommt Väterchen Frost?

Väterchen Frost kommt heute vor allem in den Ländern, die früher zur Sowjetunion gehörten oder von ihr beeinflusst waren. In jedem Land hat er einen eigenen Namen.

LandNameBedeutung
RusslandDed MorozGroßvater Frost
BelarusDzied Maroz (ausgesprochen „DSJED ma-ROS“)Großvater Frost
KasachstanAjas Ata (ausgesprochen „a-JAS a-TA“)Großvater Frost
Serbien, Bosnien, Kroatien, SlowenienDjed Mraz (ausgesprochen „DJED MRAS“), Dedek Mraz (ausgesprochen „DE-dek MRAS“)Großvater Frost

In den Ländern des früheren Jugoslawien wurde Djed Mraz nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt, weil die kommunistische Regierung auch dort keine religiösen Gabenbringer wollte. Er kommt dort ebenfalls zu Neujahr. In manchen Gegenden kehrten nach 1990 der Nikolaus oder der Weihnachtsmann zurück.

Auch in Tschechien versuchte die kommunistische Regierung, einen Děda Mráz (ausgesprochen „DJE-da MRAAS“) einzuführen. Die Kinder hielten aber am Ježíšek (ausgesprochen „JE-schii-schek“), dem tschechischen Christkind, fest.

Kommt Väterchen Frost auch in der Ukraine?

In der Ukraine kam lange Zeit Did Moroz (ausgesprochen „DID mo-ROS“), der ukrainische Väterchen Frost, zu Neujahr. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine wenden sich aber viele Familien bewusst von ihm ab, weil er als russische Gestalt gilt. Stattdessen bringt dort heute vor allem der heilige Mykolaj (ausgesprochen „mi-KO-lai“), also der Nikolaus, am 6. Dezember die Geschenke. Seit 2023 feiert die Ukraine außerdem Weihnachten offiziell am 25. Dezember und nicht mehr am 7. Januar.

Zum Weiterdenken

Väterchen Frost hat eine besondere Geschichte. Früher fürchteten die Menschen den Frost und beschenkten ihn. Dann wurde er ein Märchenheld, dann ein Weihnachtsgast und schließlich ein Neujahrsgast, weil die Regierung Weihnachten verbieten wollte. Was glaubst du, warum die Menschen in Russland ihn trotz des Verbots nicht vergessen haben? Und was würdest du antworten, wenn Väterchen Frost dich im kalten Wald fragt, ob dir warm ist?

Quellen: Russische UNESCO-Kommission: Väterchen Frost, Atlas Obscura: Wie Väterchen Frost die Sowjetunion überlebte, Afanasjew: Morozko (englische Übersetzung), Gebiet Wologda: Väterchen Frost und Snegurotschka, MDR: Interreligiöser Kalender Januar, MDR: Abenteuer im Zauberwald, World History Encyclopedia: Baba Jaga, Courrier international: Djed Mraz in Sarajevo, Harvard Ukrainian Research Institute: Weihnachten in der Ukraine, Radio Prag: Ježíšek gegen Santa Claus

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