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Shèngdàn Lǎorén: Wer bringt in China die Geschenke?

Ein hoher roter Weihnachtsbaum vor einem Einkaufszentrum mit chinesischen Schriftzeichen

Die kurze Antwort

In China bringt der Shèngdàn Lǎorén (ausgesprochen „SCHENG-dan LAU-rönn“) die Weihnachtsgeschenke. Der Name bedeutet „alter Mann von Weihnachten“, und so heißt der Weihnachtsmann auf Chinesisch. Viele Kinder sagen liebevoll Shèngdàn Lǎo Gōnggong (ausgesprochen „SCHENG-dan LAU GUNG-gung“), also „Weihnachtsopa“. Weil in China nur wenige Menschen Christen sind und der 25. Dezember ein normaler Schultag ist, bekommen aber längst nicht alle Kinder ein Geschenk von ihm. Oft kommt er in den Kindergarten, verkleidet als Lehrer oder Vater. Bekannt wurde er vor gut 100 Jahren in der Stadt Shanghai durch Kirchen und Zeitungen. Ein besonderes Geschenk gibt es in China an Heiligabend, nämlich einen eingepackten Apfel.

Ein hoher roter Weihnachtsbaum vor einem Einkaufszentrum mit chinesischen Schriftzeichen
Ein großer Weihnachtsbaum vor einem Einkaufszentrum in Shanghai. Foto: Heights, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Es ist der 24. Dezember in Shanghai. Die Kinder sitzen in ihrer Kindergartengruppe, draußen ist ein ganz normaler Wochentag. Plötzlich geht die Tür auf, und ein Mann mit weißem Bart, roter Mütze und einem großen Sack kommt herein. Die Kinder rufen „Shèngdàn Lǎorén“. Er holt Päckchen aus dem Sack und ruft jedes Kind beim Namen. Manche Kinder erkennen an den Schuhen, dass unter dem Bart der Vater von einem Freund steckt. Aber wie ist der Weihnachtsmann überhaupt nach China gekommen, in ein Land, in dem Weihnachten gar kein Feiertag ist?

Welche anderen Gabenbringer es auf der Welt gibt, zeigt unser Überblick Christkind oder Weihnachtsmann: Wer bringt in welchem Land die Geschenke?. Woher der Weihnachtsmann ursprünglich kommt, erklärt unser Artikel Weihnachtsmann: Woher kommt er und wo wohnt er?.

Wer bringt in China die Geschenke?

In China bringt der Shèngdàn Lǎorén die Weihnachtsgeschenke, also der Weihnachtsmann. Er sieht genauso aus wie in Amerika oder Europa, mit weißem Bart, roter Mütze, rotem Mantel und einem Sack voller Geschenke.

In China sind Christen eine kleine Minderheit. Eine Minderheit ist eine Gruppe, zu der nur ein kleiner Teil der Menschen in einem Land gehört. Weihnachten ist deshalb kein altes chinesisches Fest, und auf dem chinesischen Festland ist der 25. Dezember kein Feiertag. Die Kinder gehen an diesem Tag in die Schule oder in den Kindergarten, und die Erwachsenen arbeiten. Das wichtigste Fest des Jahres ist in China das Neujahrsfest im Januar oder Februar.

Darum bekommt nicht jedes Kind in China ein Geschenk vom Weihnachtsmann. In vielen Familien spielt er gar keine Rolle. In anderen Familien, vor allem in den großen Städten, gehört er inzwischen zu Weihnachten dazu. Forscher in Japan haben in einer kleinen Umfrage 20 chinesische Studenten gefragt, ob sie als Kind an den Weihnachtsmann geglaubt haben. Nur die Hälfte sagte ja. Bei Studenten aus Japan waren es fast neun von zehn. Studenten aus dem Süden Chinas hatten als Kind häufiger an ihn geglaubt als Studenten aus dem Norden.

Was bedeutet der Name Shèngdàn Lǎorén?

Shèngdàn Lǎorén bedeutet „alter Mann von Weihnachten“. Das chinesische Wort für Weihnachten ist Shèngdàn Jié (ausgesprochen „SCHENG-dan DSCHIÄ“). Wörtlich heißt das „Fest der heiligen Geburt“, gemeint ist die Geburt von Jesus. „Lǎorén“ heißt „alter Mensch“.

Kinder nennen ihn oft Shèngdàn Lǎo Gōnggong. „Gōnggong“ ist ein freundliches Wort für einen alten Mann, ungefähr wie „Opa“. Früher gab es noch andere Namen. Der Medienforscher Shao Zhize (ausgesprochen „SCHAU DSCHI-dsö“) von der Zhejiang-Universität hat alte chinesische Zeitungen untersucht. Er fand zum Beispiel die Namen „Weihnachtsgreis“, „Alter vom Nordpol“ und ein Wort, das einfach den Klang des englischen Namens Santa Claus nachmacht. Im Jahr 1936 stand „Shèngdàn Lǎorén“ zum ersten Mal in einem großen chinesischen Wörterbuch. Dort hieß es, er sei ein alter Mann, der Kinder liebt und am Abend vor dem Geburtstag von Jesus vom Himmel herabkommt. Seitdem ist das sein Name.

In manchen Büchern und auf vielen Internetseiten steht, der Weihnachtsmann heiße in China „Dun Che Lao Ren“ oder „Lan Khoong-Khoong“. In den alten chinesischen Zeitungen und Wörterbüchern, die Shao Zhize untersucht hat, kommen diese Namen nicht vor. Auf Chinesisch heißt der Weihnachtsmann Shèngdàn Lǎorén.

Wie bringt der Weihnachtsmann in China die Geschenke?

In China bringt der Weihnachtsmann die Geschenke oft im Kindergarten oder bei einer Feier, und meistens spielt ihn ein Erwachsener. Viele Kindergärten feiern kurz vor Weihnachten ein Fest. Ein Lehrer oder ein Vater zieht dann das Kostüm an, trägt einen großen Sack herein und gibt jedem Kind ein Päckchen. Die Geschenke haben vorher die Eltern gekauft, eingepackt, mit dem Namen des Kindes beschriftet und heimlich im Kindergarten abgegeben.

Seit wann gibt es den Weihnachtsmann in China?

Den Weihnachtsmann gibt es in China seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Zuerst kannten ihn nur Ausländer, die in chinesischen Hafenstädten lebten, zum Beispiel in Shanghai und Ningbo (ausgesprochen „NING-bo“). In Ningbo trat er im Jahr 1887 bei einer Weihnachtsfeier der Ausländer auf und verteilte Geschenke an ihre Kinder.

Im selben Jahr lebte der chinesische Gesandte Zhang Yinhuan (ausgesprochen „DSCHANG JIN-huan“) in Amerika. Ein Gesandter vertritt sein Land in einem anderen Land. Er schrieb über den amerikanischen Santa Claus und beschrieb ihn als eine Art Händler, der von Haus zu Haus geht und den Kindern Spielzeug gibt.

Chinesische Kinder lernten ihn zum ersten Mal im Jahr 1898 kennen. Damals lud eine Kirche in Shanghai am Weihnachtstag mehr als 100 Kinder aus armen chinesischen Familien zu einem Fest ein. Ein Weihnachtsmann verteilte Geschenke. Die Kinder fanden den fremden alten Mann zuerst seltsam, mochten ihn aber bald.

Wie wurde der Weihnachtsmann in China bekannt?

Der Weihnachtsmann wurde in China durch Kirchen und Zeitungen bekannt. Ab den 1910er-Jahren feierten die Kirchen in Shanghai immer häufiger Weihnachten mit Chinesen. Bei diesen fröhlichen Festen kam oft ein Weihnachtsmann mit einem großen Bündel und verteilte Geschenke.

Im Jahr 1917 schrieb die große Shanghaier Zeitung Shēnbào (ausgesprochen „SCHEN-bau“) zum ersten Mal über den Weihnachtsmann. Zwei Jahre später erklärte sie in einem langen Artikel, wer er ist und woher er kommt. Im Jahr 1920 war er auf der Titelseite ihrer Weihnachtsbeilage zu sehen. Sie berichtete auch von einer Feier in einer Mädchenschule. Dort spielte eine Frau den Weihnachtsmann. Sie trug einen großen Sack herein und gab den Schülerinnen kleine Päckchen mit kandierten Früchten.

Nach 1949 wurde China ein kommunistischer Staat. Die Kommunistische Partei regiert seitdem allein, und sie wollte keine Bräuche aus Amerika und Europa und keine Feste der Kirchen. Deshalb kam der Weihnachtsmann jahrzehntelang kaum noch vor. Im Jahr 1956 gab es in Peking zwar eine Weihnachtsfeier mit Weihnachtsbaum im Kinderpalast, aber eingeladen waren Kinder aus Polen, Ungarn, der Tschechoslowakei und der DDR. Erst seit den 1990er-Jahren, als China sich wieder stärker für andere Länder öffnete, ist der Weihnachtsmann in den Städten wieder überall zu sehen.

Warum schenkt man sich in China an Heiligabend Äpfel?

An Heiligabend schenkt man sich in China Äpfel, weil das chinesische Wort für Apfel ähnlich klingt wie das Wort für Heiligabend. Heiligabend heißt auf Chinesisch Píng’ān Yè (ausgesprochen „PING-an JE“). Das bedeutet „friedliche Nacht“ oder „sichere Nacht“. Der Name kommt vom Weihnachtslied „Stille Nacht“.

Apfel heißt auf Chinesisch píngguǒ (ausgesprochen „PING-guo“). Beide Wörter beginnen mit derselben Silbe „píng“. Deshalb nennen viele Chinesen einen Apfel, den man an Heiligabend verschenkt, píng’ān guǒ (ausgesprochen „PING-an guo“), also „Friedensapfel“. Wer einen solchen Apfel bekommt, dem wünscht man damit ein friedliches und sicheres neues Jahr.

Die Äpfel werden in buntes Geschenkpapier eingepackt. Vor allem Jugendliche schenken sie ihren Freunden und Mitschülern. Je schöner und aufwendiger der Apfel verpackt ist, desto mehr zeigt das, wie wichtig einem die Freundschaft ist. Der Brauch ist noch jung. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete im Jahr 2006 darüber als neue Mode.

Gab es einen chinesischen Weihnachtsmann?

Ja, im Jahr 2012 sollte ein eigener chinesischer Gabenbringer erfunden werden. Manche Menschen in China fanden, dass der Weihnachtsmann zu sehr ein Brauch aus dem Ausland sei. Deshalb gab es einen Wettbewerb, bei dem Entwürfe für einen chinesischen Gabenbringer eingereicht werden konnten.

Gewonnen hat ein lächelnder alter Mann mit weißem Bart. Er trug ein Hanfu (ausgesprochen „HAN-fu“), ein langes Gewand, wie es in China vor vielen Hundert Jahren getragen wurde. Statt eines Sacks hatte er einen Glücksbeutel dabei. Er hieß „chinesischer Glücksopa“ und wurde einige Jahre später in einem alten Tempel in Peking vorgestellt. Durchgesetzt hat er sich aber nicht, und bald war er wieder verschwunden. Die Geschenke bringt in China weiter der Weihnachtsmann im roten Mantel.

Darf der Weihnachtsmann in China überall hinkommen?

Nein, an manchen Orten in China darf der Weihnachtsmann nicht in Schulen oder Geschäfte kommen. Die Regierung möchte, dass die Menschen vor allem die chinesischen Feste feiern. Im Jahr 2014 durften die Schulen in der Stadt Wenzhou (ausgesprochen „WEN-dschou“) keine Weihnachtsfeiern mehr veranstalten. Im Jahr 2018 verbot die Stadt Langfang (ausgesprochen „LANG-fang“) bei Peking den Geschäften, Weihnachtsschmuck aufzuhängen. Mindestens zehn Schulen im ganzen Land sagten damals ihre Weihnachtsfeiern ab.

In Hongkong ist das anders. Hongkong ist eine große Stadt im Süden, die zu China gehört, aber eigene Regeln hat. Dort sind der 25. Dezember und der Tag danach Feiertage.

Zum Weiterdenken

In China ist Weihnachten kein Feiertag, und trotzdem kommt der Weihnachtsmann in viele Kindergärten. Zuerst kannten ihn nur die Kinder von Ausländern, dann chinesische Kinder in den Kirchen, und heute sieht man ihn in jedem großen Einkaufszentrum. Einen eigenen chinesischen Glücksopa wollte dagegen niemand haben. Warum, glaubst du, ist der Weihnachtsmann bei den Kindern beliebter geblieben? Und welchem Freund würdest du einen Friedensapfel schenken?

Quellen: Shao Zhize, Chinesische Gesellschaft für Volkskunde: Der Weihnachtsmann im modernen Shanghai, Phoenix News: Wie Santa Claus seinen chinesischen Namen bekam, The Beijinger: How Santa Claus came to China, Konfuzius-Institut Schottland: Weihnachten in China, Verbavia: Xinhua 2006 über den Friedensapfel, CiNii: Studie zum Weihnachtsmann in China, Sohu: Vorlagen für Weihnachtsfeiern im Kindergarten, ABC News: China und Weihnachten 2018, Regierung Hongkong: Feiertage 2026

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