Die kurze Antwort
Den Adventskalender hat nicht eine einzelne Person erfunden. Schon um 1850 zählten Familien in Deutschland die Tage bis Weihnachten mit Kreidestrichen an der Tür, mit Bildern an der Wand oder mit Strohhalmen in der Krippe. Den ersten gedruckten Adventskalender gab es 1902 in Hamburg. Es war eine Weihnachtsuhr aus Papier mit einem Zeiger. Als Erfinder des Adventskalenders gilt trotzdem meistens der Münchner Verleger Gerhard Lang. Er brachte 1903 einen Kalender mit 24 Feldern heraus und machte den Adventskalender in ganz Deutschland bekannt. Kalender mit Türchen gibt es seit 1920, Kalender mit Schokolade wurden ab den 1950er Jahren für fast alle Kinder bezahlbar.

Ein Adventskalender ist ein Kalender, mit dem man die Tage vom 1. bis zum 24. Dezember zählt. Für jeden Tag gibt es ein Türchen, eine Tüte oder ein Päckchen, das man öffnen darf. In Österreich sagt man Adventkalender, also ohne das s in der Mitte. Heute kennt fast jedes Kind den Adventskalender, doch es gibt ihn noch gar nicht so lange. Wer ihn erfunden hat, wie die ersten Kalender aussahen und seit wann hinter den Türchen Schokolade steckt, erfährst du hier.
Wer hat den Adventskalender erfunden?
Den Adventskalender hat nicht eine einzelne Person erfunden, weil viele Familien sich schon vorher eigene Kalender gebastelt haben. Als Erfinder des gedruckten Adventskalenders gilt aber der Verleger Gerhard Lang aus München.
Ein Verleger ist ein Mensch, der Bücher, Bilder oder Kalender drucken lässt und verkauft. Gerhard Lang hat sich selbst als Erfinder des Adventskalenders gesehen. Das stimmt aber nur zum Teil. Den allerersten gedruckten Kalender zum Zählen der Adventstage brachte nämlich schon ein Jahr vor ihm ein Buchhändler in Hamburg heraus. Gerhard Lang war aber der Erste, der sich ganz auf solche Kalender spezialisierte und viele verschiedene davon druckte. Er machte den Adventskalender in ganz Deutschland bekannt. Deshalb nennen ihn Fachleute in Museen den eigentlichen Erfinder.
Seit wann gibt es Adventskalender?
Adventskalender gibt es seit etwa 175 Jahren. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts, also um 1850, begannen Eltern in Deutschland, sich eigene Kalender für die Adventszeit auszudenken. Gedruckte Adventskalender gibt es seit 1902.
Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Jahre.
| Jahr | Was geschah |
|---|---|
| um 1850 | Familien zählen die Tage bis Weihnachten mit Kreidestrichen, Bildern, Strohhalmen oder Kerzen. |
| 1902 | In Hamburg erscheint die Weihnachtsuhr für Kinder. Sie gilt als erster gedruckter Adventskalender. |
| 1903 | Gerhard Lang bringt in München den Kalender Im Lande des Christkinds heraus. |
| 1904 | Das Wort Adventskalender wird zum ersten Mal verwendet. |
| 1908 | Gerhard Lang druckt in seinem Verlag Reichhold & Lang jedes Jahr neue Kalender. |
| 1920 | Der erste Kalender mit Türchen erscheint. Er heißt Christkindleins Haus. |
| 1920er Jahre | Gerhard Lang verkauft einen Kalender, den man mit Schokolade füllen kann. |
| Anfang der 1940er Jahre | Im Zweiten Weltkrieg dürfen keine Adventskalender mit Bildern mehr gedruckt werden. |
| 1946 | In Stuttgart erscheint der erste Adventskalender nach dem Krieg. |
| 1950er Jahre | Adventskalender werden billig und in großen Mengen hergestellt, auch mit Schokolade. |
Warum hat man die Tage bis Weihnachten gezählt?
Man hat die Tage bis Weihnachten gezählt, damit Kinder sehen konnten, wie lange sie noch auf das Fest warten mussten. So sollte die Vorfreude steigen, also die Freude auf etwas, das bald passiert.
Für Kinder ist ein Monat eine sehr lange Zeit. Sie können sich unter einer Zahl wie 24 Tage wenig vorstellen. Wenn aber jeden Tag etwas weniger wird, sehen sie mit den eigenen Augen, wie Weihnachten näher kommt. Das ist die wichtigste Aufgabe jedes Adventskalenders. Viele Eltern wollten ihre Kinder außerdem auf die Ankunft des Herrn einstimmen. Damit ist die Geburt von Jesus gemeint, die Christen an Weihnachten feiern. Das Wort Advent kommt vom lateinischen Wort adventus (ad-WEN-tus). Es bedeutet Ankunft. Latein ist die Sprache der alten Römer.
Die ersten Kalender gab es vor allem in evangelischen Familien. Evangelische Christen nennt man auch Protestanten. Im 19. Jahrhundert kam bei ihnen der Brauch auf, Weihnachten zu Hause in der Familie zu feiern und den Kindern Geschenke zu machen. Die Kinder fieberten deshalb auf die Bescherung hin, also auf den Moment, in dem es die Geschenke gibt.
Wie haben die Menschen früher die Tage bis Weihnachten gezählt?
Früher haben die Menschen die Tage bis Weihnachten mit einfachen Dingen gezählt, die sie zu Hause hatten. Am bekanntesten sind Kreidestriche an der Tür, Bilder an der Wand, Strohhalme in der Krippe und Kerzen mit Markierungen.
Kreidestriche an der Tür
Bei der einfachsten Form malten die Eltern 24 Striche aus Kreide an die Zimmertür oder an eine Schranktür. Jeden Tag durfte ein Kind einen Strich wegwischen. Wenn mehrere Kinder im Haus wohnten, war oft jeden Tag ein anderes Kind an der Reihe. Am Heiligen Abend war kein Strich mehr übrig. Dieser Kalender kostete nichts, und jedes Kind konnte genau sehen, wie viele Tage noch fehlten.
Bilder an der Wand
In anderen Familien klebten die Eltern jeden Tag ein kleines Bild an die Wand oder ans Fenster. Bis Weihnachten kamen so 24 Bilder zusammen. Bei diesem Kalender wurde also nicht jeden Tag etwas weniger, sondern jeden Tag etwas mehr.
Strohhalme in der Krippe
In katholischen Familien war ein anderer Brauch verbreitet. Zum ersten Advent stellte man eine leere Krippe auf, also den kleinen Futtertrog, in dem nach der Weihnachtsgeschichte das Jesuskind lag. Daneben lag ein Bündel Stroh. Jedes Kind, das eine gute Tat vollbracht hatte, durfte einen Strohhalm in die Krippe legen. Eine gute Tat war zum Beispiel, freiwillig den Tisch zu decken oder die Schuhe zu putzen. Am Heiligen Abend sollte so viel Stroh in der Krippe liegen, dass das Jesuskind weich lag. In katholischen Familien im Rheinland und in Westfalen gab es diesen Brauch noch bis in die 1960er Jahre.
Kerzen, Uhren und Abreißkalender
In manchen Häusern stand eine Kerze mit 24 Markierungen. Jeden Tag ließ man sie genau ein Stück herunterbrennen. Andere Eltern bastelten selbst eine Weihnachtsuhr aus Pappe oder einen Abreißkalender, von dem man jeden Tag ein Blatt abreißen durfte. Aus diesen beiden selbst gebastelten Formen entstanden später die ersten gedruckten Kalender. Auch der Adventskranz war am Anfang ein Kalender zum Zählen der Tage. Johann Hinrich Wichern steckte 1839 im Rauhen Haus in Hamburg für jeden Tag im Advent eine Kerze auf einen großen Kranz.
Wie sah der erste gedruckte Adventskalender aus?
Der erste gedruckte Adventskalender sah aus wie eine runde Uhr aus Papier. Er hieß Weihnachtsuhr für Kinder und erschien 1902 in der Evangelischen Buchhandlung von Friedrich Trümpler in Hamburg.
Die Weihnachtsuhr hatte ein Zifferblatt wie eine echte Uhr. Ein Zifferblatt ist die runde Scheibe mit den Zahlen, über die der Zeiger läuft. In die Mitte der Uhr war ein Weihnachtsbaum gemalt. Jeden Tag drehten die Kinder den Zeiger aus Pappe um ein Feld weiter. Neben jeder Zahl stand ein Vers aus einem Weihnachtslied, zum Beispiel aus „Vom Himmel hoch, da komm ich her“.
Warum begann die Weihnachtsuhr erst bei 13?
Die Weihnachtsuhr begann erst bei der Zahl 13, weil eine Uhr nur zwölf Felder hat. Auf dem Zifferblatt standen deshalb nur die Zahlen von 13 bis 24. Die Kinder fingen also erst am 13. Dezember an zu zählen. Vorher brauchten sie die Uhr noch nicht. Erst ab 1922 gab es Weihnachtsuhren, auf denen alle Zahlen von 1 bis 24 standen. Später wurde die Weihnachtsuhr auch von einem Verlag in Frankfurt nachgedruckt. Das Foto oben zeigt diese Ausgabe aus dem Jahr 1910.
Wer war Gerhard Lang?
Gerhard Lang war ein Buchhändler und Verleger, der von 1881 bis 1974 lebte. Er stammte aus Maulbronn in Württemberg und zog 1902 nach München.
Gerhard Lang war der Sohn eines Pfarrers. Er lernte den Beruf des Buchhändlers, also eines Kaufmanns, der Bücher verkauft. Die Idee zu seinem Kalender hatte er aus seiner eigenen Kindheit. Seine Mutter nähte ihm jedes Jahr im Advent 24 kleine Gebäckstücke auf einen Karton. Ab dem 1. Dezember durfte er jeden Tag eines davon essen. So sah er jeden Tag, wie viele Tage es noch bis Weihnachten dauerte. Dieser selbst gemachte Karton seiner Mutter war also schon ein Adventskalender, und sogar einer zum Essen.
Was sind Wibele?
Die Gebäckstücke auf dem Karton waren Wibele (WII-be-le). Wibele sind sehr kleine, helle Kekse aus Eiweiß, Puderzucker, Mehl und Vanillezucker. Ein Wibele ist nur etwa 2 Zentimeter lang und 1 Zentimeter breit. Für jedes Wibele setzt der Bäcker zwei Tropfen Teig, jeder so groß wie eine Erbse, dicht nebeneinander. Beim Backen laufen sie zusammen, und das Wibele sieht aus wie eine winzige Schuhsohle. Erfunden hat sie der Konditor Jakob Christian Carl Wibel aus Langenburg in Württemberg, der 1770 geboren wurde. Ein Konditor ist ein Bäcker für Kuchen, Torten und feines Gebäck. Ursprünglich hieß das Gebäck Geduldszeltle. Wer schon einmal 24 so kleine Kekse geformt hat, weiß, warum es so heißt.

Wie sah der Kalender von Gerhard Lang aus?
Der erste Kalender von Gerhard Lang war ein großer Bogen aus Papier mit 24 Feldern. In jedem Feld stand ein Vers. Die passenden Bilder mussten die Kinder jeden Tag ausschneiden und aufkleben.
Der Kalender hieß Im Lande des Christkinds. Die Verse hatte Gerhard Lang selbst geschrieben. Die 24 kleinen Bilder malte der Kinderbuchzeichner Richard Ernst Kepler. Sie zeigten eine Welt wie im Märchen, zum Beispiel Engel, die backen, den Weihnachtsbaum schmücken oder Schlitten fahren. Auf der Rückseite der Bilder war Gummierung. Das ist eine Schicht aus trockenem Klebstoff, die klebrig wird, wenn man sie anfeuchtet, so wie bei einer Briefmarke. Die Kinder schnitten jeden Tag ein Bild aus, lasen den Spruch dazu und klebten das Bild auf das richtige Feld. Türchen hatte dieser Kalender also noch nicht. Am Ende war er voll mit Bildern.
Gedruckt wurde der Kalender in der lithografischen Anstalt von Friedrich Reichhold in München. Eine lithografische Anstalt war eine Druckerei, die farbige Bilder von glatten Steinplatten auf Papier drucken konnte. Später gründeten Gerhard Lang und Friedrich Reichhold zusammen den Verlag Reichhold & Lang. Bis zum Ende der 1930er Jahre brachte er mehr als 30 verschiedene Kalender heraus, die bekannte Künstler gemalt hatten.
Warum steht in manchen Büchern 1903, 1904 oder 1908?
In manchen Büchern steht 1903, in anderen 1904 oder 1908, weil der Kalender von Gerhard Lang in mehreren Schritten bekannt wurde. Jede dieser Jahreszahlen beschreibt einen anderen Schritt.
Im Jahr 1903 erschien Im Lande des Christkinds zum ersten Mal in der Druckerei von Friedrich Reichhold. Im Jahr 1904 lag der Kalender einer Zeitung bei, dem Neuen Tagblatt in Stuttgart. Alle Leser der Zeitung bekamen ihn so geschenkt, und dadurch wurde er in Württemberg bekannt. Ab 1908 brachte der Verlag Reichhold & Lang jedes Jahr neue Kalender heraus und verkaufte sie in großer Zahl. Wer also 1908 schreibt, meint den Beginn des Verkaufs in großer Zahl.
Warum heißt der Adventskalender so?
Der Adventskalender heißt so, weil er die Tage im Advent zählt. Das Wort Adventskalender verwendete wahrscheinlich zum ersten Mal im Jahr 1904 der Berliner Frauenverein Edelweiß.
Der Verein hatte 1903 einen Klappkalender mit Sprüchen für die Adventszeit herausgegeben. Bei einem Klappkalender schlägt man jeden Tag ein Blatt um. Gerhard Lang nannte seine Kalender dagegen noch Weihnachtskalender. Lange gab es beide Namen nebeneinander. Erst später setzte sich das Wort Adventskalender durch.
Seit wann haben Adventskalender Türchen?
Adventskalender haben seit 1920 Türchen. In diesem Jahr erschien im Verlag Reichhold & Lang der Kalender Christkindleins Haus von Dora Baum. Er war der erste Adventskalender, bei dem man jeden Tag ein Türchen öffnete.
Der Kalender sah aus wie ein Haus aus Papier. In der Vorderseite waren kleine Fenster und Türen eingestanzt. Einstanzen heißt, dass eine Maschine die Umrisse der Türchen so in das Papier schneidet, dass man sie mit dem Fingernagel aufklappen kann. Hinter jedem Türchen war ein kleines Bild zu sehen. Diese Art von Kalender war leichter herzustellen als ein Kalender mit Bildern zum Ausschneiden. Die Kinder mussten nichts schneiden und nichts kleben. Deshalb verdrängte der Türchenkalender die anderen Formen. Bis heute haben die meisten Adventskalender Türchen.
Welche anderen Formen gab es?
Gerhard Lang probierte viele weitere Formen aus. Es gab Laternen mit Türchen, die man herausbrechen konnte, kleine Bühnen mit Figuren zum Verschieben und Abreißblöcke. Die Bilder aus den Abreißblöcken klebten die Kinder in ein Heft ein, und am Ende erzählten alle Bilder zusammen eine Geschichte. Ab 1925 druckte der Verlag auch Weihnachtsuhren mit einem drehbaren Zifferblatt.
Die Ideen von Gerhard Lang wurden schnell von anderen Verlagen nachgemacht. Er hatte die Türchen nämlich nicht als seine Erfindung schützen lassen. Ein solcher Schutz heißt Patent. Wer ein Patent hat, darf als Einziger eine Erfindung nachbauen und verkaufen. Andere Verlage verkauften deshalb billigere Türchenkalender. Weil die Kalender von Reichhold & Lang aufwendig und teuer waren, konnte der Verlag nicht mehr mithalten.

Seit wann gibt es Adventskalender mit Schokolade?
Adventskalender mit Schokolade gibt es seit den 1920er oder 1930er Jahren. Damals waren sie aber noch sehr teuer. Für fast alle Kinder bezahlbar wurden sie erst in den 1950er Jahren.
Auch die Idee mit der Schokolade kam von Gerhard Lang. In den 1920er Jahren verkaufte er das Christkindleinshaus zum Füllen mit Schokolade. Dabei griff er die Idee seiner Mutter mit den 24 Wibele auf. Dieser Kalender kostete doppelt so viel wie ein Kalender mit Bildern. Bald stellten auch andere Firmen Kalender mit Schokolade her. Die Firma Pea war lange Zeit die bekannteste Firma für gefüllte Adventskalender.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland eine Zeit, in der viele Menschen wieder mehr Geld verdienten. Diese Zeit nennt man das Wirtschaftswunder. Erst jetzt konnte sich fast jede Familie Schokolade leisten. Deshalb setzten sich die Kalender mit Schokolade in dieser Zeit durch. Oft liest man, dass der erste Schokoladenkalender im Jahr 1958 in die Geschäfte kam. Einen Beweis dafür, etwa einen alten Kalender aus diesem Jahr oder den Namen der Firma, nennt aber keine dieser Angaben. Sicher ist nur, dass es schon vorher Kalender mit Schokolade gab.
Warum hat ein Adventskalender 24 Türchen?
Ein Adventskalender hat 24 Türchen, weil er vom 1. bis zum 24. Dezember zählt. Der 24. Dezember ist der Heilige Abend. An diesem Tag gibt es in Deutschland die Geschenke.
Das war aber nicht immer so. Die ersten Kalender begannen am ersten Adventssonntag. Dieser Sonntag fällt jedes Jahr auf einen anderen Tag, frühestens auf den 27. November und spätestens auf den 3. Dezember. Deshalb hatten die Kalender früher zwischen 22 und 28 Tage. Ein solcher Kalender passte immer nur für ein bestimmtes Jahr. Ein Kalender, der immer am 1. Dezember beginnt, passt dagegen in jedes Jahr. Die Verlage konnten ihn deshalb jedes Jahr gleich drucken und verkaufen. Die Zahl 24 setzte sich erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts durch. Hinter dem 24. Türchen ist bis heute oft das größte Bild. Es zeigt meistens die Krippe mit dem Jesuskind oder das Christkind, das nach altem Brauch die Geschenke bringt. Wie es zum Christkind kam, erklärt der Beitrag Christkind: Woher kommt es und wie sieht es aus?.
Was geschah mit dem Adventskalender im Krieg?
Im Zweiten Weltkrieg verschwanden die bunten Adventskalender fast ganz. Anfang der 1940er Jahre wurde der Druck von Kalendern mit Bildern ganz verboten, weil sie für den Krieg als unwichtig galten.
Von 1933 bis 1945 regierten in Deutschland die Nationalsozialisten. Das war eine Partei, die das Land mit Gewalt beherrschte und den Zweiten Weltkrieg begann. Schon vor dem Verbot wurde das Papier knapp, weil es für den Krieg gebraucht wurde. Die Nationalsozialisten wollten außerdem nicht, dass Kinder an das Christkind und an Jesus dachten. Sie ließen deshalb eigene Kalender drucken, in denen das Christkind durch ein Lichtkind ersetzt war. Der Verlag Reichhold & Lang hatte schon vorher aufgegeben. Er wurde 1940 aufgelöst.
Wie kam der Adventskalender in andere Länder?
Der Adventskalender kam vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg in andere Länder. Ein wichtiger Grund dafür waren amerikanische Soldaten, die in Deutschland lebten und Kalender mit nach Hause nahmen.
Im Jahr 1946 stellte der Verleger Richard Sellmer aus Stuttgart den Kalender Die kleine Stadt vor. Die Zeichnerin Elisabeth Lörcher hatte ihn gemalt. Es war einer der ersten Adventskalender nach dem Krieg. Richard Sellmer ließ seine Kalender von Anfang an auch auf Englisch und Schwedisch drucken, damit er sie in anderen Ländern verkaufen konnte. Im Jahr 1953 bestellte eine Hilfsorganisation aus Amerika 50.000 Kalender bei ihm. Im Dezember desselben Jahres erschien in der Zeitung ein Foto der Enkel des amerikanischen Präsidenten Eisenhower (EI-sen-hau-er). Darauf waren die Kinder mit dem Kalender Die kleine Stadt zu sehen. Danach wollten in Amerika viele Familien einen Adventskalender haben. Den Verlag Sellmer gibt es bis heute. Er stellt nur Adventskalender her.
In der DDR, also im östlichen Teil Deutschlands, gab es ebenfalls Adventskalender. Der wichtigste Verlag dafür war der Planet-Verlag in Berlin. Die Regierung der DDR wollte die Kirche und den christlichen Glauben zurückdrängen. Deshalb zeigten die Kalender dort statt Engeln und Krippe den Weihnachtsmann und Tiere.
Wo kann man alte Adventskalender sehen?
Alte Adventskalender kann man in Museen sehen. Das Museum Europäischer Kulturen in Berlin besitzt eine große Sammlung und zeigt sie immer wieder in Ausstellungen.
Auch das Deutsche Weihnachtsmuseum in Rothenburg ob der Tauber zeigt in seiner Ausstellung Adventskalender. Eine der größten Sammlungen gehört der Forscherin Esther Gajek aus Regensburg. Sie besitzt mehr als 3.000 Adventskalender. Ein Teil davon war schon in Ausstellungen zu sehen, zum Beispiel im Stadtmuseum Kaufbeuren. In Hamburg erzählt das Museum für Hamburgische Geschichte die Geschichte der Weihnachtsuhr von 1902.
Zum Weiterdenken
Die Kreidestriche an der Tür wurden jeden Tag weniger, die Bilder an der Wand und die Strohhalme in der Krippe wurden jeden Tag mehr. Welche Art zu zählen gefällt dir besser, und warum? Gerhard Langs Mutter nähte Kekse auf einen Karton, und heute stecken hinter den Türchen meistens Schokolade oder kleine Spielsachen. Was würdest du in einen Adventskalender stecken, den du für jemand anderen bastelst?
Jetzt selbst ausprobieren
Die ersten Adventskalender haben Eltern zu Hause selbst gebastelt, so wie Gerhard Langs Mutter mit ihren 24 Keksen. Du kannst das auch. Mit 24 Papiertüten, Wäscheklammern und einer Schnur baust du einen Adventskalender, den du selbst füllen und verschenken kannst. Wie das geht, steht in der Anleitung Adventskalender aus 24 Papiertüten basteln.
Quellen: IfaK: Die Geschichte des Adventskalenders in Deutschland, Stiftung Historische Museen Hamburg: Die ersten gedruckten Adventskalender, Museum Europäischer Kulturen: Adventskalender aus 100 Jahren, LWL: Jeden Tag ein Türchen, Sonntagsblatt: Geschichte des Adventskalenders, BR24: Wer hat den Adventskalender erfunden?, katholisch.de: Vergessene Adventsbräuche, Stadtmuseum Kaufbeuren: Warten aufs Christkind

