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Wer war Martin Luther? Sein Leben einfach erklärt

Gemälde von Martin Luther mit dunkler Mütze und schwarzem Gewand

Die kurze Antwort

Martin Luther war ein Mönch und Professor, der vor rund 500 Jahren die Kirche verändert hat. Er wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren und starb am 18. Februar 1546 ebenfalls in Eisleben. Luther lehrte an der Universität in Wittenberg. Im Jahr 1517 schrieb er 95 Thesen gegen den Ablasshandel der Kirche. Daraus entstand die Reformation. Das Wort bedeutet „Erneuerung“. Am Ende spaltete sich die Kirche in eine katholische und eine evangelische Kirche. Luther übersetzte außerdem die Bibel ins Deutsche, damit alle Menschen sie selbst lesen konnten.

Gemälde von Martin Luther mit dunkler Mütze und schwarzem Gewand
Martin Luther im Jahr 1528. Der Maler Lucas Cranach der Ältere war ein Freund von Luther und hat ihn oft gemalt. Foto: Lucas Cranach der Ältere, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Wer war Martin Luther?

Martin Luther war ein deutscher Theologe. So nennt man einen Menschen, der über Gott, die Bibel und den Glauben forscht und lehrt. Zuerst lebte Luther als Mönch in einem Kloster. Später wurde er Professor an der Universität Wittenberg. Dort erklärte er den Studenten die Bibel.

Bekannt wurde Luther, weil er die Kirche seiner Zeit kritisierte. Damals gab es in Westeuropa nur eine christliche Kirche. An ihrer Spitze stand der Papst in Rom. Luther fand, dass die Kirche vieles lehrte, was nicht in der Bibel steht. Er wollte die Kirche verbessern, aber nicht spalten. Weil der Papst und viele Bischöfe ihm nicht zustimmten, entstand trotzdem eine neue Kirche. Die Menschen, die Luther folgten, nennt man heute evangelisch oder lutherisch.

Luther hat sehr viel geschrieben. Von ihm stammen ungefähr 700 Schriften, dazu Predigten, Lieder und Tausende Briefe. Viele davon wurden gedruckt und in ganz Deutschland gelesen. Deshalb kannten ihn schon zu seinen Lebzeiten sehr viele Menschen.

Wann und wo wurde Martin Luther geboren?

Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren. Die Stadt liegt im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt. Am nächsten Tag, dem 11. November, wurde er getauft. Das ist der Gedenktag des heiligen Martin. Deshalb bekam der Junge den Namen Martin.

Seine Eltern hießen Hans und Margarete. Ihr Familienname war damals noch nicht Luther, sondern Luder. Martin war das zweite von neun Kindern. Das Haus, in dem er geboren wurde, steht noch heute in Eisleben. Es ist ein Museum.

Den Namen Luther wählte Martin erst als Erwachsener, in den Jahren 1517 und 1518. Gelehrte gaben sich damals gern griechische oder lateinische Namen. Martin nannte sich eine Zeit lang „Eleutherius“. Das ist griechisch und bedeutet „der Freie“. Daraus machte er den Namen Luther. Er wollte damit zeigen, dass er sich durch den Glauben frei fühlte.

Das Geburtshaus von Martin Luther in Eisleben, ein Fachwerkhaus mit rotem Dach
Das Geburtshaus von Martin Luther in Eisleben. Heute ist es ein Museum. Foto: Dguendel, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Wie verlief die Kindheit von Martin Luther?

Martin Luther wuchs in Mansfeld auf, einer kleinen Stadt nicht weit von Eisleben. Die Familie zog schon 1484 dorthin, als Martin ein Jahr alt war. Sein Vater arbeitete im Bergbau. In der Gegend um Mansfeld holte man Kupfer aus der Erde. Hans Luder pachtete Gruben und Öfen, in denen das Kupfer aus dem Gestein geschmolzen wurde. Damit kam die Familie zu einem bescheidenen Wohlstand.

Die Eltern erzogen ihre Kinder sehr streng. Schläge gehörten damals zur Erziehung dazu, zu Hause und in der Schule. Luther erzählte später, dass er in der Schule an einem einzigen Vormittag 15 Mal geschlagen wurde.

Der Vater wollte, dass Martin einmal ein angesehener Mann wird. Deshalb schickte er ihn auf gute Schulen. Martin ging zuerst in Mansfeld zur Schule. Dort lernte er vor allem Latein. Das war die Sprache der Kirche und der Gelehrten. Im Jahr 1497, mit 13 Jahren, kam er auf die Domschule in Magdeburg. Ein Jahr später wechselte er an die Georgenschule in Eisenach. Dort wohnte er zuerst bei Verwandten und später bei der Familie Cotta, die ihn bei sich aufnahm. Einen Teil seines Lebensunterhalts verdiente er sich, indem er mit anderen Schülern auf der Straße sang.

Warum wurde Martin Luther Mönch?

Martin Luther wurde Mönch, weil er in einem schweren Gewitter ein Versprechen abgab. Eigentlich sollte er Jurist werden. So hatte es sein Vater geplant.

Mit 17 Jahren begann Martin im Jahr 1501 sein Studium an der Universität in Erfurt. Dort lernte er zuerst die Fächer, die damals alle Studenten lernen mussten, zum Beispiel Grammatik, Mathematik und Philosophie. Im Jahr 1505 bekam er den Titel Magister. Danach begann er, die Rechte zu studieren, also die Gesetze. Ein Jurist konnte später für einen Fürsten oder eine Stadt arbeiten und gut verdienen.

Am 2. Juli 1505 war Martin auf dem Rückweg von seinen Eltern nach Erfurt. Beim Dorf Stotternheim geriet er in ein Gewitter. Ein Blitz schlug ganz in seiner Nähe ein. Martin hatte große Angst zu sterben. In seiner Not rief er: „Hilf, heilige Anna, ich will ein Mönch werden.“ Die heilige Anna war die Mutter von Maria. Sie galt als Helferin der Bergleute, also auch der Familie Luder.

Martin überlebte. Er hielt sein Versprechen, obwohl sein Vater sehr wütend war. Am 17. Juli 1505 trat er in Erfurt in das Kloster der Augustiner-Eremiten ein. Das war ein Orden, in dem die Mönche sehr streng lebten. Sie beteten viele Stunden am Tag, fasteten oft und besaßen nichts Eigenes.

Was machte Martin Luther als Mönch und Professor?

Als Mönch betete und studierte Martin Luther, später unterrichtete er als Professor in Wittenberg. Im Kloster lebte er sehr ernst und streng. Im Jahr 1507 wurde er zum Priester geweiht. Ein Priester darf in der katholischen Kirche die Messe feiern.

Seine Oberen merkten schnell, wie klug Luther war. Deshalb sollte er Theologie studieren. Ab 1508 lehrte er auch an der jungen Universität in Wittenberg. Wittenberg war eine kleine Stadt an der Elbe. Sie gehörte zum Land des Kurfürsten Friedrich, der den Beinamen „der Weise“ trug. Ein Kurfürst war einer der wenigen Fürsten, die den Kaiser wählen durften.

Im Jahr 1512 wurde Luther Doktor der Theologie. Danach war er bis zu seinem Tod Professor in Wittenberg. Er erklärte den Studenten die Bücher der Bibel und predigte in der Stadtkirche.

Als junger Mönch quälte Luther eine große Angst. Er glaubte, dass Gott ein strenger Richter sei. Egal, wie viel er betete und fastete, er hatte immer das Gefühl, nicht gut genug für Gott zu sein. Beim Lesen der Bibel, vor allem des Briefes des Apostels Paulus an die Römer, kam er zu einer neuen Einsicht. Er verstand die Bibel so, dass Gott den Menschen aus Gnade annimmt. Gnade bedeutet, dass man etwas geschenkt bekommt, ohne es verdient zu haben. Der Mensch muss nach Luther nur darauf vertrauen, also glauben. Diese Lehre nennt man „allein durch den Glauben“. Sie wurde der Kern seiner ganzen Theologie.

Warum ärgerte sich Martin Luther über den Ablass?

Martin Luther ärgerte sich über den Ablass, weil die Menschen glaubten, sie könnten sich mit Geld von der Strafe für ihre Sünden freikaufen. Ein Ablass war ein Schreiben der Kirche. Darin stand, dass Gott einem Menschen einen Teil der Strafen für seine Sünden erlässt. Die Menschen glaubten damals, dass sie nach dem Tod für ihre Sünden büßen müssen, an einem Ort namens Fegefeuer. Mit einem Ablass sollte diese Zeit kürzer werden.

Ab dem Jahr 1517 wurde ganz in der Nähe von Wittenberg ein besonderer Ablass verkauft. Mit dem Geld wollte der Papst die neue Peterskirche in Rom bauen. Der Prediger Johann Tetzel zog durch die Städte und warb mit lauten Predigten für den Ablass. Auch Menschen aus Wittenberg kauften Ablassbriefe.

Luther hielt das für falsch. Er meinte, nur echte Reue vor Gott helfe gegen die Sünde, kein gekaufter Brief. Er fürchtete, dass die Menschen sich in falscher Sicherheit wiegen. Was genau im Ablass stand und wer das Geld bekam, erklären wir im Beitrag über Luthers 95 Thesen.

Was geschah am 31. Oktober 1517?

Am 31. Oktober 1517 schrieb Martin Luther einen Brief an den Erzbischof Albrecht von Mainz und legte seine 95 Thesen bei. Eine These ist ein Satz, der eine Behauptung aufstellt, über die man diskutieren kann. In seinen Thesen griff Luther den Ablasshandel an. Er wollte, dass die Gelehrten an der Universität darüber streiten. So eine Diskussion nach festen Regeln nannte man Disputation.

Oft hört man, dass Luther die Thesen an diesem Tag mit einem Hammer an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg genagelt hat. Ob das wirklich so war, ist unter Historikern umstritten. Sicher ist der Brief an den Erzbischof. Er trägt das Datum vom 31. Oktober 1517.

Die Thesen wurden bald gedruckt und verbreiteten sich in wenigen Wochen in ganz Deutschland. Damit begann die Reformation. Bis heute feiern evangelische Christen am 31. Oktober den Reformationstag. In mehreren Bundesländern ist er ein Feiertag, an dem die Schulen geschlossen sind.

Warum wurde Martin Luther aus der Kirche ausgeschlossen?

Martin Luther wurde aus der Kirche ausgeschlossen, weil er seine Lehren nicht zurücknehmen wollte. Nach den Thesen schrieb er immer mehr Bücher. Darin ging er viel weiter als beim Ablass. Er schrieb zum Beispiel, dass auch der Papst und große Kirchenversammlungen sich irren können. Für Luther stand allein die Bibel über allem. Diese Lehre nennt man „allein die Schrift“.

Im Juni 1520 drohte Papst Leo X. Luther in einem Schreiben mit dem Kirchenbann. Das bedeutete, dass er aus der Kirche ausgeschlossen würde. Ein solches päpstliches Schreiben heißt Bulle. Luther sollte innerhalb von 60 Tagen widerrufen, also sagen, dass seine Lehren falsch waren.

Luther tat das Gegenteil. Am 10. Dezember 1520 verbrannte er die Bulle vor einem Stadttor in Wittenberg, zusammen mit Büchern des Kirchenrechts. Viele Studenten sahen dabei zu. Daraufhin schloss der Papst Luther am 3. Januar 1521 aus der Kirche aus. Wer im Kirchenbann war, galt als Ketzer. So nannte man Menschen, die angeblich falsch über Gott lehrten. Ketzer konnten damals hingerichtet werden.

Was geschah mit Martin Luther auf dem Reichstag in Worms?

Auf dem Reichstag in Worms weigerte sich Martin Luther vor dem Kaiser, seine Schriften zu widerrufen. Ein Reichstag war eine große Versammlung, bei der der Kaiser mit den Fürsten und den Vertretern der Städte über wichtige Fragen beriet. Im Jahr 1521 fand er in Worms am Rhein statt. Kaiser war der junge Karl V.

Luthers Landesherr, Kurfürst Friedrich der Weise, schützte ihn. Er sorgte dafür, dass Luther vor dem Reichstag sprechen durfte. Der Kaiser versprach ihm freies Geleit. Das bedeutete, dass Luther auf dem Hin- und Rückweg niemand gefangen nehmen durfte.

Am 17. April 1521 stand Luther vor dem Kaiser und den Fürsten. Man legte ihm seine Bücher vor und fragte, ob er sie widerrufen wolle. Luther bat um einen Tag Bedenkzeit. Am 18. April antwortete er. Er sagte, er werde nur widerrufen, wenn man ihm mit der Bibel oder mit klaren Gründen zeige, dass er sich irre. Sein Gewissen sei an das Wort Gottes gebunden. Deshalb könne und wolle er nichts widerrufen.

Ein berühmter Satz soll von Luther in Worms stammen, nämlich „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ In dieser Form taucht er aber erst Jahre später auf. Ganz sicher hat Luther ihn so nicht gesagt.

Kurz darauf erließ der Kaiser das Wormser Edikt. Darin wurde die Reichsacht über Luther verhängt. Er war jetzt vogelfrei. Niemand durfte ihm helfen, ihm zu essen geben oder ihn verstecken. Jeder durfte ihn gefangen nehmen. Auch seine Bücher durften nicht mehr gedruckt und gelesen werden.

Warum versteckte sich Martin Luther auf der Wartburg?

Martin Luther versteckte sich auf der Wartburg, weil er nach dem Reichstag in Lebensgefahr war. Auf dem Heimweg von Worms ließ Kurfürst Friedrich ihn zum Schein überfallen. Bewaffnete Reiter brachten Luther heimlich auf die Wartburg bei Eisenach. Kaum jemand wusste, wo er war. Viele glaubten, er sei tot.

Auf der Burg lebte Luther vom 4. Mai 1521 bis zum 1. März 1522. Er ließ sich die Haare und einen Bart wachsen und trug die Kleidung eines Ritters. So wurde aus dem Mönch der Junker Jörg. Ein Junker war ein junger Adliger. In diesen zehn Monaten übersetzte Luther das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche. Wie er das schaffte, erklären wir im Beitrag über Luthers Bibelübersetzung.

Im März 1522 kehrte Luther nach Wittenberg zurück, obwohl er noch immer vogelfrei war. Dort lebte er bis zu seinem Tod. Kurfürst Friedrich und seine Nachfolger schützten ihn, sodass ihm niemand etwas tun konnte.

Was änderte Martin Luther in der Kirche?

Martin Luther sorgte dafür, dass die Menschen den Gottesdienst verstehen und mitmachen konnten. Bis dahin feierte der Priester die Messe auf Latein. Die meisten Menschen verstanden davon kein Wort. Luther führte den Gottesdienst auf Deutsch ein. Die Predigt, also die Erklärung der Bibel, bekam einen viel größeren Platz.

Die Gemeinde sollte außerdem selbst singen. Bis dahin sangen vor allem Priester, Mönche und Chöre. Luther schrieb rund 40 Kirchenlieder auf Deutsch. Eines der bekanntesten ist „Ein feste Burg ist unser Gott“. Bald gab es gedruckte Gesangbücher, aus denen alle mitsingen konnten.

Beim Abendmahl erinnern sich Christen an das letzte Essen von Jesus mit seinen Jüngern. Früher bekamen die einfachen Gläubigen nur das Brot, den Wein trank nur der Priester. In den evangelischen Gemeinden bekamen nun alle Brot und Wein.

Luther lehrte außerdem, dass Pfarrer heiraten dürfen. Viele Mönche und Nonnen verließen die Klöster. Weil die Menschen die Bibel selbst lesen sollten, setzte sich Luther dafür ein, dass Jungen und auch Mädchen in die Schule gehen. Für Kinder und Familien schrieb er einen kurzen Glaubensunterricht in Fragen und Antworten, den Kleinen Katechismus. Er erschien im Jahr 1529.

Im selben Jahr protestierten die Fürsten, die Luther folgten, auf einem Reichstag in Speyer gegen einen Beschluss des Kaisers. Seitdem nennt man die Anhänger der Reformation auch Protestanten.

Warum heiratete Martin Luther, obwohl er Mönch war?

Martin Luther heiratete, weil er zeigen wollte, dass Gott Mönchen, Nonnen und Priestern die Ehe nicht verbietet. In der katholischen Kirche durften Priester, Mönche und Nonnen nicht heiraten. Diese Regel heißt Zölibat. Als Mönch hatte Luther versprochen, sein Leben lang ehelos zu bleiben. So ein feierliches Versprechen vor Gott nennt man Gelübde.

Schon im Jahr 1520 schrieb Luther, dass der Zölibat nicht von Gott komme, sondern vom Papst. Auch die Gelübde der Mönche und Nonnen hielt er für unchristlich und deshalb nicht für bindend. Daraufhin verließen viele Mönche und Nonnen ihre Klöster. Im Jahr 1523 flohen zwölf Nonnen aus dem Kloster Nimbschen bei Grimma in Sachsen nach Wittenberg. Luther fühlte sich für sie verantwortlich, weil sie wegen seiner Lehre geflohen waren. Er half, für sie eine Unterkunft oder einen Ehemann zu finden. Eine dieser Nonnen war Katharina von Bora.

Selbst heiraten wollte Luther lange nicht. Noch im November 1524 schrieb er an einen Freund, dass er jeden Tag damit rechne, als Ketzer hingerichtet zu werden. Ein halbes Jahr später änderte er seine Meinung. Am 13. Juni 1525 heiratete er Katharina von Bora. In seinen Briefen nannte er dafür mehrere Gründe. Sein Vater hatte sich schon lange gewünscht, dass er heiratet. Vor allem wollte Luther mit seiner eigenen Ehe zeigen, dass er selbst so lebte, wie er es lehrte.

Viele Freunde von Luther erschraken über die Hochzeit. Sie fürchteten, dass die Ehe eines Mönchs mit einer Nonne der Reformation schaden würde. Luthers Gegner verbreiteten böse Gerüchte über das Paar. Trotzdem hatte die Hochzeit eine große Wirkung. Mit Luthers Familie entstand das evangelische Pfarrhaus, also ein Pfarrer, der mit Frau und Kindern lebt. Bis heute dürfen evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer heiraten. In der katholischen Kirche gilt der Zölibat für Priester dagegen bis heute.

Gemälde von Katharina von Bora, der Ehefrau von Martin Luther
Katharina von Bora, gemalt von Lucas Cranach dem Älteren. Sie war die Ehefrau von Martin Luther. Foto: Lucas Cranach der Ältere, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Wie lebte Martin Luther mit seiner Familie?

Martin Luther lebte mit seiner Familie in einem großen Haus voller Menschen. Der Kurfürst schenkte den beiden das ehemalige Kloster in Wittenberg, in dem Luther früher als Mönch gewohnt hatte. Man nannte es das Schwarze Kloster, weil die Augustinermönche schwarze Kutten getragen hatten. Heute heißt es Lutherhaus und ist ein Museum.

Katharina und Martin bekamen sechs Kinder, drei Söhne und drei Töchter. Sie hießen Johannes, Elisabeth, Magdalena, Martin, Paul und Margarethe. Elisabeth starb schon als Baby. Magdalena starb mit 13 Jahren. Luther war darüber sehr traurig.

Im Haus wohnten außerdem Verwandte, Kinder von Luthers Schwester, Diener und viele Studenten. Die Studenten zahlten für Zimmer und Essen. Den großen Haushalt und das Geld verwaltete Katharina von Bora. Dadurch hatte Luther Zeit für seine Arbeit als Professor, Prediger und Schriftsteller.

Beim Essen saßen deshalb viele Menschen am Tisch. Luther redete dabei gern über Gott und die Welt. Die Studenten schrieben mit, was er sagte. Diese Aufzeichnungen nennt man Tischreden.

Für seine Kinder schrieb Luther das Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“. Es wurde 1535 zum ersten Mal gedruckt und heißt dort „Ein Kinderlied auf die Weihnacht Christi“. Luther wollte auch, dass die Kinder ihre Geschenke nicht mehr vom heiligen Nikolaus bekommen, sondern an Weihnachten im Namen von Jesus Christus. Daraus wurde der Brauch vom Christkind.

Das Lutherhaus in Wittenberg, ein großes helles Gebäude mit Turm
Das Lutherhaus in Wittenberg. Hier lebte Martin Luther erst als Mönch und später mit seiner Familie. Foto: Falk2, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Welche Schattenseiten hatte Martin Luther?

Martin Luther hat auch Dinge geschrieben, die schweres Unrecht waren und die heute auch die evangelische Kirche klar ablehnt. Zwei Beispiele sind besonders wichtig.

Das erste Beispiel ist der Bauernkrieg im Jahr 1525. Viele Bauern lebten damals in großer Armut und mussten ihren Herren hohe Abgaben zahlen. Sie beriefen sich auf Luthers Lehre von der Freiheit eines Christen und forderten mehr Rechte. Als die Bauern zu den Waffen griffen und Burgen und Klöster überfielen, stellte sich Luther auf die Seite der Fürsten. In einer Schrift forderte er sie auf, die aufständischen Bauern zu töten. Im Bauernkrieg starben Zehntausende Bauern.

Das zweite Beispiel ist Luthers Hass auf die Juden. In jungen Jahren schrieb er noch, dass man Juden freundlich behandeln solle. Im Alter änderte er seine Meinung, weil die Juden nicht zum christlichen Glauben übertraten. Im Jahr 1543 veröffentlichte er eine Schrift mit dem Titel „Von den Juden und ihren Lügen“. Darin forderte er, ihre Synagogen anzuzünden, ihre Häuser zu zerstören und sie aus dem Land zu vertreiben. Die Nationalsozialisten beriefen sich später auf diese Schrift, um ihre Verbrechen an den Juden zu rechtfertigen.

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat sich im Jahr 2015 ausdrücklich von Luthers Judenhass distanziert. Sie sieht darin eine große Schuld und setzt sich heute gegen jede Form von Judenfeindschaft ein.

Wann und wo starb Martin Luther?

Martin Luther starb am 18. Februar 1546 in Eisleben, also in der Stadt, in der er auch geboren wurde. Er war 62 Jahre alt. Schon lange war er krank. Er hatte Probleme mit dem Herzen und litt unter Nierensteinen.

Im Winter 1546 war Luther nach Eisleben gereist, um einen Streit zwischen den Grafen von Mansfeld zu schlichten. Dort ging es ihm immer schlechter. In der Nacht zum 18. Februar starb er. Sein Leichnam wurde nach Wittenberg gebracht und in der Schlosskirche begraben. Sein Grab ist dort bis heute zu sehen.

Warum ist Martin Luther heute noch wichtig?

Martin Luther ist heute noch wichtig, weil er die Kirche und auch die deutsche Sprache stark verändert hat. Durch die Reformation entstanden die evangelischen Kirchen. Weltweit gehören heute viele Millionen Menschen einer lutherischen Kirche an, vor allem in Deutschland, in Skandinavien und in den USA.

Seine Bibelübersetzung lasen fast alle Menschen, die in Deutschland lesen konnten. Weil sie in ganz Deutschland verbreitet war, half sie dabei, dass sich eine gemeinsame deutsche Schriftsprache durchsetzte. Viele Wörter und Redewendungen, die wir heute benutzen, kommen aus Luthers Bibel.

Die Orte, an denen Luther lebte, kann man heute besuchen. Eisleben und Wittenberg tragen deshalb den Beinamen Lutherstadt. Die Gedenkstätten in beiden Städten gehören seit 1996 zum Welterbe der UNESCO. Das ist eine Liste von Orten auf der ganzen Welt, die für alle Menschen besonders wertvoll sind.

Zum Weiterdenken

Martin Luther hat viel Mut bewiesen, als er vor dem Kaiser bei seiner Meinung blieb. Er hat aber auch Menschen großes Unrecht getan. Kann ein Mensch gleichzeitig mutig sein und schlimme Fehler machen? Und wie sollte man heute an so einen Menschen erinnern?

Quellen: Luther 2017: Leben und Wirken, Lutherstadt Wittenberg: Martin Luther, Deutschlandfunk: Luthers Geburtsstadt Eisleben, Mitteldeutscher Rundfunk: Martin Luther und der Reichstag zu Worms, Staatsbibliothek zu Berlin: Luther in Worms, Evangelisch.de: Als Luther den Brief des Papstes verbrannte, Lutherstadt Wittenberg: Katharina von Bora, SWR: Martin Luther heiratet Katharina von Bora, Evangelische Kirche in Deutschland: Die EKD-Synode distanziert sich von Luthers Judenfeindschaft, Bayerischer Rundfunk: Die protestantische Bewegung kommt in Schwung und Deutschlandfunk: Nur durch Glauben erlangt der Mensch die Gnade Gottes.

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