Die kurze Antwort
Der Nikolaustag ist am 6. Dezember. Am Abend davor stellen Kinder ihre geputzten Stiefel vor die Tür, und am Morgen sind Nüsse, Mandarinen und Süßigkeiten darin. Manchmal kommt der Nikolaus auch selbst zu Besuch. Das Fest erinnert an Nikolaus von Myra. Er war vor etwa 1.700 Jahren Bischof in einer Stadt in der heutigen Türkei. Über sein Leben weiß man nur wenig, aber es gibt viele Legenden über ihn. In einer davon schenkt er drei armen Mädchen heimlich Gold. Daher kommt der Brauch, in der Nikolausnacht heimlich zu schenken.

Was ist der Nikolaustag?
Der Nikolaustag ist der Gedenktag des heiligen Nikolaus von Myra. Ein Gedenktag ist ein Tag im Jahr, an dem die Kirche an einen bestimmten Heiligen denkt.
Für Kinder ist der Nikolaustag vor allem ein Tag mit kleinen Geschenken. Zu dem Fest gehören mehrere Bräuche:
- Kinder stellen am Abend des 5. Dezember geputzte Stiefel oder Schuhe vor die Tür, die in der Nacht gefüllt werden.
- In manchen Familien, Kindergärten und Schulen kommt ein verkleideter Nikolaus zu Besuch.
- Oft begleitet ihn eine dunkle Gestalt, zum Beispiel Knecht Ruprecht oder der Krampus.
- Man backt Gebäck, liest Nikolausgeschichten vor und singt Nikolauslieder.
Der Nikolaustag ist in Deutschland kein gesetzlicher Feiertag. Schulen und Geschäfte haben also ganz normal geöffnet, wenn der 6. Dezember auf einen Werktag fällt.
Wann ist Nikolaus?
Nikolaus ist jedes Jahr am 6. Dezember. Im Jahr 2026 fällt der Nikolaustag auf einen Sonntag. Die Stiefel stellt man also am Samstag, dem 5. Dezember 2026, vor die Tür.
Der 6. Dezember gilt als Todestag des heiligen Nikolaus. Bei Heiligen feiert die Kirche meistens nicht den Geburtstag, sondern den Tag, an dem sie gestorben sind. Christen glauben nämlich, dass ein Heiliger an diesem Tag zu Gott in den Himmel gekommen ist. In welchem Jahr Nikolaus gestorben ist, weiß man nicht genau. Der Tag, der 6. Dezember, wird aber in allen Überlieferungen gleich genannt.
Die russisch-orthodoxe Kirche und einige andere orthodoxe Kirchen feiern den Nikolaustag erst am 19. Dezember. Das liegt daran, dass ihre Kirchen noch nach einem älteren Kalender rechnen, dem julianischen Kalender. Er ist unserem heutigen Kalender um 13 Tage hinterher. Ihr 6. Dezember fällt deshalb auf unseren 19. Dezember.
Wer war der heilige Nikolaus?
Der heilige Nikolaus war ein christlicher Bischof, der vor etwa 1.700 Jahren in der Stadt Myra in der heutigen Türkei lebte. Ein Bischof ist ein Priester, der die Christen in einer Stadt und ihrer Umgebung leitet. Weil er Bischof von Myra war, nennt man ihn auch Nikolaus von Myra.
Als Bischof feierte Nikolaus die Gottesdienste, leitete die Christen seiner Stadt und sorgte für die Armen. Zu seiner Zeit wurden Christen im Römischen Reich verfolgt. Nikolaus blieb trotzdem bei seinem Glauben, obwohl man ihn dafür einsperrte und folterte. Nach seinem Tod erzählte man sich viele Legenden, in denen er Menschen in Not hilft, oft heimlich. In einer davon schenkt er armen Mädchen heimlich Gold, in einer anderen beschützt er Schüler. Deshalb wurde der Bischof aus Myra zum Vorbild für den Nikolaus, der am 6. Dezember den Kindern Geschenke bringt.
Man sagt auch Sankt Nikolaus. Das Wort Sankt kommt vom lateinischen Wort sanctus und bedeutet „heilig“. Ein Heiliger ist ein Mensch, den die Kirche nach seinem Tod als besonderes Vorbild verehrt.
Der Name Nikolaus ist griechisch und bedeutet „Sieg des Volkes“. In Griechenland ist er bis heute ein häufiger Vorname. Dort heißt er Nikólaos, mit der Betonung auf dem o. Auch die Namen Klaus, Niklas, Nico und Nicole kommen von Nikolaus.
Die nächsten Fragen erzählen das Leben des Nikolaus der Reihe nach, von der Geburt bis zum Tod. Danach folgen die Legenden über ihn.
Wann und wo lebte Nikolaus?
Nikolaus lebte vor etwa 1.700 Jahren in Lykien, einer Landschaft an der Südküste der heutigen Türkei. Er wurde wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts in der Hafenstadt Patara geboren. Meistens wird das Jahr 280 genannt.
Die Türkei gab es damals noch nicht. Lykien gehörte zum Römischen Reich, einem riesigen Staat rund um das Mittelmeer. Die Menschen in Lykien sprachen Griechisch. Nikolaus war also kein Türke, sondern ein griechisch sprechender Bürger des Römischen Reiches.
Über seine Kindheit gibt es nur Legenden. Die bekannteste Sammlung von Heiligenlegenden aus dem Mittelalter heißt Legenda aurea, das bedeutet „goldene Legende“. Sie wurde im 13. Jahrhundert aufgeschrieben. Nach diesem Buch hatte Nikolaus fromme und reiche Eltern. Sein Vater hieß Epiphanius und seine Mutter Johanna. Schon als Junge ging Nikolaus lieber in die Kirche, als mit den anderen Jungen zu feiern. Seine Eltern starben früh, und er erbte ihr ganzes Vermögen. Nikolaus wollte das Geld nicht für sich selbst ausgeben, sondern armen Menschen damit helfen.
Wie wurde Nikolaus Bischof von Myra?
Nach der Überlieferung wurde Nikolaus mit etwa 19 Jahren zum Priester geweiht und wenig später Bischof der Nachbarstadt Myra. Ein Priester ist ein Mann, den die Kirche dafür bestimmt hat, Gottesdienste zu feiern. Die Stadt heißt heute Demre und liegt etwa 100 Kilometer südwestlich der türkischen Großstadt Antalya. Myra lag einige Kilometer vom Meer entfernt und hatte einen eigenen Hafen. Er hieß Andriake. Dort machten viele große Handelsschiffe Halt, die zwischen Ägypten und dem Westen des Römischen Reiches unterwegs waren.
Wie Nikolaus genau Bischof wurde, weiß man nicht. Die Legenda aurea erzählt, dass Gott selbst ihn ausgewählt habe. Nikolaus lebte inzwischen in Myra, als dort der alte Bischof starb. Deshalb kamen die Bischöfe aus der Umgebung zusammen, um einen Nachfolger zu wählen. Einer von ihnen war besonders angesehen, und die anderen sollten sich nach seiner Entscheidung richten. Er bat alle, zu fasten und zu beten. In der Nacht hörte er eine Stimme. Sie sagte ihm, er solle am frühen Morgen an der Tür der Kirche warten. Der erste Mensch, der zum Morgengebet in die Kirche komme und Nikolaus heiße, solle der neue Bischof werden.
Der Bischof wartete an der Tür. Als Erster kam Nikolaus, der von alledem nichts wusste. Der Bischof hielt ihn an und fragte nach seinem Namen. Nikolaus verneigte sich und antwortete, er heiße Nikolaus und sei ein Diener des Bischofs. Da führten ihn die Bischöfe in die Kirche und setzten ihn auf den Stuhl des Bischofs, obwohl er sich dagegen wehrte. Die Legende will damit zeigen, dass Nikolaus bescheiden war und das Amt nicht für sich selbst wollte.

Warum wurde Nikolaus verhaftet?
Nikolaus wurde verhaftet und gefoltert, weil er Christ war. Das geschah um das Jahr 310 in Myra, nach der Überlieferung kurz nachdem er dort Bischof geworden war.
Im Römischen Reich herrschte damals eine besonders harte Christenverfolgung. Bei einer Christenverfolgung ließen die Kaiser Christen verhaften, foltern oder töten, weil sie die römischen Götter nicht verehren wollten. Im Jahr 303 befahl Kaiser Diokletian, die Kirchen abzureißen und die heiligen Schriften der Christen zu verbrennen. Kurz darauf folgte ein zweiter Befehl. Überall sollten zuerst die Vorsteher der Kirchen verhaftet und gezwungen werden, den römischen Göttern Opfer zu bringen. Die Vorsteher der Kirchen waren die Bischöfe und Priester. Als Bischof von Myra gehörte Nikolaus also zu den Ersten, die verhaftet werden sollten.
Dass Nikolaus als Christ verhaftet und gefoltert wurde, gehört zu den wenigen Dingen, die Fachleute über sein Leben für sicher halten. Nicht ganz sicher ist nur, ob er damals schon Bischof war. Ein Historiker der Österreichischen Akademie der Wissenschaften meint, dass Nikolaus erst nach seiner Verhaftung Bischof wurde.
Nikolaus überlebte die Folter. Als die Verfolgung zu Ende ging, kam er wieder frei. Im Jahr 313 erlaubten die Kaiser Konstantin und Licinius den Christen, ihren Glauben frei zu leben. Von da an konnte Nikolaus die Christen in Myra offen leiten. Zwölf Jahre später rief Kaiser Konstantin die Bischöfe seines Reiches zu einer großen Versammlung zusammen.
War Nikolaus beim Konzil von Nicäa?
Ob Nikolaus im Jahr 325 beim Konzil von Nicäa war, ist nicht sicher. Ein Konzil ist eine große Versammlung von Bischöfen, bei der wichtige Fragen des Glaubens entschieden werden. Die Stadt Nicäa heißt heute İznik und liegt ebenfalls in der Türkei.
Das Konzil von Nicäa war das erste Konzil dieser Art. Konstantin rief dazu die Bischöfe seines ganzen Reiches zusammen. Sie sollten einen Streit beenden, der die Christen damals spaltete. Ein Priester namens Arius lehrte, dass Jesus nicht im gleichen Maß Gott sei wie Gott der Vater. Die meisten Bischöfe hielten das für falsch. Als Bischof von Myra hätte Nikolaus zu dem Konzil eingeladen sein können. Deshalb fragen sich Forscher, ob er dabei war.
Von der Liste der Bischöfe, die dabei waren, gibt es kein Original mehr. Es gibt nur spätere Abschriften. Forscher kennen 16 solcher Listen. In 10 Listen fehlt Nikolaus, in 6 Listen steht er. Die älteste Liste mit seinem Namen entstand um das Jahr 515, also fast 200 Jahre nach dem Konzil.
Man erzählt sich auch, Nikolaus habe auf dem Konzil dem Arius eine Ohrfeige gegeben. Diese Geschichte ist aber erst mehr als 1.000 Jahre nach dem Konzil aufgeschrieben worden. Fachleute halten sie deshalb für erfunden.
Wann starb Nikolaus?
Nikolaus starb an einem 6. Dezember, wahrscheinlich zwischen den Jahren 345 und 351. Warum man deshalb am 6. Dezember feiert, steht oben bei der Frage „Wann ist Nikolaus?“.
Er wurde in Myra begraben. Die Legenda aurea nennt als Todesjahr 343 und erzählt, dass bei seinem Tod ein himmlischer Gesang zu hören war. Aus seinem Grab aus Marmor sei danach heiliges Öl geflossen, das gegen Krankheiten helfen sollte. Woher man das alles weiß und wie sicher es ist, erklärt die nächste Frage.
Gab es den Nikolaus wirklich?
Fachleute halten es für wahrscheinlich, dass es den Bischof Nikolaus von Myra wirklich gab. Sicher wissen sie aber nur sehr wenig über ihn.
Das Problem ist, dass es aus seiner Lebenszeit keinen einzigen Text über ihn gibt. Er hat selbst nichts aufgeschrieben, und niemand, der ihn kannte, hat über ihn berichtet. Zwei Männer, die zur gleichen Zeit lebten und viel über die Kirche geschrieben haben, erwähnen ihn nicht. Sie hießen Eusebius von Caesarea und Athanasius.
Der erste Hinweis auf Nikolaus stammt aus der Zeit um das Jahr 564, also etwa 200 Jahre nach seinem Tod. In einer Lebensbeschreibung aus dieser Zeit steht, dass ein Mann zum Grab des heiligen Nikolaus in Myra gepilgert ist. Daraus folgt, dass man das Grab damals schon verehrte. Einen Menschen, den es nie gegeben hat, hätte man wohl nicht an einem Grab verehrt.
Sicher sind deshalb nur wenige Dinge. Dazu gehören seine Geburt in Patara, seine Verhaftung als Christ, sein Amt als Bischof von Myra und sein Tod in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts. Fast alles andere, was man über Nikolaus erzählt, sind Legenden. Eine Legende ist eine Erzählung über einen Heiligen, die zeigen soll, was für ein guter Mensch er war. Ob die Dinge wirklich so passiert sind, weiß man nicht.
Welche Legenden gibt es über den Nikolaus?
Über den Nikolaus gibt es fünf bekannte Legenden. Sie erzählen von den drei Mädchen, vom Kornwunder, von der Rettung der Seeleute, von der Rettung dreier unschuldiger Männer und von den Schülern im Fass. Einige dieser Geschichten stammen vermutlich gar nicht von Nikolaus von Myra, sondern von einem zweiten Mann mit demselben Namen.
Dieser zweite Mann war Nikolaus von Sion. Er lebte etwa 200 Jahre später als Abt im Kloster Sion in der Nähe von Myra. Ein Abt ist der Leiter eines Klosters. Später wurde er Bischof der Stadt Pinara und starb am 10. Dezember 564.
Im 10. Jahrhundert schrieb ein Mann namens Symeon Metaphrastes eine Lebensbeschreibung des heiligen Nikolaus. Darin vermischte er das Leben der beiden Bischöfe. Sein Buch wurde viel gelesen und abgeschrieben. Deshalb erzählte man die Taten beider Männer bald nur noch von einem einzigen Nikolaus. Das fanden Forscher heraus, als sie die alten Texte genau miteinander verglichen.
Was ist die Legende von den drei Mädchen?
Die Legende von den drei Mädchen spielt, als Nikolaus noch ein junger Mann war und gerade das Vermögen seiner Eltern geerbt hatte. Mit diesem Geld schenkte er einer armen Familie heimlich Gold. Sie ist die bekannteste Nikolauslegende und der Grund dafür, dass der Nikolaus Geschenke bringt.
In seiner Heimatstadt lebte ein Mann, der früher reich gewesen und dann völlig verarmt war. Er hatte drei Töchter. Damals brauchte eine junge Frau zum Heiraten eine Mitgift. Das war Geld oder Besitz, den die Familie der Braut mit in die Ehe gab. Ohne Mitgift wollte niemand die Töchter heiraten. Der Vater wusste nicht mehr, wovon die Familie leben sollte. Deshalb wollte er seine Töchter zwingen, für Geld mit fremden Männern mitzugehen.
Nikolaus hörte davon. Er schlich nachts zu dem Haus und warf einen Beutel voll Gold durch das Fenster. Davon konnte die älteste Tochter heiraten. In einer zweiten Nacht warf er wieder einen Beutel hinein, und die zweite Tochter konnte heiraten. Beim dritten Mal rannte der Vater dem Unbekannten hinterher, holte ihn ein und erkannte Nikolaus. Weinend bedankte er sich bei ihm.
In einer späteren Fassung der Legende warf Nikolaus das Gold durch den Kamin. Es fiel in die Strümpfe der Mädchen, die dort zum Trocknen hingen. Weil Nikolaus heimlich half und keinen Dank wollte, schenkt man in der Nikolausnacht bis heute heimlich. Auf Bildern hält Nikolaus deshalb oft drei goldene Kugeln oder drei goldene Äpfel in der Hand.

Was ist das Kornwunder?
Das Kornwunder spielt in der Zeit, als Nikolaus schon Bischof von Myra war. In dieser Legende rettet er die Menschen der Stadt vor dem Verhungern, mit Getreide von Schiffen im Hafen von Myra. Zu den Aufgaben eines Bischofs gehörte es damals auch, für die Armen und Hungernden seiner Stadt zu sorgen.
Dass die Legende gerade von Getreideschiffen erzählt, passt zu Myra. Ägypten baute damals so viel Getreide an, dass es damit einen großen Teil des Römischen Reiches versorgte. Die Getreideschiffe aus Ägypten fuhren nach Westen und machten unterwegs im Hafen Andriake Halt. Kaiser Hadrian hatte dort schon um das Jahr 130 einen riesigen Getreidespeicher bauen lassen. Das ist ein Gebäude, in dem man Getreide trocken lagert. Der Getreidespeicher von Andriake steht bis heute und ist jetzt ein Museum.
In Lykien herrschte eine Hungersnot. Das bedeutet, dass es so wenig zu essen gab, dass Menschen verhungerten. Da legten im Hafen Andriake mehrere Schiffe aus Alexandria in Ägypten an. Sie hatten Getreide geladen, das für den Kaiser in Konstantinopel bestimmt war. Nikolaus bat die Seeleute, etwas davon abzugeben. Die Seeleute lehnten ab, denn das Korn war genau abgewogen. Wenn in Konstantinopel etwas fehlte, würden sie bestraft.
Nikolaus versprach ihnen, dass ihnen nichts passieren würde. Sie sollten von jedem Schiff nur hundert Scheffel abgeben. Ein Scheffel war ein altes Maß für Getreide. Die Seeleute gaben das Korn ab und fuhren weiter. Als ihre Ladung in Konstantinopel gewogen wurde, fehlte nichts. Das Getreide, das Nikolaus verteilte, reichte dagegen zwei Jahre lang für die ganze Stadt, und es blieb sogar noch Saatgut für die Felder übrig.
Wie rettete Nikolaus die Seeleute?
Auch diese Legende spielt in der Zeit, als Nikolaus Bischof von Myra war. Sie erzählt, dass er Seeleuten in einem schweren Sturm erschien und ihr Schiff rettete.
Ein Schiff war in Seenot geraten. Die Matrosen hatten schon von dem frommen Bischof Nikolaus gehört und riefen ihn um Hilfe an. Da stand plötzlich ein Mann bei ihnen an Bord. Er sprach ihnen Mut zu, packte überall mit an und steuerte das Schiff, bis sich der Sturm legte. Danach war er verschwunden. Als die Seeleute später in die Kirche von Myra kamen, sahen sie dort den Bischof Nikolaus. Sie hatten ihn noch nie gesehen, erkannten in ihm aber sofort ihren Retter. Sie dankten ihm, und er ermahnte sie, ein anständiges Leben zu führen.
Wegen dieser Legende wurde Nikolaus der Schutzpatron der Seefahrer. Ein Schutzpatron ist ein Heiliger, von dem Christen glauben, dass er eine bestimmte Gruppe von Menschen besonders beschützt. Aus dieser Legende entstand später ein Brauch zum Nikolaustag. Davon erzählt weiter unten die Frage, warum der Nikolaus Geschenke bringt.
Wie rettete Nikolaus drei unschuldige Männer?
Diese Legende spielt nach dem Ende der Christenverfolgung, als Kaiser Konstantin regierte und Nikolaus Bischof von Myra war. Sie erzählt, wie Nikolaus drei unschuldig verurteilte Männer vor dem Tod bewahrte. Es ist die älteste Legende über Nikolaus.
Man nennt die Geschichte Stratelatenlegende. Stratelat ist ein griechisches Wort für Feldherr, also für einen Anführer von Soldaten.
Konstantin schickte drei Feldherren mit einem Heer los, um einen Aufstand zu beenden. Ein Sturm trieb ihre Schiffe nach Andriake, in den Hafen von Myra. Dort lud Nikolaus die drei Feldherren zum Essen ein. In dieser Zeit hatte der Statthalter von Myra Geld angenommen und dafür drei unschuldige Männer zum Tod verurteilt. Ein Statthalter ist ein Beamter, der eine Provinz im Namen des Kaisers regiert. Nikolaus eilte mit den drei Feldherren zum Richtplatz. Er riss dem Henker das Schwert aus der Hand und befreite die drei Männer. Den Statthalter stellte er zur Rede, bis dieser seine Tat gestand.
Die Geschichte geht noch weiter. Die drei Feldherren kehrten nach Konstantinopel zurück. Dort beschuldigte sie ein neidischer Beamter des Verrats, und der Kaiser ließ sie ins Gefängnis werfen und zum Tod verurteilen. Im Kerker erinnerten sie sich an Nikolaus und baten ihn um Hilfe. In der Nacht erschien Nikolaus dem Kaiser im Traum und forderte ihn auf, die drei Unschuldigen freizulassen. Am nächsten Morgen ließ der Kaiser die Gefangenen frei und schickte sie mit Geschenken nach Myra.
Wegen dieser Legende gilt Nikolaus auch als Schutzpatron der Gefangenen. In dieser Legende hilft also ein Mann den Gefangenen, der selbst wegen seines Glaubens im Gefängnis gesessen hatte.
Was ist die Legende von den Schülern im Fass?
Die Legende von den Schülern im Fass ist viel jünger als die anderen. Man findet sie erst ab dem 12. Jahrhundert, also etwa 800 Jahre nach dem Tod des Nikolaus. Darin erweckt Nikolaus Jungen wieder zum Leben, die ein Gastwirt getötet hatte. Damals wurde Nikolaus in Westeuropa immer beliebter, und man erzählte sich dort neue Geschichten über ihn.
Im Jahr 1274 schrieb ein Mönch namens Bonaventura die Geschichte so auf. Zwei Schüler waren auf dem Weg nach Athen, um dort zu studieren. Am Abend baten sie einen Gastwirt um ein Bett für die Nacht. Der Wirt war habgierig und brachte die beiden in der Nacht um. Er versteckte ihre Körper in einem Fass, in dem Fleisch mit Salz haltbar gemacht wurde. So ein Fass nennt man Pökelfass. Kurz darauf kam Nikolaus in das Gasthaus. Er durchschaute das Verbrechen und erweckte die Schüler wieder zum Leben. In späteren Fassungen sind es drei Schüler statt zwei.
Woher die Geschichte kommt, weiß man nicht genau. Eine Erklärung ist, dass Menschen alte Bilder falsch verstanden haben. Auf Bildern der Stratelatenlegende malte man die drei Gefangenen nämlich klein in einem engen Turm. Der Turm sah aus wie ein Fass, und die Gefangenen sahen aus wie Kinder.
Durch diese Legende wurde Nikolaus zum Schutzpatron der Schüler und der Kinder. Was daraus an den Schulen entstand, erklärt weiter unten die Frage, warum der Nikolaus Geschenke bringt.
Wie wurde Nikolaus so berühmt?
Nikolaus wurde berühmt, weil man ihn nach seinem Tod zuerst in der Hauptstadt Konstantinopel und dann in ganz Europa verehrte. Myra war eine Handelsstadt mit einem großen Hafen. Seeleute erzählten die Geschichten über Nikolaus in anderen Häfen weiter.
Im 6. Jahrhundert ließ Kaiser Justinian in Konstantinopel eine Kirche für Nikolaus bauen. Konstantinopel heißt heute Istanbul und war damals die Hauptstadt des Oströmischen Reiches. Von dort aus breitete sich die Verehrung nach Griechenland, nach Osteuropa und nach Russland aus. In Russland wurde Nikolaus sogar der Schutzpatron des ganzen Landes. In Deutschland, Frankreich und England verehrt man ihn seit dem 10. Jahrhundert. Bis zum 15. Jahrhundert gab es in Europa schon mehr als 2.000 Kirchen und Orte, an denen man zu ihm betete.
Zu den Seeleuten und den Gefangenen aus den Legenden kamen weitere Gruppen, die Nikolaus als Schutzpatron verehren, zum Beispiel Reisende, Kaufleute und junge Frauen, die heiraten wollen. Die jungen Frauen kommen aus der Legende von den drei Mädchen.
In der orthodoxen Kirche, zum Beispiel in Griechenland und Russland, ist Nikolaus einer der wichtigsten Heiligen überhaupt. Dort malt man ihn auf Ikonen. Eine Ikone ist ein heiliges Bild, meistens auf Holz gemalt, das die Gläubigen in der Kirche und zu Hause verehren. Weil Nikolaus so berühmt war, wollte bald auch eine Stadt in Italien seine Knochen haben.
Was geschah mit den Knochen des Nikolaus?
Die Knochen des Nikolaus liegen heute nicht mehr in Myra, sondern in der Stadt Bari in Süditalien. Seeleute und Kaufleute aus Bari haben sie im Jahr 1087 aus seinem Grab in Myra gestohlen.
Damals hatten berühmte Reliquien einen großen Wert für eine Stadt. Reliquien sind Überreste eines Heiligen, zum Beispiel seine Knochen. Viele Pilger reisten zu solchen Reliquien, um dort zu beten. Pilger sind Menschen, die aus religiösen Gründen zu einem heiligen Ort reisen. Die Pilger brachten Geld in die Stadt. Deshalb fuhren 62 Seeleute aus Bari nach Myra und holten die Knochen gegen den Widerstand der Mönche dort aus dem Grab.
Ein Mann aus Bari namens Nikephoros schrieb kurz danach genau auf, was passiert war. Die Schiffe fuhren am 11. April 1087 in Myra ab und kamen am 9. Mai in Bari an. Für die Reise der Knochen gibt es also einen Bericht von Augenzeugen. Für das Leben des Nikolaus gibt es so einen Bericht nicht. Zwei Jahre später legte Papst Urban II. die Knochen in das Grab unter dem Altar der neuen Basilika San Nicola in Bari. Eine Basilika ist eine große, besonders wichtige Kirche.
Im Jahr 1953 öffnete man das Grab in Bari und untersuchte die Knochen. Sie stammen von einem Mann, der etwa 1,67 Meter groß war und mit über 70 Jahren starb. Ob es wirklich die Knochen von Nikolaus sind, lässt sich heute aber nicht mehr beweisen. In der Kirche von Demre kann man noch einen alten Steinsarg mit aufgebrochener Seitenwand sehen.

Warum bringt der Nikolaus Geschenke?
Der Nikolaus bringt Geschenke, weil er in der Legende den drei Mädchen heimlich Gold schenkte und weil er der Schutzpatron der Kinder ist. Dazu kam ein Spiel an mittelalterlichen Schulen, das man Kinderbischofsfest nennt.
An Schulen in Klöstern und an großen Kirchen wählten die Schüler im Mittelalter einen Mitschüler zum Bischof. Dieser Kinderbischof zog echte Bischofskleidung mit Mitra und Stab an. Für eine kurze Zeit durfte er über die anderen bestimmen. Er lobte und tadelte die Schüler und verteilte Süßigkeiten als Belohnung. In Hamburg schrieb die Leitung des Doms im Jahr 1305 genaue Regeln auf, wie der Kinderbischof gewählt werden sollte. Er musste sogar im Gottesdienst vor den Erwachsenen predigen.
Ursprünglich fand das Kinderbischofsfest am 28. Dezember statt, dem Fest der Unschuldigen Kinder. Weil Nikolaus der Schutzpatron der Schüler geworden war, legte man den Beginn des Festes auf den 6. Dezember. So kamen die Belohnungen für brave Kinder zum Nikolaustag.
Auch die Legende von den Seeleuten spielt eine Rolle. Weil Nikolaus der Schutzpatron der Seefahrer ist, stellten Kinder ihm seit dem 15. Jahrhundert kleine Schiffchen aus Papier hin, in die er in der Nacht seine Gaben legen sollte. Dass der Nikolaus selbst den Kindern Geschenke bringt, ist zum ersten Mal im Jahr 1555 aufgeschrieben. Wie aus den Schiffchen später Schuhe und Stiefel wurden, erklärt der Artikel Nikolausstiefel.
Warum kommt der Nikolaus zu Besuch?
Der Nikolaus kommt zu Besuch, weil die Kirche den Nikolaustag vor etwa 400 Jahren zu einem Tag machte, an dem man die Kinder lobte und ermahnte. Diesen Brauch nennt man Einkehrbrauch. Einkehren ist ein altes Wort für „bei jemandem zu Besuch kommen“.
Im 16. Jahrhundert spaltete sich die Kirche. Diese Zeit nennt man Reformation, aus ihr entstand die evangelische Kirche. Die Evangelischen lehnten die Verehrung von Heiligen ab. In evangelischen Familien brachte deshalb nicht mehr der Nikolaus die Geschenke, sondern an Weihnachten der „Heilige Christ“, aus dem das Christkind wurde. Die katholische Kirche reagierte darauf und gab dem Nikolaustag eine neue Aufgabe. Ein als Nikolaus verkleideter Erwachsener besuchte nun die Familien mit Kindern. Er fragte die Kinder, ob sie ihre Gebete gesprochen und ihren Eltern gehorcht hatten. Die Fleißigen bekamen eine Belohnung, die anderen wurden ermahnt. Als Vorbild diente der Besuch eines echten Bischofs, der regelmäßig die Gemeinden in seinem Bistum besuchte und prüfte.
In Wien kamen Nikolaus und Krampus nachweislich schon im 17. Jahrhundert zusammen in die Häuser, meistens am Abend des 5. Dezember. Die Kinder mussten vorher das Vaterunser und das Einmaleins auswendig lernen.
Heute sind Hausbesuche des Nikolaus seltener geworden. Viele Kinder treffen ihn im Kindergarten, in der Schule oder auf dem Weihnachtsmarkt. Fachleute für Kinder raten dazu, dass der Nikolaus den Kindern keine Angst macht und vor allem das Gute lobt.

Warum trägt der Nikolaus eine Mitra und einen Bischofsstab?
Der Nikolaus trägt Mitra und Bischofsstab, weil das die Zeichen eines katholischen Bischofs sind.
Die Mitra ist eine hohe Mütze mit zwei Spitzen, meistens mit einem Kreuz darauf. Hinten hängen zwei breite Bänder bis auf die Schultern herab. Der Bischofsstab ist ein langer Stab, der oben eingerollt ist. Er sieht aus wie der Stab eines Hirten. Mit so einem Stab fingen Hirten früher Schafe ein. Der Stab bedeutet, dass ein Bischof auf die Menschen in seiner Gemeinde aufpassen soll wie ein Hirte auf seine Schafe. Dazu trägt der Nikolaus einen langen Mantel in Rot, Weiß und Gold. Diese Farben stehen in der Kirche für gute Dinge wie Licht, Freude und Liebe.
Der echte Nikolaus von Myra sah aber vermutlich anders aus. Er war ein Bischof der Ostkirche. Diese Bischöfe trugen keine Mitra und keinen eingerollten Stab. Stattdessen trugen sie ein langes, verziertes Band um den Hals. So sieht man Nikolaus bis heute auf Ikonen. Erst als Nikolaus ab dem 9. Jahrhundert auch in Westeuropa bekannt wurde, malte man ihn mit Bischofsstab und Bischofsmütze. Einen Bart hatte er wahrscheinlich wirklich, denn das war bei Bischöfen der Ostkirche damals üblich.
Was ist beim Nikolaus belegt und was ist Legende?
Beim Nikolaus ist nur sehr wenig sicher belegt. Die meisten Geschichten über ihn sind Legenden oder späte Erzählungen.
| Aussage | Was man weiß |
|---|---|
| Er wurde um 280 in Patara geboren. | wahrscheinlich, das genaue Jahr ist unbekannt |
| Seine Eltern hießen Epiphanius und Johanna. | Legende aus der Legenda aurea |
| Er schenkte drei Mädchen Gold. | Legende |
| Er wurde Bischof von Myra. | belegt durch späte Quellen, Fachleute halten es für sicher |
| Gott wählte ihn an der Kirchentür zum Bischof. | Legende |
| Er wurde um 310 als Christ verhaftet und gefoltert. | gilt als belegt |
| Er rettete Myra vor dem Hunger, Seeleute aus dem Sturm und drei Unschuldige vor dem Tod. | Legenden |
| Er war 325 beim Konzil von Nicäa. | unsicher, er fehlt in den meisten Listen |
| Er gab Arius eine Ohrfeige. | erfunden, erst über 1.000 Jahre später aufgeschrieben |
| Er starb an einem 6. Dezember. | so überliefert, das Jahr ist unbekannt |
| Seine Knochen kamen 1087 nach Bari. | belegt durch einen Augenzeugenbericht, ob es seine Knochen sind, ist unsicher |
| Er erweckte Schüler aus einem Fass. | Legende aus dem 12. Jahrhundert |
Zum Weiterdenken
- In der Legende schenkt Nikolaus heimlich und läuft danach weg. Warum wollte er wohl nicht, dass man weiß, wer das Gold gebracht hat?
- Früher sollte der Nikolaus die Kinder abfragen und die unartigen bestrafen lassen. Heute soll er vor allem loben. Was hältst du für den besseren Brauch und warum?
- Über die Reise der Knochen nach Bari gibt es einen Augenzeugenbericht, über das Leben des Nikolaus nicht. Warum sind Berichte von Augenzeugen für Geschichtsforscher so wertvoll?
Jetzt selbst ausprobieren
Die Kinder, die vor über 500 Jahren am Nikolausabend ein Schiffchen aus Papier aufstellten, erinnerten damit an die Legende von den Seeleuten. Mit unserer Anleitung Nikolausschiffchen basteln faltest du dir selbst so ein Schiffchen. Stell es am Abend des 5. Dezember auf und schau am Morgen nach, ob der Nikolaus etwas hineingelegt hat.
Quellen: katholisch.de: Nikolaus – die harten Fakten, EWTN: Was historisch belegt ist, Österreichische Akademie der Wissenschaften: Auf den Spuren des historischen Nikolaus, Universität Osnabrück: Der Bischof von Myra, Bonifatiuswerk: Legenden auf nikolaus-von-myra.de, Deutschlandfunk: Vom Schutzheiligen zum Gabenbringer, WDR: Grundwissen zum 6. Dezember, Bonifatiuswerk: Einkehrbrauchtum, Erzbistum Paderborn: Nikolaus, evangelisch.de: Die Reise der Gebeine nach Bari, BR24: Darum feiern wir den Nikolaustag, Wien Museum: Der Krampus, Eusebius: Über die Märtyrer in Palästina, Bibliothek der Kirchenväter, Türkisches Kulturministerium: Museum der lykischen Zivilisationen in Andriake

