Die kurze Antwort
Kinder stellen an Nikolaus Stiefel vor die Tür, weil der heilige Nikolaus nach einer alten Legende nachts heimlich Geschenke brachte. In den Stiefel soll er seine Gaben hineinlegen. Der Brauch ist mehr als 500 Jahre alt. Ganz am Anfang warf man den Kindern am Nikolausabend Äpfel und Nüsse in die Stube. Später legte man die Gaben in Schuhe, in Schiffchen aus Papier oder in Strümpfe. Dafür nahm man Schuhe, weil jedes Kind eigene Schuhe hatte, aber kaum eigenes Geschirr. So wusste man genau, was wem gehört. Früher legten die Kinder außerdem Heu, Stroh oder eine Karotte für das Pferd oder den Esel des Nikolaus in den Schuh. Den Stiefel stellt man am Abend des 5. Dezember hinaus, am Morgen des 6. Dezember ist er gefüllt.

Es ist der Abend des 5. Dezember. Im Flur sitzt ein Kind mit einem Lappen und reibt seinen Winterstiefel sauber, bis kein Krümel Dreck mehr daran ist. Dann stellt es den Stiefel vor die Wohnungstür und geht ins Bett. Am nächsten Morgen ist der Stiefel voll mit Nüssen, Mandarinen und Schokolade. Aber warum ausgerechnet ein Stiefel? Warum nicht ein Korb, eine Schüssel oder ein Teller? Und warum muss er geputzt sein? Die Antworten führen weit zurück ins Mittelalter, in Kirchen, in Bauernstuben und in die Niederlande.
Wer der heilige Nikolaus war und welche Legenden man über ihn erzählt, erfährst du in unserem Artikel Nikolaus: Warum feiern wir den Nikolaustag?. Hier geht es nur um den Stiefel.
Warum stellt man an Nikolaus Stiefel vor die Tür?
Man stellt an Nikolaus Stiefel vor die Tür, damit der Nikolaus in der Nacht seine Geschenke hineinlegen kann. Dahinter stecken zwei Gründe, ein Grund aus einer Legende und ein ganz praktischer Grund.
Der erste Grund ist die Legende von den drei Mädchen. Eine Legende ist eine alte Erzählung über einen Heiligen, von der man nicht weiß, ob sie wirklich so passiert ist. Nikolaus soll drei armen Schwestern nachts heimlich Gold ins Haus geworfen haben, damit sie heiraten konnten. Nach einer späteren Fassung der Geschichte fiel das Gold in Strümpfe oder Schuhe, die am Kamin zum Trocknen standen. Wenn Kinder heute einen Stiefel hinstellen, spielen sie diese Geschichte nach. Auch bei ihnen kommt das Geschenk nachts, heimlich und ohne dass jemand den Schenkenden sieht.
Der zweite Grund ist praktisch. Wenn mehrere Kinder in einem Haus wohnen, muss der Nikolaus wissen, welches Geschenk für wen ist. Ein Schuh gehört immer einem bestimmten Kind. Der Theologe Manfred Becker-Huberti, der viel über Nikolausbräuche geforscht hat, erklärt das so: Die Schuhe waren früher ein Hinweis darauf, wer das Geschenk bekommen sollte. Meist waren es Holzschuhe oder Strümpfe. Die konnte man den Kindern gut zuordnen, bei den Strümpfen vielleicht sogar am Geruch.
Wie alt ist der Brauch mit dem Nikolausstiefel?
Der Brauch ist mehr als 500 Jahre alt. Ein genaues Geburtsjahr gibt es aber nicht, weil die Menschen im Mittelalter solche Familienbräuche selten aufgeschrieben haben. Man kann nur sagen, wann ein Brauch zum ersten Mal in einer Quelle auftaucht. Eine Quelle ist ein altes Schriftstück oder Bild, aus dem Forscher etwas über früher erfahren.
Seit dem 13. Jahrhundert, also seit etwa 800 Jahren, gibt es den Nikolaustag als Tag, an dem Kinder beschenkt werden. Vorher bekamen Schüler ihre Geschenke am 28. Dezember. Das war der Tag, an dem die Schüler in vielen Klosterschulen einen Kinderbischof wählten, einen Schüler, der für einen Tag den Bischof spielen durfte. Weil Nikolaus der Schutzheilige der Schüler war, wurde dieses Fest auf seinen Tag verlegt. Im 14. Jahrhundert war das Schenken am Nikolaustag dann schon weit verbreitet. Erst seit die Kinder am Nikolaustag Geschenke bekamen, brauchte man auch etwas, in das der Nikolaus sie legen konnte. Daraus wurde später der Nikolausstiefel.
Die ältesten Hinweise auf Schuhe und Schiffchen stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Stationen.
| Zeit | Was passierte |
|---|---|
| 13. Jahrhundert | Der Schenktag für Schüler wird vom 28. Dezember auf den Nikolaustag verlegt. |
| 15. Jahrhundert | Kinder stellen Schiffchen aus Papier für die Gaben des Nikolaus auf. |
| 1427 | In der Nikolaikirche in Utrecht in den Niederlanden werden am 5. Dezember Schuhe aufgestellt. Reiche Bürger legen etwas hinein, und am 6. Dezember wird alles an arme Menschen verteilt. |
| 16. Jahrhundert | In den Niederlanden stellen Kinder zu Hause ihre Schuhe auf. In Deutschland beschreibt der Pfarrer Thomas Naogeorg, wie Kinder am Nikolausmorgen Äpfel, Nüsse und Birnen finden. |
| 17. Jahrhundert | Der niederländische Maler Jan Steen malt ein Nikolausfest mit Schuhen, Süßigkeiten und einer Rute. |
| 19. Jahrhundert | In bürgerlichen Familien kommt der Nikolausteller auf. Kinder in Westfalen stellen Schuhe mit Stroh unters Bett. |
| heute | Die meisten Kinder in Deutschland stellen einen geputzten Stiefel vor die Tür. |
Haben Kinder vor 500 Jahren schon Stiefel aufgestellt?
Stiefel wie heute noch nicht, aber den wichtigsten Teil des Stiefelbrauchs gab es damals schon. Das zeigt ein Bericht aus dem Jahr 1553. Die Geschenke kamen heimlich in der Nacht, die Kinder fanden sie am Morgen, und man sagte ihnen, der heilige Nikolaus habe sie gebracht. Genau so ist es heute mit dem Stiefel.
Den Bericht hat der Pfarrer Thomas Naogeorg geschrieben. Er hieß eigentlich Thomas Kirchmeyer und stammte aus Straubing in Bayern. Naogeorg war evangelisch und hielt nichts von der Verehrung der Heiligen. Deshalb machte er sich in einem langen Gedicht über katholische Bräuche lustig, auch über den Nikolaustag. Weil er genau beschreibt, was ihn störte, wissen wir heute, wie der Nikolausmorgen damals aussah. Das Gedicht erschien zuerst auf Latein, im Jahr 1555 kam es auf Deutsch heraus.
Naogeorg erzählt, dass die Kinder am Abend vor dem Nikolaustag fasten mussten. Fasten heißt, dass man weniger oder nichts isst. Damals bereiteten sich die Kinder also mit Fasten auf den Nikolaus vor, heute putzen sie dafür ihren Stiefel. In der Nacht, während die Kinder schliefen, legten die Mütter heimlich Äpfel, Nüsse und Birnen für sie bereit, manchmal auch Mützen, Schuhe oder Kleider.
Einen Stiefel oder einen Schuh, in den der Nikolaus die Gaben legt, erwähnt Naogeorg nicht. Bei ihm waren Schuhe selbst ein Geschenk. Als Gefäß für die Gaben kannte man damals schon das Schiffchen aus Papier, das du weiter unten kennenlernst. In den Niederlanden stellten Kinder im 16. Jahrhundert schon ihre Schuhe auf. Wann aus dem Schuh der Stiefel wurde, den du heute vor die Tür stellst, hat niemand aufgeschrieben.
Was war vor dem Nikolausstiefel?
Vor dem Stiefel gab es den Wurfabend, den man auch Streuabend nennt. An diesem Abend warf jemand Äpfel, Nüsse und Gebäck in die Stube, und die Kinder sammelten alles auf. Wer am schnellsten war, bekam am meisten.
In Münster gab es eine besondere Form dieses Brauchs noch im Jahr 1836. Die Waisenkinder der Stadt versammelten sich in der Nikolaikapelle am Domhof. Durch eine Öffnung in der Decke fielen die Gaben von oben auf sie herab. In den Niederlanden nannte man den Nikolausabend früher auch „Korbschüttetag“, weil man einen Korb voller Gaben über den Kindern ausschüttete.
Mit der Zeit wollte man die Gaben nicht mehr einfach in die Menge werfen, sondern jedem Kind sein eigenes Geschenk geben. Dafür brauchte man für jedes Kind ein eigenes Gefäß. Diesen Brauch, bei dem der Nikolaus die Geschenke heimlich in ein Gefäß legt, nennen Fachleute Einlegebrauch.
Was ist ein Nikolausschiffchen?
Ein Nikolausschiffchen ist ein kleines Schiff aus Papier, das Kinder schon vor über 500 Jahren für den Nikolaus aufstellten. Es war der Vorgänger des Stiefels. In das Schiffchen sollte der Nikolaus in der Nacht seine Gaben legen. Man kann es sich wie einen selbst gebastelten Gabenteller vorstellen.
Dass es ausgerechnet ein Schiff war, hat zwei mögliche Gründe. Nikolaus ist der Schutzheilige der Seeleute. Ein Schutzheiliger ist ein Heiliger, von dem Menschen glauben, dass er eine bestimmte Gruppe besonders beschützt. Außerdem war das Schiff im Christentum ein Zeichen für die Kirche, die die Menschen wie ein Schiff sicher zu Gott bringt. Welcher Grund wichtiger war, weiß man nicht genau. Später ersetzten Stiefel, Schuhe und Strümpfe das Schiffchen. Nur im Mariazellerland in Österreich falten Kinder bis heute Nikolausschiffchen. Dieser Brauch heißt Schifferlsetzen und steht seit 2024 im österreichischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO.
Warum stellt man ausgerechnet Schuhe auf und keine Schüssel?
Weil Schuhe früher zu den wenigen Dingen gehörten, die einem Kind ganz allein gehörten. Im Mittelalter hatten die meisten Familien nur wenig Geschirr. Oft aß die ganze Familie aus einer gemeinsamen Schüssel. Eigene Teller für jedes Kind gab es in einfachen Haushalten nicht. Schuhe und Strümpfe dagegen hatte jeder für sich. Deshalb waren sie die einfachsten Gefäße, die man einem bestimmten Kind zuordnen konnte.
Viele Kinder trugen damals Holzschuhe. Das sind Schuhe, die aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt sind. In den Niederlanden heißen sie „Klompen“. Holzschuhe sind fest und behalten ihre Form. Deshalb kann man gut etwas hineinlegen, ohne dass sie umfallen.
Der Nikolausteller ist viel jünger als der Nikolausschuh. Er kam erst auf, als auch einfache Familien genug eigenes Geschirr besaßen. Das war erst im 19. Jahrhundert, also vor etwa 200 Jahren.
Warum legt man Heu oder eine Karotte in den Stiefel?
Man legte früher Heu, Stroh, Hafer oder eine Karotte in den Schuh, weil man sich vorstellte, dass der Nikolaus auf einem Tier zu den Kindern kommt. Das Futter war ein Geschenk für dieses Tier. In manchen Gegenden ritt der Nikolaus auf einem Schimmel, einem weißen Pferd. In anderen Gegenden kam er mit einem Esel.
Der Brauch ist gut belegt. Im Jahr 1906 schrieb Karl Prümer in einer Zeitschrift für Volkskunde über das alte Dortmund: Die Kinder stellten Schuhe mit Stroh unter das Bett, und das Stroh war für den Schimmel des heiligen Nikolaus. Aus Belgien und den Niederlanden wird berichtet, dass Kinder Wasser, Heu, eine Karotte, Brot oder Kartoffelschalen für das Tier hinstellten. Am Morgen war das Futter verschwunden, und an seiner Stelle lagen Süßigkeiten im Schuh. Bei einem Kind, das nicht brav gewesen war, blieb das Futter liegen, und daneben lag eine Rute.
In den Niederlanden ist dieser Brauch bis heute lebendig. Dort legen viele Kinder eine Karotte, etwas Heu oder ein Stück Zucker für das Pferd von Sinterklaas in den Schuh. In Deutschland ist er dagegen fast vergessen.

Warum putzt man an Nikolaus die Stiefel?
Man putzt die Stiefel, weil es zum Brauch gehört, dem Nikolaus einen sauberen Schuh hinzustellen. Schon aus dem 19. Jahrhundert wird berichtet, dass Kinder in Belgien und den Niederlanden ihre Schuhe vorher blank putzten. In Ungarn heißt es bis heute, dass der Nikolaus seine Geschenke nur in saubere Schuhe legt.
Einen festen Grund dafür hat niemand aufgeschrieben. Man kann es aber gut verstehen. Wer Besuch bekommt, macht vorher sauber. Und in einen schmutzigen Schuh möchte niemand Schokolade oder einen Apfel legen. Mit dem geputzten Stiefel zeigt ein Kind, dass es sich auf den Nikolaus vorbereitet hat und sich auf ihn freut.
Das Putzen hat noch eine zweite Wirkung. Es gehört zu einem Ritual. So nennt man eine Handlung, die man jedes Jahr auf die gleiche Weise wiederholt. Der Religionspädagoge Anton Bucher sagt, dass solche Rituale Kindern ein Gefühl von Geborgenheit und Heimat geben. Das Stiefelputzen am Abend, das Hinausstellen und das Nachschauen am Morgen gehören für viele Kinder fest zur Adventszeit.
Wann stellt man den Nikolausstiefel raus?
Den Nikolausstiefel stellt man am Abend des 5. Dezember raus, bevor man ins Bett geht. Am Morgen des 6. Dezember, dem Nikolaustag, schaut man nach, ob etwas drin ist.
Dass der Stiefel schon am Abend vorher draußen steht, hat mit dem Vorabend zu tun. Früher begann ein kirchlicher Feiertag schon am Abend davor. Deshalb nennt man den 5. Dezember auch Nikolausabend. Genauso ist es bei Heiligabend vor dem ersten Weihnachtstag. Der Nikolaus kommt also in der Nacht, wenn alle schlafen.
In den Niederlanden ist das anders. Dort kommt Sinterklaas schon Mitte November an. Von da an dürfen Kinder mehrmals ihren Schuh aufstellen, und an manchen Morgen liegt eine Kleinigkeit darin. Die großen Geschenke gibt es dort am Abend des 5. Dezember, dem „Pakjesavond“, das heißt „Päckchenabend“.
Wo stellt man den Nikolausstiefel hin?
Die meisten Kinder in Deutschland stellen ihren Stiefel vor die Haustür oder vor die Wohnungstür. Früher gab es aber viele andere Orte, und jeder Ort hatte seinen Sinn.
- vor die Tür: Hier kann der Nikolaus den Stiefel finden, ohne ins Haus zu kommen.
- ans Fenster: In der Legende kam das Gold durch das Fenster. In Ungarn stellen Kinder ihre Stiefel deshalb bis heute ins Fenster.
- an den Kamin oder den Ofen: In der Legende standen die Schuhe zum Trocknen am Kamin. In den Niederlanden stellen Kinder ihren Schuh bis heute an den Kamin oder an die Heizung.
- unter das Bett: So machten es die Kinder im alten Dortmund. In Ehingen an der Donau stellten Kinder sogar Schüsseln unters Bett.
- im Garten: In manchen Gegenden in Deutschland, der Schweiz und Österreich versteckten Kinder ihre Schuhe hinter einem Busch im Garten.
Wer in einem Mehrfamilienhaus wohnt, stellt den Stiefel oft vor die Zimmertür oder vor die Wohnungstür. Das wurde auch früher schon so gemacht.
Wer füllt den Nikolausstiefel?
Den Nikolausstiefel füllen die Eltern oder andere Erwachsene aus der Familie, zum Beispiel die Großeltern. Sie legen die Geschenke in der Nacht oder früh am Morgen heimlich hinein, wenn die Kinder schlafen. Der heilige Nikolaus selbst kann es nicht sein, denn er lebte vor etwa 1.700 Jahren und ist schon lange gestorben.
Das war schon vor 500 Jahren so. Thomas Naogeorg schrieb im Jahr 1553, dass die Mütter die Gaben in der Nacht heimlich hinlegten und den Kindern am Morgen sagten, der Nikolaus habe sie gebracht.
Die Erwachsenen schenken im Namen des Nikolaus, weil sie damit an seine Legende erinnern. Nikolaus soll heimlich geschenkt haben, ohne dass jemand wusste, von wem die Gaben kamen. Genau so machen es die Eltern. Auch der Nikolaus, der in den Kindergarten, in die Schule oder nach Hause kommt, ist ein verkleideter Mensch. Oft sind es Väter, Großväter, Nachbarn oder Mitglieder aus der Kirchengemeinde, die sich einen Bischofsmantel anziehen.
Viele Kinder merken irgendwann selbst, dass ihre Eltern den Stiefel füllen. Der Brauch hört dann trotzdem nicht auf. Wer das Geheimnis kennt, kann für jüngere Geschwister mitspielen oder selbst heimlich etwas in einen Stiefel legen, zum Beispiel für die Eltern.
Nikolausstiefel, Nikolausstrumpf oder Nikolausteller: Was ist richtig?
Alles ist richtig. Welches Gefäß man nimmt, hängt davon ab, wo man wohnt und was in der Familie üblich ist. Alle drei sind Nachfolger des alten Nikolausschiffchens.
| Gefäß | Wo es üblich ist | Seit wann |
|---|---|---|
| Schiffchen aus Papier | früher in vielen Gegenden Deutschlands | mindestens seit dem 15. Jahrhundert |
| Schuh oder Holzschuh | Niederlande, Belgien, früher auch Deutschland | spätestens seit dem 16. Jahrhundert |
| Stiefel | heute in fast ganz Deutschland und in Ungarn | Seit wann genau, ist nicht bekannt. |
| Strumpf oder Socke | England, USA, auch viele deutsche Familien und Kindergärten | an Weihnachten in Amerika seit dem 19. Jahrhundert belegt |
| Teller | in vielen deutschen Familien | seit dem 19. Jahrhundert |
Der Nikolausteller ist ein bunter Teller, auf den man Äpfel, Nüsse und Süßigkeiten legt. Man findet ihn schon in einem bekannten Nikolauslied aus dem 19. Jahrhundert, das vermutlich aus dem Rheinland stammt. Darin heißt es: „Dann stell ich den Teller auf, Niklaus legt gewiss was drauf.“ Das Lied heißt „Lasst uns froh und munter sein“.
Der Nikolausstrumpf oder die Nikolaussocke kommt aus der Legende von den drei Mädchen, in der das Gold in Strümpfe am Kamin fiel. In England und in den USA hängen Kinder ihre Strümpfe aber nicht an Nikolaus auf, sondern am Abend vor Weihnachten. Berühmt wurde das durch ein amerikanisches Gedicht aus dem Jahr 1823. Es beginnt mit der Nacht vor Weihnachten, in der die Strümpfe ordentlich am Kamin hängen, „in der Hoffnung, dass St. Nikolaus bald da sei“. Das Gedicht wird dem Professor Clement Clarke Moore aus New York zugeschrieben.

Warum nehmen manche Kinder den größten Stiefel?
Weil in einen großen Stiefel mehr hineinpasst. Diesen kleinen Trick gibt es schon lange. Auf der Seite des Bonifatiuswerks, das viele alte Nikolausbräuche gesammelt hat, steht, dass schlaue Kinder auch deshalb lieber große Stiefel nehmen als kleine Schuhe. In manchen Familien gibt es deshalb die Regel, dass jedes Kind nur einen einzigen Stiefel aufstellen darf, und zwar seinen eigenen.
Was kommt traditionell in den Nikolausstiefel?
In den Nikolausstiefel kommen traditionell Äpfel, Nüsse und Lebkuchen, später auch Mandarinen, Orangen und Schokolade. Schon im Jahr 1553 nennt Thomas Naogeorg Äpfel, Nüsse und Birnen als Nikolausgaben. Ein alter Kinderspruch aus Ehingen an der Donau lautet: „Sankt Nikolaus, leg mir ein, was dein guter Will mag sein, Äpfel, Birnen, Nuss und Kern essen die kleinen Kinder gern.“
Dass es gerade Äpfel und Nüsse waren, hat einen einfachen Grund. Im Dezember gab es früher kaum frisches Obst. Äpfel und Nüsse wurden im Herbst geerntet und hielten sich im Keller den ganzen Winter. Sie waren also genau das, was eine Familie im Dezember zu Hause hatte. Später kamen Südfrüchte dazu. So nennt man Früchte wie Mandarinen und Orangen, die in warmen Ländern im Süden wachsen. Im Winter sind sie dort reif. Süßigkeiten wie Schokolade kamen erst viel später in den Stiefel.
Heute liegen in einem gefüllten Nikolausstiefel meist kleine Dinge:
- Nüsse, Mandarinen und ein Apfel
- Lebkuchen, Spekulatius oder Plätzchen
- ein Schokoladen-Nikolaus
- eine Kleinigkeit wie ein Paar warme Socken, ein Buch oder Buntstifte
Große Geschenke gehören in Deutschland meist nicht in den Nikolausstiefel, denn die gibt es an Weihnachten.
Was bekommen unartige Kinder in den Stiefel?
Nach dem alten Brauch bekamen unartige Kinder eine Rute in den Schuh. Eine Rute ist ein Bündel aus dünnen Zweigen. Sie war ein Zeichen dafür, dass das Kind ermahnt wird. Auf dem Gemälde „Das Sankt-Nikolaus-Fest“ von Jan Steen aus dem 17. Jahrhundert weint ein Junge, weil er eine Rute in seinem Schuh gefunden hat. Ein Mädchen hat dagegen einen Eimer voller Süßigkeiten bekommen.

Heute ist die Rute meistens nur noch ein Spaß. In Ungarn legt der Nikolaus, der dort Mikulás heißt, oft ein kleines Rutenbündel aus goldenen Zweigen neben die Süßigkeiten. Es heißt „Virgács“ und ist dort heute meist ein Scherz.
Wie stellen Kinder in anderen Ländern ihren Schuh auf?
In vielen Ländern Europas stellen Kinder einen Schuh oder Stiefel für den Nikolaus auf, aber nicht überall auf die gleiche Weise.
- Niederlande: Das Schuhaufstellen heißt dort „schoen zetten“. Fast alle Kinder machen dabei mit, und zwar mehrmals, solange Sinterklaas im Land ist. Sie stellen den Schuh an den Kamin oder an die Heizung, singen ein Sinterklaaslied und legen eine Karotte für das Pferd hinein.
- Belgien: Auch hier stellen Kinder ihre Schuhe auf. Früher legten sie Heu und Wasser für das Tier des Nikolaus dazu.
- Ungarn: Am Abend des 5. Dezember putzen Kinder einen Stiefel blank und stellen ihn ins Fenster. Am Morgen sind darin Süßigkeiten, Obst und ein Schokoladen-Mikulás.
- Italien: An den Höfen italienischer Fürsten gab es früher einen Brauch namens „Zopata“. Das Wort kommt vom spanischen Wort „zapato“ für Schuh. Dabei versteckte man Geschenke in Schuhen und Pantoffeln.
- England und USA: Dort hängt man keine Schuhe, sondern Strümpfe auf, und zwar am Abend vor Weihnachten für Santa Claus.
Gab es auch an anderen Tagen Schuhe für Geschenke?
Ja. Im Herbst und im Advent gab es früher mehrere Tage, an denen Kinder ihren Schuh oder Strumpf aufstellten.
Im Rheinland stellten Kinder am Abend des 3. Dezember einen geputzten Schuh ans Fenster. Am nächsten Morgen, am Barbaratag, lagen darin Süßigkeiten, Nüsse und Mandarinen. Die heilige Barbara ist eine Heilige, an die die Kirche am 4. Dezember erinnert. Vor allem im Raum Köln und Bonn war dieser Brauch bis in die 1960er-Jahre verbreitet, vereinzelt sogar bis in die 1970er-Jahre. Heute ist er fast vergessen.
Aus der Gegend um Reichenberg in Böhmen wird berichtet, dass Kinder am Andreastag, dem 30. November, ihre Strümpfe ans Fenster hängten. Am Abend waren Äpfel und Nüsse darin. In der Stadt Ypern in Belgien hängten Kinder ihre Strümpfe mit Heu darin am Abend vor dem Martinstag in den Kamin. Das Heu war für das Pferd von Sankt Martin. Dort brachte also Sankt Martin die ersten Geschenke. Was es mit dem Martinstag auf sich hat, erklärt unser Artikel über Sankt Martin.
Warum stellen Kinder heute noch Stiefel raus?
Kinder stellen heute noch Stiefel raus, weil der Brauch schön ist und weil ihn schon ihre Eltern und Großeltern so gemacht haben. Wer heute einen Stiefel hinstellt, glaubt meist nicht mehr, dass er damit das Futter für einen Schimmel bereitstellt. Aber das Warten, das Putzen und die Überraschung am Morgen sind geblieben.
Außerdem ist der Nikolaustag ein Tag, an dem es um kleine Gaben geht. Die Legende erzählt, dass Nikolaus heimlich schenkte, ohne Dank zu erwarten. Deshalb ist der Nikolausstiefel kein Ersatz für Weihnachten. In ihm liegen kleine Dinge, die zeigen, dass jemand an dich gedacht hat.
Zum Weiterdenken
Aus dem Wurf in die Stube wurde das Schiffchen, aus dem Schiffchen der Holzschuh und aus dem Holzschuh der Stiefel. Was stellt deine Familie am Nikolausabend auf, einen Stiefel, einen Strumpf oder einen Teller? Frag deine Großeltern, was sie als Kinder aufgestellt haben und ob sie noch Heu oder eine Karotte für das Pferd hineingelegt haben.
Jetzt selbst ausprobieren
Probiere den ältesten Teil des Brauchs aus und falte am Nikolausabend aus einem Blatt Papier ein Nikolausschiffchen, so wie Kinder vor über 500 Jahren. Stell es neben deinen Stiefel und leg eine Karotte oder ein wenig Heu für das Pferd des Nikolaus dazu. Wie du das Schiffchen Schritt für Schritt faltest und welche Nikolaussprüche die Kinder in Österreich daraufschreiben, zeigen wir dir in unserer Anleitung Nikolausschiffchen basteln. Wenn du lieber einen eigenen Stiefel aus Tonkarton und Wolle zum Befüllen machen willst, findest du die Vorlage und alle Schritte in unserer Anleitung Nikolausstiefel basteln.
Quellen: Bonifatiuswerk: Einlegebrauchtum, Bonifatiuswerk: Schiffchenbauen, Österreichische UNESCO-Kommission: Schifferlsetzen, Bonifatiuswerk: Wurf- oder Streuabend, Bonifatiuswerk: Schenken, domradio: Manfred Becker-Huberti über Nikolausbräuche, St. Nicholas Center: Naogeorg über den Nikolaustag, McKnight: St. Nicholas, 1917, Prümer: Altdortmunder Gebildbrot, 1906, Meertens Instituut: Wie alt ist das Sinterklaasfest, RTV Drenthe: Warum stellen wir unseren Schuh auf, LVR: Barbaratag im Rheinland, FAZ: Lasst uns froh und munter sein, BR: Warum der Nikolaus für Kinder wichtig ist, St. Nicholas Center: Ungarn, New York State Library: A Visit from St. Nicholas

