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Sinterklaas: Wer ist der Nikolaus der Niederlande?

Ein altes Dampfschiff mit spanischer Flagge am Kai, aus dem Schornstein steigt Rauch

Die kurze Antwort

Sinterklaas (ausgesprochen „SIN-ter-klaas“) ist der Nikolaus der Niederlande und Belgiens. Er ist ein alter Bischof mit weißem Bart, rotem Mantel, Mitra und goldenem Stab. Nach dem Brauch wohnt er in Spanien und kommt jedes Jahr Mitte November mit einem Dampfschiff in die Niederlande. Er reitet auf einem weißen Pferd über die Dächer, und seine Helfer, die Pieten (ausgesprochen „PII-ten“), stecken Geschenke durch den Schornstein in die Schuhe der Kinder. Der wichtigste Abend ist der 5. Dezember, der Pakjesavond (ausgesprochen „PAK-jes-aa-wont“), also der Päckchenabend. Dann bekommen die Kinder ihre großen Geschenke, oft mit einem selbst geschriebenen Gedicht. Sinterklaas geht auf den heiligen Nikolaus von Myra (ausgesprochen „MÜ-ra“) zurück. Das Bild vom Dampfschiff aus Spanien stammt aus einem Kinderbuch aus dem Jahr 1850.

Ein altes Dampfschiff mit spanischer Flagge am Kai, aus dem Schornstein steigt Rauch
Das Dampfschiff von Sinterklaas bei seiner Ankunft in den Niederlanden. Foto: Wouter Engler, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wie beginnt die Sinterklaas-Zeit in den Niederlanden?

An einem Samstag im November stehen in einer kleinen niederländischen Stadt Zehntausende Kinder am Hafen. Sie winken, singen und schauen auf das Wasser. Dann taucht ein Dampfschiff auf. An Deck steht ein alter Mann mit langem weißem Bart, roter Bischofsmütze und goldenem Stab. Um ihn herum klettern Helfer in bunten Kleidern über das Schiff und werfen kleine Kekse. Sinterklaas ist angekommen. Für die Kinder in den Niederlanden beginnt damit die spannendste Zeit des Jahres. Drei Wochen lang stellen sie ihre Schuhe auf und warten auf den großen Abend. Aber warum kommt Sinterklaas ausgerechnet aus Spanien? Und warum ist bei den Niederländern der 5. Dezember wichtiger als Weihnachten?

Wer der heilige Nikolaus war und welche Legenden man über ihn erzählt, erklärt unser Artikel über den Nikolaus. Welche anderen Gabenbringer es gibt, zeigt unser Überblick Christkind oder Weihnachtsmann: Wer bringt in welchem Land die Geschenke?.

Wer ist Sinterklaas?

Sinterklaas ist der Gabenbringer der Niederlande und des flämischen Teils Belgiens. Der Name ist eine Verkürzung von „Sint Nicolaas“ (ausgesprochen „SINT NI-ko-laas“), also heiliger Nikolaus. Er ist ein alter, würdevoller Bischof. Er trägt einen langen roten Mantel, ein weißes Gewand, rote Handschuhe, einen Ring und eine hohe rote Mitra. So heißt die spitze Mütze eines Bischofs. In der Hand hält er einen goldenen Bischofsstab, der oben gebogen ist.

Sinterklaas weiß alles über die Kinder. Er hat ein großes, dickes Buch, in dem steht, ob jedes Kind brav war. Er ist streng, aber gütig, und er liebt Kinder. Mit dem Weihnachtsmann hat er wenig gemeinsam, auch wenn der Weihnachtsmann von ihm abstammt.

Wann kommt Sinterklaas?

Sinterklaas kommt jedes Jahr Mitte November in die Niederlande, meist am Samstag nach dem 11. November. Das nennt man die Intocht (ausgesprochen „IN-tocht“), den Einzug. Es gibt eine große landesweite Ankunft, die das Fernsehen live überträgt, und dazu Hunderte kleinere Ankünfte in fast jeder Stadt. Die landesweite Ankunft findet jedes Jahr in einer anderen Stadt statt. Im Jahr 2026 kommt er am 14. November in Grave (ausgesprochen „CHRAA-we“) an, einer kleinen Festungsstadt an der Maas.

Nach der Ankunft bleibt Sinterklaas drei Wochen im Land. Er besucht Schulen, Kindergärten, Geschäfte und Familien. Am Abend des 5. Dezember bringt er die großen Geschenke. Danach reist er wieder ab, zurück nach Spanien.

Warum kommt Sinterklaas aus Spanien?

Sinterklaas kommt nach dem Brauch aus Spanien, weil ein Kinderbuch es im Jahr 1850 so erzählt hat. Warum der Autor gerade Spanien wählte, weiß man nicht sicher. Es gibt aber mehrere Erklärungen.

Die Gebeine des heiligen Nikolaus liegen seit dem Jahr 1087 in der Stadt Bari (ausgesprochen „BAA-ri“) in Süditalien. Im 16. und 17. Jahrhundert gehörte Süditalien zum spanischen Königreich. Für die Niederländer war Bari also ein Ort, der zu Spanien gehörte. Außerdem kamen aus Spanien damals viele kostbare Dinge, die man zum Nikolausfest brauchte, zum Beispiel Orangen, Mandarinen und Gewürze. Die Niederlande hatten eine lange und schwierige Geschichte mit Spanien, denn sie gehörten bis ins 17. Jahrhundert zum spanischen Reich. Spanien war für die Niederländer deshalb ein bekanntes, aber fernes Land im warmen Süden.

Der heilige Nikolaus selbst kam übrigens nicht aus Spanien. Er war im 4. Jahrhundert Bischof von Myra, einer Stadt in der heutigen Türkei.

Welches Buch hat Sinterklaas berühmt gemacht?

Das Buch, das den heutigen Sinterklaas geprägt hat, heißt „Sint Nikolaas en zijn knecht“ (ausgesprochen „SINT NI-ko-laas en SEIN KNECHT“), also „Sankt Nikolaus und sein Knecht“. Es erschien im Jahr 1850 und stammt von dem Amsterdamer Lehrer Jan Schenkman (ausgesprochen „JAN S-CHENK-man“). Das Bilderbuch hat 16 kurze Verse mit bunten Bildern.

In diesem Buch kommt Sinterklaas zum ersten Mal mit einem Dampfschiff aus Spanien. Dampfschiffe waren damals die neueste Erfindung, so wie heute ein besonders modernes Elektroauto. Sinterklaas reitet in dem Buch auf einem Schimmel über die Dächer und lässt die Geschenke durch den Schornstein fallen. Er hat einen Diener dabei, der im Buch keinen Namen hat. Aus diesem Diener wurde später der Zwarte Piet (ausgesprochen „SWAR-te PIIT“). Das Buch war so beliebt, dass viele Dinge, die darin stehen, bis heute zum Fest gehören.

Wie heißt das Pferd von Sinterklaas?

Das Pferd von Sinterklaas heißt seit 2019 Ozosnel (ausgesprochen „oo-so-SNEL“). Das ist ein Wortspiel. Auf Niederländisch bedeutet „o zo snel“ ungefähr „oh, so schnell“. Vorher hieß das Pferd fast 30 Jahre lang Amerigo, nach dem Seefahrer Amerigo Vespucci (ausgesprochen „a-me-RII-go wes-PUT-tschi“). Amerigo war von 1990 bis 2018 im Dienst, länger als jedes andere bekannte Pferd des Sinterklaas. Im Jahr 2018 ging er in Spanien in den Ruhestand.

Im Fernsehen gibt es zu Ozosnel eine lustige Geschichte. Ozosnel ist eigentlich schwarz. Ein Piet färbte ihn heimlich weiß, weil er glaubte, Sinterklaas wolle nur einen Schimmel. Als es in der ersten Nacht auf den Dächern regnete, wusch sich die Farbe ab. Sinterklaas war enttäuscht über die Schummelei, mochte das Pferd aber trotzdem. Er machte es mit dem gleichen Mittel weiß, das auch seinen Bart weiß hält.

Ein Schimmel gehört übrigens schon lange zu Sinterklaas. In alten Erzählungen reitet er auf einem weißen Pferd oder auf einem Esel durch die Lüfte.

Wer sind die Pieten?

Die Pieten sind die Helfer von Sinterklaas. Sie tragen bunte Kleidung im Stil des 16. Jahrhunderts, eine Pluderhose, einen Halskragen aus Spitze und eine Mütze mit Feder. Sie klettern über die Dächer, rutschen durch die Schornsteine, verteilen Kekse und tragen große Säcke mit Geschenken. Jeder Piet hat eine eigene Aufgabe. Der Hoofdpiet (ausgesprochen „HOOFT-piit“), der Chef-Piet, hilft Sinterklaas bei der Planung. Der Pakjespiet (ausgesprochen „PAK-jes-piit“) packt die Geschenke ein. Der Paardenpiet (ausgesprochen „PAAR-den-piit“) kümmert sich um das Pferd.

Lange Zeit hieß der Helfer Zwarte Piet, schwarzer Piet. Er wurde von weißen Schauspielern mit schwarz geschminktem Gesicht, roten Lippen und Kraushaar dargestellt. Viele Menschen in den Niederlanden, vor allem Menschen mit dunkler Haut, empfanden diese Darstellung als verletzend und rassistisch. Sie erinnerte sie an die Zeit, in der die Niederlande Menschen aus Afrika als Sklaven verkauft hatten. Darüber stritt man viele Jahre lang heftig.

Heute treten in den meisten Städten und im Fernsehen die Roetveegpieten (ausgesprochen „RUUT-feech-pii-ten“) auf. Das heißt „Rußwisch-Pieten“. Sie haben nur ein paar schwarze Rußflecken im Gesicht, die sie beim Klettern durch die Schornsteine abbekommen haben. Das Sinterklaasjournaal (ausgesprochen „sin-ter-KLAAS-schur-naal“) zeigt seit dem Jahr 2020 nur noch solche Pieten.

Was ist das Sinterklaasjournaal?

Das Sinterklaasjournaal ist eine Nachrichtensendung im Fernsehen, die nur über Sinterklaas berichtet. Sie läuft seit dem Jahr 2001 jedes Jahr vom Tag der Ankunft bis zum 5. Dezember, fast jeden Abend. Ein echter Nachrichtensprecher erzählt darin, was Sinterklaas und die Pieten erleben. Oft gibt es Probleme. Mal ist das Buch des Sinterklaas verschwunden, mal ist ein Paket verloren gegangen, mal hat das Dampfschiff eine Panne. Am Ende geht natürlich alles gut. Fast alle Kinder in den Niederlanden schauen diese Sendung.

Warum stellen die Kinder ihre Schuhe auf?

Die Kinder stellen ihre Schuhe auf, damit Sinterklaas und die Pieten ihnen in der Nacht eine kleine Überraschung hineinlegen. Das nennt man Schoen zetten (ausgesprochen „S-CHUUN SET-ten“), den Schuh hinstellen. Das darf man in den drei Wochen zwischen Ankunft und Pakjesavond ein paarmal tun, meist am Kamin oder an der Heizung.

In den Schuh legen die Kinder eine Karotte, etwas Heu oder Wasser für das Pferd und manchmal eine Zeichnung für Sinterklaas. Dann singen sie Sinterklaaslieder. Das bekannteste beginnt mit den Worten „Sinterklaas Kapoentje, gooi wat in mijn schoentje“ (ausgesprochen „SIN-ter-klaas ka-PUUN-tje, CHOI wat in mein S-CHUUN-tje“). Das heißt „Sinterklaas, wirf etwas in mein Schühchen“. Am nächsten Morgen ist die Karotte weg, und im Schuh liegt eine kleine Süßigkeit oder ein kleines Spielzeug. Wie der deutsche Nikolausstiefel aus diesem Brauch entstanden ist, erklärt unser Artikel Nikolausstiefel: Warum stellt man an Nikolaus Stiefel vor die Tür?.

Was passiert am Pakjesavond?

Am Pakjesavond, dem Päckchenabend am 5. Dezember, bekommen die Kinder ihre großen Geschenke. Der 5. Dezember ist der Vorabend des Namenstags von Sankt Nikolaus. Die Niederländer nennen ihn auch „den Geburtstag von Sinterklaas“.

Meist klopft es am Abend laut an der Tür. Wenn die Kinder nachschauen, steht davor ein großer Sack mit Geschenken, aber Sinterklaas und die Pieten sind schon verschwunden. In manchen Familien kommt Sinterklaas auch selbst vorbei.

Ältere Kinder und Erwachsene beschenken sich am Pakjesavond gegenseitig. Dazu gehören zwei besondere Dinge. Das eine ist das Gedicht. Zu jedem Geschenk schreibt man ein lustiges Gedicht, das so tut, als hätte Sinterklaas es geschrieben. Darin darf man die beschenkte Person ein wenig necken. Das andere ist die Surprise (ausgesprochen „sür-PRII-se“). So nennt man eine fantasievolle Verpackung, die man selbst bastelt. Ein kleines Geschenk kann zum Beispiel in einer großen Pappfigur stecken, die wie ein Fußball, eine Gitarre oder ein Lieblingstier aussieht. Weil man vorher Lose zieht und nur für eine Person ein Geschenk macht, weiß niemand, wer wen beschenkt.

Was isst man in den Niederlanden zu Sinterklaas?

Zu Sinterklaas isst man in den Niederlanden viele besondere Süßigkeiten.

  • Pepernoten (ausgesprochen „PEE-per-noo-ten“) und Kruidnoten (ausgesprochen „KRÖID-noo-ten“) sind kleine runde Kekse mit Gewürzen wie Zimt, Nelken und Muskat. Die Pieten werfen sie bei der Ankunft in die Menge.
  • Chocoladeletters (ausgesprochen „scho-ko-LAA-de-let-ters“) sind große Buchstaben aus Schokolade. Jedes Kind bekommt meist den Anfangsbuchstaben seines Vornamens. Früher formte man diese Buchstaben aus Brotteig, später aus Schokolade.
  • Speculaas (ausgesprochen „spe-kü-LAAS“) ist ein flacher Gewürzkeks. Man presst den Teig in Holzformen, sodass Figuren entstehen, zum Beispiel ein Pferd oder Sinterklaas selbst.
  • Marsepein (ausgesprochen „mar-se-PEIN“) ist Marzipan, oft in Form von Tieren, Obst oder Kartoffeln.
  • Banketstaaf (ausgesprochen „ban-KET-staaf“) ist eine lange Stange aus Blätterteig mit Mandelfüllung.

Kommt Sinterklaas auch nach Belgien und Deutschland?

Ja, Sinterklaas kommt auch nach Belgien und in einige Gegenden in Deutschland. In Belgien bringt er die Geschenke im flämischen Teil des Landes in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember. Die Kinder packen sie also erst am Morgen des 6. Dezember aus, ähnlich wie beim deutschen Nikolaustag. Im französischsprachigen Teil Belgiens heißt er Saint Nicolas (ausgesprochen „sä ni-ko-LA“).

In Deutschland gibt es in Potsdam jedes Jahr ein großes Sinterklaasfest im Holländischen Viertel. Dieses Stadtviertel ließ der preußische König im 18. Jahrhundert für Handwerker aus den Niederlanden bauen. Sinterklaas kommt dort am zweiten Adventswochenende mit dem Schiff im Hafen an. Im Jahr 2026 ist das am 12. und 13. Dezember.

Warum feiern die Niederländer Sinterklaas lieber als Weihnachten?

Die Niederländer feiern Sinterklaas so groß, weil das Fest dort viel älter ist als die Bescherung an Weihnachten. Sinterklaas wird in den Niederlanden schon seit dem Mittelalter gefeiert. Nach der Reformation versuchten die strengen evangelischen Kirchenleute, das Fest zu verbieten, weil sie gegen die Verehrung von Heiligen waren. Die Familien feierten trotzdem weiter, nur eben zu Hause.

Heute kommt in vielen niederländischen Familien zusätzlich an Weihnachten der Kerstman (ausgesprochen „KERST-man“), der Weihnachtsmann. Manche Familien beschenken sich an beiden Festen. Damit die beiden sich nicht in die Quere kommen, achten viele Geschäfte darauf, Weihnachtsmänner und Weihnachtsschmuck erst nach dem 5. Dezember aufzustellen, wenn Sinterklaas abgereist ist.

Ist Sinterklaas ein Kulturerbe?

Das Sinterklaasfest stand lange auf der Liste des immateriellen Kulturerbes der Niederlande. Immaterielles Kulturerbe sind Bräuche und Feste, die so wichtig sind, dass man sie schützen will. Wegen des Streits um den Zwarten Piet wurde das Fest wieder von der Liste genommen. Das Kenniscentrum Immaterieel Erfgoed Nederland (ausgesprochen „KEN-nis-sen-trüm im-ma-te-ri-JEEL ERF-chut NEE-der-lant“), das die Liste führt, fand, dass ein Brauch keine Menschengruppen verletzen darf. Seit es fast überall Roetveegpieten gibt, hat sich das geändert. Im November 2025 kündigte das Kenniscentrum an, dass das Sinterklaasfest in Zukunft wieder auf die Liste kommt.

Zum Weiterdenken

Sinterklaas ist sehr alt, aber vieles an ihm ist erst vor rund 175 Jahren dazugekommen, zum Beispiel das Dampfschiff aus Spanien. Und auch heute verändert sich das Fest noch, wie man an den Pieten sieht. Wie findest du es, dass ein alter Brauch verändert wird, damit sich niemand verletzt fühlt? Und welches Gedicht würdest du für ein Familienmitglied schreiben, wenn du am Pakjesavond ein Geschenk machen müsstest?

Quellen: Koninklijke Bibliotheek: Sint Nikolaas en zijn knecht, Sinterklaas.nl: Landesweite Ankunft 2026, Ozosnel.nl: Die Pferde von Sinterklaas, NRC: Das Sinterklaasjournaal und die Pieten, Meertens Instituut: Fragen über Zwarte Piet, NRC: Sinterklaas kommt zurück auf die Erbe-Liste, RTV Drenthe: Chocoladeletters, Sinterklaas in Potsdam

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