Zum Inhalt springen
Neugier kennt kein Alter. Wissen für Kinder & Erwachsene.
Wissen entdecken / Weiterlesen

Tomte: Wer bringt in Schweden die Geschenke?

Alte Weihnachtskarte mit Tomtar in roten Zipfelmützen, die in einer Scheune Geschenke einpacken

Die kurze Antwort

Der Tomte (ausgesprochen „TOM-te“) ist ein kleiner Hauswichtel aus Schweden. In Norwegen und Dänemark heißt er Nisse (ausgesprochen „NISS-e“). Nach altem Volksglauben lebte er auf jedem Bauernhof, passte auf Tiere und Menschen auf und wollte dafür an Weihnachten eine Schüssel Grütze mit Butter bekommen. Geschenke brachte dieser alte Hoftomte nicht. Die Geschenke brachte in Skandinavien früher der Julbock (ausgesprochen „JÜÜL-bock“), eine Gestalt mit Ziegenhörnern. Erst im 19. Jahrhundert wurde aus dem kleinen Hofwichtel der Jultomte (ausgesprochen „JÜÜL-tom-te“), ein Weihnachtsmann mit Zipfelmütze, der am Heiligabend an die Tür klopft und die Geschenke bringt. Berühmt gemacht haben ihn ein Gedicht von Viktor Rydberg (ausgesprochen „WIK-tor RÜÜD-bärj“) aus dem Jahr 1881 und die Bilder der Malerin Jenny Nyström (ausgesprochen „JENN-i NÜÜ-ström“).

Alte Weihnachtskarte mit Tomtar in roten Zipfelmützen, die in einer Scheune Geschenke einpacken
Tomtar mit roten Zipfelmützen auf einer alten Weihnachtskarte von Jenny Nyström. Foto: Jenny Nyström, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Es ist eine eiskalte Winternacht auf einem einsamen Bauernhof in Schweden. Alle schlafen. Nur einer ist noch wach. Er ist nicht größer als ein kleines Kind, hat einen langen grauen Bart und eine rote Zipfelmütze. Leise geht er durch die Ställe, schaut nach den Kühen und Pferden und spricht mit ihnen. Das ist der Tomte. In Schweden, Norwegen und Dänemark kennt jedes Kind diesen kleinen Wichtel. Heute bringt er sogar die Weihnachtsgeschenke. Doch früher war das ganz anders. Wer war der Tomte, bevor er zum Weihnachtsmann wurde? Und warum darf auf seiner Weihnachtsgrütze auf keinen Fall die Butter fehlen?

Welche anderen Gabenbringer es auf der Welt gibt, zeigt unser Überblick Christkind oder Weihnachtsmann: Wer bringt in welchem Land die Geschenke?.

Was ist ein Tomte?

Ein Tomte ist nach skandinavischem Volksglauben ein kleiner Hausgeist, der auf einem Bauernhof lebt. Skandinavien ist der Name für die Länder Schweden, Norwegen und Dänemark im Norden Europas. Der Name Tomte kommt vom schwedischen Wort „tomt“ (ausgesprochen „tommt“). Das bedeutet Grundstück oder Hofstelle. Der Tomte ist also der Geist, der zu einem bestimmten Hof gehört. Mehrere Tomte nennt man auf Schwedisch Tomtar (ausgesprochen „TOM-tar“). In Norwegen und Dänemark heißt er Nisse. Dieser Name kommt vermutlich von Nils, einer nordischen Form von Nikolaus.

Man stellte sich den Tomte als kleinen, alten Mann vor, nicht größer als ein Kind. Er hatte einen grauen Bart, trug graue Kleidung aus Wolle und eine Zipfelmütze. Er war sehr stark und konnte mehr arbeiten als ein erwachsener Knecht.

Was machte der Tomte auf dem Bauernhof?

Der Tomte passte auf den Hof auf und sorgte dafür, dass es Menschen und Tieren gut ging. Vor allem kümmerte er sich um das Vieh, also die Kühe, Pferde, Schafe und Ziegen. Nach dem Volksglauben fütterte er nachts die Pferde und flocht ihnen die Mähne. Wo ein Tomte lebte, war der Hof reich und glücklich.

Der Tomte war aber auch empfindlich und konnte leicht wütend werden. Wenn die Menschen faul, unordentlich oder grob zu den Tieren waren, rächte er sich. Er konnte Kühe krank machen, Dinge verstecken oder jemandem eine Ohrfeige geben. Manchmal zog er sogar vom Hof weg und nahm das Glück mit. Deshalb behandelten die Bauern ihren Tomte mit großem Respekt. Sie sprachen ihn nicht direkt an und gaben ihm keine Befehle.

Warum bekommt der Tomte an Weihnachten Grütze?

Der Tomte bekommt an Weihnachten Grütze, weil das nach altem Glauben der Lohn für seine Arbeit im ganzen Jahr war. Am Heiligabend stellten die Bauern ihm eine Schüssel Grütze hin. Das ist ein warmer Brei aus Reis oder Getreide, der mit Milch gekocht wird. Ganz wichtig war ein großes Stück Butter oben darauf. In Norwegen heißt diese Grütze Nissegrøt (ausgesprochen „NISS-e-gröt“).

Es gibt eine bekannte Geschichte, die zeigt, warum man den Tomte nicht verärgern darf. Eine Magd brachte dem Tomte einmal seine Grütze, aber sie hatte vergessen, die Butter hineinzulegen. Der Tomte wurde so wütend, dass er die Kuh des Hofes tötete. Dann aß er die Grütze und fand die Butter ganz unten in der Schüssel. Sie war nur versunken. Da tat ihm seine Wut leid. Er ging in die Nachbarschaft und holte als Ersatz eine andere Kuh in den Stall.

In Schweden kocht man die Weihnachtsgrütze bis heute aus Rundkornreis, Wasser, Milch, Butter und einer Zimtstange. Wie dieser schwedische Reisbrei gekocht wird, steht in unserem Rezept Reisbrei.

Viele Familien in Schweden, Norwegen und Dänemark stellen auch heute noch am Heiligabend eine Schale mit Grütze für den Tomte oder Nisse hin, auf den Dachboden, in die Scheune oder vor die Tür.

Wer brachte in Skandinavien früher die Geschenke?

Früher brachte in Skandinavien der Julbock die Geschenke. Das Wort bedeutet „Weihnachtsbock“. Gemeint ist ein Ziegenbock. „Jul“ (ausgesprochen „jüül“) ist das skandinavische Wort für Weihnachten.

Ursprünglich war der Julbock eine Gestalt, die eher erschreckte als beschenkte. Junge Männer verkleideten sich in der Weihnachtszeit mit Fellen und Hörnern als Bock und zogen lärmend durch die Dörfer. Sie verlangten Essen und Getränke. Das gefiel nicht allen. In Stockholm wurde das Herumziehen als Julbock im Jahr 1721 sogar verboten.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde der Julbock dann freundlicher. Er brachte nun Geschenke. Der erste bekannte Bericht über einen Julbock, der Geschenke bringt, stammt aus dem Jahr 1807 aus der schwedischen Stadt Alingsås (ausgesprochen „AA-lings-ohs“). In Finnland ist der Weihnachtsmann bis heute nach dem Bock benannt. Er heißt dort Joulupukki (ausgesprochen „JOU-lu-puk-ki“), wie unser Artikel Joulupukki: Wer ist der finnische Weihnachtsmann? erklärt.

Wie wurde der Tomte zum Weihnachtsmann?

Der Tomte wurde im 19. Jahrhundert zum Weihnachtsmann, als die Menschen in Schweden den Julbock gegen eine freundlichere Gestalt austauschten. Damals kamen aus Deutschland, England und Amerika die ersten Bilder von Weihnachtsmännern nach Skandinavien. Gleichzeitig kannte jeder den Tomte aus den alten Geschichten. So vermischten sich die beiden. Aus dem kleinen Hofwichtel wurde der Jultomte, der Weihnachtstomte. Er bringt am Heiligabend die Geschenke.

Zwei Menschen haben das Bild des Jultomte besonders geprägt. Der eine war der Dichter Viktor Rydberg. Er veröffentlichte im Jahr 1881 in einer Zeitung in Göteborg das Gedicht „Tomten“. Darin wacht ein alter Tomte in einer kalten Winternacht über einen Hof, während alle schlafen. Er geht durch Ställe und Scheunen, denkt nach über das Leben und darüber, woher die Menschen kommen und wohin sie gehen. Das Gedicht ist bis heute eines der bekanntesten Gedichte Schwedens.

Die andere war die Malerin Jenny Nyström, die 1854 geboren wurde. Sie malte Bilder zu Rydbergs Gedicht und später Hunderte Weihnachtskarten. Ihre Tomtar haben rote Zipfelmützen, graue Bärte und runde Nasen und sind freundlich und gemütlich. Mit diesen Karten wurde ihr Tomte in ganz Schweden bekannt. Er wurde mit der Zeit immer größer, bis er schließlich so groß war wie ein Mensch und die Geschenke bringen konnte.

Was ist Tomte Tummetott?

Tomte Tummetott ist ein Bilderbuch von Astrid Lindgren, der berühmten schwedischen Kinderbuchautorin von Pippi Langstrumpf. Sie hat darin Viktor Rydbergs Gedicht „Tomten“ in eine Geschichte für Kinder umgeschrieben. Die Bilder malte Harald Wiberg (ausgesprochen „HAA-rald WII-bärj“). Im Buch schleicht Tomte Tummetott in einer verschneiten Winternacht über einen einsamen Bauernhof. Er schaut in Stall, Scheune und Vorratskammer, flüstert mit den Tieren und tröstet sie, weil der Frühling bald kommt. Niemand hat ihn je gesehen, aber alle wissen, dass es ihn gibt. In Deutschland ist das Buch vielen Kindern bekannt.

Wie bringt der Jultomte die Geschenke?

Der Jultomte bringt die Geschenke in Schweden am Heiligabend, dem 24. Dezember. Er kommt nicht heimlich durch den Schornstein wie Santa Claus, sondern klopft an die Tür. Er fragt „Finns det några snälla barn här?“ (ausgesprochen „finns de NOO-gra SNELL-a baarn häär“). Das heißt „Gibt es hier brave Kinder?“ Dann verteilt er die Geschenke. Oft verkleidet sich ein Vater, Onkel oder Nachbar als Tomte. Seltsamerweise ist dieser Erwachsene meistens gerade „Zeitung kaufen“ gegangen, wenn der Tomte kommt.

Früher warf man Geschenke übrigens anonym durch die Tür. Man klopfte, öffnete schnell die Tür, warf ein Paket ins Zimmer und rannte weg. Davon kommt das schwedische Wort für Weihnachtsgeschenk, Julklapp (ausgesprochen „JÜÜL-klapp“). Es bedeutet ungefähr „Weihnachtsklopfer“. Auf die Pakete schrieb man oft lustige Reime. Diesen Brauch gab es in Schweden im 19. Jahrhundert. Das Wort hat es sogar nach Norddeutschland geschafft. An der Ostsee, zum Beispiel in Mecklenburg und Vorpommern, sagen manche Menschen bis heute Julklapp zu einem Weihnachtsgeschenk.

Ist der Tomte das Gleiche wie ein Weihnachtswichtel?

Der Tomte und der Weihnachtswichtel sind verwandt, aber nicht das Gleiche. Der skandinavische Tomte war ursprünglich ein Hofgeist, der das ganze Jahr auf einem Bauernhof lebte. Die Weihnachtswichtel, die heute in vielen deutschen Familien in der Adventszeit hinter einer kleinen Tür an der Wand wohnen, sind eine neue Idee. Sie wurden erst in den letzten Jahren in Deutschland bekannt und gehen auf die skandinavischen Nisser zurück. Wie der Tomte machen sie gern Unfug, aber sie bringen auch kleine Überraschungen. Wie man eine solche Tür selbst baut, zeigt die Anleitung Wichteltür basteln.

Was ist der Unterschied zwischen Tomte, Nisse und Jultomte?

NameLandWas er tut
TomteSchwedenKleiner Hofgeist, der das ganze Jahr über den Hof wacht
NisseNorwegen, DänemarkKleiner Hofgeist, gleiche Gestalt wie der Tomte
JultomteSchwedenWeihnachtsmann, der am Heiligabend die Geschenke bringt
JulbockSchwedenZiegenbock, der früher die Geschenke brachte

Zum Weiterdenken

Der Tomte hat eine weite Reise hinter sich. Früher war er ein kleiner, empfindlicher Geist, vor dem die Bauern Respekt hatten und dem sie ein Geschenk machten. Heute macht er selbst Geschenke. Was glaubst du, warum die Bauern sich einen unsichtbaren Helfer vorgestellt haben, der nachts nach den Tieren sieht? Und was würdest du einem Hofwichtel als Dank hinstellen, wenn er bei dir wohnen würde?

Jetzt selbst ausprobieren

Koch mit deinen Eltern am Heiligabend einen echten schwedischen Reisbrei und stell dem Tomte ein Schälchen davon hin, mit einem Stück Butter obendrauf. Wie das geht, steht im Rezept Reisbrei.

Quellen: Nordiska museet: Weihnachten in Schweden, Institut für Sprache und Volksüberlieferung (ISOF): Der Julbock, Skansen: Weihnachtsbräuche, Expressen: Der Ursprung des Tomte, Astrid Lindgren: Tomte Tummetott, NIBIO: Norwegische Weihnachtsbräuche

Noch nicht genug entdeckt?

Manche Antworten führen direkt zur nächsten Frage. Stöbere weiter durch unsere Themenwelten.

Alle Themen