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Hat man im Mittelalter schon Weihnachten gefeiert?

Mittelalterliche Buchmalerei der Geburt Jesu im Stall mit Maria, Josef und Hirten

Die kurze Antwort

Ja, im Mittelalter hat man Weihnachten gefeiert. Es war nach Ostern das zweitwichtigste Fest der Christen. In Deutschland ist Weihnachten seit dem Jahr 813 ein offizieller Feiertag. Damals dauerte das Fest vier Tage. Vorher fasteten die Menschen mehrere Wochen lang und aßen kein Fleisch. An Weihnachten gingen sie in der Nacht und am Tag in die Kirche, schauten sich Krippenspiele an und hielten ein großes Festessen. Einen Weihnachtsbaum gab es noch nicht, und Geschenke bekamen Kinder meistens am Nikolaustag oder zu Neujahr.

Mittelalterliche Buchmalerei der Geburt Jesu im Stall mit Maria, Josef und Hirten
Die Geburt von Jesus in einem Gebetbuch, das die Brüder von Limburg zwischen 1411 und 1416 für den französischen Herzog von Berry gemalt haben. Foto: Limbourg brothers, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Das Mittelalter ist die Zeit von etwa 500 bis 1500 nach Christus. In diesen tausend Jahren wurden fast alle Menschen in Europa Christen, und Weihnachten wurde zu einem großen Fest. Vieles davon kennst du heute noch, zum Beispiel die Christmette, das Krippenspiel und den Christstollen. Anderes war ganz anders als heute. In diesem Artikel erfährst du, seit wann man in Deutschland Weihnachten feiert, wie das Fest im Mittelalter hieß, warum die Menschen vorher hungerten, was sie an Weihnachten gegessen haben und ob es schon Geschenke, Weihnachtsmärkte und Weihnachtsbäume gab.

Hat man im Mittelalter schon Weihnachten gefeiert?

Ja, Weihnachten wurde im ganzen Mittelalter gefeiert. Weihnachten ist das Fest, an dem die Christen die Geburt von Jesus feiern. Im Mittelalter waren fast alle Menschen in Deutschland Christen. Deshalb feierten Bauern, Handwerker, Mönche, Ritter und Könige gemeinsam dieses Fest.

Wichtiger als Weihnachten war im Mittelalter aber Ostern. An Ostern feiern die Christen, dass Jesus nach seinem Tod wieder lebendig geworden ist. Für den christlichen Glauben ist das das wichtigste Ereignis. Weihnachten war das zweitwichtigste Fest im Jahr. Gefeiert wurde es schon vor dem Mittelalter. Wie es entstanden ist, erfährst du in unserem Artikel Haben die Römer Weihnachten gefeiert?.

Gefeiert wurde Weihnachten vor allem in der Kirche. Der Gottesdienst stand im Mittelpunkt, und die Feiern fanden in der Öffentlichkeit statt, in Kirchen, auf Burgen und auf Marktplätzen. Ein Fest im Kreis der Familie unter dem Weihnachtsbaum wurde Weihnachten erst viele Jahrhunderte später.

Seit wann feiert man in Deutschland Weihnachten?

In Deutschland ist Weihnachten seit dem Jahr 813 ein Feiertag für alle. Damals legte eine Versammlung von Bischöfen in Mainz fest, dass Weihnachten ein Feiertag ist, an dem niemand arbeiten soll. So eine Versammlung nennt man eine Synode.

Vorher waren viele Menschen im Gebiet des heutigen Deutschland noch keine Christen. Sie glaubten an alte Götter. Missionare zogen durch das Land. Das waren Mönche und Priester, die den Menschen vom christlichen Glauben erzählten und sie tauften. Erst als die meisten Menschen Christen geworden waren, konnte Weihnachten ein Fest für alle werden.

Die Synode von Mainz bestimmte auch, wie lange gefeiert wurde. Weihnachten bekam vier Feiertage.

Wie hieß Weihnachten im Mittelalter?

Die Gelehrten nannten Weihnachten im Mittelalter auf Lateinisch „Nativitas Domini“ (ausgesprochen „na-TII-wi-tas DOO-mi-ni“), das bedeutet „Geburt des Herrn“. Latein war die Sprache der Kirche. Alle Gottesdienste und fast alle Bücher waren auf Latein. Mit dem „Herrn“ ist Jesus gemeint.

Das deutsche Wort Weihnachten ist etwa 850 Jahre alt. Zum ersten Mal steht es in einer Sammlung von Predigten aus der Zeit um 1170. Dort heißt es auf Mittelhochdeutsch, dass die Gnade Gottes in dieser Nacht zu den Menschen gekommen sei und die Nacht deshalb „diu wîhe naht“ (ausgesprochen „dü WII-he nacht“) heiße. Mittelhochdeutsch ist die deutsche Sprache, wie man sie im Hochmittelalter sprach. Sie klingt für uns heute fremd, aber viele Wörter kann man noch erkennen.

Aus der gleichen Zeit stammt ein Lied des Dichters Spervogel. In seinem Lied singt er von Jesus, „der ze wîhen naht geborn wart“. Das heißt „der in der heiligen Nacht geboren wurde“.

Mittelalterliche Buchmalerei des Dichters Spervogel aus der Manessischen Liederhandschrift
Der Dichter Spervogel in der Manessischen Liederhandschrift. Das Buch entstand zwischen etwa 1300 und 1340 in Zürich und enthält auch seine Lieder. Foto: Meister des Codex Manesse, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Das Wort „wîh“ bedeutete „heilig“. Davon kommt auch das Wort „weihen“. „Naht“ bedeutet Nacht. Am häufigsten sagten die Menschen „ze den wîhen nahten“, also „in den heiligen Nächten“. Weil sie dabei mehrere Nächte meinten, endet unser Wort Weihnachten bis heute auf „-en“. Mit den heiligen Nächten waren die Nächte der Weihnachtsfeiertage gemeint. Vor diesen Feiertagen lag aber eine lange Zeit, in der die Menschen fasteten.

Warum fasteten die Menschen vor Weihnachten?

Die Menschen fasteten vor Weihnachten, um sich auf die Geburt von Jesus vorzubereiten. Fasten bedeutet, dass man für eine bestimmte Zeit auf bestimmte Speisen verzichtet. Im Mittelalter aßen die Menschen in der Fastenzeit kein Fleisch. Auch Butter, Milch und Eier waren an vielen Fastentagen verboten.

Die Zeit vor Weihnachten heißt Advent. Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Ankunft“. Gemeint ist die Ankunft von Jesus. Der Advent war im Mittelalter eine ernste Zeit, ähnlich wie die Fastenzeit vor Ostern. Die Christen sollten beten, auf Feste verzichten und an arme Menschen denken.

In vielen Gegenden begann das Fasten schon am 11. November, dem Martinstag. Diese Regel ist sehr alt. Schon um das Jahr 480 bestimmte ein Bischof in der Stadt Tours (ausgesprochen „TUUR“) in Frankreich, dass die Christen vom Martinstag bis Weihnachten an drei Tagen in jeder Woche fasten sollten. Das waren ungefähr 40 Tage.

Für die armen Menschen war das Fasten keine große Umstellung, weil sie auch sonst selten Fleisch hatten. Sie aßen Brei, Brot, Gemüse und Hülsenfrüchte. Reiche Leute ersetzten das Fleisch in der Fastenzeit oft durch Fisch, denn Fisch war erlaubt.

Was hat der Christstollen mit dem Fasten zu tun?

Der Christstollen war im Mittelalter ein Fastengebäck. Er durfte in der Adventszeit gegessen werden, weil er keine verbotenen Zutaten enthielt. Gebacken wurde er aus Mehl, Wasser und Öl. Butter und Milch waren in der Fastenzeit verboten. Der Stollen war deshalb ein eher trockenes und mageres Brot.

Der Stollen gilt als das älteste Weihnachtsgebäck in Deutschland, das in einer Urkunde erwähnt wird. Eine Urkunde ist ein wichtiges Schriftstück, in dem zum Beispiel ein Recht festgehalten wird. Im Jahr 1329 erlaubte Bischof Heinrich von Naumburg den Bäckern seiner Stadt, sich zu einer Zunft zusammenzuschließen. Eine Zunft war eine Vereinigung von Handwerkern desselben Berufs. Als Gegenleistung mussten die Bäcker dem Bischof jedes Jahr am Christabend zwei lange Weißbrote bringen, „die man Stollen nennet“. Der Christabend ist der Abend vor Weihnachten, also der 24. Dezember.

Butter kam erst am Ende des Mittelalters in den Stollen. Im Jahr 1491 erlaubte Papst Innozenz VIII. den Menschen in Sachsen in einem Brief, auch in der Fastenzeit Butter zu essen. Diesen Brief nennt man heute den Butterbrief.

Ein angeschnittener Dresdner Christstollen mit Puderzucker
Ein Dresdner Christstollen, wie man ihn heute backt. Im Mittelalter war der Stollen ein mageres Brot ohne Butter, Rosinen und Puderzucker. Foto: Gürgi, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Ein anderes altes Weihnachtsgebäck ist der Lebkuchen. Er wurde mit Honig und Gewürzen gebacken. Gewürze wie Zimt, Nelken und Pfeffer kamen von weit her und waren sehr teuer. In Nürnberg wird im Jahr 1395 zum ersten Mal ein Lebküchner erwähnt, also ein Bäcker, der Lebkuchen herstellte.

Die Zutaten für dieses Gebäck und für das Festessen kauften die Menschen in den Wochen vor Weihnachten auf Märkten ein.

Gab es im Mittelalter schon Weihnachtsmärkte?

Ja, die ersten Weihnachtsmärkte gab es schon im Mittelalter, allerdings waren es Märkte zum Einkaufen und keine Feste. Die Menschen kauften dort Fleisch, Brot und andere Dinge, die sie für die Feiertage brauchten.

In Bautzen in Sachsen erlaubte König Wenzel im Jahr 1384 einen Fleischmarkt, der jeden Samstag bis Weihnachten stattfand. Das steht in einer alten Chronik. Der Markt blieb aber lange ein reiner Fleischmarkt und wurde mehrmals unterbrochen. In Dresden gab es ab 1434 am Tag vor dem Christabend einen Markt auf dem Altmarkt. Die Urkunde dazu ist das älteste erhaltene Schriftstück in Deutschland, das einen Markt für den Tag vor Weihnachten erlaubt. Der Markt heißt heute Striezelmarkt, nach dem alten Dresdner Wort für den Stollen. Am Tag nach diesem Markt begann mit dem Christabend das eigentliche Fest. Oft liest man, dass es schon im Jahr 1296 in Wien einen Weihnachtsmarkt gab. Das stimmt nicht: Die Stadt Wien sagt selbst, dass es im mittelalterlichen Wien keinen Weihnachtsmarkt gab. Seit wann es Weihnachtsmärkte gibt und welcher der älteste ist, erklären wir im Beitrag Seit wann gibt es Weihnachtsmärkte?.

Der beleuchtete Eingang zum Dresdner Striezelmarkt am Abend
Der Eingang zum Dresdner Striezelmarkt im Jahr 2023. Seine Geschichte beginnt mit einem Markt im Jahr 1434. Foto: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Was geschah im Mittelalter am Heiligabend?

Am 24. Dezember war im Mittelalter noch Fastentag, und die Kirche erinnerte an Adam und Eva. Nach der Bibel waren Adam und Eva die ersten Menschen. Ihre Geschichte spielte man an diesem Tag in Kirchen und auf Marktplätzen als Theaterstück nach. Man nannte es das Paradiesspiel. Auf der Bühne stand ein Baum mit Äpfeln, der den Baum im Paradies darstellte.

Die eigentliche Feier begann am Abend. Ein großes Fest fing in der Kirche schon am Abend vorher mit einem Abendgebet an, der Vesper. Das Weihnachtsfest begann also schon am Abend des 24. Dezember. Deshalb sprach man vom Christabend oder von der heiligen Nacht. Heute nennen wir diesen Abend Heiligabend.

Eine Bescherung am Heiligabend, so wie heute, gab es im Mittelalter noch nicht. Die Menschen gingen in der Nacht in die Kirche. Erst danach endete das Fasten.

Welche Gottesdienste gab es an Weihnachten?

An Weihnachten gab es im Mittelalter drei Gottesdienste, die man Messen nennt. Die erste war in der Nacht, die zweite bei Sonnenaufgang und die dritte am Tag. So ist es in der katholischen Kirche bis heute.

MesseWann?Woran erinnert sie?
Engelamt oder Christmettein der Nachtan die Engel, die den Hirten die Geburt von Jesus verkündeten
Hirtenamtbei Sonnenaufgangan die Hirten, die zum Stall in Betlehem kamen
Hochamtam Tagan Jesus als Sohn Gottes

Das Wort Mette kommt vom lateinischen Wort „matutina“ (ausgesprochen „ma-tu-TII-na“). So hieß ein Gebet, das Mönche in der Nacht vor Sonnenaufgang sprachen. In der Weihnachtsnacht folgte auf dieses Gebet die erste Messe. Deshalb heißt der Gottesdienst in der Nacht bis heute Christmette.

Die Gottesdienste waren auf Latein. Die meisten Menschen verstanden diese Sprache nicht und konnten auch nicht lesen. Sie durften aber an manchen Stellen kurze deutsche Lieder mitsingen. Eines davon ist das älteste deutsche Weihnachtslied, über das wir einen eigenen Artikel geschrieben haben. Wie aus solchen Liedern unsere Weihnachtslieder entstanden sind, erfährst du im Artikel Woher kommen unsere Weihnachtslieder?.

Gab es im Mittelalter schon Krippenspiele?

Ja, Krippenspiele gibt es seit dem Mittelalter. Weil die Menschen die lateinischen Texte nicht verstanden, spielten Priester und Mönche die Weihnachtsgeschichte in der Kirche vor. So konnten alle sehen, was in der Bibel erzählt wird.

Am Anfang waren diese Spiele sehr kurz. Schon im 9. Jahrhundert gab es lateinische Wechselgesänge, zum Beispiel zwischen Josef und den Hirten. Ein Sänger sang eine Frage, ein anderer die Antwort. Später wurden daraus längere Stücke. Ein Dreikönigsspiel erzählte von den Sterndeutern, die dem Stern nach Betlehem folgten. Eines der ältesten Spiele dieser Art wurde um das Jahr 1080 im Dom von Freising in Bayern aufgeführt. Aus dem 13. Jahrhundert ist ein langes Weihnachtsspiel aus dem Kloster Benediktbeuern in Bayern erhalten.

Später wurden die Spiele größer. Auch Menschen, die keine Priester waren, spielten mit. Die Stücke wurden auf Deutsch aufgeführt, und manche fanden auf dem Marktplatz statt. Oft gehörte zu einem Weihnachtsspiel auch die Geschichte von Adam und Eva. Die Christen glaubten nämlich, dass Jesus geboren wurde, um die Menschen von der Schuld zu befreien, die mit Adam und Eva begonnen hatte.

Noch näher als beim Krippenspiel konnten die Menschen der Geburt von Jesus bei einem anderen Brauch in der Kirche kommen, dem Kindelwiegen.

Was ist das Kindelwiegen?

Beim Kindelwiegen legte man im Mittelalter eine Figur des Jesuskindes in eine Wiege und schaukelte sie in der Kirche hin und her. Dazu sangen die Menschen Wiegenlieder. Man nennt den Brauch auch Kindleinwiegen oder Christkindlwiegen.

Die älteste Nachricht über das Kindelwiegen stammt aus dem Jahr 1162. Ein Propst aus dem Kloster Reichersberg in Österreich beschrieb, wie Mönche in ihrer Klosterkirche die Wiege schaukelten und dabei sangen. Ein Propst ist der Leiter einer Gemeinschaft von Geistlichen. Im 14. Jahrhundert war der Brauch in vielen Klöstern in Bayern und Österreich verbreitet, besonders bei den Nonnen.

Im 15. Jahrhundert kam das Kindelwiegen auch in die Kirchen der Städte und Dörfer. Vor dem Altar stand eine Wiege mit einer schön geschmückten Figur. Die Kinder durften sie schaukeln, um die Wiege tanzen und dazu klatschen. Manchmal wurde das Jesuskind sogar herumgereicht und geküsst.

Welches Lied sang man beim Kindelwiegen?

Zum Kindelwiegen gehört das Lied „Joseph, lieber Joseph mein“. Es ist das älteste deutsche Wiegenlied für das Jesuskind und stammt aus dem 14. Jahrhundert. Aufgeschrieben hat es ein Dichter, den man den Mönch von Salzburg nennt. Beim Kindelwiegen sangen Maria und Josef es abwechselnd, danach sang der Chor die übrigen Strophen.

Wie lief das Kindelwiegen in einem Kloster ab?

Eine Nonne aus dem Kloster Nonnberg in Salzburg hat im Jahr 1499 aufgeschrieben, wie dort das Kindelwiegen ablief. Während der Christmette lag ein Jesuskind aus Wachs auf dem Altar. Danach trug die Äbtissin, also die Leiterin des Klosters, die Figur in einen hell erleuchteten Saal und legte sie in eine goldene Wiege. Dann durfte jede Nonne die Wiege schaukeln, von der ältesten bis zur jüngsten, während zwei Nonnen dazu Harfe spielten und Schlummerlieder sangen.

Eine kleine geschnitzte Christkindwiege aus dem Mittelalter im Bayerischen Nationalmuseum
Eine Christkindwiege im Bayerischen Nationalmuseum in München. Die bemalten Tafeln mit den Engeln stammen aus der Zeit um 1340. Foto: Andreas Praefcke, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Was hat man im Mittelalter an Weihnachten gegessen?

An Weihnachten aß man im Mittelalter so viel und so gut wie sonst kaum im Jahr, vor allem Fleisch. Mit Weihnachten endete das lange Fasten des Advents. Dieses Ende des Fastens nennt man Fastenbrechen.

Für Fleisch war im Winter gut gesorgt. Im Herbst schlachteten die Bauern einen Teil ihrer Tiere, weil sie nicht genug Futter für den ganzen Winter hatten. Das Fleisch wurde geräuchert oder gepökelt, damit es lange haltbar blieb. Pökeln bedeutet, dass man Fleisch mit viel Salz einreibt. So gab es an Weihnachten Würste, Schinken und Speck. Dazu aß man Kraut oder Kohl.

Eine besondere Weihnachtsspeise war die Mettenwurst. Man aß sie, wenn man in der Nacht aus der Christmette nach Hause kam. Davon hat sie ihren Namen. Nach Wochen ohne Fleisch war diese Wurst ein großes Fest.

Auf den Burgen ging es noch üppiger zu. Nur Adlige durften jagen. Deshalb kam bei ihnen an Weihnachten meist Wild auf den Tisch, zum Beispiel Hirsch oder Wildschwein. Als Nachtisch gab es Honigkuchen und Lebkuchen. Die Adligen feierten in der Kapelle und im Saal ihrer Burg, die Bauern im Dorf. Zusammen gefeiert haben sie wahrscheinlich nicht. Gefeiert und gegessen wurde dabei nicht nur an einem Tag, sondern an mehreren Feiertagen hintereinander.

Wie lange dauerte Weihnachten im Mittelalter?

Weihnachten dauerte im Mittelalter vier Feiertage, später drei. Heute haben wir in Deutschland zwei Weihnachtsfeiertage. An den Feiertagen musste niemand arbeiten. Für die Bauern war das gut zu machen, weil im Winter auf den Feldern ohnehin nichts zu tun war. Nur das Vieh musste trotzdem gefüttert werden.

Als festliche Zeit galten sogar die ganzen zwölf Tage vom 25. Dezember bis zum 6. Januar. Schon im Jahr 567 schrieben Bischöfe in Tours, dass zwischen Weihnachten und dem 6. Januar jeder Tag ein Festtag sei. Die Mönche mussten in dieser Zeit nicht fasten. In diesen Tagen lagen viele Feste dicht hintereinander.

TagFest
25. DezemberGeburt von Jesus
26. DezemberStephanus, der erste Christ, der für seinen Glauben getötet wurde
27. DezemberJohannes, ein Jünger von Jesus
28. DezemberUnschuldige Kinder
1. JanuarNeujahr
6. JanuarErscheinung des Herrn, an dem die Sterndeuter zu Jesus kamen

Mit dem 6. Januar war die Festzeit vorbei. Was an diesem Tag gefeiert wird, erfährst du in unserem Artikel über die Heiligen Drei Könige. In diese zwölf Tage fielen auch zwei der Tage, an denen es im Mittelalter Geschenke gab.

Gab es im Mittelalter Weihnachtsgeschenke?

An Weihnachten selbst gab es im Mittelalter kaum Geschenke. Geschenke bekamen Kinder vor allem am Nikolaustag, dem 6. Dezember, und am 28. Dezember. Erwachsene beschenkten sich eher zu Neujahr.

Der 28. Dezember ist der Tag der Unschuldigen Kinder. An ihm erinnert die Kirche an die kleinen Kinder in Betlehem, die nach der Bibel König Herodes töten ließ, weil er Angst vor dem neugeborenen Jesus hatte. An diesem Tag wählten die Schüler in Klosterschulen einen Kinderbischof. Ein Schüler durfte für kurze Zeit Bischof spielen, und es gab Süßigkeiten und Belohnungen. Später wurde dieser Brauch auf den Nikolaustag verlegt, über den du mehr in unserem Artikel über den Nikolaus erfährst.

Zu Neujahr tauschten Adlige und Geistliche schon seit dem 9. Jahrhundert Geschenke aus. Dienstboten und Arme bekamen an den Festtagen Geld oder Brot. Den Armen etwas zu geben, gehörte für Christen zu Weihnachten dazu.

Die Bescherung an Weihnachten kam erst nach dem Mittelalter auf. Wie es dazu kam, erfährst du in unserem Artikel über das Christkind.

Gab es im Mittelalter schon einen Weihnachtsbaum?

Nein, einen Weihnachtsbaum gab es im Mittelalter noch nicht. Den ersten geschmückten Weihnachtsbaum gab es erst kurz nach dem Ende des Mittelalters.

Einen Baum mit Äpfeln gab es im Mittelalter nur beim Paradiesspiel am 24. Dezember. Aus diesem Paradiesbaum ist später wahrscheinlich der Weihnachtsbaum entstanden. Die ganze Geschichte steht in unserem Artikel Woher kommt der Weihnachtsbaum?.

Quellen: DWDS: Weihnacht, Etymologisches Wörterbuch, Institut für Geschichtliche Landeskunde Rheinland-Pfalz: Die Herkunft des Wortes Weihnachten, Herder, Liturgisches Lexikon: Weihnachtsmessen, katholisch.de: So kam die Butter in den Stollen, katholisch.de: Das Jesulein in der Wiege, BR-Klassik: Die ältesten deutschen Weihnachtslieder, Freie Universität Berlin: Krippenspektakel und Habenichtse, Rheinische Post: So feierte man Weihnachten im Mittelalter auf Schloss Burg, Stadt Bautzen: Deutschlands ältester Weihnachtsmarkt, Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien: Christkindlmarkt, Sächsische Zeitung: Welcher ist der älteste? und Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie: Nürnberger Lebkuchen.

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